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(92.Jahrgang Ur. 165 9 4^ AtT 9

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Gberhessen *sässf"

Oie Vernichtungsschlacht bei Rschew.

Oer Wehrmachtbericht.

DltB. Musbern Führerhauplquarkier, 13. Juli. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:

Im Südabfchnitt der Ostfront wird der Feind in breiter Front verfolgt. Starke Lnftslreit- krafte unterstützten die Verfolgungskämpfe und zer­störten in Tag- und Nachtangriffen weitere Ueber- gänge über Don und D 0ne3. An der üau- kaf usküste erzielten Kampfflugzeuge Voll­treffer schweren Kalibers auf zwei Schwimmdocks im Hafen von Noworossijsk. Nördlich und nordwestlich Woronesch wurden bei der Ab­wehr feindlicher Entlastungsangriffe am gestrigen Tage 111 Sowjetpanzer abgeschossen.

Wie durch Sondermeldung bekanntgegeben, führte der im Raum südwestlich Rschew am 2. Juli begonnenen umfassende Angriff der deutschen Truppen, wirkungsvoll unterstützt durch Verbände der Luftwaffe, nach Durchbruch durch das feindliche Stellungssystem in schweren Waldkämpsen zur Einschließung und Vernichtung mehrerer Schützen- und Kavalleriedivisionen sowie einer Panzerbrigade. 3n dieser elftägigen Schlacht wur­den über

30000 Gefangene eingebracht,

218 Panzer,

591 Geschütze und

1301 Maschinengewehre und Gra­natwerfer

sowie große Wengen anderer Waffen und Kriegs­gerät aller Art erbeutet ober vernichtet. Die blutigen Verluste bes Gegners finb schwer. Die Gefangenen- unb Beutezahlen wachsen noch an.

An ber Wolchow-Front würbe ein starker feinblicher Angriff gegen einen Brückenkopf abge­wiesen. Eine auf betn Westufer bes Wolchow gelanbete feinbliche Kräfiegruppe würbe ver­nichtet.

Im Finnischen Weerbusen versenk- t e n Minensuchboote ein sowjetisches Unterseeboot.

Im hohen Norben bombarbierfen Sturz­kampfslieger bie Hafenanlagen von R 0 sta bei Wurmansk. Mehrere Vränbe würben beobachtet.

In Aegypten würben erneute britische An­griffe im Raum von El Ala m ein verlustreich abgewiesen.

Verbände ber beutschen unb italienischen Luft­waffe setzten bie Zerstörungen britischer Flugstütz­punkte auf Malta fort.

An ber englischen Sübküste versenk- ten leichte Kampfflugzeuge bei Tage im Hafen B r i x h a m einen britischen Bewacher; außerbem würbe ein großes Frachtschiff burch Bombentreffer schwer beschäbigt.

3m Dschungel von Rschew.

Von Kriegsberichter Günther Weber.

3 m Raum von Rschew, 13. Juli. (DRV.) . Als mir durch Hitze, Staub und Sumps mar­schierten, da sprach einer plötzlich vom Dschungel­krieg. Er hatte nicht unrecht damit. Wer dieses Land am Oberlauf des Dnjepr kennengelernt hat, der wird mit ihm immer die Erinnerung an tiefen Sumpf und unwegsamen Dschungel verbinden, über dem nicht nur ein Millionenheer von Mucken, son­dern auch eine stets feucht-schwüle Atmosphäre bro­delt. 3n diesem Dschungel lauert der Feind. Durch dichtes Unterholz schlagen sich die versprengten Teile sowjetischer Kavallerie-Divisionen. Wohin? Sie wissen es selbst nicht mehr, denn überall, wo sie aus Wäldern in freies Gelände treten, empfängt sie das Feuer unserer Sicherungen, harte Kämpfe ent- vickeln sich dort, wo der Feind vor allem mit der Masse seiner Divisionen durchdrücken wollte. 3n lagelangem Kleinkrieg wurde der Gegner zermürbt, Vastionen wurden gehalten, gegen die die Sowjets immer neue Wellen anrennen ließen. Ungeachtet hoher blutiger Verluste griffen die Sowjets daher immer von neuem an, bis sich endlich nach mehreren Tagen die ersten Zerfallserscheinungen beim Geg­ner bemerkbar machen und die planlos umher­irrenden Gruppen sowjetischer Verbände führerlos geworden sind.

Wo sind die sowjetischen Kommandeure und Kom- lnissare geblieben? Gefangenenaussagen gaben zum erstenmal ein drastisches Bild von dem immer grö­ßer werden Chaos im Kessel von Rschew. Die sow- letischen Divisionen versuchten zunächst in dichten Kolonnen nach Norden durchzubrechen. Dort aber stand bereits unsere unüberwindliche Abwehrfront. So fluteten Tausende wieder zurück nach Süden. Glicht nur die Furcht vor der Vernichtung, auch ber hunger trieb nun eine sich auflösende Armee vor­wärts. Eher, als die Sowjets es ahnen konnten, prallten sie auch im Süden und Südosten auf die inzwischen schnell vorstoßenden deutschen Regimen­

ter. Wieder zerfiel der Heerhaufen, der noch nach Zehntausenden zählte, in kleinere Gruppen, die sich selbständig machten.Je kleiner unser Haufen ist, um so eher können wir noch entschlüpfen", sagten die sowjetischen Offiziere und Kommissare.

Die Gefangenen sckildern, wie üch ihre Führer zu kleinen Gruppen zusammenschlossen und auf Pfer­den davonjagten, jedem mit der Pistole drohend, der sich ihnen anschließen wollte. Einer der Gefange­nen, der sich in der Umgebung des Oberbefehls­habers der 39. sowjetischen Armee, General Mas- l e n i k 0 w, befand, sagt, daß ber General vor drei Tagen mit einem glugaeug die Flucht ergriffen habe und sich andere höhere Kommissare und Offi­ziere ihm anschlossen,haltet aus und verteidigt euch." Das waren die zynischen Worte, die der flüch­tende General seinen Soldaten mit auf den Weg in den Untergang gab.

Auf den langen Schlauch, den die Sowjets seit der Winterschlacht südwestlich von Rschew noch (m Rücken unserer Front hatten hatten können, war die bolschewistische Agitation viele Monate lang stolz gewesen. Die Gefangenenkolonnen, bie nun über die tief aufgewühlten Wege müde dahinziehen, zeigen, daß die Sowjets in der Tat alles mögliche an Menschenresten nachgeschoben hatten, um hier noch einmal offensiv vorzugehen. Reben alten Grau­köpfen, neben Vertretern aller Völkerschaften des weiten Ostens aber fallen diesmal besonders Vier­zehn- und Fünfzehnjährige mit kahlgeschorenen Köp­fen und stumpfen, ausdruckslosen Augen auf, da­zwischen marschieren uniformierte Weiber mit halb- lang geschnittenen haaren, viele von ihnen kaum älter als die jüngsten ihrer männlichen Genossen. Sie quellen aus den dichten Wäldern und Sümpfen hervor, eine müde, abgekämpfte Masse, die sich zu endlosen Gefangenenkolonnen formiert. Stalin hat eine neue Armee verlöre«.

Oie Abwehrschlacht nördlich Orel.

Von Kriegsberichter Hans Hnffzky.

DRV.... 13. Juli. (PK.) Nördlich Orel. Während an fiidlicherer Stelle der Front unsere Truppen in lebendigem Angriff stehen, und stolze Siege jeden ihrer Schritte begleiten, müssen andere Verbände unseres Heeres die Stellung hatten gegen weit stär­keren Feind. Durch das wellige sommecheiße Land, quer durch wilde, wuchernde Wiesen, Feld und Mohn, zieht sich seit dem Winter bie Hauptkampf­linie, mit der bie bolschewistische Heeresleitung bas gleiche vorgehabt hat, was uns zwischen Kursk unb Tharkow meisterlich gelungen ist, nämlich: durch sie hindurchzustoßen und dann in raumgreifendem Angriff zu bleiben.

Der Sonntagmorgen des 5. Juli hatte mit einem großen Schauspiel begonnen: in dichten Schwärmen tauchten früh kurz nach 3 Uhr bolschewistische Bom- knslugzeuge und Schlachtflieger, begleitet von- gtrn, über unseren Jnfanteriestellungen nördlich Drei auf, um sie durch Bomben und durch Beschuß mit Bordwaffen für die nachfolgenden Angriffe .toeidy" zu machen. Bis zum Abend dauerte dieser tödliche Regen aus dem, Sommerhimmel und mit sicher Zahl von Flugzeugen diese Angriffe aus der Luft geflogen wurden, macht am besten deut­lich, daß an diesem einzigen Tag über einem ^orpsabschnitt nördlich Orel nicht weniger als 63 bolschewistische Flugzeuge ab geschossen wurden.

Aber das war nur ein Vorspiel. Aus dem Mor- zennebel kamen plötzlich feit vielen Wochen zum fn'ten Male st ar k e bolschewistische Pan­zer gruppen durch den Roggen und den Klee tuf unsere Stellungen zugekrochen. Flamme li­ve rferpanzer brachen hier unb da auch ein. frerar pirschten sich die Panzervernichtungstrupps nuferer Infanteriekompanien ohne eigene Schonung Men die bolschewistischen Panzer (es waren in ber Rehrzahl schwere Panzer vom Typ 34) heran und knickten auch einige mit gebauten Ladungen, aber bfe Mehrzahl blieb hell. Zum Gluck brachte die vor­

züglich eingeschossene Artillerie der sowjetischen In­fanterie, die ihren Panzern folgte, so schwere Ver­luste bei, daß die Panzer bald stehenbleiben muß­ten und den Gelänbegewinn nicht voll ausnutzen konnten.

Die von immer neuen Sowjetmassen bedrohten deutschen Infanteristen bekamen durch unsere Pan­zer bald Entlastung. Die schon bereitstehenden Pan- zeroerbände roll.en schnurstracks nach Norden. Sie setzten bereits am Morgen des nächsten Tages zum ersten Gegenstoß an und trieben die Bolschewisten mit ihren Panzern, von Artillerie unterstützt und von Infanterie gefolgt, wieder so weit zurück, baß die Infanterie erst den Panzern folgend und dann sie überholend bald wieder in ihren alten Stellungen saß. Unsere Panzerkräfte nahmen bie bolschewistischen Panzer empfindlich in die Zange. Was von ihnen nicht zurückflutete, wurde in dieser Zange zerdrückt.

Wenige Stunden später schon setzten die Bolsche­wisten zu neuem Durchbruch an anderer Stelle an, und wieder mußte unsere tapfere, bis zum letzten Augenblick ausharrende Infanterie dem stoß nachgeben, und wieder kamen unsere Panzer und radierten die Einbruchstelle aus. Es entwickelten üch oft stundenlange mörderische Schlachten, an denen sich die Panzerkanonen, die Panzerabwehr­geschütze, Artillerie, Flammenwerfer und nicht zu­letzt unsere Stukas beteiligten, die die durch Auf­klärungsflieger erkannten neuen bolschewistischen Angriffseinheiten in ihren Bereitstellungsräumen 'chwer anschlugen, ehe sie zum Angriff antraten. Selbstverständlich kosteten diese schweren Gefechte Verluste auf beiden Seiten, aber wie bie Aussagen der Gefangenen immer wieder bezeugten, standen die Verluste auf unserer Seite in keinem Verhält­nis zu den bolschewistischen. Im Bereich einer ein­zigen Division wurden zwischen dem 5^ unb L _3uli

Mein 124 bolschewistische Panzer vernichtet oder erbeutet.

Während all der gefährdeten Tage wachten die Panzer Tag und Nacht, und mit ihnen wachten die Infanteristen, die sich pausenlos entweder im An­griff oder in ber Verteidigung befanden. Ungezählte Heldentaten sind in diesen Tagen in den wilden, wuchernden Sommerwiesen nördlich Orel geschehen. Zwar sind keine klingenden Erfolge mit diesem ge­waltigen Ringen verbunden als allein bie, daß sie unterstützt von den stählernen Rudeln unserer Panzer die Hauptkampflinie immer wieder zu- rücferobert haben. Daß sie gegen bie sowjetische Uebermacht durch Tage und Nächte pausenlos stand- gehalten haben, das macht sie zum Mitsieger an den gewaltigen Siegen, die unsere Truppen am Don er­rungen haben.

Kleine politische Nachrichten.

Der Führer empfing am Montag im Führer­hauptquartier in Gegenwart des Reichsministers des Auswärtigen von Ribbentrop den von feinem Posten abberufenen bisherigen türkischen Botschafter in Berlin, Huesrev Gerede.

*

Der finnische Ministerpräsident Rangell unb Land- wirtschaftsminifter Ikonen begaben sich in das rück- aeglieberte Karelien zu Beratungen über die für den Wiederaufbau notwendigen Maßnahmen,

*

Der Führer hat dem Mitglied des Aufsichtsrates der IG. Farbenindustrie AG., Dr. phil., Dr.-Jng. e. h. Gustav Pi stör in Leipzig, aus Anlaß der Vollendung seines 70. Lebensjahres in Anerkennung feiner Verdienste um die technische Elektrochemie die Goethe-Medaille für Kunst und Wissenschaft ver­liehen.

Oer unteilbare Krieg.

Die Neuyorker Filiale ber sowjetischen Nachrich­tenagentur Taß fuykt an die Moskauer Zentrale ein Bilb ber Pressestimmen in ben Vereinigten Staa­ten. Es soll bamit ber Nachweis geführt werden, daß bie USA -Presseimmer eindringlicher auf bie Notwenbigkeit ber sofortigen Schaffung einer zweiten Fr 0 nt zur Entlastung des Drucks gegen bie Sowjetunion" hinweift. Aber bie Stimmen, bie bie Taß aus Neuyork meldet, finb durchaus nicht einheitlich. Gewiß schütteln USA.-Blätter die kategorische Forderung nach ber zweiten Front aus dem Rockärmel, aber gerade bie führenden Organe ber Vereinigten Staaten stellen vor ihre Leser auch bie Problematik der Forderung, an der Moskau gerade in diesen Tagen so unendlich viel gelegen ist.

Die deutsche Kriegführung handelt felbftDerftänb- lich so, als würden Engländer unb Amerikaner mor­gen ihreCommandos" an der französischen, belgi­schen, holländischen, dänischen oder norwegischen Küste ans Land bringen wollen.Commandos" nen­nen Engländer und Amerikaner ihre Sturmtruppen. Eine ganz andere Frage ist, ob Engländer und Amerikaner überhaupt einen solchen Versuch in zu­reichendem Maße unternehmen können und wie die Vorbereitungen zu einem solchen Versuch auf die anderen Fronten wirken. Dabei ist einmal an die ostasiatische unb nordafrikanische Front zu denken; aber besonders an die ozeanische Front, an der un­sere U-Boote unserer Ostfront unter die Arme grei­fen. Schiffe, bie die Engländer und Amerikaner für einen Landungsoersuch in West- ober Nordeuropa konzentrieren, müssen aus dem Verkehr nach Indien ober Nordafrika ober auch nach der Sowjetunion oder aus den Dersorgungsrouten zwischen ben bei-

Böhmens Wenzel-Tradition.

Von unserem A. K.-Korrespondenten.

Prag, im Juli 1942.

Mit ber Aufhebung des zivilen Aus- nahmezustandes in Böhmen und Mäh­ren hat bie schwerste Krise, bie bie beiden Länder seit ber Errichtung bes Protektorats durchgemacht haben, ihr Ende gefunden. Auf ber Massenkund­gebung auf dem Wenzelsplatz, die zu ber nämlichen Stunde ihren Anfang nahm, in ber die Bestim­mungen des Ausnahmezustandes außer Kraft traten, hat Ministerpräsident Dr. K r e j c i festgestellt, daß bereits gesagt werden könne, dem tschechischen Volk würden für feine Zukunft neue Möglichkeiten ge­boten. Diese vorsichtigen Worte enthalten alles, was zu dieser Stunde gesagt werden konnte. Die Zu­kunft des tschechischen Volkes liegt im Dunkel, denn das Reich kann ihm nur bie Möglichkeit bieten, sie selbst zu gestalten.

Daß man sich darüber absolut klar ist, das geht nicht nur aus den Reden des Ministerpräsidenten unb des Ministers für Dolksaufklärung, Mora- vec, sondern auch aus ihrem Widerhall in ber Presse hervor. Die Freude an ber Ueberroinbung einer Gefahr wird gedämpft durch bie Sorge vor neuer Gefährdung des Erreichten.Noch ein solcher Fall unb nichts kann uns vor großem Unglück retten", hämmern bie tschechischen Blätter immer roieber ihren Lesern ins,Bewußtsein. Sie werden am besten selbst beurteile« können, ob das notwen­dig ist.

Blickt man auf die fünf letzten Wochen zurück, bann muß man im Interesse vor allem ber Tsche- schen selbst bebauern, daß sich gewisse Kreise ihres Volkes in Gegensatz zu ben Gegebenheiten ber Ent­wicklung unb ber Geschichte stellen zu bürfen glaub­ten. Ein tschechisches Blatt machte auf ben Umstand aufmerksam, daß bie Prager Kundgebung, bie bie zahlreichen Appelle ber Regierung abschloß, zu Füßen des Reiterstandbildes des Hl. Wenzel ftattfanb, des Tschechenfürsten, ber am Enbe bes ersten Jahrtausenbs sein Leben für die Idee ber Zusammenarbeit mit dem deutschen Volke hingab; die Tschechen sprechen von einer Wenzel-Tradition.

Es hat sich aber auch immer eine andere Tradi­tion geltend gemacht, die bie Aufgabe bes slawi­schen Volkssplitters, derInsel im deutschen Meer", im Kampf gegen das Reich erblicken will. Sie arbeitet feit demDalimil", der Reimchronik aus dem frühen vierzehnten Jahrhundert, immer mit denselben Argumenten. Palacky hat diese Argu­mente zu den Grundlagen einer Geschichtsauffassung gemacht, die die Vorstellungen der tschechischen In­telligenz beherrscht hat. Und noch in diesen Tagen hat Minister Moravec ber Jahrhunderte alten Angst vor einerGermanisierung" widersprechen müssen.

Die Geschichte lehrt die Tschechen aber, daß sie ihre völkische Individualität einzig und allein dem rechtzeitigen unb wohlverstandenen Anschluß an das Reich zu danken haben. Die Stämme, die diesen Entschluß verwarfen, gingen unter. Das war vor tausend Jahren so, als auf ben Trümmern des abendländischen Imperiums Karls des Großen ein neues Reich entstand. Heute erleben wir eine Um­wälzung von gleichen, wenn nicht von größeren Ausmaßen. Staatspräsident Dr. H a ch a hat das er­faßt, als er im März 1939 im Sinne ber Wenzel- Tradition das Schicksal seines Volkes in ben Schutz des Führers stellte.

Freilich darf die historische Parallele nicht über­spitzt werden. B 0 l e s l a u s , der Bruder bes Hl. Wenzel, konnte vom Reich abfallen, gegen bie Sach­senkaiser Krieg führen unb sich dann doch wieder mit ihnen versöhnen und bie Herrschaft über fein Volk behaupten. Das war vor taufend Jahren mög­lich, ist es aber heute nicht mehr. Das Reich, mit dem es bie Tschechen 1942 zu tun haben, ist nicht nur räumlich gewaltiger als das ber Dttonen, es wird auch von einem Willen beherrscht, ber Wider­stand unmöglich macht. Darüber sind sich jetzt auch diejenigen unter der Protektoratsbevölkerung klar, die noch immer dem Gefchichtstraum Palackyscher Prägung unb ben zwanzig Jahren einer Pseudo- selbständigkeit von Gnaden ber Entente unb auf Kosten anderer Völker nachtrauern.

OembestenGowaten die bestenWaffen!"

Anordnung zur Mobilisierung der (kisenreservrn.

Berlin, 13. Juli. (DNB.) Zur Sicherstellung der für die deutsche Rüstung notwendigen Eisener­zeugung hat der R ei ch sm i nifte r für B e - maffnung unb Muniti 0 n mit Zustimmung des Führers und im Auftrage des Beauftragten für ben Vi erfahr es plan, Reichsmarschall Göring, eine Anordnung erlassen, nach oer jede oerfügb ar e Menge ni cht genutzten Eisens der Ver­schrottung zuzuführen ist. Dazu gehören insbesondere Alteisen, unbearbeitetes Eisen- und Stahlmaterial in nicht gängigen Sorten unb Abmes­sungen, angearbeitetes Eisen- und Stahlmaterial und Guß aus annullierten Aufträgen, Fertigteile aus Ei­sen, Stahl und Guß, die als Ersatzteile von Indu­strie und Wehrmacht eingelagert wurden, aber durch Typenänderung nicht mehr benötigt werden und schließlich ftillgelegte Anlagen unter besonderen Vor­aussetzungen. Gegen Ablieferung solchen Eisens unb Stahls wird grundsätzlich nur ber Schrottwert ver­gütet. Die Ermittlung übernimmt bie Jndustrie- abteilung ber Wirtschaftskammer. Die Aktion wird von den Gauwirtschaftsberatern und ben Gauamts­leitern für Technik unterstützt. Eine weitere tat­kräftige Unterstützung wird von ber Ordnungspolizei veranlaßt werden. Zu ber Aktion erläßt Reichs­minister Speer folgenden Aufruf an ben beutschen Betriebsführer:

Dem besten Soldaten bie besten Waffen!" An dieser Forderung des Führers arbeitet bie deutsche Rüstungsindustrie, um den unvergleichlichen Leistun­gen ber Front eine ebenbürtige Leistung ber Hei­mat gegenüberzustellen. Die vom Führer geforderte Rationalisierung und L e i stu n g s stei g e- rung hat überragende Ergebnisse gezeitigt, die es

ermöglichen, die Produktton auf allen Gebieten ber Rüstung zu erhöhen. Damit wachsen nun auch bie 2lnforberungen an Stahl. Um ber deut­schen Rüstungsindustrie auch in Zukunft ben Stahl geben zu können, ben sie für eine Produktionssteige, rung benötigt, habe ich dem Führer vorgeschlagen, durch eine umfassende Schrottaktion ber deut­schen Eisenerzeugung eine Reserve zu schäften, die es ermöglichen soll, die notwendige Mehrforderung sicherzustellen. Mit Zustimmung des Führers und im Auftrage des Reichsmarschalls habe ich dieAn­ordnung zur Mobilisierung von Eisenreseroen" er­lassen. Ich habe darin die Entscheidung, welche Mengen der Verschrottung und damit ber Mehr­erzeugung an Stahl für bie Rüstung zuge führt wer­ben sollen, in bie Hand bes deutschen Be­triebsführers gelegt. Ich erwarte, baß das Vertrauen, das ber Führer ber beutschen Industrie mit feiner Anweisung über die Selbst Verantwortung unb Mitbestimmung bewiesen hat, mit einer ernst­haften Prüfung dieses Appells beantwortet wird. Finanzielle Gesichtspunkte und Rücksichtnahmen auf eine Friedensfertigung müssen unter allen Umstän­den zurückgestellt werden. Die Entscheidung darf ausschließlich von ber Ueberlegung bestimmt werden, daß mit jeder Tonne Stahl unseren Soldaten mehr unb noch bessere Waffen in die Hand gegeben werden. Den deutschen Arbeiter unb ben deutschen Techniker fordere ich auf, dieser Aktion durch zusätzlichen Arbeitseinsatz in der Freizeit zum Erfolg zu verhelfen. Gelegentlich meiner Besuche in ben Betrieben werde ich mich davon überzeugen, daß mein Appell eine unserer Zeit würdige Ant* wort gefunden hat.-