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Das Hilfswerk „Mutter und Kind"
(Nachdruck verboten.)
2. Fortsetzung.
Taunus ein Kindererholungsheim für 120 Pfleglinge gebaut werden.
3n der zweiten Hälfte des Jahres 1935 hat die NSV. mit der Einrichtung von Beratungsstellen der NSV.-Jugendhilfe begonnen, deren Aufgabe in der Uebernahme der Betreuung solcher Kinder und Jugendlicher besteht, die durch unzulängliche Erziehung im Elternhause gefährdet sind oder infolge Erziehungsschwierigkeiten einer besonderen Führung bedürfen. Diese Aufgabe hat der NSV. ein neues weites Arbeitsfeld zugewiefen, zu dessen sorgsamer Pflege sie ein ausgedehntes Netz von Beratungsstellen über das ganze Gaugebiet eingerichtet hat. Hier finden Jugendliche und Eltern stets jegliche Hilfe. Daneben erfordert auch das Pflegekinder- wefen fortgesetzte eifrige Ueberwachungstätigkeit.
Neben diesen vielseitigen Aufgaben läßt sich die NSV. auch den Kampf gegen die größte Volksseuche, die Tuberkulose, besonders angelegen sein. Dor
fieiner sieht bei der Reichssiroßensammlung am 11. und 12. April abseits! Der deutsche Sieg wachst aus der Opferbereitschaft des deutschen Volkes! Daran denke bei der Reichs- ftrahensammlnng!
kinderreich sind oder durch Krankheit in Not geraten waren. Heute setzt sich der Kreis der von der NSV. laufend Betreuten aus älteren Volksgenoffen, kinderreichen Familien, Angehörigen von Soldaten und aus solchen Familien, die durch Einwirkungen des Krieges besonders in Mitleidenschaft gezogen sind, zusammen. Die Mittel für alle diese großzügigen Hilfsmaßnahmen stammen aus den Straßensammlungen, den Opfern von Lohn und Gehalt, Firmen- und sonstigen Geldspenden sowie den verschiedenartigen Veranstaltungen zum Besten des WHW., das seit Ausbruch des Krieges als Kriegs-Winterhilfswerk noch ganz besondere Aufgaben zu erfüllen hat. Wenn auch die laufende Betreuung, die beim Win- terhilsswerk 1933/34 sich im Monatsdurchschnitt auf rund 790 000 Personen erstreckte, bis zum Verlaufe des Kriegs-WHW. 1940/41 auf einen Monatsdurchschnitt von 188 000 Personen gesunken ist, so hat doch die Breite und Tiefe der Aufgaben der NSV. keine Minderung, vielmehr eine gewaltige Steigerung erfahren, denn inzwischen sind der NSV.-Arbeit neue große soziale Verpflichtungen erwachsen, die zum Besten unseres Volkes erfüllt werden müßen und natürlich auch die erforderlichen Mittel notwendig machen. Hier ist u. a. hervorzuheben, daß im allgemeinen eine Erhöhung der Be- treuungsfätze vorgenommen wurde, so daß praktisch jedem einzelnen durch das WHW. betreuten Volksgenossen eine höhere Betreuung zuteil wird. Hinzu kommen andere vordringliche Aufgaben der NSV., insbesondere das großartige Hilfswerk „Mutter und Kind", für das im Interesse der Zukunft unserer Nation alljährlich ganz bedeutende Mittel aufzuwenden sind.
Erfreulicherweise findet die anerkennenswerte Arbeit der NSV. von Jahr zu Jahr in steigendem Maße Verständnis, Zustimmung und Förderung in allen Kreisen unserer Volksgemeinschaft. Dafür legen die ständig wachsenden Erträge der Reichs-
Als wichtigste Aufgabe der NSD.-Arbeit steht seit Sommer 1934 das auf Anordnung des Reichs- Ministers Dr. Goebbels geschaffene Hilfswerk „Mutter und Kind" im Mittelpunkt ihrer Tätigkeit. Es handelt sich dabei um drei Aufgabengebiete des Hilfswerks, nämlich um allgemeine Hilfsmaßnahmen für die Familie, um die Mütterfürforge und die Kinderfürsorge. Bis zum Dezember 1940 waren im Gaugebiet Hessen-Nassau bereits 1274 Hilfsstellen für „Mutter und Kind" eingerichtet, die zum Segen der Bevölkerung ihre vielseitige Arbeit leisten. In diesem Zusammenhänge sei erwähnt, daß in unserem Gau rund 42 000 Männer und Frauen ehrenamtlich in dankenswerter Weise für die NSV. Mitarbeiten, die Zahl der hauptamtlichen Kräfte dagegen außerordentlich gering ist. Während im Jahre 1935 rund 50 200 Besucher die Hilfsstellen „Mutter und Kind" in Anspruch nahmen, belief sich diese Zahl im Jahre 1941 bereits auf rund 335 600 Besucher; der Monatsdurchschnitt der Zahl der Betreuten belief sich auf rund 23 000 bzw. 28 000. Besonderes Augenmerk wird auf die Gesunderhaltung unserer deutschen Mütter gelegt. Zu diesem Zwecke wurden bis jetzt in unserem Gau sieben Müttererholungsheime erworben und eingerichtet, von denen ein Heim für werdende Mütter und ein Heim für Mütter mit Kleinkindern vorbehalten sind. In die Müttererholungsheime sind in den Jahren 1934 bis 1941 einschließlich rund 20 000 Mütter zur Stärkung, in das Mutterheim mit Kleinkindern von 1936 bis 1941 einschließlich rund 2300 Kleinkinder verschickt worden. Außerdem wurden von 1937 bis 1940 einschließlich (die Zahlen von 1941 liegen uns noch nicht vor) noch fast 46 000 werdende Mütter, Wöchnerinnen und ledige Mütter in die Betreuungsmaßnahmen der NSV' einbezogen. Wir berichteten hierüber ausführlich in unserem Aufsatz in Nr. 74 vom 28.Z29. März.
Die Kinderlandverschickung, die zu besonderer Bedeutung gelangte, wird auch heute noch neben der Verschickung von Kindern in eigene Heime der NSV. aufrechterhalten. Insgesamt wurden von 1935 bis 1941 von der NSV.-Kinderverschickung rund 37 300 Kinder in Heimen und rund 58 600 Kinder auf dem Lande untergebracht. Im Jahre 1941 begann die erweiterte Kinderlandverschickung, bei der Kinder und Mütter mit Kleinkindern aus luftgefährdeten Gebieten in Pflegestellen unseres Gaues untergebracht wurden. Unser Gau hat im Rahmen dieser Aktion im Jahre 1941 über 8000 Mütter und etwa 20 000 Kinder aus luftgefährdeten Gebieten ausgenommen. Außerdem wurden rund 15 000 Essenpor- tionen bei Transporten solcher Frauen und Kinder durch unser Gaugebiet von der NSV. ausgegeben.
In den Jahren 1934/35 wurde mit der Einrichtung von NSV.-Kindergärten begonnen, daneben wurde der Schaffung von Ernte- und Hilfskindergärten schon vor dem Kriege größte Beachtung geschenkt. Im Jahre 1941 wurden im Gauaebiet rund 500 konfessionelle Kindergärten in die Betreuung durch die NSV. übernommen. Zu den Ende Dezember 1941 bereits bestehenden 1166 Kindergärten sind in diesem Jahre rund 300 weitere Kindergärten hinzugekommen, daneben bestehen noch zahlreiche Erntekindergärten, Hilfskindergärten und Horte. In Aussicht genommen ist für die nächsten Jahre die Schaffung weiterer Säuglings- und Kleinkinderheime, vor allem auch an solchen Orten, an denen Heilquellen vorhanden sind, damit diese nutzbar gemacht werden können, Kiedrich bei Eltville wurde z. B. bereits eine Quelle erworben, dort soll ein großes Erholungsheim für 300 Kinder und 100 Mütter erstehen, ebenso soll in Bad Soden im
„Er war schon immer so abgebrüht, dieser Zigeuner —", brummte Welt in seinem Baß.
„Er ist kein Zigeuner", warf Willis ein, ohne den Kopf zu wenden.
„Also ein Halbzigeuner. Diese Gemeinheit. Verschwindet bei Nacht und Nebel mit der Norodna und der Kasse und bleibt drei Jahre hindurch ver- schwunden."
„Er ist weder bei Nacht noch bei Nebel verschwunden", ließ sich wieder Willis vernehmen", „es war an einem Vormittag im Mai, und die Sonne schien —"
„Du brauchst seine Handlungsweise nicht noch zu beschönigen, Willis", sagte jetzt Petersen, „zumal Lanos sie selber nicht beschönigt."
Willis schien jetzt mehr Anteil an der Unterhaltung zu nehmen. Er warf der Kapelle einen letzten Blick zu, wandte sich jetzt zu den beiden anderen und fetzte sich näher an den Tisch.
„Was sagte Herr Lanos?" fragte er.
„Er philosophierte", gab Petersen zur Antwort, „er meinte, es gebe im menschlichen Leben Augenblicke, wo jeder Vertrag und jede Bindung hinter anderen Interessen stehen müßte. Er könne mir das jetzt nicht so erklären, aber sei bereit, sich mit uns Dreien zu unterhalten und die Sache in Ordnung zu bringen —"
„Sagte er: die Sache in Ordnung bringen? Wörtlich?" fragte Welt und rümpfte die Stirn.
„Wörtlich. Und dabei machte er eine Miene, als fei das eine Kleinigkeit. Und das jagte ich ihm auch. Ich fagte ihm, er schulde uns drei Jahre unseres Lebens, denn in diesen drei Jahren hätten wir damit zu tun gehabt, uns umzustellen und hätten keine großen Engagements mehr bekommen, sondern uns auf kleinen Bühnen durchschlagen müssen."
Willis lächelte und schüttelte den Kopf.
„Wenn Lanos nun klug gewesen wäre, so hätte er jetzt gesagt: da seht ihr, was ihr an mir gehabt habt. Ohne mich seid ihr nichts. Sagte er nicht so etwas Aehnliches?"
allem sorgt sie hier für die rasche und entschlossene Inangriffnahme des Heilverfahrens, ohne sich vorher lange bei der Frage der Kostendeckung aufzu« halten, und für die sofortige Einweisung der Kranken in eine Heilstätte. Durchschnittlich werden in unserem Gau jährlich 65 Fälle erledigt, bei denen die NSV. die Kosten allein trägt, daneben kommen jährlich noch 90 Zuschuß- und 30 Asylierungsfälle in Betracht. In der allgemeinen Heilverschickung werden jährlich im Durchschnitt 400 Heilkuren finanziert. Für Kinder usw. werden Vitamintabletten und Stärkungsmittel ausgegeben, durchschnittlich 11 000 Kinder erhalten jährlich durch die NSV. Diphtherie- schutzimpfungen, außerdem kommen rund 1100 Scharlachschutzimpfungen in Betracht. Größter Wert wird auch auf die Zahnschädenbekämpfung gelegt, wofür im Gau Hessen-Nassau bereits die ansehnliche Summe von 100 000 RM. vorgesehen ist. Schließlich sei noch hingewiesen auf den reichen Segen, der durch die Tätigkeit des NSV.-Bahnhofsdienstes feit Jahren Tag für Tag Taufenden von Volksgenoffen, insbesondere Frauen und Kindern, zuteil wird.
Diese Gesamtschau auf die NSD.-Arbeit kann hier mit Rücksicht auf die Raurnverhältnisfe nur ein Bild in ganz großen Strichen geben. Eine Unsumme von Einzelleistungen, ehrenamtlicher Arbeit und großzügigster Aufwand von Geldmitteln im Dienste des bestens verstandenen sozialen Gedankens ist in diesem Ueberblick über ein Jahrzehnt der NSD.- Arbeit enthalten. Mit den Beiträgen der Mitglieder allein ist diese großartige Arbeit auch nicht im entferntesten zu finanzieren. Hier bildet das Ergebnis der Sammlungen mit den roten Opferbüchsen der NSV. das starke Fundament. Wer sich diese Leistungen einmal nachdenklich vor Augen hält, wird klar erkennen, daß die Beträge, die er in die Sammelbüchsen steckt ober an den Opfersonntagen bei- steuert, Bausteine zu einem gewaltigen sozialistischen Werk unserer Volksgemeinschaft darstellen. Damit dieses Werk immer weiter ausgebaut und zum Besten unserer Nation ausgefüllt werden kann, wäre zu wünschen, daß immer noch mehr Volksgenossen Mitglieder der NSV. werden und außerdem alle bei den Sammlungen nicht nur spenden, sondern wirklich opfern. Auch das ist ein Teil des Dankes an unsere Soldaten und ein bedeutender Beitrag zu unserem Siege und für Großdeutschlands Zukunft. B.
Warnung aus Stendal
Roman von A. Lothar Philipp
Zehn Jahre NGV.-Arveit im Gan Hessen-Nassau.
Aus den Sammelbüchsen erwuchsen große soziale Taten zum Besten der Volksgemeinschaft
1OO Jahre Tierernährung
Von Dozent Dr. Rudolf Schreiber, Gießen. , Agrikulturchemisches Institut der Ludwigs-Universität.
Am heutigen Samstag und am morgigen Sonntag wird von der Deutschen Arbeitsfront die letzte Reichs-Straßensammlung des Kriegs-WHW. 1941/42 durchgeführt. Damit tritt erneut die Arbeit der NSV. in den Vordergrund, die jetzt im zehnten Jahre ihres Wirkens steht, lieber dieses Jahrzehnt einer vorbildlichen und in vielerlei Hinsicht aufbauenden Tätigkeit gab der Leiter des Amtes für Volkswohlfahrt im Gau Hessen-Nassau, Gauamtsleiter Fuchs, kürzlich vor Presse- Vertretern, die sich — wie von uns in Nr. 74 vom 28./29. März 1942 bereits berichtet wurde — zu einer Besichtigungsfahrt mit dem Gauamtsleiter getroffen hatten, sehr interessante Aufschlüsse. Daraus ging hervor, welche reiche Früchte das gewaltige Aufbauwerk der NSV. dank der opferfreudigen Hilfe unserer Volksgemeinschaft auf dem Wege über die Sammelbüchsen in unserem Gaugebiet bisher schon getragen hat.
Bei ihrer Gründung im Jahre' 1933 fand die NS.-Volkswohlfahrt auch in unserem Gau Hessen- Nassau ein ungeheures Ausmaß von Not und Elend vor, das rasche und durchgreifende Hilfe notwendig machte. Wir erinnern uns rückschauend der Kartoffel-, Getreide-, Pfund- und Brotfpenden im ersten Winter- Hilfswerk 1933/34. In unserer Erinnerung tauchen die langen Autokolonnen auf, die Brot und andere Lebensrnittel vom Lande und aus den kleinen und mittleren Städten zu den notleidenden Volksgenossen in den Großstädten brachten. Durch die großzügigen Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen des Führers und den dadurch immer mehr anwachsenden Arbeitseinsatz erfuhr jene Notlage, die aus dem wirtschaftlichen Verfall der Systemzeit stammte, erfreulicher- weise schon bald eine starke Minderung, denn nun konnten viele Tausende von Volksgenossen durch den Ertrag ihrer Arbeit sich und ihren Familien wieder selbst das tägliche Brot beschaffen. Während zuerst Hunderttausende von Familien unterstützt werden mußten, handelte es sich später hauptsächlich noch um ältere Leute ober um Familien, die
nach Liebig mit dem Respirationsprozeß zusammen, ba die vermehrte Sauerstoffaufnahme, wie sie durch den Weidegang ober durch den Aufenthalt der Tiere im Freien bedingt ist, nur fettarme Tiere erzeugt, wogegen die Stallhaltung, infolge Mangel an Sauerstoff, die Fettbildung begünstige.
Liebigs hauptsächlichste Gegner auf diesem Gebiet der Ernährungslehre waren Dumas, Boussingault und Payen. Insbesondere Boussingault versuchte durch Fütterungsversuche nachzuweisen, daß die Fettmenge, welche das Futter enthielt, zur Fett- erzeugung ausreiche. In Wirklichkeit wurden jcdocy Ergebnisse erzielt, welche das Gegenteil bewiesen, so daß Boussingault sich zu Liebigs Ansichten bekannte Aber auch Liebigs Ansichten waren noch nicht vollkommen richtig, denn er wies dem Eiweiß zwar anfangs ein gewisses Fettbildungsvermögen zu, verlor biefe Tatsache aber aus den Augen und gab erst viel später, auf Grund von exakten Ver- suchsergebnisfen Pettenkofers mit dem Respirationsapparat, die Möglichkeit zu, daß auch das Eiweiß an der Fettbildung beteiligt sein kann.
Aber nicht allein die Der wertunq ganzer Futter- mittel und ihr Verhalten im Tierkörper, auch die B e Wertung der Futtermittel selbst erfuhr durch Justus Liebig eine grundlegende Aenderung D;e damals noch bestehende Bewertung der Futtermittel im Vergleich zu mittelgutem Heu nach der alten Heuwerttheorie von A. Thaer wurde durch Liebig gestürzt, denn man erkannte alsbald die Tatsache, daß die Zusammensetzung und die Beschaffenheit eines Heues sowie sein Nährwert durch die verschie- densten Einflüsse der Umwelt sehr großen Schwankungen unterworfen sind. Mit Justus Liebig beginnt die Beurteilung der Futtermittel nach den Ergebnissen der chemischen Analyse, und wenn auch
Fred Welt und Hans Petersen, seine beiden Partner, brauchten eine lange Trainingszeit, sich in diesen Rhythmus einzufügen. Welt, der starke Mann der Truppe, war ein prachtvoller Untermann und guter Fänger, auch als Clown war er durch seine stumme, etwas hilflose Mimik, die bei seiner l)ohen und starken Gestalt besonders gut wirkte, sehr beliebt, während wieder Petersen durch seine eleganten Bewegungen auffiel, durch welche er die gewagtesten Stücke ausführte und dabei ein Gesicht machte, als tue er das nur nebenbei und beschäftige sich innerlich mit ganz anderen Fragen. Er brachte es fertig, während eines hohen Sprunges vom Trampolin mit feinen Fingern zu spielen und sich seine Nägel zu polieren oder sich als oberster Mann in halsbrecherischen Stellen seine kleine Schleife gerade zu binden. Jede seiner Bewegungen war geschmeidig und elegant, und gerade dadurch wirkte er neben dem großen, starken, etwas unbeholfen aussehenden Welt auf das Publikum.
Alle drei trugen sich völlig gleich, dunkelgraue Anzüge mit hellgrauem Seidenhemd und scharlach- farbenen Schleifen.
„Vermutlich war er erschrocken, als du ihn trafest", fragte Welt feinen Partner Petersen.
Willis blickte zur Kapelle hin, kümmerte sich anscheinend nicht um ihr Gespräch, verlor aber kein Wort davon.
.Kein Gedanke", lachte Petersen und klopfte sich eine neue Zigarette auf seinem silbernen Etui aus, er stand auf, schüttelte mir die Hand, schob mir einen Stuhl zurecht und lud mich ein, bei ihm Platz m nehmen. Dann bestellte er Kaffee und Likör für mich und fragte mich so ganz harmlos, wie es uns denn in den drei Jahren so im allgemeinen und besonderen ergangen ist."
1940/41 auf 27 058191,01 RM. Dank der hervorragenden Dpferfrenbigteit bei allen Sammlungen konnte die NSV. allein bis zum Beginn des Krieges an Betreute für fast 26 Millionen RM. Lebensmittel aller Art, für rund 10 Millionen RM. Brennmaterial und für rund 16 300 000 RM. Bekleidungsstücke und Wäsche ausgeben. Da nach Ausbruch des Krieges infolge der Einführung der Kleiderkarte und der Lebensmittel- und Brennstoffbewirtschaftung zusätzliche Ausgaben durch das WHW. nicht mehr möglich sind, erhalten die Betreuten seitdem Wertscheine ausgehändigt, die sich in den beiden Kriegs- WHW.-Abschnitten 1939/40 und 1940/41 insgesamt auf rund 12 300 000 RM. belaufen. Diese Aufwendungen für die Betreuten stellen aber nur einen Teilabschnitt der NSD.-Arbeit dar.
straßenfammlungen, der Gaustraßenfammlungen, der Eintopfsonntage (feit Kriegsbeginn Opfersonn- tage genannt) und der fonftigen Sammeloeranstal- turtgen (z. B. „Tag der Wehrmacht", „Tag der deutschen Polizei" usw.) eindrucksvoll Zeugnis ab. Wir wollen davon absehen, eine lange Reihe von Zahlen der Erträge der einzelnen Sammlungen aufzuführen. Hervorgehoben fei jedoch, daß nach dem uns vorliegenden Material in den WHW.-Jahren von 1933/34 bis einschließlich 1940/41 in unserem Gau an Gesamt-Geld- und Sachspenden die gewaltige Summe von 126 567 926,22 RM. zu verzeichnen war. Die steigende Opferfreudigkeit unserer Volks- genossen mögen zwei Gegenüberstellungen beweisen: 1933/34 belief sich das Gesamt-Geld- und Sachspendenaufkommen auf 12 715 388,57 RM., es stieg
„Teufel, Willis", warf Welt ein, daraus wäre ich nicht gekommen."
„Natürlich nicht, Welt", sagte Petersen lächelnd, „du kommst nie auf etwas, wenn man dich nicht mit der Nase draufdrückt."
Zwischen dem großen und unbeholfenen Welt und dem kleinen, schlanken und eleganten Petersen bestand ein ganz sonderbares Verhältnis. Der kleine Petersen liebte es, sich über den großen Welt mitunter lustig zu machen und ihn fühlen zu lassen, daß er mit seinem beweglichen Geist nicht Schritt halten konnte. Besaß Welt iraenb etwas, was die Wünsche des Kleinen reizte, so ruhte dieser nicht eher, als bis er sein Stück davon abbekam. Diese Gutmütigkeit des Starken hinderte ihn jedoch nicht, eine Minute später sich wieder über ihn und seine Unbeholfenheit luftig zu machen.
Welt muhte eine' große Freundschaft für feinen schlanken, beweglichen Partner empfinden. Er ließ sich alles von ihm gefallen, ohne auch nur ein einziges Mal entsprechend zu erwidern. Er märe dazu nicht fähig gewesen. Er steckte die kleinen Bosheiten des Schlanken mit einem nachsichtigen Lächeln ein, ja, es hatte den Anschein, als freue er sich über die freche Schlagfertigkeit des Kleinen. Auch teilte er brav alles, was er befaß, mit ihm, und Petersen steckte bis über die Ohren bei dem Starken in Schulden. Nur ein einziges Mal hatte er nicht teilen wollen, und das war eine Stunde gewesen, da die beiden aneinandergeraten waren und der Kleine regelrechte Prügel von Welt bezogen hatte, was er ihm bis heute noch nicht verziehen hatte.
„Sagte er nicht so etwas Aehnliches?" hatte Willis gefragt.
„Nein", gab Petersen zur Antwort, „er machte sogar ein bedauerndes Gesicht und sagte, bas, tue ihm leid, und wenn er uns in irgendeiner Form helfen könne, um uns schadlos zu halten, so wolle er das gern tun. Nun wurde ich frech —"
„Natürlich!" warf Willis ein.
„Ja, und ich sagte ihm, wie er sich das überhaupt denke, mit der Kasse durchzubrennen "
„Und was sagte er?" fragte Welt.
„Ob ich wisse, was in der Kasse drin war. Ich sagte jawohl, das wisse ich ganz genau: dreihundertsechzig Mark. Nun, meinte er dann, seine Ansprüche gegen die Truppe hätten damals fünfhunderfünf- undachtzig Mark betragen, weil er stets unvorher- gesehene Ausgaben aus seiner Tasche bezahlt und die Truppe mithin beliehen habe. Und deshalb habe die Truppe immer noch zweihundertfünfundzwanzig Mark Gewinn durch seine Entfernung gehabt. Und diese zweithundertfünfundzwanzig Mark wolle er uns schenken als Buße für fein heimliches Entfernen."
Welt wurde jetzt ärgerlich.
„Diese Frechheit von dem Burschen", rief er, „man sollte ihn —"
,Es wäre besser, du würdest etwas leiser sprechen, Welt", fagte Willis, „wir wollen hier keine Dorstellung geben." Und dann blickte er nach den Dieben» tischen.
„Ich sagte ihm", fuhr Petersen fort, ohne sich um Welt zu kümmern, ,^)aß ich ihm dankbar wäre, wenn er heute abend neun Uhr nach dem Imperial-Dachgarten kommen würde, um mit euch auch zu sprechen. Er meinte,- jawohl, das sei ihm recht, er werde kommen. Möglicherweise einige Minuten später, keinesfalls fnäter als halb zehn Uhr. Das war alles."
Willis blickte nach feiner Armbanduhr.
„Es ist neun Uhr und zwanzig Minuten", fagte er, „er muß jeden Augenblick kommen —"
„Glaubst du denn im Ernst, daß er kommen wird", fagte Petersen und kniff die Augen zusammen, „ich, an seiner Stelle, würde nicht kommen."
„Nee", meinte Welt, „du nicht. Du bist ja auch ein Windhund. Aber Lanos, denke ich, wird kommen. Er hat eigentlich immer gehalten, was er versprochen hat —"
„Pah, ein Zigeuner —", machte Petersen verächtlich und blickte wütend zu dem großen Welt hinüber, der es gewagt hatte, ihn Windhund zu nennen, was wirklich unerhört war.
(Fortsetzung folgt)
Im April 1842, also vor genau 100 Jahren, erschien Justus Liebigs zweites berühmtes Werk: „Die organische Chemie in ihrer Anwendung auf Physiologie und Pathologie", welches nicht nur der Tierernährungslehre, sondern der gesamten Er- nährungswiffenschaft der damaligen Zeit einen gewaltigen Aufschwung gab.
Justus Liebig begründet im Vorwort dieses Buches die Ursachen, warum die Chemie der damaligen Zeit der Physiologie und Pathologie bisher keine oder nur unbedeutende Dienste leistete, und er versuchte die Kreuzungspunkte zwischen der Chemie und der Physiologie aufzuzeigen, um dadurch beiden Wissenschaften zu weiteren Fortschritten zu verhelfen. Die brei Abschnitte des Werkes befassen sich mit dem damaligen Stand der Tierernährungslehre, mit der Umwandlung von Substanzen im Organismus von Mensch und Tier und schließlich mit der „Theorie der Respiration".
Das Erscheinen des Buches war für die Landwirt- fchaftswisfenfchaft von fast ebenso gewaltiger Bedeutung, wie die Revolution, die fein erstes Werk: „Die organische Chemie in ihrer Anwendung auf Agrikultur und Physiologie" hervorrief, das zwei Jahre vorher, im Jahre 1840, erschienen war. lieber die Ernährung waren damals noch Anschauungen verbreitet, welche Liebig alsbald in seiner impulsiven Art heftig angri'ff. Man vertrat vor etwa 100 Jahren die Ansicht, daß das vom Tierkörper gebildete Fett ausschließlich aus dem Fett des Futters stamme. Man wußte zwar durch die Calorimeterverfuche Lavoifiers, daß das Tier von der Pflanzennahrung lebt, indem es diese verbrennt, jedoch man folgerte daraus die Ansicht, daß das Tier überhaupt keine synthetischen Prozesse auszuführen in der Lage ist, so daß der Ausbau von Körperfett „ausschließlich" vorn Fettgehalt des ©efamtfutters abhängt. Da man um diese Zeit lediglich volljährige Tiere mästete, welche in der Most nur Fett ansetzten, so schien der Masterfolg tatsächlich allein vom Fettgehalt des Mastfutters abhängig. Jedoch eine Anzahl von Füt- terungsverfuchen erbrachten Ergebnisse, welche dieser Anschauung ganz entgegengesetzt waren. Liebig erkannte mehr auf Grund seiner scharfsinnigen Ueberlegungen als durch experimentelle Beweise, daß Stärke und Zucker ebenfalls Erzeugungsquellen für das tierische Fett bilden. Die Fettbildung hängt


