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Kämpfe im Winter sollten die Grundlage für einen solchen Anlauf schaffen: die materielle und die see­lische Grundlage. Dies ist nicht geglückt. Die Sow­jets führen eine aktive, sogar sehr aktive Verteidi­gung. Aber sie sind und bleiben und das ist der dritte wesentliche Charakterzug des Sommerfeld­zuges in der Verteidigung. Es sei mit Nachdruck yervorgehoben, daß in ihren Vorstößen bei Woro­nesch und Orel, bei Kaluga, Medyn, Rschew, auch weiter nördlich beiderseits des Ilmensees, militä­rische Kraft steckte, eine große Vorbereitung und ein deutlich erkennbarer Wille zu einem entschei­denden Durchbruch gegen die gewaltige deutsche Schrägflanke, die sich vom Nordwesten nach Süd­osten, von Leningrad bis Stalingrad hinzieht. Die Längenausdehnung dieser Schrägflanke, für deren Dimensionen es keine kriegsgeschichtliche Vergleichs­möglichkeit gibt, beträgt rund 2500 Kilometer. Vergleichentfernungen sind in derLuftlinie" die Entfernungen von Berlin nach Alexandrien oder von Danzig nach Gibraltar. Die meisten Kampf­orte dieser Schrägflanke hasten in unserem Ge­dächtnis seit dem Winter. Auch hier tritt hervor, daß in den Wintertämpfen für uns die Grund­lagen gelegt wurden, die die Sowjets für sich ver­geblich zu erringen versuchten.

Noch einen vierten wesentlichen Charakterzug glauben wir erkennen zu können: Die siegreichen Kämpfe am Südabschnitt haben eine räumliche Frontausweitung gebracht. Gleichzeitig sind aber erkennbare Verteidigungs-Wehrgrenzen an der Wolga, an dem gewaltigen Kaspischen Meer, das mit seinen 436 500 qknr fast so groß ist wie das Versailles-Deutschland, und im Kaukasus erreicht worden. Verteidigungsgrenzen, die aber auch für uns Ausfallstellungen sein können, gegen die aber die Sowjets nur sehr schwer anzurennen in der Lage find. Diese für uns wirkenden Verteidigungs­grenzen müssen nochabgerundet" werden; wenn das aber geschehen ist, so liegt die Bestimmung über die Stärke der dort eingesetzten Truppen im wesent­lichen bei der deutschen Kriegführung und ihren politisch-militärischen Zielsetzungen. Die Frontaus­weitung erlaubt eine Frontverdünnung. Auch Ver­kürzungen der Nachschubwege find denkbar. Die Frontintensität weicht einer gewissen Frontextensität. Nichts beweist sinnfälliger unsere Zwischenbilanz als die Heftigkeit, mit der die Sowjets ihre Kräfte vor dem Angelpunkt Stalingrad zufammenballen. Im Vorjahr sagten wir um dieselbe Jahreszeit:Die Sowjets wissen Bescheid, sie wissen, daß der ,russische Raum* nur bis zu einem gewissen Grad für sie wirkt und sich dann gegen sie kehrt. Daher die Hef­tigkeit ihres Widerstandes^ ihres Festkrallens in den Boden." Mit noch sehr viel größerer Berechtigung lassen sich die Worte vom Herbst 1941 auf die Lage im Frühherbst 1942 anwenden. Dr. Ho.

Drei Hasen Madagaskars von den Briten überfallen.

Vichy, 10. Sept. (DNB.) In einer amtlichen Meldung wird ein neuer Ueberfall englischer Streit­kräfte auf Madagaskar mitgeteilt. Es heißt, daß sich das Unternehmen gegen verschiedene Hä­fen der Westküste richtete. Eine mindestens ebenso große Flotte wie bei dem Ueberfall auf Diego-Suarez habe im Morgengrauen des 10. 9. den großen Hafen Majunka angegriffen, ferner A m o a j a, 200 Kilometer südlich von Die^o- Suarez, und Morundava, 550 Kilometer Eid­lich von Majunka. Die britische Luftwaffe über­fliege das Innere der Insel und sei bis 160 Kilo­meter in das Innere gelangt. In der Mitteilung heißt es, die Franzosen brandmarkten diesen un- gualifizierbaren Angriff. Ihre Herzen und Gedan­ken seien in dieser Stunde bei den heldenhaften Verteidigern der Insel, die unter ungleichen Be­dingungen für das Interesse und die Ehre Frank­reichs kämpften. Eine Verlautbarung des nord- omerikanischen Staatsdepartements vom Donners­tag besagt, daß die Regierung Großbritanniens und der Vereinigten Staaten übereingekommen sind, wenn nötig, weitere militärische Operationen auf Madagaskar durchzuführen.

Ein USA.-Seneralstabschef für England.

Stockholm, 10. Sept. (DNB.) Wie Reuter meldät, aas dasHauptquartier der amerikanischen Armee für den europäischen Kriegsschauplatz" die Ernennung General Walter Bedell Smiths zum Generalstabschef General Eisenhowers, des Oberbefehlshabers für die Operationen der ameri­kanischen Armee an der europäischen Front" be­kannt. Smith war vom Oktober 1932 bis zum 1. Fe-

Das Echo der Churchill-Rede.

Von unserer Berliner Schriftleitung.

Churchill hat vor dem Unterhaus eingestanden, daß bei seinem Besuch im Kreml Stalin krachend auf den Disch geschlagen hat. Er hat das zart um­schrieben mit den Worten, daß seine Rede barsch gewesen sei. Das Echo, das jetzt die Reden Roose­velts und Churchills in der ihnen willfährigen Presse findet, läßt keinen Zweifel darüber, daß Stalin kategorisch eine Entlastungsoffen­sive gefordert hat. Nach dem Neuyorker Sen­der müssen Roosevelts und Churchills Parlaments­erklärungen als offizielle Ankündigung der von Stalin geforderten zweiten Front angesehen wer­den. Dazu feien schon vor längerer Zeit wichtige militärische Entschlüsse gefaßt worden. Das Ziel ,ift nach einer Washingtoner Meldung die Aufstel­lung eines Heeres von acht Millionen, ausgestattet mit den modernsten Waffen. (Zur Zeit zählt nach der gleichen Quelle das Heer drei Mil­lionen.)Man kann annehmen, daß ungefähr gegen Ende 1943 die benötigten acht Millionen eingezogen und ausgebildet sind." Dann' werden diese acht Millionen wahrscheinlich in einem Gewaltmarsch über den Ozean setzen. Armes Europa! Zur Zeit ist man mit der Einrichtung von Truppenlagern für die Ausbildung von Gebirgstruppen beschäf­tigt. Die Ausbildung erfolgt in einem Gelände,das demjenigen Nordeuropas ähnelt". Vordringlich aber ist die Lösung der Uniformfrage, weil ,Hie britische Frontuniform als unzweckmäßig für die USA.- Streitkräfte in Großbritannien befunden wurde". Es wird deshalb eine besondere Uniform entwor­fen,die die Ansprüche der amerikanischen Sol­daten befriedigen soll". Für acht Millionen, bis Ende 1943! Solange müssen wir also noch warten?

DieDaily Mail", ein Organ, das sich den Kon­servativen zuzählt, schreibt kurz und bündig und wahrheitsgemäß, Churchills Behauptung, er und Roosevelt seien entschlossen,so schnell wie möglich" dem bedrängten Stalin zu Hilfe zu kommen, sei nichts als eine leere Phrase, denn Churchill habe ja keinen Zeitpunkt genannt, und seine Be­hauptung von der Drinalichkeitsbeschastung für eine zweite Front stehe auf demselben Niveau: Nicht wir übten diese Kritik, sondern ein großes Lon­doner Organ, das aus seiner Verzweiflung dar­über, daß alle Kriegsereignisse für die Alliierten in Rückschlägen bestehen, keinen Hehl macht. Wenn der Daily Telegraph", das Blatt Edens, jetzt trauernd bemerkt, die Tagö des blood, toil and tears, des Blutes, Schweißes und der Tränen, die in einem lichten Moment Churchill England prophezeite, feien nicht vorüber, England stände noch gar nicht in dem Stadium, in dem es vom Siege sprechen könne, dann läßt das doch ermessen, wie die Stim­mung wirklich ist. Und der amerikanische Rundfunk bemerkte, als das Unterhaus dahingekommen fei, daß der Bericht des Premiers eben nur ein Be­richt war, habe es jedes Jnteresie verloren und er fei im Sande verlaufen. Das fei ein Beweis dafür, daß Worte ihre Macht verloren hatten. Selbst wenn sie aus dem Munde eines Churchills kommen! Moskau ist schließlich über Churchills Be­richt geradezu konsterniert, und die amerikanische NachrichtenagenturUnited Preß" meldet aus Mos­kau, die sowjetische Oeffentlichkeit hätte aus Chur­

chills Rede zum erstenmal erfahren, daß zwischen ihm und Stalin ernste Unstimmigkeiten über die Führung des Krieges entstanden seien. Die Sowietbevolkerung habe zwar schon vermutet, daß die Moskauer Kon­ferenz nicht in allen Teilen zufriedenstellend verlau­fen sei, doch habe sie bisher immer noch vage auf die baldige Eröffnung einer zweiten Front gehofft. Chur­chills Unterhauserklärung habe aber allgemein ben Eindruck bestärkt, daß eine militärische Hllse Eng­lands und der USA. sob'aldnichtzuerwar- t e n fei.

Einige Fingerzeige zur wirklichen Lage gab der britische Handelsminister Dalton, der in Man­chester sagte, infolge der Schiffsversenkungen erreiche man jetzt -in England das Stadium, in dem es nicht mehr möglich sei, die bereits sehr knappen Lebensmittelrationen noch weiter herabzusetzen, und General Sir Robert Gordon F i n l a y s o n schreibt, der deutsche Vormarsch im Kaukasus fei eine poten­tielle Gefahr für die britischen Truppen auch im Irak und in Iran, die Deutschen befänden sich insofern in einem gewaltigen Vorteil, als sie im Gegensatz zu den Engländern über ausgezeichnete rückwärtige Verbindungen verfügten. Tatsächlich sind das die Achillesfersen Englands, wie dieFinan­cial News" die Schiffsversenkungen bezeichnete. Das sind Tatsachen. Die Worte Churchills werden selbst in England als Phrasen bezeichnet! >

Das Ltnterhaus erneut in die Ferien geschickt.

S t o ck h o l m, 10. Sept. (Europapreß.) Nach dem überraschenden Verstummen der Kritik unmittelbar nach Churchills Rede kam es am Mittwoch im Un- terhaus zu einem heftigen Angriff auf den Premier­minister. Aneurin Bevan, der unerbittlichste Kri­tiker der Regierung auf der äußersten Linken der Labour-Partei, sagte, die Nation habe keinerlei Vertrauen in die Kriegführung Chur­chills. Sie habe sogar mehr Vertrauen zu Woro­schilow und Timoschenko als zu Churchill und seinen Generalen. Einem besonderen Angriff war noch Stalfford Cripps ausgesetzt, weil er im Anschluß an die erste Sitzung des Unterhauses den Abge­ordneten vorgeworfen hatte, sie hätten zu wenig Interesse für die Vorgänge im Parlament. Der Lab our-Abgeordnete S h i n w e l l fragte Cripps, mit welchem Recht er seine Vorwürfe geäußert habe. Der unabhängige M c G o o e r n sagte, Cripps habe das Unterhaus züchtigen wollen. Cripps sagte, er habe nur mit dem Recht jedes Abgeordneten, feine Meinung zu sagen, gesprochen, und er denke nicht daran, ein einziges Wort davon zurückzunehmen.

Die verschiedenen Uniformen, die Churchill auf feiner Reise nach Moskau und dem Mittleren Osten getragen hat, waren ebenfalls Gegenstand heftiger Kritik. Der Arbeiterabgeordnete B e v a n bezeichnete sie alskomisch" und tat Churchills Rede alskindischen Unsinn" ab. Als Churchills Sohn, Major Randolph Churchill, versuchte, in die De­batte einzugreifen, wurde ihm aus den Reihen der Linken geraten, seinen Krankheitsurlaub abzubre- chen und schleunigst nach Kairo zurückzufahren. Auf Antrag der Regierung ging das Haus erneut für kurze Zett in Ferien.

bruar 1942 Erster Sekretär des Generalstabes beim Kriegsministerium und vom 1. Februar bis zum 3. September 1942 Sekretär beim Chef der kombi­nierten Generalstäbe in Washington.

Kleine politische Nachrichten.

Am 18. August fiel Ritterkreuzträger Oberleut­nant Sack, Zugführer in einem Infanterieregi­ment, ein aus dem Unteroffizierstand hervorge- gangener Offizier, der schon im Westfeldzug noch als Oberfeldwebel für mehrfach bewiesene hervor­ragende Tapferkeit mit den beiden Eisernen Kreuzen ausgezeichnet worden war und das Ritterkreuz Ende September 1941 erhalten hatte, als er eine aus Last­kraftwagen und bespannten Geschützen bestehende feindliche Marschkolonne vernichtet und eine feuernde bolschewistische Batterie gestürmt hatte.

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Seit einigen Wochen weilten auf Einladung des Reichsministers für die besetzten Ostgebiete und der Reichsjugendführung estnische Jugendfüh-- rer in Deutschland. Die Gäste wurden mit den Einrichtungen der HI. vertraut gemacht und lernten die deutsche Jugend in ihrem Einsatz im Kriege kennen.

Die Technische Hochschule in Karlsruhe teilt mit, daß der Hochschulbetrieb auch im Wintersemester 1942/43 in vollem Umfang weitergeführt wird. Der Lehrbetrieb ist uneingeschränkt gesichert.

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Ein mit fünf Mann besetztes englisches Flugzeug verunglückte in der Nacht zum Samstag in Nord- schweden. Dabei tarnen drei Mann der Besatzung ums Leben. WieAftonbladet" meldet, stieß das Flugzeug bei einem Notlandungsoersuch gegen eine Bergwand. Die beiden Ueberlebenden erreichten nach tagelangen mühseligen Märschen bewohnte Gegenden. Sie wurden von den Militärbehörden interniert

Eine britische Parlamentsdelegatton wird auf Wunsch Tschiangkaifcheks demnächst Tschungking einen Besuch abstatteten. Je zwei Mitglieder des Unter- und Oberhauses werden die Reise nach Dschunking antreten.

Kunst und Wissenschaft.

Franz Koch über Demheber.

Der Berliner Literarhistoriker Dr Franz Koch hat im Verlag Albert Langen/Georg Muller, München,

Geemannsgeschichten.

Bon Sigismund von Radeüi.

In der Dämmerung liegt das Städtchen da. Die offenen Fischerboote scheinen, dicht aneinanderge­drängt, zu schlafen.

Beim Herantreten an die Landungsbrücke be­merkte ich, daß ein Segelboot aus Runö Anker ge­worfen hat; der breite Rumpf verfließt mit feiner Wafferspiegelung zu einer unförmigen dunklen Masje. Auf der Bank vor dem Bootshäuschen glim­men ein paar rote Punkte: das sind die Tabaks­pfeifen, da fitzen sie wieder und erzählen sich Ge­schichten der alte Tärnsson, Schneidermeister Polterbaum, Kappel, der gröbste Mann im ganzen Hafen, und die seehundsgrauen Runöer, die von ihrer Insel hierherfahren, um Eier zu verkaufen und sich für ein paar Monate mit Neuigkeiten zu verproviantieren.

Heute scheint Tärnsson etwas Besonderes zu er­zählen. Ich setze mich schweigend hinzu, denn Be­grüßungsformeln sind nicht Sitte jeder kennt hier jeden hohlen Zahn vom anderen. Der alte Tärnsson wischt sich mit dem Handrücken über die Stirn, schaut gedankenvoll auf ein Schwärmchen Mücken, die fortwährend auf- und niederwippen, und fährt in feiner Erzählung fort:

... Ich ließ mich also von einem Dampfer an» heuern, dem gerade ein Mann mit Tod abgegangen mar. In der Höhe von Aden mußten wir Sonnen- jegel auffpannen, es war so heiß das Wasser brannte direkt; vom Glitzern schmerzten einem die Augen. Kurs hielten wir auf Insel Mauritius. Ein­mal, am Nachmittag die See war ruhig hab ich Dienst im Kartenhaus: Messingputzen. Wie das so geht, setz ich mich ein bißchen hin und will ein­schlafen es war doch niemand drin ... Plötzlich seh ich, daß ein Mann hereingekommen ist; so leise, daß ich nichts gehört hab. Ich geb mir einen Ruck und guck ihn von der Sette an: der Mann will mir fremd vorkommen, ich kann und kann mich nicht er­innern, daß wir so einen an Bord gehabt haben. Grauer Flanellanzug, rotes Gesicht mit einer Stirn-

schramme, kurze weiße Haare. Er spricht kein Wort, sieht mich an, als ob ich gar nicht da bin, und beugt sich über den Naoigationstisch. Am Tag vor­her hatte dort der Kaptein mit dem Steuermann auf der Karte den Kurs eingezeichnet; Parallel­lineal und Bleistift lagen noch daneben. Ich putze mein Messing und seh, wie der graue Gentleman auf der Karte was aufzeichnet; dann geht er lang­sam und leise wieder hinaus. Ich mach meine Ar- beit schnell fertig und gehe zum Steuermann. Steuermann, wir haben einen blinden Passagier an Bord."Wieso?" fragt der Steuermann. Ich sag: so und so, und auf der Karte hat er auch herumgezeichnet; ich war messingputzen, ich hab es gesehen.

Der Steuermann holt den Kaptein, wir gehen ins Kartenhaus. Da liegt der Bleistift, da liegt das 2meal, und von unserer Kurslinie führt ein schwar­zer Bleistiftstrich ab, der endet mitten im Ozean in einem dicken Kreuz. Der Kaptein läßt das ganze Schiff durchsuchen der Gentleman ist nicht zu finden! Nun will der Kaptein diesen Strich mit dem Jtreu3 schon wegradieren, als der Steuermann den Zirkel nimmt und anfängt, nachzumefsen: der Strich zweigt genau an dem Punkt ab, wo unser Schiff gerade jetzt eben stehen muß! Die beiden sehen sich an, und es wird plötzlich unheimlich. Der Kaptein sagt kein Wort, nimmt die Kompaßrich­tung von dem Strich ab Südost zu Ost und kommandierte durchs Sprachrohr dem Mann am Steuer:Sudost zu Ost!" Sechs Stunden Fahrt waren wir von dem Kreuz entfernt. Na, ihr könnt euch denken, wo wir mit den Gläsern den Horizont abgesucht haben, nichts zu sehen!

Nach fünfeinhalb Stunden, bei Sonnenunter­gang, sagt der Bootsmann plötzlich, er sieht einen schwarzen Punkt auf Steuerbord Wir nehmen Kurs, und richtig, nach zehn Minuten erkennt man deutlich: ein Boot. Sie haben Tücher an die Rie­men gebunden und winken damit hin und her. Wir stoppen dwars und machen das Fallreep klar: sie kommen mehr tot als lebendig an Bord. Passagiere und Matrosen von einem DampferSurabaja"; Kesselexplosion; die anderen zwei Rettungsboote sind gekentert. Wtt setzen Boote aus, um vielleicht

noch Leichen zu bergen; es müssen aber wohl zuviel Haifische da he^um gewesen fein. Ein paar Planken und Korkwesten, weiter war nichts zu finden. Und wie wir schon wieder zurück zum Schiff rudern, schlage ich fast mit dem Riemenbrett an einen Toten; er wollte eben heraufkommen, der Mann. Wir bergen die Last, und wahrhaftigen Gott! ich erkenn meinen Gentleman aus dem Kartenhaus wieder: grauer Anzug, rotes Gesicht und Stirn- fchramme, weiße Haare. Wir kommen an Bord: bas ist unser Kapitän", sagt einer von den ge­retteten Matrosen, und nimmt die Mütze in die Hande. Und genau eine halbe Stunde, nachdem sein Schiff gesunken war und er selbst schon lange tfafyrt gemacht hatte, ist dieser Mann bei uns oben im Kartenhaus gewesen um zwei Uhr nach­mittags, ich weiß es wie heute! und hat uns die Navigation eingezeichnet.

Dann haben wir wieder alten Kurs angenom­men, und den Gentleman noch in derselben Nacht mit Eisengewicht versenkt ... Tja, sowas kommt vor ..Er verstummt.

Jetzt ist es fast ganz dunkel geworden. Man sieht nur noch die zwei glühroten Pfeifendeckel; die Runöer aber sind nicht mehr zu unterscheiden, sie priemen.Jaja", sagt der Schneidermeister Polter- baum,es muß ihm sehr pressiert haben, daß er so am hellichten Tage ... Sonst lieben sie doch meist in der Dämmerung plötzlich dazustehen ..."

Gähnend brechen wir auf. Der alte Tärnsson steigt die Anlegetteppe hinunter, die Runöer klet­tern faul auf ihr Boot zur Nachtruhe, und auch der Schneidermeister erhebt sich gewichtig zum Aufbruch.

Deutlich knirschen unsere Schritte durch die Dun« kelhett; mir trennen uns, und jeder strebt duselig seinem Nachtlager zu. Die Füße erfühlen den Weg, zwischen den Baumkronen zeigt noch eine blasse abnung die Richtung an. Man ertastet die knar­rende Gartenpforte und taumelt durch den Jasmin-

*3UT Rimmer riecht nach Wäsche und

sri^em Holz. Und beim Einschlafen weiß man nur

da eine Mücke im höchsten Diskant durch Die Stille singt.

Das Land zwischen zwei Mühlsteinen.

Ms vor einem Jahr Truppen des Generals Wavell in Iran einfielen, wurde in London be­hauptet, daß es zur Sicherung der Selbständigkeit Irans und zum Schutz gegen gefährliche Machi- Nationen von Agenten der Achsenmächte geschähe. Die damalige iranische Regierung hatte sich gegen diesen aufgezwungenen Schutz gewehrt und erklärt, daß von den Achsenmächten nichts unternommen worden sei, was die Sicherheit des Landes gefähr­den könnte. Es zeigte sich sehr bald, daß die briti» scheu Behauptungen nichts als scheinheilige Vor­wände waren, um die Ausladung der britischen Be­satzungsarmee an der Küste des Persischen Golfes durchführen zu können. Der Stuxz der die iranische Neutralität verteidigenden Regierung und der gleich­zeitige Einmarsch auch bolschewistischer Truppen von der Kaukasusgrenze her zeigten sehr bald, daß Iran dazu ausersehen war, in Verbindung mit den Kriegsausweitungsplänen Englands im Mitlleren Osten Aufmarsch- und Versorgungs. gebiet zu sein. Ein Jahr britisch-sowjetische Be­setzung haben das iranische Volk in Elend, Not und ungeheures Leid gestürzt. Die GPU. ebenso wie der britische Secret Service, und die brittsch-sowjetischen Besatzungstruppen haben ungeheure Blutopfer von diesem Land, das neuttal sein wollte, gefordert. Un« ter dem Druck Londons und Moskaus mußte Iran die diplomatischen Beziehungen zu Deutschland ab» brechen. Das iranische Volk aber weiß nichts von einer Feindschaft zum deutschen Volk. Iran ist eines der zahlreichen erschütternden Beispiele, wie Groß­britannien seine Macht ausübt, wenn es sich darum handelt, seine politischen und wirtschaftlichen Inter­essen vorwärtszutreiben. Daß sich zu diesen Aus­beutern jetzt auch Amerika gesellte, rundet das Bild von dH demokratischen Freiheit der Plutokratte ab.

eine Arbeit über den Lyriker Josef Weinheber er­scheinen lassen. Die hohe Kunst Weinhebers ist in dieser Schrift jenseits aller philologisierenden Dar­stellungsweise aus verstehendem und deutendem Mit- erleben sichtbar gemacht worden; so ist uns der Weg zur vollen Erschließung des aus den letzten Ursprün­gen unseres völkischen Wesens aufsteigenden Werkes Weinhebers gewiesen.

Professor August Döllken 75 Jahre all.

Am 11. September vollendet der emerit. außer­planmäßige Professor für Neurologie und Psychia­trie an der Universität Leipzig Dr. August Döllken fein 75. Lebensjahr. In Werden (Rhein­land) geboren, studierte er in Leipzig und Marburg und promovierte 1896 in Leipzig. Nach mehrjähriger Assistententätigkeit in Leipzig habilitierte er sich ebenda 1902 für Psychiatrie und wurde 1909 a. o. Professor. Sein Arbeitsgebiet war die Anatomie des Nervensystems und die Therapie der Nerven­krankheiten.

Die Kunstpreise der Biennale.

Die vom Duce für ausländische Künstler für die Biennale in Venedig geftifteten Preise wurden dem deutschen Maler Professor Arthur Kampf und dem Schweizer Bildhauer Charles Otto Banninger zugesprochen. Von den Kunstpreisen der Stadt Ve­nedig für italienische Künstler wurde der Preis für Bildhauerei Francesco Messina zuerkannt, wäh­rend der Preis für Malerei unter Uao Semas« coni und Alberto S a l i e 11 i aufgeteilt wurde. Die Volpi-Preise für den besten ausländischen und italienischen Kupferstecher erhielten der Schwede Stig B o r g l i n d und Luici Bartoloni.

Wiederaufbau des Rubens-Hauses.

In Antwerpen wurde eine Ausstellung eröffnet, die dem Wiederaufbau des Rubens-Hauses gewidmet ist. Es soll ein Mittelpunkt des geistigen Lebens der Stadt werden. Neben der Beschaffung der wenigen unmittelbaren Erinnerungsstücke an Rubens (Hand­schriften, eine goldene Kette, ein Geschenk König Christians von Dänemark) gehen die Bemühungen vor allem dahin, die Bibliothek des großen Malers wieder einzurichten, alle Bücher und Schrif­ten zu sammeln, die aus seiner Zeit stammen, und von denen man weiß, daß sie der Künstler in Hän­den gehabt hat.

Professor Dr. Lari Jacobs 85 Jahre alt

In erfreulicher Frische vollendet am 12. Septem­ber der frühere langjährige Ordinarius für Pharma­kologie an ber Universität Tübingen, Geheimer Medizinalrat Professor Dr. Carl Jacobj, fein 85. Lebensjahr. Jacobj, der in Hamburg geboren wurde, absolvierte feine Studien in Göttingen, Leip- Zig, Tübingen und Straßburg. In Straßburg pro-

Allerlei von der Rose.

Als der Triumvir Marcus Antonius fein Leben in den Armen der schönen Kleopatra aushauchte, bat er, sein Grab mit Rosen zu bedecken. Ein großer Rofenliebhaber war Antiochus von Syrien; er schlief selbst im Winter auf Rosen. In Iran mar es in alter Zeit Brauch, daß man bei den Gast- mählern statt der Stöpsel rote Rosen in die Flaschen steckte. Wenn im Herbst das Abrizanfest gefeiert wurde, so stattete man sich gegenseitig Besuche ab und warf sich Rosen ins Gesicht. In der Land­schaft Auvergne gaben die Adligen einst ihren Töchtern keine andere Mitgift als ein Rosenhütchen ober ein Rosenbarett. Ein Freund der Rose war Dr Martin Luther; fein Petschaft zeigt eine Rose, m der em Herz ruht. Im 18. Jahrhundert gab es in Paris einen Dichterverein, dieRosati". Jeder Dichter, der in diesen Kreis ausgenommen werben wollte, mußte zu Ehren der Königin der Blumen ein Lieb bichten. Zu allen Zeiten haben bie Dichter die bezaubernde Schönheit der Rofe besungen.

Aber auch Rosenfeinde hat es gegeben. Zu ihnen gehörten der Kardinal von Cardonne und Herzog Heinrich von Guise, der in der Bartholomäusnacht eine Rolle spielte. Sie konnten nicht einmal den Geruch der Rose ertragen. Ms Dom Pedro, der Kaiser von Brasilien, sich mit der Prinzessin Amalie von Leuchtenberg vermählte, sttftete er für die Kavaliere feines Hofes einen Rosenorden. Als Drafel der Liebe betrachteten schon die alten Grie­chen Die Rose. Sie legten die Rosenblätter auf die boble Faust und zerschlugen sie mit der flachen Hand. Der mehr ober minber starke Knall ber der- ftenben Blatter weissagte ihnen Glück ober Unglück > in der Liebe.Trage drei Rosen, eine dunkel- rote eme blaßrote und eine weiße, drei Tage, drei Nachte unb brei Stunden hindurch in einer Kasche Wem, unb gib biefen Wein dem Gegenstand deiner Liebe zu trinfen, ohne daß er wisse, was darin war, unö er wird dich lieben mit ganzer Seele und dir treu bleiben dein ganzes Leben lang!" __ fo

lautet em altes, im Volksglauben begründetes «levesmittel. a xt