192. Jahrgang Nr. 112
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Scharfe Verfolgung auf der Halbinsel Kertsch
Donezfronl befin-
kräste des Gegners.
An mehreren Stellen der den sich unsere Truppen in
Die vorderasiatische Entente besaß bereits vor dem Kriege wesentlich geringere praktische Bedeutung, als die Balkan-Entente. Ihre Tätigkeit ruht seit Ausbruch des Krieges nahezu gänzlich. Seit der Besetzung Irans durch die Sowjets und England und dem Diktat der Besatzungsmächte ist die vorderasiatische Entente wenn auch nicht formell, so doch faktisch außer Kraft getreten.
An der Feststellung, daß ein Vordringen der Sowjets im Iran und, in weiterer Entwicklung, im Nahen Osten die Funktion der Türkei innerhalb der englisch-sowjetischen Nahostpolitik insofern völlig ändern würde, als die Türkei unter solchen Voraussetzungen innerhalb dieses Rahmens weniger als bisher die Funktion einer Flankensicherung für die englischen Nahostpositionen besitzen würde, dafür desto stärker die Funktion eines Keiles innerhalb der sowjetischen Nahostinteressen, an dieser Feststellung kann festgehalten werden. Daß die Türkei diesem Funktionswandel unterworfen war, dessen ist sich wohl auch die türkische Regierung, ohne daß dies jemals ausdrücklich gesagt wurde, bewußt geworden.
In der Presse fanden die Ereignisse in Iran gerade während der letzten Zeit stärkste Beachtung. Daß diese Artikel nicht nur die Meinung der Chefredakteure der einzelnen Blätter wiedergegeben haben, sondern daß sie wahrscheinlich inspiriert wurden, oder zumindest sich in ihnen Gedankengänge spiegeln, wie sie bei Len vor rund zwei Wochen abgehaltenen Besprechungen der Chefredakteure mit dem Ministerpräsidenten und Außenminister von diesen zum Ausdruck gebracht wurden, geht schon daraus hervor, daß alle diese Aufsätze zu gleichen Feststellungen gelangen. Nur in dem Leitartikel der Zeitung „Cunchuriyet" findet sich ein, sonst nicht zum Ausdruck gebrachter Gesichtspunkt. Dieses Blatt fordert nämlich von England, daß es seinen Einfluß in Iran stärker als bisher im Interesse einer Befriedung des Landes einfetzen möge. Das Blatt stellt diese Forderung mit dem Hinweis darauf, daß England zu diesem Einsatz geradezu verpflichtet sei.
Dieser nicht ganz klare Hinweis berechtigt zu dem Schluß, daß dös Gerücht, nach dem die Türkei bei England interveniert habe, damit dieses die in Iran lebenden Staatsbürger türkischer Volkszugehörigkeit vor den Gewaltmaßnahmen der sowjetischen Besatzungsbehörden sichere, seine Begründung hat. Was in der Zeitung „Cumhuriyet" nur angedeutet wird, daß nänilich die Türkei an den Vorgängen in Iran nicht desinteressiert bleiben könne, wird in einer kürzlich erschienenen Broschüre klar ausgesprochen, die bezeichnenderweise in der Druckerei des „Cumhuriyet" hergestellt wurde. Sie fordert leidenschaftlich den Schutz der in Iran lebenden fünf Millionen Türken. Der iranische Staat existiere nicht mehr. „Die Zeit, in der die iranischen Türken zu
Halten um jeden Preis! Sind darum alle zwei Wochen Sendboten Stalins an diese Front gekommen, haben Verstärkung über Verstärkung, stärkste Artilleriekräfte und Hunderte schwerer und schwerster Panzer gebracht, um nun, nach so vielen im Blut erstickten Angriffen auf die deutschen Linien, auch diesen Aufmarsch der bolschewistischen Armee von den Deutschen zerschlagen zu lassen? Jetzt, wo die zähe deutsche Verteidigung sich über Nacht in eine energiegeballte, sieggewohnte Angriffs- Phalanx verwandelt hat, gibt es für die bolschewistische Armee nur eines: halten bis zum letzten Schuß.'
So muß sich denn das Schicksal der Bolschewisten
Im nördlichen Frontabschnitt brachten eigene Angriffsunternehmungen örtliche Erfolge. In Luftkämpfen des gestrigen Tages wurden an der Ostfront 8 4 sowjetische Flugzeuge ab - geschossen. Fünf eigene Flugzeuge werden vermißt.
Finnische Luftstreitkräfte bekämpften mit guter Wirkung Lchiffsziele an der Wodla- Mündung.
In der Zeit vom 26. April bis 13. Mai verloren die Sowjets 74 8 Flugzeuge, davon wurden 540 Flugzeuge in Luftkämpfen, 73 durch Flakartillerie abgeschossen, 76 durch Verbände des Heeres vernichtet oder erbeutet, der Rest am Boden zerstört. Während der gleichen Zeit gingen an der Ostfront 82 eigene Flugzeuge verloren.
Auf Malta erzielten deutsche Sturzkampfflugzeuge Bombenvolltreffer in Flugplahanlagen und Flakstellungen. Vier britische Flugzeuge wurden im Mittelmeerraum zum Absturz gebracht.
3m Rordatlantik griffen deutsche Unterseeboote, wie durch Sondermeldung bekanntgegeben, einen Geleitzug der Englandfahrt an und versenkten aus ihm in mehrtägigem, schwerem, zähem Kampf neun S ch i f f e mit 31 000
Zwei Kessel auf Kertsch.
Oie Trümmer der Sowjetarmeen werden gejagt.
Von Kriegsberichter Helmut Crous.
BRT. Ein weiterer Dampfer wurde durch Torpedo- lreffer beschädigt.
Andere Untersee-Boote versenkten in amerikanischen Gewässern 12 Handelsschiffe mit 82 000 BRT. und einen Bewacher.
Damit hak die feindliche Schiffahrt innerhalb von wenigen Tagen wieder 2 1 Schiffe mit 113000 BRT. verloren.
3m weiteren Verlauf der Seegefechte am Eingang des Kanals, deren Beginn im Bericht des Oberkommandos der Wehrmacht vom 13. Mai gemeldet wurde, versenkte ein deutsches Torpedoboot ein britisches Schnellboot durch Rammstoß. Ein zweites britisches Schnellboot ging im Kampf mit Räumbooten unter.
Einzelne britische Bomber führten am gestrigen Tage im Schuhe der Wolken einen wirkungslosen Stärangriff auf westdeutsches Gebiet durch.
Hauptmann Rl a r i e n f e l d, Bataillonskommandeur in einem 3nfanterieregiment, und Leutnant Reimann, Sompanieführer im gleichen Regiment, haben sich bei den Durchbruchskämpfen auf der Halbinsel Kertsch durch besondere Tapferkeit ausgezeichnet.
Bei den gleichen Kämpfen hat das Pionier- Bataillon 173 allein am 8. Wai trotz stärksten feindlichen Feuers über 1 0 000 feindliche Minen beseitigt, die 5. Kompanie des 3 n - fanterieregiments 436 und ein Zug der 2. Kompanie des Pionierbataillons 46 haben mit Teilen des Sturmbootkommandos 902 trotz schweren Seegangs im feindlichen Feuer die Landung im Rücken der feindlichen Stellung erzwungen.
Bei den Anterseebooterfolgen im Atlantik zeich- nete sich das Boot des Fregattenkapitäns Wat- t e n b e r g besonders aus.
Oberleutnant Ost ermann, Staffelkapitän in einem 3agdgeschwader, errang seinen 100. Luftsieg.
ohne Rücksicht darauf, daß dies eigentlich dem Vertrag von 1937 widerspricht, ohne Rücksicht darauf, daß dieser Anspruch die Beziehungen der Türkei zu England nicht unberührt lassen kann, weil ja gerade dieser Anspruch völlig an der Tatsache vorbeigeht, daß England gar nicht imstande ist, die Dinge in Iran irgendwie entscheidend zu beeinflussen. In einem Iran unter sowjetischer Vorherrschaft sieht die Türkei die Bedrohung ihrer Lebensinteressen. In welcher Weise sie sich gegen eine solche Bedrohung zu schützen versuchen wird, ist jetzt noch nicht erkennbar.
Unruhen in Iran nehmen zu.
Bangkok, -14. Mai. (Europapreß.) Die Unruhe der Bevölkerung in Iran wächst täglich. In vielen Teilen des Landes ist es in letzter Zeit zu eindrucksvollen Demonstrationen der Bevölkerung gekommen, und zwar vornehmlich in den von den Bolschewisten b;w. den Briten besetzten Gebieten. Zu Unruhen großen Stils ist es jetzt in diesem Zusammenhang in der Hafenstadt B a n d a r D i l a n an der Spitze des Golfs von Iran gekommen. Diese Un-
Oer Wehrmachibericht.
DRV. Aus dem Führerhaupkquarkier, 14. Mai. Das Oberkommando der Wehrmacht gibl bekannt:
Auf der Halbinsel K e r l s ch wird die Verfolgung des geschlagenen Gegners unermüdlich forkgeseht. Der Hafen von Kertsch sowie Schiffsansamm- lnngen in diesen Gewässern wurden erfolgreich mit Bomben belegt.
Oie vierZahreszeiten.
Von Karl-August Teubner.
Unsere Soldaten blicken jetzt auf die Erfahrungen! mit den vier Jahreszeiten in der Sowjet« Union zurück. Rach dieser ersten kämpferischen Auseinandersetzung mit einem barbarischen Feind in einem barbarischen Lande kann sie nun nichts mehr erschüttern. Ste kennen die Verwandlung des Geländes. Sie haben sich den Verhältnissen einer primitiven Landschaft anzupassen gelernt und sich auch darin, wie der Winrertrieg -tim Osten tausendfach gelehrt hat, dem Gegner hoch überlegen gezeigt« Man darf, um zu einer gerechten Würdigung zu kommen, nicht vergessen, daß der deutsche Soldat seine Fähigkeiten bei der Ueberwindung der sich ihm entgegenstemmenden natürlichen Hindernisse aus einer großartigen Improvisation entwickelte« Denn noch kein Kriegsschauplatz bot sich ihm itt einer annähernd ähnlichen landschaftlichen und kli- malischen Verfassung dar wie der im Osten.
Die Ueberlegenheit über die bolschewistischen Gegner ist in ihre bewunderungswürdigen Große gekennzeichnet durch folgenden Vergleich: Der Pri« mitive, also der bolschewistische Massensoldat, hat von Natur keine Hemmungen, sich mit den primitiven Verhältnissen des Krieges im Osten abzufinden. Er kennt, um ein Beispiel anzuführen, kein Ekelgefühl in verwanzten und verlausten Unterkünften; den Dreck, der ihm am Körper klebt, enip* findet er kaum als lästig. Von Hause aus ohne Ansprüche an Kultur, in dem Land der ungeheuren klimatischen Gegensätze- unter kümmerlichen Bedingungen des Lebens groß geworden, bedarf e« keiner inneren Umstellung, um sich an den Krieg in einer mitleidlos harten Form — bei dieser Betrachtung nur auf Landschaft und Klima bezogen — zu gewöhnen.
Wie anders der kultivierte, feinempfindlichs deutsche Soldat, der fern der Heimat die zunächst belastende Vorstellung eines lebenswerten Lebens, einer gebändigten Naturgewalt, einer gepflegten
der Abwehr gegenüber dem Angriff starker von Panzern unterstühker
Die Türkei und das iranische Problem
Von unserem Dr. B).-Korrespondenten.
vollziehen, wie es vorher die Zehntausende ereilt hat, die im Ansturm gegen die deutschen Linien verbluteten.
Angelehnt an die Schwarzmeerküste stoßen Infanteristen und Gebirgsjäger, unterstützt von Sturmgeschützen, nach Ueberwindung des Panzergrabens ins feindliche Hinterland. Ein Pionier - stoßtrupp hat bereits in einem kühnen Sturmbootunternehmen einen Landungskopf hinter der Parpatsch-Stellung gebildet und vereinigt sich wenige Stunden später mit der Spitze der vordringenden Divisionen. Am frühen Nachmittag kämpft die Jnfanteriespitze bereits 12 Kilometer hinter dem — mittlerweile in 6 Kilometer Breite überschrittenen — Panzergraben.
Gefahr droht aus der offenen Flanke. Noch sind die Bolschewisten im Besitz einer entscheidenden Höhe unmittelbar vor dem Ort Par patsch. Dort oben sitzen in tief eingeschnittenen Gräben die sowjetischen Artilleriebeobachter und lenken das Feuer ihrer Batterien auf das zu ihren Füßen liegende Kampfgelände.
Stunde um Stunde tobt der Infanteriekampf um dieses Auge der Feindartillerie. Granaten und Stukas hämmern auf die kahle Höhe, aber immer noch knattern dort die MG.s, zerkrachen die ekelhaften Granaten bolschewistischer Werfer zwischen der angreifenden Infanterie. Diese mit vielen Trichtern vergangener Kämpfe besäte Höhe kostet Blut. Hier gibt es ein hartes „Es muß fein!", das auch vor den eigenen Verlusten nicht kapitulieren darf.
Noch einmal stürzen Stukas aus dem blauen ^rühlingshimmel auf die Höhe und noch einmal setzt die Infanterie zum Sturm an. Schritt für Schritt geht es vorwärts. Jetzt endlich gelingt es. Ein kleines Grüppchen baumlanger Bolschewisten wandert in Gefangenschaft. Die Masse der bolschewistischen Verteidiger liegt tot in dem kaum schulterbreiten tiefen Graben. In die 6-Stellen ziehen deutsche Artilleriebeobachter ein und lenken das Feuer
ruhen nahmen derartige Ausmaße an, daß britische Truppen sie mit Gewalt niederschlagen mußten. Der Grund der Empörung in dieser Stadt ist darin zu suchen, daß die Briten dort alle Lebensrnittel für ihre Zwecke beschlagnahmt hatten, so daß die Bevölkerung nicht mehr wußte, von was sie leben sollte.
Da« Ritterkreuz.
B e r l i n , 14. Mai. (DNB.) Der Führer verlieh auf Vorschlag fees Oberbefehlshabers der Luftwaffe, Reichsmarschall Göring, das R i 11 e r k r e u z des Eisernen Kreuzes an Oberst Rath, Kommodore eines Kampfgeschwaders.
Oberst Hans-Joachim Rath hat fein Geschwader auf allen Kriegsschauplätzen zu bedeutsamen Erfolgen geführt. Ob es in dem schwierigen Minenkrieg gegen England oder zur Bekämpfung von Schiffszielen, Erdtruppen, Eisenbahnanlagen, feindlichen Flughäfen, an allen Fronten und darüber hinaus zur Versorgung von Fallschirm- und Erdtruppen eingesetzt war, immer vermochten die hohe Führungskunst und der persönliche Einsatz dieses hervorragenden Führers ein Höchstmaß an Kampferfolgen zu erringen. Besonders herausgestellt zu werden verdient der Einsatz des Geschwaders bei der Versorgung vorgeschobener Heeresoerbände, wodurch diese zu erfolgreichem Aushalten befähigt wurden.
ihrem Recht gelangen, wird kommen."
Bei den scharfen Presse- und Zensurvorschriften, die in der Türkei herrschen, können die in dieser Broschüre wiedergegebenen Darlegungen nicht als Meinung eines Einzelgängers oder einer kleinen politischen Gruppe gewertet werden. Solange Iran ein souveräner Staat war, war die Türkei bereit, aus außenpolitischen Erwägungen sich einer Einmischung in die inneren Verhältnisse auch dann zu enthalten, wenn die Türken in Iran schlecht behandelt wurden. Schon Iran als britisch-sowjetisches Kondominium für eine beschränkte Dauer hat die Türkei zum scharfen Beobachter der sich in Iran vollziehenden Entwicklung gemacht. Jetzt, wo die Entwicklung eine beinahe eindeutig auf eine sowjetische Vorherrschaft im Iran tendiert, wird der Anspruch, sich für das Schicksal der in Iran lebenden Türken zu interessieren, geltend gemacht,
. Istanbul, Mai 1942.
Das iranische Problem spielt im Verhältnis der Türkei zu England und damit auch zu den Bundesgenossen Englands eine ähnliche Rolle wie die türkisch-bulgarischen Beziehungen im Verhältnis der Türkei zur europäischen Politik. Es besteht hier eine Ähnlichkeit, keineswegs eine Identität. Die Ähnlichkeit ergibt sich daraus, daß die Entwicklung, die das iranische Problem nimmt und noch nehmen wird, das Verhältnis der Türkei zu England erheblich zu bestimmen imstande ist. Daß es sich um feine Identität handelt, gehl schon daraus hervor, daß man nur von der Entwicklung, die das iranische „Problem" nimmt, sprechen kann, keineswegs aber von der Entwicklung der türkisch-iranischen Beziehungen. Dieser Unterschied ist kein formaler, sondern ein sehr wesentlicher. Man kann heute nicht mehr gut von türkisch-iranischen Beziehungen sprechen, obgleich formell alles beim alten geblieben ist, also die vertraglichen Bindungen zwischen diesen beiden Staaten weiterhin formell bestehen und die beiden Staaten zu einander diplomatische Beziehungen unterhalten. Es hat allerdings den>Anschein, als ob die iranische Vertretung in Ankara kaum noch funktionsfähig wäre. Es heißt, ein Teil ihres Personals höre nicht mehr auf die Anweisungen der iranischen Regierung. Abberufungen, die Teheran vorgenommen hat, soll nicht Folge geleistet worden sein.
Die formell noch bestehenden vertraglichen Bin- düngen zwischen der Türkei und dem Iran ergeben sich vor allem aus dem vorderasiatischen Pakt vom 8. Juli 1937, der in Schloß Saadabad in Teheran unterzeichnet wurde, und dessen Partner neben Aron und der Türkei, auch noch der Irak und Afghanistan waren. In dem Vertrag verpflichten sich die vier Partner zur Nichteinmischung in innere Angelegenheiten der anderen, zur Achtung der Unverletzlichkeit der gemeinsamen Grenzen, zur Kon- fulation bei allen Konflikten internationalen Charakters, die auf die gemeinsamen Interessen der Vertragspartner Bezug haben, zum Nichtangriff, zum Verbot aller Organisationen und Betätigungen auf dem Gebiete eines Partners, die zur Vorbereitung einer Einmischung in die inneren Angelegenheiten eines anderen Vertragspartners dienen sollen.
m die im linken Abschnitt zusammengeballte Masss der Bolschewisten.
Mit dem Mute der VerMeiflung stoßen Bolschewisten und Sowjetpanzer aus Parpatsch heraus zum Gegenstoß in die Flanke der vorgehenden Infanterie. Ein vergebliches Unternehmen. Es zerschellt im Feuer deutscher Geschütze und Infanterie« wassen.
Während in der Nacht deutsche Panzer sich bereits stellen zum Stoß an die Südküste des Asow- schen Meeres, orgeln aus den Rohren der bote fchewistischen Kriegsmarine auf dem Schwarzen Meer schwere Koffer heran. In ihre Detonationen mischt sich das dumpfe Krachen bolschewistischer Bomben. Die Nacht ist ihre einzige Chance, aber sie ist kurz, und kaum ist der Spuk zu Ende, da rasseln bereits hie Panzer, während Infanteristen und Gebirgsjäger wieder den zügigen Vormarsch nachOsten auf genommen haben.
Gegen Mittag sind weitere 10 Kilometer geschafft und ist gleichzeitig Raum nach Norden gewonnen. Im ehemaligen Hauptquartier einer bolschewistischen Armee stehen deutsche Soldaten. Weit über die Jnfanteriespitze hinaus ist eine Vorausabteilung vorgestoßen und rollt nach Osten. Es gilt, die ausgebaute, aber noch schwach besetzte Suita n o w k a - L i n i e zu nehmen, ehe die Bolschewisten sich in diese Auffangstellung zurückziehen und zur neuen Verteidigung einrichten können. Am frühen Morgen des dritten Angriffstages — es ist der 10. Mai — ist auch diese Stellung erreicht und der alte, jetzt neu armierte Tatarengraben über« schritten. Rumänische motorisierte Infanterie hat zur gleichen Zeit einen vor dieser Linie befindlichen bolschewistischen Feldflugplatz gestürmt und in Besitz genommen.
Ein letzter Hoffnungsschimmer schien sich den Bolschewisten zu bieten, als am Vorabend schwere Regenwolken aufzogen und bald darauf Straßen und Wege in grundlose Moraste verwandelt waren. Mit Traktoren und Raupenfahrzeugen versuchen sie den Rückzug aus dem sich bereits vor der Parpatsch- Linie abzeichnenden Kessel und hoffen, die alte Nachschubstraße noch feindfrei zu finden und einen Angriff in die Flanke der vormarschierenden deutschen Divisionen tragen zu können. Nur wenigen Teilen gelingt der Ausbruchsversuch. Im zähen Kampf gegen die konzentrierte und von den Höhen nordwestlich der Parpatsch-Linie geleitete Sowjet- artiUerie und gegen den breiigen Schlamm arbeiten ich deutsche Panzer und motorisierte Kräfte an dis Nachschubstraßen heran. Die letzte Hoffnung des Feindes geht unter im Hagel deutscher Bomben Und Granaten.
DNB. ... 14. Mai. (PK.) In den jungen Morgen des 8. Mai schnellen farbige Leuchtkugeln und zerplatzen in viele, leuchtende Sterne in der nebel- und rauchgeschwängerten Luft des beginnenden Tages. Für» Sekunden scheint uns allen, die dies erhoffte Zeichen sehen, das grollende Donnern der vielen hundert Geschütze zu verstummen. Tausende Augenpaare starren nach vorn. Ist das denn überhaupt möglich? Narrt uns nicht alle ein böser Spuk? Jetzt, 45 Minuten nach dem ersten Feuerorkan unserer Batterien, ehe noch Bomber und Stukas die Bunker der ausgebauten Parpatsch-Stel- l u n g zerschlagen haben, ist der Panzer- graben, das Rückgrat des bolschewistischen Der- teidigungssystems, durchbrochen? Mit dem er- ten Motorengebrüll der Stukas am Horizont flattern wiederum Leuchtzeichen zum Himmel. Die Sterne geben die Gewißheit: der Panzergraben ist — noch keine Stunde nach Angriffsbeginn — an mehreren Stellen von Infanteristen und Gebirgsjägern genommen worden.
Das Unglaubliche ist Wirklichkeit geworden. Die Sowjets erkennen nun wohl in diesem Augenblick: dies ist kein Unternehmen um begrenzte Ziele ober irgendwelche Geländepunkte, das ist der Beginn der Entscheidungsschlacht um die Halbinsel Kertsch!
Mit jedem Meter, den die tief einsinkenden Ketten der Panzer dem aufgeweichten Boden zum Trotz schaffen, schließt sich der Ring um die eingeschlossenen SowjetdiVisionen enger, bis endlich das Asow-- sche Meer erreicht und die Schlinge zu- gezogen ist. Der erste Kessel — im Gegensatz zu allen anderen Kesselschlachten auf engstem Raum, denn die Landenge beiderseits Parpatsch hat nur eine Breite von 17 Kilometer — ist vollendet.
Beinahe 50 Kilometer weiter ostwärts lassen sich zu gleicher Zeit die Anfänge eines zwei- t e n Kessels erkennen, der die hinter der Par« patsch-Linie befindlichen Teile der Sowjetarmee auf- fangen soll. Die Sultanowka-Linie —'am frühen Morgen erreicht — wird planmäßig trotz starken Feindwiderstandes nach Norden aufgerollt. Damit wird den nach Kertsch weichenden Feindteilen in ihrer eigenen Auffang st eil ung ein eiserner Riegel vorgeschoben.
Das Schicksal der bolschewistischen SUmee auf der Halbinsel Kertsch ist besiegelt. Während deutsche und rumänische Verbände den Ring um die vor der Parpatsch-Stellung eingeschlossenen Bolschewisten enger und enger ziehen, vollendet sich auch der zweite Kessel, der die Masse vieler Sowjetdivisionen umschließt. Nach vier Mona- ten erbitterten Stellungskampfes marschiert die deick- sche Infanterie auf der Straße nach Kertsch.


