»amerte er 1887 und habilitierte sich ebenda 1891. 1897 wurde er Mitglied des Reichsgesundheitsamtes sowie Vorstand der pharmakologischen und physiologischen Abteilung in Berlin. 1898 kam er als Or- Lmarius für Pharmakologie nach Göttingen, 1907 «ach Tübingen, wo er bis zu seiner Emeritierung wirkte. Von Jacobs, der Micherausg'eber des Archivs für experimentelle Pathologie und Pharmakologie ist, stammt das Verfahren der künstlichen Durchblutung isolierter überlebender Organe.
Zeitgenössische Musik im Rundfunk.
Der Emdener Musikdirektor Rudolf Müller, auch als Chordirigent und Muskkschriftsteller hervor- getreten, brachte in der Rundfunksendung „Schöne Musik zum späten Nachmittag" ein geschmackvolles Programm lebender Komponisten. Siegfried Walter Müller nennt das Werk, mit dem die Vortrags- iolge begann, schlicht eine „Heitere Musik", ein harmonisch kompliziert durchgeführtes Lied mit ansprechenden melodischen Einfällen, unter denen die Abwandlung eines bekannten Volksliedes reizvoll eingebaut ist. Bernhard Har mann spielte sein gefälliges Rondo Capriccioso für Violine und Orchester, im Solopart von Rudolf Müller mit dem Rundfunkorchester einfühlend begleitet. Die Arbeit ft für das Konzertpodium dankbar mit apartem Orchestersatz und virtuosem Elan mit gepfefferten Schwierigkeiten in der Solostimme. Paul Grae- ners oft gewürdigte Comedietta gab den neuen Derken die Brücke zum ewig jungen Haydn.
Greta Daeglau.
Reue Musik in Hamburg.
In den von Eugen Joch um geleiteten philharmonischen Konzerten des Staatsorchesters Hamburg «erden neben einer besonderen Berücksichtigung Zoh. Seb. Bachs in drei Konzerten auch einige zeitgenössische Neuschöpfungen erscheinen. Als Uraufführung bietet Jochum Harald Genzmers „Symphonische Musik für großes Orchester", als weitere Uraufführung ein Konzert für Streichorchester von Boris Blacher. Ein „stabat mater" oon Rudolf Mengelberg. Johann Nepomuk Davids „Zweite Partita", beide zum erstenmal und die Uraufführung des Geigenkonzertes von Hans Ahlgrimm, dem Mitglied der Berliner Philharmoniker, vervollständigen die Neuheiten.
Aus aller Wett.
Denkzettel für Tierquäler.
Drei Monate Gefängnis diktierte das Berliner Amtsgericht dem 41jährigen Martin B., der seinen tIroll über einen Nachbarn in zügelloser Weise an einem über den Zaun geflogenen Huhn ausgelassen hotte. Mit einem daumendicken Haselnußstock sauste er laut schimpfend auf das Tier los, das sofort flüchtete. Bald hatte er es in einer Ecke des Grundstücks in die Enge getrieben, wo das Huhn sich wrängftigt duckte. Statt auf seinen Nachbarn zu Horen, der ihm zurief, er möchte ihm das Tier Her- Überreichen, schlug er wie ein Unsinniger mit dem Krüppel auf das Huhn los, bis es regungslos und blutend dalag. Dann ergriff er es an den Beinen, Warf es über den Zaun dem entrüsteten Nachbarn ar die Füße,und rief: „So, da hast du dein Vieh Aeder!" Dem Nachbarn blieb nichts übrig, als das <rme Tier sofort zu schlachten. Das Gericht brachte him Angeklagten durch eine strenge Strafe zum Hswußtsein, daß auch ein Huhn ein Lebewesen ist, dem man feine Wut nicht auslassen darf.
Einst gab es Krokodile in Mitteldeutschland.
Vor dem Thüringischen Geologischen Verein sprach in Halle Professor Dr. W e i g e 11. Bisher fehlte für eben Zeitraum von 20 Millionen Jahren, von der Kreidezeit an, jede Ueberüeferung einer Landwirbel- chrfauna. Diese Lücke ist jetzt ausgefüllt durch auf« ftlußreiche Funde, die Professor Weigelt in einer Felsspalte im Kreis Gardelegen gemacht hat. Es sind Neste von Krokodilen, Molchen, Fröschen, Eidechsen, Wgeln, Halbaffen, primitiven Huftieren und vor ollem jenen Urraubtieren, die nach der Kreidezeit erchienen, bevor die uns heute bekannten Raubtiere offtraten.
Unterirdischer Gletscher im Tennengebirge.
Salzburger Höhlenforscher entdeckten in den 2100 m hochgelegenen Höhlen des E i s k o g e l s ein tiiaes Höhlensystem, das einen 5 bis 6 m starken und mhr als 1000 qm großen unterirdischen Gletscher eüihält. Neben zahlreichen Eisfiguren wurden die mannigfaltigsten Tropfsteingebilde gefunden, darunter seltene Formen von Kalzitkristallen. In einer gewaltigen Höhle stießen die Forscher auf einen 40 m breiten und 60 m hohen Riefengang, an dessen Ende eirc noch nicht erforschte Eishöhle liegt. Ein zweiter Gang führt zu einem anderen Eisgang Mipor.
Aus Oer Stadl Gießen.
Kleine Nachlässigkeit.
Sie geistert viel im Alltag umher, die kleine Nachlässigkeit. Manchmal drängt sie sich geradezu auf und erscheint so harmlos, daß man denkt: Na, wenn schon, was soll da weiter passieren? Es kommt vor, daß tatsächlich nichts passiert, und dann hat man Glück gehabt, aber es kann sich auch ereignen, daß aus der kleinen Nachlässigkeit allerlei Unangenehmes entsteht, wie ja häufig kleine Ursachen große Wirkungen haben. Tritt dieser Fall ein, so werden jene bekannten Selbstanklagen laut wie „Hätte ich doch" und „Warum habe ich nicht?" Diese Selbstanklagen können allerdings an dem Geschehnis nichts mehr ändern, sie sind völlig nutzlos, falls sie nicht wenigstens zur Folge haben, daß man in Zukunft mehr Vorsicht walten läßt, wenn die kleine Nachlässigkeit wieder einmal nahe ist.
Die Mutter der kleinen Nachlässigkeit ist die Bequemlichkeit. Aus Bequemlichkeit lassen wir häufig fünf grade sein, aus Bequemlichkeit stimmen wir manchmal zu, wo wir ablehnen sollten. Damit tritt die kleine Nachlässigkeit schon auf den Plan, und ist sie erst da, so wird die Sache bedenklich. Der Mann, der sich am Morgen rasiert, läßt das Messer gewöhnlich nicht unachtsam liegen, wenn er es aus Bequemlichkeit eines Tages dennoch tut, ergeben sich betrübliche Folgen. Der kleine Sohn erwischt das Messer und schneidet sich beim Spielen damit in die Hand. Erfreulicherweise ist die Schnittwunde nicht besonders gefährlich, doch der Vater bekommt einen ordentlichen Schrecken, als er mittags die verbundene Hand sieht. Wie oft richten Obstreste oder Obstschalen, die achtlos auf die Straße geworfen wurden, irgendein Unheil an, wieviel Schaden haben nicht schon in den Haushalten die elektrischen Plätten verursacht, die man nicht abschaltete, als man „nur auf einen Sprung" zur Nachbarin ging.
Vielfältig wie das alltägliche Getriebe sind auch die kleinen Nachlässigkeiten. Schon der nicht ordentlich in einen Winkel gestellte Besen kann einen Unfall zur Folge haben, und häufig genug passiert es, daß im Haushalt ein Wasserschaden entsteht, weil der Hahn nur flüchtig geschlossen wurde. Unverantwortlich in höchstem Grade aber ist es, wenn etwa in diesen Zeiten bei der Verdunkelung nachlässig oorgegangen wird. Man darf eben niemals vergessen, die Fenster richtig zu verdunkeln, ehe man in der Wohnung die Beleuchtung einschaltet, sonst können Schäden eintreten, die unübersehbar sind.
Räumen wir mit der Bequemlichkeit auf, dann verschwindet die Nachlässigkeit von selbst. Wir haben allesamt den Nutzen davon. H. W. Sch.
Lieber 200 Mannschaften beim Wehrkampftag der SA. in Gießen
Die Meldungen zu dem am 20. September auf dem Universitäts-Sportplatz in Gießen stattfindenden Wehrkampftag der SA. haben trotz der kriegs- bedingten Schwierigkeiten ein überraschend hohes Ergebnis gezeitigt. Heber 200 Mannschaften, die rund 1000 Wettkämpfer erfassen, werden an diesem Tage durch aktiven Einsatz Wehrwillen und Wehr- hasttgkeit bekunden.
Für die Zuschauer, die an diesem Tage in Massen erwartet werden, bieten die Kämpfe einen interessanten Ausschnitt aus der Wehrerziehungsarbeit der SA. und der vorbereitenden Erziehungsarbeit des Betriebssportes und des NSRL. Ob es sich um den Sturmlauf handelt, bei dem die Mannschaften die kleine Wehrkampfbahn von 75 Meter mit zwei Hindernissen überwinden und anschließend Handgranatenzielwerfen durchführen, oder um den Kampf der „starken Männer", das Tauziehen, ob es im Geländemarsch oder in den Schießwett- kämpfen, in der 10 X Halbrundenhindernisstaffel, bei den Mannschaftswettbewerben der Frauen und Männer der Betriebssportgemeinschaften und den Vorführungen des NSRL. ist, überall wird der Einsatz- und Siegeswille der einzelnen Kämpfer die Mannschaftsleistung beeinflussen und dem Zuschauer zeigen, daß die Heimat im Widerstandswillen nicht hinter der Front zurückstehen will.
Das Ergebnis des Tages soll es nicht fein, den zuschauenden Volksgenossen „sensationellen" Sport zu bieten, sondern ihn aufzurütteln und zu veranlassen, sich ebenfalls in die große Wehrgemeinschaft unseres Volkes einzureihen.
Derftunkelungszett
11. September von 20.48 bis 6.20 Uhr.
Am
-xv
erk für Heimat und Volk.
Oer neue Leiter des Heimatbundes für Hessen und Nassau über Wollen und Wirken des Bundes.
LPD. Kürzlich erhielt nut Zustimmung des Gauleiters der „Heimatbund für Hessen und Nassau" in Ministerialrat Dr. Leip (Darmstadt) einen neuen Bundesleiter, lieber das Wollen und Wirken des Heimatbundes, namentlich in den jetzigen Zeiten des Krieges, äußerte sich Dr. Leip wie folgt:
Kaum jemand schätzt so sehr die Heimat wie der, der heute in den oben Steppen des Ostens kämpfen muß. Aus allen Zuschriften unserer Soldaten aus Norwegen, vom Balkan, auch aus Frankreich und besonders aus der Sowjetunion geht übereinstimmend hervor, wie schön und wie unersetzlich unsere Heimat ist. Daher haben wir daheim die Verpflichtung, diese Heimat so schön, so gut und so reich zu erhallen, wie sie unsere Frontkämpfer in der Erinnerung haben. Hierin liegt gerade die besondere Bedeutung der Arbeit des Heimatbundes in der Kriegszeit und natürlich auch in der kommenden Friedenszeit. Er will erreichen, daß überall in den Dörfern, aber auch in den Städten, in menschenfernen Wäldern und natureinfamen Landstrichen wie in den stärker besiedelten Jndustviegegenden Landschaft und Mensch, natürlich gewachsen und echt, ohne eigensüchtige Verunstaltung, ein klares und arteigenes Gesicht haben.
Der Heimatbund pflegt und fördert neben der Reinerhaltung der Natur, der Schönheit des Dorfund Stadtbildes, der Häuser, Brücken und Brunnen auch das umfangreiche geistige Erbe unseres Gaues, wie es sich in Sagen und Märchen, in sonstigen Er
zählungen, in Volkslied und Tanz, aber gleichfalls in Sitten und Bräuchen des Jahresablaufs oder des Auf und Ab im Menschenleben zeigt. Ihren Niederschlag findet dieses Wirken des Bundes insbesondere in seinen Veröffentlichungen, in Aufsätzen seiner Zeitschrift „Volk und Scholle" oder in seiner Bücherreihe.
Mit billigen Schlagworten zu arbeiten ist dem Heimatbund zuwider. Auch das Schwelgen in einer überalterten Romantik lehnt er ab. Er arbeitet nicht nur an der Crhaltuna äußerlicher Dinge, um sie festzuhalten oder festzulegen und mehr oder minder künstlich weiterzuführen-, er arbeitet in einem Ausmaße, das nur dem Eingeweihten erkennbar ist, an der Zukunft unseres Volkes und trägt in mühseliger Kleinarbeit Baustein auf Baustein zusammen. Er sucht die Wurzelkräfte der Heimat zu stärken und echt zu bewahren. Was wohl manchmal kleinlich und abwegig erscheinen mag, gewinnt unter diesem Blickwinkel hohe Bedeutung.
Da der Hoimatbund in das Volkskulturwerk der NSDAP, eingefügt ist, dient er nicht zuletzt dem Ziele, die Grundlagen für das Dasein des Einzelnen wie des ganzen Volkes zu schaffen, zu erhalten und zu stärkster Auswirkung zu bringen. Er ist unverdrossen am Werk für Heimat und Volk. Was unsere Soldaten draußen mit ihrem Blut und mit der Hingabe ihres Lebens verteidigen und schützen, wird vom Heimatbund wohl gehütet und sorgsam gepflegt.
Oie neue Wochenschau.
Heber weithin sich dehnende Gletscher und Schnee- f elfter in eisstarrender Höhe ziehen deutsche Soldaten, die dem Gipfel des 5630 Meter hohen E l- rus zustreben. Ausgewählte Soldaten einer schwäbisch-bayerischen Gebirgsdivision unter Führung des Hauptmanns Groth sind es, deren Aufstieg auf diesen Bergriesen im Kaukasus uns die neue Wochenschau in einzigartigen Bildern schildert. In 4200 Meter Höhe wird eine von den Sowjets militärisch besetzte meteorologische Station durch einen Handstreich genommen, und dann fetzt die Marschgruppe zum letzten und schwersten Angriff auf den Gipfel an. Wie ein Symbol' sieghaften deutschen Soldatentums weht die Reichskriegsflagge von der Spitze des Elbrus.
Dieser vor keiner Schwierigkeit haltmachende Kampfgeist der deutschen Soldaten tritt uns auch mit aller Eindringlichkeit aus den Bildern von der gewaltigen Schlacht um Stalingrad entgegen. Besser als viele Worte es vermögen, läßt die Wochenschau in kleinen Augenblicksbilftern die Stimmung der LaNdser erkennen. Dann stehen wir mitten iyh Toben der Schlacht. Stukas zerschlagen 'feindliche Bunkerlinien, die den Zugang zur Wolga sperren, Flak-Artillerie feuert aus allen Rohren, Panzergrenadiere holen mit der blanken Waffe die Bolschewisten aus ihren Erdbunkern heraus, und in ungestümem Angriffsschwung gelingt es schließlich unseren Panzern, die/Wolga, den größten Fluß Eurovas, zu erreichen.
Bilder vom Nachschub nach Afrika und dem Einrücken deutscher und italienischer Verbände in die im Süden der ägyptischen Front gelegene Wüstenstadt Siwa, dem feierlichen Staatsakt für den Sohn und Stellvertreters des ungarischen Reichsverwesers, Stephan von Horthy, sowie von einem Besuch des Reichsmarschalls bei verwundeten deutschen Soldaten, die sich auf dem Wege zur Heimat befinden, bilden den übrigen Teil der Wochenschau. K. F.
Oie Versorguugslage im Nhein-Main-Gebiet.
Die zum Verkauf bereitstehenden Mengen an Roggen und Gerste konnten auf Grund der Möglichkeit einer Eindeckung für längeren Zeitraum durch die Mühlen großenteils aufgenommen werden. — Bei Mehl sind Veränderungen gegenüber der Vorwoche nicht eingetreten. — Es wurden mehrere Posten an Stroh für den Absatz bereitgefteUt.
Durch organisatorische Maßnahmen wurden aus den einzelnen Kreisen größere Kartoffelmengen mobilgemacht. Es ist Aufgabe der kommenden Wochen, den Anfall an Kartoffeln auf dieser Höhe zu hallen, damit die Rationssätze bestehen bleiben können.
Der Gemüsemarkt hatte vorwiegend Weißkohl, Wirsing, Spinat und Römischkohl aufzuweisen, die Mengen davon überfliegen teilweise den Bedarf. Etwas stärker waren gegenüber den vorausgegangenen Wochen Tomaten und Salat vertreten. Die übrigen Gemüsearten, auch Bohnen, traten demgegenüber zu, rück. — An Obst kamen Pflaumen, Zwetschen und Birnen heran. Die nur kleinen Mengen von Zitronen wurden den Lazaretten und Krankenhäusern zugewiesen. Darüber hinaus sind kleinere Posten französischer Weintrauben zur Verteilung gelangt.
Die Bedarfsdeckung an Fleisch war an allen Plätzen fichergestellt. Die Qualitäten waren bei allen Tiergattungen mittel bis gut. Der Auftrieb an Rindern und Schweinen beginnt wieder sich allmählich nach aufwärts zu entwickeln. In der Versorgung der kommenden Woche wird nach wie vor das Rindfleisch vorherrschend sein.
Die Bedarfsdeckung an Milch und Milcherzeug- nifsen war sichergestellt. Speisequark und Sauermilchkäse waren wieder genügend vorhanden. Das Milchaufkommen steht in einer gewissen Abhängig- feit von der Wetterlage.
Die Ausgabe der für den 40. Versorgungsabschnitt aufgerufenen, zwei Eier ist inzwischen erfolgt. Die Erfasfungsverhältniffe hielten sich auf gleicher Höhe.
Eine verhängnisvolle Lücke in der Verdunkelung.
Bei Luftangriffen ist es vorgekommen, daß durch den Luftdruck einer Sprengbombe Fenster und Ber- dunkelungseinrichtuna einer Wohnung eingedrückt wurden und nun Helles Licht in die Nacht hinaus- strahtte. Der Bewohner hatte wohl vorschriftsmäßig verdunkelt gehabt, ließ jedoch beim Auftuchen des Luftschutzraumes das Licht in der Wohnung brennen. Diese Nachlässigkeit könnte verhängnisvolle Folgen haben. Das Helle Licht weist bei zerstörter Verdunkelungseinrichtung dem Feind den Weg für weitere Bombenwürfe. Darum: LöfchtbeiFlie- gerangriffen alle Lichter in den Woh- nungen ! Wo Kranke in der Wohnung verbleiben müffen, ist die Lichtquelle so abzudunkeln oder mit dem vorschriftsmäßigen Blaulicht zu versehen, daß auch in diesem Falle eine Lücke in ber Verdunkelung nicht entstehen kann. Bei Hausbegehungen während des Angriffs können die erforderlichen Lichtquellen nach Belieben ein- und ausgeschattet werden. Verlassene Räume aber dürfen nicht erhellt bleiben.
Prämien für VerbefferungSvorschläge.
An sich dürfen Prämien für Verbesserungsvorschläge im Betrieb nur nach vorheriger Zustimmung des Reichstreuhänders ausgeschüttet werden. Um jedoch den Ausbau des betrieblichen Vorschlag- wesens zu fördern und Derwaltungsarbeit zu
Dr. Brüggers Patientin
Roman von Walter Klöpffer
89. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
„Einen Augenblick, mein Lieber! Wie kommt mein Stiefsohn eigentlich hierher?"
. ,.Tja, das ist eine gspaßige Geschichte", grinste der Senn und stellte zwei Melkeimer zu Boden, daß die Milch überschwappte. „Denken S' Ihne, am Mittwoch in aller Herrgottsfrühe rumpelt ein Auto den Berg herauf. Ich schau, denn sowas sieht unsereins net alle Tag: da steigt einer aus und will zu mir. Jtenf, Herrschaftseiten denk i, der hat einen schönen Wurf! Nämlich weil er so schief und im Bogen gangen is. Aber er war gar net betrunken, sondern krank. Er wollt bloß a bissele rasten und bann wilder weiter. Da hab ich ihm mei Bett abgetreten. Später hat er feinen Namen gesagt und daß er Kunstmaler fei. Wer hat wissen können, daß Sams- tog braus wirb? Ich will auf ber Stelle tot um- foüen, wenn mich eine Schuld trifft. Ich hab' immer wieder getrieben und gebengft: ein Doktor muß her, ein Doktor muß her! Aber wie die jungen Leut halt er hat net mögen. Und gegen feinen Willen hab ich's auch net tun können> gell? Ich kann gar net sagen, wie er mich derbarmt, die arme Haut, heut kommt er mir so gspaßig vor, gar net gut. Muß er sterben?"
..Wir wollen es nicht hoffen", murmelte Bruager. „Wir haben getan, was man tun kann. Der Ausgang steht nicht in unserer Hand.
Fidel Butscher kämmte ratlos feinen viereckigen Bart, bann fuhr er mit dem Hanbrücken über bie Lugen unb sagte entschulbigenb: „Wenn man mit einem brei Tage und brei Nächte beisammen is, dann gewöhnt Thar, sich an ihn, als wär's ber eigene
B Brüher."
! „Schon gut, Butscher, schon gut. Gar so verzweifelt brauchen Sie noch nicht zu sein. Es kann noch alles recht werden. Ich habe Fälle durchkommen sehen, bie hatten einen noch hoffnungsloseren An- sehen. Am besten ist es, Sie gehen jetzt an Ihre
Arbeit und machen möglichst wenig Lärm. Wenn ich Sie brauche, rufe ich."
Der Senn nahm feine Kübel auf und tappte davon. Dr. Brügger schlich auf den Zehenspitzen ans Bett. Wenn er ehrlich gegen sich selber fein wollte, viel Hoffnung hatte er nicht. Ein durchgebrochener Blinddarum war keine Kleinigkeit, man mußte ab- roarten. Brügger verjagte eine Fliege, bie sich auf ber stoppeligen Wange bes Kranken niedergelassen hatte. Dann grübelte er. Von dem alten leichtsinnigen Boy war nicht mehr viel übrig. Was da vor ihm in den Kissen lag, war eine Menschenruine, ein armer geschlagener Kerl, ber mit bem Boy von einst wenig gemein hatte. Ein paar Tage Krankheit — unb schon war bie ganze Herrlichkeit wie wegge- blafen. Boy war auch einer von denen gewesen. Die er um ihrer Sieghaftigkeit willen einmal beneibet hatte. Und jetzt? Jetzt hing Leben und Tod von einem kleinen, faustgroßen Muskel ab, ber sich zusammenzog, erweiterte, unablässig, aber schon schwächer, wie lange noch?
Junge, Junge, was machst bu mir für Sorgen! — bachte Brügger bekümmert und faßte nach dem Puls des Kranken. Ein bißchen zu schnell, ein bißchen zu leise, aber wenigstens nicht jagend oder flattrig. Strophantin war ein großer Segen. Was konnte man sonst noch tun? Nichts als warten und hoffen. Er nahm den gerlefenen Kalender von der Wand und warf einen Blick hinein. „Schatzkästlein für bie christliche Familie. Erbauliches für heitere unb ernste Stunden", las er. — Lieber Himmel, was gibt es schon viel Erbauliches in ber Welt! bachte Brügger bitter. Vielleicht das mit Anna? Er feuerte den Kalender in eine Ecke. Dann legte er sich bequem in den Stuhl zurück und versuchte zu schlafen. So verrann eine Stunde. Endlich kam Hingerl zurück.
,/Den Doktor Koch habe ich beim Zollhaus abgesetzt, wie Sie es angeordnet haben. Soll ich jetzt etwas zu essen richten?"
„Danke."
„Was danke?"
„Ich will nichts. Ich habe keinen Appetit."
„Aber Sie müssen doch essen. Aus nichts wird nichts. Wir hätten etwas mitnehmen sollen. Wir haben doch gewußt, daß es eine langwierige Sache
wird. Blinddarm geht nie so eins, zwei, brei. Ich werbe mich mal mit biesern Butscher befassen. Irgend etwas wird schon aus diesem Strunk heraus- zuquetschen fein. Uebrigens fällt mir da ein, daß ich im Zollhaus hätte telephonieren sollen. Ihre Frau wird sich ängstigen, wenn wir über Nacht aus- bleiben."
Brügger lachte höhnisch. „Sie überschätzen bie Frauen, Hingerl." Dann wanderte er ans Fenster und starrte in den grellen Tag.
Hingerl schüttelte hinter seinem Herrn den Kopf unb ging unzufrieben ab, um ben Fibel Butscher zu suchen. Jrgenb etwas mußte her, Butter, Eier, Mehl. Oder geselchtes Fleisch oder Schnaps. Na- menllich ein Schnaps wäre jetzt nicht zu verachten. Er gab bem belfernden Spitz, der nach seiner Hose schnappte, einen Tritt, was die Freundschaft nicht gerade förderte.
Der Nachmittag verging, der Abend, die Nacht. Ein Gewitter rollte zwischen den Bergen, Sturzbäche oon Regen flössen nieder. Schließlich kroch zarte Rosenröte über die Scheitel der Felsen. Auf den erquickten Gliedern der Erde lag früher Tau. Brügger, gerädert von dem ungewohnten Liegen auf Heu unb Decken, erhob sich, zog Rock unb Schuhe an und öffnete das Fenster. Ein Schwall tatter Luft fuhr über feine Schläfen. Dann sah er mißtrauisch nach dem weißblau tarierten Bett. Aber bas Bett und sein Inhaber befanden fick in schönster Ordnung. Boy gefiel ihm heute wesentlich besser. Seit die Abflußöffnungen geschaffen waren, schied der Körper die Gifte leichter aus. Brügger füllte eine Schüssel am Brunnen und säuberte dem Krauten Gesicht und Hände mit dem eiskalten Naß. Kaspar Fender, von einem prickelnden Brennen aus dem Schlummer gescheucht, schlug langsam die Lider auf, bemühte sich um Verstehen und flüsterte schließlich ganz vernünftig:
„Ist es vorüber, Paps?"
„Jawohl, mein Junge", lächelte Brügger zuversichtlich.
„Unb —
„Ich hoffe bas Beste. Du wirst dich selber wohler fühlen, nicht?"
„Glaubst bu, baß ich es schaffe?" forschte Fenber mit Bettleraugen.
„Sicher!"
„Versprich es mir!"
Brügger streckte ohne Besinnen bie Hand aus. Ein guter Arzt muß lügen können. „Du hast eine Bärennatur. Da ist mir nicht bange. Aber sprich nicht so Diel, bas viele Reben ist schädlich."
Fenber sah auf bie Bettbecke, bann hob er bie Augen.
„Kann ich ein bißchen Wasser bekommen? Bloß einen Schluck?"
.Brügger tarn mit einer Tasse zurück.
„Danke, Paps." Man merkte ihm an, baß er nach Worten suchte. „Ach, Paps, ich habe viel Blödsinn gemacht im Leben."
„Schön, daß du es einsiehst. Aber wir wollen das für später aufheben, wenn bu gesund bist."
Kaspar Fender kämpfte mit sich. Dann war er im reinen. Es war besser, zu reden. Vielleicht wurde einem davon leichter.
„Du —!"
„3a?"
„Ich muß dir etwas beichten."
„Hat das nicht Zeit ?"
„Es ist wichtig, es drückt mich. Wenn man so da- liegt, kommen einem allerhand Gedanken. Ich habe eine großO Dummheit begangen."
„Sprich dich getrost aus , ermunterte Brügger freundlich. „Es wird nicht gleich den Kragen kosten."
„Ich habe zweitausend Mark von deinem Konto abgehoben", murmelte Fender beschämt und hielt die Augen auf die Bettdecke gerichtet.
„Was hast du?"
„Ich habe ein bereits unterschriebenes Formular aus deinem Scheckbuch gerissen unb ben Betrag eingesetzt. Ich weiß, bas war eine große Lumperei, aber ich brauchte Gelb", gestand ber Kranke zögernb.
„Ach, bu warst bas?" rief Brügger erstaunt. „Und ich hatte Anna im Verdacht."
„Wieso Anna?"
„Es kamen verschiedene Verdachtsgründe zusammen, ich kann dir bas in ber Eile nicht so erklären, kurzum: ich tippte auf meine Frau —"
(Fortsetzung folgt.)


