Gipfelsturm in Feindesland.
Non Kriegsberichter Unteroffizier Hans K. Laböck.
DNB. ... 9. Sept. (PK.) Am 21.August 1942, 11 Uhr, wurde aus dem Elbrus, dem höchsten Berg des Kaukasus, durch eine hochalpme Stoßtruppe zweier bayerischer Gebirgsdivisionen die Reichskriegsflagge gehißt und ein Stander mit Edelweiß und Enzian gesetzt. Heber der wild zerklüfteten vergletscherten Welt dieses sturmdurchtosten asiatischen Berglandes weht nun das Banner der siegreichen deutschen Wehrmacht, steht das Symbol bayerischer GÄiirgsjäger, die, erprobt in zahlreichen Schlachten und Gefechten aller Feldzüge, nun endlich auf alpiner Walstatt kämpfend weiterhin Sieg und Ruhm an ihre Feldzeigen heften.
Am 19. August stiegen wir zum erstenmal aus. Bis 4800 Meter kamen wir, dann war der Berg stärker als wir. Er wehrte sich mit jähem Sturm, mit Nebel und Schnee. Seitdem warten wir auf schönes Wetter. Doch der Dunst kocht weiter über dem Gletscher. Der Wind pfeift über die Grate herein und der Weg ist zu, bis auf die weniaen Sonnenminuten des Tages zuvor. Da bringt der Abend des 20. August mit einer Meldung ein neues Moment , in den Gipfelkampf: den alpinen Wettstreit. Von Norden her st e i g t d e r Gegner. Ein sportlicher Widerpart droht mit dem gleichen Plan. Es geht nun nicht mehr zu warten, bis die Sonne über dem E-ife prunkt und der Elbrus mit freundlichem Gesicht zum Aufstieg einlädt. Vielmehr ist es wichtig geworden, als erster dort oben die Fahne aufzuhissen, mag das Wetter sein, wie es will, mag es ein Kämpfen werden mit allen alpinen Gefahren und Höhen. „Morgen also!"
Die Nacht ist hell, der Himmel ist aufgerissen, als wird um 2 Uhr die Nase aus dem Fenster stecken. Im schmalen Licht des Mondes ragen die Spitzen ringsum auf. Der Elbrus ist frei. Noch reißt ihm der Wind eine Schneefahne vom Kopf, der Westen ist wolkendunkel, und vor den Sternen hängen dünne silberne Kumuluswolken. Das bedeutet nichts Gutes. Aber Jäger find optimistisch.
Das erste Licht wacht auf,, als wir losziehen. Der Firn unter unseren Eisen ist glashart. An manchen Stellen ist Neuschnee zusammengeweht. Da gehen wir wie auf Watte. Jeder ist bemüht, einen falschen Schritt, ein Rutschen zu vermeiden, denn die Luft ist schon merklich dünn geworden und das Herz pocht einem gleich bis zu den Zehen herab.
Grell geht die Sonne auf. Don einem Felsband rotschwarzen Lavagesteins sind wir weiter rechts herausgestiegen und können nochmals auf die Nachbarberge schauen, die über einer brodelnden Wolkendecke mit graublauen Eislichtern und goldgeränderten Schneefeldern dastehen. An manchen Flanken nistet schon der Nebel, der auch die Massive im Westen schon eingepackt hat und träge über den Paß auf das Gletscherfeld hereinfließt.
Nach einer Traverse auf 4800 Meter hat uns der Nebel eingeholt. Er äst schneller als wir gestiegen. Im Augenblick ist alles milchig rundherum. Die Führer haben nach Kompaß und Karte gegriffen. 5000, 5200 Meter zeigt der Höhenmesser. Längst ziehen wir in die Scharte zwischen den beiden Köpfen herein, hinter denen der eigentliche Gipfel liegt. Wir suchen die Schartenmitte. Ein Augenblick bessere Sicht zeigt uns endlich das Blockfeld.
Als wir in einem steilen Querhang die Gipfelhöhe anschneiden und dann ins Blockfeld hineinwechseln, ist der Sturm da. Rasend treibt er die Schneekristalle gegen unsere Gesichter. Die Brillen sind im Nu vereist. Wir müssen sie von den Augen zerren, um in kurzem Zwinkern überhaupt sehen zu können. Der Orkan drückt uns auf den schwarzen Pelz nieder. Langsam, unendlich langsam geht es aufwärts. Wenn wir atmen wollen, muffen wir uns in den Windschatten eines Steinbrockens beugen. Das Blut kocht in den Schläfen, in den Fingern, es hämmert überall. Das Blockfeld wird lichter. Steil wächst ein Firnhang auf, mit vielen offenen Eisstellen. Die Pickel hämmern, daß die Schollen spritzen. Am Seil entlang suchen die Eisen Tritt um Tritt. In wilden Böen wirft der Sturm den Schnee über uns herein. Die Reichskriegsflagge ist entrollt. Ein Oberfeldwebel trägt sie uns voran mit eisernen Fäusten und heißen keuchenden Lungen. Dann bricht ein Schrei aus, ein Jodler voll wilder Freude: „D e r Gipfel!" Und mit der Anspannung aller Kräfte stürzen wir dem leuchtenden Zeichen nach, stehen, dem Schneeorkan trotzend, um das flatternde Tuch und um den Gebirgsstander, den unser Oberarzt, ein Nanga-Parbat-Mann, Schulter an Schulter mit dem Oberfeldwebel hochgetragen hat. Tief werden die Schäfte ins Eis gewuchtet und vertäut. Dann heben sich die Hände der Gipfelmannschaft zum Gruß an den Führer, unsere bayerische Heimat, unser Deutschland!
sogar eine Fleischkarte haben, wäre vermutlich als Irrsinniger in Gewahrsam genommen worden. Der Dollar hat auch aufgehört, das allgemein begehrte Gut zu sein, das er im ersten Weltkrieg aewesen ist, und das er trotz der Abwertung vom Vorfrühling 1933 bis in die letzte Vorkriegszeit hinein geblieben ist. Ein „Staatsmann" wie Roosevelt, dem soeben vorgerechnet worden ist, er habe in einem einzigen Jahre mehr ausgegeben, als die Bundeskaste der Union seit George Washington, macht die Erfahrung, daß selbst der USA.-Dollar auf die Dauer nicht gegen Wertschwund gefeit ist. Diese Sorge loste dem Mann im Weißen Hause die Zunge und veranlaßte ihn zu einer Rede, die seinen Mitbürgern viel Kopfschmerzen bereiten dürfte. ,
Wir haben den Krieg von Ansang an so angesehen und uns auf ihn so eingestellt, wie es der ernstesten Schicksalszeit, die es im Leben eines Volkes geben kann, entspricht. Trotz allen gegenteiligen Gerdes hat sich Präsident Roosevelt nur aus einen kurzen Krieg eingestellt. Wenn — wie Marme- sekretär K n.o x verkündet hatte — Japan in wenigen Wochen hinweggefegt und dem Kriea in Osteuropa und Nordasrika eine schnelle entscheidende Wendung zu Gunsten der Alliierten gegeben worden wäre, hätte das amerikanische Volk es vielleicht hingenommen, daß der Ausgleich durch Verlagerung des Verzehrs an Qualitätsnahrungsmitteln in tie oberen Zehntausend geschaffen wurde. So aber verlangen die Massen der Rüstungsarbeiter Versorgungsparität. Es ist ihnen, soweit sie ferne Ersparnisse haben, gleichgültig, ob der Ausgleich durch Stabilisierung bzw. Senkung der Preise oder aber durch Erhöhung der Löhne erfolgt. Nicht gleichgültig ist es aber den Gehaltsbeziehern, Rentnern und Sparern, denen Roosevelt schon deshalb nicht helfen wird, weil ihre Stimmen bei den Wahlen nicht von ausschlaggebender Bedeutung sind und der Patentdemokrat im Weißen Hause grundsätzlich mit den stärksten Bataillonen marschiert.
Als Auftakt zu seiner Rede hatte sich der Präsident Reden und Zeitungsartikel von einigen Siegesherolden und Bußpredigern bestellt. Er ließ sich von einem früheren Handelsattache bestätigen, daß der zweite Weltkrieg in seiner letzten Phase genau so ablaufen, d.h. mit einem Siege der Angelsachsen enden werde wie.der erste Weltkrieg. Er ließ durch hohe Militärs Winston Churchill kopieren und für die nächste Zukunft Sorgen und Entbehrungen ankündigen. Es ist aber mindestens zweifelhaft, ob die Amerikaner diese Ankündigungen mit der gleichen Gelassenheit hinnehmen werden, wie sie das englische Volk bisher bekundet hat. Schließlich ist es eine unwiderlegliche Tatsache, daß die Amerikaner — kvenn man die tönenden Phrasen beiseite läßt — nicht für echte Lebensinteressen, sondern für den Profit einer kleinen Geldaristokratie und für das Geltungsbedürfnis eines eitlen und herrschsüchtigen Staatsoberhauptes kämpfen und leiden. Cr.
Nordamerikanischer
Truppentransporter ausgebrannt.
Lissabon, 9. Sept. (Europapreß.) Der große nordamerikanische Truppentransporter „W a k e - field" ist durch ein Feuer auf hoher See völlig ausgebrannt. Es handelt sich um den früheren Passagierdampfer „Manhattan", der mit 24 289 BRT. das größte Schiff der nordamerikanischen Handelsflotte war. Die „Wakefield" war mit über 1000 Passagieren, vor allem amerikanischen Kindern und Frauen aus England und Irland an Bord nach den Vereinigten Staaten Unterwegs, als an Bord ein Feuer ausbrach. Die Passagiere wurden von begleitenden Kriegsschiffen übernommen. Es gelang, die Flammen zu löschen. Das ausgebrannte Schiff wurde dann nach einem nord- amerikanilchen Hafen abgeschleppt. Das Feuer soll aus bisher nicht.festgestellten Ursachen in einem der Decks ausgebrochen jein und sich trotz sofortiger Löschversuche außerordentlich schnell über das ganze Schiff verbreitet haben.
Steigender Bolschewistenterror in Iran.
Sofia, 9. Sept. (Europapreß.) Nach dem Bericht von zwei Reisenden, die aus Iran in der' Türkei eintrafen, wird die Behandlung der iranischen Bevölkerung durch die Sowjets von Tag zu Tag grausamer und blutiger. Seit dem deutschen Angriff auf den Kaukasus verstärkten die Bolschewisten ihren Druck in den besetzten iranischen Gebieten. Zum Tode verurteilte Iraner würden vor der Voll
streckung des Urteils gezwungen, ihre Gräber selbst zu schaufeln und sich zu entkleiden. Nach der Exekution verteilten die sowjetischen Soldaten untereinander die Beute. Die beiden 'Reisenden berichteten auch, daß von den brittschen Behörden in Iran die Ueberführung des Kronschatzes an einen sicheren Ort gefordert worden sei. Augenblicklich befinde sich der Kronschatz noch in einem Tresor der Nationalbank in Teheran.
Aus -em Reich.
Die Neuordnung der Rechtspflege.
Reichsjustizminister Dr. T h i e r a ck erklärte der Presse, Sinn und Ziyl seiner Aufgaben seien, eine starke nationalsozialistische Rechtspflege aufzubauen, um die gewaltigen 'Aufgaben des Groß- deutschen Reiches zu erfüllen und all die Gesetze und Institutionen, die immer noch ausgerichtet feien auf «ine Zeit, in der das deutsche Volk zusammengepreßt war huf engstem Raum, durch einen anderen Geist und ein anderes materielles Recht zu ersetzen.
Der Zenttalpunkt dieser großen Aufgaben sei d a s R e i ch s j u st i z m i n i st e r i u m. Es sei nicht nur Objekt des neuen Prinzips, sondern auch Subjekt. Die A k a d e m i e für deutsches Recht werde als wissenschaftlicher Helfer eingesetzt werden, auf ihr würden die Grundlagen geschaffen zum neuen Volksrecht, zum neuen Strafgesetzbuch — als helfende Organisation trete daneben der Rechts- wahrerbund in Erscheinung, der der Menschen- sührung diene. Diese Organisation dürfe keine Gesetzesfragen lösen, sondern sie diene allein der Aufgabe, die Menschen auf die deutsche Rechtspflege auszurichten und sie zu führen.
Er werde darauf hinwirken, daß das deutsche Volk in Zukunft im deutschen Richter einen Helfer sieht, zu dem der einzelne Volksgenosse vertrauens
voll wie zu einem Arzt hinkomme. Der Richter dürfe nicht mehr ein verwaltungsmäßig arbeitender Jurist fein. Zwar könne der Richter nur ’mit dem Gesetz richten, aber es dürfe, vom Studium angefangen, nicht soweit kommen, daß der Richter das Gesetz beherrscht, das Leben aber nur durch die Brille des Gesetzes sieht.
Die feindliche Agitation habe den Passus des Führererlasses, daß er, der Reichsjustizminister, bei seinen Aufgaben gegebenenfalls vom bestehenden Recht abweichen könne, in dummdreister Weise für ihre Zwecke verwendet. Er könne hierzu nur erklären, jene Agitationslügen seien der beste Beweis dafür, daß dem deutschen Volk mit der Erfüllung des Führerauftrages ein weiteres wichtiges Moment des Vertrauens zu den gesamten sozialen Errungenschaften des nationalen Staates zur Verfügung gestellt werde.
Erneuter britischer Terrorangriff.
T<$(9. In der Nacht zum 9. September 1942 griff ein britischer Bomberverband das Rhein- 2Nain-Gebiet mit Spreng- und Brandbomben an. Es entstanden Sach- und Personenschäden. Nach den bisherigen Feststellungen wurden 34 Personen getötet. Der Flak gelang es wiederum, die feindlichen Flugzeuge vor der Erreichung dichtbevölkerter Stadtteile abzudrängen. Der aktive Luftschutz und die Selbstschuhkräfte verhinderten größere S chadensauswirkungen dieses erneuten britischen Terrorangriffes.
Kleine politische Nachrichten.
Ritterkreuzträger Oberleutnant Becker, Staffelkapitän in einem Nachtjagdgeschwader, brachte in der Nacht zum Samstag bei der Bekämpfung der
brittschen Bomberverbände, die einen Xerrorongriff auf Wohnviertel der Stadt Bremen unternahmen, innerhalb von 51 Minuten drei britische Bomber zum Absturz und errang damit seinen 33. bis 35. Nachtjagdsieg. *
In Afrika fiel als Kommandeur einer Panzerdivision Generalmajor Georg v. Bismarck. Nach Beendigung des Westfeldzuges war chm das Ritterkreuz verliehen worden. Der Krieg gegen die Bolschewisten sah ihn als Kommandeur einer Schützen- Brigade überall an den Brennpunkten der Kämpfe. Im April 1942 zum Generalmajor befördert und zum Kommandeur einer Panzer-Division ernannt kämpfte er in Libyen und Aegypten und hatte an den Siegen der Panzerarmee Afrika hervorragenden Anteil.
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Bei den harten Kämpfen im Raum von Stalingrad fiel am 21. August der Bataillonskommandeur in einem Infanterieregiment Major Adolf Jordan, der im Mai 1942 für seinen zähen Widerstandswillen bei der Verteidigung einer wichtigen, an der Donez- Front gelegenen Ortschaft gegen zahlenmäßig weit überlegene Angriffe der Bolschewisten mit dem Ritterkreuz ausgezeichnet worden war.
Bei den schweren Kämpfen vor Stalingrad fiel am 26. August der Kommandeur eines Panzer- Grenadier-Regiments, Oberst v. Lengerke. Als Kommandeur einer Aufklärungsabteilung hatte er sich schon im Polenfeldzug die Spangen zum E. K. II und I erworben. Als Abteilungs-Kommandeur in einem Reiter-Regiment nahm er in Holland eine Brücke in Besitz und durchbrach mit seinen Schwadronen starke Stellungen des geinbes. Zu Beginn des Ostfeldzuaes wurde er für einen entscheidenden Angriffserfolg mit dem Ritterkreuz ausgezeichnet.
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Der Führer verlieh das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes an Divisionsgeneral Manoliu, der als» Kommandeur einer rumänischen Gebirgsdivision beim Kampf um Sewastopol zäh verteidigte Höhenstellungen der Bolschewisten in Besitz nahm und beim Einbruch in die vom Feinde erbittert verteidigte Stadt wesentlich zum Erfolg beitrug.
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Zum zweiten Male seit Kriegsbeginn versammeln sich die Delegierten der Internationalen Forstzentrale und Sachverständige aus 16 Mitgliedsländern in Wien zur Komitee-Sitzung unter dem Vorsitz des Barons Waldbott, Präsidenten des ungarischen Reichs forstverbandes.
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Eine Kommission portugiesischer Generalstabsoffiziere unter Führung von Oberst Ferreira de Passos sowie Pionieroffiziere unter Führung des Majors Vilar befinden sich, nachdem sie zunächst Einrichtungen des Heeres besichtigten, auf einer Informationsreise nach dem östlichen Kriegsschauplatz.
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Die Ausstellung „Der Bolschewismus im Kampf gegen Europa" im Kunstpalast in Lille hat bei der Bevölkerung außergewöhnliche Anteilnahme gefunden. Bisher haben rund 140 000 Menschen die Schau, die besonders das unheilvolle Wirken der Sendlinge Moskaus in Frankreich beleuchtet, besucht.
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Admiral Abrial, der Chef der französischen Land- und Seestreitkräfte im Raum von Dünkirchen in den für has Schicksal der französischen Nation entscheidenden Tagen, sprach im vollbesetzten Theater in Vichy über Englands Verrat an Frankreich.
Kunst und Wissenschaft.
Bruno-Slürmer-Konzert in Kassel.
In Kassel kam ein dem Reichsminister Dr. Frick von der Stadt Kassel zugeeignetes und in ihrem Auftrag von Bruno Stürmer komponiertes „D e u t- fches Konzert (Das Vermächtnis) für Bariton und Streichorchester" zur Uraufführung. Stürmer versucht eine neue Form der Vereinigung des rein Instrumentalen mit dem Vokalen zu erreichen. Der langsame Mittelsatz bringt beschwörende Worte der Dichtung Karl B r ö g e r s durch die Singstimme zu eindringlicher Wirkung, während- die lebhaften Ecksätze in ihrer thematischen Gestaltung das eigen- willige- kompositorische Können Stürmers erweisen. Den Abschluß der Veranstaltung bildete ein vom Komponisten der Stadt Kassel gewidmetes „Fest- liches Konzert für Orgel und Orchester", das, wie
Die Kunst
des Spazierengehens.
Von Wilhelm von Scholz.
Sehr oft bin ich in meinem Leben in die Lage gekommen: wenn ich gern gereift wäre, wenn ich des Arbeitsalltags recht müde war und glaubte, unbedingt eine Ausspannung durch Ortswechsel zu brauchen, daß ich dann aus beruflichen oder Familiengründen zu Hause bleiben mußte. Da ist mir die Kunst des Spazierengehens als ein segensreicher Ersatz zu Hilfe gekommen und hat mir wahre Ferienerlebnisse gegeben.
Vorausschicken muß ich, daß ich die Lust am Spazierengehen, die man. beinahe leidenschaftlich nennen könnte, schon vom Vater, Großvater und wahrscheinlich von noch älteren Vorfahren überkommen habe. Natürliche in der kleinen Stadt, in der meine Voreltern lebten — es war das schlesische Schweidnitz — da war das Spazierengehen so leicht, daß man es von selbst üben mußte. Die ruhevolle Natur, Felder, Wiesen, Dörfer, Wald fingen nahe dem Städtchen an und bedurften keines langen Anmarsches, um neben und um den Wandelnden Wirklichkeit zu werden. Aber dies Spazierengehen ist eigentlich noch nicht das, was man als Kunst des Spazierengehens bezeichnen kann, oder doch jedenfalls nur in bescheidenerem Maße. Für die Spaziergänge im Tiergarten, im Grünewald in Berlin, bei einer kleinen Stadt in der nahen ländlichen Umgebung bedarf es nur der Entspannung — die freilich immer eine Kunst ist.
Die Arbeit, gleichviel, welcher Art sie sei, zieht den Blick mehr ins einzelne, das getan werden muß, und entläßt den Menschen schließlich, wenn er sein Tagespensum erledigt hat, verwirrt, ohne Ueberblitf, ohne das Gefühl der Beherrschung alles weiteren. Gewiß ist das zeitweilige Auslöschen im Schlaf das wirksamste Mittel, sein Ich mit allen Kräften wiederherzustellen. Aber der Spaziergang ist kein minder wichtiges.
Wenn die Haustür hinter uns ins Schloß gefallen ist und wir in dem "ichlen, spätnachmittäglichen Licht, das nur noch über den Dächern zu leben scheint und nicht mehr als Widerscheinhelle zwischen die Steinwände in die Straßen herabsendet, den Spaziergang beginnen, dann kreisen unsere Gedanken zuerst noch um die eben verlassene 'Arbeit,
wiederholen" schattenleicht, was wir getan, fliegen prüfend darüber hin ober werden schon vorher vom allgemeinen Leben der Straße, dem Gehen vieler Leute, dem Fahren der Wagen, von Schaufenstern und Auslagen abgelenkt, ohne sich neu zu binden. Sie gleiten in das allgemeine Dasein, füllen sich mit der dem Abend zu wachsenden Beruhigung und entspannen nun die Seele zum genußvollen, kräftigenden Ausschreiten.
Bald hat man Rasenflächen, Baumgruppen, geböschte Wasserufer erreicht, kreuzt weiche Reitwege und genießt im Wandeln den Abend, das Gefühl des Lebens und des Ausruhens, während der Körper sickMom langen Sitzen ober Stehen burch bie leichte MMgung behaglich zurückgewinnt. Freilich ist der Genuß und bie Befriedigung im abendlichen Spaziergang durch das Bewußtsein des Krieges gemindert. Wir können von dem Gedanken an bie gewaltigen Entscheibungen, bie jetzt zu erringen sinb, wie von dem an unsere Lieben unb all unsere Brüder braufeen nicht los, spüren boch auch in jedem" Herzschlag den bas ganze Volk durchpulsenden Willen zum Durchhalten und Sieg, der unzweifelhaft mitschafft im großen Kampf und naturgemäß keine allzutiefe, allzulange Entspannung zu- läfet. Nur wer die Woche über unmittelbarste, sofort sich verwirklichende Arbeit für den Krieg geleistet hal, wird feiertags spazierengehend der völligen Entspannung teilhaft werden.
Nun aber will ich, wie ich es verhieß, von der Form des Spazierengehens sprechen, die uns eine FerienreiseX ersetzt, die sich eigentlich mit jenem befreiten, ausruhenden Schlendern bekämpft. Der nachmittägliche oder abendliche „Lustwandler", dessen Lust eben nur das Gehen und das unbestimmte Bewegtwerden vom allgemeinen Leben ist, sieht ein wenig konturiertes fließendes Bild um sich, in dem ihm wohl einmal eine Einzelheit auf- sällt, das aber im Ganzen doch nur ein weich verschwommenes Umrund ist, das keine Ansprüche stellt, nicht an Beobachtung ober Nachdenken. Gingen wir so in den Ferien? Gingen wir so in einer fremden Stadt, einer fremden Landschaft, in bie wir gereift waren? Nein! Da wollten wir vor allem Neues sehen, erleben, Eindrücke sammeln, an denen wir, heimgekehrt, wieder lange zu zehren hätten. Wir wollten uns Stadtbilder, Bauten, Kunstwerke, Land- schaftsblicke einprägen und unseren inneren Besitz an Schönheiten der Erde, vor allem des Vaterlandes, mehren.
Wenn ich nun nicht in die Ferien reifen konnte, sondern nur einen schönen Sonntag 'ober freien Nachmittag zur Verfügung hatte, sie mir zu ersetzen, habe ich mich bann in der Stabt, in ber ich wohnte, einfach so umgestellt, als ob sie eine mir srembe unb neue sei. Unb ba habe ich angefangen, sie auf meinen Spaziergängen überhaupt erst kennenzulernen. Man glaubt nicht, wie wenig man im allgemeinen die Stadt und das Land, worin man lebt, vielleicht seit Jahren lebt, wirklich kennt! Die Hauptsehenswürdigkeiten hat man freilich auswärtigen, besuchenden Verwandten ober Freunden gezeigt und dabei auch selbst gesehen. Die Gesamtheit der Stadt oder Landschaft hat man so obenhin ausgenommen. Aber hat man sie sich so zum inneren Besitz werden lassen wie manche auf der Reise besuchte Stadt, in der man nur eine Woche oder ein paar Tage war, und bie man mit aller Aufmerksamkeit ansah?
Die aufrichtigsten meiner Leser werden sich selbst auf diese Frage mit Nein antworten. Und bas kommt eben baher, daß unser gewöhnliches Spazierengehen ein behagliches Hinschlendern ist unb bas unbestimmte Sehen eines sich ausrufjenben Auges.
Nun also in ber eigenen Heimatstadt nicht verträumten Blickes zu'' gedankenlos ruhigem Ausschreiten das Haus verlassen, sondern offenen, wachen Auges unb nach ein wenig still versenkter Vorbereitung in bie Geschichte, das Wesen ber Stabt aufgebrochen! Man wird erstaunt fein, wie neu unsere nächste Umgebung auf einmal sein kann, weil man bisher einfach das Wenigste von ihr wirklich sah, wie reich sie ist an Bauten, Denkmälern, an noch durch bie heutigen Straßen und ihren Asphalt spürbarem Altertum! Vergangene Zeiten ber Stabt, einstige Lebensformen, Künstler, die vor einem ober ein paar Iahrhunberten wirkten, werben in unserem Bewußtsein plötzlich lebenbig. Eine Säulenstellung vor einem Hause aus ber Zeit Schinkels fällt uns als schön auf, an der wir täglich achtlos vorübergingen. Nun bleiben wir stehen, treten ein paar Schritte zurück, nun sehen wir sie von ber Seite an und machen uns die Gliederung des ganzen Bauwürfels klar. Ein Dentmal an unserem Berufswege war uns immer nur wie ein beliebiger Passant, den wir rasch mit einem Blick streiften — u.un ist es auf einmal ein Kunstwerk unb weiter ein Sttick Geschichte für uns; wir nehmen es als Besitz in uns auf. Ein alter Friedhof, wo wir ein
mal an stillem sonnigem Ferienvormittag die Grab- steininschriften lesen, wird in kleineren Städten zum Blättern in Familienchroniken, in der großen Stadt auch wieder zu einem Lesen ihrer Geschichte: denn von den alten Gräbern sind meist nur die ber einst bebeutenben Menschen erhalten. Ich glaube, daß es wenige beutsche Städte gibt, in denen nicht mancherlei baulich unb geschichtlich Lehrreiches unb Er- sulltes bem aufmerksamen Betrachter guten Lohn spenbet.
SJtit ber Landschaft ist es für den, ber draußen in ländlicher Einsamkeit wohnt, nicht anders. Es bedarf auch hier nur der eindrücklichen Beschäftigung, mit ihr — nun nicht geschichtlich, sondern naturwissenschaftlich, geologisch ober wirtschaftlich ober botanisch? Auch so wird bas Sehen mit neuer Bereicherung erfüllt.
3ur Kunst unb, möchte ich hinzufügen, zum Nutzen bes Spazierengehens sei »och ein sehr wichtiges Drittes erwähnt! Ich glaube, Nietzsche hat es gesagt, bafe seine besten Gedanken ergangen seien, unb Hebbel hat ausgesprochen, daß man ihm, wenn man ihm seine Gehfähigkeit nähme, fein Schaffen rauben mürbe. Nun brauchen es gewiß nicht gleich große Dichter und Denker zu fein, denen der Spa» 3iergang bie schöpferischen Gedanken und Gefühle lost. Jeder von uns — ob als Kaufmann, als Arzt, als Beamter ober als Familienvater, der Kinder erzieht, als Grundbesitzer, der heute doppelt für Den Ertrag feines Bodens verantwortlich ist — braucht gute Gedanken, richtige Entschlüsse und aiich neue fruchtbare Einfälle für sein Tun und seinen Beruf. Sie kommen für die überwiegende Mehrzahl der Menschen im Gehen, sei es von innen durch das Freiwerden des Geistes in der körperlichen Bewegung, in dem nun das Neue, noch nicht mit bem alltäglich Gewohnten in Zusammen- bang Stehenbe emportauchen kann, oder von außen Durch all das Viele, eigene Gedanken Anregende, was bem aufmerksamen Blick begegnet
. ist wahrscheinlich, daß die Kunst des Spazierengehens bei unseren ruhiger und bescheidener lebenden Vorvätern ohne Lebenshast besser ver- standen und mehr geübt wurde als heute — wie ™T\6L9eIe,ttnJ” b8n °lten Parks und Gärten Architektur und Bildhauerwerk, auch das Wort non Inschriften den sich Ergehenden! — unb es ist sicher, Dafe sie uns in ein eisernes Pfl-ichtzeitalter Gestellten eine noch viel notwendigere Lebensmitgab« tfÜ


