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kämvste. Wie beglückend ist der tiefe Strom tiefen Verständnisses durch die Jahrhunderte auf deutscher Seite gegenüber der divina commedia des Dante. Ob die Zahl der in Spanien gedruckten Werke des Miaue! de Cervantes y Saavedra auch nur entfernt heranreicht an die in Deutschland herge­stellten Bücher des ewig lebenden Don Quixote? Cervantes bleibt uns nicht weniger gegenwärtig als Calderon de la Barca, dessen 73 autos sacramentales und 108 comedias, an der Spitze derRichter von Zalamea", in unseren Herzen leben. Oder nehmen wir Lope de Vega. Hat nickt der deutsche Dichter Grillparzer Anspruch dar­auf, der Welt diesen vielleicht größten spanischen Dichter überhaupt erst geschenkt zu haben?

Es steht schlecht um die Behauptung der Eng­länder, denn während sie antideutsche autodafes veranstalten, erscheinen Shakespeares Werke und Shaws Satiren auf deutschen Bühnen. Wir lassen den Dichtern nicht entgelten, daß ihrem Lande ein Churchill beschert wurde. Es waren Deutsche, die dem Dramatiker Shakespeare in'der Verdeutschung jedem seiner Gedanken das ihn am klarsten interpretierende Sprachbild schufen mit dem Ergebnis, daß es in England zeitweilig hieß, dep Engländer" Shakespeare sei ein Mythos!

Rousseau, Maupassant, Zola, Duma? und Vol­taire Menschen alle mit oft recht derben Schwä­chen, fanden eine kulturelle Gedächtnisstätte in Deutschland, die einsichtige Franzosen angesichts der in Frankreich grassierende Literaturmoden im­mer wieder zum Vorbild nahmen. Im Norden bietet sich dasselbe Bild. Die Namen Ibsen, Björn- son, Selma Lagerlöf und Strindberg sind beredt genug.

Es ist kein Zufall, daß auch in Deutschland jenes Unternehmen schon vor über einem Jahrhundert ge­gründet wurde, düs beträchtlich mithalf, die Werke jener wahrhaft gültigen Dichter zu einem wahr­haften Volksgut zu machen. Als das Biblio­graphische Sn ft i tut 1826 entstand, hatte der Schöpfer I. Meyer nur einen Wunsch: ein ganzes Volk sollte teilhaben an diesen Kulturleistungen ein­zelner, mochten diese diesseits oder jenseits der Grenzen gelebt haben oder noch schaffen. Der Ver­such gelang in geradezu einzigartiger Weise. Er wäre nie gelungen, hätte die innere Bereitschaft auf der Seite der Bevölkerung gefehlt. Sie war wack, wie sie es auch ist.

Wenn Zeiten kamen, in denen diese Bereitschaft sich selbst überspitzte in der Anerkennung auch von Machwerken, mochten sie nur vondrüben" kom­men, so bleiben sie nur Episoden. Sie fanden ihr Ende mit dem Anbruch eines neuen Reiches, das nicht nur politische Umwertungen prägte, nicht nur auf der Fläche tätig war, sondern tiefer schürfte, weil dieses Reich den Durchbruch einer neuen Weltanschauung bedeutet. Sehr bald und sehr genau wurde auch auf allen kulturellen Gebieten die Spreu vom Weizen geschieden, das interessante Ergebnis war, daß die großen Werte unangetastet blieben.

Gerade um diese Zeit setzte auch in der jüngsten Kunstgattung, im Film, eine Sichtung gerade der Stoffe ein. Das Verlangen nach dem Filmdichter wurde wie nie zuvor laut. Weder aus eigenem noch auch fremdem Kulturgut sollte der Film be­denkenlos wählen, hinzufügen, zerschneiden.

Es kam so, daß gerade in diesem Kriege unter schärfsten Ansprüchen aller Art jede Kunstgattung zu einem Mittel wurde, nun durch sich selbst wieder über die deutschen Grenzen zurückzustrahlen. Die Tatsache, daß auf künstlerischem Gebiet zwischen jenen Völkern, die sich weltanschaulich nahestehen, eine Wesensqemeinschaft entstand, die, der euro­päischen Kunst beinahe täglich den Weg bahnt, liegt klar. Berlin, Rom, Madrid sind wichtige Angel­punkte dieser umfassenden weltanschaulichen Ge- meinschatft, an anderen Stellen beginnt die Er­kenntnis nach den geordneten Forderungen.von Morgen zu dämmern.

Wenn Deutschland, Jahrhunderte hindurch Sam­melbecken und Brennspiegel europäischer Kultur schlechthin, gerade in diesem schicksalhaften Kampf seine allgemeinen kulturellen Ausstrahlungen mit Wirkungen einsetzt, die schon setzt verblüffende Er­folge zeittgen, so ist das der stolzeste Beweis eines bewußten Kulturdaseins, den keine Behauptung jener Demokratien erschüttern kann, die nicht kul­turelle Geltung, sondern das Jahreseinkommen mei­nen, wenn sie fragen, wieviel der Künstler I wert fei. Jörg Rehoff.

Kleine politische Nachrichten.

Am Ende ihres dreitägigen Besuches in der Reichshauptstadt auf Einladung des Reichsministers Dr. Goebbels nahm Reichsarbeitsführer Hier! Ge-

Roosevelt in Verlegenheit.

Stockholm, 13.DEL (DNB.) Gleichzeitig mit Sill fand sich auch Roosevelt bewogen, wieder ede zu halten. Er zeigte sich dieses Mal ziem­lich gedämpft. Besonders wunderte er sich, daß die Deutschen immer behaupten, eine zweite Front fei unmöglich, und trotzdem schickten sie ihre Truppen nach allen Richtungen, um dieser zweiten Front zu begegnen. Aber daß eine zweite Front unmöglich ist, liegt ausschließlich daran, daß die deutsche Wehr­macht jeden Feind, wo immer «er sich ^uck zeigen möge, unverzüglich aus dem Feld schlägt. Roosevelt gesteht, daß er eigentlich erst jetzt, nachdem er seine Besichtigungsreise beendet hat, so richtig erkannt habe, wie groß die Produktionskraft der amerikani­schen Wirtschaft ist. Womit er selbst zu-gibt, daß er seine früher beliebten astronomischen Zahlen ohne Kenntnis der tatsächlichen Verhältnisse in die Welt posaunt und also frei erfunden hat! Daß er es für notwendig hält, das Mindestalter für die Wehrmacht von 20 Jahren auf 18 Jahre herabzusetzen, wird namentlich bei den amerikanischen Müttern nach-- haltigssn Widerhall finden, denen der Präsident noch vor IVi Jahren versicherte, daß er sich vor ihnen schämen würde, wenn er auch nur einen einzigen amerikanischen Soldaten an irgendeinen Kriegs­schauplatz außerhalb Amerikas einsetzen würde. Be- .merkenswert war schließlich, daß der Präsident so vorsichtig war, einer Behandlung der eigentlich kriegsentscheidenden Verhältnisse aus dem Wege zu gehen, die zweite Front nur ganz am Rande zu streifen und den Pazifik und das Tonnageproblem jedoch vollständig zu verschweigen.

Eine stumpfe Waffe.

Der Weltkrieg wurde durch Wilsons 14 Punkte gewonnen."

Stockholm, 13. Okt. (DNB.) Der nordameri­kanische Kommentator Volney Hurd erklärte in einem Rundsunkoortrag, der Weltkrieg 1914/18- sei vor allem auf geistigem Gebiet, und zwar durch das Wilsonsche Programm der 14 Punkte, gewonnen worden. Aehnlich stehe es in diesem Kriege.Auch in' diesem Weltkrieg brauchen wir etwas ähnliches, um zur Beendigung des. Kampfes beitragen zu können." Im Bewußtsein des'nationalsozialistischen Deutsch­land ist die Kenntnis um diese hinterhältige feind­liche Kriegswaffe längst fest verankert. Der Deutsche hat sich einmal durch schöne Worte betrügen lassen und nach Versailles bitter dafür büßen müs­sen. Als sich Roosevelt und Churchill vor einiger Zeit auf dem Allantik trafen, um nach bewährtem Rezept, diesmal mit acht Punkten, einen neuen Be­trugsversuch zu starten, da ging das deutsche Volk mit einem mitleidigen Achselzucken darüber hinweg. Diese Waffe heimtückischer Plutokraten ift stumpf geworden, und Volney Hurd bemüht sich vergeb­lich. Auch nicht durck Betrug sind die jungen Völ­ker, die um lhr Levensrecht kämpfen, diesmal zu schlagen.

Eingeständniffe auf Raten.

Die Schiffsverluste der USA.

/ bei den Salomonen.

Berlin, 13.Okt. (DNB.) Die Bekanntgabe des Verlustes von drei Schweren USA.-Kreuzern bei den Salomonen, den das Washingtoner Marine­departement volle zwei Monate nach der Schlacht eingestand, wirft wieder ein höchst be­zeichnendes Licht auf die amerikanische Nachrichten- gebung. Als das japanische Hauptquartter unmittel­bar nach dem Treffen die Versenkung von 13 Kreu­zern, neun Zerstörern, drei U-Booten und zehn Transportern meldete, sprach man in Washington vontypisch phantastischen Behauptungen" der Ja­paner und verschanzte sich auf dasFehlen von Einzelheiten". Um aber auf kommende, nicht zu um­gehende Geständnisse vorzubereiten, gab man am 10. August amtlich bekannt:Ein USA.-Kreuzer wurde versenkt, zwei Zerstörer und ein Transpor­ter beschädigt." Der Rundfunk erweiterte diese Liste durch zwei beschädigte Kreuzer und weitere beschä- digte Transporter. Endlich, am 18. August, sprach das Marinedepartement von japanischen Luftangrif­fen, die angeblich alle abgeschlagen worden seien, während die USA.-Verbändenur geringfügigen Schaden" erlitten hätten. In heftigen Kämpfen seien feindliche Kreuzer und Zerstörer zum Rückzug ge­zwungen worden, bevor sie die amerikanischen Schiffe überhaupt hätten erreichen können. Dem fügte man folgenden, echt Rooseveltschen Passus an: Es ist unmöglich, die feindlichen Verluste während dieser Nachtkämpfe zu schätzen, lieber die Ausdeh­nung unserer eigenen Verluste kann gegenwärtig noch keine Erklärung abgegeben werden, weil solche Informationen für unsere Feinde von unschätzbarem Wert wären." Die japanischen Meldungen über die USA.-Perluste seien deshalbunglaubwürdig", weil es während der Nachtoperationen unmöalich gewesen sei, das Ausmaß der angerichteten Zer­störungen zu übersehen.

Roosevelt und der Marineminister Knox glaubten zunächst also, das Ausmaß der amerikansich-briti- scheu Verluste an Leichten Seestreitkräften im Dunkel der Nacht verschwinden lassen zu können. Es ist ihnen nicht gelungen. Nachdem der australische Premierminister Curtin bereits am 20. August den Untergang des KreuzersCanberra" in der ersten Seeschlacht bei den Salomon-Inseln zugegeben hatte, gestand Washington jetzt den Verlust der drei Schweren Kreuzer u i n c y",Vincennes" undAsto ria" zu. Dabei wird jetzt zugegeben, daß japanische Scheinwerfer und Leuchtmunition die finftere Nacht erhellten und dieZiele beleuch­teten". Weiter heißt es:Das feindliche Feuer war schwer und lag gut."Quincy" undVincennes" seien wiederholt getroffen und versenkt worden, während dieAstoria" die ganze Nacht gebrannt habe, bis sie am Morgen sank.

legenheit, sich mit seinen 50 Führern und Alckeits- männem, die sich bei den Abwehrkämpfen bei Rschew besonders ausgezeichnet hatten, über ihre Kampferlebnisse zu unterhalten.

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In Rom sind Armeegeneral Conte Tassoni und General C i a c c i gestorben. Conte Tassoni nahm am italienisch-türkischen Krieg 1911/12 teil und war später Unterstaatsfekretär im Kriegs­ministerium sowie Gouverneur von Tripolis. Ciacci nahm 1916 als Oberstleutnant am Feldzug in Libnen teil. Er gehörte von Anfang an der faschistischen Bewegung an und war Generalleut­nant der Miliz.

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Wendel! Wiükie ist, mit dem Flugzeug aus China kommend, in Edmonton (Kanada) eingetroffen. Er wies die an feinen Aeußerungen über die Not­wendigkeit von Entlastungsaktionen zugunsten der Sowjets in Amerika und. England vorgebrachte Kri­tik zurück und erklärte, er habe bei feinem Aufent­halt in der Sowjetunion umfangreiches Material gesammelt. Er werde dies in den Vereinigten Staa­ten bekanntgeben.

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Am 22. November tritt eine strenge Benzin­rationierung und die Kontrolle der Motorentreib­stoffausgabe für die gesamten Vereinigten Styaten in Kraft. Bisher wurde die Rationierung nur in einigen Staaten der Union durchgeführt.

Kunst und Wissenschaft.

h ochschulnach richten.

Als Nachfolger be£ nach Heidelberg berufenen Professors Dr. Schaefer wurde der Dozent Dr. phil. Hermann Bengtson als a. o. Professor für Alte Geschichte an die Universität Jena berufen. Bengtson ist 1909 in Ratzeburg geboren, in München hat er sich 1939 habilitiert. Von seinen Arbeiten nennen wirDie Strategie in der hellenistischen Zeit, ein Beitrag zum antiken Staatsrecht". Professor Dr. Günther Rienäcker, Abteilungsvorstand am All­gemeinen chemischen Laboratorium der Universität Göttingen, erhielt einen Ruf auf den Lehrstuhl für anorganische Chemie an der Universität Rostock. Rienäcker wurde 1904 in Bremen geboren, promo­vierte 1926 in München, war in Freiburg am Physi­kalisch-chemischen Institut, wurde 1936 dort Dozent und hat dann in Göttingen den Lehrstuhl des emerit. Professors Koetz versehen. 1938 wurde er Abtei­lungsvorsteher.

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Der außerplanmäßige Professor Dr. Gotthilf von S t u d n i tz wurde zum o. Professor für Zoologie an die Universität Halle berufen. Studnitz wurde 1908 in Kiel geboren. Er promovierte dort 1930. 1935 habilitierte er sich ebenda. Sein Spezialgebiet ist Sinnes- und Nervenphysiologie, insbesondere ver- I gleichende Physiologie der Lilhtsinnesorgane. Im

Alter von 68 Jahren starb der frühere Professor der Philosophie an der Universität Freiburg, Dr. Georg Mehlis. In Hannover geboren, studierte er in Marburg, Heidelberg und Freibura, promo­vierte 1906 in Heidelberg, habilitierte sich 1909 in Freiburg, wurde dort Professor und legte 1923,aus Gesundheitsrücksichten fein Amt nieder. In Chiavari an der Riviera lebte er dann als Schriftsteller. Don seinen Arbeiten nennen wir ein Lehrbuch der Ge­schichtsphilosophie und Schriften über die deutsche Romantik. Im Alter von 69 Jahren starb tn Stuttgart der frühere Dozent der Philosophie an der T. H. Stuttgart, Professor Dr. D. h. c. Adolf ft aut. In Ludwigsburg geboren, studierte er in Tübingen und Berlin, promovierte. 1903 in Tübingen und war bann lange Jahre Lehrer am Karlsgymnasium in Stuttgart. Gleichzeitia hatte er einen Lehrauftrag für Philosophie an der T. H. Stuttgart. Eine Nnführung in die Philosophie und die Schrift überReligion, Technik, technisches Zeit­alter" machten ihn bekannt. Die Universität Tübin­gen ernannte ihn 1930 zum D. theol.

Professor Hugo von Daldeyer-harh gestorben.

Im Alter von 66 Jahren starb in Heidelberg der Lehrbeauftragte für Wehrwissenschaft an der T. H. Hannover, Kapitän z. S. a. D. Professor Hugo von Waldeyer-Hartz. Er war mehrere Jahre im Admi­ralstab und im Reichsmarineamt. Von 1919 bis 1933 war er Vorstand der Bücherei des Reichs­wehrministeriums. Waldeyer-Hartz ist auch mit einer größeren Zahl von Romanen an die Öffentlichkeit aetreten. Wir nennen u. a.Rochus von Datten­berg",Jürgen Wullenwever",Wagen und Win­nen",Die Welser in Venezuela",Mein Volk mein Land". Auch seine Jugenderzählungen fanden weiteste Verbreitung, darunter:Don Tsinatau bis zu den Falklandinseln",Ums deutsche Danzig", Zwischen Eisbären und Walen",Als Feriengästs auf der Swanhild". Von seinen marinegeschichtlichen Werken wurden bekannt:U-Boot und U-Boot­krieg",An Bord des Kriegsschiffes »Schlesien' bet. Ausbruch der Revolution",Unsere Reichsmarine" undDer Kreuzerkrieg".

Leonardo da Vinci, Tizian und Rubens auf einer Wiener Lunstauktion.

Leonardo da Vinci, Tizian und Rubens auf einer Kunstauktion sind keine alltäglichen Ereig­nisse, so konnte das Wiener Dorotheum für feine neue Kunstauktion des größten Interesses aller Sammler gewiß sein. Demgemäß war auch die Be­teiligung der Käufer, die zahlreich auch aus Italien gekommen waren, ungemein rege. Das Hauptinter­esse galt Leonardo da Vinci und seinem Gemäldo Maoonna vor chem Castell", TiziansPorträt eines venezianischen- Patriziers" und einer Wald- Landschaft von Peter Paul Rubens. Von den übrigen Versteigerungsergebnissen der durchweg hochwerti­gen Gemälde verdienen besondere Erwähnung ein Pieter de Hooch, ein Cranach, ein Samt-Brueghel, ein Lorenzo Lotto, ein Grenze, ein Ruisdael und zwei Blumenstilleben von Jan von Os.

vorbildliches vuchschaffeu.

Unter dem LeitwortDas gute deutsche Luch muß auch schön sein" wird auch in diesem Jahre der BuchwettbewerbVorbildliches Buchschaffen durch das Fachamt Druck und Papier der Deutschen Ar­beitsfront mst der Reichsschrifttumskammer und dem Werbe- und Beratungsamt für das deutsche Schrift­tum durchgeiführt. Durch die Verleihung von 1500 Reichsmark an Barpreisen und 150 Urkunden wer­den die schönsten Bücher, die in Papier, Satz, Druck, Illustrierung und Einband mst dem Inhalt harmo­nieren, ausgezeichnet.

125 Jahre varmer Siagverein.

Mit dem Elberfelder Gesangverein gehört der Barmer Singverein, dessen 125. Gründungstag in der Barmer Concordia in einer Feierstunde gedacht wurde, zu den ältesten gemischten Chorvereinigun­gen. Bei Verschmelzung der Städte Barmen und Elberfeld verewigten sich die beiden großen Chor­gemeinschaften Barmens und Elberfelds zum Städtischen Konzertverein Wuppertal". Der Jubi­läumsfeier vorauf ging eine Hubert-Pfeif- fer-Gedenk stunde. Pfeiffer, der als Sohn eines Barmer Färbermeisters 1891 blind geboren wurde, stieg durch eisernen Fleiß und unter lieber- windung unsäglicher Schwierigkeiten zum schöpfe­rischen Musiker. Nach seinem Klavier-Lehrerexamen studierte er an der Universität Köln Komposstion, wurde Organist in Barmen und widmete sich dann ganz dem freien Musikschaffen. Kurz vor Vollendung seiner großen weltlichen KantateSang, an dis Sonne" starb er am 1. Weihnachtstag 1932. De«

3um Bären, znm Riesen, zur Traube.

Bon alten deutschen Gaststätten.

Der alten deutschen Gaststättenkultur ist das Reichsgaststätten-Museum gewidmet, mit dessen Einrichtung jetzt im Hermann-Esser- Forschungsinstitut für Fremdenverkehr in Frankfurt a. M. begonnen wurde. Geräte, Ur­kunden und Kunstblätter sollen das deutsche Gaststättenleben vergangener Jahrhunderte veranschaulichen, von dem noch eine Reihe historischer Gaststätten in deutschen Städten, die in ferne Jahrhunderte zurückreichen, un­mittelbar Kunde geben.

An vielen deutschen Städten kann der aufmerk­same Reisende, der auf Zeugen ihrer Vergangen­heit achtet, auch auf Gasthöfe stoßen, deren ehr­würdiges Aeußeres den Stil einer früheren Zeit Zeigt und so sein hohes Alter verrät. Mit diesen alten Gaststätten sind oft (Erinnerungen von ge­schichtlicher Bedeutung verknüpft, Menschen haben'in ihnen verkehrt, deren Name noch heute einen Hellen Klang hat. Eine der ältesten dieser Gaststätten ist derB ä r" in Freiburg im Breisgau; er wird schon in einer Urkunde von 1387 als Herberge erwähnt, und seit dem 14. Jahrhundert hat das Gebäude bis heute als Gasthaus gedient. Bei an­deren Gaststätten ist das Bauwerk noch älter, wenn auch nicht immer ein Gasthofbetrieb darin unterhalten wurde. Wohl das älteste Bauwerk dieser Art ist derStern" in Hersfeld, was zwei Säulen, eine aus Stein und eine aus Holz, be­zeugen, deren Alter auf über 1000 Jahre geschätzt wird. In Konstanz stammt das Haus desInsel- Hotels" aus dem Jahre 1236, aber bis 1785 diente es als Kloster, und der alle Kreuzgang ist in die Hotelanlagen übernommen worden, wie die ehe­malige Basilika heute der Speisesaal ist.

In anderen Fällen besteht der Gasthof als sol­cher schon länger, aber das jetzige Haus stammt aus jüngerer Zeit. So wird in Miltenberg der Ries e" als Fürstenherberge schon im 12. Jahr­hundert erwähnt, aber das heutige Gebäude stammt aus dem Jahre 1590. DerRiese" war für die früheren Zeiten ungewöhnlich groß; er hatte Stal­

lungen für hundert Pferde, und die Höhe des Gebäudes zeugt von feiner Bedeutung. Kaiser und Könige haben imRiesen" Rast gemacht, so Kaiser Rotbart, Ludwig der Bayer und Karl IV.

Im weingesegneten Rheingau hat sich schon früh ein großartiges Herbergswesen entwickelt. Hier liegt die AßmannshäuserKron e", bereit älterer Teil die Jahreszahlen 1541 und 1703 trägt £as alte Fremdenbuch aus dem 18. Jahrhundert wurde von einem Engländer entführt, aber auch in den späteren fallen viele bekannte Namen auf. Da findet man Geibel, Hoffmann von Fallersleben, Scheffel, Simrock, vor allem aber häufiger Freiligrath, der hier längere Zeit wohnte, weiter Jordan, Keller, Rosegger, Wolff, Fontane, Grillparzer, Wilden­bruch und Menzel. Wetter rheinaufwärts liegt der OestricherSchwa n", ein schöner Fachwerkbau, der 1628 errichtet wurde.

Die DarmstädterTraube" beherbergte seit dem 17. Jahrhundert Gäste; sie ist besonders berühmt geworden, weil auf ihrem Speicher der Plan zum Kölner Dom gesunden wurde, durch den der Aus­bau dieses großen Denkmals erst möglich mar. Ein aünftiges Geschick hat denRitter" in Heidelberg bei der allgemeinen Zerstörung der Neckarstadt in den Kriegsjahren des 17. Jahrhunderts erhal­ten; das Haus stammt aus dem Jahre 1592 und zeigt edelste Renaisiancekunst. ' ,

In Bayern sind besonders dieDrei Moh­re n" von Augsburg zu erwähnen. Das Haus, das einst den Fuggern gehörte, besitzt noch heute den berühmten Kamin, an dem der Schuldschein Kaiser Karls V. in Rauch und Asche verwandell wurde. Die Gästebücher dieses Hauses sind berühmt; man findet in ihnen Fürst Metternich und die zweite Gattin Napoleons, Marie-Louise; auch die unglück­liche Marie-Antvinette ist auf ihrer Fahrt zur Hochzeit nach Frankreich in denDrei Mohren" abgeftiegen, und der Deutsche Bundestag hat hier 1866 seine letzten Sitzungen abgehalten.

2n Mitteldeutschland ist derAnke r" in Saal­feld zu erwähnen, der sich früherGüldme Gans" nannte und dadurch berühmt wurde, daß 1547 Soifer Karl V. hier nach der Schlacht bei Muhlberg Quartier nahm; noch heute sind in den Raumen zwei Quadersteine zu sehen, die von sei­ner wundersamen Rettung aus Lebensgefahr zeu­gen. In Weimar läßt sich die Geschichte des Gast­

hausesZum weißen Schwan", in dem die Größen der Goethezeit verkehrten, bis ins sechzehnte Jahrhundert verfolgen. C. K.

(Sin Meister der porzettan-plastik.

JohannPeter Melchior zrrmLYY.Geburtstage

In der nicht beträchtlichen, Reihe deutscher Mei­ster der Porzellan-Plastik nimmt Johann Peter Melchior einen der ersten Plätze ein; die be­deutendsten seiner Zeitgenossen haben ihn sehr ge­schätzt, und kein Geringerer als Goethe war von ihmentzückt"; er achtete nicht nur den Künstler, sondern auch den Menschen in Melchior und stand nicht an, ihn als seinen Freund zu bezeichnen.

Wir wüßten über Johann Peter Melchior nicht allzuviel, wenn /er nicht selbst in einer köstlichen kleinen Selbstbiographie von sich und seinem Werde­gang geplaudert hätte. Am 12. Oktober 1742 kam er in Lindorf, einem Kirchdorf im damaligen Her­zogtum Berg, das zur Kurpfalz gehörte, als arm- ieliaer Bauernjunge zur Welt und mußte bald mit« helfen als Hütebub, in den Ställen und auf dem Acker. Es war ihm selbst seltsam, wie früh be­reits sich seine Begabung zeigte. Er bemalte, be­zeichnete oder, wie seine oft zürnende Mutter be­hauptete,besudelte" alle Wände, Tische, Stühle, Bänke, Möbel und Fußböden, und wenn erso recht dabei mar", konnte er oft Essen und Trinken dar­über vergessen; in kranken Tagen bedeutete ihm diese Beschäftigung, die sein Vater alsSchmie­rerei" betrachtete, mehr als Arznei. Ueberall fand man seine Figuren von Menschen, Tieren und sonstigen Dingen; das Bossieren und Modellieren ging ihm über alles. Allerdings hatte er manchmal viel zu leiden, wenn die Ettern, die nichts von Kunst ahnten, ihm feineVerunreinigungen" ver­boten. So blieb ihm nichts anderes übrig, als seine Lieblingsbeschäftigung in der Scheune, auf dem Felde oder im Walde vorzunehmen; besonders gern saß er in einer am Walde gelegenen Lehmkule und formte Menschen und jegliches Getier, auch Fabel­wesen".

Nach dem frühen Tode beider Eltern entdeckte der kunstverständige Ortspfarrer die Begabung des

Knaben und veranlaßte, daß er nach Düsseldorf auf die Kunstsckule geschickt werden konnte. Doch hier hielt es Johann Peter nicht lange aus; er ent­wich heimlich den Lehrern, tauchte nach einiger Zeit in Aachen und schließlich in Mainz auf, wo er, wie er berichtet hat,durch Denkmalsentwürfe plötz­lich fein Glück machte". Er wurde kurmainzischer Bildhauer der Porzellanfabrik in Höch st und trat bald .gu berühmten Leuten in Verbindung. Hier entwarf er das Medaillon für Goethe in ge­branntem Gips, das die von dem Dichter ge­wünschte Inschrift erhielt:Der Verfasser der Leiden des jungen Werthers durch seinen Freund Melchior 1775 nach dem Leben gearbeitet" Goethe verehrte das kleine Kunstwerk dem Herzog Karl August, der ihm in dem Schlößchen Tiefurt einen würdigen Platz pah. Nach zehn Jahren hat Melchior ein zweites Medaillon mit kleinen Aenderungen geschaffen, das wie auch feine kleinen Porträts des Herrn Rat und der Frau Rat heute im Goethe-Pational« mufeum aufbewahrt wird.

Don Höchst ging Melchior nach Frankenthal, wo feine beste Zeit begann. Heute noch bewundert man seine lieblichen Putten, seine drolligen Hüte­jungen, und seine zarten Denusftäulein sehen aus wie die kleinen Hirtenmädchen feiner ländlichen Heimat. Er hat selbst bekannt, daß chm die künst­lerischen Kräfte aus dem heimischen Boden zu­strömten. Diefrohen Schaffensjahre" aber gingen rasch zu Ende. Krankheiten, der frühe Tod feines ältesten Sohnes, der sich einem leichtsinnigen Leben hingegeben hatte, und schließlich die Ausweisung durch die Franzosen trübten feine Schaffenskraft. Er erhielt zwar in Nymphenburg wieder einen chm zusagenden Wirkungskreis, hier modellierte er noch Kinder, Hofdamen und Chinesen, aber der Meister jener lebendigen Zwischenzeit zwischen Ro­koko und Klassizismus kam zu dem klassizistischen Stil, der damals Europa beherrschte, und verlor natürlich dabei an Tiefe und Wirkungskraft. Er ahnte selbst, daß fein Hauptwerk getan war; in literarischen Arbetten legte er seine ästhetischen An­schauungen nieder und trat immer weniger hervor. Dann kränkelte er und starb im Jahre 1825. Nicht nur in seinen kleinen Plastiken und in seinen Ab­handlungen, sondern' auch als fetnempfinbenber Mensch blieb er zeitlebens schlicht und von kern­deutschem Gepräge. Unter unseren Kleinmeistern ist er einer der größten gewesen. Hans Sturm.