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der Eisenbahn, zeigte, zu welchen Leistungen die deutsche Industrie fähig war, und dieses Musterbei­spiel wirkte mehr als alle marktschreierische Re­klame, wie sie bisweilen von anderen Völkern ge­macht wurde. Richt zuletzt lockten aber auch die geistigen Werte, welche die deutsche Regierung ihren Unternehmungen zugrunde legte. Sie betrieb diese nicht zum Nutzen weniger Kapitalisten, son­dern im Interesse der Gesamtheit. Die Gedanken der Bodenreform und sozialen Werkschaffens fanden hier zum erstenmal eine großartige Verwirklichung. Sie machten tiefen Eindruck auf die besonders mit dem Boden und der Heimat verbundenen Völker Ostasiens, da sie geradezu aus dem Geiste ihres Ahnenkultes geboren schienen.

Am ersten griff Japan zu. Es hatte schon seine Erfahrungen auf militärischem Gebiet hinter sich, wo es in dem preußischen General Meckel einen hervorragenden Organisator feines Heerwesens eine Reihe von Jahren in seinem Lande sehen konnte. Es hat diesem verdienten Manne nicht nur schon vor vielen Jahren in Tokio ein Denkmal gesetzt, sondern seinen 100. Geburtstag vor einigen Wochen benutzt, der japanisch-deutschen Freundschaft leb­haften Ausdruck zu geben. Dabei wurde auch mit Dankbarkeit des deutschen Chemikers Gottfried Wegener gedacht, der gleichfalls durch ein Denk­mal geehrt wurde. Den eindrucksvollsten Nutzen aus der wirtschaftlichen Verbundenheit mit Deutsch­land konnten die Japaner bei der Erschließung der Wirtschaftskräfte in Mandschukuo ziehen. Hier fanden sie, was ihrem eigenen Lande fehlte: Eisen­erz-, Kohle- und Kalksteinvorkommen, alles in nicht zu großer Entfernung voneinander, in weitem Kreis um die alte Gräberstadt Mukden «m Süden des Land« gelegen. Die Organisation der hier ge­gebenen industriellen Möglichkeiten wurde dem ja­panischen Admiral G o d o übertragen, der einstmals als Mitglied der VersaillerInteralliierten Mili- tärkontrollkommission" sich nicht nur von der Lei­stungsfähigkeit der deutschen Industrie ein ein­drucksvolles Bild gestalten konnte, sondern auch, darauf fußend, den Wiederaufstieg des Reick)es nach 1933 verstand und vollauf würdigte. Er tat dies, indem er deutschen Firmen die Errichtung aller Hütten- und Fabrikanlagen in Mandschukuo über­trug und damit zugleich zahlreichen deutschen In­genieuren Gelegenheit gab, ihr Können zu be­weisen. Ja, er beließ sogar deutsche Fachmänner zur Beratung und Aufsicht in den von ihnen er­stellten Werken, während deren Leitung von deutsch- sprechenden Japanern ausgeübt wird. So entstand bei dem Städtchen Anschau eine Werkanlage, die zu den größten und moderigsten Betrieben der Schwerindustrie der ganzen Welt gehört. Inter­essant ist, daß die Gedanken sozialen Werkschaffens, die man in Tsingtau zuerst betont hat, auch hier nicht übersehen worden sind.

Es ist selbstverständlich, daß der damals von Deutschland betriebene Eisenbahnbau nach­haltig Schule gemacht hat. Die Nanking-Regierung in China sieht bei den 1938 gebildeten sieben Eisenbahngesellschaften unter chinesisch-japanischer Führung auch die Mitwirkung der deutschen In­dustrie vor. Diese hatte sich schon früher bei dem Bau der Bahn PekingHan kau bewährt, wobei die grandiose Brücke yber den Hwangjo bei Kai- föng besonders viel Bewunderung weckte. Diese Er­folge haben, dem südlich China gelegenen Thai­land Veranlassung gegeben, bei der Anlage feines jetzt über 3000 Kilometer langen Eisenbahnnetzes sich tüchtiger deutscher Bauingenieure und Liefe- rungsfirmen zu bedienen. Was die ausgedehnte Norosüdstrecke durch Hinterindien bedeutet, können jetzt die Japaner bei der Sicherung ihrer Erobe­rungen in Malakka am besten würdigen. Darüber hivaus wußten sie die Güte der von Deutschen an­gelegten Telephon- und Telegraphen­anlagen zu schätzen wie auch die Rundfunk- einrichtungen in der Hauptstadt Bangkok, die von einer deutschen Gesellschaft geliefert wurden und schon feit 1929 Bangkok mit Berlin auf drahtlosem Wege verbinden. Bis in die Erfordernisse des täg­lichen Lebens erstrecken sich die Einwirkungen der deutschen Industrie. Allein in Thailand hat eine Hamburger Firma weit über 100 vollständige Reis- mühleneinrichtungen angeliefert, weitere 900 gingen in die übrigen Reis erzeugenden und verbrauchen­den Länder wie Vorderindien, Burma und Fran- zösisch-Jndochina. In das letztere kam sogar die größte Mühle der Welt,Ban Tai Seng" genannt, die bei Saigon im Süden des Landes ausgestellt wurde und täglich 2000 Tonnen Reis enthülst und poliert.

Man kann einen Bericht über die deutsche In­dustrie in Ostasien nicht abschließen, ohne einer deutschen Großtat zu gedenken, die auf dem Hoch­land von Dekkan in Vorderindien geschehen

ist. Hier hatte der deutsche Geologe Ritter von Schwarz auf seinen Forschungsreisen zu Beginn dieses Jahrhunderts Schlackenhalden altindischer Schmelzstätten gefunden und daraufhin eine plan­mäßige Untersuchung der Gegend auf Erze hin vor­genommen. Seine Berichte darüber fanden das Interesse des Baumwollindustriellen Tata in Bom­bay, der eine Eisen- und Stahlwerkgesellschaft be­gründete und die Ausbeute der Bodenschätze vor­nahm. Heute bestehen die Tata-Werke aus Erz­gruben, Hochöfen, Stahl- und Walzwerken. Sie be- schästigen 53 000 Arbeiter und 200 Beamte und Ingenieure. Bis zum Weltkriege haben 250 Deutsche an dem Ausbau des Werkes mitgewirkt, nachher hat man noch einen Riefengenerator von deutschen Elektrofirmen bezogen und aufstellen lassen. Dann war das Lied aus. Heute dient das Werk wie im ersten Weltkrieg der Kriegsindustrie.

USA.-Stützpunlte auf den GalapagoS

Stockholm, 8. Sept. (DNB.) Nach einer Mel­dung des englischen Nachrichtendienstes gab Staats­sekretär Hüll bekannt, daß auf den Galapagos- Jnseln USA.-Stützpuntte errichtet würden. Nord- amerikanische Truppen sollen bereits Garnisonen in Santa Elena an der Südküste von Ecua­dor und auf den zu Ecuador gehörenden Galapa- gos-Jnseln bezogen haben. In nordamerikanischen Rundfunksendungen wird die Besetzung als eine Maßnahme der Verteidigung der westlichen Hemisphäre" bezeichnet, die in vollem Einverständ­nis mit der Regierung von Ecuador erfolgt sei.

Aus dem Reich.

Vor drei Jahren: Die ersten französischen Gefangenen an der Westfront.

Am 8. September wurden vor drei Jahren an der Westfront die er st en französischen Ge­fangenen dieses Krieges eingebracht. Es waren sechs Mann, die am O m a n n a h o f bei Berus (Kreis Saarlautern) frühmorgens in deutsche Hand fielen. Zwei weitere französische Soldaten, die ver­wundet waren, wurden später geborgen. Die deutsche Truppe, die oben auf dem Saarlauterner Gau Wacht gegen Westen hielt, stand unter dem Kom­mando des Leutnants v. Levetzow. Für hie bei der Gefangennahme bewiesene Umsicht und per­

sönliche Tapferkeit wurde er mit dem E. K. II aus­gezeichnet. Es war dies das erste Eiserne Kreuz, das an der Westfront verliehen wurde. Es wurde am 13. September durch den damaligen Generalobersten, jetzigen Generalfeldmarschall von W i tz l e b e n , dem tapferen jungen Offizier, der inzwischen verwundet worden war und im Laza­rett lag, überreicht. Neben Leutnant v. Levetzow find auch einige der an dem Unternehmen be­teiligten Männer, die sich befonhers hervorgetan hatten, ausgezeichnet worden. Leutnant Levetzow ist am 20. Mai 1941 auf Kreta gefallen.

Oie zweite Straßensammlung für das Rote Kreuz.

Berlin, 8. Sept. (DNB.) Die am 22723. August von Angehörigen des Deutschen Roten Kreuzes, der HI., der NSKOV. und des NS.-Reichskriegerbundes durchgeführte zweite Reichs st raßenfamm- un g, die letzte Sammlung des diesjährigen Kriegs­hilfswerkes für das Deutsche Rote Kreuz, hatte ein Ergebnis von 28 959 513,92 RM., die gleiche Samm­lung des Vorjahres 21386 099,35 RM. Die Zu­nahme beträgt somit 7 753 414,57 RM., das find 35,41 o.H.

Keine Gteuererhöhung für Ausfall der Hauszinssteuer.

Mit dem Wegfall der Gebäudeentfchuldungssteuer ab 1. Januar ist die Befürchtung aufgetaucht, daß der Einnahmeausfall für die Länder und zum Teil auch die Gemeinden durch Steuererhöhun­gen ausgeglichen werden solle, insbesondere bei den Realsteuern. Wie dieDeutsche Steuer-Zeitung" von zuständiger Stelle mitteilt, wird der Ausgleich nicht durch Steuer erhöh un gen hevbeige- führt werden, sondern dadurch, daß ebenso wie bei der Beseitigung her Bürgersteuek das Reich den Ländern und über diese den Gemeinden und Ge- meindeoerbänden Ausgleichsbeträge aus R.eichsmittel n. zur Verfügung stellt.

Kleine politische Nachrichten.

Der ungarische Finanzminister gab zu Ehren des Reichswirtschaftsministers Funk einen Empfang, bei dem er erklärte, wie der ungarische Honoed im großen Abwehrkampf der abendländischen Völker

OiewirischastlichenIolgsn derKriegspolitikRoosevelis

Berlin, 8. Sept. (DNB.) Roosevelt richtete wie schon kurz gemeldet an den Kongreß eine Botschaft, in der er diesen dringend ersucht, mit größtmöglicher Beschleunigung ein Gesetz anzuneh- men, das den Präsidenten ermächtige, die Lebens- haltungskosten einschließlich der Preise aller landwirtschaftlichen Produkte durch ihm geeignet er­scheinende Maßnahmen zu st a b i l i s i e r e n. Durch eine außerordentliche Steigerung her Preise, so heißt es in her Roosevelt-Botschaft, drohe eine wirtschaftliche Katastrophe größten Ausmaßes. So feien beispielsweise die Preise für landwirtschaftliche Produkte um 85 v. H. und mehr gestiegen. Diese Entwicklung müsse unaus­denkbare Folgen nach sich ziehen, wenn nicht schnellstens Maßnahmen ergriffen würden, um sie abzustoppen.Größte Eile ist geboten, um _ die Kriegsanstrengungen nicht mehr durch die Gefahr eines wirtschaftlichen Chaos zu gefährden und eine Katastrophe zu verhindern, die unseren Sieg in diesem Kriege vereiteln würde." Falls her Kongreß nicht schnell genug handeln würde, würde er, Roose­velt, aus eigener Machtvollkommenheit handeln und den Kongreß kurzerhand ausschalten.

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Der von Roosevelt angezettelte zweite Weltkrieg zeigt also für die USA. bereits beängstigende Schat­tenseiten. Roosevelt selbst muß das Wort von einer drohendenKatastrophe", von einemwirtschaft­lichen Chaos" in den Mund nehmen. Das will etwas sagen bei einem Mann, der den Amerikanern bisher immer auseinandergesetzt hgt, daß es nur bei ihnen läge, um aus dem Krieg ein glänzendes Geschäft zu machen. Sich mit seiner Zahlenakrobatik und Ver­schleierungstaktik eingehender zu beschäftigen, lohnt nicht, da er selbst von der Unsinnigkeit seiner An­gaben überzeugt ist. Wäre es nicht so, dann brauchte er dem Kongreß nicht zu drohen, über ihn zur Tagesordnung hinwegzugehen, falls er ihm die be­antragte Ermächtigungserweiterung nicht gewähren sollte. Uns interessiert an der Botschaft lediglich die Tatsache, daß er jetzt vor aller Welt festftellen muß.

in welche Lage er Amerikas Wirtschaft und Amerikas Bevölkerung durch seine Kriegspolitik gebracht hat.

Roosevelt stellte zur Begründung feines Diktatur­anspruchs fest, daß her jährliche Aufwand für Lohne und Gehälter von 43 Millionen auf 75 Millionen seit 1939, also um fast 80 v. H. gestiegen sei. Er führt das auf die zunehmende Einstellung von Ar­beitskräften und auf eine Erhöhung her Lohnsumme für geleistete lleberftunhen zurück. Er verschweigt aber, daß sich in den USA. heute noch rund fünf Millionen Arbeitslose befinden, obwohl die amerikanische Wehrmacht Hunderttau- fcnhe von jungen Amerikanern zu Soldaten gemacht und in Ueberfee eingesetzt hat. Das angeblich höhere Einkommen der Amerikaner soll den Anlaß zu Preissteigerungen gerade her landwirtschaftlichen Produkte gegeben haben. Diese Preise will er sta­bilisieren und damit die drohende Jnflationsgefahr aufhalten.

Aber das Geheimnis der Kongreßbotschaft Roose­velts liegt auf einem ganz anderen Feld. Roosevelt hat Milliardenkredite durch den Kongreß bewilligen lassen für ftu n g s u t o p i e n , die selbst in dem Land der angeblich unbegrenzten Möglichkeiten ohne wirtschaftliche Erschütterungen undurchführbar sind. Eine Inflation entsteht, das wissen wir aus eigenem Herzeleid besser als Roosevelts jüdische Be­rater, durch bas Anziehen der Notenpresse ohne Deckung durch die Arbeitskraft. Der Geldumlauf her USA. ist, nachdem er in den letzten zwölf Monaten vor Ausbruch des Krieges um 640 Millionen Dol­lar zugenommen hatte, im ersten Kriegsfälle um 780 Millionen, im zweiten um 1,89 Milliarden und in dem jetzt zu Ende gehenden Kriegsjahr sogar um 2,24 Milliarden Dollar gestiegen. Insgesamt stieg er seit Kriegsausbruch um 82 v. H., um 5,82 Milliarden Dollar auf 12,96 Milliarden Dollar am 19. August 1942! Dafür ist Roosevelts Politik verantwortlich, nicht der Kongreß, denn Roosevelt dirigiert über sein Schatzamt 6 eh Gang der Noten presse. Er mag jetzt darüber zetern, daß angeblich die Löhne feit 1939 von 43,7 auf 75 Millionen Dollar gestiegen feien. Die von Roosevelt selbst nicht etwa vom

Kongreß geleitete Bürokratie hat allein in den letzten Monaten in den Stahlindustrien zwei Drittel aller Betriebe mit Lohnerhöhungen von 11 v. H. und in anderen Gewerbezweigen bis zu 16 v. H. be­dacht, nur, um soziale Krisen zu verhindern. Alle seine Vorschläge vom April! 1942 zur Wegsteuerung der zusätzlichen Kaufkraft haben die fortschreitende Inflation nicht zu hindern vermocht, trotzdem sagt er, daß die geschaffene Hüchstpreisgrenze eine her bedeutungsvollsten Maßnahmen harfteüe.

Roosevelt hat immer eine Schwäche für Zahlen- phantastereien gezeigt. Die Kosten dafür muß jetzt das amerikanische Volk tragen. Die Steuern sind noch nie so hoch gewesen wie heute. Allerdings haben die Jndustriehyänen her USA.-Judenfchaft auch noch niemals so gute Gewinne gehabt wie jetzt. Für alles das trägt Roosevelt die Verantwortung. Er begann nach hem Bankerott seines New Deal mit her wahn­witzigen Rüstungspolitik, die jetzt das amerikanische Volk in die Schllinbe der Inflation zu reißen droht. Wenst Roosevelt jetzt fordert, die USA.-Volkswirt- schast müsse eine Volkswirtschaft werden,zu der die Amerikaner mit Vertrauen und Sicherheit zu­rückkehren können", bann beweist er eben durch dieses Wort, daß unter ihm das Vertrauen in fein Talent, außen- und innerpolitifch bas ^Land aus dem Kriege herauszuhalten, hoffnungslos zerbrach. Jetzt fitzt er in dem Kessel, den er für andere heizte.

Großes Aufsehen in London.

Stockholm, 8. Sept. (Europapreß.) Roose­velts Ultimatum an den Kongreß hat in London großes Aufsehen hervorgerufen. Die allgemeinen Befürchtungen, daß die den 1Lö2L drohende Infla­tion, die bereits erheblich vorgeschritten sei, den Kriegseinsatz des Verbündeten entscheidend beein­flussen könnte, kommen auch immer wieder in den Pressekommentaren zum Ausdruck. Dabei wird schon angebeutet, daß die Entwicklung in England ungefähr parallel verläuft und auch die englische Regierung früher ober später zu drasti­schen Maßnahmen greifen müsse, um das Gespenst der Inflation zu bannen.

mit herkömmlicher Tapferkeit feinen Mann stelle» so stelltest auch die schaffenden Kräfte des ungarischen Volkes mit musterhafter Opferbereitschaft und Selbstlosigkeit ihren Mann im wirtschaftlichen Rin­gen für eine bessere und gerechte Zukunft.

Das englische Parlament hat sich nach einer Pause von vier Wochen wieder versammelt, um Chur­chills Bericht über die allgemeine Kriegslage sowie über seine Reise nach Moskau und dem Mitt­leren Osten entgegenzunehmen. Im Anschluß an die Rede Churchills war eine zweitägige Debatte über die Kriegslage angesetzt worden. Nach Chur­chills Rede verließen jedoch die meisten Abgeord­neten das Haus.

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Bei den Einflügen britischer Bomber in das Reichsgebiet in her Nacht zum 7. September schoß Ritterkreuzträger Oberfeldwebel Beier, Flugzeug­führer in einem Nachtjagdgeschwader, innerhalb 20 Minuten drei britische Bombenflugzeuge ab und er­rang damit seinen 25. bis 27. Nachtjagdsieg.

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Bei den schweren Abwehrkämpfen im Raum von Rschew fiel am 22. August 1942 der Kommandeur einer Infanteriedivision, Ritterkreuzträger General- leutnant Stephan Rittau.

Kunst und Wissenschaft.

Hochschulnachrichten.

Dozent Dr. Theodor Förster ist zum o. Pro­fessor an der Universität Posen für physikalische Chemie ernannt worden. Förster wirkt sei 1940 als Dozent an der Universität Leipzig. Dem Professor Dr. Karl P e t e r s in Köln wurde an der Universität Greifswald die o. Professur für Strafrecht über» tragen. Peters wurde 1904 in Koblenz geboren. 1927 promovierte er in Münster, 1931 habilitierte er sich in Köln und war später Dozent in Bonn. An der Universität Greifswald wurde Dr. Franz von Er deck in Berlin beauftragt, das Fach Ge­schichte der exakten Wissenschaften zu vertreten. Im Alter von 71 Jahren starb der emerit. o. Pro­fessor der physikälischen Chemie an der Universität Berlin Dr. phil. Dr.-Jng e. h. Max Bodenstei n. Professor Bodenstein wurde am 15. Juli 1871 in Magdeburg geboren. Er promovierte 1893 in Heidel-

Grenze der Kindheit.

Bon Karl Hemrich Waggerl.

Ja, her Vater ist nicht mehr allein, auch die Mutter hat ihre Hilst. Peter steht zwischen beiden und nimmt von jeher Seite ein wenig auf sich. Er ist kein Gelehrter, es gibt wenig Geschriebenes im Waldhof, und Griechisch ist nicht die Umgangs­sprache in her Einöde. Im Winter, wenn Zeit ist, lernt Peter ein wenig lesen und schreiben, aber in die Schule kann er nicht gehen, es ist zu weit. Der Vater selbst schreibt ganz gut mit seiner schweren Hand, und auch die Mutter besitzt einige unver­gängliche Kenntnisse aus der Geschichte und der Geographie. Sie weiß und erzählt oft, daß Napoleon in einer gewissen Schlacht sein ganzes Königreich für ein Pferd angeboten hat und daß es in der Sahara nur sieben Oasen gibt, sonst lauter Löwen und Kamele. Peter merkt sich bas mit der Zeit, es ist vielleicht wohl ohnehin das Aeußerste, was ein Mensch an Kenntnissen in sich aufhäufen kann, jedenfalls ist es genug für den Waldhof, her Wei­zen wächst deswegen nicht besser.

Kommt er mittags in die Stube, so zieht er die Luft durch die Nase. Milchnockerl! Es waren auch gestern Milchnockerl, aber gerade darum ist es wie ein Wunder, wie eine besondere Fügung. Er hat den ganzen Vormittag daran gedacht, ob'die Mut­ter wohl diese (Eingebung haben könnte, ein zweites Mal Milchnockerl zu kochen. Peter ißt und bann: Was bekommen wir heute eigentlich?" sagt er, wenn er hie Schüssel rein ausgeleert hat. So ist Peter, ein narrischer Kerl.

Jetzt hat er eine Freundin. Sie heißt Eva, ist noch jünger als er und kommt aus der Stadt. Sie weiß nichts von allen den Dingen, die es auf dem Waldhof gibt, aber gewisse Sachen lernt sie ziem­lich schnell. Sie kommt beispielsweise abends mit emer geschwollenen Wange nach Hause.Was hast du?" fragt ihre Mutter entsetzt.

Ach, nichts?" Es ist Kaupech. Peter hat es ihr vor gekaut, es ist weich und rofiqrot und schmeckt ein wenig nach Mandeln. Am Morgen ging Eva mit weißen Strümpfen fort, was ist bas, jetzt sind sie braun?

Laß nur", sagt Eva,es ist bloß Dreck!"

Ja, Peter sagt Dreck, er sagt auch Sau ober sonst etwas Deutliches, und er m,eint damit Dinge, die nicht schlechter sind als andere, Wiese und Acker, Haus und Stall, bas ist fein Reich, hier gibt es nichts, was Peter nicht kennt, und auf feine Weise auszulegen versteht. Da ist Löwenzahn, nun ja, aber man kann lange Ketten daraus machen, und wenn man die Röhren spaltet und ins Wasser legt, so rollen sie sich in wunderbaren Schnecken und Spiralen zusammen. Es gibt Ahornsamen, der als ein schwirrendes Rädchen durch die Luft wirbelt, es gibt Steine auf dem Anger, aus denen man Funken schlagen kann, bann riechen sie wie ver­branntes Tuch. Im Walde hat Peter einen Ameisen­haufen, einen ganzen Berg aus Nadeln, Holz- stückchen und Harzkörnern. Vier Straßen gehen van ihm aus, drei in das Holz, eine auf die Halde. Peter baut den Ameisen eine Brücke über den Graben, er spendet ihnen allerlei Kostbarkeiten, Hosenknöpfe, eine tote Blindschleiche, alles nehmen sie geduldig iihb dankbar an. Er kennt viele Tiere, und feit er sie nicht mehr jagt, verlieren sie fast ganz ihre Scheu. Ja, die Eichhörnchen kommen zuweilen ein Stück am Stamm herunter und äugeln be­lustigt nach ihm. Im Winter unterscheidet er auch bie Wilbspuren im Schnee. Die Rehe machen vier Punkte, bie Hasen drei, her Fuchs aber zieht eine einzige Linie durch das Feld, und auch die löscht er oft mit her Rute wieder aus. Peter glaubt nicht an Hexen und Zwerge wie Eva, aber es ist ge­heimnisvoll, wenn der Wind sich aufmacht und um das Haus schleicht, wenn er die Dachschindeln aufhebt und im Schornstein heult. Schaurig ist es, wenn es dunkel wirb unb bie Käuzchen im Walde rufen.

Er nimmt Eva an der Hand unb geht mit ihr über den Anger. Nun stehen sie am Zaun unb sehen den Kühen zu, die auf der Wiese grasen. Plötzlich wirb der Stier unruhig, er senkt den Kopf unb fängt an, bie jüngste Kuh vor sich her zu treiben. Der Stier ist sonst gutmütig und zahm, letzt aber schnaubt er unb ist ganz anders, böse, furchtbar. Peter hat bas oft gesehen, er denkt nicht lange darüber nach. Allein nun steht Eva da unb drückt sich an ben Zaun, sie zittert und kann die

Augen nicht von den beiden Tieren wenden. Peter spürt etwas Merkwürdiges in sich aufsteigen, ein heißes Gefühl, einen Ekel, plötzlich faßt er Eva am Arm und führt sie weg.

Warum tut er bas? Warum geht Eva mit ihm und sträubt sich nicht ein bißchen? Sie schweigen und sprechen auch später nie mehr davon. Aber es ist doch etwas anders geworben ...

Blick in eine

altägyptische Bildhauerwerkstatt.

Daß die altägyptischen Bildhauer nicht anders arbeiteten als ihre Nachfolger in andern Ländern unb in anderen Zeiten bis auf unsere Tage, unb daß sie ihre Statuen in lebensgroßen Tonmobellen vorbereiteten, hat sich aus den Funden in der Werkstatt eines für den königlichen Hof tätigen Bildhauers ergeben, die bei ben Grabungen bfer Deutschen Orientgesellschaft in Amarna vor dreißig Jahren freigelegt wurde. In der Modellkammer dieses Bildhauers, her unter dem Namen Thutmöse berühmt geworden ist, lagen 23 Köpfe aus Gips, oon denen einige, vor allem die des Königs Ameno­phis IV. und feiner Gattin Nofretete durch zahl­reiche Veröffentlichungen bekannt geworden find. Das hier angewandte Verfahren des Bildhauers hat Prof. Dr. Günther Roeder näher unter­sucht unb berichtet herüber in benForschungen und Fortschritten".

Die altägyptischen Bildhauer haben ihre Sta­tuen aus rechtwinklig zugehauenen Blöcken ausge­hauen, auf deren Flächen die von her betreffenden 3eite her sichtbare Gestalt ausgezeichnet war. Aber unabhängig oon diesem Verfahren, das im mefenb heben in her Hand kopierender Gesellen lag, haben gestaltungsfrohe Künstler neue Motive der Be- wegung durch Tonmodelle aus freier Hand vorbe- reüet. Die ersten Versuche zur Erfassung eines neuen plastischen Gedankens werden sie auch in fluchtig gezeichneten Skizzen ober gekneteten Ent- aurfen gemacht haben, aber diese sind vergänglich H a kannten sich nur erhallen, wenn sie in einen beitanbigen -stoss, zum Beispiel in einen Gipsabguß umgefetzt wurden. Die Köpfe in der Werkstatt des

Thutmöse wurden aus Gips in Formen gegossen, unb bie nachträgliche Bearbeitung der Güsse be­schränkte sich auf Einrichtung von Falten und schwache Bemalung. Die genaue Untersuchung er­mittelte an vielen Stellen der Köpfe Nähte, bie schon in der in Gips abgeformten Vorlage vor­handen gewesen fein müssen. Es handelt sich dem- nach um Gipsabgüsse, bei deren Anfertigung nach Tonmobellen sowohl bie Vorlage wie bie Form Zerstört wurden. Die Nähte an den Tonmobellen rühren von ihrer.Zusammensetzung aus einzelnen Teilen her, die ihrerseits entweder frei mpbelliert ober auch aus kleinen Gipsformen gewonnen wur­den. Zunächst hat der Künstler in Ton bas eigenb liebe Gesicht mit Stirn, Augen, Nase und Mund vis zur Kinnspitze geknetet unb durchgearbeitet, dann hat er Einzelteile schematischer Art angefügt, zum Beispiel Hals unb Ohren, bie in einigen Fällen hcher aus offenen Halbsormen ausgebrüdt wurden.

Man sieht hier in bas Schaffen eines eigen» miLLigen unb bahnbrechenben Bilbhauers hinein, her mcht nach ben Vorbilbern feiner Schule arbeitete sondern wie jeder echte Künstler von sich aus einen neuen an bie Natur suchte, um feine Bild­

nisse dadurch lebenswahr zu gestalten unb über bie gegebenen ibealifierten Typen hinauszuheben. Ist chon bie Lebenswahrheit her Köpfe her föniq- lidjen Familie, bie ben Statuen noch näher stehen ungewöhnlich, so finb weit erstaunlicher bie Köpfe oon Privatleuten, noch ganz naturnahe Studien nach dem lebenden Modell, warm und ausdrucks­voll wie sprechende Menschen. Es finb, wie Pros x der leftgeftelll hat, nicht etwa Totenmasken ober Absormungßn über dem lebenden Kopf, wie man angenommen hat, sondern reine Bildhauer- itubien m Ton, einzelne von überraschendem Natu- ralismus, der iedoch in her Zeit begründet ist. Hier

die lebensgroßen Tonmodelle zu altägypttschen Bildnissen gefunden, nach denen die ägyptischen Bildhauer trotz ihrer Neigung zum Sttlijieren ge­arbeitet haben muffen, ebenso wie auch ein Akt- lV.butn oorauszusetzen ist. Der Naturalismus tiefer Äopfe geht in der Amarna-Kunst zusammen mit der naturnahen Wiedergabe des menschlichen Äör- pers unb noch mehr mit her Darstellung von Tieren und Pflanzen. qv

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