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Nr. 2(5 Zweites Blatt

Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

12./13. September 1942

Berufsausbildung durch die Deutsche Arbeitsfront.

Zusätzliche Ertüchtigung des Nachwuchses aller Schaffenden.

Das Berufserziehungswerk Gießen der Kreiswaltung Wetterau der Deutschen '21 r« deitsfront bat in diesen Tagen zu Anmel­dungen zu den demnächst beginnenden neuen Lchracmeinschasten ausgerulen. '21 u9 diesem Anlaß baden wir uns mit dem Kreisberufs- walter Hofmann, dem derzeitigen Leiter des Berufserziehungswerkcs Gießen, über '2lrbcit und Ziel dieser Lehrgemeinschasten untertzalten.

Seit, dein Winterhalbjahr 1935/36 führt die Deut­sche Ardeitssront. Kreiswaltung Wetterau in Gie­ßen. auch in unserer engeren Heimat das Werk der zusätzlichen Berufserziehung und Berufsförderung durch. Eines der Hauptmittel dieser die Praxis er- gänzenbcn Beruisausvildung ist die Veranstaltung von Lebrgemeinschaften. Diese bestehen aus über­betrieblichen. an denen sich Angehörige aller Be­rufe aus allen Wirtschaftszweigen beteiligen rön­nen, und aus betrieblichen, die nur für die Gefolg­schaften der betreffenden Betriebe zugänglich sind. Als Uebungsleiter find durchweg erfahrene und bestens ausgebildete Männer der Praxis am Werk, die aus dem reichen Schatze ihres allgemeinen und beruflichen Wissens und Könnens sowie aus ihren Erfahrungen dem Nachwuchs die bestmögliche zusätzliche Berufsausbildung als Beisteuer der Deut­schen Arbeitsfront zur Verbreiterung und Vertiefung der Leistungsfähigkeit aller schaffenden deutschen Menschen zuteil werden lassen. An den Lebrgemein­schaften nehmen durchschnittlich 20 bis 30 Lernende im Alter von 14 bis 40 Jahren teil. Der Kreis der Lernenden, und zwar Männer und Frauen, Jun­gens und Mädels im Berufsleben, ist in der Höchst­zahl auf 30 begrenzt, dagiit der einzelne Lehr­gangsteilnehmer von dem ' Uebungsleiter in per­sönlicher Weise ausgebildet und gefördert werden kann, nicht aber etwa in einer Massenausbildung nur so ..mitschwimmt" und am Schlüsse der Unter­richtszeit doch keinen rechten Nutzen erlangt bat. Das Ziel der zusätzlichen Unterrichtsarbeit, die eine Ergänzung der praktischen Ausbildung am Arbeits­plätze darstellt, besteht darin, alle geistigen Kräfte und fachlichen Fertigkeiten zur weitesten Entfaltung zu führen, um dadurch in Höchstem Maße qualifi­zierte Arbeitskräfte für die großen Ausgaben der Gegenwart und für die noch größeren Erforder­

nisse des riesigen Aufbaues nach dem Kriege zur Verfügung zu stellen.

Der Ausbildungsplan der Lebrgemeinschaften ficht für alle Berufe folgende Unterrichtsfächer vor: Gutes Deutsch, Schönschreiben und Allgemeines Rech- neu. Daneben sind für die Angehörigen der tauf- männifchen 'Berufe vier Ausbildungsgruppen vor- jefeben: 1. Kaufmännisches Rechnen, 2. Plakat- chrift, 3. Fachkundliche Vortragsreihen, 4. Buch- ülirung, 5. Förderlehrgemeinschaft für kaufmän­nische Lehrlinge im dritten Lehrjahr. Hier wird in der ersten Gruppe das kausmännische Rechnen in zwei Stufen gelehrt: in der zweiten Gruppe die Schrift im Plakat dem Lernenden nahegebracht: als dritte Gruppe sind in den fachkundlichen Vortrags­reihen Vorträge über Landesprodukte und Kolonial­waren. Textilrohstoffe, Eisenwaren uni) Hausbedarfs- artikel sowie über'^erkausskunde vorgesehen: im Rahmen dieser Vorträge werden für die verschieden- ten Berufe die einschlägigen Fachthemata behandelt, o daß der Kreis der Auszubildenden sehr weit ge- aßt werden kann. In der vierten Gruppe wird die Buchhaltung in drei Stufen >gelehrt, außerdem ist noch die einfache Buchführung für Kleinbetriebe (Handel und Gewerbe) als Unterrichtsgegenstand vorgesehen. Der Förderlehrgemeinschaft für kauf­männische Lehrlinge im dritten Lehrjahr als fünfte Gruppe werden Betriebswirtschaftslehre. Bnchhal- hing und Kaufmännisches Rechnen in umfassender Weise geboten. Stenographie und Maschineschreiben nehmen im Lehrplan ebenfalls breiten '.Raum ein und bringen in der Stenographie die Einführung in die Grundbegriffe der Verkehrsschrift, weiterhin die Derkehrsschrrft in der Praxis und Diktat in der Ver- kehrsschrift, ferner Einführung und Praxis in der Eil­schrift. schließlich schnellschriftlicheUebungsgerneinschaf- len; im Maschineschreiben wird zunächst die (Einfüh­rung in das Zehnfingertaftschreiben geboten, dann folgt die Praxis, der sich der Unterricht für Fort­geschrittene in der Praxis des Maschineschreibens anschließt. Für die Angehörigen der Fachgruppe Eisen und Metall" sind Lehrgänge im technischen Rechnen und technischen Zeichnen, je in drei Stufen, eingerichtet, in denen von erfahrenen Ingenieuren Unterricht erteilt wird. Außerdem besteht in dieser Abteilung noch eine Förderlehrgemeinschaft für Lehrlinge im letzten Lehrjahr.

Unter 'Betreuung durch das Berufserziehungswert Gießen werden die Lehrgänge in Gießen, Butzbach, Bad-Nauheim, Friedberg. Alsfeld und Lauterbach durchgeführt. Die Beteiligung an den Lehrgängen mar in den verflossenen Jahren ersreulicherweiso sehr rege; durchschnittlich nahmen 20 bis 30 Ler­nende an jedem Lehrgang teil. Die Lehrgänge sind Arbeitsgemeinschaften mit dem Ziele, den einzelnen Teilnehmer nicht etwa nur mit den Anfangsstadien des Unterrichtsstoffes vertraut zu machen, sondern ihn in seiner Ausbilbungsarbeit immer weiter emporzuführen, bis er das höchste Ziel, die volle EntfaUungsmöglichkeit für alle feine Fähigkeiten, erreicht Hat. Zu diesem Zwecke werden über dis einzelnen Lehrgangsteilnehmer genaue Aufzeich­nungen geführt, die sich nicht nur auf seine Arbeit in der Lebrgemeinschast erstrecken, sondern auch seine praktischen Leistungen an der Arbeitsstätte erfassen. Alle Schaffenden mit guten Leistungen werden für Die Begabtenförderung in Vorschlag ge­bracht. damit ihre Leistungen immer weiter ge­steigert werden können unb dadurch unsere Volks­gemeinschaft von der Leistungsfähigkeit des einzel­nen Menschen den größten Vorteil erhält. Da in allen Lehrgemeinschaften der Unterricht von Uebungsleitern mit umfassender Allgemein- unb Fachbildung erteilt wird, die in ihrem hauptberuf­lichen Wirkungskreis hervorragende Leistungen voll­bringen, ist für die Schüler und Schülerinnen von vornherein die Gewähr gegeben, daß sie die denk­bar beste Ausbildung erhalten und zugleich aus der reichen Quelle der (Erfahrungen des Hebung«- leiters Nutzen ziehen können

Die Deutsche Arbeitsfront leistet mit dieser Aus­bildungsarbeit am und für den Nachwuchs der schaffenden deutschen Kräfte einen bedeutsamen 'Beitrag zur Aufwärtsentwicklung und Weltgeltung unseres Volkes. Sie erfüllt hierdurch eine der wesentlichen Vorbedingungen für die große FüH- rungflaufgabe, die unserer Volksgemeinschaft bei dem große)! Aufbauwerk nach dem Kriege in Eu­ropa unb in der Welt obliegen wird. Darum ver­dienen diese Lehrgemeinschaften als ein Mittel zur Erschließung aller deutschen Befähigungen das be­sondere Interesse und die rege Beteiligung der Schassenden aller 'Berufe unb Stände unseres Volkes. B.

Aus der Stadt Gießen.

Tadeln ist leicht...

In dem Geschäft herrscht starker Andrang. Die ertäuferinnen haben alle Hände voll zu tun und mtühen sich offensichtlich, die Wünsche der Kunden !,nell zu erfüllen. Sie verrichten gewandt jene tau- nd kleinen Handgriffe, die in einem Lebensrnittel- schäft notwendig find. Trotzdem scheint es lischt len Kunden schnell genug zu gehen.Das dauert scheußlich lange", brummt ein älterer Herr, der jjine Lebensmittelkarten mit ausgestrecktem Arm Iber den Ladentisch hält,ich warte hier schon fast eine halbe Stunde." Er wartet zwar erst ganze iliiif Minuten, doch wird ihm sofort von einer Frau Ui mittleren Jahren eifrig sekundiert:Es Ist wirk­lich nicht zu sagen, warum das so langweilig gehen muß, wir warten doch nicht zum Zeitvertreib. Na, Kenn ich hier etwas zu bestellen hätte ..."

Zum Glück hat sie nichts zu bestellen, beim sonst Wirde die wie am Schnürchen klappende Drgani- s tion des Geschäftes mit einem Schlage lahmgelegt Kerben.Tabeln ist leicht, besser machen ist schwc- r r", sagt beshalb ein schlanker Mann in der Reihe d r wartenden Kunden. Er wendet sich direkt an die unzufriedene Frau:Haben Sie schon einmal hin- Idem Ladentisch gestanden und Kunden bedient?" e A»geredete bekommt einen roten Kopf.Aber bitte Sie, sehe ich wie eine* Verkäuferin aus?" re Nasenflügel beben vor Zorn.Natürlich nicht, i; habe ich mir gedacht", schmunzelt der schlanke ann,Sie machen es eben wie die (Ente, die die lchtigall über den Gesang belehren will." Die udelnde Erwiderung der Frau geht unter im gemeinen Gelächter, das sogar den brummen- ttn älteren Herrn mitreibt. Auch die Verkäufe­rinnen freuen sich, das Wortgefecht hat eine heitere Ä mos p re geschaffen, bie dem Geschäftsbetrieb nur fiebernd) ist.

Es geht nicht nur beim Einkäufen so. 6old)e Hauen wie jene, die die treffende Abfuhr erlitt, leuchen auch bei anderen Gelegenheiten auf. Mit- m ter ist es auch ein Mann, der sich zur unange­brachten Kritik versteigt, unb wenn wir ehrlich finb, giben wir zu, baß wir selbst dann und wann ein Bärtchen am falschen Platze riskieren. Das Tadeln iss ja so leicht und so bequem, es kommt spielend ülcr die Zunge und verpflichtet zu nichts. Freilich, mmn wir die getadelte Sache Immer besser machen sollen, würden mir unsere Zungen wohlweislich f iten, mit dem Tatze! vorsichtiger sein und manchen f inen Aerger vermeiden, an dem der Alltag ohne- | n reich genug ist. Sch.

Künftig zwei große Feldpostpäckchen im Monat zulässig.

Wehrmachtangehörige usw., denen Zulassungs- imrfen für Feldpostpäckchen zustehen, erhalten fünf- tis statt der einen Zulassungsmarke zwei Marken in Monat. Jede Zulassungsmarke berechtigt zum A rsand eines- Feldpostpäckchens im Gewicht bis zi 1000 Gramm aus der Heimat. Die Versandvor- Kristen sind dahin erweitert worden, daß auch Feld- pistpäckchen dis zum Gewicht von 2000 Gramm zu- mlassen werden, wenn der Absender dafür zwei Hilassungsmarken auf das Päckchen fleht. Die Frei- flinihr für Päckchen im Gewicht von über1'000 H. 2000 Gramm beträgt 40 Rpf.

Hotvieh-Absahveranstaltung in Gießen

Die vorletzte Rotvieh-Absatzveranstaltung 194A Züchtervereins für Rotvieh Qberhesfen am oc tri gen Freitag in der Zuchtviehhalle Rhein-Main ii Gießen war wiederum ein voller (Erfolg. Die am Äge vorher geförten Vatertiere, von denen einer Mr Zuchtwertklasse I, 13 der Zuchtwertklasse II unb 2Q der Zuchtwertklasse 111 zugeteilt wurden, fanden Mi lebhafter Nachfrage restlos Absatz. U. a. waren (!f ikaufskommissionen aus Schlesien, (Egerlanb, dem (toneralgouvcrnement unb Westfalen erschienen. Die iii Wertklasse I unb II gekörten Vatertiere stellten sotr gute Qualität bar, so baß gerade diese beiden Kliffen lebhaft gefragt waren: verschiedene Vater- tire mußten aus diesem Grunde zu den festge- selten Stopp-Preisen burd) die Zuchtleitung züge­lest werben. Darüber hinaus würben alle in Wext- kllsse IV gekörten Bullen neben etwa 70 anberen Al IIen durch eine Kommission für bie Ostgebiete ührnommen, so daß sämtliche Vatertiere restlos vj kauft werben konnten. Außerbem waren 14 meib- li|e Tiere zum Verkauf gestellt, von denen acht ein »falls ihre Besitzer wechselten. Die nächste um letzte Absatzveranstaltung von Bullen des roten Merwiehs findet am Freitag, 4. Dezember, in Eichen statt. \

(Siebener rvochenmarkkprelfe.

.» G i e ft e n , 12. Sept. Auf dem heutigen Wtzchen- wirft fasteten, Tiartenbutter, % kg 1,80 RM., Mulle 30 Rpf., Käse, das Stück 9 bis 10, Kartoffeln, jlß k 60, Wirsing, % kg 7 bis 9, Weiftfraut 5 bis 7, Rotkraut 13, gelbe Rüben 7 bis 10, rote Rüben 8tiö 10, Spinat 16, Römischfohl 8 bis 10, Bohnen, Mi n, 30, Tomaten 25 bis 28, Frühäpfel 35, Zwet- Idirn 30, Salatgurfen 28, Blumenkohl, das Stück 10 bis 40, Salat 8 bis 10, Endivien 10 bis 15, L^rkohlrabi 8 bis 10, Rettich 10 Rpf.

* i* Das Oberkommando der Kriegs- nur ine veröffentlicht in unserem heutigen Blatte Stile Bekanntmachung über die Ossizierslaufbahnen in der Kriegsmarine, auf bie besonders hinge- Wilsen sei.

Landkreis Gieße».

. -1 Watzenborn-Steinberg, 12. Sept. Am heutigen Samstag begeht der Invalide Gg. Heinrich .'Birger II., Hinbenburgstrafte 3, in körperlicher jiunf geistiger Frische seinen 7 5. Geburtstag.

dein Jubilar gilt unser herzlicher Glückwunsch.

Handball der HZ. -

Friedberg Mtv. Gieften.

Sils Abschluft einer leichtathletischen Veranstaltung foitmt dieses Treffen in Friedberg zum Austrag. Cie letzte Begegnung beider Mannschaften endete nut einem Gieftener Siege. Diesmal sind allerdings bie damaligen Voraussetzungen nicht mehr gegeben. Nel'pgt es jedoch, die Mannschaft wesentlich zu ver- flütfen, so sollte es zu einem günstigen Resultat ffliji inen.

Bann Dillen bürg Lang-Göns. lang-Göns folgt einer Einladung nach Dillenburg.

Om Rahmen des dortigen Kreissporttages trifft sie auf die Bannmannschaft des Bannes Dillenburg. Lei allem Können der Gastgebet werden sie doch den den Gasten überlassen müssen.

Theater der Universitätsstadt Gießen.

Oer Troubadour-.

Giuseppe Verdi:

Man hat denTroubadour" nicht mit Unrecht Verdis volkstümlichste Oper genannt. Dafür spricht die reiche Fülle und Eingängigkeit der Melodie, der vitale Impuls der zündenden Rhythmen, besonders aber die Unmittelbarkeit und Unreflektiertheit, mit der Verdi den Stoff erfaßt und ben Hörer mitreißt unb gefangennimmt. Liegt and) die Handlung an sich mit ihrer Motivierung nicht immer klar vor Augen, fo ist sie doch reich an dramatischen Höhe­punkten, die fid) mit gespannter Gelabenheit im Musikalischen ansstrahlen, explosiv, raketenhaft her- ausschnellen, aufleuchten in höchster innerer Erregt­heit. Da mag mancher rein opernhaste Zug gern übersehen sein. Denn gerade amTroubadour" hat Verdi ernfthast gearbeitet; wir wissen, daß er im Ringen um den treffenden Ausdruck mehrfad) die melodische Linie änderte. Zudem war die Schaffens- zeit getrübt durch den Tod der Mutter Verdis: der Textdichter Salvatore Cammarano starb inmitten der Arbeit. Sicher hat diese Seelenlage den stellen­weise dod) büftern Grundton des Werkes beein­flußt und zweifellos die Szenen zwischen Azucena und Manrico mit besonderer Wärme durchglüht.

Nicht nur in den Arien, sondern and) im Ensemble stößt Verdi zu gesdstossener musikalischer Formung vor, bannt die charakterlichen Gegensätze und löst tiefgehende Wirkungen aus, wie etwa in derMi- serere"-Szene, wo sich ^-capellri-Chor, Leonores Ver­zweiflung und Manricos Abschiedsgesang vom Turme her zu ergreifender Einheit fügen. In der Rolle des Manrico erhebt fid) die Musik zum Heroischen und die Azucena-Partie weist sie ins Dämonisd;e: bann wieder jene bezwingende Einfach­heit in dem Duett zwischen Mutter unb Sohn (letzter Akt): erschütternd, wie in bie letzte Auseinanber- sttzung zwischen Manrico unb Leonore bas Heimat­thema hineinklingt.

In seinem fast 90jährigen Bühnenbasein hat ber Iroubabour" als Repertoire-Oper bie verschieben!- lichsten Inszenierungen erlebt, bie wohl gar ben Rahmen bes Werkes zu sprengen versuchten ober sich auch nur auf Allernotwenbigstes beschrankten. Max Schwarze lieft mit schon oft bewährter sicherer, taktvoller Hanb and) benTroubadour" in unver­fälschter eigener Bedingtheit erstehen, frei von dem Verstaubten langer Tradition, gemäft ben in ihm wurzelnben Kräften, unmittelbar packenb, In stärkster Spannung ber bramatischen Höhepunkte gipfelnd, ben Ehor ((Earl Willy Hahn) als beftlmmenbcs

Die Bezirkssparkasse Gießen hielt am gestrigen Freitagnachmittag unter Leitung des stellv. Direk­tors Dietrich ihre diesjährige Mitgliederversamm- lung im Hotel Schütz zu Gießen ab. Nachdem stellv Direktor D i e t r i d) bie Vertreter ber Partei, ber Aufsichtsbehörde unb der Mitgliedergemeinden, ben Verwaltungsrat und insbesondere dessen Vorsitzen- ben, Oberbürgermeister Ritter, Gießen, begrüßt, sodann der auf dem Felde ber Ehre gefallenen Mit- arbeiter der Bezirkssparkasse und der in ber Hei­mat verstorbenen Mitglieder gedacht hatte, erstattete er ben

Geschäftsbericht

des Vechnungsjabres 1941.

In dem Geschäftsbericht wird elnleitcnb festge­stellt, daß die Zahlen bes Jahres 1940 im Berichts­ahr 1941 weit übertroffen wurden. So hat sich bie Zahl ber Umfatzposten im Jahre 1941 gegenüber dem Vorjahr um 32 000, bie Bilanzsumme nm 11700 000 RM auf 54 000 000 RM. unb ber Um- satz auf 214 000 000 RM. erhöht.

Die erfreuliche Bilanzgestaltung des Jahres 1941 ist entscheidend durch die starke Sparein-

Moment der Szene einbezlehenb. Dem fügte sich bas Orchester unter Otto Göllner zur musikalisch- dramatischen Einheit mit Frische des Klanges, schar­fem Rhythmus, treibender Kraft des Impulses und überall» dezenter Anpassung an bie Stimmen. Dabei trugen Karl Löfflers ausgeprägte Bühnenbilber förbernben Anteil, gestützt burd) Karl Uhls Licht- führung.

Verdis Stil fordert vom Darsteller ebenso hohes gesangliche» Vermögen wie eine lebensnahe Durch- gcftaltung des Charakterlichen. Dem vermochte das neugefügte Ensemble in weitgehendem Maße voll­auf §u entsprechen unb ermöglichte für (hießen eine Aufführung von Ausgeglichenheit unb sehr beacht­lichem Hochstand. J3n den dramatischen Brennpunkt rückte zweisellos Barbara Boe11cher als Azu­cena mit einer Verkörperung, die ungemein Den Hörer cmsprechen mußte unb sich zumal im brüten Bild zu hohen, einbrucksvollen, ja säst dämonisch- fpannenben Momenten erhob. Das unheimlich Be­schwörende wurde verstärkt burd) den fülligen, aber ebenso willigen Klang ihres glücklid) postierten Organs, das gefügig in allen Lagen weich nad)gibt und zumal aus dem pointierten dieclamuto un­mittelbar ins Ariofe überzugehen vermag. Die Leonore der Hildegard Ionas wuchs aus dem Lyrischen des zweiten Bildes heraus zum Drama­tischen: weit ausschwingend und klangschön in Der Höhe, mit Fülle Der Entsaltungskrast ber empfin- dungsgebundenen Linie, bei Leichtigkeit unb klarer Ausprägung des an Figurenwerk reichen Partes. Adolf Richters heldisch gefärbter Tenor zeigte Strahlkrafl im Forte unb Schmiegsamkeit in ber ftantilcne. Beherrscht unb gemessen in ber Be­wegung, steigerte er sich zum sieghaft Helbischen. Als Gegenspieler der drei bestätigte Ludwig Druschei fein oft bewiesenes Können mit seiner Durchbildung ber fantablen Linie, in Schönheit und Ausgeglichenheit des Klanges saubere Belcanto- Kunst zeigend Auf ber Höhe des Affekts mar er zu letzter Aeußerung fähig im bramatischen Drauf­gehen, im Auswirken der Verbundenheit zwifd)en Darftellerifchem und Gesanglichem. Dem ersten Bild gab Bernhard Schmi tz als Fernando mit seiner Ballade ausgeprägte Wirkung. Als getreue Inez stand Sophie Schärte! der Leonore mit erfreulicher Anpassung an ihre Aufgabe zur Seite. Der Hörer war halb von ber schwungvollen Auf­führung erfaßt. Reicher Beifall, auch auf offener Szene, war ber Dank. Dr. Hermann Hering.

lagen ft eigerung beeinflußt worden. Der Zu­gang an Spareinlagen betrug rund 10 Millionen RM. Am 31. Dezember 1941 verwaltete bie Spar­kasse 45 Millionen RM. Spareinlagen; gegenüber dem Vorjahre bedeutet bies ein Mehr von 29,13 v. H. (Eine große Zahl neuer Sparer hat wiederum den Weg zur Sparkasse gesunden. Unter Berücksich- tigung ber Abgänge hat sich ber Kontenbestand um 3857 auf 41 153 Konten erhöht. Günstig entwickelt hat sich auch das Schul sparen. Von allen Schulen hat die relativ stärkste Sparleistung die Schule in B u r f 1) ar b s f e 1 b e n erzielt, wäyrenb ber größte Betrag von der Neuen Pestalozzi- schulein Gießen angespart wurde. Da es beim Schulsparen nicht darauf ankommt, daß von jedem Kind eine größere Summe gespart wirb, sondern darauf, bei allen Schülern die in ber Sparleistung liegende sittliche Haltung zu wecken, so kann man das diesjährige gute Sparergebnis aber auch ohne weiteres als Zeichen Dafür anfehen, daß sich bie Lehrerschaft in Erkenntnis des Wertes bes Spa­rens die Förderung des Schulsparens in dankens­werter Weise hat angelegen sein lassen.

Die günstige Entwicklung ber Spareinlagen fetzt

sich im neuen Jahre weiter, unb zwar noch in ver­stärktem Maße fort. Bereits heute kann bis 'Bezirkssparkasse erneut einen Sparein­lagen- Zu gang von wiederum 10 'Mil­lionen RM. verzeichnen. Hieraus ergibt sich, daß bie Schnelligkeit des Spare-inIagen zu gang s immer noch im Steigen begriffen Ist. Diese Feststellung kann man bei allen Deutschen Svarkassen treffen. Man kann Daher wohl sagen, daß das deutsche Volk während des Krieges eine ungeheure Sparleistung vollbringt.

'Nach einer interessanten Untersuchung über bie gelb-, lohn- unb allgemein-wirtschastlichen Ursachen dieser Entwicklung, die al» eine starke Vertrauens­kundgebung für unsere Staatssührung zu werten finb, wird In dem Bericht über Die Entwicklung ber Bezirkssparkasse Im Jahre 1941 u. a. weiter ausge« ührt: Die Einlagen auf den Spargirokonten beliefen ich im Berichtjahr auf 6 360 000 RM. Die Inan- pruchnahme von Krediten Ist gegenüber dem Vor­ab re etwas zurückgegangen. Als Ursache dieses Rückganges kann wohl ganz allgemein ber ßlqul« dierungsprozeft der letzten Jahre angefprod)en wer. den, der mich die von den Sparkassen betreute mit­telständische Wirtschaft in Die Lage versetzt hat, früher aufgenommene Kredite ganz oder teilweise zurückzuzahlen. Im Hypotheken- und Darlebensge- schäft erfolgten die '21uolell)ungen naturgemäß nur in kleinstem Rahmen; durch die-planmäßigen und die starken außerplanmäßigen Tilgungen ist her Hn» potljefen- unb Darlehensstanb auf 10 800 000 RM. gesunken. Vermut!Id» wird die Ende diese» Jahres vorzunehmende Ablösung der Sondergebäudesteuer die derzeitige Entwicklung der Hypothekendarlehen aufhalten, wenn nicht sogar ein Teil des Verlustes der voran gegangen en Jahre wieder ausgeglichen wird. '21 ud) die Darlehen an Gemeinden und öffent­lich rechtliche Körperschaften wurden in größerem Maße <ihh

Die Ausweitung der Passivseite Der Bilanz fand auf der Aktivseite Ihren stärksten Niederschlag in der BilanzpositionEigene Wertpapiere". Der eigene Mertpapierbestand wurde um 9,2 Millionen RM. vermehrt unb betrug 25,7 Millionen RM Dio für Die Zablungsbereitschast geltenben MinbestVor­schriften wurden stets beadjtet und bie Mittel gemäß 8 54 der Satzung angelegt.

Im Hinblick auf die in späteren Jahren einmal notwendig werdenden Vergrößerungen des Dienst­gebäudes der Hauptstelle wurde Das angrenzende Anwesen der v. Münchowschen Universitätsbruckerel erworben. Für ben Ankauf bes Anwesen» waren bereits im Vorjahre größere Rückstellungen vorge­nommen worden, so daß nach ben diesjährigen Ab­schreibungen and) dieser Grundbesitztell ber Spar­kasse in ber Bilanz nur noch mit einem Erinne­rungswert erscheint.

Da die Sicherheitsrücklage gesetzlich an die Ein­lagenentwicklung gekoppelt ist, muß in Jahren star­ker Einlagensteigerung fid) auch Der Gewinn er­höhen, wenn man bas vorgeschriebene Verhältnis zwischen ber Sicherheitsrücklage unb den sonstigen i' Ihfaflin aufricfrttrbaltin wim oll dahi > Sparkasse auch keine großen Olerolnne erzielen, so muß sie dod) bestrebt fein, nicht nur bie Verwal­tungskosten durch Ihre (Einnahmen zu decken. Dio Verwaltungskosten sind gegenüber Dem Vorjahre lurüifgegangen wüyrenb sich hie Steuern erhöht haben. Hat auch die Verringerung ber Zinospanno ben Gewinn beeinträchtigt, so hat bie große Bilanz­ausweitung doch einen erhöhten Gewinn bewirkt. Zur Ausweisung ist, nach Bildung einiger Rück­stellungen unb Rücklagen, ein Gewinn von 443 979,48 RM. gelangt, ber in voller Hohe ber Sicherheitsrücklage zugeführt wird.

Durch die Zuweisung de» Gewinnes an bie ge­setzliche Sicherheitsrücklage konnte trotz des starken Einlagenzugangs das seitherige Verhältnis zwischen Der Sicherheitsrücklage und den Gesamteinlagen aufrechterhalten werden. Die Sicherheitsrücklage er­höhte sich auf 3,44 v. H. der Gesamteinfagen. Dis Rücklage nach 8 11 he» KWG. betrug rund 2 400 000 RM. Die offenen Reserven ber Sparkasse wurden somit in Höhe von 4,69 v. H. Der Gesamt-Berpfllch-

Die Vezirkssparkaffe Gießen im Jahre 1941.