Einzelbild herunterladen

standen. Alle die Schwachen, die seufzten, statt zu rufen, können an dem Beispiel unserer Winter­kämpfer, das sich in den ersten großen Siegen die­ses Jahres so wunderbar vollendete, lernen, was es heißt, Deutscher und Nationalsozialist zu sein. Die vielen, vielen Starken in unserem Volke aber, die wie ein festes stählernes Gerüst unsere Nation durchziehen, mögen sich in einer stillen Stunde sagen, daß ihr tapferes Herz ihnen den rechten Weg gewiesen hat, und daß sie seiner Stimme frohen Mutes weiter folgen dürfen.

Das Eichenlaub zum Ritterkreuz.

Berlin, 7. Juni. (DRB.) Dem Staffelkapitän in einem Jagdgeschwader, Oberleutnant 211 a r - feilte» hat der Führer das Eichenlaub zum Rit­terkreuz des Eisernen Kreuzes verliehen und ihm nachstehendes Schreiben übermittelt:In dankbarer Würdigung Ihres heldenhaften Einsatzes im Kampf für die Zukunft unseres Volkes verleihe ich Ihnen als 97. Soldaten der deutschen Wehrmacht das Eichenlaub zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes. Adolf hitlex."

Oberleutnant Marseille wurde 1919 in Charlotten-

burg geboren. Seine Feuertaufe als Jagdflieger bestand er im Einsatz gegen die britische Insel. An der nordafrikanischen Front wurde ihm am 22. 2. 1942 für seinen 46. Luftsieg das Ritterkreuz ver­liehen. Als erfolgreichster deutscher Jagdflieger in Nordafrika wurde er vor einigen Monaten mit der Führung einer Staffel betraut. Am 3. Juni schoß er sechs britische Flugzeuge ab und errang damit seinen 70. bis 75. Luftsieg.

Das Ritterkreuz für Hauptmann Hudel

Berlin, 6. Juni. (DRB.) Der Führer verlieh das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes an Haupt­mann Helmut hudel, der als Kompaniechef in einem Panzerregiment in den schweren Kämpfen einer Panzerdivision im mittleren Abschnitt der Ost front hervorragenden Anteil an der erfolgreichen Abwehr eines mit starker Panzerunter- stühung vorgetragenen Angriffes der Bolschewisten halte. Wit nur 3 Panzern trat er nach Zuführung von Wunition sofort zum Gegenangriff an, nahm eine wichtige Ortschaft wieder in Besitz und baute eine für die weitere Kampfführung wichtige Ver­teidigungsstellung neu auf.

ÄerWrerbegWwünschtMrschallMnnerheim

Der Führer überbrachte wie schon ausführlich berichtet Marschall Mannexheim die herz­lichen Glückwünsche des deutschen Volkes zum 75. Geburtstag. Links im Hintergrund Staatspräsident Risto Ryti. (Presse-Hoffmann. sSch.j)

MlW

Die leichten Gicherungsstreitkräste der Kriegsmarine.

Berlin, 6. Juni. (DNB.) Der Befehlshaber der Sicherung eines Küstenabschnitts Meldet, daß die ihm unterstellten Vorposten- und Siche- rungsstreitkräfte in den letzten zwölf Mo­naten eine Handelsschiffstonnage von über 12 Millionen von Hafen zu Hafen gelei- t e t haben. Um diese für den europäischen Raum lebensnotwendige Schiffahrt zu sichern, mußten Minensuch-und Räumboote Seewege von vielen tausend Seemeilen minenfrei machen und minenfrei halten. Vorpostenboote und G e l e i t b o o t e standen bei Wind und Wetter im Kampf gegen die Elemente und im Kampf gegen den Feind.

Die von Deutschland beherrschten Küsten reichen vom Nordkap bis zur Südecke der Biskaya, vom Skagerrak bis an das Vorfeld von Leningrad und haben eine Länge von vielen tausend Kilometern. Diese riesigen See- und Küstengebiete sind in drei Sicherungsabschnitte unterteilt, die den Be­fehlshabern der Sicherung Ost, der Sicherung Nord und der Sicherung West unterstehen. In dem Kü­stenabschnitt, dessen Geleiterfolg oben gemeldet wurde, galt es, Seewege von 3250 Kilometer Länge unter ständiger Minenkontrolle zu halten, auf diesen Wegen die Schiffahrt zu schützen und 22 Hafenein­fahrten zu sichern. Der Sicherungsdienst dieses einen Abschnittes hat die anderthalbfache Länge der Ostfront, was einen Maßstab für die ge­waltige Ausdehnung der Tätigkeit dieser kleinen

Fahrzeuge abgiebt. Die Minensuchflottillen dieses Sicherungsabschnittes haben in diesen zwölf Mo­naten durchschnittlich je 24 000 Seemeilen auf Mi- nensuch- und Räumfahrt zurückgelegt, das sind 4000 Kilometer mehr als der Erdumfang am Aequator. Innerhalb -eines halben Jahres wurden allein in diesem Abschnitt 450 Luftangriffe von leichten See­streitkräften abaewehrt, die seit der vor zwei Jah­ren erfolgten Gründung des Befehlsbereichs 190 feindliche Flugzeuge ab schossen und 26 feindliche Schnellboote versenkten oder außer Gefecht setzten. Eine aus ehemaligen Fischdampfern zusammenge­setzte Minensuchflottille räumte bisher über 600, eine Näumbootflottille etwa 750 Minen. Außer dem Be­fehlshaber zählt dieser Verband sieben Ritterkreuz­träger in seinen Reihen.'

Die Oeffentlichkeit macht sich kaum eine richtige Vorstellung vom Dienst der leichten Sicherungs­streitkräfte, und doch ist dieser nicht minder wichtig als die so oft mit glänzenden Leistungen erwähnte Tätigkeit der Unterseeboote, der Zerstörer und der großen Schiffe. Die Aufgabe der Minensuch- und Räumboote ist das Freihalten der Hafen- ausfahrt en für Unternehmungen der Seestreit­kräfte, das ständige Kontrollieren der See­gebiete vor den deutschen und von uns besetzten Küstey. und dort, wo Flottenoperationen angesetzt werden sollen, das Freihalten der Nach­schub str en für die notwendigen Transporte und sehr oft der Geleitdienst.

Staatsbegräbnis für Reinhard Heydrich

Der Führer hat für Öen Stellvertretenden Reichsprotektor ^-Obergruppenführer und General der Polizei Reinhard heydrich ein Staats­begräbnis angeordnet, das in Berlin statt­findet.

Am Sonntag hatte die'deutsche und die tschechische Bevölkerung Prags Gelegenheit, im Ehren Hof derPragerBurg dem stellvertretenden Reichs­protektor die letzte Ehrenbezeigung zu erweisen. Auf einem Katafalk stand der Sarg, der mit der Reichskriegsflagge bedeckt war. Offiziere frkr Waffen-hielten die Ehrenwache. Die Stirnwand des Ehrenhofes zierte ein großes Eisernes Kreuz. An den Flaggenmasten waren die Reichsdienstflagge und die Fahne der ff auf Halbstock gesetzt. Aus den Zinnen der Burg wehten die Standarten des Reichs­protektors und des Staatspräsidenten ebenfalls auf halbmast. Um den Sarg lagen zahlreiche Kränze. Taufende Deutsche wie Tschechen, vor allem Ange­hörige der schaffenden Bevölkerung, passierten schon in den Vormittagsstunden den Ehrenhof. In den Mittagsstunden trafen zahlreiche Abordnungen aus Böhmen und Mähren, oftmals in ländlichen Trach­ten ein und legten Blumenfpenden am Sarge nieder. Taufende kleiner Feldblumensträußchen aus Arbei­terhänden schmückten ihn.

Um 18 Uhr fand im Ehrenhof eine Trauer­feier statt, an der neben den nächsten Familien­angehörigen des Toten der R§ichsführer ff Heinrich Himmler und Staatspräsident Dr.hacha mit der Protektoratsregierung sowie führende Persönlichkeiten

aus Parteis Staat und Wehrmacht teilnahmen. Am Sarge sprach ff-Oberst-Gruppenführer und General­oberst der Polizei Daluege herzliche Worte des Gedenkens, in denen er die Verdienste des Verstor­benen für Vol^und Reich würdigte. Während das Lied vom guten Kameraden erklang, legte der Reichsführer ff einen Kranz nieder. Anschließend erfolgten Kranzniederlegungen durch ff-Oberst- Gruppenführer Daluege, Staatssekretär ff* Gruppenführer K. h. Frank für den Reichspro­tektor Freiherrn von Neurath und Staats­präsident Dr. hach a. Nach den Liedern der Na­tion führte die Trauerparade zum Hauptbahnhof, von wo die sterbliche hülle des Toten nach Ber­lin übergeführt wurde.

^-StandarteReinhard Heydrich".

DNB. Aus dem Führerhauptquartier, 6. Juni. Der Führer hat der 6. ^f-Inf.-Standarte den NamenReinhard heydrich verliehen. Der Reichsführer ff und Chef der Deutschen Polizei, Heinrich Himmler, erläßt hierzu folgenden Tages­befehl an die Waffen-ff:Der Führer hat der 6. ff-Jnf.-Standarte am 4. Juni 1942 im Aufrenken an den an diesem Tage seinen Wunden, die er im Kampf für Deutschland erlitten hat, erlegenen ff- Obergruppenführer heydrich den NamenReinhard heydrich" verliehen. Möge die Standarte sich dieses ehrenvollen Namens immer würdig erweisen!

h. Himmler."

Die Fahrzeuge der Minensuchflottillen sind see­tüchtige Boote von etwa 600 Tonnen, die Bewaff­nung besteht aus ein oder zwei 10,5-cm-Geschützen und leichten Flakwaffen. Die-Räumboote sind flach gehende Motorboote von 50 bis 90 Tonnen, die für das Wegräumen flach stehender Sperren, zur Verfolgung, von U-Booten und ähnlichen Zwecken eingesetzt werden. Die Besatzungen sind größten­teils aus der Marinereserve, Männer aus den verschiedensten Berufszweigen, oft weit her aus dem Binnenlande, die sich überraschend schnell in diesen gefahrvollen Dienst hineingearbeitet haben. Mit wettergebräunten Gesichtern stehen sie heute ihren Mann. Dasselbe gilt für die Besatzungen der Dorpostenboote, meist früherer Fifchdampfer, denen man die notwendige Ausrüstung und Bewaffnung gegeben hat. Auch diese Männer können berichten von Manchem Gefecht mit feindlichen Seestreitkräf­ten und Flugzeugen. Der Feldzug im Osten mit der Abriegelung des Finnischen Meerbusens und der Besetzung von Oesel und Dagö, der Nachschub für die Front im äußersten Norden, der entscheidende Anteil der kleinen Fahrzeuge am Durchmarsch un­serer Schlachtschiffe durch die Straße von Dover find bezeichnende Beispiele für den Sondereinsatz der Sicherungsdienste.

Generaloberst Dietl.

DRV. Aus dem Führerhanptquartier, 6. Ium. Der Führer hat den Oberbefehlshaber einer Armee, General der Gebirgstruppen Dietl, -zum Generalobersten befördert.

*

P. K. Generaloberst Dietl entsproß einer alt- bayerischen Familie, in deren Sippe sich auch der urbayerische Hauptmann und Kasernenvorsteher Ni­kolaus Dietl im Jahre 1765 in Ingolstadt findet. Dietl wurde am 21. Juli 1890 in Bad Aibling ge­boren. Seine Mutter lebt, ausgezeichnet mit dem Goldenen Parteiabzeichen, heute in München. Schul­ung Lernjahre in Aibling und Rosenheim brachten dem jungen Dietl 1909 das Reifezeugnis. In Bam­berg trat er in das 5. bayerische Jnf.-Regt. ein und zog als Adjutant des 1. Bataillons in den Welt­krieg. Seine beiden Brüder fielen an der Front.

Schmach und Niedergang feines Vaterlandes töte­ten in ihm das soldatische Bewußtsein nicht. Bereits im April 1919 stand er im Freikorps Epp und 1920 wurde er Kompanieführer im neuaufgestellten In­fanterieregiment 19. Schon damals lernte er den Führer kennen und wurde Nationalfozialist. Jn- fanterieschule Königsbrück, Repräsentant des Heeres bei internationalen Schiveranstaltungen,heeresberg- führer-Kurse in Oberstdorf, im Großglocknergebiet und Stubai waren Etappen feines Lebens bis zur Machtergreifung. 1935 wurde er Kommandeur des Gebirgsjäger-Regiments 99. Kempten und Füssen erlebte er in glücklichen Friedensjahren.

1938 wurde er an Stelle des plötzlich verstorbenen Generals Nisfl Kommandeur der 3. Gebirgsdivision. Narvik ließ bann seinen Namen für die Welt zu einem Begriff werden. In der Reichstagssitzung vom

19. Juli 1940 gab der Führer ihm als ersten Sol» datey der Wehrmacht das Eichenlaub zum Ritter­kreuz. Dietl führte damals bereits das neuaufge» stellte Gebirgskorps Norwegen in Drontheim, mit dem er zunächst in Nordnorwegen, später im Raum von Kirkenes lag. Am 29. Juni 1941 trat das Korps Dietl an der äußersten linken Flanke am nördlichen Eismeer-zum Kampf gegen die Sowjets an. In der vegetationslosen Tundra mit offener Südflanke und ständiger Bedrohung von der Seeseite her haben die Jäger Dietls die Front gegen jeden Gegner ge­halten. Mitten im Winterkrieg wurde ihm die Füh­rung des Armeeoberkommandos Lappland und da­mit der gesamten in Nordfinnland stehenden beut» schen Truppen und starker finnischer Verbände über­tragen.

Japanische Eeestreitkräste beschossen Sydney.

Stockholm, 8. Juni. (DRV. Funkspruch.) Rach englischen und amerikanischen Weldungen wurden am Sonntag die Vororte von Sydney und Rew- Eastle von japanischen Seestrettkrästen beschossen. Die Beschießung hat nach dem vor einigen Tagen gemeldeten Eindringen von japanischen U-Booten in den Hasen erneut die australische Be­völkerung stark beunruhigt, so - sich die offiziellen Stellen genötigt sahen, in ihren Rachrichten zur Beruhigung der Massen mitzu­teilen, die Verluste seien nicht hoch.

Aus dem Reich.

Ehrungen Lenards.

In der^Aula der Universität Heidelberg wurde der große Physiker Geheimrat Professor Lenard zu seinem 80. Geburtstag feierlich geehrt. Der Nektar der Universität, Staatsminister Dr. Schmitthenner, würdigte Lenard als deut­schen Forscher und nationalsozialistischen Kämpfer. Der einstige Schüler Geheimrat Lenards, Reichs­postminister Dr. Ohnesorge, feierte, seine um­wälzende Entdeckung der freien Elektronen, die zu­sammen mit der später erfolgten Entdeckung der Steuerbarkeit der Elektronen für die heutige Nach» richtentechnik von ausschlaggebender Bedeutung war. Durch die ihm gelungene Enträtselung des kalten leuchtenden Lichts schuf er die Grundlagen des Fernsehens. Dann überreichte der Rektor Geheimrat Lenard die Urkunde über die Verleihung der Würde eines E h r e n f e n a t o r s. Gleichzeitig erfolgte die Ueberreichung der Urkunde über die Verleihung der Würde des Ehrendoktorats der naturwissenschaft­lichen Fakultät der slowakischen Universität Preß, bürg durch drei Professoren der heimatuniversität Lenards. Es wurde auch ein Telegramm des Führers verlesen, in dem der Führer der großen Verdienste Lenards für die deutsche Wissenschaft und die technische Entwicklung sowie des national­sozialistischen Kämpfers gedachte und ihm sein Bild

Gundermann und Gisela.

Bon Hilde Fürstenberg.

Gundermann heißt eigentlich Friedrich,, er bekam seinen anderen Namen, als er noch ein kleiner Bursche von fünf Jahren war. Damals kam er sommertags immer über die niedrige Mauer ge­klettert, die unseren Heidehausgarten von seinem elterlichen Hofe trennte, stand barfüßig und nur mit einem Höschen bekleidet neben den malenden, lesenden, denkenden Leuten, die in unserem heide- haus ihren Sommerurlaub verbrachten und sich die stillen Erholungsstunden mit allerlei glücklichen Be­schäftigungen vertrieben. So-stand er einmal neben einer Staffelei und fragte:Onkel, was malst du?" und als er die Antwort bekam:Den Gundermann dort", da gefiel ihm dies so gut, daß er umher lief und sang:Gundermann, Gundermann!" Und hin­fort hieß er so.

Gundermann wurde ein hübscher, strammer Bursche, so ein rechter unverbogener Junge, man Halle viel Aerger mit ihm. Er' zog die Mädchen an den Zöpfen, er kletterte auf jeden Apfel- oder Birnbaum, auch wenn er nicht in seines Vaters Garten stand, er warf Scheiben ein und riß Hosen in Fetzen, er schlug sich wie ein gelernter Boxer und log, daß sich die Balken bogen. In der Schule war er ohne jeglichen Ehrgeiz, er rutschte mit Ach und Krach von einem Jahrgang in den anderen. Som­mertags stand er, am ganzen Körper braun wie eine Nuß, auf den Wiesen und wendete das Heu, er konnte schon mit zwölf Jahren einen Heuwagen laden wie ein Alter. Wie ein Cowboy ritt er die Gäule nach dem Außendeich, es machte ihm nichts aus, wenn sie ihn einmal abwarfen. Böses tat er nicht, aber niemand vermochte ihm Manieren bei­zubringen. Bis Gisela kam.

Gisela war vierzehn Jahre alt, hatte lange, hell­braune Zöpfe und ein schmales, feinefr Gesicht. Sie kam mit ihrem Vater in das Heidehaus, an jenem Tag stand Gundermann auf dem Hofplatz und spannte die Gäule ein. Er hielt mit seiner

Arbeit auf, als Gisela aus dem Postomnibus stieg und ihr haar und ihr Kleid ordnete. Sie sah hübsch aus, wirkte aber trotz ihres Dirndlkleides in der ländlichen Umgebung ein wenig fremd. Ihre Schürze war auch gar so weiß, die Bluse so schön gestärkt, und ihr Gesicht und ihre Arme waren gar nicht ein wenig braun, obgleich es doch schon hoher Sommer war. Gundermann stand und starrte sie an.3a, so ein Mädchen", dachte er wohl,das lohnte sich". Und plötzlich schwang er sich mit lautem Zuruf auf den Wagen und fuhr aus dem Hoftor.

*

Von da an bemühte sich Gundermann um eine ge­wisse Sittsamkeit. Täglich waren feine blonden, borstigen haare sorgfältig gebürstet, er trug sau­bere Sandalen an den Füßen und seine Zähne blitzten weiß. Wenn er in unser Heidehaus kam, kletterte er nicht mehr über die Mauer, sondern er kam durchs (Bartentor ordentlich auf dem Wege ent­lang. Er fragte auch hin und wieder, ob er uns eine Arbeit oder eine Besorgung abnehmen könne, und erfüllte mit Eifer, was man ihm aufgetragen. Zuweilen jedoch fiel er in feine alten Sünden zurück und kletterte auf anderer Leute Apfelbäume. Aber er tat es jetzt nicht mehr der Aepfel wegen, er tat es nämlich nur, wenn Gisela in der Nähe war, er gab ihr gewissermaßen eine Vorstellung und eine Probe von seinem Heldenmut. Und Gisela war empfänglich und dankbar, sie sah mit Entzücken zu ihm auf und redete nachher von feinen stolzen Taten. Versuchten die Burschen im Dorf, es Gun­dermann gleich zu tun, fo lächelte sie nachsichtig und sagte:Wie Gundermann ist keiner!"

Gundermann war übrigens alles andere als liebe­voll gegen Gisela, zuweilen war er direkt grob. Einmal hatte er sich eine höhle gebaut, und wäh­rend er am Tage beim heuen auf den Wiesen sein mußte, ging Gisela hin und besteckte und bepflanzte diese höhle mit Eichenzweigen und Heidekraut. Am Abend, als er kam, stand Gisela da und erwartete - Anerkennung, aber er sprang zornig auf seine höhle zu, riß den ganzen Schmuck die Zweige, die Blumen, die Girlande beim Eingang her­unter und schrie:So'n Mist! So'n Mist! Die

reinste Villa Sorgenfrei! Laß doch deine Finger von Dingen, von denen du nichts verstehst!" Gisela wurde rot und verlegen, aber sie schien dennoch nicht erschüttert zu sein, denn als ich am nächsten Tage sagte, es wäre sehr schön, wenn uns jemand eine Bank an den Himbeeren zimmern rpürbe, da entgegnete sie:Ich will es Gundermann sagen."

Tut er denn das?" fragte ich verwundert.

Er tut alles, was ich sage", erwiderte sie und wurde rot wie eine Tomate.

Und tatsächlich machte Gundermann die Bank. Ach, er tat noch viel mehr: er brachte eine Schaukel an hoch oben in der Eiche, er besserte Schuhe aus und flickte das Fahrrad, er holte Wasser vom Brunnen und hackte Brennholz, er klopfte Teppiche und jagte seine eigenen Hühner mit wilden Stein­würfen aus dem Heidehausgarten. Gisela nahm dies alles lächelnd entgegen, sie herrschte über ihn wie eine kleine Königin.

* t

Jahrelang änderte sich nichts zwischen den beiden, sie begegneten einander und trennten sich wieder, und es schien, als dächten sie nicht aneinander, wenn sie sich nicht sahen. Aber dann ereignete es sich, daß an einem Augusttag ein Lastwagen vor un­serem Nachbarhofe hielt, junge Soldaten spran­gen herunter und füllten de« Hofplatz mit Rufen und Lachen. Gisela und ich traten vor die Türe und sahen hinüber, da kam Gundermann plötzlich über die Mauer.

Gisela", rief er,wie schön, daß ich dich treffe."

Ja", erwiderte ich,du hast Glück, Gundermann. Aber du haft noch mehr Glück, die Himbeeren sind reif. Geh mit Gisela und hole dir welche."

Sie gingen, und ich sorgte dafür, daß es eine Weile dauerte, ehe man sie suchte. Da saßen sie auf der Bank auf jener Bank aus dem Kinder­land und sahen ohne Worte auf die Bohnen­beete zu ihren Füßen. Als ich kam, lösten sie ihre Hände schnell voneinander.

Eine Weile später kletterten die Soldaten wieder auf den Lastwagen, Gisela reichte Blumen und die ersten Augustäpfel hinauf. Gundermann bekam einen Zweig von den Himbeeren und steckte ihn , Lasch in die Rocktasche. Ehe der Wagen fuhr, bekam

er noch einmal des Mädchens Hand heimlich in frte seine.

Wirst du auf mich warten?" fragte er.

Sie nickte. Der Wagen fuhr, und wir winkten.

Frau Gundermann?" sagte ich lächelnd und zog Gisela ein wenig am Ohr. Da glühte sie wie eine reife Himbeere und lief schnell ins Haus.

Das neue Znselfchiff.

VomIn s el s chi ff", frer Zeitschrift für die Freunde des Insel-Verlags zu Leipzig, ist ein neues, sehr inhaltreiches und anregendes heft er­schienen. Aus dem Buche deutscher Reden unb Rufe vernehmen wir die Stimme des Feldherrn von Frundsberg bis Blücher. Aus freu demnächst erscheinendenTagebüchern aus der Frühzeit" von Rainer Maria Rilke, die von allen Freunden des Dichters lebhaft begrüßt werden dürften, findet man eine fo merkwürdige wie aufschlußreiche Probe aus der Florentiner Zeit. Aus dem ersten Bande der neuen Stifter-Ausgabe bringt das heft eine während der Französischen Revolution spielende tragische Liebesgeschichte. Mit neuen Gedichten be­gegnen uns Carossa, Otto Freiherr von Taube unfr Eberhard Meckel. Ein kulturgeschichllich sehr inter- essaizter Beitrag ist Ilse Schunkes Arbeit über den Augsburger Buchbinder Jakob Krause. Aus dem kommendenBuch deutscher Briefe" lieft man eine amüsante Probe von G. Chr. Lichtenberg, dem aus Oder-Ramstadt bei Darmstadt gebürtigen Göttinger Mathematikprofessor, dessen Aphorismen und Sa­tiren in der deutschen Literatur berühmt wurden. Ein neuer Roman des flämischen Dichters Felix Timmermans, der in Gießen viele Freunde hat, führt als Chronik der Familie hernat- vom 18.. ins 19. Jahrhundert: ein Stück daraus istDie Er­oberung des Rentmeisters". Ebenso nützlich und zeitgemäß wie appetitanregend ist Otto Nebelthaus TraktatLieber den Umgang mit Kohl" aus dem JnselbändchenMein Gemüsegarten" zu lesen. Die Ausstattung des Heftes ist noch immer fo sorg­fältig unfr untadelig, wie man es aus Friedens­zeiten gewohnt ifc