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(92. Jahrgang Nr. 2(3 Erichen« tagiidj, außer Sonntags und feiertags

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Gießener Anzeiger ®s

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General-Anzeiger für Oberhessen

3n harten Kämpfen beherrschende Höhen unmittelbar westlich Stalingrad genommen.

Oer Wehrmachtberichi.

D)tB. Aus dem Aührerhauptquariier, 9. Sept. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:

Bei der Erstürmung einer beherrschenden höhe südostwärts Noworossijsk wurden über 1000, Gefangene eingebracht und 27 Geschütze, ein Pan­zerzug und zahlreiches sonstiges Kriegsgerät er­beutet. Bor der Schwarzmeerküste ver­senkten Kampfflugzeuge ein Transport­schiff von 500 BEI.

Am Terek verlor der Feind bei vergeblichen Angriffen 18 Panzerkampfwagen.

3m Festungsgebiet von Stalingrad durch­brachen Panzertruppen zäh verteidigte Stellungen hes Feindes und nahmen in erbitterten Kämpfen unmittelbar westlich Stalingrad gelegene beherrschende höhen. Bei Nacht wurden das Stadt­gebiet sowie sowjetische Flugplätze ostwärts der Volga bombardiert.

Südwestlich Kaluga wurden wiederholte ört­liche Angriffe des Feindes abgewiefen. Die Zahl ter in diesem Kampsabschnitt feit dem 11. August vernichteten Panzer hat sich auf über 1000 erhöht.

3m Raum von Rschew fanden auch am gestrigen läge keine größeren Kampfhandlungen statt. 3n ber Zeit vom 30. 3ull bis 6. September wurden hier durch Heer und Luftwaffe 212 6 sowje - lische Panzer vernichtet.

An der Einschließungsfront von Leningrad scheiterten vereinzelte feindliche Angriffe. Auf dem

Ladogasee wurden drei sowjetische Kanonen­boote durch Bombentreffer schwer beschädigt.

3m hohen Norden griffen Kampfflugzeuge einen Flugstützpunkt an der Kola-Bucht und das Hofengebiet von Murmansk an. 3agdflieger schossen in diesem Raum 26 feindliche Flugzeuge ohne eigene Berlusle ab.

Die Sowjetluftwaffe verlor am gestri­gen Tage in Luftkämpfen mit deutschen und kroa­tischen 3ägern und durch Flakartillerie 137 Flug­zeuge. Bier eigene Flugzeuge werden vermißt.

Bei Einflügen in die besetzten Westgebiete und bei vereinzelten Tagesstörftügen über Westdeutschland wurden in Luftkämpfen 10 britische Flugzeuge abge­schossen. 3m Lause der Nacht griffen Berbände der britischen Luftwaffe südwestdeutsches Gebiet an. Die Zivilbevölkerung hatte Berluste. Bor allem in Wohnvierteln entstanden Sach- und Gebäudeschäden. Nach bisherigen Meldungen wurden drei der an­greifenden Bomber abgeschossen.

3n der Zeit vom 28. August bis 8. September verlor die britische Luftwaffe 2 5 2 Flugzeuge, davon 120 über dem Mitlelmeer und in Nordafrika. Während der gleichen Zeit gin­gen im Kampf gegen Großbritannien 59 eigene Flugzeuge verloren.

Kampfflieger griffen bei Tag und Nacht Rü­stungswerke und militärische Anlagen an der eng­lischen Südküste sowie in Mittel- und Ostengland an. Lin britisches Motorschiff von 300 BRT. wurde durch Bombentreffer versenkt.

Churchill vor dem Unterhaus.

Oer Besuch in Moskau. (Sin peinlicher Rechenschastsbericht. Von unserer Berliner SchriftleiLung.

Churchill, von dessen Existenz man in der Kri­schen Oeffentlichkeit nach seiner Rückkehr ans Mos- iu und Aegypten kaum mehr etwas verspürte, hat ich am Dienstag dem-Unterhaus gestellt, um den lon Parlament und Oeffentlichkeit geforderten. Be­icht über die Ergebnisse seiner Reise sowie die Kriegslage zu erstatten. Im Gegensatz zu seiner htzten Rede vor neun Wochen, die einen mehr als !;ssimistischen Tenor hatte, erging sich Churchill esmal in hoffnungsvollen Andeutungen für die ukunft, offensichtlich zu dem Zweck, nach der un- ntevbrochenen Reihenfolge von politischen Fehl- )lägen und militärischen Niederlagen Großbritan­niens und seiner Verbündeten im eigenen Lande Lieder einen gewissen Optimismus zu erzeugen.

Seit das Haus sich in die Ferien begab, sind verschiedene wichtige Kriegsoperatio­nen vorgefallen." Dieser Satz steht zu Anfang ssiner Unterhausrede. Es ist wohl auch der einzige ratz, der der Wahrheit entspricht. Aber auch dieser Latz enthält eine Unwahrheit: Das englische Unter« lpus ging nicht freiwillig in die Ferien, son­dern Churchill diktierte ihm den Zwangsurlaub, «eil er nicht den Mut hatte, über die verschiedenen unangenehmen Ereignisse Rede und Antwort zu stehen, die über England und seine Verbündeten hereinbrachen. Jetzt, neun Wochen später, geht er mit einer großzügigen Geste über die Geleit- zugkatastropHe im Mi ttelm'eer hinweg, iiie damals England entsetzte und die Welt in Atem hielt. Was damals als Katastrophe für England empfunden wurde, stellt er heute dem englischen Jolk als großartigen Erfolg hin, wenngleich er den Ilerlust eines Flugzeugträgers, zweier Kreuzer und eines Zerstörers neben Beschädigung anderer Schiffe emgestehen mußte. Ein noch größerer Erfolg war noch Churchill derAngriff a u f D i e p p e", des­sen militärischer Ruhm für diese nach Churchills Wortenhöchst glänzende Angelegenheit" den kanadischen Truppen züfalle, die fünf Sechstel der ergreifenden Streitmacht bildeten. Das mißglückte Unternehmen nannte er einen mit großer Macht vorgetragenengewaltsamen Erkundungsoorstoß", ber die nötigen Informationen erbracht habe, die für mit größere Unternehmen notwendig seien. Er be­trachte den Angriff auf Dieppe als das notwendige Vorspiel für die kommenden Großunternehmungen. Und dann tat er ganz geheimnisvoll:Was der Hrind nicht weiß, ist, wann, wo und wie, mit welchen Kräften und t* welcher Weise er angegrif­fen werden wird."

lieber den Hauptkriegsschauplatz im Osten ver­lor er nur einen Satz:Von der russischen Front möchte ich nur sagen, daß heute der 8. September ist." Mag jeder dahinter ein Geheimnis, eine Er­kenntnis oder ein Eingeständnis vermuten. Aehn- li* behandelte er das Thema Luftkrieg, für den sichzweifellos neue Möglichkeiten eröffnen", und die Verluste zur See, dienoch immer sehr schwer sind", aberwir müssen diesen Kampf ols Fundament aller Anstrengungen der Vereinigten Stationen betrachten". Noch konfuser waren feine Ausführungen über Nordafrika. Er mußte zu- geben,daß in den Schlachten bei Gazala und bei CI Alamein die Divisionsformationen in großem Naßstabe aufgelöst, die Zahl der Schlachtgruppen und der improvisierten Formationen völlig zer­splittert wurden. Sein Gesamturteil über Aegypten faßte er in dem Satz zusammen:Wir sind be­rechtigt, die Kämpfe als nicht unbefriedigend an- znsehen", eine Charakterisierung, die selbst im Un­terhaus Widerspruch auslöste. Natürlich wurden end) die mißglückten Unternehmungen der Nord- cmerikaner und Australier bei den Midways und bei den Salomoninseln dem Hause als große mili­tärische Erfolge der Verbündeten vorgegaukelt.

Zum Schluß sprach er über feinen Besuch in

Moskau. Die vier Tage dort > müssen für ihn schwer und niederdrückend gewesen sein. Nöch im Unterhaus zitterte feine Erregung darüber nach, wenn er erklären mußte, die Sowjets feien nicht der Auffassung gewesen, daß England und die USA. bisher genug zu ihrer Entlastung getan hatten. In langen Konferenzen mit Stalin und Molotow, in denen mit größter Offenherzigkeit alle Fragen ein­gehend besprochen worden seien, habe er den sow­jetischen Führern klarzumachen versucht, daß Eng­land und die Vereinigten Staaten alles tun würden, um ihrerseits einen Beitrag zum Kriege zu leisten, Es fei ihm gelungen, den Führern Sowjetrußlands Vertrauen 'einzuflößen und sie von dem loyalen Entschluß Großbritanniens und der USA. .zu über­zeugen, so schnell wie möglich und ohne. Rücksicht auf Verluste und Opfer der Sowjetunion zu Hilfe zu kommen.

Die umständlichen Formulierungen, die Churchill für diese Feststellungen wählte, sind ein Beispiel dafür, wie tief das englische Weltreich gesunken ist und wie tief sich fein Premierminister erniedrigen mußte. Sah sich Churchill doch gezwungen, von dem gleichen Mann, den er selbst einmal als Massen­mörder bezeichnet hatte, als von einermassiven Persönlichkeit" und alsMann mit Humor" zu sprechen. Derselbe Mann, der das Blut von Millio­nen auf dem Gewissen hat, wird von Churchill nun, da er feiner dringend bedarf, alsMann mit Hu­mor" hingestellt. Darum nannte er Stalineine massive und starke Persönlichkeit, einen Mann von direkter und sogar barscher Rede". Man kann sich nach diesen Worten vorstellen, welche Rolle Churchill diesermassiven und barschen Persönlichkeit" gegen­über gespielt hat. Er muß dort so klein gewesen fein, daß er das Ergebnis feines Moskau-Besuches dahin zusammenfaßte:Ich glaube, daß ich ihm das Ge­fühl beibringen konnte, daß wir gute und treue Kameraden in diesem Kriege sind, daß aber Taten und nicht Worte hierfür den Beweis liefern müssen." Mit besonderem Pathos bemerkte Chur­chill dann:Von einem bin ich nach meinem Besuch in Moskau überzeugt: das ist der felsenfeste Ent­schluß Sowjetrußlands, Deutschland bis zum Ende zu bekämpfen." Bereits im Juni seien die höchsten nordamerikanischen Militärs, der Generalstabsche : Marshall, Admiral King, zusammen mit Harry Hop­kins nach London gekommen, um mit ihm wichtige Entscheidungen auf militärischem und kriegswirt­schaftlichem Gebiet zu treffen. Seit dem letzten Zu­sammentreffen mit dem Parlament habe sich die Entwicklung des Krieges weiter zugunsten Englands und feiner Alliierten geändert.

Der erste Sitzungstag des Unterhauses fand einen sehr merkwürdigen Abschluß. Im Anschluß an Chur­chills Rede war eine zweitägige Debatte über die Kriegslage vorgesehen. Aber schon nach der Rede des Premiers verließen die meisten Abgeordneten das Haus, jo daß der nach dem Führer der Arbei­terparteifraktion, Greenwood, zu Wort gekommene zweite Debattenredner, ein Konservativer, zeitweilig seine Rehe unterbrechen mußte, weil keine genügende Anzahl von Abgeordneten im Saale war. Stafford Cripps unterbrach darauf die Debatte und gab sei­nem Bedauern Ausdruck, in diesem Verhalten der Abgeordneten eine Mißachtung der parlamenta­rischen Institutionen sehen zu müssen.

Englands wachsende Kneasausgaben.

Stockholm, 9. Sept. (DNB.) Der britische Schatzkanzler Kingsley Wood legte dem Unterhaus einen Antrag auf Eröffnung eines neuen Kredits von einer Milliarde Pfund Sterling vor und sagte, daß durch diese neue For­derung die Gesamtschuld seit Kriegsbeginn auf 11 Milliarden 50 Millionen Pfund Sterling steigen würde. In den letzten Wochen beliefen sich die täg­

lichen Kriegsausgaben Englands auf durchschnitt­lich 12 % Millionen Pfund Sterling, was im Ver­gleich zum Juni eine Erhöhung um eine halbe Million täglich bedeutet.

Oie Unruhe in Nordirland.

Stockholm, 9. Sept. (Europapreß.) In Nord­irland fürchten die britischen Behörden, daß die Einzelaktionen, die in der letzten Zeit von Mit­gliedern der Irisch-Republikanischen Armee verübt wurden, sich zu allgemeinen Unruhen auswachsen könnten. Von vielen Seiten wird für Nordirland die Einführung von Standgerichten gefordert, die ür terroristische Tätigkeit Todesurteile verhängen 'önnen. In Belfast ist ein ganzer Stadtteil zur Ge- ahrenzone erklärt worden, die Polizeipatrouillen Derben dort ständig verstärkt. Die Polizei unter- ucht systematisch Haus für Haus nach versteckten Terroristen, insbesondere nach solchen, die während der Schießereien der letzten Zeit verwundet wur­den. In vielen Fällen werden Waffen und Doku­mente beschlagnahmt. Die Behörden glauben, daß die Aufstandsbewegung Verstärkung von ihren An- hängern in Eire bekommen kann, und haben aus diesem Grunde die Grenzüberwachung verschärft.

Britenfeindschast der irakischen Armee.

Sofia, 10. Sept. (Europapreß.) Nach einer Meldung aus Bagdad begab sich Generäl Oui - n a n t in Begleitung mehrerer englischer General- stirbsosfiziere in verschiedene irakische Soldatenlager, um sie zu inspizieren. Ihm wurde jedoch ein der­art kühler Empfang, zuteil, daß der General ge­zwungen war, sich nach Bagdad zurückzubegeben. Irakische Kreise glauben, daß die Engländer dem' Ministerpräsidenden Nuri Said zu verstehen gaben, die Haltung der irakischen Armee sei den Englän­dern gegenüber immer noch feindselig, trotz der Maßnahmen der Regierung, die versucht habe, alle nationalistischen Offiziere zu internieren. Die Eng­länder könnten daher zu der irakischen Armee kein Vertrauen mehr haben.

Kampf um Getreide in Syrien und im Libanon.

Vichy, 9. Sept. (Europapreß.) Nach Meldungen aus Alexandrette dauern die Unruhen in Syrien und im Libanon infolge des Lebensmittelmangels an. Die Landbevölkerung hatte sich geweigert, das von ihr verlangte Getreide für die britischen und gaulli­stischen Besatzungstruppen abzuliefern, worauf die Gendarmerie nachts in die Häuser einbrang und die dort Vorgefundenen Getreidebestände mit Gewalt an sich nahm. Diese Zwangsmaßnahmen haben unter der syrischen und libanesischere Bevölkerung große Unzufriedenheit hervorgerufen.

Heute ganz anders.

Wenn man vor nunmehr neun Monaten dem Präsidenten Roosevelt gesagt hätte, er werde früher oder später einmal Farbe bekennen und seinem Volke zu verstehen geben müssen, daß es großen Entbehrungen und schmerzlichen Verlusten entgegen­gehe, hätte er ungläubig die Achseln gezuckt und ge­meint, daß der Krieg zugunsten der Alliierten ent­schieden fein würde, ehe die amerikanische Union zu vollen Kriegsanstrengungen angelaufen sein würde. Jetzt hat sich Winston Churchills Freuckd und Mitschuldiger doch entschließen müssen, dem nordamerikanischen Volk die Wahrheit zu sagen.

Wenn man die Irrtümer der nordamerikanischen Politik verstehen will, muß man sich der Zeit des e r ft e n Weltkrieges erinnern. Damals haben die Vereinigten Staaten zwar auch von vornherein die Gegner Deutschlands unterstützt und sind auch nach etwa 2¥j Jahren aktiv in den Krieg eingetreten. Aber sie haben so gut wie keinen Mangel zu leiden brauchen. Das eigene Land bot an Lebensrnitteln genug, und wo etwas fehlte, konnte man es gegen begehrte Dollarnoten in jenen Ländern kaufen, die entweder gar nicht in den Krieg verstrickt ober durch den Fortfall des europäischen Marktes für die Befriedigung des nordamerikanischen Lebens- und Genußmittel-Bedarfs lieferfähig und lief erbe-' reit waren. Als im Jahre 1917 der deutsche U- Boot-Krieg auf feinen Höhepunkt stieg, waren es doch nur die Verbindungen von unh nach Europa bis kaum zur Mitte des Atlantischen Ozeans, die mit empfindlichen Verlusten an Handestonnage rechnen mußten. Die amerikanischen Küstengewässer, ber Südatlantik, der Indische Ozean und in noch höherem Grade der Pazifik waren so gut wie un­gefährdet. Die Folge davon war, daß die gering­fügigen Lebenshaltungseinschränkungen, welche bas amerikanische Volk sich auferlegen mußte, nicht eigentlich als Leiden, sondern nur als Kuriosum empfunden wurden.

Das ist heute ganz anders. Die den Alli- ierten zur Verfügung stehende Tonnage ist längst gepoolt", d. h. zufammengelegt und einheitlich be­wirtschaftet. Der U-Boot-Tod lauert an allen Küsten, nicht ausgenommen selbst die entlegensten Gestade Australiens und Ozeaniens. Die Kriegsflotte und die Flugwaffe der Dreierpaktmächte haben ihre Gegner gezwungen, auf jeden entbehrlichen. Verkehr zu verzichten. Zwischen den Warenvorräten Süd­amerikas, Südafrikas und Australiens auf der einen Seite, den dicht besiedelten angelsächsischen Verbrau- chergchieten und den Kriegsschauplätzen auf der anderen Seite haben Deutschland, Italien und Ja­pan das dichtmafchige Netz ihrer Gegenblockode ge­spannt. Wer den Pankees vor neun Monaten gesagt hätte, sie würden Ende 1942 fleischlose Tage und

Straßen des LlGA. -Imperialismus.

Von unserem L.-Korrespondenten.

Bangkok, Anfang September 1942.

Irgendwo" arnPersischen Golf sind Nord­amerikaner damit beschäftigt, einen neuen Hafen anzulegen. In großer Eile werden moderne Ent- ladeoorrichtungen, Speicher und Werkstätten zum Zusammensetzen getrennt gelieferter Mafchinen er­richtet. Anschließend an diesen Hafen wird eine Eisenbahn nach N v rd e n Richtung Kaspisches Meer von den gleichen Amerikanern gebaut. Das Irgendwo", welches anbeutet, daß hier ein mili­tärisches Geheimnis gewahrt werden soll, ist i n der Nähe voN Bender-Schahpur zu suchen, einem von den Engländern benutzten, in letzter Zeit stark ausgebauten Häfen am Ende des Persischen Golfes. Zentrum des ganzen Gebietes, um das diese Aktivität kreist, ist Basra. Neben den Hafenanlagen entstehen Flugplätze, Funkanlagen und eine der größten Delraffinerien mit entsprechen­den Bunkeranlagen.

Auch ohne alle Einzelheiten zu kennen, kann man als Beobachter dieser Vorgänge feststellen, baß das Gebiet um Basra sich immer stärker zu einem Brennpunkt ber strategischen Gedankengänge Eng­lands, der Sowjetunion und vor allem der Ver­einigten Staaten entwickelt. Die t r a n s i r a n i s ch e Bahn wird teilweise bei dem Bau einer neuen Eisenbahn in Richtung Norden benutzt. Der Plan geht dahin, außer den jetzt benutzten Verkehrswegen nach dem Kaukasusgebiet neue Verbindungen nachSi b i r i e n und Chinazu erschließen. Die im Bau befindliche Eisenbahn durch Iran soll am Südrand des Kaspischen Meeres vorbei über Sa- markand nach Buchara in Russisch-Turkestan führen, dort erhält sie Anschluß an die Sibirien Turkestan-Bahn in Chinesisch-Turkestan (Sin-Kiang). Ungefähr an der chinesischen Grenze wirb ber An­schluß an eine alte Heerstraße hergestellt, die in südöstlicher Richtung nach Tschungking führt. Hier wäre also ein Umlaben ber Güter auf Last­autos erforderlich. Außer bieser Straße soll über die gleichen Länder eine Lustl inie errichtet werden, bei der auch Sowjelflugplätze zu Hilfe genommen werben müssen.

Die Verwirklichung dieser Pläne hängt von ber Zustimmung ber Sowjetregierung ab. Bisher hat Moskau noch nicht eingewilligt. Einmal spricht daraus Mißttauen gegen die Absichten ber Pan- kees in einem Gebiet, in dem sie nach Ansicht der Sowjetregierung nichts zu suchen haben, zum an­deren die Befürchtung, die amerikanischen Liefe­rungen, die die Sowjetregierung für sich bean­sprucht, würden zersplittert und in unnötigem Ausmaß auch China zugute kommey.

Als Iran überfallen und besetzt wurde, hatten England und die Sowjetunion lediglich die Liefe­rungen an die Rote Armee im Auge. Die Nord­amerikaner hingegen haben noch andere Pfeile im Köcher. Für sie ist das Basra-Gebiet von vielfacher Bedeutung. Es ist zunächst ber Eckdpunkt jener stra­tegischen Verbinbungslinie, die von Natal an ber brasilianischen Küste über Westafrika burch das Tschadseegebiet nach Norbafrika, Ostafrika und von dort nach Iran führt. Diese Straße des. USA.-Im­

perialismus, die in erster Linie eine Luftverkehrs­linie darstellt, aber burch eine Autobahn unb einen Seeweg um Sübafrika ergänzt werben soll, ist einer­seits ein Eingestänbnis der furchtbaren Nieberlage, die die USA- in Ostasien erlitten haben, anderseits aber auch ein Zeugnis für den skrupellosen Macht­willen ber Kreise um Roosevelt in Gebieten, in denen England unter normalen Umständen ameri­kanische Ansprüche niemals anerkannt haben würde.

Ferner ist das Basra-Gebiet Ausgangspunkt für den Verforäungsweg nach der Sowjetunion, für die geschilderte neue strategische Verkehrslinie nachChina und schließlich, wie in amerikanischen Publikationen offen ausgesprochen wird, der ein­zige Zugang und das einzige Depot färben gan­zen Vorderen Orient, wenn Llegypten eines Tages nicht mehr in englischen und amerikanischen Händen ist. Die Gesichtspunkte, von denen sich die USA. leiten lassen, gehen aus einer Veröffentlichung derSaturday Eoening Post" hervor, in ber es heißt, nur bie USA. wärenin diesem Bereich eines zerfallenben Imperiums" imstande, die gro­ßen verkehrsstrategischen Aufgaben zu lösen, in ber aber auch mit Sorge darauf hingewiesen wird, daß die weitgreifenden Herrschaftspläne ber USA. bavon abhängen, daß die Sowjetunion im Kaukasus- gebiet Stand zu halten vermöge. Die Rote Armee spielt also in den amerikanischen Plänen nur eine Hilfsrolle. Das gleiche gilt für England, wie ber gut unterrichtete Washingtoner Korrespondent des New Port Journal American" enthüllt hat. Er schrieb in einem offenbar inspirierten Aufsatz, bie Pacht- und Leihpolitik ber USA. gegenüber Eng­land unb bie Verteilung des 'Kriegsmaterials müsse im Falle eines Verlustes Aegyptens überprüft werben, ba England dann an keiner Front mehr kämpfe.

Die dritte Figur in diesem amerikanischen Spiel ist C hi-na. Die USA. suchen Tschungking auf zwei Wegen zu erreichen. Auf ber geschilderten Route über Basra, die allerdings erheblich länger ist, als der Weg von San Franzisko nach Australien, und über die Aleuten. Dieser Wea ist zwar kürzer und regt die Phantasie amerikanischer Plänemacher seit langem an, hat aber den Nachteil, von den Japa­nern unterbrochen worben zu fein.

Man mag aus Beschreibungen dieser Art erken­nen, wie anspruchsvoll bie Rooseveltsche Außen­politik einherschreitet, man kann aber auch daraus entnehmen, wie eng ber Zusammenhang aller Kriegsschau plätze ist. Der Krieg ber USA. gegen Japan ist z. B. untrennbar verknüpft mit der Stellung ber Sowjetunion. Wenn nicht andere Gründe dazu führten, bann wären es zu­mindest bie geographischen. Diese Zusammenhänge sind aber auch ber große Hemmschuh für die Ver­wirklichung der USA.-Pläne, denn eine entscheidende Niederlage auf dem einen Kriegsschauplatz, wie sie bie USA. in Ostasien erlitten haben, macht' einen entscheidenden Sieg auf einem anderen Kriegs­schauplatz, sei dieser nun vorhanden ober geplant, in einem mobernen Weltkrieg unmöglich. Zu dieser Erkenntnis ist Roosevelts Gehirntrust allerdings altem Ayscheig nach noch nicht värgedrunge^.