Insel Kola herum durch das enge, tanggezogene Weiße Meer zu seiner östlichsten Bucht, an der Archangelsk an der Mündung der Dwina liegt, eine Stadt von 280 000 Einwohnern nach Angaben der Sowjets, die über Wologda Bahnverbindung mit Moskau hat, deren Hafen aber flach und für das Löschen größerer Transporte schlecht eingerichtet ist. Trotzdem war er schon im Weltkrieg em wichtiger Hafen für die englischen Zufuhren. Die Engländer kennen also seine Mängel und bevorzugen deshalb vorerst noch Murmansk, zumal die Fahrrinne durch das Weiße Meer selbst von den schweren Eisbrechern, über die die Sowjets verfügen, kaum offengehalten fein wird.
Murmansk ist, obwohl es rund 300 Kilometer nördlich des Polarkreises liegt, durch eine seltsame Laune der Natur das ganze Jahr über eisfrei als einziger Hafen im nordosteuropäischen Raum, also das wichtigste Tor der Sowjetunion zum offenen Weltmeer. Ein Ausläufer des Golfstromes umspült das Nordkap und hält diesen Teil der dem Eismeer zugewandten Küste der Halbinsel Kola frei von Wintereis, während schon wenige Kilometer landeinwärts die Fjorde die winterliche Eisdecke tragen. Lange Jahre haben sich diese Gunst der Natur nur die norwegischen und russischen Fischer zunutze gemacht, die hier im Frühjahr die durch das warme Wasser angelockten Schwärme von Heringen und Kabeljauen fingen. Erst verhältnismäßig spät erkannte man die handelspolitische und strategische Bedeutung der Murmanküste. Im Herbst 1890 schlug der Ministerpräsident Graf Witte, der durch seine innerpolitischen Reformen in der Zeit der ersten russischen Revolution und seine aus eine Verständigung mit Deutschland gerichtete Politik in den ersten Weltkriegsjahren bekannt geworden ist, dem Zaren Alexander III. eine Bahnverbindung Petersburgs mit dem kleinen Fischerdorf Romanow, dem heutigen Murmansk vor, 1894 schon unter Niko- laus II. wurden die topographischen Untersuchungen des Bahnprojekts abgeschlossen und in drei Bauabschnitten mit dem Bau begonnen, 1897 Katharinenhafen, das shätere Alexandrowsk an der tief in das Land einschneidenden Kola-Bucht gegründet, das heute unter dem Namen Poljanorje, der Kriegshafen der Eismeerflotte ist. Die verkehrspolitische Erschließung der Murmanküste, die damit eingeleitet wurde, bekam einen stark imperialistischen Sinn durch eine Denkschrift des Kriegsministers Kuropatkin, der später als Oberbefehlshaber im russisch-japanischen Krieg so furchtbar Schiffbruch erleiden sollte. Damals wies er den Zaren auf die Notwendigkeit hin, sich des norwegischen Erzhafens Narvik zu bemächtigen, weil dessen Lage am offenen Nordmeer Rußland eine beherrschende Stellung geben würde. In einem europäischen Krieg, den man damals in Petersburg schon für wahrscheinlich hielt, hoffte man die Hand auf Narvik legen zu können. Inzwischen wurde jedoch der Bau der Murmanbahn weitergetrieben. Der südliche Abschnitt der insgesamt 146Ö Kilometer langen Strecke wurde bis Petrosawodsk am Onega-See noch vor dem Weltkriege fertiggestellt, ist aber erst unter dem Sowjetregime zweigleisig ausgebaut worden. Der Krieg beschleunigte dann auch den Bau der beiden restlichen Abschnitte bis Kem am Weißen Meer und Romanow, dem heutigen Murmansk. Dem Legen des Schienenstrangs bot das Gelände die größten Schwierigkeiten, denn auf mehr als ein Viertel der Strecke beherrschen Sumpf und Moor die Landschaft, das übrige ist Urwald und Tundra. Die Zarenregierung beschleunigte im Weltkriege den Bahnbau, der für sie als Anschluß an die Seever- binoung mit England größte strategische Bedeutung bekam, durch den brutalen Einsatz deutscher und vor allem österreichischer Kriegsgefangener, von denen Zehntausende als Opfer des unwirtlichen Klimas, gänzlich unzureichender Ernährung und völlig mangelnder hygienischer Vorkehrungen an Seuchen zugrunde gegangen sind.
Murmansk hat sich aus einem elenden Fischerdorf dann unter dem Sowjetregime in fast amerikanischem Tempo entwickelt zu einem modernen Hafen mit allem für das Löschen großer Transporte erforderlichen Einrichtungen. Es zählt heute nach der Sowjetstatistik 118 000 Einwohner und ist die Hauvt- stadt des gleichnamigen Verwaltungsbezirks, der oie ganze Halbinsel Kola umfaßt. Das Gebiet, in dem 1914 kaum 10 000 Menschen siedelten, meist Fischer und nomadisierende Lappen, hat heute rund 300 04)0 Einwohner. Diese erstaunliche Entwicklung erklärt sich aus der 1929 begonnenen Erschließung der wert- vollen Bodenschätze auf der Halbinsel Kola. In den etwa 150 Kilometer südlich von Murmansk gelegenen, bis $u einer Höhe von 1200 Metern ansteigenden Chibiny-Tundren finden sich große Lager von Apatit, aus dem der wichtige Kunstdünger Superphosphat gewonnen wird, und Nephelin, ein wich- tiger Rohstoff für die Aluminiumerzeugung. Hier entstand 1925 die Stadt Chrbinogorsk, die 1934 nach dem ermordeten Leningrader Parteichef Kirow in Kirowsk umbenannt wurde und heute schon 60000 Einwohner zählt. Westlich davon wurden Lager von Nickel- und Kupfererzen gefunden und ein riesiges Barackenlager, die „Stadt" Montschegorsk errichtet, die durch eine Zweigstrecke mit der Mur- man-Bahn verbunden wurde. Eisenerze fanden sich am Kowodo-See und bei Olenjegorsk unmittelbar an der Murman-Bahm An der wesüichsten Ausbuchtung des Weißen Meeres liegt Kandalakscha, eine Stadt von etwa 25 000 Einwohnern, von der eine Bahn bis an die sinnische Grenze führt, der ausschließlich strategische Bedeutung zukam, wie auch von dem oben schon genannten Hasen Poljarnoje an der Tyvä-Vucht zwei Stichbahnen direkt auf die finnische Grenze zufuhrten, die ausschließlich der Vorbereitung des Angriffs auf Finn, land im Winter 1939 dienten. Man wird sich noch erinnern, daß Finnland sich im Moskauer Friedens- diktat vom 12. März 1940 verpflichten mußte, seine eigene Bahnstrecke Tornea—Kemisäroi bis an die Sowjetgrenze zu verlängern, um über Kandalakscha Anschluß an die Murman-Bahn zu erhalten, womit den Sowjettruppen der Vorstoß zum Bottnischen Meerbusen und die schwedische Erzbahn nach Narvik freigegeben worden wäre. Große Teile der Mur- man-Vahn und ihrer Anschlußstrecken sind elektrifiziert worden, da die zahlreichen Strvmschnellen und Wasserfälle der Halbinsel Kola die Anlage großer Wasserkraftwerke begünstigte.
Welchen strategischen Wert die Sowjets dieser Eismeer-Stellung beimaßen, erhellt auch aus dem Bau des Stalin-Kanals, der unter Benutzuna des Ladoga- und des Onega-Sees, die der in den finnischen Kampfberichten der letzten Monate oft genannte Swir verbindet, zum Weißen Meer führt und damit die Schiffahrt zwischen Ostsee und Eismeer ermöglicht. Freilich ist er wie auch das Weiße Meer fast ein halbes Jahr hindurch vereist und dann auch nur für Zerstörer, Torpedo- und U Boote passierbar. Der Bau des Stalin-Kanals wurde wie der Ausbau der Murman-Bahn lediglich mit Hilfe der Deportationen bewerkstelligt. Die GPU. stellte dem Jnnenkommissariat zu Zehntausenden kostenlos die Arbeitskräfte. Politisch Verdächtige und Bauern, die sich als Gegner der Kollektivierung der Land-
Der Lleberfall auf Madagaskar.
Von unserer Berliner Schriftleitung.
Churchill hat, wie schon kurz gemeldet, am Donnerstag im Unterhaus über Madagaskar gesprochen. Er begann seine Erklärung mit den Worten: ,Hch glaube, das Haus dürfte den Wunsch haben, sofort die neuesten Nachrichten über Madagaskar zu erfahren." Schon diese Einleitung spricht Bände. Die Eilfertigkeit, mit der Churchill über den Fall Madagaskar schwatzt, ist höchst verdächtig. Das englische Volk hat immer wieder dringend verlangt, doch endlich einmal amtlich zu erklären, wie es $u der Katastrophe von Singapur hatte kommen können. Churchill hat den Bericht darüber aus fadenscheini- gen Gründen immer wieder hinausgeschoben. Auch Über Burma, über Corregidor oder gar'über den neuen gewaltigen Seesieg der Japaner im Korallenmeer, von dem die englische Oeffentlichkett Überhaupt noch nichts erfahren hat, wußte Churchill nichts zu erzählen, um so mehr über den Gangsterstreich britischer Streitkräfte gegen das französische Madagaskar. Man brauchte in England und in den USA. in höchster Verzweiflung über die ständigen Schlappen endlich einmal einen „Erfolg". Daher fiel man über Madagaskar her.
Das geschah, wie Churchill vor dem Unterhaus jetzt ausdrücklich betonte, mit „sehr starken Verbänden aller Waffengattungen", nachdem sich „i>ie Vorbereitungen über die letzten drei Monate" erstreckt hatten. Seit drei Monaten beschäftigt man sich also in London und in Washington mit dem Plan, das französische Madagaskar zu überfallen. In der amtlichen Begründung zu dem Gangsterstreich hieß es, man sei in letzter Minute einem japanischen Angriff auf die Insel zuoorgekommen und habe Madagaskar nur vor den Japanern für die Franzosen in Schutz nehmen wollen. Kein Wort davon ist wahr, Churchills Bericht ist ein neuer Beweis für den Zynismus, mit dem man in London und Washington Monate lang Raubzüge gegen Englands ehemaligen Verbündeten vorbereitet, um sich für die ständigen Niederlagen schadlos zu halten. Mit welcher Brutalität man dabei vorgeht, hat der lieber» fall auf Madagaskar erneut gezeigt. In einem eben in Vichy eingegangenen Bericht des französischen Generalgouverneurs von Madagaskar heißt es über die Verteidigung von Diego-Suarez: „Am dritten Tage eines ungleichen Kampfes, in
dem der Gegner über zahlreiche mächtige See- und Landstreitkräfte verfügt, wobei die letzteren mit Panzerwagen und Flugzeugen in beträchtlicher Anzahl versehen waren, die Diego-Suarez einer st ä n- öigen Bombardierung aussetzten, mußte die französische Verteidigung kapitulieren, nachdem sie das Land Stück für Stück verteidigt und den Feind vor den Toren von Diego-Suarez hingehalten hatte. Mit mächtigen Mitteln gelang es dem Feind sodann, unsere letzten Stellungen zu nehmen. Der Befehlshaber dieser Verteidigungstruppen wurde in der Nacht gleichzeitig mit dem Befehlshaber der Marine gefangengenommen. Der Widerstand an anderen Stellen der großen Insel wird über mit Entschlossenheit fortgesetzt werden. Das Mutterland hat damit einen Beweis der Treue und Einmütigkeit aller Franzosen Madagaskars."
Angesichts dieses Berichtes wagt Churchill heuchlerisch zu versichern: „Wir sind betrübt, daß es zu Blutvergießen zwischen den Truppen unserer beiden Länder gekommen ist. Wir haben das Vertrauen, daß die französische Nation diesen Zwischenfall einmal als gerechtfertigten Schritt zur Befreiung Frankreichs, darunter auch Elsaß-Lothringens, 'vom deutschen Joch ansehen wird." Wie einen Köder warf Churchill das Wort Elsaß-Lothringen in die Debatte. Das ist der Gipfel der Scheinheiligkeit dieses Kriegsverbrechers, der Frankreich für plutokratische Interessen kaltschnäuzig verbluten ließ. Der „Evening Standard"" schreibt zu der Churchill-Rede, daß England nun nicht auf seinen Lorbeeren ausruhen dürfe, sondern alles daransetzen müsse, um die ergriffene Beute gegen einen Zugriff der Japaner zu sichern. Und „Manchester Guardian" sagt, daß es sich bei dem Madagaskar-Unternehmen nicht um eine isolierte Aktion gehandelt habe, sondern daß es die erste Frucht der Londoner Konferenzen von Harry Hopkins und General Marshall darstelle. Darüber hinaus bilde Madagaskar auch den ersten Baustein in der Mauer, die die Alliierten um Japan ziehen würden, „bis die Zeit für eine Offensive reif" sei. Die vernichtenden Schläge, die die britisch-amerikanische Flotte soeben erst im australischen Korallenmeer von den Japanern einstecken mußte, sind freilich kein Anzeichen dafür, daß ,chie Zeit für eine Offensive reif ist".
wirtschaft mißliebig gemacht hatten, wurden zwangs- verschickt und in riesigen Lagern im hohen Norden zusammengepfercht, eine gewaltige Arbeitsarmee, die für die Erschließung der Sowjetarktis eingesetzt wurde. Hinter dieser ,Kolonisierung", auf die sich die Sowjetpropaganda viel zugute tat, verbirgt sich eine der furchtbarsten Tragödien des Bolschewismus. Vor allem die Bauern, darunter viele Deutsche, die aus der Krim und der Ukraine, von der unteren Wolga und dem Kaukasus stammten, dort ihres Besitzes enteignet und in die arktische Tundra verbannt worden waren, sind zu vielen Tausenden das Opfer des Klimas und der selbst für Sowjetver- hältnisse hier nördlich des Polarkreises unvorstellbar primitiver Lebensverhältnisse geworden. Aber was von ihnen am Leben blieb, war immer noch ein Heer von Staatsleibeigenen, das in harter Fronarbeit die in Moskau ohne Rücksicht auf Lebensmöglichkeit oder Wirtschaftlichkeit ausgeklügelten Verkehrsprojekte und Jndustrieplanungen in der Arktts durchzufuhren hatte.
Ein erschütterndes Bild dieser grauenhaften Methode entrollt das vor kurzem erschienene Buch eines Deutschen (Matthias Pfördtner: „Die russische Wanderung" im Karl - Rauch - Verlag, Dessau). Als Offizier des Weltkrieges und ein Mensch, der ganz in der hohen deutschen Kultur wurzelte, hatte er sich in dem Wirrwarr des Deutschlands der Nachkriegsjahre nicht zurechtgefunden und war ohne die üb Spannten Erwartungen und ideologischen Illusionen vieler feiner Schicksalsgenossen in Lenins „Paradies der Werktätigen und Freien" gekommen in der Hoffnung, hier die Lösung der Fragen zu finden, auf die es in dem damaligen Deutschland keine Antwort gab. Aber trotz allen ehrlichen und aufgeschlossenen Mühens um Verständnis der Leninschen Staatskonstruktion stürzt er von einer Enttäuschung in die andere. Er muß am eigenen Leibe die Erfahrung machen, daß man im Reiche Stalins auch für einen geistigen Menschen nur Verwendung hat als gehorsamen Fronsklaven, der keine eigene Meinung hat und gläubig anbetet, was die „Generallinie" vorschreibt. Unter den albernsten Vorwänden verhaftet, teilt er das Schicksal der vielen Tausenden politisch Verdächtiger, die monatelang durch die Gefängnisse der GPU. geschleppt werden, um bann, in die unwirtliche Tundra der Arktis verbannt, für die Verwirklichung der sowjetischen Kolonisierungspläne au fronen. Seine Aufzeichnungen über seine Erlebnisse zwischen polittschen Sträflingen und „um- gesiedelten" Dauern sind in ihrer ehrlichen Sachlichkeit ein erschütterndes Dokument für die verbrecherische Frivolität und den eisigen Zynismus, mit denen hier das Lebensglück von Millionen von Menschen von Fleisch und Blut mit Füßen getreten wird, um einer Hypothese willen, die dem imperialistischen Mackstrausch des Bolschewismus jedes Opfer zu bringen befiehlt.
Murman-Bahn und Stalin-Kanal haben im Kriege nicht das gehalten, was man sich in Mos- kau von ihnen versprochen hatte. Beide liegen im Aktionsbereich der deutschen und finnischen Luftwaffe, und auch die Geleitzüge, die von England aus den sowjetischen Heeren die so dringend ge- wünschten Waffen zuführen sollen, sind trotz stärkster Sicherung durch britische Kriegsschiffe, wie die Wehrmachtberichte schon mehrmals gemeldet haben, selbst unter den schlecksten Witterungsverhältnissen des Eismeeres und der Barents-See ständig Angriffen deutscher Zerstörer, U-Boote und Bomber ausgesetzt. Sie können sich bei ihren Operationen auf die normegifrije Küste stützen, die den Weg von England nach Murmansk flankiert. Von dem norwegischen Kirkenes und dem finnischen Petsamo am Eismeer sind es kaum noch 150 bzw. 100 Kilometer bis zu den Sowjet-Eismeerhäfen. So ist dieser kürzeste Weg, auf dem England seinem Sowjet-Verbündeten Hilfe bringen könnte, nach der er so sehnsüchtig ausschaut, mit dem Forischreiten des Frühjahrs immer stärker unter deutscher Kontrolle. Wie die Gebirgsjäger General Dietts. die hier zusammen mit den Finnen Marschall Man- nerheims am äußersten linken Flügel der gewaltigen Ostftont den bolschewistischen Heeren den Vormarsch über Finnland zum Atlantik verwehren, so stehen Marin« und Luftwaffe hier im hohen Norden auf Wache, um Briten und Sowjets nicht zueinander zu lassen.
Dr. Fr. W. Lange.
Weitere japanische Erfolge.
Bisher 89 Flugzeuge abgeschossen.
Tokio, 9.Mai. (DJIB. Funkspruch.) Das kaiserliche Hauptquartier gab am Samstag weitere Ergebnisse bekannt: Ein feindlicher Kreuzer, dessen Typ und Hamen unbekannt ist, wurde durch Torpedoflugzeuge, die sich in Selbstvernichtung auf das feindliche Schiff stürzten, schwer beschädigt. Ein feindlicher Zerstörer wurde versenkt. Seit dem 7.IHai wurden 89 feindliche Flugzeuge abgeschossen. Die japanische Marine verlor einen kleinen hilfsflugzeug- trager, der aus einem früheren Tankschiff in einen Flugzeugträger umgebaut worden war; außerdem kehrten 31 japanische Maschinen bisher nicht zurück.
Tokio feiert den Sieg.
Tokio, 8. Mai. (Europapreß.) Der neue Schlag der japanischen See- und Luftstreitkräfte gegen eine an Umfang überlegene Kriegsflotte der Briten und Nordamerikaner im Korallenmeer bei Neu-Guinea hat die Bevölkerung von Tokio in unbeschreibliche Begeisterung versetzt. Menschenmassen vor den Gebäuden der großen Zeitungen begrüßten die Siegesmeldungen mit brausenden Banzai-Rufen. Sehr bemerkt wird in der japanischen Öffentlichkeit, daß der Seesieg genau fünf Monate nach dem Eintritt Japans in den Krieg gefeiert werden kann. Man stellt mit großer Genugtuung fest, daß die Flugzeuge, die am 8. April von dem nun versenkten Flugzeugträger des,„Saratoga"-Typs aufgeftiegen waren, um Bomben auf japanische Städte zu werfen, vernichtet worden sind.
Die Tokioter Zeitungen stellen übereinstimmend die kampfmäßige Unterlegenheit der ziffernmäßig größeren englisch-nordamerikanischen Kriegsflotte fest. „Der Zeitpunkt ist nahe", schreibt ,^Hochi", „wo es weder im Pazifik noch im Atlanttk eine den Ach- scnstreitkräften überlegene anglo-amerikanische Flotte geben wird." Die Zeitung „Nichi Nichi" teilt mit, die Anwesenbett starker feindlicher Flotteneinheiten im Südpazifik sei bereits seit Tagen bekannt gewesen. Die feindlichen Schlachtschiffe und Flug,zeug- träger seien von Aufklärungsflugzeugen der japa- nischen Marine zuerst am 3. Mai entdeckt worden. Der Angriff auf den Feind wurde am 6. Mai von japanischen Flugzeugen und Kriegsschiffen gemeinsam eröffnet. Es wird angenommen, daß einige der schwer beschädigten feindlichen Schiffe inzwischen gleichfalls gesunken sind. „Mit diesem Sieg", so schließt das Blatt, „sind die im Sudpazifik stationierten anglo-amerikanischen und australischen Marinestreitkräfte praktisch vernichtet. Amerika, das jetzt nur noch drei Schlachtschiffe und drei Flugzeug- träger besitzt, hat nunmehr seine Offensiv» möglichkeiten gegen Dftafien verloren. Damit aber ist Australien isoliert. Zweifellos wird sich dieser Erfolg auch von größter B^deutuna für die Entwicklung im Indischen Ozean und in Indien selbst erweisen."
Japaner schon tief im Operationsgebiet Tschnngkinqs.
Tokio, 8. Mai. (Europapreß.) Die Burmastraße ist auf burmanischem Gebiet vollständig in japanischer Hand. Die Endstation der die Burmastraße bedienenden Bahn, L a s ch i o , ist bereits am 29. April besetzt worden. Daß Laschio schon vor dem Fall von Mandalay den Japanern in die Hände fiel, ist vielleicht ein Grund für die Zurückhaltung, die das japanische Oberkommando vor der Bekanntgabe des Vormarsches bewahrte. Gleichzeitig wird bekanntgegeben, daß B h a m o , etwa 150 Kilometer nördlich von Laschio, am 3. Mai besetzt wurde, und daß die japanischen Truppen in überraschend schnellem Tempo weiterstoßend, am 5. Mai Lungling besetzten, das etwa 150 Kilometer ostwärts bereits auf chinesischem Boden liegt. Damit ist der japanische Angriff schon tief in die Operationsbasis der Tschungking-Armee hineingettagen und bedroht jetzt den als Ausgangspunkt der Fluglinie nach Indien wichtigen chinesischen Flughafen Pungtschang (Paoschan). Durch das japanische Vordringen sind auch die britisch-chinesischen Pläne, durch Nordburma über den Endpunkt der nordburmanischen Eisen»
Dor zwei Fahren.
Die Forderung Stalins nach einer zweiten Front im Westen ist das Tagesgespräch in der feindlichen Presse, ist die Ursache der Angstträume Churchills und der Verzweiflung Roosevelts. Diese zweite Front hat bereits bestanden, sie war seit Jahren geplant und in ■ allen Einzelheiten vorbereitet. An dieser ersehnten und gewollten Front im Westen scheiterten alle Verständigungs-, Nichtangriffs- und Abrüstungsbemühungen des Führers. Die „internationale Clique jüdisch-plutokratischer und jüdisch» bolschewistischer Welteroberer wollte von hier auS Europa aufrollen, Deutschland vernichten und ihren Traum von der Beherrschung der Welt verwirk- lichen.
Das war nicht Phantasie, das waren sehr betau» lierte Pläne, die sich auf starke Heere, moderne Waffen und geheime Bündnisverträge stützten. In Deutschland wußte man seit Jahren, daß nicht nur zwischen Paris und London laufend darüber verhandelt worden war, sondern daß auch Brüssel uni) Haag in diese Pläne eingeroeifjt und einbezogen waren. Danzig war lediglich das Fünkchen, das diesen Plan entzünden sollte. Polen der Degen, den man auf Deutschlands Herz richten ließ. Es war Tarnung, hinter der sich im Westen der Aufmarsch gegen Deutschland vollziehen sollte.
Am 9. Mai 1940 ließ die Reichsregierung der belgischen und der niederländischen Regierung ein Memorandum überreichen, in welchem an Hand von dokumentarischen Unterlagen festgestellt wird: „Wie der Reichsregierung seit langem bekannt ist, ist das wahre Ziel Englands und Frankreichs: der sorgsam vorbereitete und nunmehr unmittelbar bevorstehende Angriff gegen Deutschland im Westen, um über belgisches und niederländisches Gebiet nach dem Ruhrgebiet vorzustoßen." Am 10. Mai 1940 in grauer Morgenfrühe überschritten die deutschen Truppen die Grenze in breiter Front, um die Neu» tralität Belgiens und der Niederlande mit allen militärischen Machtmitteln des Reiches sicherzustel» len. In seinem Aufruf an die Soldaten der Westfront vom 10. Mai sagte der Führer u. a.: „Der heute beginnende Kamps enffcheidet das Schicksal der deutschen Nation für die nächsten tausend Jahre."
Der Ablauf dieses Feldzuges im Westen ist geschichtlich einmalig, sowohl. in feiner operativen Planung und Führung, wie in dem heldenmütigen soldatischen Einsatz, der vollendeten Beherrschung und Zusammenarbeit aller Waffen. Der frontale Angriff mit westlicher Stoßrichtung, die plötzliche Linksschwenkung des linken Angriffsflügels mit Drehpunkt bei Sedan, der Vorstoß aus der Mitts über Arras, Amiens und Abbeville bis zur Kanal» käste leitete den ersten Teil dieses Feldzuges ein und beendete ihn in der großen Flandernschlacht mit der Vernichtung der französisch-britischen Haupt- armeen. Schon vorher hatten die holländische und belgische Armee kapituliert.
Der zweite Teil dieses Feldzuges begann am 5. Juni mit der großen Somme-Schlacht, der Zer- brechung der Weygand-Linie und führte durch die völlige Zerschlagung der französischen Westarmee ihre Verfolgung über Paris hinaus durch die Nor- mandie und Bretagne bis Bordeaux zu dem Was» fenstillstandsersuchen Pötains am 21. Juni. Die gleichzeitige Ueberremrung der Maginotlinie an den verschiedensten Stellen durch frontalen Angriff und die Einschließung der französischen Ostarmee in den Vogesen bestätigten die völlige Auflösung der fron» zösischen Wehrmacht unter den vernichtenden Schlägen der deutschen Waffen. In 40 Kampftagen zer» brach vor zwei Jahren die „zweite Front", nach der Stalin heute verzweifelt schreit.
bahn, Myitkyina, eine Ersatzverbindung für die Burmastraße zu schaffen, vereitelt worden.
Die tschungking-chinesischen Streitkräfte in Burma sind durch den japanischen Vorstoß längs der Burmastraße in zwei Gruppen aufgeteilt. Der Tschungkinger Militärsprecher gab zu, die erste Gruppe sei noch in Burma mit der Ausgabe betraut, die rückwärtigen Verbindungen der japanischen Truppen zu stören, was jedoch sehr schwierig sei angesichts der feindlichen Haltung der Burmesen. Die zweite Gruppe, die auf chinesisches Gebiet zurückgedrängt wurde, kämpfe in der Provinz Pünnan gegen dort vorrückende japanische Streitkräfte. Die japanischen Truppen, die Mandalay erobert hätten, hätten die englischen Truppen bis über 9)eu hinaus etwa 120 Kilometer nord» westlich von Mandalay zurückgeschlagen.
Myitkyina von den Japanern besetzt.
Tokio, 9. THal (DUB.-Funkfpruch.) Wie Dornet aus Burma berichtet, besetzten die nach Norden vorrückenden japanischen Streitkräfte am Freitag die wichtigste Stadt Trordburmas, M y i l k y t n a, ohne Blutvergießen. Myitkyina liegt am Oberlauf des Irawadl, rund 250 Kilometer von der nördlichen Grenze Burmas entfernt. Die Stadt ist Endstation der von Mandalay nach Norden führenden Eifenbahnsirecke.
Oie Lleberlegenheit der japanischen Luftwaffe.
Tokio, 8. Mai. (DNB.) „Einer der Hauptgründe für den Zusammenbruch unseres Widerstandes war die Tatsache, daß die Japaner schon sehr bald die völlige Luftherrschaft gewannen", erklärte der bisherige Oberbefehlshaber der USA.- Streitkräfte auf den Philivpinen, Generalleutnant W a i n w r i g h t, einem Kriegsberichter der Zeitung „Jorniuri Schirnbun" in den unterirdischen Festungsanlagen des Malinta-Hügels der Jnsel- fcftung Corregidor. „Vor mir", fo schildert der Kriegsberichter, „steht ein Mann, völlig erschöpft, mit melancholischen Gesichtszügen und silberweißen Haaren. Obwohl er mir erzählt, daß er 60 Jahre alt ist, hat man den Eindruck, eines Greises von roeit über 70 Jahren." „Wir sind geschlagen worden", so erklärte Wainwright, „Sie werden verstehen, daß ein geschlagener General nicht sprechen möchte. Wir rechneten nicht mit diesem Ende, das vor, allem darauf zurückzufübren ist, daß Ihre Luftwaffe so schnell die völlige lleberlegenheit gewann."
Oie Wahlniederlagen der britischen Regierung.
Lissabon, 8. Mai. (LNB.-Funkspruch.) In der englischen Oeffentlichteit werden die Niederlagen, die die britische Regierung bei den verschiedenen Unt"r- hausnachwahlen in der letzten Zeit erlitt, lebhaft diskutiert. Im „News Chronicle" erklärte Mrs. Cor» bett Ashdy, die Vorsitzende verschiedener einflußreicher Frauenorganisationen: „Derartige Nachwahlen fügen dem Lande einen ganz unberechenbaren Schaden zu." Andere Zeitungen, vor allem die „Times", warnen die alten Parteiorganifattonen davor, den Burgfrieden dazu zu benutzen, reiche Leute oder


