192. Jahrgang Nr. 87
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JKfSF 9 Z> Q Mittwoch,,5.April 1912
Giehener Anzeiger
Der neue große Erfolg unserer Ll-Boote.
Der Wehrmachtberichi.
D3tB. Ausdem Führerhauptquartier, 14. April. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:
Auf der H a l b i n f e t 6 e r t f ch und im Donez- gebiet fanden außer örtlichen Vorstößen schwächerer feindlicher Kräfte keine wesentlichen Kampfhandlungen statt.
Deutsche Kampfflugzeuge beschädigten in einem Hafen der Kaukasus-Küste einen großen sowjetischen Tanker durch Bombentreffer.
3m mittleren Abschnitt der Ostfront wurde bei erfolgreichen eigenen Angriffshandlungen eine große Anzahl von Ortschaften genommen. An einzelnen Stellen wurden stärkere, von Panzexn unterstützte Angriffe des Feindes abgeschlagen.
3m nördlichen Frontabschnitt.wurde eine Kräflegruppe des Feindes eingeschlossen und vernichtet.
3n der Zeit vom 9. bis 13. April wurden an der Ostfront 175 feindliche Panzer abgeschossen.
Die bereits durch Sondermeldung bekanntgegeben, griffen deutsche Unterseeboote im Nordmeer einen aus Murmansk ausgelaufenen Geleitzug an und versenkten zwei amerikanische Transporter mit zusammen 12 200 VRT.» von denen einer bereits durch Bomben deutscher Flugzeuge beschädigt worden war.
Kampfflugzeuge versenkten aus demselben Geleitzug einen Tanker von 4000 BRT. und beschädigten ein großes Handelsschiff so schwer, daß mit seinem Verlust gerechnet werden muß.'
3m Atlantik versenkten Unterseeboote 12 feindliche Handelsschiffe mit zusammen 104 000 VRT. Fast alle diese Schiffe, unter
denen sich sieben große Tanker befanden, wurden unmittelbar unter der amerikanischen Ostküste torpediert.
3n Nordafrika wurden Vorstöße starker britischer Kräfkegruppen abgewiesen und im Nachstoß dem Gegner erhebliche Verluste zugefügk. Sieben Panzerkampfwagen und anderes Kriegsgerät wurden vernichtet oder erbeutet. 3n der M a r m a r i c a wurden britische Kraftfahrzeugansammlungen und eln Flugplatz bombardiert. Die Angriffe auf mili- tärifche Anlagen der 3nsel Malta wurden bei Tag und Nacht fortgesetzt.
Leichte Kampfflugzeuge griffen am Tage Hafenanlagen und Versorgungs-Einrichtungen an der englischen Südküste erfolgreich mit Bomben an und zerstörten eine Fabrikanlage. 3n der vergangenen Nacht bombardierten Verbände schwerer deutscher Kampfflugzeuge einen versorgungswichtigen Hafen an der H u m b e r - M ü n d u u g mit guter Wirkung.
Eine geringe Anzahl britischer Bomber versuchte in der Nacht zum 14. April das nordweskdeutsche Küstengebiet anzufliegen. Lin feindliches Flugzeug wurde abgeschossen.
Bei den Erfolgen im Atlantik zeichneten sich die Unterseeboote desKapitänleuknantsHardegen und des Oberleutnants z. S. Lassen besonders aus.
Die Besatzung eines deutschen Flugzeuges, bestehend aus Oberfeldwebel Nitsch, Feldwebel Schäfer, Feldwebel Richter und Oberqefreiter Hartmann hat ungeachtet stärkster feindlicher Boden- und 3aadabwebr einen wichtigen Auftrag über dem Kanal von Suez mit großem Schneid durchgeführt.
Oie Tankerrechnung der LtSA.
Wieder meldete der Wehrmachtbericht unter den Versenkungen am 14. April die Torpedierung von sieben weiteren Tankern. Wieviel dieser kostbaren Schiffe sind bisher versenkt? Und wieviel ror der amerikanisajen Küste? Am 6. April 1942 wurde mitgeteilt, daß seit Kriegsbeginn bis zum 81. März 1942 insgesamt 2 755 900 BRT. feindlichen oder dem Feinde dienstbaren Tan-kerschiffs- raums vernichtet worden sind! Im Vergleich dazu sei erwähnt, daß 1939 England 500 Tanker mit insgesamt 3,2 Millionen BRT. und die USA. 385 Tanker mit 2,8 Millionen BRT. besaßen. Weiter muß man im Gedächtnis behalten, daß auf jede Bruttoregistertonne Schiffsraums ein tatsächlicher Transport von 1.75 Tonnen Erdöl oder Erdölprodukten entfällt. Ferner muß die Zahl der Tanker multipliziert werden mit der Zahl der Reisen, die sie im Jahr unternehmen können, um das Jahresergebnis zu errechnen. Die Tanker an der amerikanischen Ostküste pflegen im Jahr 30, dri ^an | zwischen En al and und Trinidad, dem Star,. ■ großen britischen Raffinerien für das 23c < • < j Erdöl an,.der Rordküste Südamerikas, etwa 12 Reisen alljährlich zurücklegen. W
Die feindlichen Verluste an Tankern seit dem erl sten Auftreten deutscher Unterseeboote in ameril konischen Gewässern haben sich mit der durch die Dienstaa-Sondermeldung bekanntaeaebr- nen Versenkungsziffer auf 88 Tanker mit 713 210 BRT. erhöht. Dies bedeutet für den Gegner den Verlust von rund 1070 000 Tonnen £M. Diese Ziffer entspricht der dreifachen Jahres^örderung an Oel m Deutschland im Jahre 1937. Wenn wir diese Tonnage und den 1939 überhaupt verfüabar-m amerikanischen Tankerschiffsraum von 2,8 Millionen BRT. zugrundelegen, so ergibt sich, daß die Vereinigten Staaten bereits annähernd 2 5 v. H. ihres gesamten. Tankerschiffsraums verloren haben! Da die amerikanischen Tanker besonders viele Seereisen von dem Industriegebiet um Reu- york oder Philadelphia zu den Pstroleumhäfen in den eigenen Südstaaten oder in Mexiko machen
konnten, so läßt sich die Beengung der USA. in der Erdöl, und Venzinversorgung ermessen.
Was lüacht nun den Tanker so wertvoll? Das Erdöl hat die Kohle als Heizmaterial der Schiffe weitgehend verdrängt. Das Oel fließt von selbst in die Kessel, entwickelt keinen Rauch und hinterläßt keine Asche. Das früher so mühevolle Heizen der riesigen Schiffskessel in Gluttemperatu-tzn ist auf wenige mechanische Handgriffe beschrankt. (Ob die Kohle vielleicht doch wieder „aufholt", ist eine andere Frage.) Für Kriegsschiffe wird die Oelfeuerung auch aus anderen Gründen bevorzugt: Sie erlaubt, sehr schnell von der Marschgeschwindigkeit zur Höchstgeschwindigkeit überzugehen und diese gleichmäßig zu erhallen. Aehnliche Erwägungen haben in den Vereinigten Staaten, die über die reichsten Erdölvorkommen verfügen, die Erdölheizung auch in vielen industriellen Anlagen, ja selbst in Privathaushattungen sehr beliebt gemacht. Dazu kommt .der riesige Bedarf der Autos, Lastkraftwagen und Flugzeuge. Die Tanker müssen eine genaue Gele ilytsverteüung haben. Der Tankraum ist des- »gen in einzelne Oelzellen untergeteilt, die gut Mftbar sein müssen. Bei der Feuergefährlichkell ■'ti der Tankraum von dem eigenen Kessel- oder ■ triebsraum des Schiffes streng geschieden sein. ”er Tanker ist daher an seinem Schornstein für An gase auf dem Hinterdeck leicht erkennbar. Seine Bauzeit ist entsprechend der komplizierten Bauart des Schiffes lang.
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Die Operationen unserer Unterseeboote werden anschaulich, wenn man die ungeheuren Entfernungen berücksichtigt, die zwischen den einzelnen Operationsgebieten liegen. Von den Einsatzhäfen bis zur amerikanischen Küste sind es 5000 km, bis zum Mittelmeer bzw. zur westafrikanischen Küste über 2500 km, bis zur Barents-See 3000 km. In diesem ganzen riesigen Seegebiet fahren unsere Unterseeboote unausgesetzt ihre erfolgreichen Einsätze, die der feindlichen Versorgungsschiffahrt schwerste Verluste zufügen.
Das torpedierte Kriegspotential.
Von unserer Berliner Schriftleitung.
Die Taktik der Japaner und die der deutschen U-Boote ergänzen sich. Sie greifen den Gegner immer dort an, wo er am sterblichsten ist, und da der Aktionsradius unserer U-Boote sich weiter ausdehnt und aste Abwehrmaßnahmen dagegen versagen, sind die Aussichten für Roosevelt und Churchill niederschmetternd. Roosevelts Marineminister Knox, der einst in neun Wochen Japan erledigen wollte und es niemals für möglich hielt, daß deutsche U-Boote an der Atlantikküste der USA. auftauchen und die nordamerikanische Handelsschiffahrt dezimieren würden, hat am Montag auf einer Bostoner Werst bekümmert gesagt: „Dies ist der größte Seekrieg, den die Wett je erlebt hat", er vergaß, binzu- zufügen: Und er verläuft zuungunsten der Pluto- fratien.
Ueberall tauchen unsere U-Boote auf, wo die Versorgungsstrecken der Feinde laufen. Am Samstag meldete das Oberkommando der Wehrmacht, feit dem 24. Januar seien in den Gewässern vor den UPA. 214 feindliche Handelsschiffe mit 1,42 Mill. BRT., darunter allein 81 Tanker mit 642 710 BRT., versenkt worden. Jetzt wurden dort wieder 12 Handelsschiffe mit 104 000 BRT., darunter wiederum sieben große Tanker, auf den Grund des Meeres geschickt, und sogar in der abgelegenen Barents-See in der Arktis Kanadas fielen zwei amerikanische Dampfer mit 12111 BRT. unseren U-Booteq zur Beute. Das englische Mrtfchastsblatt „Financial
News" macht sich daher auch sehr ernste Gedanken über die Versorgungslage Englands, da nicht nur Dampfer mit Kriegsmaterial und kriegswichtigen Rohstoffen, sondern auch mit Lebensmitteln ver- nichtet würden.
Aber den USA. geht es nicht viel besser.. Auch sie sind auf den Bezug kriegswichtiger Rohstoffe aus T m Auslande angewiesen. Die Tankerverluste haben die Rüstungsindustrie der amerikanischen Ostküste in eine gewaltige Verwirrung gebracht. Das nord- amerikanische Erdöl wird fast nur durch Tanker aus dem Golf von Mexiko und aus Texas nach den nördlichen Oststaaten transportiert. Da die industrialisierte Ostküste der USA. täglich rund 1,6 Millionen Faß Erdöl braucht, wobei ein Faß rund 140 Kilogramm Erdöl enthält, ist durch die Masienver- senküngen von Tankern diese Versorgung gefährdet, Ausweichmöglichkeiten haben die USA. nicht. Den Eisenbahnen fehlen die Tankwagen, und die Rohrleitung, die geplant ist, dürfte erst in etwa drei Jahren so weit sein, daß sie die Erdölversorgung sicherstellen kann.
Die Schwierigkeiten der USA. haben bereits dazu geführt, daß der Verkehr nach Südamerika fast gänzlich eingestellt werden mußte. Das prahlerisch als „Arsenal der Demokratien" bezeichnete „Gelobte Land" Roosevelts steht also vor der Tatsache, daß die U-Boote dieses Arsenal gewissermaßen blockieren und die Ausfuhr von Kriegsmaterial nach Eng
land und der Sowjetunion sowohl auf der Atlantikroute wie auch durch das nördliche Eismeer emp- sindlich stören. Die Versorgung des vorderen Orients von den USA. und England aus muß auf dem Umweg um das Kap der Guten Hoffnung erfolgen, was sehr schwierig ist und vor allem zeitraubend. Und die Linie nach Indien ist durch die Japaner gefährdet.
Wenn jetzt der Londoner „Daily Herald" jammert, auf der Flotte Englands lasteten so viele Verpflichtungen, daß es nicht mehr möglich sei, sie alle zu erfüllen, dann gilt das auch für die nordamerikanische Flotte. Die Illusionen Roosevelts sind bereits zertrümmert. Die Prahlereien über gewaltige Schiffsneubauten haben aufgehört. Nach den nüchternen Ziffern des American Bureaus of Shipping haben die USA. im letzten Jahre nur 664 000 VRT. gebaut. Das ist so viel, wie wir in einem Monat versenken! Man hat in England und in den USA. einst erklärt, der Seekrieg entscheide. Dieser aber aeht ganz anders, als Roosevelt und Churchill es sich ausgemalt haben.
Italienisch-!- U-Doot-Erfolg im At'antik.
Ein italienisches Unterseeboot unter dem Kommando von Korvettenkapitän Emilio O l i v i e r i, -das im Atlantik overierte, versenkte zwei Schiffe und drei Tanker mit insgesamt 48 000 BRT.
Nur einen einigen Oamvfer anqetroffen
Lissabon, 15. April. (DNB. Funkspruch.) Der Offizier eines in Lissabon eingetroffenen neutralen Schiffes berichtet, auf der Reise von Venezuela nach Lissabon habe sein Schiff während der drei Wochen lanaen Reise nur einen einzigen Dampfer angetroffen. Noch vor einigen Monaten feien ihm mehr als dreißig Dampfer auf der gleichen Route beaeg- n-t Die deutschen U-Boot-Erfolge im Karibischen Meer hätten den im Dienste Englands fahrenden Seeleuten einen panischen Schrecken eingejagt. Es sei daher für einen Kapitän n'cht mehr möglich, nut den angeheuerten Seeleuten für die Reise vollständig zu rechnendem aroßer Teil von ihnen fei beim Auslaufen des Schiffes nicht zur Stelle.
England« fcfitvone Liste.
Lissabon, 14. Avril. sEuropapreß.) Sechzehn argentinische und zwei chilenische Schiffe wurden auf d'.e „Schwarze Liste" Englands geseht. Man nimmt an, daß gegen die Schiffe dieselben Maßnahmen wie im Weltkriege ergriffen werden, daß also ihnen in allen britischen oder von England kontrollierten'Höfen die Versorgung mit Kohle und Lebensrnitteln verweigert wird, als Druckm'ttel gegen die beiden einzigen nevfr^fen Staaten, welche die Teilnahme am Konvoi-System ablehnten.
Terror in Aegypten.
Rom, 14. April. (Europcrpreß.) Die Verhüttung des Rektors der Azhar-Universität, des Scheiks el. Maraghi, der fünf Dekane sowie der Direktoren sämtlicher Sekundärschulen in Stadt und Provinz Kairo erfährt „Popolo di Roma". Der Scheik el Maraghi ist das Oberhaupt des Islams in Aegypten, hat die religiöse Erziehung des Königs Faruk geleitet und gehört zu den geschätztesten Ratgebern des Königs. Die Verhaftung soll erfolgt sein, weil er sich geweigert habe, als Rektor der Universität dem Befehl ihrer Schließung Folge <fu leisten mit der Begründung, das Oberhaupt der Universität sei der König selbst, und ein Befehl zu ihrer Schließung könne nur von ihm gegeben werden. Die sämtlichen Scheiks der. Moschee von Kairo sollen einen Protest an die Regierung und an den britischen Botschafter gerichtet haben, weil man dem König den üblichen Freitagsbesuch der Moschee unmöglich mache.
Gibt es ein „amerikanisches Volk"?
Wenn Roosevelt jetzt lebhafte Klage darüber fiih- ren läßt, daß die Amerikaner auch' im Krieg noch nicht die inneren Streitigkeiten vergäßen — nichts kann besser beweisen, daß Roosevelt den Krieg entfesselte, um seine persönliche Stellung und die Herrschaft seiner Partei zu festigen! —, so macht er dadurch auf eine Tatsache aufmerksam, die bei Beurteilung der Stärke der USA. oft genug vergessen wird: daß es drüben zwar 130 Millionen Einwohner gibt, aber kein „amerikanisches 23 o l k" im Sinn der alten in sich gefestigten und einheitlichen europäischen Nationen. Man hat bisher gern von „Angelsachsen" gesprochen, aber das ist eine irreführende Bezeichnung rein formaler Natur. Im Verhältnis zu den Briten gebraucht man neuerdings das zutreffende Wort „englisch- sprechende Völker", aber auch dies setzt voraus, daß die Amerikaner wegen des gemeinsamen Gebrauchs der englischen Sprache eine nationale Einheit darstellten. Das ist aber nicht der Fall.
Zunächst gibt es in den USA. 12 Millionen Neger, die unzweifelhaft ein Fremdkörper sind und von den meisten Weißes auch als solcher empfunden werden. Ihnen gegenüber versagt die angebliche Wunderwirkung des „Schmelztiegels" vollkommen. War es bis vor etwa 50 Jahren noch möglich, die damals noch überwiegend aus Briten, Deutschen, Skandinaviern undJren bestehenden Einwanderer den vorherrschenden Angloamerikanern anzugleichen, so kam diese Verschmelzung der zuströmenden Europäer zu einem leidlich gleichartigen Typus ins Stocken, sobald vornehmlich Oft« Hamen, Juden und Mittelmeervölker zuwanderten. Nach der Volkszählung von 1930 waren zudem 13,4 Millionen USA.-Bürger nicht im Lande geboren, und nahm man die Amerikaner hinzu, deren Eltern erst eingewandert waren, so waren nur 55 v. H. „Alteingesessene" vorhanden. Es ist bezeichnend, daß man seit einiger Zeit sogar von Amts wegen von der Zwangsan- gliederung Abstand nimmt, da sich her ausgestellt hat, daß die schematiche Entnationalifferung der Einwanderer ihrem Charakter verderblich werden kann. Die 6 Millionen O st j u d e n sind, obwohl sie sich als Ueberamerikaner aufzuspielen pflegen, ein starker Block, der rein jüdische Interessen vertritt und nichts im Auge hat, als die USA. zum Werk-, zeug ihrer Pläne zu machen und im übrigen die Amerikaner von sich aus zu überfremden. Es kommen dazu in den südlichen Randstaaten nicht unbeträchtliche mexikanische Gruppen, die ihre Sonderart gut hatten.
Es kann, trotz eines gewissen Hanaes zu Flaggenfetischismus und einem fast sportmäßig betriebenen Reklamepatriotismus mit meist stark geschäftlichem Einschlag jedenfalls nicht von einem einheitlichen Volks körper gesprochen werden, der gleichmäßig gegen die seelischen und materiellen Belastungen durch einen totalen Krieg abgehärtet wäre, zumal die meisten Amerikaner diesen Krieg,als nicht notwendig empfinden. Etwa der Hältte der Bevölkerung fehlt es an angeborenem schicksalhaften Zusammengehörigkeitsgefühl, das die Stärke der alten Völker Europas ausmacht, an gemeinsamen Erinnerungen, an Geschichtsbewußtsein. Es kommt noch hinzu, daß in dem riesigen und von Natur aus kräftig gegliederten Raum der USA. stets zentrifugale Bestrebungen lebendig waren) so daß vielfach das Zugehörigkeitsgefühl zum Bundesstaat lebendiger ist als die Verbundenheit mit Washington; auch dies ist nicht selten auf die feit altersher nicht vorwiegend angloamerikanische Besiedlung zurückzu« führen.
Es ist sichtlich der Wunsch der Kriegsmacher, durch den Krieg die Zentralisierung vorwärtszutreiben und in der Armee einen neuen „Schmelztiegel"
Spaniens amerikanische Initiative.
Von unserem H-Korrespondenten.
Madrid, April 1942.
Der Jbero-Amerikanismus in Spanien hat durch den Abschluß eines neuen spanisch-argenti- Nischen Handelsvertrages einen neuen Antrieb erhalten. Das Ereignis fiel zeitlich zusammen mit der Eröffnung spanischer Rundfunksendungen nach Südamerika. Es gibt in der spanischen Hauptstadt eine , iberoamerikanische Begeisterung, die plötzlich und ganz ohne Rücksicht auf den Ernst der Lage im Atlantik.entstanden ist. Seit der Konferenz von Sevflla, wo die spanischen und portugiesischen Staatsmänner ihre Erfolge in der Amerikapolitik zu vergleichen Gelegenheit hatten, ist der spanische Vorstoß unverkennbar. Mit dem argentinischen Botschafter E s c o b a r wurde schon seit acht Monaten verhandelt, der Abschluß aber erfolgte erst jetzt. Rundfunksendungen nach Amerika sind schon seit Jahr und Tag geplant. Die Schwierigkeiten teils verwaltungsmäßiger, teils technischer Natur, die dem Bau eigener Sender im Wege standen, konnten noch nicht überwunden werden. Aber heute wird trotzdem ein Privatsender in Aranjuez, der über die genügende Kilowattstärke verfügt, für diese Zwecke vom Staat mit Beschlag belegt. Seit Sevilla ist ein neuer Zug in den spanischen Jbero-Amerikanismus gekommen, und man hat es schwer, darin nur einen zeitlichen Zusammenfall zu erblicken.
Vielleicht konnten in Sevilla die eigenartigen Möglichkeiten, die Spanien und Argentinien nach der Konferenz von Rio de Janeiro in ihrem Verhältnis zu den kriegführenden Parteien noch gegeben sind, klargelegt werden. Der argentinische Botschafter in Rom, M a l b r a m , hat seinerzeit auf der Durchreise in Madrid erklärt, die Nicht- kriegführung sei für Argentinien die beste Art, die heutige Zeit zu überstehen. Er fügte ausdrücklich hinzu, als mchtkriegsührender Staat tonne Argen
tinien auch Nordamerika nützlicher fein als in jeder anderen Weife. Malbram meinte einen Zustand der Nichtkriegführung Argentiniens im Verhältnis zu Nordamerika und England, wie ihn Spanien im Verhältnis zu den Achsenmächten besitzt.
Wenn heute zwischen diesen beiden nichtkriegführenden Staaten die Beziehungen aktiviert werden, so kann dies begreiflicherweise auch Bedeutung für die im Kampf befindlichen Parteien besitzen. Es handelt sich um Wirtschaftsbeziehungen, man weiß, daß Nordamerika und England nach den Verlusten im Pazifik mehr als bisher auf andere noch nicht besonders in Anspruch genommene Rohstoffe Bezug nehmen müssen. Welche Rolle Spanien dabei spielen kann, steht dahin. Zunächst hat das spanisch-argentinische Wirtschaftsabkommen streng den Charakter eines argentinisch-spanischen Warenaustausches für den ausschließlich argentinisch-spanischen Verbrauch. Immerhin aber dürfte die spanische Eisenindustrie nach Argentinien Erzeugnisse liefern, die in der Vergangenheit von England oder Nordamerika dorthin gelangt sind. Es ist, wie in Madrid erklärt w'rd, die Aufgabe einer nach Buenos Aires entsandten Wirtschaftsmission, diese Verhältnisse auch für die Zukunft zu sichern.
Es bestehen Pläne für eine Flugzeuglinie zwischen Sevilla und Buenos Aires. In den spanischen Häsen sollen Freizonen m't besonderen Einrichtungen und Kühlanlagen für Gefrierfleisch errichtet werden. Diesen Absichten, die wirtschaftlichen Beziehungen zu aktivieren un£ Spanien zu einem w'ästigen Umschlagplatz für den europäisch- südamerikanischen Warenaustausch zu machen, liegen auch politische Motive zugrunde. Man spürt den Wunsch Spaniens und Argentiniens,, sich eine bevorzugte Rolle bei der Pflege der Beziehungen zwischen Europa und Südamerika zu sichern.


