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Studenten aller Nationen als dte größte Pionier- tat für das Schicksal unseres Kontinents.

Oie Stabilität -er preise.

Dor Vertretern der Presse betonte Reichskommis, sar Dr. Fischbö ck, daß Preiserhöhungen im all- gemeinen abzulehnen seien, auch solche mit dem Ziele, hierdurch den Anreiz zur Erzeugung bestimm­ter wichtiger Produkte zu vergrößern. Der weitaus größte Teil der überschüssigen Kaufkraft finde heute den Weg in die Reichskasse. Solange das Volk das Vertrauen behalte, daß es in der Lage sein werde, für die gesparten Beträge auch in Zukunft immer so viel kaufen zu können wie früher, werde auch der Kaufkraftüberfluß in die zweckdienlichen Kanäle strömen. Daraus ergebe sich die Lehre für die Preis­politik,'alles au vermeiden, was Erschütterungen der Preisseite zulassen könnte. Er fei entschlossen, auch Preissenkungen eintreten zu lassen, wo immer die wirtschaftlichen Voraussetzungen es möglich machen. Das Zutrauen der Bevölkerung, zur Stabilität der Preise dürfe sich nicht nur auf die lebenswichtigen Güter beziehen, sondern müsse auch bei allen übri­gen Warengruppen erhalten bleiben. Die Aufgabe des Preiskommissars werde es sein, gegen Preis­steigerungen einzuschreiten, ganz gleich, wo sie sich zeigen.

Gekürzter Urlaub -er Beamten.

Nach einer Anordnung des Reichsministers des Innern kann Beamten und Angestellten im öffent­lichen Dienst für das Urlaubsjahr 1942 nur Erho- lungsurlaub gewährt werden, soweit die Kriegsver- bältnisse dies zulassen. Der Urlaub darf grund­sätzlich nicht mehr als 21 Tage betragen. Der Behördenleiter kann Beamten und Angestellten, die vor dem 1.April 1888 geboren sind, bis zu 31 Tagen Erholungsurlaub gewähren, wenn er dies für dringend erfordetlich hält. Nicht erhaltener Erholungsurlaub wird nicht abgegolten. Urlaubsreste aus 1941 können bis zum 15. Dtai 1942 übertragen werden. Die Sondervorschriften über Er­holungsurlaub nach Entlassung aus dem Wehrdienst für beschädigte Beamte und Angestellte und über Mindesturlaub bei Arbeiten mit besonderer gesund­heitlicher Gefährdung bleiben bestehen. Falls die Kriegs- und Ersahlage es gestatten, wird die Bestim­mung, nach der der Erholungsurlaub nur 21 Tage beträgt, gelockert werden.

Meine politische Nachrichten.

Die französische Regierung ordnete den Abtrans­port englischer Staatsbürger, welche sich noch an der Riviera aufhalten, nach dem Inneren des Lan­des an.

ch

Die Verhandlungen im Staatsprozeß von Riom sind, wie durch amtliches Dekret bekanntgegeben wird, vertagt worden.

Kunst und Wissenschaft.

Eine Uraufführung in Darmstadt.

Die Uraufführung des SchauspielsDie letzte Festung" von Werner Deubel am 16. April im Größen Haus des Hessischen Landestheaters wird von Generalintendant Franz Everth insze­niert. Die Bühnenbilder entwarf Max Fritzsche. Das Schauspiel ist eine dramatische Gestaltung der Verteidigung der Festupg Kolberg im Jahre 1807 durch Gneisenau und Nettelbeck. Mit der Aufführung eröffnet das Landestheater eineWoche zeitgenössi­scher Werke" des Schauspiels und der Over. In einer Morgenoeranstaltung am 19. April wird im Kleinen Haus der Präsident der Reichstheaterkammer, Lud­wig Körner, überDes deutschen Schauspielers theatralische Sendung" und Dr. K. H. R u p p e l überGestaltungsfragen des zeitgenössischen Büh­nenbilds" sprechen.

RilkesWeise von Liebe und Tod" als symphonische Dichtung.

Das Orchester des Danziger Staatstheaters brachte von dem einheimischen Komponisten Alfred W. P a e t s ch aus einer Musik zu HauptmannsVer­sunkener Glocke" eineSchlesische Märchenmusik für Kammerorchester". Die Märchenstimmung ist gut getroffen, die Tonsprache melodisch und harmo­nisch gewählt. Zu einer symphonischen Dichtung für großes Orchester hat Hans Grimm Rilkes Weise von Liebe und Tod des Cornetts Christoph Rilke" benutzt. Unter Verwendung leitmotivischer Bildungen wird der dichterische Gehalt klanglich in seinen verschiedenen Stimmungen wirkungsvoll aus­gedeutet, wobei eine straffere Zusammenfügung des Ganzen den Eindruck noch erhöhen würde. Karl T u t e i n verhalf den beiden Neuheiten zu einem unbestrittenen Erfolg. Helniuth Sommerfeld.

Aus vor Stadl Gießen.

Neues Land untrem Spaten.

Im vorigen Jahr war es noch eine Wiese, das Gras konnte beliebig wachsen, es kümmerte sich niemand darum. Es war eine Wiese in der Nähe des Stadtrandes, und im Bebauungsplan ist zu sehen, daß hier einmal Häuser stehen sollen; aber es ist noch nicht so weit. Die Wiese lag still da und niemand achtete groß auf sie.

Aber jetzt ist der Frühling da, und die Wiese llt aufgewacht. Nicht daß die Gräser sich dort wieder breit machen dürften, es geht jetzt sehr betriebsam auf dieser Wiese zu, und man kann sehen, daß sie die längste Zeit eine Wiese gewesen ist. Es ist näm­lich so, daß sich Männer und Frauen jetzt Dort zu schaffen machen, ganze Familien mit Spaten und Harken und anderem Gerät hantiern.

Eines Tages rückten sie an und fingen an zu graben, jeglicher auf dem abgesteckten Teil, der ihm zugewiesen war. Es war kein leichtes Arbeiten, das war 'den gekrümmten Rücken anzusehen. Die Spa­ten mußten mit Wucht durch die Grasnarbe in den Boden getrieben, es muhte gründlich umgegraben

verdunkelungszett:

15. April von 21.19 bis 5.54 Uhr.

werden. Denn aus der Wiese soll fruchtbares Land werden; auch dies ist ein Stück deutscher Boden, der nutzbar gemacht werden soll, eine neue Anbaufläche, auf der uns Gemüse zuwachsen soll, Kartoffeln, Kohlköpfe und sonst allerlei für den Kochtopf.

Zuerst schien es, als wollte die Arbeit gar nicht vorankommen; die grüne Fläche wollte und wollte nicht kleiner werden,» die Rechtecke mit dem braun­schwarzen Erdreich, das die Spaten zu Tage ge­fördert hatten, kamen noch nicht recht zur Geltung. Aber jetzt, da Männer und Flauen einige Tage emsig gewerkt haben, kann man sehen, was geschafft wurde, und daß es nur noch kurze Zeit dauern wird, bis alles unter den Spaten gekommen ist. Schon sind Gemüsebeete abgegrenzt, auch besät sind sie schon zum Teil. Ein paar Tage noch, und man wird sich wundern, wenn einem erzählt wird, hier sei einmal eine Wiese gewesen.

Die Männer und Frauen stehen abends, bevor sie ihre Geräte schultern und nach Hause gehen, noch einmal vor dem Stück Land, das sie geschaffen haben. Das Kreuz mag ihnen wohl rechtschaffen weh tun, übet was bedeutet das neben der Freude, wenn sie diesen Boden betrachten, an den sie ihrer Hände Arbeit gewandt haben. Darin keimt es nun und drängt und wächst zum ^Licht, die Saat, die sie sekbst ausgesät haben. Ja, das ist ein schönes, heimliches Wunder, die meisten haben gar nicht gewußt, was das für Menschen bedeutet, die sonst : den ganzen Tag Asphalt unter den Füßen haben. Ein Stückchen Land, auf das manches Tröpflein Schryeiß gefallen ist, das ihnen aber auch die Mühe lohnen-und das Seine beitragen wirb für Deutsch­lands Kochtöpfe. T.

Blumentöpfe zum Gemüsebau.

Am heuklgen Mittwoch sammelt das Jungvolk in den Haushaltungen Blumentöpfe, die von den Gärt­nereien zur Anzucht von Gemüsepflanzen zwecks Verstärkung des Gemüsebaues dringend gebraucht werden. Die Sammlung wird am nächsten Sams­tag fortgesetzt. Die Hausfrauen werden gebeten, die Blumentöpfe zum Abholen bereilzuhalten.

«Sie" en-Wieteck.

Unser Mitbürger Philipp Robenhausen V., Schrankenwärter i. R., w'rd morgen 75 Jahre alt. Der Jubilar ist noch bei bester Gesundheit und ar­beitet unermüdlich wacker mit Dem alten Herrn gelten unsere besten Glückwünsche.

(Siebener Wochenmarktpreise.

* Gießen, 15. April. Auf dem heutigen Wochen­markt kosteten, Markenbutter, V» kg 1,80 RM., Matte 30 Rpf., Käse, das Stück 8 bis 9, Kartoffeln, 5 kg 45, gelbe Rüben, % kg 14, Unterkohlrabi 10, Lauch 46, Blumenkohl, das Stück 65, Radieschen, das Bund 25 Rpf.

Gießener Schlachtviehmarkt.

Auf dem gestrigen Gießener Schlachtviehmarkt (Schlachtvieh-Berteilungsmarkt) in der Viehversteige­rungshalle Rhein-Main kosteten: Ochsen 36,5 bis 44 Rpf., Bullen 43,5, Kühe 23 bis 49, Färsen 33 bis 44,5, Kälber 35 bis 57, Schafe 15 je V» kg Lebendgewicht. Für Schweine wurden je kg Lebend­gewicht folgende Preise erzielt: Klasse a (150 kg und mehr) 1,25 RM., bl (135 bis 149,5 kg) 1,25, b2 (120 bis 134,5 kg) 1,25, c (100 bis 119,5 kg 1,23, d (80 bis 99,5 kg) 1,15, e bis f (unter 80 kg) 1,11, gl

Tag der Universität."

Erste Veranstaltung der Arbeitsgemeinschaft Universität-Theater.

Am Geburtstage des Führers, 20. April, wird die neugefchaffene Arbeitsgemeinschaft Uni­versität Theater, wie Oberspielleiter Mund gestern in einer Pressebesprechung im Jn- tendanzbüro mitteilte, mit ihrer ersten Veranstaltung an die Oeffentlichkeit treten.

Für diesenTagderUniversität" sind zwei Programme vorgesehen: vormittags in der Aula eine Grillparzer-Feierstunde, die der Rektor Professor Dr. med. H. W. Kranz eröffnen wird; der Literarhistoriker Professor Dr. Rehm wird den Festvortrag über Grillparzer halten. Außerdem werden das Quartett des Städtischen Orchesters und als Sprecher von Dichtungen Grill­parzers Luise Prasser und Herbert Köchling am dies academicus mitwirken.

Am Abend findet im Theater als Festvorstellung außer Abonnement und als 5. Festabend drama­tischer Bühnenkunst eine Aufführung des Trauer­spielesS a p p h o" von Grillparzer mit Bianca

B l a ch a in der Titelrolle und Carl Bruno Schmidt als Phaon in der Inszenierung von Oberspielleiter Mund statt. Intendant K l e i n , der Rektor Professor Dr. med. H. W. Kranz und Studentenführer Stein werden kurze Ansprachen halten.

Als Veranstalter des Tages sind neben der Uni­versität und dem Theater die Gießener Hochschul­gesellschaft unter Führung von Lau >rat Dr. Lotz unb die Studentenschaft unter Führung von Stu­dentenführer Stein beteiligt. Als Beauftragter des Rektors hat sich der Dekan der Philosoph scheu Fa­kultät, Professor Dr. Rauch, nachdrücklich für das Zustandekommen und die Ausgestaltung des Tages »t, der als kulturelles Gegengewicht gegen das nterhaltungstheater und gemeinsame Kund­machung des kulturellen Aufbauwillens in unserer Stadt Universität und Theater einander näher­bringen soll.

Durch einen Ergänzungserlaß des Reichsluftfahrt­ministers sind im Einvernehmen mit dem Reichs­finanzminister die Richtlinien für die Kostenerstat­tung bei der Ausführung von behelfsmäßigen Luft­schutzräumen in einigen wesenllichen Punkten er­weitert worden.

An sich gelten die Richtlinien nur für die Luft­schutzmaßnahmen in bestehenden Gebäuden. Aus­nahmsweise werden jedoch vom Reich nunmehr auch Kosten von Maßnahmen in Neu-, Um- und Er- we terungsbauten erstattet, wenn sie erst nach Fer­tig tellung des Baues auf Grund nachträglicher polizeilicher Anordnung nachgeholt worden sind. Ferner werden auch Kosten für die Anlage vpn Schutzräumen ober Deckungsgräben neben dem Ge- bäube ober in kurzer Entfernung, davon erstattet, wenn sich die getroffenen Maßnahmen auf gas-, splitter- und trümmersichere Herrichtung beschrän­ken und der örtliche Luftschutzleiter ihre Durchfüh­rung mit Rücksicht auf das Fehlen anderer geeigneter Schutzmöglichkeiten ungeordnet hat.

Zu den erstattun'gsfähigen Kosten gehören nach den geltenden Richtlinien sowohl die Kosten der Arbeitsleistung, als auch die Kosten der Baustoffe. Dabei dürfen jedoch Baustoffe und Arbeiten, die die Boteftigten als Beiträge leisten, nicht in Rechnung gestellt werden. Fachliche Arbeiten, die von einem Beteiligten, insbesondere auch dem Eigentümer, auf Grund beruflicher Vorbildung geleistet werden, sind nach dem neuen Erlaß nicht als Beiträge anzusehen und können daher in Ansatz gebracht werden.

Ferner sind in Erweiterung der bisherigen Vor­schriften als Kosten für tzie Herrichtung behelfs­mäßiger Luftschutzräume anzusehen Umlagerungs-

Die fioSenerfiattong für LustschuhniaMMii

Ein Erweiterungserlaß.

kosten unb Transportkosten, die durch die Inan­spruchnahme als Luftschutzraum notwendig gewor­ben sind, weiter die Kasten für die behelfsmäßige Neueinteilung der übrigen Kellerräume, die Kosten für Errichtung von Schuppen usw. zur Unter­bringung von Vorräten, die üblicherweise in Keller­räumen gelagert werben, wenn die verbleibenden Räume trotz größtmöglicher Einschränkung hierzu nicht ausreichen, desgleichen Kosten für die notwen­dige Anmietung von Ersatzräumen. Weiterhin sind erstattungsfähig die Kosten der Beleuchtungsanlage für die im Gebäude liegenden besonderen Zugangs- wege zum Luftschutzraum, Kosten für die Beseiti­gung des Gründwassers in den Schutzräumen, Kosten von Reparaturen an der Schutzraumanlade, Kosten für Nachbesserungen von zunächst vorläufig getroffenen Maßnahmen, wie Ersatz von (Erbauf» schüttungen vor den Kellerfenstern durch Splitter­schutzmauern usw., schließlicy Kosten für die Unter­kellerung eines Gebäudes zwecks Herrichtung eines Luftschutzraums, wenn der örtliche Luftschutzleiter diese Maßnahme angeordnet hat.

Maßnahmen, die vor dem 1. Oktober 1940 durch­geführt worden sind, sind nach den Richtlinien mit der Maßgabe erstattungsfähig, daß die Beträge ab­zuziehen sind, die der Hauseigentümer auf Grund einer Entscheidung der Preisbehörden im Wege der Mieterhöhung auf die Mieter umlegen konnte. Sind dem (Eigentümer für die Zeit vor dem 1. Oktober 1940 Mieterhöhungen nicht bewilligt worben, so werben die vollen Kosten erftittet. Schließlich wirb klargestellt, daß die Richtlinien für die Kosten­erstattung auch für Einfamilienhäuser gelten.

(fette Specksauen) 1,25, i (Altschneiber) 1,25, g2 (anbere Sauen) 1,15, h ((Eber) 1,15 RM. Markt­verlauf: alles zugeteilt.

Strafkammer Gießen.

Der K. H. in R. hatte sich gestern wegen Amts­unterschlagung und Untreue zu verantworten. Es wurde ihm zur Last gelegt, als Beamter, und zwar als Gemeinderechner der Gemeinde R., einen Be­trag von etwa 10 000 RM., den er in amtlicher Eigenschaft empfangen hatte, unErschlagen zu ha­ben. Der Angeklagte war auch Rechner der Spar­kasse in R. Er führte aber nicht, wie dies hätte ge­schehen müssen, beide Kassen getrennt Die Einnah­men unb Ausgaben der Gemeindekasse würben meistens von einem inzwischen in den Ruhestand versetzten Beamten aus Gießen verbucht, der sich zu diesem Zwecke die Belege und hie Bücher aus R. mit nach Hause nahm, um dort die Eintragungen vorzunehmen. Dieser Mann stellte auch im Auftrage des Angeklagten die Jahresrechnung der Gemeinde­ka sie auf.

Zu seiner Entschuldigung gab der Angeklagte an, er habe sich um die Buchführung nicht so kümmern können, wie es nötig gewesen sei, und er habe des­halb auch wiederholt gebeten, ihm die G^meinde- kasse abzunehmen, was aber nicht geschehen sei, und so sei ihm die Sache schließlich über den Kopf ge­wachsen. Es bestand der Verdacht, der Antzeklagte habe mit dem fehlenden Gelb seinen Sohn, dem er die Landwirtschaft übertragen batte, unterstützt. Die­ser konnte aber nachweisen, baß er von seinem Va­ter keine Geldzuweisungen erhalten hatte. Die von

dem Angeklagten verwaltete Sparkasse ist in O.d- nung. Der Angeklagte soll viel für Alkohol und Rauchwaren gebraucht haben. -Die Vernehmung der Gastwirte in R. ergab, daß er täglich 3 RM. bis 3,50 RM. für Getränke und Rauchwaren ausgege­ben .hat. Allerdings entsprach diese Ausgabe auch seinen EinkommLnsverhältnissen.

Der Anklagevertreter beantragte eine Gefängnis­strafe von zwei Jahren unb sechs Monaten unb eine Gelbstrafe von 500 RM. Der Verteidiget be­tonte, nach Lage der Verhältnisse sei es als aus­geschlossen anzusehen, daß ber Angeklagte, ber über ein ansehnliches Einkommen verfügte unb im Hause feines Sohnes freie Kost unb Wohnung hatte, die fehlenbe Summe für sich verbraucht habe. Daher sei es rätselhaft, wo das Gelb verblieben sei. Auch sei die Möglichkeit eines Diebstahls nicht von der Hand zu weisen.

Der Angeklagte wurde wegen Amtsunterschlagung in Tateinheit mit Untreue zu einer Gefängnis- ftrafe von einem Jahr unb sechs Mo» naten unb einer Gelbstrafe von 500 RM. ver­urteilt.

Warnung aus Stendal Roman von A. Lothar Philipp

5. Fortsetzung. (Nachbruck verboten.)

Gegen einhalb zehn Uhr kam ber Kriminalrat, lebhaft, munter, gesund,neurenopiert", wie Krähe zu sagen pflegte, wenn der Kriminalrat in seinem russisch-römischen Bad gewesen war.

Guten Abend, Krähe", sagte er,stehen Sie schon lange da?"

Kurz nach neun Uhr bin ich gekommen, Herr Kriminalrat", gab ber Sekretär zur Antwort,und habe erfahren, baß Herr Lanos ausgegangen ift.

Tot ober lebendig?"

Das sagte der Portier nicht, ich glaube aber, er lebt noch."

x Nun, wir wollen mal hinaufgehen

Aber Krähe hielt ihn am Arm.

Das hat gar keinen Zweck", sagte er,Frau Hauckwitz, die Wirtin, ist nicht da, sie ist in ber Bayreuther Straße bei ihrer Schwägerin, Frau Landau" .. r£ ,

Woburn haben Sie sie nicht langst geholt, Krähe?" fragte Wenig vorwurfsvoll.

Ich geh' gleich mal hin"

Ach wo, hier ist eine Kneipe, da telephonieren wir mal und trinken dazu ein munteres Helles. Kommen Sie!" Der Kriminalrat schritt voran und betrat eine kleine Bierwirtschaft, in der sich in ber Hauptsache Chauffeure befanden, die sich an Apfel­brause labten. Krähe hatte sich bas Telephonbuch genommen unb war dann in die Telephonzelle ge­gangen. Als er heraustrat, trank ber Kriminalrat bereits dis zweite Molls, und Krähe muhte sich be­eilen, um mitzukommen. Aber er hatte nicht die Absicht, seinem Vorgesetzten etwas zu schenken, unb deshalb goß er die beiden Mollen hinter, daß sogar der Krim nalrat erstaunt mar.

Sie wird gleich kommen", sagte er bann, tief

aufatmenb,sie hat versprochen, in zehn Minuten ba zu sein."

Als sie das Lokal verließen unb wieber zum Hause Nr. 143 zurückgingen, bemerkte der Kriminal­rat, baß sich in regelmäßigen Abstänben Krähes langer Körper burch einen Schlucken erschütterte. Er begann oberhalb ber Gürtellinie, pflanzte sich bann auf Brust unb Hals fort und endete mit einer nach oben stoßenden Bewegung des Kopfes und einem hohen Schlucklaut.

Was haben Sie denn, Krähe?" fragte Wenig unb mußte lachen.

Schlucken huck" gab ber Kriminalsekretär zur Antwort,ich habe das Bier sehr schnell ge­trunken. Aber huck ~ bas geht gleich wieber weg"

Wie wollen Sie das machen?" x

Ich brauche mich bloß darauf zu konzentrieren, eine Minute lang, bann geht er sofort weg."

Nun, bann lassen Sie sich nicht stören, wir haben ja jetzt einige Minuten Zeit." Der Kriminalrat ließ Krähe vor dem Hause stehen unb betrachtete sich mit Muße einige Schaufenster in ber Nähe. Krähe ftanb inzwischen, auf seinen Schirm gestützt, bie Stirn in tiefe Falten gelegt unb vor sich hinstar- renb vor bem Hause.

Frau Hauckwitz, bie fast atemlos angelaufen kam, war eine etwas bickliche ünb altmodisch gefleibete Dame, bie ein Marktnetz in ber einen unb einen Schirm in ber anberen Hand trug.

Mein Gott, was ist benn passiert?" fragte sie, als ber Kriminalrat vor bem Hause, bas sie gerabe aufschließen wollte, aus sie zutrat.

,Zch weiß es nicht, Frau Hauckwitz, wir wollen nur mal Ihre Wohnung ansehen. Kommen Sie, Krähe." Er folgte ber Frau ins Haus, hinter ihm kam ber Kriminalsekretär.

Als sie die Wohnung betreten hatten, fragte Wenig nach dem Zimmer von Herrn Lanos.

Die Wirtin zeigte auf ein Vorderzimmer.

D'eses hier." ä

Der Kriminalrat trat ein. Dann wandte er sich

um, schob Frau Hauckwitz, die mit chm eintreten wollte, zurück unb sagte:

Gehen Sie in Ihr Wohnzimmer, Frau Hauck­witz, ich komme bann zu Ihnen, um Ihnen noch einige Fragen zu stellen. Krähe, kommen Sie."

Er hatte nämlich ben Körper eines Mannes vor bem Schreibtisch entbeckt.

Wir find zu spät gekommen, Krähe", sagte er, hier liegt er."

Er kniete nieber unb besichtigte ben Toten. Es war ein Mann in ber Mitte ber dreißiger Jahre, unrasiert, etwas verwildert, mit ziemlich langem Haar. Die Kleidung war einfach, bie Stiefel be­schmutzt unb die eine Hand krallte sich in den dünnen, abgetretenen Teppich. In der Brust hatte er eine Wunde, aus der viel Blut getreten war und den Teppich durchtränkt hatte.

Brustschuß anscheinend", sagte Wenig..Dann erhob er sich unb sah sich im Zimmer um.

Es war das übliche möblierte Zimmer, bas keiner­lei besondere Note zeigte, weder Photographien an den Wänden, die gewisse Schlüsse auf ben Ermorbe- ten zuließen, noch Papiere ober Akten auf bem Schreibtisch. Der Kriminalrat hatte ben Eindruck, baß ber Tote alles vermieden hatte, was auf ihn hinbeuten könne. (Ein Tisch mit bunkelroter Plüsch­becke unb einem Tafelaufsatz, ber sicherlich einmal ein Hochzeitsgeschenk gewesen war: eine Schale, von Blumengirlanben gehalten, bie auf brei Füßen stand. In der Schale lagen zwei Heftklammern, ein Gummiband unb einige Stecknabeln. Zwei Plüsch- sessel, ein Schreibtisch mit altertümlichem, geschmack­losem Gußeisentintenzeug, bazugehörigem Löscher unb einer Uhr. Am Fenster wieber ein Sessel mit einem Rauchtischchen unb einem Rauchservice, das weder Kerze noch Streichhölzer enthielt, an der Wand eine Kommode, in der sich etwas Geschirr befand, an der anderen Wand ein altes Kanapee mit einer zerschlissenen türkischen Decke unb zwei abgenutzten Kissen.

Krähe ging zu efaer Seitentür unb öffnete sie.

5)ier ist bas Schlafzimmer", sagte er.

Gut, gehen Sie zu Frau Hauckwitz, e/zählen Sie ihr, was geschehen ist, lassen Sie sich bas Telephon zeigen unb alarmieren Sie die Morbkornrnission, Krähe", sagte der Kriminalrat.

Das Schlafzimmer war sehr klein, kaum eine Kammer, in der nur ein Bett stand, ein Waschtisch, Nachttisch, Klc verschränk und eine Kommode, lieber bem Waschtisch hing ein Spiegel. Wenig öffnete den Kleiberschrank. Außer einigen Kleiberbügeln hing nichts darin. In der Wäschekommode fand er einen weißen Kragen, besten Knopflöcher ausgeriffen waren, eine befleckte Krawatte unb zwei Kragen- knopfe, sonst nichts. Leer ber Waschtisch unb leer ber Nachttisch. Nur oben, in ber Nachttischschublabe lag eine illustrierte Zeitung mit bem Datum vom 23. Juli, eine leere Zigarettenschachtel unb eine kle'ne Blechschachtel, in der sich zwei Kopfschmerzen­pillen befanden. Das Bett war zerwühlt, ein Kissen war herabgefallen. Am Fenster hing ein dicker, roter Vorhang.

Wenig trat wieder in das Wohnzimmer, warf noch einen Blick auf den Toten und ging dann zur Wirtin, die in ihrem Wobnz'mmer saß unb Krähe beobachtete, ber am Fenster stand unb auf die Straße blickte.

Wie lange wohnte Herr Lanos bei Ihnen?" fragte Wenig.

etwa ein Jahr. Er war ein ruhiger Mieter unb zahlte immer die Miete pünktlich. Manchmal war er einige Tage weg, manchmal sogar mehrere Wochen, aber er kam immer wieder zurück und ich war stets sehr zufrieden mit ihm"

Bekam er viel Besuche?"

Nein kaum, eigentlich gar nicht, höchstens, daß mal ein Herr zu ihm kamN

Wie hieß der Herr?"

Ach, darum habe ich mich nie gekümmert, es war auch n'cht immer derselbe, ich meine, er hat eben mal Herrenbesuche gehabt, aber das war nichts Besonderes. Meistens war er allein."

^Fortsetzung folgt.)