Dienstag, w.zebruar 1942
Gietzener Anzeiger
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Der größte Teil von ihnen soll sich haben retten können. Nach Reutermeldungen ist das Schiff, zu einem beträchtlichen Teil ausgebrannt'^- auch habe es schließlich leichte Schlagseite gezeigt.
Das Feuer entstand auf dem Promenadendeck und verbreitete sich innerhalb von 30 Minuten über das ganze Haup'tdeck. Bald darauf stand auch das Oberdeck in Flammen, und dichte Rauchwolken wälzten sich über das Hafenviertel von Neuyork. Der Rauch hatte das Schiff vollständig eingehüllt, wodurch die Arbeit der Feuerwehr sowohl von Land als auch von Feuerschiffen aus stark behindert wurde. Nach drei Stunden wütete der Brand immer noch heftig. Nach Aussagen eines Arbeiters soll eine feuergefährliche Masse auf dem Promenadendeck in der Mitte des Schiffes durch ein Schweißwerkzeug in Brand geraten sein. Das Feuer habe sich sehr schnell ausgedehnt und die elektrische Beleuchtung außer Betrieb gesetzt. Dadurch sei es den in den unteren Decks befindlichen Arbeitern schwer geworden, sich zurechtzufinden und in Sicherheit zu bringen. Nach einer ersten Mitteilung wurden 72 Personen mit Brandverletzungen ins Krankenhaus gebracht.
Die „Normandie" gehörte der Companie Generale Transatlantique in Le Havre. Sie war 1934 vom Stapel gelaufen. Mit 83 423 BRT. war sie das zweitgrößte Schiff der Welt. 1975 Fahrgästen bot sie Unterkunft. Ihre Höchstgeschwindigkeit betrug 28,5 Knoten.
Aus weiteren Neuyorker Berichten geht hervor, daß das Schiff am Montag um 19 Uhr Neuyorker Zeit etwa 25 Prozent Schlagseite hatte. Die Löscharbeiten wurden infolge der große Höhe des Schiffes und durch die starke Rauchentwicklung
Rom, 8. Februar 1942.
Meder ist man in London mit einem Faktor m Krieg geraten, den man so gern als einen der treuesten Bundesgenossen des Empires gewonnen
Berlin, 9.Februar. (DRV.) Amtlich wird be- tanntgegeben:
Durch den tödlichen Unfall des Reichsministers Dr. Todt hat das Großdeutsche Reich einen schweren Verlust erlitten. Dr. Todt vereinigte in seiner Person die Aemter des Reichsministers für Bewaffnung und Munition, des Generalinspektors für das deutsche Straßenwesen und des Generatinspektors für Wasser und Energie.
Diese drei Aemter hat der Führer nunmehr dem Generalinspektor für die Reichshauptstadt, Dipt.-Jng. Professor Albert Speer unter Beibehaltung feines bisherigen Amtes übertragen.
Ausbruchsversuchen immer mehr zusammengedrängt und vernichtet wurden, zerschlugen Artillerie und Stukas neue Angrisfsvorberitungen des Feindes im Keime.
Auch im mittleren Teil der Front hatten deutsche Kampfflugzeuge gestern wiederum hervorragenden Anteil an der Niederkämpfung sowjetischer Angriffe. Trotz starker Schneefälle flogen unsere Besatzungen die festgelegten Einsätze und unterbrachen die Zufuhrstraßen' des feindlichen Nachschubs an mehreren entscheidenden Punkten. 130 Fahrzeuge, drei Geschütze und ein schwerer Panzer blieben nach dem Bombenhagel zerstört liegen. Sturzkampfflieger vernichteten an anderer Stelle 35 motorisierte und bespannte Fahrzeuge.
Ein hartnäckiger Kampf entspann sich in den letzten Tagen im mittleren Teil der Ostfront um ein Waldgelände, in dem sich bolschewistische Einheiten festgesetzt hatten. An zwei Stellen griffen Kampfgruppen einer deutschen Panzerdivision die feindlichen Stellungen an. In zweitägigen Waldgefechten, bei denen die Panzertruppen besondere Schwierigkeiten zu überwinden hatten, vernichtete die eine Kampfgruppe im Angriff große Teile der Bolschewisten und stieß am 7.2. gegen eine hinter dem Wald gelegene Ortschaft vor. Noch am selben Tage wurde der starke feindliche Wider- stand gebrochen und der Ort besetzt. Die zweite deutsche Kampfgruppe drang gleichzeitig bei starkem Gegenwind bis zum Ostrand des tief verschneiten Waldes vor und steht noch im Kampf mit bolsche- wistschen Kräften, die sich auf einen stark ausgebauten Ort außerhalb des Waldes zurückgezogen haben.
Oer Wehrmachtbericht.
DRV. Aus dem Führerhauplquarlier, 9. Februar. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:
3m Osten fetzte der Gegner feine Angriffe trotz schwerer Verluste fort. Bei den Kämpfen an der Donezfront verlor der Feind im Zeitraum von 14 Tagen allein im Abschnitt einer Infanterie- division über 1000 Gefangene, mehrere tausend lote, 17 Panzer, 52 Geschütze sowie 87 Maschinengewehre und Granatwerfer.
3n Nordafrika wurden feindliche Aufklärungsvorstöße abgewiesen. Kampf- und Sturzkampfflugzeuge zersprengten britische Fahrzeug- kolonnen in der östlichen Marmarica. Bei 3agd- kämpfen in diesem Raum schossen Jagdflugzeuge ohne eigene Verluste zehn feindliche Jäger ab.
An der Küstederbefehlen we st gebiete sowie an der norwegischen Küste verlor die britische Luftwaffe am gestrigen Tage fünf Flugzeuge.
Berlin, 9.Febr. (DNB.) Im Zuge der Kampfhandlungen, die in den letzten Tagen im Raum nordostwärts des Ilmensees stattfanden, unternahmen die Bolschewisten einen Angriff aus den Südflügel einer deutschen Infanteriedivision. Dabei gelang.es unseren Infanteristen, bei starker Kälte und Schneetreiben Teile der feindlichen Einheiten zu umfassen und e i n z u s ch l i e ß e n. Während die sowjetischen Truppen nach erfolglosen
Normandie" im Haken von Neuyork in Klammen.
Professor A l b e r t S p e e r ist einer der bekanntesten Architekten Deutschlands. Er ist insbesondere bekannt als der Schöpfer der Reichsparteitaqba^en in Nürnberg. Albert Speer wurde am 19.Marz 1905 in Mannheim geboren. Nach Absolvierung der Oberrealschule führte ihn der Weg über die Hochschulen von Karlsruhe und München 1925 nach Berlin wo er zwei Jahre später seine Diplomprüfung ableqte. Nach fast fünfjähriger Assistentenzeit an der Berliner Technischen Hochschule ließ er sich als Privatarchitekt nieder.
1932 entstand unter seiner Lotung der Umbau des „Adolk-Hitler-Hauses" in der Boß-Straße° m Berlin zum Hause des Gaues Berlin der NSDAP. 1933 folgten der Umbau und die Einrichtung des Hauses für das Reichspropaqandaministerium, Entwurf und Ausgestaltung der provisorischen Aufbauten auf dem Reichsparteitaggelände in Nürnberg und verschiedene Umbauten der Reichskanzlei. In'den Jahren 1934 bis 1937 widmete sich Speer in erster Linie dem Ausbau des Nürnberger Reichsparteitaggeländes, dessen Entwurf zur gesamten Anlage ihm vom Führer übertragen wurde. Daneben entstanden der Umbau der deutschen Botschaft m London, Entwurf und Bau des „Deutschen Hauses auf der Pariser Weltausstellung und des erweiteren Reichskanzleigebäudes in der Boß-Straße zu Berlin.
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Schwere Sowjeiverluste an der Donezfront.
Britische Fahrzeugkolonnen in der Marmarica durch die Lustwaffe zersprengt.
Am 30.1.1937 ernannte der Führer Albert Speer zum Generalbauinspektor für die Reichshauptstadt und übertrug ihm die Aufgabe, die Reichshauptstadt vollständig neu- und umzugestalten. Zur gleichen Zeit beauftragte der Führer Albert Speer mit dem Erweiterungsbau der Reichskanzlei, der in neun Monaten erstellt wurde.
Nach Kriegsausbruch wurde Albert Speer von Reichsmarschall Göring beauftragt, im Rahmen des vom Führer befohlenen Aufbaues der Rüstungsindustrie Neu- und Erweiterungsbauten von Rü- jtungsbetriehen der Luftwaffe fchnelljtegs burchzu-
Gießen Wlesensttakl
r 1942
0502,
England und die Zeit
Von unserem Py.-Korrespondenten.
Kreuzer, davon fünf durch deutsche Flugzeuge, beschädigt. Ein Zerstörer und ein U-Boot wurden von der deutschen Luftwaffe getroffen. Acht Dampfer wurden beschädigt, ein Dampfer versenkt. In der ersten Februarwoche hatte die britische Kriegsmarine weitere Verluste zu verzeichnen, besonders auf der Rede von Malta, wo durch die unaufhörlichen Bom- benanariffe gegen die dort Hegenden Schiffe mit Sicherheit Verluste entstanden sind, wie im besonderen auch das italienische OKW. die Beschädigung eines britischen U-Bootes und eines Kreuzers meldete.
Die britische Admiralität gab am Sonntagabend die Versenkung des Zerstörers „M a t a b e l e" bekannt. Die „Matabele" hatte eine Wasserverdrängung von 2400 Tonnen und war bewaffnet mit 4 Torpedorohren, acht 12-cm-Geschützen, vier 4-cm- Flakgeschützen und acht Flakmaschinengewehren. Die Besatzung betrug normalerweise 240 Mann.
|92. Jahrgang Nr.
Erscheint täglich, außer Sonntags und feiertags
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Oasprotektorat arbeitet
Noch weit ins Jahr 1941 hinein schien die reft* lose Eingliederung des Protektoratsraumes ins Großdeutsche Reich zahlreiche Fragen höchst pröble, matischer Natur aufzuwerfen, deren endgültige Lösung noch lange Zeit in Anspruch nehmen würde. Gewisse Erscheinungen in der Versorgungswirtschaft in Böhmen und Mähren, die in der zweiten Hälfte des Vorjahres mit durchgreifenden Maßnahmen be- kämpft werden mußten, ließen den oberflächlichen Beobachter vielleicht vermuten, daß bis zum voll- kündigen Verwachsen dieses Gebietes mit dem üb, rigen deutschen Lebensraume noch ein weiter Weg ;u gehen sein dürfte. In Wirklichkeit war aber schon eit zwei Jahren ein ständig fortschreitender Angleichungs- und Eingliederungs- Prozeß im Gange, demgegenüber die erwähnten Vorgänge nur die letzten Zuckungen eines falsch verstandenen Autonomiebegriffes einiger Einzelpersonen darstellten. Heute spricht im ganzen Protektorat kein Mensch mehr von solchen irrigen Auffassungen, und die ganzen Gedanken und Anstren« gungen sind auf die Arbeit für die Zukunft gerichtet.
Das wirtschaftliche Aufgehen des Protektorates im Reiche war die Folge einer friedlichen politischen Entwicklung. Keine Fensterscheibe wurde zerschlagen und kein Blut vergossen. Das Protektorat trat als geschlossener, lebendiger Organismus in das Reich ein. Seine wirtschaftliche Struktur hatte es als Erbe aus der Monarchie mitgebracht, seine politische und verwaltungsmäßige Gestalt jedoch in einer zwanzig, jährigen Eigenstaatlichkeit geschaffen. Wirtschaft und Industrie — einst auf die Bedürfnisse einer 50- Millionen-Monarchie. eingerichtet — strebten eher nach einer Verringerung ihres überdimensionalen Bestandes, während der Verwaltungsapparat bei der Verfolgung volkspolitischer Ausbreitungsbestrebungen wiederum ständig an Umfang zugenommen hatte.
Heute haben die Verhältnisse aber eine völlige Umkehrung dieses Zustandes bewirkt. Das gesamte Wirtschaftsleben des Protektorates ist in einen Raum hineingestellt, der doppelt so groß ist als es die Habsburger Monarchie einst war. Auf der anderen Seite fordert der klein gewordene eigene Verwaltunasraum eine durchgreifende Vereinfachung der Administrative und deren rationelle Urn- aestaltung. Alle Veränderungen auf diesen beiden Gebieten konnten aber nur schrittweise durchgeführt werden, um unnötige Härten und mögliche Störun- gen zu vermeiden. Heute ist jedoch der Umwand- lungsprozeß bereits so weit vorgeschritten, daß schon
S t o ck h o l m, 10. Febr. (DNB. Funkspruch.) Auf dem von Roosevelt geraubten französischen Riefendampfer „Normandie", der den Namen „Lafayette" erhalten hatte und in einen Flugzeugträger umgebaut werden sollte, ist im Hafen von Neuyork ein Großfeuer entstanden. Etwa 2200 Arbeiter und Wachmannschaften .... -
befanden sich bei Ausbruch des Brandes an Bord. > außerordentlich behmdert.
ühren. Vom Oberkommando der Kriegsmarine und vom Heereswaffenamt wurde Speer ebenfalls mit der Durchführung vordringlicher Rüstungsbauten bs- treut. Zu weiteren wichtigen Kriegsaufgaben Speers trat u. a. die Schaffung der bekannten Transport- tandarte „Speer", zu der später noch die Trans- portflotte „Speer" hinzukam.
Das Bitterkreuz.
Berlin, 9. Febr. (DNB.) Der Führer verlieh das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes an Oberleutnant Wilhelm von Malachowski, Batteriechef in einer Sturmgeschützabteilung; ferner auf Vorschlag des Oberbefehlshabers der Luftwaffe, Reichsmarschall Göring, an Oberleutnant Johann Wald Hauser, Staffelkapitän in einem Sturzkampsgeschwader.
Als eine deutsche Kampfgruppe am 22. Januar zum Schließen einer Durchbruchslücke in hartem Kampf bei strenger Kälte und tiefem Schnee als Tagesziel das Höhengelände ostwärts des Koscha- Baches erreicht hatte, faßte Oberleutnant von Malachowski den kühnen Entschluß, mit feinen sechs Sturmgeschützen mitten in die zurückgehenden Sowjets einzubrechen. Panikartig ergriff der überraschte Feind unter schweren Verlusten die Flucht. Durch den unerschrockenen und heldenmütigen Einsatz des Oberleutnants von Malachowski und seiner tapferen Geschützbedienungen wurden allein an diesem Tage 18 Geschütze erbeutet und zerstört; vor allem aber wurden besonders günstige Voraussetzungen für den erfolgreichen Angriff des Korps am folgenden Tage geschaffen, an dem sich Oberleutnant von Malachowski wieder als ein Füh. rer und Kämpfer von seltenem Draufgängertum auszeichnete.
Oberleutnant Johann Wald Hauser hat als Einzelkämpfer und als Führer seines Verbandes bedeutsame Erfolge erzielt und seine Besatzungen durch heldenhaftes Beispiel immer wieder zu höchsten Leistungen mitgerissen. Nach zahlreichen, kühn und erfolgreich geflogenen Sturzangriffen auf Erdziele aller Art, die dem Gegner schwersten Schaden an Menschen und Material zufügten, hat er im Seegebiet um Griechenland und im Schwarzen Meer 31OOO BRT. Handelsschiffsraum versenkt, 29 000 BRT. beschädigt und einen feindlichen Zerstörer in Brand geworfen. Vor allem auf der Krim und im Kampf um Sewastopol hat Oberleutnant Waldhauser trotz schwerster feindlicher Abwehr große Erfolge erzielt.
Ritterkreuzträger Oberleutnant Stenzel gefallen.
Berlin, 9. Ian. (DNB.) Im Kamps gegen den Bolschewismus fiel bei den schweren Abwehrkamp, fen im nördlichen Abschnitt der Ostfront Ritterkreuzträger Oberleutnant Heinrich Stenzel, Chef einer Radfahrschwadron.
An der Spitze seiner Schwadron gab er fern tapferes und mutiges Leben in dem harten Kampf, in dem er nur ein Ziel vor Augen sah: den Sieg. Von seinen Soldaten verehrt, war er ihnen immer ein Führer und Vorkämpfer, ein leuchtendes Vorbild bei zahlreichen Stoß- und Spöhtruppunterneh. mungen, das sie auch in schweren Stunden mit Sie- geszuversicht bestärkte. Seit Beginn des Ostfeldzuges kämpften sie unter seiner Führung mit großem Angriffsschwung und Draufgängertum und vollbrachte« ent scheid ende Leistungen.
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England« fortschreitende Schiffsraumnot.
Stockholm. 9. Februar. (Ml33.) So sehr Lon- bon bemüht ist, die sich ständig erschwerende Schiffsraumfrage durch Verheimlichung oder Teilgeständnisse der steigenden Verluste der Oeffent- lichkeit oorzuenthalten und diese damit über die tatsächliche Entwicklung hinwegzutäuschen, so geben doch immer wieder erneute einschränkende Regierungsmaßnahmen genügend Aufschluß über die katastrophale Notlage. In dieser Hinsicht ist auch die jetzt von der „Times" veröffentlichte Verordnung der britischen Regierung aufklärend, die mit sofortiger Wirkung jede Versendung von Nah- rungsmittelpächchen nach Uebersee sowohl'an Zivile als auch an britische Wehrmachtangehörige untersagt. Diese Tatsache kennzeichnet besser als alle agitatorischen Verdummungsversuche die weitere Zuspitzung der englischen Tonnagenot.
Große Opfer der britischen Kriegsmarine im Mittelmeer.
R o m, 9. Febr. (DNB.) Die letzten Abschnitte der Schlacht im Mittelmeer kosteten die britische Kriegsmarine, wie man in italienischen zuständigen Kreisen feststellt, große Opfer. Bis zum 31. Januar wurden durch den Einsatz ita- llemscher Luststreitkräfte drei Kreuzer versenkt, zwölf
vrühlsche UniversttäkbruckereiN. tauge Amral-Anzeiger für Oberhessen $ «iehen^ch-lltratzer-»
hätte: mit der Zeit. ,
Als im Zusammenhang mit dem lapamschen Dor- ; rückez auf der Malaiischen Halbinsel, mit den Pro- ; testen Australiens und mit den Kämpfen in Nord- asrika von englischer Seite immer wieder bald in tHtn, bald in jenem Zusammenhang das Wort von der fehlenden Zeit zitiert wurde, hat man in Rom diese Bemerkung sehr aufmerksam verzeichnet.
Das Verhältnis des Südeuropäers zur Zeit ist anders, grundlegend anders, als das des Engländers. Die Besonnenheit des Italieners in der Einstellung zum Zeitbegnff hat eine Stärke der italienischen Kriegführung in Albanien, im Mittelmeer und in Nordafrika gebildet und bildet sie noch. Ueberall ist man sich hier darüber klar ge- Vesen, daß nicht der augenblickliche Erfolg, sondern Ausmaß und Gründlichkeit des Erfolges von entscheidender Bedeutung sind. Die ständige Zeitnot der englischen Kriegführung dagegen hat man gerade in Rom immer als hektisch empfunden und als ein Zeichen der Schwäche gewertet. So erklärt man sich auch das Bedürfnis der englischen Presse und der englischen Nachrichtendienste, für Offensiven und sonstige militärische Unternehmungen der Achse Zeitpläne auizustellen, zu deren Entschuldigung behauptet wird, man habe sie aus bester Quelle, und sie stammten beinahe unmittelbar aus dem zuständigen deutschen bzw. italienischen Hauptquartier. Nicht nur der Wunsch, dann später triumphierend erklären zu können, das Ziel der betreffenden Unternehmung sei nun doch nicht in der vorgesehenen Zeit erreicht worden, ist der Träger dieses Gedankens. Es kommt hinzu, daß immer wieder das Bedürfnis verspürt wird, sich selbst die Zeit vorzurechnen, die man schlimmstenfalls noch zur Verfügung hat, um sich in ihr etwas zu überlegen, sich etwas einfallen zu lassen oder etwas vorzubereiten.
Bei dieser Einstellung ist es nicht verwunderlich, daß der Italiener sehr deutlich den W i d e r s p r u ch im englischen Verhältnis zu der Zeit sieht. Denn auf der einen Seite versuchen die Dirigenten der Propaganda-Orchester in London und Washington immer wieder auf die Völker damit Eindruck zu machen, daß sie dgoon sprechen, welch gewaltige Rüstungen sie etwa im Jahre 1946 haben würden und wie sie dann im Jahre 1948 oder 1950 zu der großen Offensive gegen Europa, schreiten wollten. Wie erklärt sich daneben, so fragt man sich in Rom. daß die Leute, die angeblich in so gewalti- qen Zeitabschnitten für die Entwicklung ihrer Ru- stungs- und sonstigen militärischen Vorbereitungen rechnen, immer dann, wenn es sich um den Verlauf eines aktuellen militärischen Ereignisses handelt, in Zeitnot geraten? Warum fehlte die Zeit für die Heranschaffung geeigneter Verstärkungen der britischen Luftwaffe, als das Unternehmen der Achsenmächte gegen Kreta im Gange war? Warum muß auch jetzt als Sündenbock für den Gang der Dinge in Nordafrika die Zeit ihren geduldigen Rücken Hinhalten? Wer wirklich in Jahrzehnten denkt, so heißt es in der italienischen Logik, kann doch eigentilch nicht gut um ein paar Stunden, Tage oder Wochen in Verlegenheit geraten.
Je öfter sich dieses eigenartige Widerspiel wiederholt, um so klarer setzt sich die Vorstelluna durch, daß die Angelsachsen tatsächlich nicht die Zeit für, sondern gegen s i ch haben. vd)
überhaupt sowohl unter der politischen Führerschaft der Angelsachsen als auch in ihrer Öffentlichkeit so viel mit der Zeit beschäftigt, so müßte der logische Grund dafür eigentlich der sein, daß man der Zeit mit einer Mischung von Angst und schlechtem Gewissen gegenübersteht. Der Anlaß für dieses Gefühl aber könnte nur der sein, daß man eine Ahnung davon empfindet, wie wenig man d i e Zeit undihreErfordernisseoerstandenhat.
Immer wieder hat Mussolini versichert, daß nur der der Zeit — der neuen Zeit — gerecht wurde, daß nur der sie auf seiner Seite haben könne, der ihren Geist verstehe. Das unangenehme Gefühl, daß man den Geist der Zeit nicht mehr versteht, bat man in England schon lange. Das konnte man schon längst vor dem Kriege von einsichtigen Engländern immer wieder hören. Aber jetzt ist das Bewußtsein hinzugekommen, daß man gegen den Geist der Zeit anzukämpfen versucht, obwohl man ihn nicht versteht.
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