Londoner „Eoening News" darüber, daß die Sowjetunion immer noch englische und amerikanische Militärbeobachter daran hindere, die Kampffront zu besuchen. Offenbar hat auch Roosevelts „Briefträger" Willkie den Auftrag, gelegentlich seines Besuches in Moskau Stalin klarzumachen, daß als „Oberbefehlshaber" eben nur der „Weltpräsident" in Frage komme. Br-
Oie Kämpfe auf Madagaskar.
Vichy, 12. Sept. (Europapreß.) Amtlich wird bekanntgegeben, daß britische Truppen die Insel N o s s i - B e an der Nordwestküste von Madagaskar besetzt haben. Britische Marinekräfte seien, wie der Generalgouoerneur von Madagaskar berichtete, vor Tulear, dem südlichsten Hafen an der Westküste, erschienen. Die Franzosen leisletey hartnäckigen Widerstand am Betjiboka-Fluß, an dem entlang die britischen Truppen von Majunga aus auf die nach der Hauptstadt führende Straße ins Landesinnere vorstießen. Die britischen Vorhuten seien indessen bereits 70 Kilometer über Me- vatanana in der Richtung auf Tananarivo vorgestoßen. Die britischen Streitkräfte setzten sich hauptsächlich aus Südafrikanern und schwarzen Truppen aus Afrika zusammen. Einige englische Kampfwagen hätten den Betsiboka überquert, doch sei es -ihnen nicht gelungen, die Befestigungen im Seegebiet von Maevataname zu durchbrechen. Die französischen Truppen hätten Ambaja aufgeben müssen und organisierten sich zum weiteren Widerstand im Gebirge.
20 Jahre argentinisch-deutsche« Kulturinstitut. Buenos Aires, 13.Sept. (Europapreß.) Anläßlich des 20. Gründungstages des argentinisch- deutschen Kulturinstitutes wie? der Präsident Dr. Alsaro auf die Bedeutung dieser Institution hin, die die Verbreitung der deutschen Sprache und Kultur in Argentinien anstrebt. Die Zahl der Schüler, die an Kursen in Hospitälern, Handelshäusern, Banken und auf Universitäten teilnehmen, übersteigt bereits 1300 Personen. Der Präsident erklärte: „Sie wissen, daß diese Institution von Argentiniern gegründet und gestützt wurde, die Freunde und Bewunderer der deutschen Kultur sind, und von Deutschen, die unser Land lieben und ihm seit langen Jahren verbunden sind. Ein gegenseitiger Austausch kann unter den gegenwärtigen Umständen natürlich nur sehr beschränkt sein. Aber im Frieden, der, wie wir hoffen, gerecht und dauerhaft sein wird, können wir und unsere Nachfolger wieder unser großes Werk durchführen."
Kleine politische Nachrichten.
Der Führer verlieh das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes an: Generaloberst Petri Dumitrescu, der sich als Oberbefehlshaber einer rumänischen Armee besondere Verdienste erworben hat bei der Einnahme des bolschewistischen Schwarzmeerhasens Anapa.
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Der Führer hat den Unterseebootskommandanten Kapitänleutnant Su h re n, dem als 18. Offizier der Wehrmacht das Eichenlaub mit Schwertern zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes verliehen wurde, wegen besonderer Auszeichnung vor dem Feinde zum Korvettenkapitän befördert.
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Am 61. Geburtstag des verstorbenen Reichsleiters Hühnlein legte an dessen Grab im Münchener Nordfriedhof Karpsführer Kraus einen Eichenlaubkranz nieder. Es waren Ehrenformationen der Motor-Brigade 86 und die Führer der Reichsmotorsportschulen aufmarschiert.
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Aus Anlaß der Anwesenheit des Generalstabschefs der Faschistischen Miliz, Generalleutnant Galbiati, veranstaltete die Berliner SA. in der Kroll- Oper bei Beteiligung von 2000 SA.-Männern eine Kundgebung, in der Galbiati, Botschafter Alfieri und Stabschef Lutze die gemeinsamen Kampfziele der beiden Organisationen darlegten.
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1100 französische Kriegsgefangene aus Dieppe und U m g e g e n d , die für die vorbildliche Verhalten der einheimischen Bevölkerung während des mißglückten britischen Jnvasionsversuchtzs bei Dieppe auf Befehl des Führers entlassen wurden, trafen mit einem Sonderzug in Serqueux, ostwärts Dieppe, ein.
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Der Befehlshaber der deutschen Truppen in Dänemark, General Lüdtke, nahm eine Parade
über das Freikorps Dänemark ab, das auf Heimaturlaub in Kopenhagen eingetroffen ist. Der Parade wohnte der Bevollmächtigte des Deutschen Reiches, Gesandter von Renthe-Fink, bei. ^-Brigade- führer K a n st e i n richtete an die dänischen Freiwilligen eine kurze Ansprache. Mit einem Kamerad- schaftsahend und Ansprachen des Parteiführers der DNSAP. Dr. Clausen und des Kommandeurs des Freikorps Dänemark, Sturmbannführer Martinsen, fand der Kopenhaaener Aufenthalt des Freikorps Dänemark feinen Abschluß.
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Dem Kommandeur des Infanterie-Regiments 92 sowie dem Kommandeur des Jägerbataillons Finnland wurden vom Marschall von Finnland, Frei
herrn von Mannerheim, das Finnische Freiheitskreuz verliehen. Das Jägerbataillon Finnland fuhrt die ruhmreiche Tradition des deutschen Jagerbataillons 27 fort, das während des Weltkrieges aus finnischen Freiwilligen aufgestellt wurde.
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Unter der Bezeichnung „Nationalrevolutionäre Front" wurde ein Ausschuß jener französischen Parteien politischen Gruppen und Organisationen geschaffen, die sich für die Bildung einet Einheitspartei einsetzen. In der ersten Sitzung unter dem Vorsitz von Henry Barbe wurde der Wille betont, die Politik Petains und Lavals tatkräftig zu unterstützen.
Aus dem Reich.
Oer Wehrlampftag in Nürnberg.
Dem Wehrkampftag der Standorts Nürnberg- Fürth wohnten Stabschef Lutze mit dem Generalstabschef der Faschistischen Miliz, General G a l - biati, Reichsorganisationsleiter Dr. Ley und zahlreiche Vertreter von Partei, Staat und Wehrmacht bei. 6328 Männer und Frauen traten in Nürnberg an, und zwar in den Wehrkämpfen 266 und im Mannschaftswettbewerb 297 Mannschaften sowie bei den drei großen Massenvorführungen in der Hauptkampfbahn des Stadions 2200 Männer und Frauen. Hart umstritten waren die Entscheidungen der Wehr- und Mannschaftskämpfe, aber hervorragend schlug sich die Jugend, schlugen sich auch die'älteren Jahrgänge. Nicht minder anregend waren die Massenvorführungen, wobei Tanz und Gymnastik der Männer und Frauen in bunter FolgeLebensfreude ausstrahlten. Reichsorganisationsleiter Dr. Ley bezeichnete es als ein Symbol für die Einheit unseres Volkes, daß diese Veranstaltung erstmals gemeinsam durch SA., Betriebssportgemeinschaften und NSRL. durchgeführt werden konnte. „Die deutsche Nation", erklärte er, „ist zu Beginn des vierten Kriegsjahres noch ernster, fester und härter geworden. Das deutsche Volk kann nicht zermürbt werden. Der Deutsche von heute kapituliert niemals, komme, was da mag!"
Volkstümliche Gestaltung der Gerichtsurteile.
Zu der Verordnung über die weitere Vereinfachung der Strafrechtspflege hat der Reichsjustizminister jetzt Richtlinien gegeben. Die Verordnung bringt d i e Erweiterung der Strafgewalt des Amtsrichters von zwei Jahren Zuchthaus auf fünf Jahre Zuchthaus. Hierdurch soll erreicht werden, daß die Hauptverhandlung in tatsächlich und rechtlich einfach liegenden Fällen mehr als bisher vor dem Amtsrichter durchgeführt werden kann, dessen Sitz oft vom Aufenthaltsort der Zeugen und Sachverständigen weniger weit entfernt ist. Auch soll der Amtsrichter nicht genötigt werden, seine Zuständigkeit deshalb zu verneinen, weil in einer für ihn geeigneten Sache feine Strafgewalt nicht ausreicht: Ferner ist von der Möglichkeit, den Streit von Parteien durch Friedensspruch zu schlichten, außer in der Hauptverhand- lung vor allem in dem zu gütlicher Erledigung anberaumten gerichtlichen Sühnetermin weitgehend Gebrauch zu machen. Die im Friedensspruch angeordneten Maßnahmen werden im Strafregister nicht ausgenommen. Zum besseren Verständnis der Urteilsformel ist schon im Urteilsspruch die zugrundeliegende Tat in knapper Form zu kennzeichnen. Von einem Hinweis auf den Gesetzesparagraphen soll abgesehen werden. Statt dessen soll die übliche Bezeichnung der Straftat angeführt werden, z. B. Beleidigung oder üble Nachrede, Verleumdung, Diebstahl, Geldhortung, Abhörung von Auslandssendern.
Erweiterung der Tuberkutosehitfe.
Der Ministerrat für die Relchsverteidigung hat eine Verordnung über Tuberkulose!)rkfe erlassen. Danach werden Gau^ürsorgever bände (Lan- besfürsorgeverbände) auf Antrag der Gesundheitsämter im Zusammenwirken mit diesen und den Land- und Stadtkreisen Tuberkulosenhilfe gewähren. Sie ist nicht zurückzuerstatten und umfaßt Heilbehandlung, Absonderung und Pflege sowie wirtschaftliche Fürsorge für den Kranken und seine Familie, wenn das steuerpflichtige Jahreseinkommen des Kranken den Betrag von 7200 RM. nicht übersteigt und soweit die Hilfe nicht durch die Sozialversicherung gewährt wird oder anderweit sichergestellt
ist. Der Betrag erhöht sich um 1200 RM. für den Ehegatten des Kranken und um 600 RM. für jeden weiteren Familienangehörigen. Es kann aber Tu- bekulosehilfe auch bann gewährt werden, wenn das steuerpflichtige Jahreseinkommen des Kranken diese Grenze übersteigt und die Gefahr besteht, daß ohne die Tuberkulosehilfe die erforderlichen Maßnahmen nicht ausreichend durchgeführt werden, jedoch können die Gaufürsorgeverbände die Empfänger der Tuberkulosehilfe und die Unterhaltungspflichtigen zum Kostenersatz heranziehen. Die Verordnung stellt neben die Rentenversicherung mit ihren Leistungen -für die Versicherten eine Tuberkulosehilfe für jeden, der tuberkulös geworden ist, mit Leistungen, die vom Standpunkt der Seuchenbekämpfung genügen werben. Sie sorgt dafür, daß der Erkrankte Heilbehandlung bis zur Gesundung oder Ansteckungsungefährlichkeit erhält. Sie sorat für die weitere Beobachtung seines weiteren Gesundheitszustandes und auch für die Familie des Kranken, deren wirtschaftliche Not so oft bisher den Kranken veranlaßte, den Kuraufenthalt nicht durchzuführen. In jedem Falle wird eine Anstaltsbehandlung in einem Tuber- kulosekrankenhaus ober in einer Heilstätte zur zuverlässigen Feststellung der Heilungsmöglichkeiten sofort gewährt.
Oie Sicherung des Friedens durch die kinderreiche Familie.
Professor Dr. Friedrich Burgdörfer hat ein neues Buch über den Geburtenschwund, die Kulturkrankheit des Abendlandes und ihre lleberminbung in Deutschland geschrieben. Das deutsche Volk muß wieder zu der Fortpflanzungsleistung zurückkehren, die es noch 1910 aufzuweisen hatte. Damals wurden bei knapp 65 Millionen Einwohnern 1 925 000 Kinder geboren. Für 1940 würde das entsprechend der größeren Einwohnerzahl eine Geburtenziffer von 2,4 Millionen bedeuten, rund 750 000 mehr als tatsächlich. Die Generation, die den Krieg gewinnt, muß «zugleich auch den Frieden sichern. Das ist nur möglich über die rassisch wertvolle kinderreiche Familie. Während das zur bloßen Bestandserhaltung erforderliche Geburtensoll zwischen 3 und 4 Kindern je Ehe liegt, wären zur Sicherung des notwendigen Volkswachstums in den heutigen Ehen durchschnittlich 4 bis 5 Kinder erforderlich. Dabei müssen die führenden Kreise des Volkes wieder beispielhaft vorangehen. Die Besten und Tüchtigsten sollen die meisten Kinder haben. Zugleich müssen die bevölkerungspolitischen Maßnahmen des Staates weiterentwickelt werden. Die lebenstüchtige kinderreiche Familie muß noch mehr in den Mittelpunkt unserer ganzen Lebens- und Volksordnung gestellt werben. Millionen von Kinderhänden sind erforderlich, um den erweiterten deutschen Lebensraum mit deutschem Leben zu erfüllen und im deutschen Sinne zu gestalten.
Frauen im Dienste der post.
Mit der Ausweitung der Aufgabengebiete der Reichspost ist die Zahl der weiblichen Arbeitskräfte bei der Post von 70 000 auf über 200 000 angewachsen. 84 000 sind Arbeiterinnen oder Postfacharbeiterinnen, 77 000 Angestellte und 39 000 Beamtinnen. Die weiblichen Briefzusteller machen in Städten und Jndustriegegenben bereits 80 v. H. und mehr der für die Postaustragung benötigten Arbeitskräfte aus. Viel physische Kraft gehört dazu, viel Umsicht und Intelligenz außerdem, um die mitgeführten Postsendungen an die richtige Adresse zu bringen. Ein besonderer Kummer sind die Untermieter, die kein Schild an der Wohnungstür haben. Dazu kommen die vielen berufstätigen Frauen, die nie zu Hause anzutreffen sind und die man zwei
bis dreimal besuchen muß, ehe man die Denach- richtungszettel in den Kasten werfen darf, ober bis Rundfunkhörer, bie kein passendes Gelb zurechtlegen können. Die Reichspost hat die Arbeitsbedingungen der Leistungsfähigkeit der Frau äuge- paßt Das Gewicht der mitzugebenden Sendungen ist den Bestimmungen des Reichsarbeitsministe- riums und dem Mutterschutzgesetz angepaßt. Die Zustellerin erhält gegen Mittag Freizeit für Kochen, Kinderbesorgüng ober eigene Erholung. Verheirateten Frauen wird auch halbtägige Beschäftigung eingeräumt. Die Entlohnung ist weit- gehend dem Männertarif angepaßt. Frauen sind weiterhin tätig in der Eilpostzustellung, in der Paketzustellung und als Fahrerinnen des Zustell- wagens.
Oer anerkennenswerte Film.
Bei der Filmprüfung fehlte es bisher häufig au. der Möglichkeit einer Anerkennung von Filmen, die zwar wohlgelungen und ausgezeichnet waren, auf die aber die bisher möglichen Prädikate nicht zu- trafen. Um hier eine weitere Nuancierung zu ermöglichen, ist jetzt bas neue Filmprädikat „Anerkennenswert" eingeführt worben. Damit werben jetzt insgesamt acht Prädikate der Film- prüfstelle unterschieden: „Staatspolitisch besonders wertvoll", „Künstlerisch besonders wertvoll", „Staatspolitisch wertvoll", „Künstlerisch wertvoll", „Kulturell wertvoll", „Volkstümllch wertvoll", „Anerkennenswert", „Volksbilbend". Auf Antrag können ferner bie Prädikate „Jugendwert" ober „Lehrfilm" verliehen werben.
i Aus aller Wett.
Das Ehrenmal der Freikorps.
Die würdige Ausgestaltung der Feierstätte auf dem Annciberg, bie ben Rahmen für bas Ehrenmal der Toten ber beutschen Freikorps barstellt, ist jetzt nach jahrelangen Arbeiten abgeschlossen. Besonders Schwierigkeiten machte bie Herstellung eines geeigneten Zugangs zu bem auf hohem Felsen thro- nenben Ehrenmal. Es hanbelt sich um eine aus heimischem Sandstein erbaute und von Buchen und. Birken eingefaßte Treppe von 98 Stufen, die sich bann in einer aus rotem Wesersanbstein geschaffenen Steige bis zur Plattform sortseßt.
Erste Europameisterschast im Schach.
Zu den am 15. September in München 6e» ' ginnenben Schachturnieren um die Europameisterschaft sind zugelassen worden: Weltmeister Dr. Al- jechin (Frankreich), ber Sieger des vorjährigen noch tttellosen Münchener Turniers Stolz (Schweben) mit seinen Landsleuten Danielsson und Kinnmark, Ojanen und Kaila (Finnland), Rohacek (Slowakei), Rabar und Subaric (Kroatien), Samarian (Rumänien), Napolitano, Nestler und Norcia (Italien), Roele (Holland), Barcza, Füster und Szily (Ungarn), Tuscheff (Bulgarien), Keres (Ostgebiete- Estland), Bogoljuvow (Generalgouvernement), Foltys (Protektorat)r Junge, Richter, Rell« stab, unser diesjähriger Meister, und Müller (Deutschland). Der Kampf wird in zwei Turnieren mit je 12 Spielern ausgetragen.
Kunst und Wissenschaft.
„3m Gedenken an $f. Marien zu Lübeck."
In ber St.-Jacobi-Kirche zu Lübeck, wo jetzt der I Organist von St. Marien, Walter Kraft, die Trabi- I tion ber berühmten St. - M ar i en -A be ndmusik en nach der Zerstörung dieser Kirche sortsetzt, wurde eine Mo- I tette für Singstimmen und Instrumente „Im Ge- I denken an St. Marien zu Lübeck" von Walter Kraft I aufgeführt. Herb und schlicht, von jeglichen Santi- I mentaütäten frei, hat sich ber Komponist mit aus- druckssicherem Empfinden in sein Werk versenkt, bas auch im Technischen eine sichere Handhabung ber Kunstmittel aufweist. Ernst Hässler.
Der hermann-Löns-Preis.
In Hannover ist zum 75. Geburtstag von Her- mann Lons erstmals ber von Gauleiter Lauterbacher gestiftete Hermann-Löns-Preis verliehen worben. In einer Gedenkstunde, an ber auch viels niedersächsische Dichter, wie Heinrich Svhnrey, Gg. Graben-Horst, Gustav Kohne, teilnahmen, gab der Lons-Biograph Dr. Deimann ein Lebensbild des Kämpfers für die nationale und soziale Erneuerung Deutschlands. Diesem Gedanken gab aych Gauleiter Lauterbacher Ausdruck, als er die Verleihung des Preises an den im Osten gefallenen deutsch- baltischen Dichter Carl von Bremen und den jungen Dramatiker Friedrich Wilhelm»
Im Zauberland der Oonaumündung.
Bon unserem Berichterstatter Clemens Marens.
(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) Braila, Spätsommer 1942.
Im roten Widerschein des glühenden Sonnen- balles, der langsam und in unendlicher Weite immer tiefer in bie Wasser des Stromes sinkt) nimmt uns, nach einem nüchternen Tag, nun doch die Gewalt dieses Fleckchens bewegter Erde gefangen. Der Zauber einer rauschenden Landschaft, in ber bas Grau ber schlammbeladenen Inseln und bas Grün ber Schilf- und Weidenbaumwälder sich mit bem wechselnden Farbenspiel der Wellen und des Himmelsbogens zu einem unerhörten Gleichklang und Gegensatz verbindet. Erst kann man die seltsame Gegend, durch die nur Schisse ziehen und herrisch heulend mit ihren Sirenen die wilden Vögel in bie Hohe jagen, mit wachen Sinnen nicht ganz erfassen. Man sträubt sich gegen bie Einförmigkeit, bie da zuerst einmal mächtig über ben Menschen hereinbrechen will, man lehnt sich auf gegen ben treibenden Strom, gegen die unheimliche Weite dieser Wässer, bie zur Mündung drängen, halb Fluß und Strom und doch schon See und fernes Meeresleuchten. Und bann wirb bas alles von ber Nacht verschlungen, in der die Lichter ber Fahrt- rinne auf kleinen Bojen hüpfenb leuchten, und anderntags erwacht bas Herz und fühlt sich doch in dieser fremden, so östlich unberührten Welt von einem Strom der Heimat angesprochen.
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Mittags waren wir in Braila, am großen Donauknie, angekommen. Eine Handelsstadt, eine Seestadt, wenn man will. Mit einem großen Hafen, mit vielem Kommen und Gehen auch in Kriegszeiten. Hier maltet seit 86 Jahren die Europäische Donaukommission ihres schwierigen Amtes als Wächterin über die Schiffbarkeit des Mündungsgebietes, hier beginnt bie sogenannte Seedonau, von hier flußabwärts ringt Jngenieurkunst und bie Kraft ber Bagger den Mündungsarmen des dreifach geteilten Flusses immer wieder die freie Durchfahrt ab, ber sich die Sandmassen des Bettes selbst und der Meeresküste entgegenstemmen. Und bann gibt
es hier den berühmten Käse, bie „branza din Braila", diese salzig-fette Masse mit feinen Poren, mif irgendeinem Gewürz durchsetzt, und ein Bier für die rauhe Seemannskehle, das nicht von schlechten Eltern ist. Aber das ist nicht der entscheidende Eindruck dieser Stadt. Was wir hier vor allem zu spüren bekommen, das ist die Weltoffenheit ihrer Bewohner, der Sinn für das Größere und Großzügige, wenn er auch freilich zunächst auf die greifbaren Werte ber irdischen Güter gerichtet ist, bie unter den Augen des Brailaners ihren Weg in bie weite Welt nehmen ober aus den Weiten ber Welt in bie unmittelbare Wirklichkeit bes rumänischen Lebens hineinströmen. Wir find im Weichbild des größten Umschlaghafens ber rumänischen Donau* straße, mit (Setreibefilos, mit großen Lagerhäusern, mit Ein- und Ausfuhrfirmen, mit Vertretungen bedeutender Großhandelshäuser, unter denen deutsche Namen nicht fehlen können. Wir sind aber auch in einer Stadt, in ber' man bie Nähe des Ostens besonders empfand, in ber man, ob es Rumänen, Griechen, Türken, Armenier ober Tataren waren, bie hier leben wollten, immer des Zugriffes Rußlanbs gewärtig fein mußte, des Nachbarn, dessen schwere Hand so oft ausholte, um — wenn nicht auch diese Stadt und diesen Hafen — bann doch bie Lebenslinien dieses Raumes mit imperialistischer Zielstrebigkeit zu bedrohen.
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Denn diese Gefahr hat an der Donaumündung mehr als einmal schon ganz fest umrissene Gestalt angenommen. Ob es das zaristtsche Rußland des Friedens von Adrianopel war, bas von 1829 bis 1856 das Donaubelta allein beherrschte und die Tiefe der Sandbarre ber Sulina-Mündung von 16 Fuß, wie sic bie Türken als Machthaber vorher gehalten hatten, auf 1% Fuß brachte, um die Versandung vorwärts zu treiben — sie versenkten mit Steinen beladene Kähne an entscheidenden Stellen ber Mündungsarme — ober ob es die Sowjets waren, bie nach bem UcberfaU auf Bessarabien im Juni 1940 auch bas Delta mit Gewalt zu besetzen such
ten, um bort ein „russisch-rumänisches Kondominium" zu schaffen, immer mar es das Ziel ber Macht aus dem Osten, die Donaumündungen lahmzulegen ober selbst zu beherrschen. Zum Schaden nicht nur ber rumänischen Wirtschaft, sondern des gesamten Schiffsverkehrs und des Handels sämtlicher Uferftaaten, aber zugunsten von Odessa, dem Südtor des rußländischen Raumes. Diese Gefahr wuchs riesengroß, als 1940 die Sowjets am Rande bes Deltas faßen, jeden Augenblick bereit, bas Land und das Wasser mit Inseln und Menschen zu schlucken. Bis dann auch hier bie verbündeten deutsch-rumänischen Streitkräfte zum entscheidenden Angriff auftraten.
Don Braila nach Galatz, bem nächsten großen Hafenplatz, dem die Mündungen zweier breiter, von Norden kommender Flüsse erhöhte Bedeutung verleihen: breit ergießen sich hier bie Fluten des schiffbaren Pruth und noch oberhalb ber Stabt bie Wassermassen des Sereth-Flusses in die Donau, die letzten Zuflüsse auf einem Weg, ber vom Schwarzwald bis ins Schwarze Meer über 2900 Kilometer führt, 1100 Kilometer davon durch Rumänien. Auch hier in Galatz bas Leben einer der Weite ber Welt nicht.verschlossenen Stabt, in ber der Handel und bie Meeresnähe ben Gang allen Wirkens unb Schaffens bestimmen. In kleinerem Maßstab ähnliche Silber in Jsaccea, in Tulcea, Ismail, in Chilia-Noua, diesen allerdings wesentlich mehr orientalisch anmutenden Orten, von denen Tulcea auf dem rechten Ufer inmitten ber Hügel unb bewaldeten Berge ber nördlichen Dobrudscha non ganz besonderem Anstrich ist. Minaretts hier und bort, eine Bevölkerung völkisch bunter Zusammensetzung, in der sich ' außer dem tragenden Element der Rumänien so ziemlich alles versammelt hat, was in diesen Breiten auch nur einen Schein von Heimatrecht zu haben glaubt: Armenier, Türken, Griechen, Bulgaren, ßipowaner, Ga- 9 auf en, Tataren unb ein Rest von Juden. Unb ein Geschäftslaben am anderen. Sie blühen, die Geschäfte, und bie Händler, sie (eben.
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Nach einer sternklaren Nacht legt Sonntag früh ber weiße Dampfer der Rumänischen Donaugesell- schast in Vacov an. Hier tut sich bann die ganze tfuUe von Ueppigkeit ber Delta-Landschaft vor
uns auf. Die Stadt selbst, mehr auf Wasser als auf Land gebaut, viele „Gassen", von Bäumen) : und Blättern überdachte Kanäle, von denen schwan- kende Stege zu niederen, mit Schilfrohr gedeckten,, aber blitzblanken Lehmhäusern führen. An allem Ecken und Enden weißblonde Lipowaner-Jungett in regelrechtem Adamskostüm, bie sich von Brücken und Zäunen in bas seichte Wasser stürzen, um Münzen vom Grund heraufzuholen und sich ihre Künste! teuer bezahlen zu lassen. Kleine Mädchen werfen der Karawane schnittiger Kähne die schönsten Blüten des hohen Sommers zu. An den Pfosten lehnen) kräftige Männergeftalten, von Wind und Wetter als Fischer gezeichnet, mit sorgsam gepflegten, meist blonden Barten. Da haben wir die richtigen Lipo- waner vor uns, Männer und Frauen von russischer Abkunst, bie ihres eigenartigen Glaubens wegen unb* wegen eines sektiererischen Gelöbnisses sich voN ihren rußländischen Heimatgenofsen getrennt babeii unb hier im Donaubelta unb im südlichen Bessara< bien seither ein Sonderdasein führten. Das kurze! 3abr der sowjetischen Besetzung von Vacov genügte, um den Großteil ber Männer in btt? Vers bannung zu bringen, um bie Kirche ber Lipowaner^ Gemeinde zum Diehstall zu machen unb damit bie- mnere 2Ibtebr dieses Menschenschlages von bet? großrussischen Masse ein gutes Stück weiter zu ver- tiefen. Den schönsten Straßenzug und Kanal int Herzen dieser grünen Stadt chaben sie nach Adolf Hitler benannt.
5öas bliebe noch weiter zu berichten, wenn Augen! ^'"^europäischen Maßen durch diese Welt "bei?
ofthdjen Wasser fahren? Bon der majestätischen Mündung ber Donau in bas offene Meer, von bert Pelikanen von ben Störchen und Krammetsvogeln, von ben Wilbenten, den Reihern, die mit Schlank gen un Schnabel ben Abenb erwarten, von ben ^lammgcs, von ber Unzahl der kleinen unb großes gifcbe, vorn Stör unb vom Ursprung des schwarzen
T "'ors negre" sagt man hier unb schnalzS verständnisvoll Mit ber Zunge — im Wirbel beS ionnenheißen Tages, bes Sehens und Schauend geht das einzelne Bild dieses Zauberlanbes unter "bturzbach ber Erlebnisse. Geht unter in ber tfulle ber Gesichte, in deren Vielgestaltigkeit wir erleben, daß dieser Strom vom Schwarzwald bis c?^mar^en 5Recr doch eine ganze Wett emi Im iprt. ■
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