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Samstag, 14./$oittttag, 15. März 1942

Q & W Q Samstag, 14-/r

Giesjener Anzeiger

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(92. Jahrgang Nr. 62 Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags

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vrühlsche Univerfitätrdruckerri H. Lange General-Anzeiger für Oberhessen H Siehem5chulstraßer--

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wurden 11 Mann getötet und mehrere, verwundet.

Eine halbe Million Zivilpersonen ist von den englischen Behörden aus Kalkutta bereits ab- transportiert worden. Auch die nicht durch beson­dere Obliegenheiten zurückgehaltenen Zivilpersonen von Karachi, der wichtigen Hafenstadt an der Indus-Mündung nahe der Nordwestgrenze, sind von bien" englischen Behörden aufgesordert worden, die Stadt zu räumen. Der Nationalistenführer Pandit Nebru hat die Verteidigungsvorbereitungen der britischen Behörden in Indien, die eine wahre Panik unter der Bevölkerung Hervorrufen, scharf kritisiert. Nehru betonte, daß die Evakuierung der Küstenstädte keine Lösung des Derteidigungspro-

Oer Heldengedenktag.

Berlin, 14. März. (D31B.) 3n den Mit­tagsstunden des 15. März wird die V ehr- macht in besonders feierlicher Form der Toten des jetzigen Krieges und des Weltkrieges gedenken. Der feierliche Staatsakt, bei dem ein Kranz des Führers niedergelegt wird, wird auf alle deutschen Sender übertragen.

Sieg um jeden Preis!"

Nr. Goebbels spricht auf dem Wiener Heldenplatz am 4. Jahrestage der Heimkehr ins Reich

Blutiger Terror in Indien.

Zusammenstöße mit der britischen Polizei. Umfangreiche Evakuierungen.

mögen; wir wissen aber erst recht, was wir auf» bringen können."

Dr. Goebbels sprach dann davon, wie unsere Gegner mit Bangen und Grauen den Frühling heraussteigen sähen, der ihre letzten Hoffnungen zunichte mache, der aber umgekehrt uns neuen Mut und neuen Glauben gebe und unsere in den Wintermonaten vielfach gebundenen Kräfte wieder löse.Niemand von uns streitet ab", so fuhr Dr. Goebbels fort,daß wir einen harten Winter hinter uns haben. Schwere Opfer, Strapazen und Anstrengungen mußten unsere Soldaten vor allem an der Ostfront aufgebürdet werden. Mancher brave Sohn, Gatte oder Vater hat in diesem harten Winter fein Leben für die Freiheit und Groß« seines Vaterlandes und seines Volkstums hinae- geben. Wir in der Heimat haben angesichts dieses heroischen Opfers unserer Soldaten keinen Grund zur Mage. Wir klagen auch nicht, sondern wir neh­men willig alles auf uns, was von uns gefordert wird. Wir haben dabei das Bewußtsein, daß aus dem Opfer der Front und aus den Entbehrungen und Belastungen der Heimat insgesamt jene groß» artige Leistung erwächst, die uns das Recht gibt, mit unseren Achsenfreunden führend unserem Erd­teil voranzuschreiten.

Dieser Krieg ist zum erstenmal in unserer Ge­schichte ein Volkskrieg in des Wortes bester Bedeutung; er wird nicht nur vom ganzen Volke, sondern auch für das ganje Volk geführt. Der Führer hat gesagt, er werde aus diesem Kriege als ein noch fanatischerer Nationalsozialist als bisher heimkehren. Das soll für uns alle eine Mahnung und Aufforderung sein. In diesem Kriege wollen wir den Nationalsozialismus weniger lehren als leben. Er soll die Basis unserer Kriegführung sein. Die Lehren, die der Führer uns gab, müssen und werden sich in diesem Krieg bewähren. Vereinigen Sie sich mit mir in dem Glauben an die Große und Unsterblichkeit unseres Volkstums, an die glan­zende Zukunft unseres Reiches und an den Corn* i menden sicheren Sieg!"

wirklich beantwortet werden kann im Verlaufe des Prozesses doch noch gestellt werden.

Die Verteidigung hat mit viel Emphase diesen Prozeß als ein politisches Verfahren gegen die Dritte Republik kennzeichnen wollen. Ernsthaft wird dies von niemand bestritten. In -keinem Land werden einem gestürzten Regime Lorbeerkränze gewunden, und schon gar nicht in Frankreich, was der Ge- chichtsprofeffor Daladier, der sich gelegentlich als )en letzten Jakobiner bezeichnet hat, eigentlich wis- en sollte.

Hat das abgedankte Regime der Dritten Republik eine Untauglichkeit gerade durch die allzu beredte Verteidigung Daladiers bewiesen, so hat die Ver­nehmung Gamelins sie durch dessen Selbstver­urteilung und die entgegengesetzte Haltung noch be­kräftigt. In der kurzen Zeitspanne des Verhörs des angeklagten Generals hatte man das Gefühl, einem betrübenden Schauspiel beizuwohnen. Ist nicht der Soldat, der neun Jahre lang eine ohne Zweifel ruhmreiche militärische Tradition seines Landes ver­körperte, eine tragische Figur? Ist es die Schuld der Welt an sich oder das Verbrechen eines Men­schen unter dem Druck übermächtiger Gewalten? Bei allem Verständnis für die Lage eines Mannes, der diesen gefürchteten Sturz getan hat, muß man sagen, daß diese Vernehmung bei den Zuhörern peinlichste Gefühle ausgelöst hat. Daß General Gamelin schweigt, daß er wir wissen es nicht als Cönnetable Frankreichs nur von die­

sem Kreis gerichtet werden möchte das alles könnte man noch verstehen.

An diesem Nachmittag im Gerichtssaal von Riom, als der Repräsentant einer der ältesten militärischen Traditionen Europas im Sakkoanzug jetzt mit ge­senktem Kopf, dann wieder pathetisch eine Erklä­rung verlesend, vor seinen Richtern stand, haben wir an einen anderen geschlagenen General denken müssen: an Benedek, den Besiegten von König- grätz. Ist Gamelin ein Benedek? Er schweigt um der Armee willen. Er antwortet vor Gericht auf keine Frage, nicht einmal bann, wenn er der Ehre der Armee damit nützen könnte. Indessen ist die strenge Haltung ohne jede Konsequenz, denn der schweigsame General ist im Untersuchungsgefäng­nis geblieben, was er in den Tagen seines Glanzes war: der Stratege, der die Schlachten Frankreichs mit Akten schlug, der das Erbe Turennes und Na­poleons in Bürokratie versinken ließ. Benedek wußte genau, daß er, der Spezialist für Italien, 1866 in Böhmen fehl am Platze war. Gamelin hat in den neun Jahren, in denen Frankreich der Katastrophe zusteuerte, nicht einen Augenblick das Gefühl der Unzulänglichkeit gehabt. Wenn sein Fall eine Tragödie ist, bann deshalb, weil Gamelins Schicksal so augenfällig dem Schicksal seines Volkes gleicht, das in einer veränderten Umwelt seine Rolle weiterspielen wollte, der es' längst nicht mehr gewachsen war, das nur noch vom Schein lebte, während es seinen Bestand längst aufgezehrt hatte, in einer seltsam unwirklichen Atmosphäre, wie sein General Gamelin, der sich in seinem Haupt­quartier fern der Front die Zeit mit Kunststudien und schöngeistigen Gesprächen vertrieb. In diesem Bereich, zwischen Schein und Wirklichkeit, liegen die wahren Ursachen der französischen Niederlage.

Wien, 14. März. (DNB.-Funkspmch.) Die Er­innerung an jenen Frühlingstag des Jahres 1938, an dem der Führer Wien und die Alpenländer heimholte ins Reich, beging der Reichsgau Wien der NSDAP, mit einer Kundgebung auf dem Hel­denplatz. Reichsminister Dr. Goebbels und der Gau­leiter von Wien, Reichsleiter von Schirach, sprachen von der Terrasse der Hofburg aus.

Dr. Goebbels übermittelte zunächst der Be­völkerung der Donau- und Alpengaue die Grüße des Führers und des deutschen Volkes zu dem stol­zen Erinnerungstage. Dann fuhr er fort:Der bri- tische Ministerpräsident Churchill (stürmische Pfui- Rufe) hat vor einigen Tagen ein paar Juden aus dem ehemaligen Systemösterreich empfangen (er­neute Pfui-Rufe) und ihnen aus der tiefen Kennt- nis der Berliner und Wiener Volksseele heraus er­klärt, daß ein unüberbrückbarer Gegen- s a tz' zwischen Berlin und Wien bestehe und daß es auch unserer nationalsozialistischen Propaganda nie­mals gelingen werde, diesen Gegensatz zum Ver­schwinden zu bringen (stürmisches Gelochter). Sie geben selbst darauf die Antwort. Ich bin der Mei­nung, daß es überhaupt müßig ist zu fragen, welche Stadt in Deutschland die bessere Stimmung aufzu- wcisen habe. Wir haben alle nur eine St i m - m u n g und zwar die, die uns die Kraft und Ent­schlossenheit gibt, trotz aller Belastungen diesen Krieg bis zum großen Sieg durchzuführen (anhaltende Siegheil-Rufe). In dieser Entschlossenheit unterschei- den' sich die Oesterreicher von den Preußen ebenso wenig wie die Bayern von den Sachsen ober Würt­tembergern. Wenn es im dritten Jahr des ersten Weltkrieges vielfach schon hieß:Frieden um leben Preis" so heißt es im dritten Jahr dieses Krieges im ganzen deutschen Volk nur: Sieg um jeden Preis! (tosende Zustimmungskundgebungen). W:r haben gewußt, daß dieser Krieg uns vor schwere Belastungen stellen würde. Wir scheuen sie nicht. Denn der Führer hat uns nicht gerufen, em beque­mes Leben zu führen, sondern mit ihm G e - s chi ch te zu m a che n. Und Geschichte wird heute.

Streiflichter aus Jtiom

Von unserem Dr. K.-Korrespondenten.

Riom, März 1942.

Ms zu Beginn des zweiten Verhandlungsab- schnittes in Riom der öffentliche Ankläger das Wort ergriff, hatte man plötzlich das Gefühl, als habe sich das Blatt gewendet. Kurz vor dem Abschluß dtzr Vernehmung Daladiers wehte ein anderer Wind. Voreilige Betrachter haben aus dem bisherigen Prozetzverlauf schließen wollen, daß dieser Ange­klagte stark genug wäre, dem Gericht wie dem An­kläger die Bahn des Prozesses vorzuschreiben. Der Ankläger, der gelegentlich ein paar Zwischenbemer­kungen machte, der Angeklagte, der hinter seinem Pult eine Geschichtsvorlesung zu halten schien, führ­ten sie eine angenehme temperierte Unterhaltung unter Weltmännern ober ein Verhör in dem pein­lichsten Prozeß ber französischen Geschichte?

Als diese fast wohlwollende Konversation dem Ende zuging, holte der Ankläger zu einem kurzen Gegenstoß aus. Was er sagte, war nicht einmal so wichtig, aber der Ton machte die Musik. Es war ein scharfer Luftzug in dieser Salonatmosphäre und ein Vorgeschmack kommender Gefechte. Wer scharf hingesehen hat, konnte vom ersten Tage an zwei­feln, ob die hohen Magistrate in den breiten Her­melinkragen richtig ausgewählt wurden, sie haben zugehört und die Angeklagten sprechen lassen, ohne ihnen eine Hemmung aufzuerlegen. Man sollte nicht sagen können, daß man ihnen die Verteidigung be­schränkt habe, vor allem nicht im Falle Daladier.

Aber das alles war nur ein Vorspiel. Bis jetzt

Genf, 13. März. (Europapreß.) In allen Teilen Indiens, von der Nordgrenze bis nach Madras hinunter, sind nach englischen Meldungen Auf- tände gegen d i e britische Herrschaft ausgebrochen. Bisher wurden 3* Personen, über­wiegend Inder, getötet und 35 verletzt. Besonders beunruhigend sind britenfein'dliche Kundgebungen in Kalkutta, Bombay und Madras. Dort ereigneten sich in zwei großen britischen Jndustrie- werken schwere Fälle von passiver Resistenz der indischen Arbeiter. Die britischen Werks- und Ab­teilungsleiter mußten Polizei zur Wiederherstellung der Ordnung anfordern. Das Vorgehen der Polizei erforderte 18 Tote und 21 Schwerverletzte. In Pundjab mußte die britische Grenzpolizei, die nicht in der Lage war, die Bewegung der Inder zu unter­drücken, Truppen zur Verstärkung anfokdern. 60 gut bewaffnete Inder hatten sich gegen die britische Uebermacht verschanzt und leisteten mehrere Stun­den Widerstand. Hierbei hatten die Engländer acht Tote und 14 Verwundete. Auf der Seite der Inder

gemacht. Wenn es im Zusammenschluß dieser Gaue mit dem Reich bis 1939 vielleicht noch einige Uneben­heiten gegeben hat; diese Unebenheiten sind durch bas Blut, bas so viele Solbaten ber Donau- unb Alpengaue für bie Sache des Reiches vergossen haben, verkittet worben. Was 1918 noch ein Sehn­suchtsschrei war, ber Ruf nach einem Reich, einem Volk unb einem Führer, bas ist auf bem Schlacht- felbern biefes Krieges Wirklichkeit geworben, auf Denen Solbaten ber Donau- unb Alpengaue neben Preußen, Bayern, Württembergern, Sacksen unb allen anberen beutschen Stämmen kämpften, unb auf benen sich keiner mehr als Preuße oder Oester­reicher ober Bayer, sonbern alle nur als beutsche Solbaten fühlten. (Brausende Bei­fallsrufe.) Unter immer neuen Beifallskundgebun­gen stellte Dr. Goebbels bann fest, baß ber fommenbe Frühling unb ber fommenbe Sommer Europa sei­ner neuen Gestalt wieder entscheibenbe Schritte näherbringen würben.Ich weiß", so fuhr er fort, bah unsere Gegner bas nicht wahrhaben wollen. Es war immer ihre Tragik, baß sie unsere Prophe­zeiungen nicht ernst genommen haben. Man barf nicht annehmen, baß man ein Weltreich, bas in Drei Jcchrhunberten aufgebaut worden ist, in brei Monaten zum Einsturz bringen könnte. Aber ein Schlag nach bem anberen wirb das britische Welt­reich so lange treffen, bis es eines Tages z u B o - b c n sinken wirb. Währenb bas Reich sich stän- big neu festigt unb aus feinen unerschöpflichen, moralischen, wirtschaftlichen unb militärischen Re­serven neue Kräfte schöpft, ist bas britische Welt­reich in einen unheimlichen Prozeß einer schleichen- ben Krise hineingeraten. Geschichtlich gesehen, wird es nicht mehr lange dauern, bis das ein ft fo stolze Gebäude in sich zusammenbricht unb nur noch ben Anblick ck.ies politischen, wirtschaftlichen unb mili­tärischen Trümmerhaufens bietet. Herr Churchill unb Herr Roosevelt können uns mit ihren phanta­stischen Zahlen und ihren Zukunftsprognosen nicht imponieren. Wir wißen, was sie aujjubringen ver­

hoben die Angeklagten ungehindert monologisiert. Die Anklage hat geschwiegen. Hingegen hat Daladier alle Register gezogen und wahrscheinlich alle seine Karten aufgedeckt. Wie er seine Verteidigung ge­führt hat, auf seine Papiere gebeugt, bald zum Gericht, bald zum Ankläger, bald mit einer halben Drehung zu ben Journalisten geroenbet, feine Brille lässig auf» unb ab setz end, als fei er noch wie einst Eeschichtsprofessor, ber feiner Klaffe einen Vortrag - zu halten hat, das ist im Rahmen des parlamenta­rischen Genres ohne Zweifel eine große Leistung gewesen, aber doch nur ein echt parlamentarischer Augenblickserfolg. Man fühlte sich in das Forum i ber alten Zeit zurückversetzt, schrieben die franzosi-i fchen Zeitungen, das ist richtig, was ben Redner anging, und falsch, was bas Publikum betrifft, wenn auch die Richter an dieser Beredsamkeit ab glitten. Der französischen Presse wäre, selbst, wenn sie sich zum Sprachrohr der Apologie Daladiers machen wollte, bie Zensur im Wege, die nur Prozeßberichte für die reifere französische Jugend zuläßt. Das Volk ist lediglich durch ein paar Besucher vertreten, unb

. die nichtfranzösischen Zuhörer dieses einzigartigen Schauspiels hatten wohl folgendes zu sagen:

Daladier ist, wenn man seine Beredsamkeit den Behauptungen ber Anklage gegenüberstellt, ein ganz großer Prophet gewesen, Cassandra und Herkules in einer Person. Er hat alles vorausgesehen, alles1 vorausgewußt. Wenn er wie er Jagt 1934 statt Doumergue bie Macht gehabt hätte, er hätte mit Freuden ein Abrüstungsprogramm mit Deutsch­land unterschrieben. So ist er erst 1936 an bie Macht gekommen. Trüber Ahnungen voll, rote die Prophetin des Unheils, hat er Leistungen rote die Helden ber griechischen Sage vollbracht, roie keiner vor ihm hat er, feiner Meinung nach, bas größte Rüstungsprogramm ber Franzosen aufgestellt- eine industrielle Mobilmachung ohnegleichen. Er hat die soziale Gefahr bezwungen, Generalstreiks a-bge- dreht, Fabriken vor ber Besetzung durch aufrühre­rische Arbeiter beschützt. Er hat, so faate er, un­ermüdlich geplant und gearbeitet, Rohstoffe unb Maschinen nach Frankreich gebracht, Befestigungen projektiert, die französische Industrie auf hohe Touren gebracht.Ich allein habe die Gefahr ge­sehen, ich allein habe gehandelt", das ist das Leit­motiv, das in vielen Abwandlungen wtederkehrt. Nun hat Frankreich ben Krieg verloren, das war aber nicht meine Schuld", sagt Daladier.Wenn die Elite der Armee untätig in ber Maginotlmie fest- gehalten wird, wenn Material für 20 bis 30 Mil­lionen in den Arsenalen liegt, statt an bie Front geschafft zu werden, wenn Militärs so hanbeln, bann endet meine Verantwortlichkeit."

Das alles ist ohne Zweifel sehr geschickt arran­giert unb für eine Zuhörerschaft von bem Fassungs­vermögen französischer Parlamentarier zweifellos auch bie wirksamste Argumentation. Aber hier hat es Daladier mit einem anderen Publikum zu tun Hier sind Richter, bie Aktenberae gewälzt haben unb andere Beweisstücke in Bereitschaft halten, als die Blüten des Selbstlobs, die Daladier forg-altig gesammelt hat. Hier warten Folgen, bie auf bas allzu gefällige Bild erhebliche Schatten werfen. In einem flüchtigen Zwischenspiel, bas ben Ernst des ganzen Saales vor ein paar Tagen in allgemeine Heiterkeit verwanbelte, hat Dalabier seinen Der- teibigungsplan wie seine heimlichsten Wünsche ent­hüllt, als er sagte, er wolle, damit die ganze Wahr­heit offenbar werbe, alles sagen, was er wisse, in die Welt hinausrufen, bevor es zu spät, nämlich ber Prozeß vertagt sei. Man fei, so sagte er auf bie erstaunte Frage des Präsidenten, im Gefäng­nis sehr gut unterhalten. Nichts Besseres konnte sich Daladier wünschen, als daß sein Prozeß nach feiner Selbstverherrlichung ein vorzeitiges Ende fände unb das Bild eines Staatsmannes zurückriefe, berdas Beste nicht nur gewollt, sondern auch vollbracht hat". Aber die Widersprüche Daladiers sind zu offen» kundig. Eben sagte er noch, daß Frankreich aus­reichend gerüstet war, und gleich darauf, daß im Augenblick des Kriegsausbruchs fein großes- ftungsprogramm noch gar nicht vollendet war.

Hier wurde übrigens der wunde Punkt biefes Prozesses klar. Der Anklage ist verboten, die einzig wichtige, aber nieberschmetternde Frage an ben Mi- nifterpräfibenten des 3. September 1939 zu richten: Und wenn, wie Sie sagen, Ihr Riistungsprogr nnm noch nicht vollendet mar, roie haben S i e dann den Krieg erklären können?" Vielleicht wird diese Frage bie einzige, bie das Volk wirklich intereffiert und bie einzige, die auch

A» der Schwelle Indiens.

Mit der Eroberung Ranguns, der Hauptstadt Burmas, und bem weiteren Vormarsch nordwest» märte verfolgen bie Japaner nicht nur ben Zweck, ben Tschungking-Truppen ihre letzte Zufahrtstraße von Süden her zu sperren, sondern auch ben Zu­sammenhang zroischen ben Briten unb ihrem Tschungking-Verbündeten überhaupt praktisch zu burchschneiden. Der dem Marschall Tschiangkaischek als Generalstabschef beigegebene amerikanische Ge­neral Stillroell soll sich bereite auf ber Suche nach neuen Verbindungsroegen befinden. Aber je schnel­ler es den Japanern gelingen roird, ihre Erfolge in Burma strategisch auszuwerten, um so hoffnungs­loser wird bas Bemühen ber Verbündeten sein, einen brauchbaren Ersatz für den verlorenen Zu­gang zur Burmastraße zu finden. Die drohende Um­fassung des Golfs von Bengalen von der Jrawadi» zur Ganges-Mündung muß bie Verbündeten zwin­gen, diesen Zugang weitab von ber Küste zu suchen. Die Zufuhren von Kriegsmaterial, auf die Tschungking angewiesen ist, wenn.es ben Krieg in China weiterführen ober gar in Jnbien zur Ent­lastung des britischen Verbündeten beitragen will, müßten also einen noch sehr^viel längeren und durch den Gebirgscharakter bedingten sehr viel schwierige­ren Landweg zurücklegen als bisher. Wenn man sich erinnert, welchen Aufwand an Mühe und Zeit die Fertigstellung ber Durmastraße ehemals ver­ursacht hat, so ist kaum abzusehen, ob bie Alliierten überhaupt noch Muße finben werden zu einem ähnlich kostspieligen und langwierigen Straßenbau ober ob sie sich mit bem Vorhandenen begnügen müssen, was freilich die militärische Schlagkraft Tschungkings in China selbst roie seinen Nutzen als Menschenreservoir für bie Verteibigung Indiens sehr erheblich mindern müßte.

Mit bem Vormarsch in Nordburma sind die Ja» paner im Begriff, den nordwestlichsten Zipfel des Indischen Ozeans zu umfassen. Aber die Front, in ber bie Japaner an ben Gestaben biefes dritten Weltmeeres erschienen sind, bas bie Briten gerne als ein Binnengewässer ihres Empire betrachten, ist bereits zu einem gewaltigen Bogen erweitert durch die vorausgegangene Besetzung der Malayen- Halbinsel unb wesentlicher Teile ber Insel Sumatra roie schließlich burch die Eroberung Javas und bie tatsächliche Beherrschung ber anschließenben Insel­welt bi? zum australischen Kontinent. Die Schlacht in der Java-See am 27. unb 28. Februar, mit ber die Japaner die Landung auf ber Insel Java er» zwangen, hatte ben Alliierten ihre letzten Seesteeit- kräfte in der Südsee gekostet, bie japanische Kriegs­marine hat also ben Rücken frei und ist bereite in ben Indischen Ozean vorgestoßen, wo weftlich von Australien der nordamerikanifche KreuzerMarble- beab" versenkt und süblich von Java bie britischen Christmas-Inseln beschossen wurden, bie, ebenso wie die tausend Kilometer weiter westlich gelegenen Kokos-Jnseln zwar nur niedrige Koralleneilande mit ein paar malaiischen Fischern sind, aber als Flug­häfen, Funkstationen und Kabelstellen für ben Ver­kehr zwischen Australien unb Indien militärische Be­deutung haben. Bei den Kokos-Jnseln wurde ubri-

blcms fei, sondern nur dazu biente, Nervosität hervorzurufen. Nehm hat deshalb bie Bevölkerung aufgeforbert, bie Anordnungen ber Regierung nicht zu befolgen.

Oer CRuf nach einer Offensive.

L i f f a b o n, 14. März. (Europapreß.) Der Staats­sekretär im USA.-Krieasministerium, Patterson, sagte über ben Runbsunk, baß Marine unb Heer ber Vereinigten Staaten sich barauf vorbereiten müßten, den Krieg in bas Öanb des Feindes z u trage n. Er selbst wisse nicht, wann und wo dies geschehen könne; doch sei bie Offensive notroenbig für ben Sieg ber Alliierten. Feinblichen Angriffen gegen bie Küste von Kalifornien unb New Jersey müsse man tatkräftig begegnen. Der Preis, ben bie Alliierten für ben Sieg über bie Achsenmächte zahlen müßten, werde sehr hoch sein. Jeder Staatsbürger müsse Opfer bringen, denn für Amerika käme es jetzt nicht nur darauf an, selbst zu rüsten, auch Tschungking, England und Australien müßten mit Kanonen, Tanks unb Flugzeugen versorgt werden.

Stillwell sucht neue Wege nach Tschungking.

Lissabon, 13. März. (Europapreß.) General­leutnant S t i l l w e l l, ber vor kurzem zum Gene­ralstabschef des Marschalls Tschiangkaischek ernannt würbe, befindet sich auf einer Besichti- gungsreise in Norbburma. Die Reise wird mit der Suche nach einer neuen Verbinbungs- straße für Tschungking-China in Ver­bindung gebracht.