Oerphilosoph zurTleuordnung Europas.
Der Berliner Universitätsprofessor Alfred Baeumler hcWüber das Problem der Neuordnung in Europa als Philosoph gesprochen. In der Internationalen Zeitschrift für Erziehung erläutert er den Gegensatz zwischen Versailles und der Zukunft Europas am Wesen der „M a ch t". Macht sei nicht als solche böse, sie sei vielmehr mit der menschlichen Gemeinschaft unlösbar verbunden. Verwerflich sei nur diejenige „Macht", die i m Widerspruch zum Leben stehe und infolgedessen kein Matz in sich selbst trage. Die Männer von Versailles, jagt Baeumler, haben den europäischen Völkern Machtverhältnisse aufgezwungen, die keine andere Legitimation besaßen als die brutale Gewalt. Die dadurch entstandene Scheinordnung besaß alle Schwächen, wie sie unter der Herrschaft reiner Gewaltbeziehungen zutage treten müssen: der Mächtige wird immer mächtiger, während die schwächeren Nationen „soviel zu sagen hatten wie das kleinere Kapital gegenüber dem größeren, nämlich nichts".
Der Nationalsozialismus hingegen weiß, daß jedes Volk einen unbeirrbaren Kern lebendiger Schöpferkraft besitzt, der sich als die stete Kraft des Volkstums gegen alle Widerstände behauptet. Gut, d. h. dauerhaft kann infolgedessen eine politische Ordnung nur dann sein, wenn sie diese natürlichen Kräfte des Volkstums zur Grundlage hat. Die reine „Macht" wird dann durch die „Kraft" des Volkstums in Zügel gehalten. Die Politik der „Bindung der Macht durch die Kraft" ist die nationalsozialistische Politik der europäischen Neuordnung. Sie verschafft auch den schwächeren Völkern einen Platz im Kreise der Nationen, der mit ihrer Würde vereinbar ist; denn „wenn schwächere Völker sich in den Schutz stärkerer beaeben, so werden sie nicht tributpflichtig wie die schwächeren Kaoital- mächte gegenüber den stärkeren, sondern sie behaupten sich innerhalb der Grenzen, die ihnen die Natur gesetzt hat in einer Ordnung, die der politische Wille schafft, ohne die Ehrfurcht vor der Natur zu verletzen".
den Anschein, als ob dem Feind diese militärpolitische Taktik gelänge.
Die japanischen Hauptstellungen im Süden und Südosten des beherrschten Raumes befinden sich auf Java und Neupommern. Wenn von hier aus in der letzten Zeit Vorstöße in den vom Feind beherrschten Raum unternommen worden sind, so lassen sie doch durchaus nicht die sichere Vermutung zu, daß Japan nach dieser Richtung entscheidende Maßnahmen einleiten will. Sie lassen dagegen die außerordentliche Wendigkeit und Beweglichkeit der japanischen Kriegführung erkennen, der eher die Absicht zugrunde liegt, an den verschiedensten Stellen der Peripherie des beherrschten Raumes gut vorberei tete Ausgangsstellungen zu schaffen, von denen aus der Angriff vorgetragen werden kann, wenn die Entscheidung über die endgültig einzuschlagende Stoßrichtung gefallen ist.
Der scheinbaren Ruhe im Südostraum liegt aber eine sorgfältige Vorbereitung auf kommende Entscheidungen zugrunde. Natürlich ist es vom proga- qandistischen Standpunkt nicht ungeschickt vom Feinde, der in diesem Raum militärisch als angloamerikanisch-australisches Konglomerat auftritt, diese Zeit zu benutzen, um mit der Behauptung her- oorzutreten, die Initiative sei auf die Alliierten übergegangen. Er versucht, sein arg lädiertes Prestige durch Unternehmungen wieder aufzupolieren, die ihn als offensiv erscheinen lassen sollen. So liegt der amerikanisch-australischen Action auf der Insel Florida im Süden der Salomonengruppe ein Gemisch von verschiedenen Motiven zugrunde, kaum aber eine große strategische Konzeption. Zu einer solchen bietet dem Feind seine bedrängte Lage auch kaum die Möglichkeit. Nach dem Umfang der ihm noch zur Verfügung stehenden Seestreitkräfte, die zudem durch den Verlust von Birma und Jnsulinde über keine nahe Oelbasis verfügen und durch die langen Versorgungslinien deshalb in ihrer Einsatzfähigkeit behindert sein dürften, kann der Feind es kaum riskieren, etwa die japanischen Hauptstellungen auf Java »der Neupommern anzugreifen. So handelt es sich in der nüchternen Wirklichkeit wohl nur um den Versuch, sich durch Aufhalten der äußersten japanischen Spitze auf den Salomonen Luft zu schaffen und die Japaner von ihren wirkungsvollen Angriffe« auf das hartnäckig verteidigte Port Moresby auf Neuguinea abzulenken.
Ganz offensichtlich macht ihnen das stete Vorrücken Japans über Neuginea nach Süden gegenüber der Nordspitze Australiens und über die Salomonen in Richtung Neu-Kaledonien ernste Sorgen um die nordaustralischen Häfen und die Torres- stratze. Hier befinden sich ja jetzt die wichtigsten Stützpunkte der anglo-australisch-amerikanischen Streitkräfte. Die Sorgen der Australier sind verständlich, denn der Besitz von Port Moresby würde Japan die Kontrolle über die Torresstraße ermöglichen und seine wirksame Festsetzung am Korallenmeer erlauben.
Wenn übrigens Japan gegen die Festsetzung des Feindes auf Florida keine energischen Gegenmaßnahmen ergreift, so liegt der Schluß nahe, daß es das gar nicht für notwendig hält. Unter Umständen kann es ihm sogar erwünscht sein, wenn der Feind diese Position möglichst lange hält. Denn er ist in diesem Falle ja gezwungen, für einen ständigen Nachschub zu dieser vorgeschobenen Position zu sorgen, d. h. dauernd Schiffe und Seestreitkräfte für den Transport des Nachschubes einzusetzen, abzunutzen und den Angriffen der japanischen Seestreitkräfte auszusetzen. So wird auf die Dauer Florida zu einer schwärenden Wunde für den Feind. Inwieweit der japanische Vormarsch in Richtung Neu- Kaledonien, wenn er eines Tages forciert werden sollte, durch Florida aufgehalten werden kann, wird, sich erweisen müssen.
Aus diesen Betrachtungen ergibt sich, daß die stark propagandistisch ausgeschmückte amerikanisch-australische „Offensive" nichts anderes ist als der Versuch, die Japaner in dem Ausbau ihrer Offensivftellungen zu behindern. Dagegen bietet Japans Stellung im Südpazifik ein Bild mit klaren Umrissen. Diese Stellung läßt ihm volle Entschlußfreiheit. Es hat die Wahl für die operativen Ziele: Indien ober Australien. Es ist nicht anzunehmen, daß Japan sich durch Operationen nach beiden Seiten auf eine Zersplitterung seiner Kräfte einlassen wird. Solange die Entscheidung darüber, wohin sich die Stoßrichtung Japans richtet, nicht gefallen ist, werden die Operationen über das jetzige Stadium der scheinbaren Ruhe, die in Wirklichkeit der Vorbereitung und dem Ausbau der Ausgangsstellungen dient, wohl kaum hinausgehen. J V. A.
Oie Unruhen in Nord-Rhodesien.
Rom, 8. Okt. (Europapreß.) Auf Grund englischer Informationen ist der Ausbruch von Unruhen in Nord-Rhodesien auf die schon seit Jahren bestehende Unzufriedenheit unter den vielen Zehntausende zählerüre Eingäwrenen-Belegfchaften der großen Kupferminen in Nordost-Rhodesien zu- rückzuführen. Einer der Hauptgründe der Unzufriedenheit der Eingeborenen ist die prekäre Lage der Eingeborenen-Landwirtschaft, vor allem in Barotse- land, wo die Mehrzahl der Bauern der Not gehorchend in die Bergwerke geht. Sie muß deshalb die Landbestellung und die Viehzucht den Frauen überlassen. Die diskriminierende Gesetzgebung der Smuts-Regierung in bezug auf die Eingeborenen Südafrikas, die untragbare wirtschaftliche Zustände in der südafrikanischen Union verursacht hat, bilden den weiteren Hintergrund der Unrdhen. Der Krieg hat schließlich in Nord-Rhodesien für die Eingeborenen eine unerhörte Verteuerung verursacht.
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Nord-Rhodesien, nach Cecil Rhodes, dem Begründer der Kolonie, genannt, wurde 1923 von der Britisch-Südafrikanischen Gesellschaft an die britische Regierung zusammen mit Süd-Rhodesien gegen eine Entschädigung von rund 6 Millionen Pfund Sterling abgetreten. Nord-Rhodesien zählt 1,5 Millionen Einwohner, davon jedoch nur 1OOOO Europäer, auf einer Fläche, die mit 751 000 Quadratkilometer größer'ist als Gas Deutsche Reich mit dem Protektorat zusammengenommen. Nord-Rhodesien, das im Osten jenseits des Njassa-Sees an Portugiesisch-Ostafrika, im Norden von Deutschostafrika (Tanganjika) und im Westen an Belgisch-Kongo stößt, ist ein flach- welliges Hochland mit tropischem Klima, Savanne und Buschwälder überwiegen. Es werden vor allem im Sambesital Weizen, Mais, Tabak und Baumwolle an gebaut. Die wichtigsten Ausfuhrgüter sind wertvolle Mineralien wie Kohalt, Vanadium, Kupfer, Zink und Gokd. Die Hauptstadt Livingstone liegt an derKap—Kairo-Bahn. Das Land ist südafrikanisches Protektorat, ein Eingeborenen-Reservat unter Erschwerung der Ansiedlung von Weißen.
Die USA.stellen die Goldproduktion ei«
Zürich, 8. Okt. (Europapreß.) Auf Anordnung des USA.-Kriegsproduktionsamtes sollen die größeren amerikanischen Goldgruben innerhalb von 60 Tagen ihr.e Förderung ein stellen. Die Arbeiter dieser Betriebe werden aufgefordert, sich in den Kupfer-, Zink- und B>l e i m i n e n zu melden. Die Goldgruben förderten jährlich mehr als 1200 Tonnen Erz. Nur die kleinen Gruben, die wenig Arbeiter beschäftigen, dürfen ihre Goldförderung fortsetzen. Von den am Golde interessierten Kreisen — einigen Kongreßmitgliedern des Westens —, wird gegen diese Maßnahme des Kriegsproduktionsamtes lebhaft protestiert.
Kanada läßt Kommunisten frei.
Zürich, 8. Okt. (Europapreß.) Der kanadische Justizminister hat die „bedingte" Freilassung des Sekretärs der kanadischen Kommunistenpartei, Tim Buck, und 16 anderer Kommunisten angeordnet. Gegen sie war vor Jahren ein Jnternierungsbefehl
erlassen worden. Sie chatten sich dem jedoch entzogen, indem sie sich verborgen hielten. Kürzlich stellten sie sich, da sie merkten, daß der Wind auch in Kanada ihnen günstiger geworden ist — der Polizei, um „an der Förderung der Kriegführung mitzuwirken". Wirklich begründet der Justizminister die Freilassung mit der „veränderten Einstellung der Kommunisten zum Krieg".
Japanische Roundtable-Konferenz via Rundfunk.
Tokio, 8. Okt. (Europapreß.) Zum erstenmal wird am 13. Oktober um 20 Uhr eine Konferenz hoher japanischer Verwaltungsbeamter in den verschiedenen von Japan eroberten Gebieten durch Uebertragung auf die Rundfunksender Hookop, Tokio, Schoncm, Manila und Batavia abgehalten werden. Die Besprechungen sollen eine Stunde dauern und die Schaffung der großostasiatischen Wohlstandssphäre zum Thema haben. Geführt werden die Unterhaltungen von dem Oberhausmitglied Kinan Shimomura in Tokio. Teilnehmen werden der Berater der japanischen Militärverwaltung von Manila, Marquis Porisada Tokugawa, der Berater des japanischen Kommandos in Batavia, Hisajiro Hayashi, ferner Marquis Aoshichika Tokugawa, der den gleichen Posten bei der japanischen Militärverwaltung von S°ch o- n an (Singapur) inne hak.
Oer slowakische Innenminister von Gauleiter Sprenger empfangen.
NSG. Der slowakische Innenminister und Oberbefehlshaber der Hlinka-Garde, Sans Mach, der sich auf Einladung des Reichsinnenministers mit einigen Herren der slowakischen Regierung auf einer Deutschlandreise befindet, besuchte den Gau Hessen-Nassau. Die Gäste wurden bei ihrer Ankunft in Aßmanns hausest von Gauleiter und Reichsstatthalter Sprenger begrüßt. Den Mittwochabend verbrachten die Herren auf Einladung des Gauleiters im Kreise von Führern aus Partei, Staat und Wehrmacht und Wirtschaft im Kurhaus zu Wiesbaden. Neben dem Besuch alter Kulturstätten in Wiesbaden und der Gauhauptstadt wurde auch das Hochhaus der IG.-Farbenindustrie in Frankfurt a. M. besichtigt.
Zn 72 stündiger Verfolgung.
Berlin, 8. Okt. (DNB.) Wie das OKW. mitteilt, ist als erstes v'on den U-Booten, die am 25. und 26.9. einen schnellen amerikanischen Truppentransport im Nordatlantik zum größten Teil vernichteten, das Boot bes/ Oberleutnants zur See Hellriegel in einem Stützpunkt eingelaufen. Die übrigen stehen noch am Feind. Ueber den von ihm versenkten Fahrgastdampfer von über 17 000 BRT. sagt Oberleutnant zur See Hellriegel: „In 72stün° diger Verfolgung habe ich den Dampfer, den ich mir zum Ziel genommen hatte, deutlich beobachten können. Ich habe deutlich Die Umrisse gesehen, den großen Vierkantenaufbau, die senkrechten Masten, den etwas angeschnittenen Bug, die beiden Schornsteine und die Brücke dicht beim vorderen Schornstein. Es handelte sich um ein Schiss vom Typ „Reina del Pacifico". Mit einer Stichflamme von säst 100 m flog das Schiff in die Luft. Ich glaube
Churchill weicht aus.
Von unserer Berliner Schristleitung.
Auf die Feststellungen des Oberkommandos der deutschen Wehrmacht über die entwürdigende Behandlung deutscher Kriegsgefangener hat das bri- tische Kriegsministerium ausweichend geantwortet. Es erklärt, daß die Vernehmung der betreffenden deutschen Gefangenen keine Bestätigung für die deutschen Behauptungen ergeben hätte. Die Behauptungen des deutschen Oberkommandos stützen sich auf einwandfreie Aussagen deutscher Wehrmacht- angehöriger, die bei Dieppe vorübergehend in bri- tische Gefangenschaft geraten waren, aber wieder befreit werden konnten. Beteuerungen solcher Art, wie sie das britische Kriegsministerium heraus- stellt, können selbstverständlich die Aussagen beut« scher Soldaten in keiner Weise erschüttern. Dafür ist man britischerseits zu 'oft mit den Tatsachen in Widerspruch geblieben.
Bemerkenswert ist in der britischen Erklärung außerdem die Tatsache, baß sich die Briten lediglich auf den Ueberfall bei Dieppe beziehen, aber nicht den zweiten Fall behandeln, der sich nach den Feststellungen des deutschen Oberkommandos am 4. Oktober auf der Kanalinsel Sercq ereignet hat. Im übrigen haben die Engländer schon so zahlreiche Beweise ihrer barbarischen Kriegführung durch die Beschießung deutscher Not- und Rote-Kreuz-Flug- zeuge, durch Bombardierung von Lazarettschiffen erbracht, daß sie jetzt schon mit glaubwürdigeren Unterlagen antreten müssen als jenen, mit welchen sie glauben, die deutschen Feststellungen abtun zu können.
nicht, daß jemand aus dieser Hölle mit dem Leben, davongekommen ist."
Oas schöne Kleid bei sparsamem Spinnstoffverbrauch, lieber die Sonderausbildung aller 17- bis Aljäh- rigen Mädel des BDW.-Werkes „Glaube und Schönheit" im Kochen und gesunder Ernährungslage, im Nähen und geschmackvollen Kleiden, in der Säuglings- und Gesundheitspflege, in der Leibeserziehung und zur Pflege der Kultur in Heim und Familie sowie ihrem Kriegseinsatzdienst er- statteten die Beauftragten für das BDM.-Werk „Glaube und Schönheit" aus allen Gebieten des Reiches dem Reichsjugendführer bei seinem Besuch in der Mädelführerinnenschule Innsbruck Pc- richt. Nach den Richtlinien der BDM.-Reichsreferen- tin Dr. Jutta Rüdiger muß der Mädeltyp der Heranwachsenden Mädelgeneration auch äußerlich entsprechenden Ausdruck finden. An die bäuerlichen Traditionen des deutschen Volkes anknüpfend wird das geschmackvolle Kleid in der schönen gaueigenen Tracht, nach neuzeitlichen Erfordernissen umgewan- be(t, ein dauerhaftes, keinem modischen Wechsel unterworfenes, dennoch aber vielseitig verwandlungs« fähiges Kleidungsstück, das zugleich die Forderung nach höchster Sparsamkeit im Spinnstoffverbrauch erfüllt. Die gute Tradition der heimischen Tracht soll zum Vorbild für eine geschmackvolle, praktische Kleidung werden, die die Mädel im BDM.-Werk unter entsprechender Anleitung selbst anfertigen lernen.
Kleine politische Nachrichten.
NSG. Am Mittwochnachmittag wurden 'Eichenlaubträger Leutnant Heinz Schmidt und Ritter« kreuzträger -Hauptsturmführer Meyer-Dreß aus Bad Homburg von Gauleiter und Reichsstatt« Halter Sprenger in der Gauhauptstadt empfangen. Nach einer eingehenden und lebhaften Unterhaltung, in der sich der Gauleiter als Frontsoldat des ersten Weltkrieges mit regem Interesse ausführlich von den Fronterlebnissen der beiden Offiziere berichten ließ, waren letztere seine Gäste.
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Der Oberkommandierende der Alliierten im Südwestpazifik, General Mac Arthur, ist an der Neu-Guinea-Front eingetroffen.
Kunst und Wissenschaft.
„Odysseus" von Hermann Renkler.
In F r a n k f u r t, wo vor sechs Jahren Hermann Reutters „Doktor Johannes Faust" der Oeffentlich- keit übergeben wurde, kam auch sein neuestes Buhnenwerk „Odysseus" zur Uraufführung. Der Textdichter Rudolf Bach, als Lyriker und Essayist be«
Oesau.
Borbild des jungen Jagdfliegers.
Meldorf, eine kleine, verträumte Stabt in Dith- morschen — Schleswig-Holstein — ist die Heimat von Oesau, einem der „alten" unter den jungen Jagdfliegern dieses Krieges, deren Namen im Bewußtsein des Volkes, vor allem der Jugend, eingeprägt sind. —
Landsmannfchaftliche Verbundenheit und Kameradschaft führte mich bei einem gemeinsamen Besuch unserer Heimatstadt mit ihm zusammen. Hier haben wir dieselben Schulen besucht und die gleichen Streiche vollführt. Es ist noch gar nicht jo lange her, da lief der Gymnasiast Walter Oesau mit der bunten Mütze durch die Straßen Meldorfs. Und doch: entscheidende Jahre trennen die sorglosen Kindertage von dem Geschehen der Gegenwart.
Aus dem Schüler ist der Flieger geworden, aus dem Jungen der Mann, der nun Verantwortung und Pflichten trägt, die nur den Besten und Tüchtigsten zuteil werden. —
Wie immer gehen wir durch die Gassen und begrüßen Freunde und Schulkameraden. Alles ist wie früher, ohne jede Besonderheit. Wohl sind die Meldorfer stolz auf ihren „Gülle", wie er unter ihnen heißt. Aber viel Wesens wird nicht gemacht. Es wird plattdeutsch gesprochen und sich unterhalten, wie in Kindertagen: „Goden Dag — woans^geiht Di dal?" Viel Reden ist nicht die Stärke der dith- marsch^ Bauern. Auch Oesau spricht wenig; auch darin qt er ganz das Kind seines Landes. Unter Landsleuten läßt sich auf plattdeutsch auch alles viel einfacher und kürzer sagen. Klar uyd bestimmt wie die Landschaft, so auch ist Oesau. Er weiß genau, was er will. Schon als Junge beim Sport. Meistens war er auf dem Sportplatz und trainierte, und wenn am Sonntag ein Wettkampf ausgetragen wurde, bann war es zumeist Oesau, der als Sieger aus ihm hervorging. Aber auch darüber wurde wenig gesprochen. Es war ihm selbstverständlich, dabei zu sein, wenn es galt, seine Kräfte zu messen. Wie der Sportsmann in seiner Heimat, so auch der Jagdflieger im Shriege: er kennt nur die Losung: „Ran an wn Gegner, wo er sich zeigt!"
Mut? Gehört Mut dazu?, fragt Oesau; wenn er eine Antwort geben würde, dann vielleicht diese: Eigenschaften wie Mut sind wohl doch Voraussetzun-
gen für einen Sportsmann und Flieger. Man muß ihn mitbringen wie etwas ganz Selbstverständliches. Wer ihn nicht in sich hat, der wird auch keine besonderen Leistungen aus sich hervorbringen. Energie ist schon besser, ja und Fleiß, viel Fleiß! Der Wille zur Leistung vor allem muh vorhanden sein! Unerbittlich gegen sich selbst muß der sein, der über das normale Maß hinaus etwas erreichen will. Restlose Hingabe an seine Aufgabe und eine große Bemühung, sich immer mehr zu steigern: das sind die Grundbedingungen, die erfüllt werden müssen. —
Schon als Freiwilliger im Arbeitsdienst war es sein Wunsch, Soldat, — Offizier zu werden. Aber bevor es so weit war, galt es, von der Pieke auf zu dienen. Entschlossen, das -Ziel zu erreichen, tritt er Ende 1933 in ein Artillerie-Regiment ein. Er ist mit Leib und Seele Soldat. Hart ist der Dienst. Aber gerade so ist es ihm recht. Denn: wenn aus einem Jungen etwas Rechtes werden soll, bann muß er ejfern rangenommen werden. So sieht es Oesau, der sich schon früh ein Wort Nietzsches als Wahlspruch gewählt hat: „Gelobt sei, was mich hart macht!"
Wie im Sport, so kann er auch jetzt als Rekrut wieder beweisen, ob seine Wünsche mit den Forderungen standhalten. —
Artillerist sein, ist schön, aber besser noch wäre es, Flieaer zu werden, Flugzeugführer! Bald ist der Wechsel vollzogen. Seine großen Vorbilder sind Richthofen und Übet. Es ihnen einmal gleich zu tun, ist sein sehnlichster Wunsch. Nicht nur immer aus Büchern die Taten der Lufthelden nacherleben, sondern selber erfahren, was es heißt, Jäger zu fein in Kampf und Gefahr: das ist Brenn- und Angelpunkt aller feiner Gedanken. Langsam nur gehen die Jahre dahin.
Schritt für Schritt aber kommt er dem Ziele näher.
Glücklichster Tag bann im Leben dieses jungen Soldaten, als er, Angehöriger des ruhmreichen Jagdgeschwaders Richthofen, 1937, am Geburtstag des Führers, zum Leutnant befördert wird!
Der Weg ist frei!
Bald soll er sich bewähren!
Als Freiwilliger der „Legion Condor" nimmt er am Spanischen Bürgerkrieg teil. Das Spanienkreuz in Gold mit Brillanten und die Beförderung zum Oberleutnant sind die Anerkennungen für hervorragende Leistungen als Jagdflieger.
Die erste Feuertaufe ist bestanden. —
Doch nun gilt es, sich einer noch größeren und höheren Aufgabe würdig zu erweisen: der Kamps des Führers um die Freiheit des Vaterlandes beginnt!
Als Staffelkapitän in einem Jagdgeschwader, vorzeitig außer der Reihe Mim Hauptmann befördert, wirb er 1940 nach 20 Luftsiegen mit dem Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes ausgezeichnet. Einige Monate später meldet der Wehrmachtbericht den 40. Abschuß des inzwischen zum Gruppenkommandeur aufgerückten Fliegers und die persönliche Ueberreichung des Eichenlaubes zum- Ritterkreuz durch den Führer. Mit Mölders und Galland an der Spitze, zählt er nun zu den erfolgreichsten Lufthelden dieses Krieges.
Der Traum eines Jungen ging in Erfüllung!
Luftsieg auf Luftfieg folgt. Bald sind 80 Abschüsse erreicht. Der Führer und Der Reichsmarschall empfangen ihn und zeichnen ihn für hervorragende Tapferkeit vor dem Feinde aus: Beförderung zum Major und Verleihung des Eichenlaubes mit Schwertern zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes.
Am 27. Oktober 1941 erringt Oesau, der unterdes zum Kommodore des Jagdgeschwaders Richthofen ernannt wurde, seinen 100. Luftsieg!
Wie leicht schreibt sich das nieder: hundert Luft- siege! Das sind, knapp gerechnet, 250 Flüge gegen den Feind! Zweihundertundfünfzig mal Einsatz gegen einen hartnäckigen Gegner, allein, Mann, gegen Mann, Flugzeug gegen Flugzeug! Wer ermißt die Summe gespanntester Konzentration, höchster Anspannung in den Augenblicken des Luftkampfes, da alles darauf gerichtet ist, den zäh sich wehrenden Feind zu schlagen, zu vernichten: als Sieger hervorzugehen'. Und wenn kein Sieg möglich ist, Mensch und Maschine in Sicherheit zu bringen? Denn so entscheidend ein Sieg an sich ist: ebenso wichtig aber ist es auch, ohne Verlust zurückzukeh- ren zum Einsatzhafen! „Gelobt fei, was mich hart macht!" e
Das Wort des großen Denkers steht unsichtbar über dem Leben dieses Fliegers. Was für ihn selber gift, bas soll auch gelten für seine Flugzeugführer, die er als Kommodore an den Feind heranführt.
Unerhörte Disziplin ist notwendig, solche Leistungen zu erzielen, ein harter Wille und ein einsatz- freudiges Herz, um zur Spitze der deutschen Jagd- flieget emporzusteigen.
Männer wie Oesau, die das Erbe eines Richt- Hofen, Übet und Mölders wahren, sind Vorbild und Beispiel für die Kraft und Stärke der deutschen Flieger und ihrer Waffen, die der Führer ihnen in die Hand gegeben hat. Hanns Areas.
Oer Llrwaldsinn.
Einen besonderen Sinn, den sie „Urwaldsmn" neunen, haben Forschungsreisende den Negern im Innern Afrikas zugeschrieben, und sie folgern sein Vorhandensein daraus, daß es unmöglich ist, im Urwald ainen Eingeborenen zu verlieren. Ebenso unmöglich ist es für den Europäer aber auch, trie Mittel zu erkennen, durch die sich der Neger auch im dichtesten Urwald zurechtfinbet. Schon aus betn Gefühl der Sonne in ihrem Rücken wüßten sie die Himmelsrichtun'g genau, haben Neger öfter erklärt. Ihr Urwaldsinn erstreckt sich aber auch darauf, datz sie schon von weitem die Beschaffenheit eines Bodens erkennen, auch wenn sie noch nie über ihn gegangen sind. Eingeborene vermeiden auch immer sumpfige Gebiete oder rauhen steinigen Grund, uni sie haben einen sicheren Sinn für den Verlauf von Flüssen, auch wenn sie bisher nicht in die Gegend gekommen sind. So erzählt ein Reisender, daß ein Njassa-Mann in einem ihm völlig fremden Gebiet plötzlich stutzte, von einem Fluß, an dem sie entlang marschierten, abbog und landeinwärts ging. Au, die Frage, warum er das täte, erklärte der Neger, bas Wasser mache hier einen großen Bogen; es wäre daher besser, den Weg abzuschneiden. Auf der Karte war ein solcher Bogen des Flusses nicht angegeben, und die Umgebung ließ auch keine Merkmale dazu erkennen; trotzdem hatte der Neger recht, denn es ergab sich, daß man einen Umweg von 20 Kilometern gemacht hätte, wenn man ihm nicht gefolgt wäre, während so nur 3 Kilometer zurück' zulegen waren.
Schon bei den Kindern ist ein solcher Urwaldsinn ausgeprägt. Ein Negerjunge kann einen Weißen mit derselben Sicherheit in der Richtung durch den Urwald führen wie ein alter erfahrener Jäger. Ebenso haben auch die Frauen diesen Urwafbfinn, und nur in der Nähe der Küste kann man beobachten, wie die natürlichen Sinneskräfte der Eingeborenen, wenn die Einflüsse der Zivilisation wirksam werden, und damit auch ihr Urwaldsinn nachlasst ii, QK«
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