drastischen Beispiel entlarvt worden. In jener Urkunde heißt es, das Ziel der beiden Westmächte sei es, dahin zu wirken, daß jedes Volk die Regie- rungsform wählen könne, unter der es zu leben wünsche. Die Probe auf diese Phrase haben die Führer des indischen Volkes in Wardha und jetzt in Bombay gemacht — nichts weiter. Die demokratische Antwort ist nicht die Atlantikurkunde, sondern der Polizeiknüppel und die Schußwaffe.
Schon jetzt versuchten London und Neu-Delhi mit Unterstützung Washingtons, durch ihre Agitation die Tatsachen zu verdrehen, weil sie aus dem offenen Widerspruch zwischen Theorie und Praxis schwere Rückwirkungen auf andere Länder, die sich non dem demokratischen Wahn noch nicht befreit haben, befürchten. Sie werden damit keinen Erfolg haben, weil an diesen Tatsachen nicht zu drehen und zu deuteln ist.
Was ist geschehen? Am 2. April haben Kalam Azad, der Präsident der Allindischen Kongreßpartei, und Pandit Iawaharlal Nehru dem Agenten Churchills, Sir Stafford Cripps, die Antwort auf die britischen Vorschläge in einer Botschaft überreicht, die das, indische Nein auf den englischen Betrugsversuch ausführlich und klar begründete. Die Moslem-Liga, die Hindu Mahafabha und die anderen indischen Parteien haben das gleiche getan. Churchill hat also eine Ablehnung erfahren, die an (Gründlichkeit und Eindeutigkeit nichts zu wünschen übrigließ. Die Kongreßpartei als die mit weitem Abstand an Zahl wie an Macht einflußreichste Massenbewegung des indischen Volkes hat aus dieser Lage die selbstverständliche Folgerung gezogen und ihrerseits dieForderung des indischen Volkes a «gemeldet. Auf einer Mitte Juli in Wardha, dem Wohnsitz Gandhis, veranstalteten Tagung des Arbeitsausschusses der Kongreßpartei ist ein Entschließungsentwurf ausgearbeitet worden, der in der Aufforderung an die Engländer gipfelte, Indien zu verlassen, andernfalls die Kongreßpartei sich genötigt sähe, einen nicht gewaltsamen Feldzug des zivilen Ungehorsams zu eröffnen. Sdlche Feldzüge haben bereits 1920 bis 1922 und 1930 bis 1934 stattgefunden.
Da die britische Regierung bereits 1917, 1929 und 1939 dur ch offizielle Erklärungen Indien die Unabhängigkeit versprochen hatte, haben die Führer der Kongreßpartei also nicht weiter getan, als die endliche Erfüllung dieser amtlichen englischen Versprechen zu verlangen. Der in Wardha aufgesetzte Entschließungsentwurf des Arbeitsausschusses, der aus 15 Mitgliedern besteht und als eine nationalindische Regierung angesehen werden kann, ist auf der in Bombay veranstalteten Sondertagung des Kongreßkomitees, das den Charakter eines nationalindischen Parlaments hat, am 8. August mit der überwältigenden Mehrheit von 250:13 Stimmen angenommen worden, lieber den Beginn und die Art, wie der Feldzug des zivilen Ungehorsams durchgeführt werden soll, ist an diesem Tage noch kein Beschlug gefaßt worden, da Gandhi versuchen wollte, in letzter Minute eine friedliche Regelung durch Verhandlungen mit dem englischen Vizekönig von Indien zu erzielen.
Da die vizekönigliche Regierung und die Londoner Regierung keine Möglichkeit mehr sahen, ihr hinhaltendes Spiel weiterzutreiben, haben sie dann eine echt britische Antwort gegeben: den Terror.
Am Vorabend seiner Verhaftung hat Gandhi erklärt, der kommende Kampf werde der letzte seines Lebens sein. Dieses Wort wird wahr werden. Der Stampf, Den Enaland mit den Mitteln brutaler Gewalt begonnen yät, wird m i t d e m V e r l u st Indiens enden. Das indische Volk ist seiner Führer beraubt, soweit sie im "Machtbereich Englands waren, aber die lange, nationale Erziehungsarbeit der Kongreßpartei wird jetzt ihre Früchte tragen. S u b h a s C h a nd r a Bose, der zu Beginn dieses Krieges aus einem britischen Gefängnis fliehen konnte, in das er, wie auch Nehru und Kalam Azada und Hunderte anderer indischer Führer geworfen worden war, ist, wie er in seinem letzten Kampfaufruf dem indischen Volk mitteilte, wieder in sein Hauptquartier zurückgekehrt. Er, der 1938 Präsident der Allindischen Kongreßpartei war und nach dem Wort Gandhis einer der hervorragendsten und energischsten Vorkämpfer der indischen Freiheitsbewegung ist, ist frei für den End kämpf Indiens.
Der Terror, mit dem die englische Regierung glaubt, den Unabhängigkeitswillen der Inder niederknüppeln zu können, wird seine Urheber schlagen.
Dr. Hö.
Das Schwälbchen von Rousselaere. Bon Walther Neubach.
Das Eftaminet „Aux hirondelles" am Ortsausgang von Rousselaere war nicht anders als all' die kleinen Schankstuben dieser Art zwischen Ostende und Messines. In der niedrigen Stube hingen ein paar Reklamebilder von Likörfabriken, auf dem Wandbrett hinter dem Schanktisch standen die dicken Flaschen aus buntem Glas, und der alte Jean, der Wirt und Besitzer, hatte die speckige Kappe von morgens bis abends bis an den Rand der Ohrmuschel über die rechte Gesichtshälfte hinunterge- zagen. Anders hat ihn nie jemand gesehen, nicht einmal die Schreiber vom Geschäftszimmer des Landsturmbataillons, das im gegenüber liegenden Haufe untergebracht war.
Das Eftaminet „Aux hirondelles" wurde natürlich „Das Schwalbennest" genannt, nicht wegen der Fiebrigen Kappe des Alten, scürdern weil es wirklich lieblich drin zwitscherte, auch zu den Zeiten, wo die Mauersegler noch in Afrika sind. Und ohne Madeleine — so hieß das Schwälbchen von Rousselaere — hätte Jean Broeken wohl nur die Hälfte feiner zweifelhaften Schnäpse an die deutschen Soldaten ausgeschenkt. Das Schwälbchen trillerte vom frühen Morgen bis zu dem Augenblick, wo die Sonne hinter Morslede und Staden unterging, und seine Holzschuhe klapperten auch noch, wenn die Lampen im Eftaminet non Jean Broeken blakten.
Zwitschern und Klappern waren die Laute Madeleines, die jeder kannte. Denn sie besagten, daß gleich am Rande der Gräberreihen und Granattrichter Südflanderns ein Wesen lebte, das wie ein Sinnbild der Lebensfreunde wirkte. Da war es auch gar nicht nötig, daß rftan sich mit dem Schwälbchen richtig unterhalten konnte. Die Kleine verstand die paar Bracken Deutsch, die nötig waren, und es war ja immer dasselbe, was man bei Jean Broeken in Rousselaere verlangen konnte, ganz gleich, ob man aus München, Rüdesheim ober Hamburg stammte. Manchmal dröhnte die niedrige Stube vom Lachen und Lärmen aus den Kehlen van Männern, bei denen Leben und Sterben auf einem
Aus der Steppe in die Berge.
Von unserer Berliner Schriftleitung.
Die Einnahme von Krasnodar und Ma i- top ist so einprägsam, daß sich viele Worte darüber erübrigen. Aehnlich wie bei Rostow sind die Kämpfe sehr hart gewesen. Die Städte im Nordkaukasus sind im allgemeinen Zitadellen der von den Zaren begründeten, von den Bolschewisten übernommenen und ausgestalteten Russifizierungspolitik. Sichtlich ist die Feststellung des Wehrmachtberichts vom 9. August von großem Gewicht: daß deutsche, rumänische und slowakische Truppen in einer Breite von über 400 Kilometer die nördlichen Ausläufer des Kaukasusgebirges erreicht haben. Da die Landbrücke zwischen Schwarzmeer und Kaspisee durchschnittlich 700 Kilometer breit ist, so bedeutet diese Feststellung, daß mehr als die Hälfte dieses weiträumigen und schwierigen Gebietes in deutscher Hand ist. Englische Sprecher haben den Anschein erweckt, als sei die Steppe ein ideales Iagdgelände für motorisierte Streitkräfte. Aber die Steppe ist schon wegen ihrer Wasserarmut und ihrer Staub- jtürme — ganz abgesehen von der Hitze — ein recht schwieriges Gelände. Dazu kommen die vielen Flüsse und Bache, im westlichen und südlichen Teil auch die Mittelgebirgsformationen, die rasch in das alpine Hochland des Kaukasus übergehen, dessen Pässe 600 bis 1500 Meter über den Alpenpässen und dessen Gipfelhöhen fast 800 Meter über den höchsten Gipfeln der Alpen liegen.
Gerade deshalb finb' die Meldungen des Wehrmachtberichts vom 10. August so erfreulich. Schnelle Truppen haben die Stadt Pjatigorsk genommen, die schon 540 Meter hoch liegt und umgeben ist von Bergen zwischen 700 und 1400 Meter. Pjatigorsk heißt in wörtlicher Uebersetzung „Fünfberg- stadt". Die warmen Schwefelquellen sind viel besucht. Pjatigorsk liegt bereits im Flußsystem der Kuma, die hier noch ein Gebirgsfluß ist, sich aber dann in einen echten Steppenfluß verwandelt und nur bei Hochwasser das Kaspische Meer erreicht; sonst löst sie sich in einer Reihe von Seen auf und verliert sich in der sandigen Steppe noch vor dem Kaspischen Meer.
Ebenso wichtig sind die Kämpfe südwestlich von Stalingrad, wo sich der Feind verzweifelt wehrt, und im großen Donbogen, wo eine starke feindliche Armee westlich der schon wiederholt genannten Stadt Kalatsch eingeschlossen ist; ihre Ausbruchversucke blieben erfolglos und die auf en-, gern Raum zusammengedrängten feindlichen Kräfte,
waren ein lohnendes Ziel der Nahkampffliegerverbände, deren Einsatz in diesem Raum des innersten Donknies — die Sowjets sprechen mit einem ähnlichen Wortbild vom „Don-Ellenbogen" — schon wiederholt erwähnt wurden.
Die sowjetischen Angriffe im Raum von Rschew werden trotz der schweren Verluste fortgesetzt.
Seit vollen zwei Wochen ist hier die militärische und politische Entlastungsoffensive der Sowjets in vollem Gang. Andere ähnliche Aktionen unternahm die feindliche Kriegführung im vielumkämpf- ten Wolchow-Gebiet, also im Bereich der Leningrader Front, und an der altbekannten Kampfecke von Woronesch. In der Theorie ist der Angriff der Sowjets bei Rschew Vorspiel und Begleitmusik der Moskauer Konferenz, zu der britische und amerikanische Politiker und Generale in die Sowjethauptstadt gekommen sind. Er ist aber auch der Versuch eines großen Flanken st oßes, da die deutsche Front vom Donknie in einem gewaltigen flachen Bogen über Woronesch—Drei—Rschew— Ilmensee—Wolchow an den Ladogasee nach Nordwesten zurückschwinat. Das Wesentliche ist, daß diese Flankenstöße, die dem Zweck nach „aufs Ganze gehen", nirgends über eine örtliche, Bedeutung hinausgekommen find. Mit der altbekannten Sturheit versuchen die Sowjets, hier das Kriegsglück zu meistern. Am 10. August lasen wir im Wehrmachtbericht, daß der Feind seine Angriffe s ü d o st - wärts von Rschew fortsetzte; am 11. August heißt es, daß der Feind auch nördlich der Stadt seine heftigen Angriffe unter Einsatz neu herangeführter Kräfte wieder aufnahm. Ein Blick auf die Karte zeigt, daß südöstlich von Rschew G s ch a t s k liegt, während nördlich von Rschew die Ausläufer der Waldaihöhen hart an den Oberlauf der Wolga herantreten. Der deutsche Wehrmachtbericht kann zu dem gegenwärtigen Stand dieser „schweren Abwehrschlacht" sagen, daß die heftigen Angriffe im gesamten Kampfabschnitt an dem heldenhaften Widerstand der deutschen Infanterie- und Panzer- truppen scheiterten. Die Bombenangriffe der Luftwaffe brachten den Verbänden des Heeres fühlbare Entlastung. Man darf annehmen, daß in diesem Operationsgebiet der Befehl Stalins „kämpfen ober sterben!" von der sowjetischen Heeresleitung unter riesigen Opfern in die Praxis umgesetzt wird, wobei sie sicherlich ihr ganzes operatives Können in Hie Waagschale geworfen hat.
Ausbreitung der Unruhen in Indien.
Oie Britenregierung hinter Stacheldraht. — Wachsender Terror.
Schanghai, 11. Aug. (Europapreß.) Die Auf- ftanbsberoegung in Indien gegen die britische Herrschaft breitet sich weiter aus. Der brutale britische Polizeiterror dauert an. Sogar britische Truppen und Flugzeuge wurden gegen die unbewqffnete indische Bevölkerung eingesetzt. Wiederum wurde am Dienstag in zahlreichen Fällen auf die demonstrierende Menge geschossen, vor allem in Bombay. Indische Demonstranten versuchten den Bombay-Ba- roda-Bahnhof und das Stationsgebäude der Cen- tral-India-Railway in Brand zu stecken. Mehrere Polizeigebäude wurden durch Feuer zerstört. Die Zahl der Demonstrationen wächst weiter an. Immer neue Fälle werden gemeldet, in denen Straßenbahnen und Kraftfahrzeuge am Weiterfahren gehindert und in Brand gesteckt werden. Unter den Demonstranten befinden sich zahlreiche Studenten.
Angesichts der wachsenden Aufstandsbewegung hat die britisch-indische Regierung den Belage- rungszustand auf weitere Landesteile ausgedehnt. Dor dem Gebäude der britisch-indischen Regierung in Neu-Dölhi wurden Stacheldrahtverhaue zum Schutz gegen demonstrierende Inder errichtet, nachdem am Montag eine erregte Menge schon bis zum Palast des Vizekönigs vorgedrungen wor. Dienstag nach wurden neue blutige Zusammenstöße aus Bombay gemeldet, da jetzt die britische Polizei und das Militär überall von der Schußwaffe brutalsten Gebrauch machen. In Bombay hatte sich die britische Polizei aus mehreren Stadtteilen zurück- ziehen müssen, da die Inder, erregt durch das rücksichtslose Vorgehen der Polizeibeamten, die Straßen aufaeriffen, Betriebe stillgelegt, Omnibusse ange- zündet unb sich gegen die immer wieder mit ihren mit Blei gefüllten Bambusstöcken vorgehenden Poli-1
zisten durch- Steinwürfe zur Wehr gesetzt hatten. Der Verkehr kam in der Millionenstadt völlig zum Stillstand. Daraufhin sandten die Briten plötzlich Flugzeuge, die über den von Polizisten entblößten Stadtteilen im Tiefflug kreisten und dort, wo die Piloten Menschenansammlungen sahen, Tränengasbomben warfen.
Zu heftigen Unruhen kam es Dienstagmorgen in Neu-Delhi. Polizei und Truppen feuerten auf die wütende Menge. Aus anderen Bezirken mußten Truppen zur Verstärkung der Garnison herbeigerufen werden. Das Rathaus von Neu-Delhi ist völlig niedergebrannt. Auch das Gebäude der Steuerbehörde, der die Einkommenfteueroerwaltung obliegt, ist von den Aufständischen zerstört worden. Das Rechnungsamt der Eisenbahnverwaltung ist ebenfalls in Flammen aufgegangen. Ein amerikanischer Berichterstatter meldet aus Delhi: „Ich habe am Montagnachmittag in Delhi während drei Stunden den Anhängern Gandhis zugeschaut, wie sie mit gewaltlosen Methoden die Engländer aus Indien vertreiben und sich ihre Freiheit, Unabhängigkeit und Selbstregierung erkämpfen wollen. Eine mehrere Tausend zählende Menge wälzte sich durch die Hauptstraßen Alt-Delhis, dem großen Platz zu und es gelang den Indern, den Verkehr zu blockieren und das Geschäftsleben gänzlich lahm- zulegen. Tatsächlich war der Streik vollständig. Ununterbrochen ertönten die Schlachtrufe der Kongreß- partei, die den Rückzug der Briten aus Indien forderten und dann Ganohi, Nehru und die anderen verhafteten Prominenten priesen. Im Sprechchor wurde immer wieder die Freilassung des Mahatma und seiner eingesperrten Anhänger verlangt.
Zur Verhaftung Gandhis am Sonntag-
Tablett gereicht wurde. Madeleine schwebte durch die Tabaksschwaden wie ein Schmetterling, der sich auch mal dahin verirrt, wo nicht seine Blumen wachsen, klapperte noch lauter mit den Holzschuhen, wenn ihr die Witze und handfesten Rufe um die Ohren knallten, und kam es ganz toll, dann zeigte sie die Zähne und besiegte den stürmischsten Verehrer mit ihrer lapidaren Feststellung, die im ganzen Divisionsabschnitt bekannt und zum geflügelten Wort geworden war: „Du bist eine feine Nümero." Es wäre jedem dreckig ergangen, wenn er sich mehr erlaubt hätte, als es das Schwälbchen gestattete, und wenn sie einen, als „feine Nümero" bezeichnet hatte, war die Grenze da, die alle respektierten.
So war es 1915 und 1916, als die südliche Flan- bernfront ein ruhiges Gesicht bekommen hatte, und Rousselaere war schon beinahe ein Stückchen Heimat für die, die aus den Gräben kamen. Denn da vorn zuckte es Tag und Nacht in dem scheinbar erstarrten Antlitz des flämischen Landes, von Dix- muiben bis Wytschaete rang und raufte man um jeden Meter Graben und jede Erdfalte, mit Handgranaten, Spaten und Gewehrkolben. Mancher, der bei Jean Broeken hegte noch ein Gläschen vor sich stehen hatte, lag ein paar Tage später unter einem schlichten Holzkreuz.
Viele hat der Eisenhagel zerschlagen, der bann 1917 sechs Monate lang über bas Land zwischen der Lys unb dem Houthoulster Walb nieberging, und wenn der alte Jean Brocken, nicht rechtzeitig die Straße am Ortsausgang von Rousselaere mit seinem Schwälbchen weitergezogen ist, bann haben auch ihn die Trümmer begraben. Die wenigen, bie übrig geblieben sind, hatten viele Jahre bas Lachen verlernt, unb manchem haben diese Tage unb Nächte auf lange Zeit den Glauben an bas Gute unb Schone verschüttet.
So einer war auch der junge Mann, der ein paar Jahre später in der Loge eines Berliner Nachtlokals saß, einer von denen, bem jetzt erst recht der Boben unter den Füßen schwankte unb der nichts chehr mit ber Heimat anfangen konnte, die ihr Gesicht verloren hatte, ober es zumindest unter einer Fratze verbarg. Lorenz Lenzen ließ die Pfropfen knallen, er warf bie Geldscheine mit den fünf« unb sechsstelligen Zahlen zwischen die katzbuckelnben Kellner, er ließ die Saxophone kreischen unb bie Schlagzeuge hacken und hämmern, weil ec glaubte,,
daß dieser Lärm alles das niederbrüllen unb zusammenstampfen könnte, was in ihm gärte. Man schätzte Lorenz Lenzen im „Boshiwara-Palast", man Dienerte vor dem jungen Manne mit der prallgefüllten Brieftasche. Aber auch bas war abgeschmackt, man wollte auch etwas ohne bie Hilfe der Kellner unb Portiers, man wollte einmal siegen, ohne die Gelbscheine flattern zu lassen. Da saß zum Beispiel in der Nachbarloge bie rothaarige Frau in bem gewagten Abendkleid, die zwischen jebem Schluck Sekt aus halbgeschlossenen Lidern einen Blick zu Lorenz Lenzen herüberwarf. Der Mann in ihrer Begleitung wandte ihm einen breiten Rücken zu, wie wenn er damit die Gefahren von ber Frau abwenden könnte. Sicher einer von den vielen, die Tausende verdient hatten, als die andern draußen lagen, in den Schlammlöchern und Granattrichtern von Verdun und Flandern. Mit solchem Geschmeiß machte man nicht viel Federlesens, bann erst recht nicht, wenn es einem bie Frau so leicht machte wie die Rothaarige mit den nackten Schultern.
Der Breitschultrige am Nachbartisch war auf einmal unruhig geworden, er schien bie Gefahr zu wittern, bie hinter seinem Rücken lauerte. Er wußte, daß bie Blicke, bie an ihm vorbeigingen, einem andern galten, er verstand den verräterischen Klang in bem Girren unb Lachen seiner Begleiterin. Aber er wollte sich nicht urnbrehen, er wollte sich keine Blöße geben. Eine neue Flasche Sekt, noch einen Strauß Blumen, einbringliche Worte, eine plumpe Zärtlichkeit, aus ber Angst geboren. Lorenz Lenzen hatte sich über ben Tisch gebeugt; — er hatte auf einmal nur noch Augen unb Ohren für biefes Spiel, bas er ja schon halb gewonnen hatte. Sein Gegner schien seine letzten Trümpfe auszuspielen; er schmetterte bie Pointen gewagter Witze über bie Tische hinweg unb steigerte das Lachen ber Frau zu einem Kreischen. Da riß es auf einmal ab. Die Frau hatte sich erhoben.
„Ich muß jetzt gehen. Morgen abend bin ich wieder hier. Es ist gleich drei Uhr, mein Mann wird ohnedies wieder sagen: ,Du bist eine feine Nümero'." Mit einem leeren Lächeln sah die Frau noch einmal zum Nachbartisch hinüber. Konnte sie den feschen jungen Mann, mit bem sie so nett kokettiert hatte, nicht mehr erkennen, ober saß jetzt ein anderer an dem Platz?
Die Spannung war von Lorenz Lenzen gefallen.
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seinem Platze erhob. Die kühle Nachtlust kam durch lit ihn bie offenen Portale des „Yoshiwara-Palastes". Ein 'iele Droschkengaul klapperte über bas Asphaltpflaster, W“ Klangen nicht einst so ähnlich die Holzschuhe der teJJjF kleinen Madeleine? in 2ln
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Das Echo in London.
Lissabon, 11. August. (Europapreß.) In fion. don gibt man sich den Anschein, als halte man bi Lage in Indien zwar für ernst, doch nicht für tri. tisch. Die Unruhen find nach Londoner Ansicht eine unmittelbare Folge der Verhaftung Gandhis unb der übrigen Kongreßführer. Trotzdem erklärt man aber, die Verhaftung sei richtig gewesen, weil aus lange Sicht die Kongreßführer den Briten in bei Freiheit gefährlicher gewesen wären als im Gesang nis. Nur ber „Daily Heralb" erklärt die Verhaftung für falsch. Den Kriegsanstrengungen werde dadurch nur Schaden zugefügt, die Ungehorsamkeitskam- pagne werde nicht aufgehalten werden können, fit werde sich über Gebiete ausbreiten, deren Ko» trolle den Engländern unmöglich sei. Gandhi werbt jetzt die Macht über Millionen von Indern haben, die bisher vielleicht indifferent zu seiner Sache ftait. den. Die Verhaftung Gandhis habe nicht die etärfe der Regierung, sondern ihre Schwäche enthüllt. Das Blatt fügt hinzu, bei ber augenblicklichen Kampagne handele es sich um bie gefährlichste Massenbewegung seit langer Zeit.
Der Lonboner „Daily Expreß" meldet aus Bombay, daß die Cocktail-Stunde der Engländer in bem dortigen berühmten Taj-Mahal-Hotel weiter statt- finde. Trotz der Erschießungen tanze man w ei. ter. Während die Briten so auf der einen Seck ihre bekannte Kaltschnäuzigkeit zur Schau tragen, flohen andererseits viele, die Privatwohnungen m Bombay innehatten, in die bewachten Hotels, deren Hallen in Schlafsäle umgewandelt werden mußten. Kleine politische Nachrichten.
Der Führer hat auf Vorschlag des Rcichsmar- fchalls Goring dem Antrag des Staatssekretärs Neumann, ihn aus dem Staatsdienst zu entlassen, damit er die seit dem Tode des Generaldirektors Diehn verwaiste Leitung des Deutschen Kalisyndikats übernehmen könne, stattgegeben. Reichsmarschall Göring hat Staatssekretär Neumann, in Anerkennung seiner besonderen Leistungen im Vierjahresplan fein Bild überreicht.
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Reichsarbeitsführer Konstantin Hier! kehrte von einer Reife an den Südabschnitt ber Ostfront zurück. Er überzeugte sich von Einsatz und Leistungen der RAD.-Einheiten bei ben Verbänden des Heeres unb der Luftwaffe. Auf Flugplätzen und an Vormarsch» straßen, in Unterkünften, Zeltlagern und besonder- in RAD.-Lazaretten löste sein Erscheinen große Freube bei den jungen Arbeitsmännern aus.
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morgen um 4.55 Uhr hört man, er habe lebiM ein Bettuch, eine Kanne Ziegenmilch, einige siche, ein Spinnrad und Gebetbücher mitgenommei Kurz vor bem Abtransport sagte er:^ „Währet, meiner Gefangenschaft werden meine " bie Einheit von Hindus u n
Aeich -AundU g Wpsa" Mh°lt < AH d von DlNI , linde"' k» Notlag' ? Reiftet «imen
Mr.E
er sank auf einmal in sich zusammen. „Du bist eine feine Nümero." So konnte nur einer sprechen, der einmal bas Schwälbchen von Rousselaere zwit> schern gehört hatte unb ber von vorn kam, aus den Unterständen und Erdlöchern von Paschendaele und Gheluvelt; einer, ber ein Kamerad von ihm war. Die Frau war nichts wert, nicht einen von ben taufenb Schüssen, bie über ihn und diesen Karne' raben hinweggegangen waren. Aber es gab bodi noch etwas, woran nicht zu rühren war. Hinter der Frau stand der Mann aus bem Graben von Flandern. Das war tabu, für alle Zeiten.
Der Morgen graute, als sich Lorenz Lenzen von seinem Platze erhob. Die kühle Nachtlust kam durch
Interessante vorgeschichtliche Funde.
Auf bem Hunsrück, auf bem wiederholt wertvolle vorgeschichtliche Funde geborgen werden konnten, würbe jetzt roieber ein interessanter Fund gemacht Es handelt sich um 14 eiserne Spitzbarren von etwa 4 bis 7 Pfund Gewicht, die in ben letzten Jahr« hunberten vor Chr. als bie damals übliche Eisen- barrenform weithin gehandelt wurden. Die Barren dürften aus ber Pfalz stammen unb würben bei Bruscheid (Kr. Simmern) geborgen. Außerdem würben im (Bau Moselland in letzter Zeit weitere Funbe gemacht, wie unlängst bei Koblenz ein schöner verzierter Becher, der aus ber jüngeren Steinzeit stammt. Im -Neuwieder Becken, bas durch seine Bimssteininbustrie bekannt ist, wurden be» deutende Grabfunde gemacht, bie vornehmlich über die Grabsitten unserer Vorfahren Aufschluß geben. Besonders zahlreich sind dort die Spuren, die eine um etwa 1000 v. Ehr. in das Rheinland einbrin« genbe Bevölkerung mit ihren Urnenbranbgräbem hinterließ. Ein großes Gräberfeld aus dieser Zeit wird nach und nach bei Irlich im Kreis Neuwied aufgebetft. Von großer Bedeutung ist ferner bie Erforschung der Lebensweise ber ersten Germanen int Mittelrheingebiet, wozu jüngst gemachte Funde aus einer Siedlung bei Gladbach (Kr. Neuwied) uttd Grabfunde bei Gemünden (Hunsrück) Aufschluß geben«
Der Chef des persönlichen Stabes des Reichsfüh- rers ff, ff-Obergruppenführer und General der Waffen-ff Karl Wolff, der den Reichsführer-ff auf feiner Finnlandreise begleitet hat, wurde mit der Verleihung des Großkreuzes der Finnischen Web ßen Rose mit Schwertern geehrt.
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Zur Einführung des Leistungslohnes im Baugewerbe sprach Reichsorganisationsleiter Dr. Ley auf einer Arbeitstagung des Fachamtes Bau der DAF., zu der sich die Gaufachabteilungswalter, Bau- unb Betriebsführer ber Bauinbustrie auf der Reichsschulungsburg in Berlin-Wannsee zusammen- gefunden hatten.
Aus dem Mich.
Eine Dolksunfatt-Versicherung.
Nachbem am 1. Januar 1942 die Reichsunfall' Versicherung auf alle Berufstätigen ausgedehnt worben ist, wirb in kurzem durch die deutschen Versiche« rungsunternehmen eine Volksunfallversicherung ein» geführt werben. Währenb bie Sozialversicherung Dersicherungsleistungen für Berufsunfälle gewährt, soll bie Volksunfalloersicherung gegen alle Unfälle im Verkehr, Beruf, Sport, häuslichen Leben und aus sonstigen Ursachen Versicherungsschutz geben. Die Familienunfallversicherung gewährt gegen einen monatlichen Beitrag von 1,50 RM. für ben Fami« lienoorftanb Versicherungsleistungen von 1000 RM. bei Unsalltod unb von 5000 RM. bei Vollinvalidität,
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