(Nachdruck verboten.)
45. Fortsetzung.
Speisekarte reichen.
„Ein reifender Platz, Frank", sagte sie. „Und wie aufmerksam Sie bedient werden. Ich will diskret sein und Sie nicht fragen, mit wem Sie sonst bier sitzen. Aber ich f*abe wirklich nicht geahnt, daß Sie
au bleiben. Ä _ „ . , _
, Uebrigens bat ich Senorita Orgassa , fuhr San- tacilla fort, „uns beide allein zu lassen. Ich wollte mit Ihnen nämlich unter vier Augen reden, Dok- — Sie boten mir vor ein paar Stunden Ihre
„Andreas Schlüter."
Ein neuer $i(m der Terra im Gloria Palast.
reinen Indizienbeweis einen heillosen Respekt. Deshalb müssen wir den Revolver herbeischaffen.
3d) halte es nicht für wahrscheinlich, daß sie Die Waffe einfach weggeworfen hat. 3ch bin sogar davon überzeugt, daß sie den Revolver, als« sie mich gestern aufsuchte, in ihrer Handtasche bei sich trug. Vermutlich wird sie ihn in ihrem Hause sicher verwahrt haben. Ob -w'r ihn finden, wenn ich sie verhafte, ist fraglich. Wir müssen ihn irgendwie her- vorzaubern." „ ., J . -
„Und wenn wir die Waffe nicht finden, Don Santacilla?" w m
„Dann müssen wir den Beweis, daß die Perano Gonzales erschossen hat, anders, aber ebenso deutlich erbringen!"
Forester nickte zustimmend, er ließ sich dabei allerdings anmerken, daß ihm dieses .Irgendwie noch ein ungelöstes Rätsel sei.
„Was geschieht übrigens jetzt mit Brackmann? fragte er nach einer kleinen W^le.
„Ich kann ihn in seinem eigenen Intersse leider erst freilassen, wenn die Perano verhaftet ist. Er wird das einsehen, und ich hoffe, daß auch Senorna Orgassa die Notwendigkeit dieser Maßnahme be- ^F^orester^blickte auf: „Ich verstehe Sie nicht ganz, Don Santacilla ... haben Sie denn mit Senorua Orgassa bereits gesprochen?"
Nur ein paar Worte ... ich traf sie nämlich vorher unten in der Halle; sie hatte gerade chren Vater angerufen." Santacilla bewegte die L ppen wie em Weintrinker. „Eine entzückende junge Dame ... Sie glühte wie eine Rose, als. ich ihr sagte, daß sie Brackmann nun bald in ihre Arme schließen dürfe ..."
Forester machte ein Gesicht, als verursachten ihm Santac llas poetische Vergleiche eine leichte Uebel- feit und als bäte er chn dringend, bei der Prosa
EinMann rechnet ah
Roman von Horst Biemath
Am 9. November vollendete der Direktor des Staatlichen Instituts für erperimentelle Therapie und Chemotherapie in Frankfurt, Prof. Dr. Richard Otto, sein 70. Lebensjahr. Otto war zunächst Militärarzt. 1902 bis 1904 Assistent am Institut für Infektionskrankheiten in Berlin, 1904 SRitgtieb bes Instituts für experimentelle Therapie in Frankfurt und Leiter der prüfungstechnischen Abteilung. In Hannover habilitierte er sich und siedelte 1913 als Abteilungsvorsteher an das Institut für Infektwns- krankheiten „Robert Koch" nach Berlin über, 1936 wurde er Direktor des Staatlichen Instituts für experimentelle Therapie und des Forfchungsinst-- tuts für Chemotherapie in Frankfurt. Otto hat zah^ reiche wissenschaftliche Arbeiten, vor allem auch über die Bekämpfung des Flecktyphus, der Pest und der Cholera veröffentlicht. - Am 11. November vollendet der in Gräfelfing bei München im Ruhestand lebende Leipziger H storiker, Geheimrat Prof. Dr. Walter Götz, fein 75. Lebensjahr. Gotz wurde zu Leipzig als Sohn des durch die Förderung des deutschen Turnwesens hochverdienten Geheimen Sanitätsrat Dr. Ferdinand Götz geboren. In Frei- bürg, München und Leipzig studierte er. 1892 bis 1895 war er Mitarbeiter der Münchener h.stonschen Kommission und habilitierte sich bann in Leipzig. 1905 folgte er einem Ruf als Ordinarius der Geschichte des Mittelalters nach Tübingen, später kam er nach Straßburg und 1915 nach Leipzig als Nachfolger 2arl Lamprechts. 1933 trat er in den Ruhestand. Seine zahlreichen Veröffentlichungen betreffen spätes Mittelalter, italienische Renaissance, Gegenreformation und Dreißigjährigen Krieg. — Ach 12. November vollendet der emer. Ordinarius für Geographie an der Universität Halle, Prof. Dr. Otto Schlüter, sein 70. Lebenswahr. In Witten an der Rubr geboren, begann er ferne akademische Laufbahn 1906 in Berlin. 1910 siedelter nach Bonn Über, 1911 wurde er in Halle Ordinarius. Schlüter fft feit 1942 Vizepräsident der Leopoldina.
Gießener Konzertring
Erstes Orchester-Konzert.
Madame Perano hatte nun die Liebenswürdig- kett, mir über diese ungeklärte Stunde Auskunft zu geben. Gonzales habe nämlich die Absicht geäußert, noch ein paar Runden auf dem Korso zu fahren, und dort habe sie ihn denn auch noch kurz oor ihrem Eintreffen in der Präfektur, also etwa eine Viertelstunde nach elf, in feinem Wagen gesehen. Eine Viertelstunde nach elf, Donor! -verstehen Sie, was das bedeutet?"
„Mann Gottes", ftteß Forester hervor „sie ha Gonzales spazierenfahren gesehen, der um diese Leit rllängft tot war!" Er griff sich verblüfft an den Kopf: „Ich begreife diese ungeheuerliche Unvorsichtigkeit nicht! Wie konnte die Perano nur auf Ihren Schwindel hereinfallen?"
„Sehr einfach, Doktor. Da sie ihr Alibi durch die rührende Dummheit der Polizei so gut nachzuweisen vermochte, wie sie es sich bester gar nicht wünschen konnte, mußte sie befurchten, mein Herumbohren in dieser einzigen ungeklärten Frage würde vielleicht überraschende Ergebnis^ bringen. Durch ihre Erklärung bog sie dieser zweifellos bestehenden Gefahr die Spitze ab. — Ich habe lange nachgedacht, um diesen Köder zu finden; aber Sie 'ehen, sie fiel prompt darauf herein.
„Großartig, Don Santacilla, wirklich großartig", rief Forester ehrlich bewundernd. „letztfehlt als praktisches Beweisstück also nur noch die Mord-
Weihnachtsgratifikation 1942.
Der Generalbevollmächtigte für den Arbeitseinsatz hat eine Anordnung erlassen, in der die Grenzen festgelegt sind, bis zu denen in diesem Jahr durch Ausschüttung von Weihnachts- und Abschluhgran- fikationen treue Dienste, vollste Erfüllung aller Pflichten und einwandfreie Führung im Betrieb der einzelnen Gefolgschaftsmitglieder anerkannt werden können. Grundsätzlich sind nach der Anordnung Weihnachts- und Abschlußgratifikationen nur in d er Höhe erlaubt, in der sie zulässigerweise bereits unter gleichen Voraussetzungen im Vorjahr gegeben worden sind. Diese Regelung ist — wie in der gesamten Lohnpolitik — erforderlich, um im Kriege unerwünschte Störungen des wirtschaftlichen Gleichgewichts. die durch Steigerung der Kaufkraft eintreten könnten, zu vermeiden. Gegenüber der vorjährigen Handhabung im Betrieb darf mir dann abgewichen werden, wenn entweder feine Gratifikation ober sehr niedrige Gratifikationen gegeben worden sind. In diesen Fällen können besonders treue Dienste und einwandfreie Führung durch 'Er- Höhung ober Neueinführung von Gratifikationen bis zu einem Höchstbetrag von einem Wochenverdienst ober einem Viertel Monatsverbienst anerkannt werben In einem Begletterlaß an bie Reichstreichcmber ber Arbeit bat ber Generalbevollmächtigte für den Arbeitseinsatz darauf hingewie'sen, daß dem Charakter der Weihnachts- und Abschlußgratifikattonen als Treueprämie entsprechend diese Zuwendung grundsätzlich erst nach mindestens einjähriger Be- triebszugehörigkeit erstmalig gegeben werden sollen.
Verlängerte Ausweise für Kneosbesckädigte.
Der Reichsarbeitsminister gibt bekannt, daß die Iahresbescheinigungen der Reichsbahn zur Erlangung von Fahrpreisermäßigungen für Kriegsbefcha- bigte für bas Jahr 1943 nicht erneuert werben. Die für 1942 ausgestellten Bescheinigungen gelten ohtje weiteres auch'für 1943. Es hcmbelt sich um die Bescheinigung für Schwerkrieasbeschädiate zur Benutzung der zweiten Wagenklasse, die Bescheinigung zur freien Beförderung eines Begleiters und den Ausweis zur Benutzung des Abteils für Schwer- kriegsbeschädiate. Ebenso gelten die Ausweise zur bevorzugten Abfertigung vor Amtsstellen und zur E'ntrittspreisermäßigung für kulturelle Veranstaltungen ohne besondere Verlängerung weiter bis Ende 1943. Nur abgenutzte und unansehnlich gewordene Ausweise werden eingezogen und erneuert.
Verbunkelunnszell:
«November von 17.39 dis 7.04 Uhr.
eigenwilligsten schöpferischen Persönlichkeiten m Preußen. Mit bem Reiterstandbilde des Großen Kurfürsten und den Masken sterbender Krieger im Zeughaus, mit den Entwürfen zum Charlottenburger und zum Berliner Schloß sind einige dec hervorragendsten bildhauerischen und architektonischen Arbeiten bezeichnet, die Schlüter als Hofbau- meister des Kurfürsten Friedrich III., nachmaligen Königs Friedrich I. ausgeführt und in denen er das künstlerische Gesicht der Reichshauptstadt mit« , bestimmend geformt hat. Die bewegten Lebensschicksale Schlüters nahm der Film zum Anlaß, an ihnen wieder einmal das Exemplarische nicht allein seines Wesens, sondern des Künstlerisch-Außerordentlichen schlechthin begreiflich zu machen. Auch hier ist — wie zuvor im Rembrandt-Film und ungezählten andern Beispielen — das Genie des geistig überragenden Menschen in Widerstreit mit der Welt gestellt. Zwar bedeutet die Katastrophe des Münzturmes (der am Tage des Richtfestes zusammenstürzt) eine persönliche Niederlage und einen entscheidenden Wendepunkt in Schlüters Lebensbahn, aber was er vorher und nachher geschaffen hat, was chm gelungen ist und die Jahrhunderte überdauerte, zeugt für einen schöpferischen Willen, der nach den Sternen greift, dem das Größte uni) scheinbar Unmögliche gerade recht ist; für ein Genie, das unbeirrbar, unbestechlich, zu keinem Kompromiß und zu jedem Kampfe bereit.
Beethovens Ouvertüre Leonore Nr. 3 wurde zum verheißenden Symbol für die Eröffnung der diesjährigen Symphonie-Konzerte; dieses Urbild der dramatischen Ouvertüre, das in letzter Ausgeglichenheit das Inhaltliche im formalen bannt und in die Tiefen menschlichen Schicksals hin- einsckauen läßt. Das einleitende Adagio breitete sich mit feiner inneren Schwere und Gelichtetheit als ein Werdendes aus, das Allegro entfaltete sich in großer Steigerung und fand Höhepunkte der Jnnerlich- feit nach den von der Oper her übernommenen Gouverneursignalen. Dieses bangende Hoffen wuchs zum Jubel der im hohen Schwung erfaßten Koda aus. Sowohl die feine klangliche Abstufung der Streicher wie auch die Ausgeglichenheit der Bläser trugen bedeutsamen Anteil.
Mit dem Diolin-Konzert von Jean Sibelius (1905) wurde uns eine bisher in Gießen noch nicht zur Geltung gekommene Klangwett eröffnet Sibelius ist für das finnische Volk zum Begründer und Bahnbrecher einer nationalen Tonkunst geworden. Zum ersten Male ist durch ihn der finnische Volkscharakter in der europäischen Musik den alten Kulturländern zur Sette gestellt worden; er hat das Tonempfinden seines Volkes -aus schlum- merndem Naturzustand geweckt und durch die Her- auskehrung der finnischen Eigenart die europäische Musik um ein wertvolles Moment bereichert Dafür zeugt auch dieses Diolin-Konzert. In seinem Betreben, sich mit der überlieferten Symphoniesorm auseinanderzusetzen, hat Sibelius ganz persönlich bestimmte Wege in der Neugestaltung und inneren Durchdringung beschritten. Beim Anhören seiner Symphonien wie auch seines Violin-Konzertes gewinnt man die Ueberzeugung, daß hier ein Schaffender ganz aus dem Wesen der Natur seines Heimatlandes heraus eine eindringliche Sprache spricht mit unverbrauchten Wendungen in der melodischen Gestaltung und neuartigen, aus sich heraus gezeugten Klangfarben und Klangkombinationen.
Die Anforderungen, die dieses Diolin-Konzert an den Solisten stellt, sind sehr hoch; nur ein vollendeter Beherrscher feines Instrumentes, wie Prof. Franz Bruckbauer, wird ihm gerecht werden. Und dennoch hat man beim Erleben di-'ses Werkes niemals den Eindruck, daß etwa irgend eine Note nur aus den Gründen der Formung da stände oder gar fortfaßen könnte, sondern hier ist jeder Ton in der inhaltlichen Eigengesetzlichkeit des Werkes bedingt und damit wesentlicher, organischer Bestand' teil Daß der Hörer im Erfassen dieses Konzertes soweit vorstoßen konnte, ist ein und »dingtes Verdienst des Solisten. Im Vorjahre hatte er mit der Durchführuyg des Konzertes von Brttmis Großes gegeben. Hier ließ er erkennen, wie tief er in diese eigenartig geprägte Tonwelt eingedrungen ist, so daß jeder daran Anteil hatte. Landschaftsgebunden wie eine Stimme aus der Einsamkeit führte er mit empfindungsgeschwellter melodischer Linie in das
Man hat den Bildhauer Andreas Schlüter (geb. 1664 in Hamburg, gest. 1714 in Petersburg) den Michelangelo Preußens oder der Deutschen genannt, und auch im Text des Films ist einmal davon die Rede. So anfechtbar und bedenklich Vergleiche und Anspielungen solcher Art gemeinhin erscheinen mögen: in diesem Faße kann man sich auf Leibniz berufen, dem das Wort zugeschrieben wird, und überdies wird man einräumen müssen, daß der Hinweis auf Michelangelo, was Schlüters Persönlichkeit und Werk betrifft, jedenfalls durch das Ausmaß feiner Entwürfe, durch die Unbedingtheit feines künstlerischen Willens und durch die unendlichen Schwierigkeiten und Widerstände gerechtfertigt erscheint, mit denen er sein Leben lang zu kämpfen gezwungen und gemißt war. Wie dem auch sei — mit der nämlichen Begründung wie Michelangelos Namen könnte man hier den Namen Rembrandts nennen, dessen Dasein und Schicksal der Film vor kurzem Ebenfalls zum Gegenstände eines Drehbuches gemacht hat. Der Schlüter-Film, zu dem Helmut Brandts und der Spielleiter Herbert Maisch nach Motiven des Romans „Der Münzturm" von Alfons von Czibulka das Manuskript schrieben, führt die dort angeschlagene Linie fort: er erneuert in einer bildhaft einleuchtenden, volkstümlich verständlichen Form das Andenken Schlüters als eines Iber großen deutschen Barockmeister und einer der
mrtffo I"
J3ch sagte Ihnen schon, daß ich die Perano auf Grund der Widersprüche, in die sich .verwickelt hat, jederzeit verhaften lassen kann. Selbstverstand, lich wird sie dann aße ihre Aussagen abstreiten und besonders ihre Begegnung mit Gonzales als Irrtum hinstellen. Für mich ist der Faß klar, ich wurde
Aus der Stadl Gießen.
Auch ein Urlauber.
Ob er für vierzehn Tage auf Urlaub kommen könne, wurde von feiner „Kompanie" angefragt. Aber gewiß doch, je eher und je länger, je lieber. Und er kam, mit Hallo begrüßt, Artus, unser kohl- schwarzer Riesenschnauzer, der sett mehreren Monaten schon Dienst tut bei der Wehrmacht als Schutzhund.
Was war das damals für ein» Kummer gewesen, als er eingezogen wurde! Wir gaben chn nur schweren Herzens her, und allein der Gedanke war tröstlich, daß es fürs Vaterland geschah. Artus elbst, ber handfeste Prachtkerl feiner straffen Rasse, chien es nicht weiter tragisch zu nehmen, er zuckte mit keiner Wimper, als dicht neben seinem Ohr eine Pistole zur Prüfung auf seine Verwendungsjahig- kett abgeschossen wurde. Nach sechs Wochen kam die Nachricht, daß er sein Examen als Schutzhund mtt Glanz bestanden habe. Ab und zu hörten wir von ihm, wenn er seinen „Standort" gewechselt hatte, und niemals fehlte die Versicherung, daß er wohl-
Wir vermißten ihn sehr in der ersten Zett, aber schon damals vermuteten wir insgeheim, daß er beim männlich strammen Dienst in seinem Element sei. Und das sahen wir jetzt bestätigt. Er war wieder unser Freund, gewiß, aber immer schien er auf etwas zu warten. Ohne Zweifel, ihm fehlte der „Dienst", er kam sich in den Stadtzimmern eingeengt vor. Vielleicht vermißte er auch die Fleischtöpfe der Wehrmachtsküche.
Als nach vierzehn Tagen sein Urlaub zu Ende war, begrüßte er seinen Abholer, der „draußen sett längerer Zeit schon fein Herr war, mit stürmischer Freude und hatte bann in seinem guten Hunde- herzen beim Abschied von uns richtig so etwas wie ein schlechtes Gewissen. Jedenfalls ließen wir ihn diesmal beruhigt ziehen, denn schließlich fühlt sich auch ein Hund dort am wohlsten, wo er sich in feiner Wesensart ausleben kann. O. K-n.
„Selbstverständlich!" antwortete Forester ohne Besinnen. Er unterdriickte die dumpfe Rebellion seiner Gedanken, die er wie Gnomen aus einem verborgenen Winkel hinter sich herkichern hörte. Eine bildschöne Lage, flüsterten sie hämisch, jetzt darf ber Forester den Mann, den er im Grunde seines Herzens dorthin wünscht, wo der Pfeffer wächst, in die Arme des erglühenden Fräuleins Karen Orgaffa führen ...
„Ich habe da nämlich einen Einfall gehabt", sagte Santacilla, „es ist ein Ueberrumpelungsver- such, und ich gebe zu, er hört sich ein wenig abenteuerlich und vielleicht auch gar nicht ungefährlich art, aber ich sehe vorläufig keinen anderen Weg, die Perano zur Strecke zu bringen."
„Abenteuerlich? Gefährlich?" fragte Forester voller Aufmerksamkeit. „Her damit, Don Santacilla, das ist gerade das Richtige für mich!"
Santacilla sah Forester an, als entdecke er an ihm völlig neue Züge.
„Eine Frage vorher, Doktor: kennt die Perano Ihren Namen ober womöglich Sie persönlich? Ich meine, haben Sie im „El Faro" verkehrt?"
„Erlauben Sie", protestierte Forester empört, „sehe ich wie ein Lebemann aus?"
Santacilla sah Forester ernsthaft prüfend an: „Für 'nen Wasserttinker würde ich Sie jedenfalls nicht halten", stellte er fachlich fest und rückte mit seinem Stuhl näher, um Forester seinen Heber- rumpelungsplan zu entwickeln.
Die Unterredung zog sich in die Länge, sie dauerte bis zum Anbruch der Dunkelheit. Als Santacilla schließlich aufbrach, begleitete Forester ihn
Werk ein; fein wundervoll ausgeglichenes und im Einzelnen bis zum Letzten gegliedertes und akzentuiertes Passagenspiel band sich mit dem Orcyester zur Wesenseinheit. Insbesondere aber in der zweiten Kadenz des Kopfsatzes, die nicht in der üblichen Weife am Schluß auftritt sondern die Durchsüh- rung vertieft, war sein ftimmucs Spiel von ganz besonderem Reiz. Wie das Technische dem Empfindungstrom sich einbaute, dafür sprach das Adagio. Das Finale mit seinen eigenwilligen Rhythmen fußt in der finnischen Volksmusik, :n ständig neuem Lichte erschienen hier die beiden Hauptgedanken, urnsrrahtt von der Solovioline.
Max Reger hatte sich auf der reifen Höhe seines Schäftens immer mehr dem Mozartschen Klangideal genähert. „Wir brauchen nötigst viel, viel Mozart? So wurden denn seine Variationen überbas Thema aus Mo z art s F-dur- Klavier-Sonate zu einer genialen Zusam- menfaffung feiner schöpferischen Kräfte im Lichte einer meisterlichen Satzkunst, zu einer Offenbarung dessen, wie Reger unter dem Eindruck ber musikalischen Wandlungen im 19. Jahrhundert Mozart zu Durchdringen vermochte. Bei aller Strenge in der Auswertung des thematischen Materials führt er den Hörer auf ganz neue, ungeahnte Wege. Dieses zweifellos reifste Orchesterwerk Regers (entstanden im Sommer 1914) gewann unter Otto Solln er klangliche Gestalt. Das Thema in seiner delikaten Instrumentierung führte empsindungsstark (Oboe) in das Werk ein. Die Holzbläser feierten an Klangschönheit wahre Triumphe in der ersten Variation. Die zweite ließ anfangs das Thema in der Gegen- bewegung nicht in gewünschter Deutlichkeit heraus- treten. Aus der Reihe der weiteren Abwandlungen sei besonders die fünfte herausgehoben mit ihrer tiefen Innerlichkeit und die achte mit ihrer hohen Ausdruckskraft und ihrem klangschönen Entschwinden. Die Fuge wuchs in der Durchführung des ersten Themas in organischer Kraftlinie heraus. Be, reichert durch den Eintritt des gegensätzlichen zweiten Themas steigerte sich das Ganze zur immer höher strebenden Klangkuppel, wenn auch leichten Schwankungen in der rhythmischen Gesügtheit unter» morsen, und fand seine Krönung in der Wiederkehr ber Dariationsthemas im markigen Gepränge der Hörner und Trompeten. — Obwohl sich das Gießener Städttsche Orchester für diese besondere Gelegenheit aus Kräften von verschiedensten Orten her verstärkt hatte, so bewies er doch sowohl im Sibelius wie auch namentlich im Reger bedeutende klangliche Schmiegsamkeit und Anpassungsfähigkeit. Dem vielfältig gefärbten Streicherklang einten sich bie klangschönen Bläser, vor allem die bei Reger gewichtig beteiligten Hörner. —
Starker dankbarer Beifall war das Zeichen des Eindrucks der Werke bei den Hörem.
Dr. Hermann Hering.
Kopf zwei Stunden lang zu feinem persönlichen Vergnügen zerbrochen habe?
„Es tut mir leib, daß ich Ihnen nicht beim Abendessen Gesellschaft leisten kann", sagte er höflich, „um halb neun erwartet mich Santacilla in feinem Büro. Aber wenn alles klappt, werden Sie Brackmann noch heute wiedersehen."
„Santacilla war schon so geheimnisvoll, und nun drücken Sie sich auch noch wie das delphische Orakel aus, Frank. Was haben Sie vor? Weshalb durste ich an Ihrer Besprechung nicht teilnehmen?"
„Von mir aus hätten Sie ruhig dabei sein dürfen. Ich verstehe wahrhaftig nicht, weshalb Santacilla solchen Wert darauf legte, die Unterredung unter vier Augen abzuhalten."
Sie sah ihn rnißttauisch und besorgt an.
„Sie schwindeln, Frank! Da stimmt doch etwas nicht. Sie haben irgendeine gefährliche Sache vor."
,Zch versichere Ihnen, die Geschichte ist so harmlos wie ein Kinderspiel, und ob sie glückt oder nicht, ist für Brackmanns Sache nur insofern bedeutungsvoll, als bei gutem Gelingen feine Schuldlosigkeit noch glänzender bewiesen wird."
„Es handelt sich doch darum, der Perano den Besitz ber Waffe nachzuweifen, mit der Gonzales erfchofsen wurde, nicht wahr?" fragte sie halblaut.
Die Halle war ziemlich belebt, da bie Hotelgäste sich zur Einnahme der Abendmahlzeit auf die Terrasse ober in die Speisesäle benähen. „Um Himmels willen, seien Sie vorsichtig!" flüsterte Forester warnend. Sie betraten den Speisesaal. Der Oberkellner führte sie zu einer Nische. Es war ein intimer Platz, der für Hochzettsreisende bestimmt zu sein schien. Forester sah sich ein wenig peinlich berührt nach einem anderen Tisch um. aber Karen hatte sich bereits gesetzt und ließ sich von dem Oberkellner die
immer wieder lebendig greifbarer germanischer Der- aangenhett träumen. Mit großem theatralischem Geschick hat (Stier die Konflikte auf beiden Seiten urfachlich auseinander bezogen, so daß eine stark fühlbare psychologische Spannung entsteht und die dramatischen Figuren des fernen Damals wie Menschen unserer Seelenart vor uns stehen. Ihr Kampf aber endet mit einem versöhnenden Klang, und Er- ler entläßt den Hörer in der Gewißheit, daß die Ideenkraft dieses Lehrstückes klärend in die Problematik heutiger kämpferischer Auseinandersetzungen wettet wirken wird. — Am Vorabend mar das Werk in geschlossener Vorstellung des ^-Hauptamtes Berlin einem Kreis von Waffenträgern ber ff bargeboten morden, wobei ff -Obergruppenführer von Woytfch bie Bedeutung ber Thor-Trilogie (Stiers unterstrich unb dem Dichter für feinen Anteil an der inneren Dolkwetbung bankte. Hans Schnoor.
(Eine Sinfonische Musik von Harald Genzmer.
(Eugen Iochum eröffnete die Philharmonischen Konzerte in Hamburg mit der Uraufführung einer Sinfonischen Musik von Harald Genzmer. Obwohl die klassisch sinfonische Form äußerlich gewahrt bleibt, find bie thematisch eng verknüpften Ecksätze, der breit ausströmende, einer großen Steigerung zustrebenbe langsame Satz unb das lebendige Scherzo inhaltlich stark verdichtet unb verraten in dieser Kurzform der Sinfonie schon den Ausdruckswillen eines neuen Lebensgefühls unserer Zeit, bas am vitalsten vielleicht in dem kecken, Brucknerschen Geist entwachsenen Scherzo zum Durchbruch kommt. Eine hochentwickelte konstruktive Kraft, die gelegenllich noch den musikalischen Einfall überwiegt und namentlich im Finale bas thematische Material in gewaltigen Spannungen aufeinandertürmt, paart sich mit feinem Empfinden für die farbigen Klangwirkungen einer geschickten Instrumentation. Das Werk wurde mit lebhaftem Beifall des ausverkauften Hauses entgegengenommen. Wolfgang Vogler.
„Der Heine Grenzverkehr."
Unter ber Regie von Hans Deppe wurde mit den, Außenaufnahmen zu einem heiteren, hauptsächlich zwischen Reichenhall unb Salzburg fpielenben Ufa-Film, „Der kleine Grenzverkehr , begonnen, dessen Drehbuch ber Autor bcs „Münchhausen"- Manuskripts, Berthold Bürger, schrieb. Es handelt 3on einem Berliner „Lachforscher", ber zur Zeit, da die Alpen- und Donaugaue noch durch Zollschranken vom Reich getrennt waren, wegen Devisenschwierigkeiten ohne Geld im kleinen Grenzverkehr stunden- weise von Reichenhaß ins Salzburgische überwechselt unb dort mancherlei belustigende Abenteuer mit emer gräflichen Familie erlebt, die in ihrem Schloß bie Rollen ber Dienerschaft angenommen hat. Die Hauptrollen spielen Willy Fritsch, Hertha Feiler unb Hans Leibett.
Hochfchulnachrichlen.
zur Halle hinunter. , , „
„Also Doktor, es bleibt dabei, ich erwarte Sie
um halb neun in meinem Büro. Auf Wiedersehen bis dahin!" Santacilla verabschiedete sich unb ver- ließ bas Hotel. Als Forester sich umdrehte, stand Karen vor ihm. Sie hatte in ber Halle Tee getrunken unb die ausliegenden Zeitschriften durchaedlattert.
Vier Portionen Tee ....Forester glaubte emen H ~vcl
leisen Vorwurf herauszuhören. Er spurte das Aus- e,n tiefes Wasser sind."
steigen einer gewißen Bitterkeit. Am liebsten batte fnfnM
er sie gefragt, ob sie denn glaube, daß er ,ich ben| (Fortsetzung folgt.)


