zu schaffen, in dem die tatsächlich Im höheren Sinn noch nicht vorhandene Nation retortenartig erje-ucjt werden soll. Das ist allerdings eine Aufgabe, bie noch weit schwerer zu lösen ist als der Ausbau der Kriegsindustrie. Denn hier handelt es sich um einen geschichtlichen Wachstumsprozeß, der feine Zeit braucht und der eine gewisse Gleichartigkeit der nationalen Substanz voraussetzt. Daß diese aber gerade in den USA. nicht gegeben ist. beweist nichts besser als die Zumutung an nicht eingebürgerte Ausländer, in der USA.-Wehrmacht Zwangsdienst zu tun.
> Lm Zeichen der GchneeWrnefte.
Berlin, 14. April. (DNB.) Die Kämpfe an der Ostfront werden von den Wasser- und Schlammassen, die durch die Schneeschmelze entstanden sind, immer stärker beeinflußt. Straßen und Wege sind noch mehr als im Spätherbst in M o r ä st e verwandelt. Straßengräben und Aecker sind überschwemmt, weil der tiefgefrorene Boden das Schmelzwasser noch nicht versickern läßt. Jedes Abweichen von den zerfahrenen Fahrbahnen, die von Bautruppen bei Tag- und Nachtarbeit mit Steinaufschüttungen und Knüppeldämmen immer wieder befestigt werden, führt zum Derlust von Fahrzeugen, Material und Pferden. Kettenfahrzeuge sind zum Abschleppdienst und zum Transport wichtiger Nachschubgüter eingesetzt. Wenn dennoch der Nachschub in Ordnung ist, so ist das eine außerordentliche Leistung der Versorgungstruppen. So war es im Süden des mittleren Frontabschnittes die Aufgabe der Munitionsstaffel einer Infanterie- Division, Munition zu einer Sturmgeschützbatterie zu bringen. Da nur wenige Nachtstunden zur Verfügung standen, wurde die Munition von Zugmaschinen auf Pferdefahrzeuge und dann wieder auf Lastkraftwagen umgeladen. In einer kleinen Talmulde saßen einige Pferde bis über bie Brust im zähen Schlamm und schienen absacken zu
wollen. Mit abgeschlagenen Bäumen wurden Pferde und Fahrzeuge gestützt. Dennoch mußte zugesehen werden, wie einige Bespannungen im Schlamm versanken und ertranken. Am anderen Hang des Talgrundes stand auf einem festen Straßen- stück eine Lastkraftwagenkolonne, die die Munition weit-erfahren sollte. Aus Schnittholz, das am nahen Waldrand lag. wurde ein Trampelweg über den Morast gelegt. Mann für Mann oft bis an die Brust im Wasser, wurde dann ein Geschoß korb nach dem anderen zu den Lastkraftwagen getragen.
Das Ritterkreuz.
Berlin. 14.April. (DNB.) Der Führer verlieh auf Vorschlag des Oberbefehlshabers der Luftwaffe das Ritterkreuz an: Oberfeldwebel Höfemeier, der als Flugzeugführer in einem Jagdgeschwader in harten Lufttämpfen bisher 41 Gegner ab geschossen, zwölf Flugzeuge am Boden zerstört unh dem Gegner in kühn durchgeführten Tiefangriffen auf Eisenbahnanlagen, Panzer und Kolonnen schwersten Schaden zugefügt hat.
Ferner an: Oberst Holste. Kommandeur eines Artillerieregiments, und Hauptmann Sach s e n - Heimer, Bataillonskommandeur in einem Jägerregiment. Oberst Holste befand sich im Raume von Rshew im Angriff bei den vordersten Schützen, um das Feuer seines Artillerieregiments wirkungsvoll leiten zu können, als der Widerstand der Bolschewisten sich versteifte. Er faßte das Feuer auf einen feindlichen Stützpunkt zusammen und riß die Panzer und die Schützen wieder vorwärts. — Hauptmann Sachsenheim er_ griff südlich des Ilmensees einen wichtigen Geländepunkt an, um dort einen Stützpunkt einzurichten, währenddessen griff der Feind in seinem Rücken eine nur wenig besetzte Ortschaft an. Hauptmann Sachsenh ei mer nahm nach hartem Kampf den wichtigen Geländepunkt und griff dann in den Kampf der schwer bedrängten Ortschaft ein. Der ein gebrochene Feind wurde zurückgeschlagen und damit eine wichtige Nachschubstraße der Bol- schewisten unterbrochen.
Sorge vor einem japanischen Angriff an -er indischen Südküste.
Schanghai, 15.April. (DNB. Funkspruch.) An der ganzen indischen Südküste erwartet man in wahrer Panikstimmung einen japanischen Angriff. Die Regierung von Madras hat angeordnet, daß alle nicht in unbedingt kriegswichtigen Betrieben arbeitenden Eingeborenen aus sämtlichen Kusten- ftäbten entfernt werden. Ein genauer Evakuierungsplan wird vorbereitet. Mit diesen Maßnahmen sucht man in die regellose Flucht der Bevölkerung Ordnung zu bringen, die, ähnlich wie in Kalkutta, in der vergangenen Woche einsetzte und beängstigende Formen annahm Sorge macht vor allem auch die Crnährungslage. Die indische Regierung hat, da sie sich sicher fühlte, in den ersten Kriegsjahren keinerlei Vorsorge zur Steigerung der Lebensm'ttel- produktion getroffen. Jetzt soll in aller Eile und mit großer Verspätung in allen Provinzen die Anbaufläche erweitert werden.
„Kalkutta und Madras sind zum großen Teil schon evakuiert", berichtet „Exchange Telegraph" aus Kalkutta: „Don den 2,5 Millionen Einwohnern,
die ständig in Kalkuatta leben, sind jetzt schon 750 000 evakuiert worden, 250 000 werden bis Ende des Monats die Stadt verlassen. Nur die Arbeiter, die für die nationale Verteidigung eingesetzt sind, sowie Mitglieder der großen Zivilbehörden und Militär werden in der Stadt bleiben, welche aus einem Handelszentrum erster Ordnung zur Festung wird. M a d r a s, das sonst 600 000 Einwohner zählt, wird bis Ende des Monats hiervon 300 000 verloren haben. Nur wer unbedingt in der Stadt bleiben muß, wird nicht evakuiert. Sanitäts-, Verpflegungsund Wafferpoften sind entlang der Straßen eingerichtet, die von den beiden Städten nach Westen führen. Jetzt hat General W a v e l l persönlich an- geordnet, daß alle Boote, Landungsstege und Transportmittel jeder Art aus den Küstenregionen ins Innere gebracht werden, um im Falle japanischer Landungen den japanischen Soldaten keine Transportmittel in die Hand zu geben, welche deren Vormarsch ins Innere erleichtern könnten."
Indien am Kreuzweg seiner Geschichte.
Ein Aufruf Boses am Jahrestage des Blutbades von Amritsar.
Berlin, 14. April. (DNB.) Anläßlich der 23. Wiederkehr des Blutbades von Amritsar, erklärte der indische Nationalistenführer Sudhas Chandra Bose über einen unbekannten Sender, daß das Blutbad von Amritsar im April 1919 der Dank dafür fei, daß Indien im letzten Weltkrieg sein Blut und Gold zur Unterstützung Englands hingegeben hatte. Durch Erniedrigung' Verfolgung und Grausamkeit wurde Indiens Seele endlich geweckt.
Der gegenwärtige Weltkonflikt stelle Indien an einen Kreuzweg seiner Geschichte — Indiens einzige Alternative sei, die alte Ordnung zurückzuweisen und alles daranzusetzen, die nationale Befreiung durchzusetzen. Pflicht eines jeden Inders sei es, für die Freiheit seines Landes
zu kämpfen und sich den Feinden des britischen Imperialismus zu verbünden. Dose warnt dann eindringlich vor den Englandfteunden und sagt, es sei eine glatte Luge zu behaupten, die Feinde des britischen Imperialismus wollen Indien umgreifen. Diese Mächte — Deutschland, Italien und Japan — seien Freunde der indischen Freiheit, doch Feinde der in Indien errichteten M i l i t ä r b a s i s. Er werde niemals etwas sagen oder tun^das den.Interessen und der Ehre Indiens zuwiderlauft. Sein einziges Sinnen und Trachten sei darauf gerichtet, fein Mutterland so schnell wie möglich zu Freiheit und Frieden zu führen. Man dürfe nicht vergessen, daß die Engländer u m d e n Erhalt ihres Weltreiches und ihre Welt- macytstellung kämpften, und Indien bedeute
Auslese für die Adolf Hitler-Schulen.
NSG. Gauleiter und Reichsstatthalter Sprenger bestimmte aus einem Lehrgang von 39 Jungvolkangehörigen 15 Jungen für die Adolf-Hitler- Schulen. Aus fünf Vorauslese-Lehraängen waren 39 Jungen zu einem Endauslese-Lehrgang in der Gaufchule der DAF. in Oberursel zusammengezogen worden. An der Besichtigung nahmen die k. Leiter der Gebiets'ührung der Hitler-Jugend, Dberbann-- führer Dr. Gauhl, und der Leiter des Gaupersonalamtes, Gauamtsleiter Holländer, teil.
Aus allen Schichten der Bevölkerung setzte sich der Endauslese-Lehrgang zusammen. Wir fanden neben dem Sohn des Dauern den des Ingenieurs, des Arztes, des Schlossers und des Angestellten. Der Gauleiter ließ sich über die seitherigen Leistungen der einzelnen Lehrgangsteilnehmer Bericht erstatten und überzeugte sich dann persönlich bei Sport, Spiel und Unterricht von den Leistungen der Jungen. Zäh und hart, das sind die Eigenschaften, die von den Jungen neben dem geistigen Rüstzeug gefordert werden. In frischer und ftoher Art zeigten die
Jungen dem Gauleiter, daß sie diese Doraussetzun» gen mitbringen.
In einer kurzen Ansprache legte der Gauleiter den Jungen dar, daß ihnen durch die Aufnahme in die Aoolf-Hitler-Schulen und nach einem erfolgreichen Abschluß der Schulausbildung Gelegenheit gegeben sei, in höchste Stellen in Partei und Staat aufzurücken. Die Adolf-Hitler-Schulen geben neben dem geistigen und körperlichen Rüstzeug nationalsozialistisches Gedankengut mit auf den Weg, das entsprechend einzusetzen eine der schönsten Aufgaben der Adol'-Hitler-Schüler sei. Um aber später im Berufsleben bestehen zu können, müsse jeder an sich selb st roeiterarbei t e n und bestrebt sein, das Beste aus sich herauszuholen. Auch die Jungen, die nicht in die Adolf-Hitler-Schulen ausgenommen werden können, zählen zur Auslese. Auch sie werden aller nur erdenklichen Förderung der Partei durch die Hitler-Jugend teilhaftig werden. Mit den besten Wünschen für die Zukunft und einen weiteren erfolgreichen Verlauf des Lehrganges verabschiedete sich der Gauleiter von den Pimpfen.
das Weltreich. Indien brauchten die Engländer, um es während des Krieges und auch nachher aus» zubeuteN. Dies fei die Logik des Imperialismus, und niemand sollte sich darüber wundern. Jndi-en werde während der nächsten Monate von England mit Hilfe Amerikas und durch brutale Gewalt regiert, die Verwaltung mehr und mehr militärdiktatorifch durchgeführt und absichtlich zur militärischen Basis gemacht werden. Die Engländer würden alles tun, den Krieg auf Indien ausMehnen. „Doch", so schloß Bose, „seid ohne Furcht. Wir müssen den Preis für die Freiheit bezahlen. Der Verfall des britischen Weltreiches vollzieht sich rascheftens, und bald wird Indien frei fein."
Gegen die EinniifchungS- poliiik Roosevelts.
Bangkok, 14. April. (DNB). Der indische Na- tionalausschuß in Bangkok richtete einen scharfen Angriff gegen die nordamerikanische Einmischung in Indien. Roosevelt sei wiederum der Kriegshetzer, nachdem er bereits verschiedene andere Völker in den Krieg gestürzt habe, wolle er nun auch das indische Volk für die anglo-amerikanischen Interessen opfern. Roosevelt fjabe stets von seiner starken Flotte im Pazifik geredet. Warum führe er denn diese Flotte nicht zu einem Angriff gegen Japan? Statt dessen verhafte sich Roosevelt still und lasse nur andere für sich kämpfen und bluten. Ausgerechnet Indien, ein durch die britische Ausbeutung verarmtes Land, solle im Namen der sogenannten Demokratien und Freiheit für die USA. kämpfen. Wenn aber das reiche Amerika den Kampf gegen Japan nicht wage, was solle dann erst Indien tun? Indien habe nur einen einzigen Feind, England, alle Feinde außerhalb von Indiens Grenzen bestünden nur in der Einbildung anglo-amerikanischer Agitation.
Oie Politik Japans.
„Wir müssen die Herzen der Inder gewinnen."
Tokio, 14. April. (Europapreß.) Die japanische Presse erklärt, daß nach der Abreise von Cripps die UnabhäHgigkeitsbewegung in Indien weiteren Auftrieb erhalten habe. Englands Positton in Indien habe sich weiterhin verschlechtert. England müsse nicht nur mit japanischen Offensiven zu Lande, zur See und in der Luft, sondern auch mit einem bewaffneten Widerstand der Inder rechnen. „Hochi Shimbün" schreibt: „Wir müssen die Herzen der Inder gewinnen und ihnen die wahre Bedeutung des großasiatischen Krieges verständlich machen. Aus diesem Grunde müssen die Angriffe gegen die Briten fortgesetzt werden, und gleichzeitig müssen wir Japaner bei der Handhabung der Verwaltung Burmas vorsichtig fein, damit das indische Volk den richtigen Weg geht." Sieben führende indische Nationalisten haben sich auf dem Luftwege von Japan nach Indien begeben.
Gitte Erklärung Nehrus. j
Bangkok, 14. April. (DNB.) Zu den gescheiter-! tep Verhandlungen mit Cripps hat Pandit Nehru
gesagt: „Cripps erklärte, die britische Regierung würde keinerlei Initiative mehr ergreifen, um das Jndienprvblem zu lösen. Wir (d. h. Indien) erwarten keinerlei Initiative der britischen Regierung. Wir erwarten überhaupt nichts von ihr, außer Obstruktion gegen jeden politischen und wirtschaftlichen Fortschritt Indiens. Ich glaube, es ist die Plicht jeden Inders, jeder Aggression und jeder Fremdherrschaft, sei es der alten oder einer neuen. Widerstand entgegenzusetzen.
Oie Lage ans Eorregidor.
Tokio, 14. April. (Europapreß.) Die nördlichen Batterien auf Corregidvr sind durch die unaufhörlichen Bombardements von Fliegern und Artillerie völlig zum Schweigen gebracht. Unter den Angriffen der japanischen Marinebomber flogen die Befestigungen eine nach der anderen unter schweren Explosionen in die Luft. Die östlichen Forts zeigen noch immer Leben, doch unterhalten die feindlichen Batterien ein nur sehr unregelmäßiges und schlecht gezieltes Feuer. Die Flotteneinheiten, welche die Blockade gegen die Bataan-Halbinsel aufrechthielten, haben jetzt ihre Aufmerksamkeit auf Corregidor konzentriert, so daß ein Entkommen aus der Festung unmöglich erschein^.
Das Hauptquartier gibt als Ergebnis der Generaloffensive auf der Bataan-Halbinsel bekannt: 4 0000 Gefangene, darunter Generalmajor King, den Oberkommandierenden der USA.- und FilipinosStteitkräfte auf der Bataan-Halbinsel, Generalmajor Parker, den Kommandanten der 2. Division, Generalmajor Jones, Kommandeur der 1. Division, Generalmajor Francisco, den Kommandeur der Filipinos-Truppen. Fernerhin: 196 Geschütze. 320 MG s, 10 000 Gewehre, 124 Panzerwagen, 220 Kraftwagen sowie zahlreiche Mllnition-
Aus dem Reich.
Oie student scheu Frontkämpfer bei Or. Goebbels.
Rsichsminister Dr. Goebbels empfing Abordnungen der ausländischen Studenten aus neun europäischen Nationen, die als Freiwillige im Osten gegen den Bolschewismus kämpfen. Er sagte, Europa erlebe eine Periode kontinentaler Entw ck» lung, die zu den großartigsten Epochen seiner Geschichte gezählt werden könne. Es sei selbstverständlich, daß in einer solchen Zeit die Jugend bahnbrechend voranmarschieren und ihren berechtgten Führungsanspruch anmelden müsse. Sie allein habe die dynamischen Kräfte, die neuen Ideen in ihrer ganzen Bedeutung zu erkennen und sich mit ihrem ganzen Sein für ihre Verwirklichung einzusetzen. Das starke Wachstum der Völker und der ungeahnte Aufschwung der Technik habe Europa vor ganz ttttie Probleme gestellt. Diele überholte Anschau- Ä.en müßten revidiert werden, um den ältesten ■tmmt einer glücklicheren Zukunft entgegen m- Mv. In diesem Sinne müsse auch der jetzige ■feg verstanden werden. Er könne und müsse f ü r ■u r o p a der. letzte fein und für immer die ■itinentale Zerrissenheit beseitigen. In diesem Sinne ^zeichnete der Minister den Bluteinsatz der jungen
Oie „echten Schweden" ans Deutschland.
Das Streichholz und seine Geschichte.
Jeder Landser trägt ständig Streichhölzer in der Tasche; sie werden gehütet wie ein Schatz. Mit ihnen entzündet er seine Zigarette, mit ihnen entfacht er aber auch das wärmende Feuer in einem alten Blechfaß, das zu einem primitiven Ofen umgestattet worden ist.
Bei allen Völkern künden Sagen von der Göttergabe, dem heiligen Feuer. In alten Zeiten ist das Feuer in Tempeln gehütet worden. Heute, im technischen Zeitalter, trägt es jeder bei sich. Es ist nur wenia mehr als drei Generationen her, daß das Entzünden von Feuer noch ein überaus umständliches Verfahren war, wobei Stahl, Stein und Zunder oder andere Zündungsvorrichtungen angewendet werden mußten. Vor 110 Jahren erst wurde der gewaltige technische Fortschritt der Erfindung des Zündholzes gemacht. Man erzählt sich scherzhaft, Goethe habe 1832 auf seinem Sterbebett gerufen „Mehr Licht", und daraufhin fei das Streichholz erfunden worden. Tatsächlich gilt dies Jahr als das Erfindungsjahr der Zündhölzchen.
Wenn mir von der „Zeitreife von Erfindungen" sprechen, so hier in besonderem Maße. Verschiedene Völker machen Anspruch auf diese Erfindung, merkwürdigerweise werden mehrere Männer als Erfinder genannt, denn fast gleichzeitig tauchten damals an allen Ecken und Enden Hölzchen mit Zündkappen auf, die auch bald fabrikmäßig hergestellt wurden. — An und für sich waren schon lange vor dem Jahre 1832 Zündhölzchen oder ähnliche Zündkörper bei verschiedenen europäischen Völkern bekannt. Im Jahre 1832 jedoch waren diese Vorläufer in ihrer Vervollkommnung soweit gediehen, daß sie als gebrauchsfähige Erfindung gelten konnten. Die Erfindung lag gewissermaßen in der Luft, als die chemischen Kenntnisse sich mehr und mehr verbreiteten. Wir wissen aber nicht, wer der alleinige Erfinder ist. M , ,
Allmählich entwickelte sich aus vielen Verfahren das Streichhölzchen unter-fortwährenden Verbesse- rungen; sie wurden auch nach 1832 fortgesetzt und wiederum seltsamerweise von verschiedenen Seiten ost fast gleichzeitig gemeldet. Mängel waren aber
immer noch vorhanden. Entzündete man z. B. so ein Streichhölzchen damaliger Herstellungstechnik, .so explodierte es mit heftiger Feuerwirkung und lautem Knall. Auch Selbstentzündungen kamen immer wieder vor. Außerdem war die Verwendung von weißem Phosphor überaus gesundheitsgefährdend.
1848 trat die letzte wirkliche, aber um so weitgehendere Verbesserung ein. Wir können mit Stolz daran denken, daß ein Deutscher, Professor B ö tt- ger aus Frankfurt, diesen umwälzenden technischen Fortschritt bewirkte. Er ist der alleinige Erfinder der Streichhölzchen ohne Kuppe aus weißem Phosphor und verwendete dafür roten zu den Reibflächen. Auf diese Weise war endlich der gesundheitsschädliche weihe Phosphor überflüssig geworden und die „S i ch e r h e i t s st r e i ch h ö l z ch e n" erfunden.
Im großen und ganzen sind sie so geblieben, wie sie Böttger erfand, wenn natürlich auch kleine Aenderungen im Laufe der Zeit dazu kamen. Die Sicherheitszündmasse besteht heute aus einer Mischung von Kaliumchlorat, Schwefel, Leim usw. Sie ist absolut gesundheitsunschädlich. — Der Vorgang beim Entzünden der Hölzchen ist folgender: Durch die Reibwärme beim Anstreichen der Hölzchen wird ein Teil des roten Phosphors in weißen umgewandelt, der sich und das Hölzchen entzündet.
Die deutschen Streichhölzchen konnten sich jedoch nicht durchsetzen. Interessant ist, wie die fehlende politische Erziehung der Deutschen jener Tage sich wirtschaftlich auswirkte. Das zur Herstellung der neuen Sicherheitsstreichhölzchen gegründete Werk brach zusammen. Erst als zehn Jahre später die Döttgerschen Hölzchen über Schweden nach Deutschland zurückkamen, wurden sie als „echte Schwedenhölzchen" in Deutschland bereitwilligst auf- genommen. Es waren eben „echte Schweden", und so etwas zog damals. Heute dagegen ist die Gewähr gegeben, daß die Erfindungen unserer deutschen Techniker ihre Anerkennung finden. Heute lassen wir nicht mehr deutsches Gedankengut, im Inland verlacht und verspottet, ins Ausland gehen, wo man sofort seine Bedeutung erkennt und es ausnutzt. Wir haben es nicht mehr nötig, deutsche Erfindungen als „echte Auslandsware" zurückzukaufen.
Wenn wir uns vorstellen, daß 1928 in Deutschland 132 Milliarden Streichhölzchen hergestellt wurden, kann man erkennen, daß eine derartige Zahl nur bei Massenherstellung mit zweckvollster
Maschinenarbeit erzeugt werden kann. Bewundernswert ist die ' neuzeitliche Herstellungstechnik der Streichhölzer. Man benutzt meist Pappel-, Lindenoder Weidenholz zur Herstellung der Streichhölzer. Das Holz soll möglichst frisch sein. In der Fabrik werden bie Stämme maschinell entrindet, um in Klötze bestimmter Länge zerlegt zu werden. In der Schälmaschine, welche einer Drehbank ähnelt, werden sie zu dünnen Blättern ober Bänbern von der Dicke ber späteren Streichhölzchen geschält. Diese Dänber werden maschinell entsprechend der Länge und Breite der Einzelhölzchen zerschnitten. Da nur frisches Holz verwendet werden kann, schließen sich Trocknungsoorgänge usw. an.
Die Hölzchen werden schließlich geordnet und kommen dann auf eine Maschine, bie sie erst, in Schachteln verpackt, verlassen. Auf einem e fernen Transportband mit unzähligen kleinen Löchern, wo sie eingesteckt werden, marschieren die Hölzchen in endlosen Reihen auf. Ruckweise werden diese Reihen weiterbewegt. Ueber mehrere Arbeitsstufen, z. B. Erhitzen, Paraffintauchen, um die Brennbarkeit an dieser Stelle zu erhöhen, Tunken, wo sie die Zünb- köpfchen aus der Sicherheitszündmasse erhalten, Trocknen, Imprägnieren, um das Nachglimmen zu verhindern, marschieren sie zur Füllvorrichtung. Diese gibt 65 Hölzchen in jede Schachtel; da aber unterwegs Verluste eintreten, sind es durchschnittlich ein paar Hölzchen weniger.
Sobald bie Schächtelchen gefüllt sind, werden sie maschinell in die äußere Schachtelhülle hineingeschoben und verlassen bann bie Maschine. Die Leistungsfähigkeit biefer Maschinen, von denen es natürlich verschiedene Ausführungen gibt, ist für den Laien erstaunlich. Sie können, ganz csieich ob mit ober ohne Schachtelfüllung, bis zu 10 Mill onen Hölzchen täglich Herstellen. Die gefüllten Schachteln roanbern auf einem anberen Transportband weiter und gelangen zwischen zwei mit flüssiger Reibflachen- mafse getränkte Bürstenwalzen, die die Schmalseiten der Schachteln mit den Reibflächen versehen. Sie werden bann getrocknet und erhalten durch eine neue Maschine das Etikett aufgeklebt. Dann werden zehn Schachteln zu einem Paket vereinigt, mit Packpapier umhüllt, zugeklebt und wiederum mit einem Etikett beklebt.
Vor dem ersten Weltkrieg ist ber Verbrauch an Streichhölzern in Deutschland auf 12 Stück nro Kops der Bevölkerung täglich geschätzt
worden. Wenn auch das Zündholz durch andere Zündvorrichtungen, wie z. B. Feuerzeuge, in harten Wettbewerb gedrängt worden ist, so hat es ihn doch siegreich überdauert und ist heute beliebter denn je» mals. Dr.-Jng. Hans-Otto KarL
Der Bildhauer Georg Kolbe 65 ?ahre alt.
Der bedeutende deutsche Bildhauer Georg Kolbe wird am 15. April 65 Jahre alt Ueberblicft man fein Werk, so findet man kaum äußere Spuren des Kampfes um Formprobleme, wie sie gerade an der Jahrhundertwende, zur Zeit der stärksten Entwicklung Kolbes diskutiert wurden. Kolbe war von ber Malerei gekommen, hatte sich aber bereits 1900 bei einem Aufenthalt in Rom ber Plastik zugewandt und bald in ber Darstellung des harmonisch bewegten Körpers feine künstlerische Aufgabe erkannt. Zwei Jahre zuvor in Paris hatte er Rodin kennen gelernt. Danach in Italien waren vor allem Michelangelos Meisterwerke für ihn eine Offenbarung gewesen. Michelangelo und Rodin, beide empfand Kolbe als „gotische Menschen im Gegensatz zur Antike". So wuchs fein eigenes Schaffen unter dem Einfluß dieser Großen. Er studierte aber nicht minder auch die Antike. Unter der Anleitung Tuai11ons in Rom, später bet Gaul wurde seinem fleißigen Talent der unbeschränkte plastische Bewegungsausdruck geläufig, der alle feine Figuren kennzeichnet. Es gelangen jhm die aus dem Seelischen her entwickelten Gestalten wie.die „Klage" oder seine „Pieta", es entstand die „Tänzerin , durch die Kolbes Name 1912 berühmt wurde. Unter seinen späteren Bildwerken ist mit an erster Stelle bas Gefallenendenkmal in Stralsund zu nennen, dessen symbolische Kraft gerade in diesen unseren Tagen wieder unmittelbar zu uns spricht. Manches Buch wurde inzwischen dem Schaffen des aus Mittweida gebürtigen Künstlers gewidmet. Unter den Autoren befinden sich die Namen Rudolf G. B i n d i n g und Wilhelm Pinder. Die beste Sammlung von Abbildungen älterer Arbeiten Kolbes sind noch immer bie hundert Licht- brudtafeln, die im Verlag des Kunstgeschichtlichen Seminars in Marburg erschienen und denen als Einleitung einige Worte Georg Kolbes zu feinent Werden und Werk vorangestellt sind.
Rudolf Adrian Dietrich.


