gefunden worden feien, hat der Polizist mit Sicherheit angeben können, daß die Person Oemer Tokat gewesen sei. Kornilow und Süleyman habe er schon vorher vom Sehen gekannt. Beide hatten behauptet, die anderen Angeklagten gar nicht zu kennen und von ihnen aus provokatorischen Gründen in diese Affäre verwickelt worden zu sein. Zu dem zweiten Verhandlungstag des Prozesses am Mittwoch hat die sowjetische Regierung einen Beobachter in einem Sonderflugzeug entsandt. Ohne Zweifel ist man in Moskau über das Mißliche der Rolle, die die beiden angeklagten russischen Staatsangehörigen Kornilow und Pawlow gespielt haben, sehr erregt, auch hat man nicht damit gerechnet, daß dieser Prozeß eine derartige Beachtung in der türkischen Oeffent- lichkeit finden würde.
Kleine politische Rachrichte».
Der Führer hat dem krootischen Feldmarschall Slavko K w a t e r n i k das Großkreuz des Deutschen Adlerordens verliehen.
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Eine Zusammenkunft der japanischen Gesandten aus Ankara, Sofia und Budapest, an der auch der japanische Botschafter in Berlin, Oshima, teilnehmen wiro, ist für den 11. April nach Sofia einberufen worden.
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Der türkische Botschafter in Berlin, Gerede, hat Ankara verlassen, um sich wiederum an seinen Dienst, ort zu begeben.
Der ägyptische König verließ Jerusalem in Richtung Aman, um Emir Abdullah von Transjordanien einen Besuch abzustatten.
Der Richter am Bundesgerichtshof in Neu-Delhi, Zafrullah Khan, früher Mitglied des Exekutivrats des englischen Dizekönigs, wurde mit dem Titel „Generalagent für Indien in China" zum ersten Vertretet Indiens bei Tschiangkaischek ernannt.
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Finnische Truppen haben am 2. April die Insel Suur-Tytärsaari, südlich der kürzlich eingenommenen Insel Suuarsaari, im Finnischen Meerbusen besetzt und zwei feindliche Gegenangriffe zurückgeschlagen.
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Japanische Streitkräfte befreiten auf der Insel Nias an der Nordwestküste Sumatras 66 deutsche Männer und Frauen, die dort von den Holländern interniert waren.
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Reichsverweser-Stellvertreter Stephan von Horthy richtete an die ungarische Jugend einen Aufruf, sich zur Fliegeroffizierausbildung zu melden. „In der Vergangenheit", so heißt es in dem Aufruf, „waren die Ungarn eine Reiternation, in Zukunft werden sie eine Fliegernation sein. Die glorreichen Luftkämpfe von 1941 in der Ukraine erwarben den ungarischen Fliegern überall Ehre und Anerkennung.
Kunst und Wissenschaft.
G. 2L Schlemms „heldische Ouvertüre" in der Berliner Äolksoper.
Nicht nur die Bezeichnung „Heldische Ouvertüre" für das knapp formulierte und gedrängt aufgebaute Orchesterwerk Gustav Adolf Schlemms, sondern auch ihr thematischer Gehalt und ihre kontrastreiche Tonsprache zeigen die engen Beziehungen des Komponisten zum Bereich dramatischer Musik. Ein rhythmisch bestimmtes Thema, von einer zarteren, gesangoollen Gegenmelodie kontrapunktiert, trägt das Werk, das eine Entwicklung in die Breite vermeidet und dadurch die Bedeutung eines musikalischen Auftaktes unterstreicht. Erich Orthmann und das Orchester der Berliner Volksoper boten bei der Uraufführung in einem Symphoniekonzert eine so überzeugende Wiedergabe, daß der Komponist verschiedentlich für die Anerkennung des Hauses danken konnte. Lothar Band.
Limesforscher Prof. Dr. Ernst Fabricius gestorben.
Im Alter von 84 J«hren ist der um die Erforschung des Römischen Grenzwalles (Limes) verdiente Geh. Rat Universitätsprofessor Dr. Ernst Fabricius in Freiburg i. Br. gestorben, wo er seit 1888 das Fach der Alten Geschichte vertrat. Fabricius war 1857 in Darmstadt geboren, er besuchte die Universitäten Bonn und Straßburg, machte Studienreisen nach Italien, Griechenland und Kleinasien, habilitierte sich 1886 in Berlin und kam 1888 als Ordinarius nach Freiburg. Seit 1902 war er Vorsitzender des Geschäftsführenden Ausschusses der Reichs-Limes-Kommission. Zahlreiche seiner Arbeiten beschäftigen sich mit der Limesforschung. Der Verstorbene war auch Mitglied der Zentraldirektion des Archäologischen Instituts und zahlreicher wissenschaftlicher Gesellschaften, ferner Ehrendoktor der Philosophie und der Rechte.
Aus der Siad< Gießen.
Er macht sich nützlich.
Das ist so mit den Männern — sie müssen immer etwas unter den Händen haben. Sie müssen sich nützlich machen, wie sie es nennen. Sie können es nicht lassen.
Man muß doch bedenken, daß sie schließlich keine Ruhe und Muße und keine Gemächlichkeit haben, wenn sie auf Urlaub kommen. Ja, und nun werden sie, kaum daß sie den Tornister abgelegt und das Koppel abgeschnallt haben, sich die Schlummerrolle bequem untern Kopf legen, nicht wahr, und sich lang machen? Na ja, auch das werden sie tun, wie sie es verdient haben, die ersten Tage werden sie sich Ruhe gönnen und es sich bequem machen, natürlich. Aber auf die Dauer Däumchen drehen, nein, das ist nichts für die Männer. Und da nehmen sie alsbald wieder etwas zur Hand.
„Ich gucke eben mal in den Laden rein", sagt so ein Mann, ein Feldgrauer auf Urlaub, und dann geht er in den Laden, nach seiner alten Arbeitsstätte und sieht sich dort um. Man soll sich nicht wundern, wenn es nicht beim Umgucken bleibt, wenn der Mann wieder zugreift, sich wieder ein
verdunkelungszeit:
8. April von 21.07 bis 6.10 Uhr.
bißchen in seinem Fach zu schaffen macht, in seiner Arbeit. Du lieber Himmel ja, er hat manchesmal darüber lang und. breit räsonniert, doch das war nur so obenhin, man kennt das ja. In Wirklichkeit liebt der Mann seine Arbeit.
Oder er macht sich zu Hause zu schaffen. Gewiß, zuerst geht er vielleicht seinen Liebhabereien nach, den Dingen, an die er ein Stückchen seines Herzens gehängt hat, die er mit Fleiß und Sorgfalt sammelt, seinen Briefmarken oder was er sonst mit Kennerschaft unter die Lupe zu nehmen pflegt. Aber schon fängt er an, sich nach einer praktischen Betätigung umzusehen. Möglicherweise gibt es da eine Stelle am Gartenzaun, die nicht so ist, wie sie sein soll, oder es wäre Holz zu hacken oder sonst etwas zu tun, was die Frau nicht kann, weil es Männerarbeit ist. Also werkt der Mann da herum, und er pfeift sich eins dabei.
„Aber Mann!" sagt die Frau, „du hast doch Urlaub." Allemal hat er das, doch soll das heißen, daß er den lieben langen Tag mit nichts weiter beschäftigt ist als Urlaub zu haben? Soll er vielleicht .rote ein Pascha da herumliegen, die Hände überm Bauch, indes die Frau genüg zu tun hat? Nein, der Mann auf Urlaub hämmert und hackt oder gräbt seinen Garten um. Er macht sich nützlich. Er muß etwas unter den Händen haben. Auch das gehört zum Zu-Hause-sein.
Schön. Aber darum gibt es doch die guten, stillen Stunden, in denen er mit der Frau und den Kindern beisammen ist, Stunden, die ganz ausgefüllt sind von dem Glück, daheim zu sein bei den Seinen. Und andere Stunden, die den guten Freunden und Nachbarn gehören — gewiß, gewiß. Doch sonst, nichts weiter als Zeit verkonsumieren, also das liegt den Männern nicht. Sie machen sich auf nützliche Weise etwas zu schaffen.
Tz, tz, sagen die Frauen und schütteln die Köpfe. Aber wenn man es genau bedenkt — eigentlich machen sie es auf ihre Art genau so. H. J. T.
Sprechstunde des Kreisleiters.
Die Sprechstunde des Kreisleiters findet am Donnerstag, 9. 4.1942, nachmittags von 15 bis 17 Uhr, in Gießen, Lonystraße 18, statt.
Amt für Agrarpolitik.
Die Sprechstunde des Amtes für Agrarpolitik findet am Donnerstag, 9.4.1942, nachmittags von 15 bis 17 Uhr, m Gießen, Lonystraße 18, statt.
Geburtsjahrgang 1924 zur Musterung für den weiblichen Arbeitsdienst.
Nach einer Mitteilung des Reichsminifters des Innern werden, im Anschluß an die Erfassung, die weiblichen Dienstpflichtigen des Geburtsjahrganges 1924 für den Reichsarbeitsdienst im Reichsgebiet in der Zeit vom 15. Mai bis 30. Juni 1942 gemustert werden. Die hierfür schon bisher bestandenen Bestimmungen sind durch folgenden Zusatz ergänzt worden: „Wird einer Braut, deren Verlobter gefallen oder üls Nichtangehöriger der Wehrmacht hei besonderem Einsatz auf Grund eines staatlichen Be- fehls oder als Opfer der Arbeit unerwartet gestorben ist, im Wege der Namensänderung der Familienname des Verstorbenen gewährt, so ist sie wie eine Verheiratete zu behandeln. Sie ist also zum Erscheinen bei der Musterung nicht verpflichtet."
Gchaffendesammelu—Schaffende geben!
Hart war der Winter und schwer für Front und Heimat. Nun aber ist der Frühling da, die Gedrücktheit kalter, trüber Wintertage weicht neuen Hoffnungen und jungem Leben, das sich überall kräftig zu regen beginnt. Die Soldaten bemühen das Frühjahr in der festen Zuversicht, daß die Zeit der Abwehr, des schier endlosen Wartens in den Schneewüsten des Ostens zu Ende geht, daß der Führer sie bald rufen und zu neuen Siegen führen wird. Ebenso freut sich die Heimat der steigenden Sonne, die unsere bestellten Aecker fruchttragend macht und künftige Ernten verheißt.
Weder die Front, noch die Heimat haben Winterschlaf gehalten. In pausenlosen Kämpfen widerstand die Wehrmacht dem Feind, in einer Leistungsoffensive größten Stils spannten die Schaffenden daheim ihre Kräfte zum Aeußersten an, um der Front helfend zur Seite zu stehen, und so bezwangen Front und Heimat vereint den Feind und den Winter.
Es will darum fast symbolhaft scheinen, wenn die Frühlingssammlung der Deutschen Arbeitsfront für das dritte Kriegs-WHW. wieder unter dem Motto steht: „Schaffende sammeln — Schaf- fendegebe n." Haben sie bisher in den Fabriken, Kontoren, Gruben und auf den' Feldern ihren Willen zur Arbeit bewiesen, so betätigen sie ihn noch einmal durch diese soziale Tat.
Daß das WHW. feinen Sinn nicht in Sammel-- aktionen erschöpft, sondern in erster Linie zum sozialen Denken und Empfinden erziehen soll, daß eg niemals auf die Höhe des Betrages ankommt, sondern viel mehr auf die Gesinnung, mit der er gegeben wurde, haben gerade die Schaffenden unseres Volkes verstanden; kein Wunder also, wenn sie sich für die Sammlung ihrer Organisation, der Deutschen Arbeitsfront, so einmütig zur Verfügung stellen. Wie in den vergangenen Jahren werden sie alle wieder die Büchsen zur Hand nehmen, die Vertreter der Reichsstellen, der Gau-, Kreis- und Orts- waltungen der DAF.; die NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" setzt ihre Spiel- und Singscharen auf Straßen und Plätzen ein, die Werkscharen, die Feierabendorganisation, das Volksbikdungswerk, das Amt für Schönheit der Arbeit, jedes Amt der großen Organisation stellt sich in den Dienst der guten Sache, und nicht zuletzt die Betriebe! Nachdem sie unter sich gesammelt haben, gehen Betriebsführer und Gefolgschaft mit den Sammelbüchsen auf die Straße.
Die Schaffenden sammeln, und jeder Schaffende gibt und wird der Welt durch die Tat beweisen, daß soziales Denken kein leeren Wort im nationalsozialistischen Deutschen Reich ist.
Doch auch die Abzeichen selbst sollen nicht vergessen werden, sie sind so hübsch, daß sie Erwähnung verdienen. Blumen sind es, Heilkräuter. Sie sehen so natürlich aus, daß man meint, der Ginsterblüte
müsse Duft entströmen oder dem Tausendgüldenkraut ein Honigtröpfchen entquillen.
Es ist ein schöne. Symbol, daß gerade die Deutsche Arbeitsfront diese heilkräftigen Kräuter verkauft, lautet ihre schönste Aufgabe doch gleich der des Winterhilfswerkes: Heilen und Helfen!
Hier gelten auch Kupfermünzen!
NSG. Unsere Kupfermünzen sind bekanntlich außer Kurs gesetzt und werden nur noch von den Banken umgetauscht. Gar mancher Volksgenosse wird wegen weniger Pfennige den Weg zur Umtauschstelle scheuen. Am kommenden Samstag und Sonntag aber bietet sich noch einmal Gelegenheit zu nutzbringender Verwendung. Wenn die Deutsche Arbeitsfront für das Kriegs-Winterhilfswerk des deutschen Volkes sammelt, — gebt auch die Kupfermünzen!
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Kriegs-WHW.-Slrahensammlung mit Heilpflanzen. Bei der 7. Reichsstraßensammlung für das Kriegs- WHW. am 11. und 12. April werden den Spendern Nachbildungen von 20 deutschen Heilpflanzen überreicht, die von der Kunstblumenindustrie in Sachsen und im Sudetenland hergestellt wurden. Sie werden viele Volksgenossen mit wichtigen Heilpflanzen bekannt machen, die ihnen sonst nur dem Namen nach bekannt sind. — (Scherl-Bilderdienst-M.)
Oie besonderen Nationen für werdende Mütter und Wöchnerinnen.
Der Reichsernährungsminister hat zu der teilweisen Herabsetzung der Rationen an Brot, Fleisch und Fett, wie sie mit Wirkung vorn 6. April 1942 bestimmt worden ist, die erforderlichen Anweisungen getroffen, um weiterhin den besonderen Anforderungen bestimmter Verbrauchergruppen gerecht zu werden. Nach diesem neuen Erlaß werden für werdende und stillende Mütter sowie Wöchnerinnen die Nährmittelzulage auf täglich 100 Gramm festgesetzt. Die den werdenden Müttern, Wöchnerinnen und stillenden Müttern gegebene Möglichkeit, vom 7. Monat der werdenden Mutterschaft an bis sechs Wochen nach der Entbindung statt Nährmittel auf Antrag Butter zu beziehen, bleibt aufrechterhalten. Das Umtauschverhältnis wird auf 200 Gramm Nährmittel zu 125 Gramm Butter wöchentlich festgesetzt. Allgemeine Krankenhäuser bekommen gleichfalls weiterhin pauschale Höchstzuschläge von Fleisch und Fleischwaren. Dieser Zuschlag wird auf 10 Gramm für einen Krankenverpflegungstag festgesetzt. Bei Tuberkulose-Heilanstalten beträgt der Zuschlag 40 Gramm Fleisch ober Fleischwaren je Krankenverpflegungstag. Vegetarier, die das sechste Lebensjahr vollendet haben, können unter Verzicht auf den Fleischbezug, wie der neue Erlaß weiter bestimmt, wöchentlich 100 Gramm Nährmittel, 62,5 Gramm Butter und 75 Gramm Quark zusätzlich erhalten.
Im Gommer leichtes Gchuhwerk.
Im Frühjahr und Sommer des vergangenen Jahres ist erfreulicherweise von der Bevölkerung, insbesondere den Frauen und Kindern, bevorzugt leichtes Schuhwerk mit Holzsohlen getragen worden. Dadurch war es möglich, die festen Straßenschuhe für die kalte und feuchte Jahreszeit einzusetzen. Auch in diesem Frühjahr und im Sommer wird der Käufer wieder auf leichtes Schatzwert mit Holzsohlen zurückgreifen müssen. Während die billigeren
Holzsohlenstraßenschuhe bezugscheinfrei sind, können die Schuhe höherer Preislagen und die anderen leichten Straßenschuhe nur auf Bezugschein II abgegeben werden. Bezugscheine II können im Som- merhälbiahr Verbraucher erhalten, die weniger als zwei Paar gebrauchs- oder ausbesserungsfähige Straßenschuhe besitzen. Die Wirtschaftsämter können sich durch Nachprüfung von der Richtigkeit der Angaben überzeugen. Wer den Kartenstellen gegenüber unzutreffende oder unvollständige Angaben über seinem Schuhbestand macht, wird bestraft. Es wird aber erwartet, daß die Verbraucher den Kriegsverhältnissen Rechnung tragen und Verständnis dafür aufbringen, daß die festen Straßenschuhe wieder für die feuchte und kalte Jahreszeit aufgespart werden und Bezugscheine I von den Kartenstellen im Sommerhalbjahr nicht ausgegeben werden können.
Gießener Dochenmarktpreise.
* Gießen, 8.April. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Markenbutter, % kg 1,80 RM., Matte 30 Rps., Käse, das Stück 8 bis 9, Kartoffeln, 5 kg 45, gelbe Rüben, kg 15, Unterkohlrabi 10, Zwiebeln 11, Blumenkohl, das Stück 64 Rpf.
Kleine WM"de"
mit HANSAPLAST
Nur einen Streifen abschneiden, die Gaze entfernen, und schon ist der Verband fertig.
elastisch
Effi
Der feurige Ofen
Roman von Hans von Hülsen
(Schluß.)
„Wenn er es doch —", beharrte sie selbstquälerisch. „Er hat doch damit gedroht — er spaßt nicht — er hat doch ausdrücklich von seinem Revolver — Jan! Das — das wäre von allem das Entsetzlichste!" Und fke warf ausweinend den Kopf an seine Brust.
Ein Schauer überlief nun auch ibn. Ja, das wäre allerdings das Entsetzlichste! — Aber er glaubte nicht daran, war ja Unsinn.
So gut es ihm gelingen mochte, tröstete er sie, mit allen Gründen der Vernunft redete er auf sie ein. Vielleicht weint sie auch ein bißchen um seinen Tod, dachte er geruhig. Das Menschenherz ist wunderbar. — Schließlich bat sie selbst ihn, wieder hinunterzugehen, sie könne jetzt unmöglich mitkommen, entstellt, wie sie aussehe, sie lege sich ein Weilchen hin, es werde ihr gut tun, nichts mehr von all dem Grauenhaften zu Horen —
Als Christian Fehr leise die Tür geschlossen hatte und die Treppe hinabstieg, sah er in der Diele den Landrat, dem Fabian eben aus dem Mantel half.
„Schöne Bescherung!" rief Ollendahl ihm entgegen. Sie wissen es schon, Baron?"
„Mein Schwiegersohn Wulflam brachte es eben —"
Die beiden schüttelten sich die Hände und gingen in den Wintergarten. Wulflam berichtete dem Landrat, wie er die Leiche gefunden, erklärte bestimmt, daß nach der Art des Einschusses an Selbstmord nicht zu denken sei.
„Aber, um Gotteswillen, — wer kann ihn denn erschossen haben?!" fragte Ollendahl. „Wer in aller Welt hatte dann ein Interesse, ihn so unmittelbar nach der Katastrophe zu beseitigen? Wollte man ihn vor den Folgen — schützen?!"
Plötzlich, als käme ihm eine Erkenntnis, ließ er die Augen zu Fehr hinübergehen.
„Verzeihen Sie mir eins Bemerkung, lieber
Baron. Wenn sich die Nachricht von Ihrem schweren Konflikt mit Abbeg herumspricht — ich weiß, sie hat sich bereits herumgesprochen —, dann wird sich möglicherweise augenblicklich ein Verdacht auf Sie konzentrieren. Verständlich, nicht wahr? Absurd — und doch verständlich! Und darum ist es gut, daß Sie Besuch hatten und also zu Hause waren. Ich meine, wegen des Alibis."
Christian Fehr lächelte.
„Ja, Sie haben recht, Herr Ollendahl. So kurios es klingt — ich kann sehr leicht in diesen Verdacht geraten. Um so leichter als ich um die fragliche Zeit nicht zu Hause war, wie Sie glauben, sondern ganz in der Nähe von Abbegs Villa —"
„2ld) nee!"
„Jawohl. Ich habe sogar den Schuß gehört, der Abbeg mutmaßlich getötet hat. Natürlich dachte ich in dem Moment an so etwas überhaupt nicht. — Abbeg schoß sich — sein Diener wird das ja wohl bestätigen, — mit der Pistole ein, für unser Duell, wie er das schon heute in der Frühe getan hatte. Er gab vier oder fünf Schüsse ab. Darauf entstand eine Pause, vielleicht lud er von neuem. Und dann fiel ein einzelner Schuß, der mir auch anders klang. Ich nehme jetzt an, dieser Schuß hat ihn getötet.
„Ist ja höchst interessant!" rief der Landrat: „Das wird ja die Mordkommission ganz außerordentlich interessieren! Sie ist schon unterwegs, ich habe sie sofort beordert ... Aber haben Sie irgendeine Ahnung, wer der Täter sein kann?"
Fehr zögerte einen Augenblick, indem er mit dem Einglas spielte.
„Vielleicht--", sagte er.
Doch Ulla, die mit allen Zeichen der Unruhe diesem qualvollen Gespräch gefolgt war, und immer abwechselnd den Vater und ihren Mann angesehen hatte, schnitt ihm mit Energie das Wort ab:
„Du meinst den alten Glumm-Theo, Papa. — Ich nenne den Namen ganz offen, damit du nicht wieder auf die Idee kommst, ihn nicht anzugeben, wie damals, als er auf dich schoß! — Wir haben hier im Dorf einen alten Halbverrückten, Herr Landrat, der an religiösem Wahnsinn leidet und immerfort Predigten über das ^Jüngste Gericht"
hält. Ein gewisser ©lumm, ein alter Meister aus der Sophienau, als sie uns noch gehörte. Der hat einen Haß auf Papa, weil er durch den Besitzwechsel ums Brot gekommen ist. Und auch, weil sein Sohn wegen Wilddieberei ... ah, Sie wissen davon! Und in seiner Verrücktheit hat er meinen Papa vor einigen Wochen im Walde an'geschossen. — Hättest du es damals angezeigt, Papa, dann ..."
Fehr erhob die Hand, damit sie schweige.
„Meine Tochter hat leider recht, Herr Ollendahl", sagte er: „Dieser arme Narr ist vermutlich der Täter. Ich selber habe ihn vorhin seine drohenden Reden schwingen hären. Die Polizei wird gut tun, ihn sofort festzunehmen und sich vor allem seiner Flinte zu. versichern, damit man sehen kann, ob die tödliche Kugel dazu paßt. Woran ich keinen Augenblick zweifle. Solche Sektierer haben immer die Neigung, sich für die Vollstrecker der ewigen Gerechtigkeit zu halten. Manchmal sind fie’s — aber das kann die irdische Gerechtigkeit nicht interessieren."
Ollendahl brach auf, um unverzüglich das Nötige zu veranlassen. Wulflam begleitete ihn auf seinen Wunsch zur Direktorvilla.
„Bleib bei mir. Ullakind —", bat Fehr. „Und dein Mann kommt vielleicht zum Abendbrot und bringt mit, was sich inzwischen ergeben hat?"
Er faßte die Tochter unterm Arm und zog sie, während draußen das landrätliche Auto davon- brauste, ins Herrenzimmer hinüber. Die Dämmerung des Apriltages war eingefallen. Er schloß die Vorhänge, als zöge er 'damit eine trennende Wand zwischen diese Zelle und die wilde Welt, und entflammte die Lampen in der Galerie. Arm in Arm gingen sie auf und und nieder in dem Licht, Das von den Spiegelscheiben der Vitrinen und den Hunderten von blanken und bunten Gläsern zauberhaft zurückgeworfen wurde.
„Ja, Kinder! —", sagte Fehr, vor den Schränken stehenbleibend und sich in den Anblick der vielen Kostbarkeiten träumerisch verlierend: „Solche schonen Sachen wird die olle ehrliche Sophienau nun nie mehr machen. Schade drum! ... Weißt du, wie ich jo fcaftanfy heute Vormittag, und den Flammen und
dem Rauch zusah, die alles zerstörten, was wir Fehrs gebaut, da hab' ich immer einen Vers aus Goethes „Pandora" im Sinne gehabt: „Dies brenne nieder! Schöner baut sich's wieder auf!" — Leider nur ein Traum", setzte er mit einem leisen Seufzer hinzu.
„Wer weiß, Papa?" Ulla preßte zärtlich feinen Arm: „Wer weiß? Vielleicht haben die falt rechnenden Konzernleute in Dresden genug von dem kostspieligen Experiment? Hast du mir nicht selbst erzählt, was der Generaldirektor dir gesagt hat: daß sie es nie unternommen hätten, wäre nicht der unselige Abbeg die treibende Kraft gewesen —? Vielleicht verkaufen sie jetzt."
„Kann sein. Aber dann kauft es eben irgendein anderer Konzern. Ich selber kann es leider nicht."
Ulla warf einen raschen Schelmenblick zu ihm hinüber: „Kannst du es nicht, armer Papa? — Aber zum Glück hast du eine wohlhabende Tochter, die dir beispringen konnte ..."
„So? Ahnte ich ja gar nicht! Wirft Wulflams Dorfpraxis plötzlich so große Gelder ab?"
„Das gewiß nicht!" lachte Ulla: „Nein, der Segen kommt anderswoher. Ich habe dir im Trubel dieses Tages ja noch gar nicht erzählt, wie es in Dresden war, und vor allem von Tante Hermines sonderbarem Testament. Ich war mit Onkel Ernst auf dem Gericht, als es geöffnet wurde — ich sage dir, ich fiel nahezu in Ohnmacht, als ich die Summe horte, die mir — ausgerechnet mir! — die Tante vermacht hat! Damit können wir weit mehr kaufen als die Trümmer der Sophienau!"
Und sie ließ den Vater plötzlich los und schlang ihm die Arme um den Hals.
„Und dann ist alles gesühnt und versöhnt und wird wieder gut!“
Fehr lächelte mit gefeuchteten Augen über ihren Kopf hinweg. Bewegt ruhte sein Blick auf den vielen kunstreichen Gläsern, die ihm so lange das Glück seines einsamen Lebens gewesen waren ... bis das wirklich warme Menscbenglück wieder ju ihm kam.
„Gesühnt, versöhnt und wieder gut —wieder* holte er leif&


