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|92. Jahrgang Nr. 2(6

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Montag, 14. September 1942

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Der neue Erfolg unserer Lt-Boote.

Der Wehrmachtbericht vom Sonntag.

D31B. Aus dem Führerhauptquartier, 13. Sept. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt «könnt: Am Terek durchbrachen deutsche Trup­pen mehrere festungsartig ausgebaute feindliche Stellungen. Vor Stalingrad kämpften sich die Lngriffstruppen trotz des zähen feindlichen Wider­standes nach der Erstürmung zahlreicher Kampf- anlagen weiter gegen den Stadtrand vor und dran­gen in den Südteit der Stadt ein. Entlastungsan­griffe des Feindes vom Horden wurden abgewiesen. Starke Kräfte der Luftwaffe unterstützten an den Brennpunkten der Schlacht die Kämpfe des Heeres, bombardierten bei Tag und Rächt die Stadt, wo­durch ausgedehnte vrände hervorgerufen wurden.

3m Raum von Rschew griff der Feind von neuem an mehreren Stellen an. Alle Angriffe wur­den in Harken Kämpfen unter hohen Verlusten des Zeindes abgeschlagen. An der w o l ch o w - F r o n t »urden durch ein starkes Stohtruppunternehmen zahlreiche feindliche Kampfstände zerstört und ein Kindliches Bataillon vernichtet. Südlich des Ladogasees und an der Rewa brachen ftindliche Angriffe im deutschen Abwehrfeuer zusam- aen. Elf Panzer und acht Aeberfehboote wurden dabei vernichtet.

Wie durch Sondermeldung bekanntgegeben, ver­senkten deutsche Unterseeboote im St.-Lo- «nzstrom und an der kanadischen Küste, im Atlantik Md vor Afrika aus Geleitzügen und in Linzeljagd il harten Kämpfen 18 Schiffe mit 121 500 VRT. Ü n weiteres Schiff wurde torpediert. Zur Zeit ist im Atlantik eine neue Geleitzugfchlacht Kotzen Umfanges im Gange.

Trotz starker Abwehr.

J5n der vergangenen Woche wurden an der modischen Küste,'im St. Lorenzstrom und an der Lllküste der USA., im Atlantik sowie vor der afri- inifd)en Westküste 35 feindliche Handelsschiffe mit insgesamt 229 500 BRT. versenkt. Der Feind hat I ne Abwehrmaßnahmen auf das stärkste ausge- k:ut und setzt an Sicherungsfahrzeugen alles ein, 1er entbehren kann, bis hinunter zu Küsten- r otorbooten und Privatiachten. Oft müssen die lerseeboote tagelang ihre Jagd fortsetzen, bis sie i -blich eine günstige Schußposition erreichen. Diese übliche Abwehr stellt an die Kampfkraft und die nsatzbereitschaft der Unterseeboot-Besatzungen d i e höchsten Anforderungen. Die Besatzung drs Unterseebootes, auf engstem Raum zusammen­

gedrängt und auf oft wochenlangen Fahrten zu einer harten Kampfgemeinschaft zusammenge­schweißt, kann Len Feind, der sie mit Wasserbom­ben angreift, nicht einmal sehen. Während der feindliche U-Boot-Jäger Bombe auf Bombe ins Wasser wirft, gerade dort, wo sich das Untersee­boot vermutliche befindet, muß die U-Boot-Be- satzung ohne einen Schuß'zu ihrer Verteidigug ab­geben zu können, warten. Ihre Nerven sind dann bis zum Zerreißen gespannt, bis die Detonationen der Wasserbomben schwächer und schwächer werden. Dann wissen die Männer: Es ist wieder einmal gut gegangen, und aufs neue beginnt dann die Jagd nach feindlichen Schiffen, die ohne Unter­brechung Tag für Tag und Woche für Woche fort­gesetzt wird. Die hohen Versenkungszahlen von allen Meeren, über die der Feind seinen Nachschub führt, sind ein stets neuer und unwiderleglicher Beweis für die hervorragende Ausbildung und den unverändert hohen Kampfgei ft der deut­schen Unterseeboot-Besatzungen .Der Gegner hat es aufgegeben, von einemNachlassen" dieses Kampf­geistes zu sprechen. Ob mitten im Atlantik, unmittel­bar vor der amerikanischen Küste, im Seegebiet Westafrikas oder des Karibischen Meeres oder im hohen Norden: Ueberall packen die deutschen Unter­seeboote zu und beweisen dem Feind die Schärfe dieser Waffe, die immer stärker wird.

Das deutsche Machtpotential unterschätzt.

B u e n o s A i r e s, 14. Sept. (DNB. Funkspruch.) Der ehemalige britische Kriegsminister Höre B e- l i s h a gibt in der argentinischen ZeitungRazon" unumwunden zu, daß das fehlgeschlagene Abenteuer von Dieppe der Beginn der Europa-Invasion werden sollte. Wenn es gelungen wäre, feindliche Flug­plätze auszukundschaften und Sturzkampfflugzeuge gegen die Küstenbatterien einzusetzen, hätten die Alliierten" möglicherweise festeren Fuß fas - ,sen können. Aber die britische Regierung habe wieder einmal da» deutsche Machtpoten­tial u n t e rs ch ä tz t. Noch im Mai hätten amtliche Kreise behauvtet, daß die deutschen Lebensmittel- und Brennstoffreseroen erschöpft seien. Die gewaltige deutsche Sommeroffensive habe jedoch gezeigt, daß diese Berechnung falsch gewesen sei. Jetzt wolle man wieder den bevorstehenden russischen Winter als Bedrohung -für das deutsche Heer hinstellen. Man vergesse dabei aber geflissentlich, daß diesmal der Winter e i n e K a t a st r o p h e f ii r d i e Sow­jets werden könnte. Die Ukraine und das Kuhan- becken, ferner wesentliche Teile des Kaukasus feien in deutscher Hand. Woher also werde die Sowjetunion Getreide,. Kohle, Zucker, Brennstoff usw. nehmen? Außerdem müsse man zugeben, daß das Sowjetheer unersetzbare V e r l u st e er­litten habe.

Erbitterter Kampf um Stalingrad.

Berlin, 13. Sept. (DNB.) Im Festungskampf wn Stalingrad arbeiteten sich die deutschen Truppen mch Niederkämpfung zahlreicher Bunker und in schweren Häuserkämpfen schrittweise weiter gtgenden Stadtrandvor. Betonbunker und efngegrabene schwere Panzer mußten mit Flammen- tjcrfern und geballten Ladungen im Nahkampf ver- riisttet werden. Heftige Kämpfe entwickelten sich in einem Fabrikgelände, wo jedes Haus, iiitd) Ausbrechen von Scharten und Anlage von Sperren und Hindernissen z u einem Stütz­punkt ausgebaüt^im harten Einzelkampf mit der blanken Waffe genommen werden mußte. Kempf- und Sturzkampffliegerverbände unterstützten wirksam den Angriff des Heeres gegen die Schwer­punkte des feindlichen Widerstandes und die tief- getaffelten bolschewistischen Stellungssysteme. Flak- Eillerieverbände waren im Vorgehen mit den eige­nen Angriffsspitzen an"der Zermürbung des feind- ; Men Widerstandes hervorragend beteiligt und setz­ten vier bolschewistische Batterien außer Gefecht, die jfln beherrschenden Stellungen aus die deutschen ; Äoßkeile aufzuhalten versuchten.

Im Südwesten von Stalingrad nahmen Dtrbände eines Panzerkorps in schneidigem Einsatz eisige beherrschende Höhen, die sich fast unmittelbar - cis die Stadt und an die Wolga erstrecken. Die außerordentlich stark befestigten Stellungen, deren Anker mit dicken Stahlplatten versehen waren, mrden näch Vorbereitung durch Angriffe der Luft- vcffe von den vorstoßenden Panzerverbänden ver­ratet und dabei 15 schwere Feindpanzer, 22 Ge­schütze und Pak zerstört. Dom Wolgaufer aus wurde iei Verkehr über die Kriegsbrücke, die die Bolsche- ©iten aus Pontons gebaut hatten, durch Artillerie uni schwere Infanteriewaffen unterbunden.

Besonders starke von Artillerie und Luftwaffen- vr bänden unterstützte Entlastungsangriffe unternahmen die Bolschewisten gegen unseren «erblich der Stadt zur Wolga vorgeschobenen Srgriffsflügel. Auch hier wurden im Zusammen- vstken mit Flakartillerie und fliegenden Verbanden bet Luftwaffe alle Angriffe unter hohen blutigen Lpfern für die Bolschewisten und empfindlichen Aus- Den an schweren Waffen abgewiesen, zum Teil opar schön vor dem Heraustreten aus dem Bereit- lellungsraum durch Artillerie und Flieger zer- hlagen.

Der Wehrmachtbericht vom Gamstag.

DNB. Aus dem Führerhauptquartier, N. Sept. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:

Südlich von Noworossijsk nahm Infanterie h harten Kämpfen das letzte Küstenfort. Am Xe-

rekabschnitt durchbrachen deutsche Truppen feindliche Stellungen und vernichteten Batterien. Vor Stalingrad dauern die harten Kämpfe um die Befestigungsanlagen an. Entlastungsangriffe des Feindes wurden abgewiesen. Der feindliche Rachschubverkehr war wieder das Ziel schwerer Luftangriffe. Außerdem wurden bei Rächt Stalin­grad und Flugplahanlagen nördlich der Stadt bom­bardiert.

Südostwärts Rschew scheiterten erneute Angriffe starker feindlicher Kräfte am zähen Wider­stand der deutschen Truppen. Südlich des La­tz o g a s ee s und aus Leniygrad führte der Feind vergebliche verlustreiche Angriffe. Deutsche und kroatische Kampfflieger fügten dem Feinde schon in der Bereitstellung hohe Verluste zu. 3m hohen Horben bekämpfte die Luftwaffe feindliche Trup­penlager und Flugstützpunkte. Die S o w j e t l u f t - waffe verlor am 10. und 11. September in Luftkämpfen, an denen auch italienische, rumänische, spanische und ungarische 3Sger beteiligt waren, und durch Flakartillerie, 171 Flugzeuge. 14 eigene Flug­zeuge werden vermißt.

Während der ersten zehn Tage des September verloren die Briten an der ägyptischen Front ins­gesamt 170 Panzer- und Panzerspähwagen. An der englischen Südküste und im Südosten der 3nsel erzielten deutsche Flugzeuge am gestrigen Tage Volltreffer mit Bomben schweren Kalibers in 3n- dustrie- und Verkehrsanlagen. An der Küste der be­setzten Westgebiete wurden zwei feindliche Flugzeuge abgeschossen. 3n der Rächt zum 11. September hat­ten deutsche und englische Schnellboote Gefechts- berührung im Kanal. Ein feindliches Boot sank sofort, weitere Boote drehten nach zahlreichen Treffern zum Teil unter starker Brandentwicklung ab.

Ein Büdinger mit dem Ritterkreuz ausgezeichnet. NSG. Dem Obersten Erich Geißler, am 1t. 12. 1895 in Büdingen in Oberhessen ge­boren, im Frieden der Kriegsschule München zu­gehörig, wurde in diesen Tagen dos Ritterkreuz vor seinem Gefechtsstand, einem in den Wusten- boben eingekratzten Deckungsloch, inmitten schweren Artilleriefeuers, von Marschall Rommel über­reicht. In den frühen Abendstunden des 22. Juli war sein Abschnitt von starken Feindkräften, unter­stützt von 30 Panzern, angegriffen worden. Unter dem Schutz starken Artilleriefeuers und künstlichen Nebels gelang es dem Feind, am linken Flügel em- zudringen und Teile eines Bataillons zu über­

rollen. Während die feindlichen Panzer vom Rücken und der Flanke her weiter vordrückten, setzte Oberst Geißler die ihm unterstellte Kampfgruppe B. gegen den eingebrochenen Gegner zum Gegenstoß an. Der Feind wurde unter Zurücklassung von Gefangenen und Verlust von 15 Panzern wieder herausgewor­fen und dadurch der Durchbruch verhindert.

Zuspitzung derLage in Indien.

Lissabon, 12. Sept.^Euröpapreß.) Heber das weitere Anwachsen der Streikbewegung und der Unruhen in Indien veröffentlicht dieTimes" einen aufschlußreichen Bericht aus Bombay. Darin heißt es, daß in den letzten 48 Stunden über 500 Per- onen verhaftet wurden, die Polizei wiederholt auf ndische Nationalisten geschossen und sich das Ge- amtbili) der Lage im Verlaufe der letzten Woche überhaupt sehr verschlechtert habe. In Kreisen in­discher Nationalisten gebe man sich keinerlei Hoff­nungen darüber hin, daß irgendeine amtliche bri­tische Erklärung die zwischen der Kongreßpartei und der britischen Regierung aufgerissene Kluft überbrücken könnte. Die Hindus befänden sich auch weiter in einer erbitterten Stimmung, die das Re­sultat der gescheiterten Cripps-Mission und der kürz­lichen britischen Gewaltanwendung sei. Unterirdisch werde diese Stimmung noch von der Kongreß- partei geschürt. Die militärischen Rück- ch l ä g e Großbritanniens und seiner Verbündeten hätten sich auch auf die Stimmung der Inder aus- gewirkt.. Man sei in Indien vielfach der Auffassung, daß die 'militärischen Niederlagen so sehr die Schwä­chen Großbritanniens bloßlegen, daß britischen Ver­sprechungen für die Nachkriegszeit keinerlei Wert beizumessen sei. ,,News Chronicle" kritisiert Churchills Ausführungen, sie seien recht un­glücklich formuliert gewesen. Mit den, Unter­drückungsmaßnahmen habe die britische Regierung zwar die Unzufriedenheit der Inder niedergehalten, zum anderen aber eine akute Gefahr geschaffen. Man erwarte einen Tiefstand der englisch-indischen Beziehungen. Indienminister A m e r y habe selbst­zufrieden erklärt, Großbritannien könne jetzt nichts anderes tun, als abwarten, bis die indischen Na­tionalisten ihre Meinung ändern. Eine solche Ein­stellung seider vollkommendste staatsmännische Bankrott", auch wenn es im Augenblick keinen Ausweg aus der verfahrenen Lage gebe.

Knoxinspiziert" Südamerika.

Lissabon, 12. Sept. (Euröpapreß.) Der Ma- rineminifter der Vereinigten Staaten, Colonel F. Knox, gab am Freitagabend in Washington be­kannt, daß er innerhalb der nächsten zwei Monate nach Rio de Janeiro fahren wolle. Er werde eine Abordnung führen, die Brasilien und andere südamerikanische Länder besuchen soll. Man spricht in Washington von einer /,HnspektronH- reise", in deren Verlauf alle nordamerikanischen Stützpunkte auf dem Wege nach Rio de Janeiro besichtigt werden sollen. In Begleitung des Ma­rineministers wird sich Unterstaatssekretär For - r e st a l befinden, der gerade aus dem Kriegsgebiet des Pazifik zurückgekehrt ist.

Roosevelts Griff nach dem Oberbefehl.

Das Tauziehen um dasalliierte Oberkommando" geht weiter, ohne daß sich absehen läßt, wer iit diesem Kampf hinter den Kulissen den Sieg davon­tragen wird. Im Augenblick scheint nur soviel fest- zustehen, daß Churchill nunmehr endgültig von der Liste der Bewerber gestrichen worden ist. Da­zu hat nicht zuletzt der kläglich mißglückte Jnoa- sionsversuch von Dieppe beigetrageh. Nach dieser Katastrophe wollen die Amerikaner weder von Churchill noch von einem englischen General als Oberbefehlshaber etwas wissen.

Aber auch von Roosevelts strategischen Fähigkeiten scheint man im plutokratischen Lager nach den fortgesetzten amerikanischen Mißerfolgen gegen die Japaner nicht viel zu halten. Darauf deutet ein Aufsatz derNew Port Times" hin, in dem dieser Tage erklärt wurde, daß es ein Ding der Unmöglichkeit sei, daß der Z i o i l i st Roose­velt noch länger amerikanischer Oberkommandieren­der bleiben könne. Diese Bejugnisse müßten viel­mehr, so forderte das große amerikanische Blatt, auf einenwirklichen Soldate n" übergehen. Daß man in den USA. unter einem wirklichen Sol­daten natürlich nur einen amerikanischen General versteht, liegt auf der Hand. Ganz allge­mein wird daher auch bereits in Amerika der USA.-Generalstabschef Marshall als der künf­tige alliierte Oberbefehlshaber bezeichnet.

Ob Churchill auch in dieser Frage vor Roosevelt zu Kreuze kriechen wird, bleibt abzuwarten. An der Kriegslage selbst aber wird auch die Verein­heitlichung des Oberbefehls nichts ändern. Dies um so weniger, als weder die Engländer noch die Ame­rikaner über eine überragende, militärische Führer­persönlichkeit verfügen. Denn dadurch, daß man irgendeinen mittelmäßigen General über den grünen Klee lobt und ihm Vorschußlorbeeren spendet, wird er noch längst kein militärisches Genie. Das wissen auch Roosevelt und Churchill ganz genau. Der Streit um den Oberbefehl hat daher auch viel ttefer- liegende Ursachen. Es handelt sich nämlich nicht nur darum, eine oberste militärische Kommandostelle zu schaffen, sondern es geht um die Vorherr­schaft überhaupt. Wer nämlich den Oberbe­fehl besitzt, der hat praktisch die oberste Führung, der kann bei allen militärischen und politischen Ent­scheidungen den Ausschlag geben. Und das i st es, worauf Roosevelt am Ende hinaus will. Denn wenn ein amerikanischer General Oberbefehlshaber wird, dann steht Amerika an der Spitze derAlliierten" und Roosevelt hat einen weiteren bedeutsamen Schritt auf dem Wege zur'Weltpräsidentschaft" ge­tan. Dann kann er kommandieren und die anderen müssen gehorchen.

In Amerika scheint man, wie aus der amerika­nischen Presse hervorgeht, der Zustimmung Chur­chills bereits sicher zu sein. Tschungking-China wird natürlich überhaupt nicht gefragt. Bleibt nur noch die Frage, was Stalin dazu sagt. Hier aber scheint der wunde Punkt zu liegen. Die Sowjets haben bisher jede englische und amerikanische Ein­mischung in die bolschewistische Kriegführung zu- rückgewiesen. Erst dieser Tage beklagten sich die

Das umgekehrte pacht- md Leihabkommen.

Englische Besorgnisse über die weitere Annäherung der Dominions an die LlGA.

S t o ck h 0 l m, 13. Sept. (E. P.) Noch ist der No­tenwechsel nicht veröffentlicht worden, der über ein umgekehrtes Pacht- und Leihabkommen" zwischen den Bereinigten Staaten einerseits, England, Austra­lien, Neuseeland und den Gaullisten anderseits ge­führt worden ist. Welch großem Interesse aber dieses neue Abkommen in der Oesfentlichkeit der britischen Hauptstadt begegnet, geht aus den Betrachtungen hervor, die von der Londoner Presse ihm schon heute gewidmet werden. Dabei klingt die ernste Be­sorgnis durch, mit der England diese direkte Ab­machung der USA. mit britischen Dominions auf­nimmt, sowie die Sorge, daß diesen ersten direkten Vereinbarungen noch weitere folgen könnten.

Als erfreulich an demumgekehrten Pacht- und Leihabkommen" hebt die Londoner Presse hervor, daß es die finanzielle Leistung Englands und seiner Dominions endlich ins Helle Licht rücke. Denn der vom Kriegsinformationsamt in Washington heraus­gegebene 'Begleitbericht gibt einen umfangreichen Ueberlick über das Ausmaß der Hilfe, die England, Australien und Neuseeland schon heute den Ameri­kanern gewähren. Diese Hilfe erstreckt sich von den Lieferungen an Spitfire-Flugzeugen bis zu Ba­nanen, vom Konvoischutz in England ankommender USA.-Truppentransporter bis zur Brennstoffliefe­rung an USA.-Flugzeuge in der afrikanischen Wüste. Die Errichtung von Flubplätzen, Kasernen, Verwaltungsgebäuden und Speichern für USA.- Streitkräfte auf englischem Boden beschäftigt jetzt über 250 000 Mann, einen großen Teil der englischen Bauindustrie.

Mit ernsten Bedenken aber begleitet die Londoner Presse die finanzielle und politische Auswirkung des neuen Abkommens. Pacht- und Leihbilfe seien feine Angelegenheit der Buchführung, so schreibt die Times", sondern eine Partnerschaft der Hilfe und Hoffnung. Eine von Kriegsschulden zer­rüttete Welt sei für einen Dauerfrieden gefahr­voll, wie die Abwicklung des letzten Krieges bewiesen habe. Wohl sei bei dem Pacht- und Leihabkommen vom 23. Februar gesagt worden, daß es in diesem Kriege keine Kriegsschulden an Amerika geben werde und eine Abtragung von gegenseitigen Nachkriegs­verpflichtungen nur durch Warenaustausch vollzogen werden könne. Trotzdem müsse vom neuen Abkommen gesagt werden, daß hierdurch die gegen­seitige geldliche Verrechnung auf ein Mindestmaß heruntergeschraubt werde.

Mit welchen Erwartungen man in Washing­ton den Abschluß des neuen Abkommens begleitet,

darüber gibt ein Kommentar desChristian Science Monitor" Aufschluß, der folgendes ausführt:'Eine Anzahl Amerikaner hofft, daß diese Konferenzen von London wegführen; dasselbe fürchten viele Engländer. Es stimmt, daß die Dominions in der Regelung ihrer Aeußerung und in deren An­gelegenheiten vollkommen souverän sind. Wer aber die gegenwärtige Entwicklung näher be­trachtet, weiß, daß die Dominions sich nicht von England abwenden, sondern daß die USA. und das gesamte Empire näher zusammen­rücken. Diese Phase des künftigen Friedens ist schon jetzt im Entstehen." Daß Washington und nicht London im Brennpunkt des Pacht- gefüges steht und durch das Abkommen der letzten Woche auf diesem Wege einen erheblichen Schritt vorwärts gekommen ist, wird kein einsichtiger Beob­achter bestreiten.

Ltnsere amerikanischen Verbündeten."

Lissabon, 12. Sept. (Euröpapreß.) Die häufi- gen Reibungen zwischen amerikanischen und eng­lischen Soldaten in Nordirland und England be­schäftigen die britischen Zeitungen.Daily Expreß" schreibt unter der Ueberschrift:Unsere amerikani­schen Verbündeten", daß dst Differenzen hauptsäch­lich aus folgenden drei Gründen entstanden seien:

1. erhielten die USA.-Soldaten einen höheren Sold, könnten also bessere Lokale besuchen, eng­lische Mädchen großzügiger einladen und in jeder Beziehung besser auftreten;

2. fänden die englischen Soldaten keinen Un­terschied zwischen weißen und schwär- zen Truppen, was jüngst verschiedentlich zu erheblichen Reibereien nicht nur unter weißen und schwarzen amerikanischen Truppen, sondern auch zwischen Engländern und Amerikanern geführt habe;

3: fei vielfach die Meinung verbreitet, die Ver­einigten Staaten wollten aus einem siegreichen Kriegsausgang größere Vorteile ziehen als ihrem Anteil an den Opfern entspreche. Daily Expreß" bittet, über die Ungelegenheiten hinwegzusehen und im Interesse der gemeinsamen Sache'ausgleichend zu wirken. Die amerikanischen Soldaten aber sollten verstehen, daß die Zeiten es erschweren, Gäste aus dem Ausland so aufzunehmen, daß sie sich wirklich wie zu Hause fühlen.