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(92. Jahrgang Nr. 8l

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Alle Vorbereitungen zum entscheidenden Schlag getroffen." Oie Sowjets haben im Winterfeldzug ihre strategische Unfähigkeit bewiesen.

Madrid, 7. April. (Europapreß.) In einer Be­trachtung der Lage auf dem östlichen Kriegsschau­platz schreibt das parteiamtliche BlattArriba": Wie konnte der sogenannteGeneral Winter", auf den die Alliierten alle ihre Hoffnungen setzten, den Bolschewisten helfen? Glaubten die Sowjets wirklich, eine wohl organisierte und sicher geleitete Armee ließe sich durch planlose Vorstöße zurückwerfen? Oder man hätte der deutschen Stra­tegie mit der primitiven Kriegsmethode gegenüber« treten können? Während die Sowjettruppen sich verbluteten, habe die deutsche Führung in zäher Arbeit alle Lorbereitungen zum ent­scheid endenSch lag getroffen. Der Augen­blick sei nicht mehr fern, wo die europäischen Ar­meen einer besseren Zukunft entgegen­marschieren würden.

AuchAlkazar" weist darauf hin, daß die Sow­jets während der Winteroperationen ihre strategische Unfähigkeit bewiesen hätten, indem sie einen durch­schlagenden Erfolg von pausenlosen Massenangriffen erhofften. Tatsächlich hätten sie jedoch das Gegen- teil erzielt: ungeheure eigene Verluste, ohne Ein-

schließunasaktionen durchführen zu können.Die oolschewistische Heeresleitung", so stellt der Militär­kritiker des. Blattes fest,ist jeder neuen und originellen militärischen Idee un­fähig und hat nach alten Methoden mit Massen- angrifse-n wie eben ein treuer Schüler der materia­listischen Auffassung Massen sinnlos geop­fert. Nicht eine einzige größere Stadt konnte zu­rückerobert werden. Wohl aber wurden die eigenen Reihen dezimiert. Das deutsche Oberkommando da­gegen hat bewiesen, daß es klug und weise zu ope­rieren, seine Verstärkungen und Reserven für den richtigen Zeitpunkt, den die Welt bald ken­nen wird, richtig anzusetzen weiß. Die Bolschewisten dürften sich täuschen, wenn sie glauben, im bevor­stehenden Frühling bei ihrem Gegner auf leichte Waffen und die gleichen taktischen Ideen zu stoßen, die sie im vergangenen Sommer und Herbst kennen­gelernt haben. Die deutschen Worte Intensive Vorbereitungen' und .schnelle Schläge' haben bisher ihren Wert noch nicht verloren, und die Winterdefensive hat den Weg für neue Kräfte und Unternehmungen vorbereitet."

Die Cripps-Erklärung erneut verschoben.

Schanghai, 7. April. (Europapreß.) Die Presse­konferenz in Neu-Delhi, auf der Cripps eine Erklä­rung über den Indien-Plan abgeben wollte, und die von Dienstag vormittag auf Mittwoch verschoben worden war, ist jetzt wiederum, und zwar auf Donnerstag vertagt worden. Der Führer der indischen Moslem-Liga, D j i n n a h , hatte am Dienstag eine Besprechung mit Cripps. Vorher waren A z a d und Nehm wieder bei Cripps. United Preß" berichtet aus London, die Verhand­lungen in Neu-Delhi hätten am Montag bis spät in die Nacht hinein gedauert. Das Kriegskabinett habe Cripps neue Weisungen zukommen lassen. Diese würden bis zu dem Augenblick, wo man sie den indischen Führern zustellt, geheimgehalten.Daily Expreß" will wissen, daß die neuen britischen Wei­sungen nichts anderes seien als die Annahme der indischen Vorschläge. Weiter seien neue Versicherungen für die Anerkennung Indiens als Dominion nach dem Kriege gegeben worden. Gleich­zeitig wären weitgehende Zugeständnisse für die neue indische Regierung in Aussicht genommen. Man glaubt in London, daß, um die Probleme aus der Welt zu schaffen, folgende Vorschläge gemacht wur­den: 1. Die Ernennung eines nationalindi­schen Verteidigungsmini st ers, jedoch unter der Bedingung, daß die Verteidigung Indiens als ein Teil des gesamten alliierten Kriegsplanes gewertet werde; 2. neue Garantien für den D o - minion-Statut; 3. die Ernennung eines In­

ders im britischen Kriegskabinett und im Pa­zifik-Kriegsrat.

Ader obwohl England dem Allindischen Kongreß angeboten hat, den Posten des Verteidigungs­ministers mit einem Inder zu besetzen, soll der Ar­beitsausschuß nach wie vor den britischen Plan a b - lehnen.Svenska Dagbladet" berichtet aus Lon­don, daß von nordamerikanischer Seite ein kräftiger Druck auf die indischen Politiker ausgeübt wird. Allerdings hätten die Besprechungen von Roosevelts Sonderabgesandten Oberst Johnson mit A z a d und Nehm offenbar nicht zu befriedigenden Er­gebnissen geführt, da der Brief des Präsidenten Roosevelt, den Johnson mitsührt, bisher noch nicht habe übergeben werden können. Im übrigen rechne man auch damit, daß General W a v e l l Bespre­chungen mit dem Moslemführer Djinnah haben werde. Man habe in London den Eindruck, daß die Einwendungen der Kongreßpartei, gegen einige Punkte der britischen Vorschläge unumstößlich seien. Diese Hindernisse für ein britisch-indisches Zu­sammengehen könnten doch vielleicht durch eine Interimslösung umgangen werden. Man könne es der Zusammenarbeit unter den indischen Parteien während der nächsten Monate überlassen, zu einer praktischen Lösung zu kommen. Auf diese Weise hoffe man, wenn auch nicht theoretisch, so doch praktisch den britischen Standpunkt durchzu- drücken.

Die USA.

können auf die Knie gezwungen werden."

Jlordamerikanische Stimmen zur Lage im Pazifik.

Lissabon, 8. April. (Europapreß.) Ein pessi­mistisches Bild von der Lage der Alliierten im Pazi­fik gibtChristian Science Monitor". Die Seerouten der Alliierten seien durch die Be­setzung der Andamanen gefährdet worden, alle An­zeichen deuteten darauf hin, daß die Verbindungen der Vereinigten Staaten und Englands mit Austra­lien und die Versorgungsrouten her Alliierten für die Sowjetunion und China weiteren Gefahren aus­gesetzt sein würden. Die größte Gefahr für die Alliierten seien die Ueberraschungsangrisse der Ja­paner. Die Flotte und die Luftwaffe Englands und der USA. würden jetzt auf die Probe gestellt, die Alliierten ständen vor einer schwierigen Aufgabe.

Auch die Lage in Burma sei sehr unerfreulich. Es habe sich wieder einmal gezeigt, daß die Alli­ierten bei weitem nicht genügend Flugzeuge hätten einsetzen können. Die heftigen Luftangriffe auf Mandalay zeigten, daß die Japaner jetzt zum großen Schlag gegen Burma aushol- ten. Nach den letzten Berichten von der Burmafront zögen sich die Alliierten in allen Kampfabschnitten zurück, auch die unter dem Befehl des amerikanischen General Stilwell stehenden chinesischen Streitkräfte hätten Einbußen erlitten und schwere Geländever­luste hinnehmen müssen.

Auch auf dem philippinischen Kriegs­schauplatz werde die Ueberlegenheit der Japaner immer deutlicher. Die Kämpfe der letzten vier Tage hätten gezeigt, daß die Amerikaner den Küsten - strich nicht halten könnten, da sie zu wenig Truppen und zu wenig Artillerie besäßen. Auch an Flugzeugen mangele es. Die Wucht der Kämpfe auf der Bataan-Halbinsel habe zugenommen, die einzige Hoffnung, die den Truppen General Wainrights bleibe, sei ein Umschwung in der Wetterlage. Nur dadurch könne das Schicksal der völligen Beherr­schung durch die Japaner von den Philippinen ab­gewandt werden.

,Hetzt müssen die USA. umihrLebenkämp- fen", schreibt auch die USA.-Wochenzeitschrift L i f e". Die USA. hätten zum ersten Male erfah­ren, was der Krieg auf eigenem Boden bedeute, als die deutschen U-Boote im Februar die Insel Aruba in der Karibischen See angriffen. Da­mals seien die wichtigen Oelraffinerien beschossen und durch Torpedotreffer eine Reihe von Tankern versenkt woiÄen. Dieser deutsche Angriff auf die Westindischen Inseln sei zeitlich mit dem japanischen Vormarsch durch Ostasien zusammengefallen und habe wie ein höchster Alarm aus den Amerikaner

gewirkt. Viele Stimmen hätten sich gleichzeitig er­hoben, um die Öffentlichkeit der USA. immer lauter vor den Gefahren der Selbstzufriedenheit zu war­nen. Ein USA.-Diplomat habe gesagt:Amerika kann auf i) i e Knie gezwungen werden." Aus allen Gesprächen der Abgeordneten habe tiefer Pessimismus gesprochen. Selbst Roosevelt habe ein­gestanden, daß die Armee und Kriegsmarine der USA. nicht mit jeder Gefahr, die sich möglicher­weise biete, fertig werden könne. Die Amerikaner be­fänden sich tatsächlich in einem Kampf um ihr Leben. Japan und Deutschland seien nahe daran, die See- herrschäft zu erringen, mit deren Hilfe sie den Alliierten einen niederschmetternden Schlag ver­setzen könnten. Falle dieser Schlag bald, das heiße, bevor man in den USA zum Kampfe gerüstet sei, dann hätten die Achsenmächte auch schon den Sieg errungen.

Gegenromantische Projekte".

Argentinien und Chile für Frieden mit allen Nationen.

Buenos Aires, 8. April. (Europapreß.) Der chilenische Außenminister Jarpa betonte bei einem Bankett in Santiago, daß feine Regierung die tradi­tionelle Außenpolitik Chiles, die für $ rieben und Harmonie mit allen Nationen ar­beite, fortsetze und auf der unveränderlichen Grund­lage der Achtung der Rechte Chiles zu allen anderen Ländern freundschaftliche Beziehungen pflegen werde. Chile werde seine Solidarität mit den anderen ame­rikanischen Nationen imRahmeneigenerna- tionaler Souveränität aufrechterhalten. In seiner Antwvrtrede betonte der argentinische Außen­minister G u i n a z u in Erinnerung an feine Worte in Rio de Janeiro, daß man nicht zusammen gekom­men sei, um den Krieg vorzubereiten, sondern um den Frieden zu festigen. Diese Auffassung müsse auch weiterhin die Grundlage der Außen­politik Argentiniens darstellen. Argentiniens Ameri­kanismus sei loyal, jedoch sei sein Land an prak­tischen Lösungen und nicht an romantischen Projekten interessiert.

Neger-Freiwillige in der USA-Marine

Washington,^ April. (Europapreß.) Wie das Marinedepartement bekanntgibt, können sich Neger freiwillig als Reservisten für die Marinetruppe und den Küstenwachtdienst eintragen lassen. Man will Zerftörer und Patrouillenschiffe mit Negerbesatzung

einfetzen, die von weißen Offizieren und Unteroffi­zieren befehligt wird. Später können auch Neger zu Unteroffizieren befördert werden.

Geleiizüge ohne ausreichenden Schutz.

Berlin, 8. April. (DNB.) Während die eng­lisch-amerikanische Versorgungsschiffahrt in den Mo­naten Februar und März d. I. um rund 1,172 Mil­lionen BRT. dukch deutsche Seekriegsmaßnahmen geschädigt wurde, erlitt die Kriegsflotte Englands nicht minder schwere Verluste. In diesen 60 Tagen wurden durch die deutsche Kriegsmarine und die Luftwaffe vernichtet: 1 Kreuzer, 8 Zerstörer, 3 Kor­vetten, 4 Torpedoboote, 14 Motortorpedo- und Ka­nonenboote, 8 Bewachungsfahrzeuge und 6 Unter­seebootjäger. Beschädigt wurden 37 feindliche Kriegs­fahrzeuge, darunter 10 Kreuzer, 11 Zerstörer und 5 Unterseeboote. Vor allem handelt es sich um die Schiffsgattungen, die besonders im G e l e Li­sch u tz d i e n st standen. Nachdem schon fünf britische Schlachtschiffe, vier Flugzeugträger, 17 Kreuzer und über 90 Zerstörer, Korvetten und Geleitbvote ver­loren gegangen waren, muß England jetzt entweder seine Geleitzüge mit noch geringerem Schutz über den Atlantik fahren lassen, ober die USA. müssen aus ihrem beträchtlich geschwächten Flottenbestand Kreuzer und Zerstörer abgeben.

Oer neue Lustangriff auf Malta.

Berlin, 8. April. (DNB.) Montag abend lagen die Docks und Versorgungseinrichtungen von La Valetta eine Stunde lang unter schwerstem Bomben­hagel. Besonders schwer getroffen wurden die am Grand Harbour gelegenen Werke und Arsenale. Mehrere 1000-k§-Bomben schlugen im Gaswerk ein und verursachten unmittelbar bei den großen Gasometern starke Explosionen und Brände. Vier Reihen schwerer Bomben trafen die Tanks im Marsa Creek, dem westlichen Ausläufer des großen Handelshafens und lösten dort gleichfalls heftige Brände aus. Der S ch l a ch t h o f und die Kühl­häuser La Valettas, die für die Versorgung der Besatzung wichtig sind, erhielten schwere Treffer. Nach der Detonation mehrerer Bomben über den Kohlen­lagern wurde eine große Stichflamme beobachtet, der mehrere große Brände folgten. Gegen 18 Uhr erschienen Sturzkampfflugzeuge über den Be - feftigungen von Floriana und stürzten sich auf die Forts und Flakstellungen. Bomben schweren Kalibers betonierten in den Arsenals unb Kasernen ber stark befestigten Zitadelle. Mehrere Flakbatterien von Floriana stellten nach Volltreffern 'ihr Feuer ein. Der große Schwimmkran an dem DockJagb Creek" in der Nähe ber Staats­werften würbe gleichfalls von einer 1000-k^-Bombe getroffen. Bombentreffer beschädigten einen Zer­störer im Dock. Auch die Mauern sowie der Eingang zu den Docks erhielten schwere Beschädigungen.

Marschall Antonescu an der Ostfront.

Der ^rumänische Staatsführer Marschall A n t o « n e 5 c u verbrachte die Ofterfevertage inmitten der Soldaten an der Ostfront. Auf der Heimfahrt be­sichtigte er Feldlazarette, um sich über die Betreu­ung der Verwundeten zu unterrichten.

Unsere Kriegsmarine im Kampf um unser Recht.

Von Konteradmiral a. D. Karl Tägert.

Die Versenkung einiger brasilianischer Schiffe an ber amerikanischen Küste wirb von ber feindlichen Presse' als völkerrechtswidriges Vorgehen unserer Unterseeboote und als Grund für Vergeltungsmaß­nahmen bezeichnet. Die alten Redensarten tauchen wieder auf von dem bösen Deutschland, bas sich an ber Freiheit ber Meere vergreife, bas ben frieblichen Handel Neutraler störe.

Die Wut unserer Feinde, die Monat auf Monat Dutzende ihrer Handelsschiffe mit unermeßlichen Werten in den Fluten verschwinden sehen, ist be­greiflich. Aber wahrlich, nicht Deutschland ist schuld an der vernichtenden Schärfe, mit der heute . der Handelskrieg geführt wird. Deutschland hatte bei Kriegsbeginn durch seine Prisenordnung größte Schonung der Neutralen verfügt, freie Fahrt für alle neutralen Schiffe und Güter, abgesehen von wirklichem Kriegsmaterial. England antwortete hier­auf mit einer Banngutliste, die kaum noch irgend­welche Güter frei ließ. Gegen jedes Völkerrecht führte es eine Verkehrssperre für die ganze Nordsee ein. Winston Churchill, damals Erster Lord der Ad­miralität, ließ ferner sämtliche Handelsschiffe be­waffnen.

Von Deutschland kam die ernste Warnung an England, auf diesem Wege nicht weiter sortzuschrei- ten. Entsprechend der Weisung des Führers war Deutschlands Vorgehen nur gegen die bewaffnete feindliche Macht gerichtet. Wenn England feine Han­delsschiffe armiere, bann erweitere es bamit ben Kreis ber Personen, bie als Kriegführende allen Ge­fahren des Krieges preisgegeben sind. England hat sich nicht an diese Warnung gekehrt. In frivoler Weise berichten englische Zeitungen über Schieß­übungen, die auf englischen Passagierdampfern gegen deutsche Unterseeboote darstellende Holzkisten abgehalten wurden, über den Jubel der Fahrgäste, wenn recht viele von diesenHunnen" vernichtet wurden. Nach wie vor wurde aber von dem deut­schen U-Bovtkommandanten erwartet, daß er sich streng an das Londoner Protokoll von 1936 halte, das er ein Handelsschiff nicht versenke, ohne vorher bie Besatzung an einen sicheren Ort gebracht zu haben. Niemanb fragte danach, ob ihm ber Handels­dampfer dazu noch Zeit lasse, ob er nicht schon vor­her den Deutschen, der so gefügig warten sollte, niedergeknallt oder gar gerammt habe.

Wenn Deutschland sich nunmehr zu einer Ver­schärfung des Vorgehens gegenüber feindlichen Schiffen entschloß, bann konnte es sich auf ein sol­ches Verfahren durchaus billigende Aeußerungen amerikanischer Staatsmänner berufen. Präsident Wilson hatte am 4. 10. 1915 an seinen Ver-. trauten, den Oberst House, geschrieben:Es ist schwerlich fair, von den. U-Bootskommandanten zu verlangen, daß sie Handelsschiffe anhalten füllen, wenn sie bei der dazu erforderlichen Annäherung aeroärtig fein müssen, daß auf sie geschossen wird." Aehnlich äußerte sich der Staatssekretär Lansing Wilson gegenüber bei Besprechung des berüchtigten Baralong"-Falles. Lansing schloß damit, baß Han- belsschiffe, die Geschütze an Bord führen, den Cha-

Das Rätsel Riom.

Von unserem Dr. K.-Korrespondenten.

Vichy, April 1942. <

Als Präsident Caous in Riom die Sitzung auf­hob und die Vertagung bis nach Ostern aussprach, als sich nach den Verhandlungen vok dem Gefäng­nis der von Motorradfahrern eskortierte Transport bildete, ber bie fünf Angeklagten zu dem biesmal reichlich verlängerten Wochenende nach Bourassol brachte, war das dann wirklich nur eine Feiertags­pause oder, wie die Unterrichteten glauben, ein end­gültiger Abschluß, ein Fallen des Vorhanges, der sich nicht wieder heben wird? Aus jeden Fall ist der Prozeß mag er nun mit dieser 25. Sitzung end­gültig in die Geschichte eingehen oder in 14 Tagen von neuem aufleben an einen Markstein ange­langt. Der Prozeß bleibt als Zeiterscheinung inter­essant genug. Die Stammgäste von Riom, die nun seit dem 19. Februar viermal in der Woche dem Ablauf der Verhandlungen beiwohnen, gestanden sich am Donnerstag nach ber 25. Sitzung offen ein, baß ihnen ber Sinn bes Prozesses unklarer ist als je.

Daß er an ber wesentlichen Frage der Schuld am Kriege vorbeigegangen ist, daß er in seiner ganzen Anlage dem Geiste entgegengesetzt ist, ber ein neues Europa bauen soll, ist von maßgebender Stelle be­reits ohne Umschweife gesagt worden; aber es war auch falsch, zu glauben, daß er vielleicht für die Franzosen selbst, für ihren inneren Gebrauch, be­stimmt sei und einem verborgenen Zweck nachstrebe. Das Regime, das diesen Prozeß in dieser Form ge­wollt hat nur allzu berechtigte Warnungen wur­den überhört hat wenigstens Grund, mit dem Ablauf der Dinge in Riom zufrieden zu sein. Ist schon die erste Runde, in der Verteidiger unb An­geklagte ungehindert zu Worte kamen, eindeutig zu­gunsten Daladiers und Genossen ausgegangen, so hat bie zweite, bie bas Zeugenverhör erbrachte, an bem Eindruck unbedingter Ueberlegenheit der An­geklagten nichts geändert. Zu Wort gekommen sind solche Zeugen, bie von ber Anklage und solche, die von der Verteidigung geladen waren. Aber wer nun Belastungs- und wer Entlastungszeuge war, läßt sich schwer auseinanderhalten. Daladier erwies sich stets als der Geschicktere, Geistesgegenwärtigere und mit Belegen besser versehene Debatter, unb man sieht mit Verwunderung, wie er ben Hilfstruppen bes Staatsanwaltes zusetzte, ohne baß bieser ihnen zu Hilfe kam.

Ist daher am 25. Verhandlungstage ein abschlie­ßendes Urteil möglich, jo dieses: das Jeugenverhör,

von dem sich alle Welt Sensationen versprochen batte, wird, wenn es die Schuld Daladiers und seiner Mitangeklagten an der Niederlage auf eine unwiderlegbare Weise dartun will, mit einem vollen Mißerfolg enden, der sich notwendigerweise gegen das Regime selbst wenden muß. Denn, wenn es die Ausgabe des Prozesses ist, wie man ihn nun ein­mal in Frankreich gewollt hat, die Schuldigen bes Zusammenbruches zu finben, so erscheinen als Zu­hörer, gegebenenfalls als Nichtgenannte, aber sehr beutlich erkennbare Mitangeklagte im Gerichtssaal von Riom: ber Generalstab, bas Oberkommando, die höchsten Ränge ber Armee, die in einer unvor­stellbaren Weise Mangel an Vorstellungskraft und Voraussicht bewiesen haben. Sicher gibt es noch andere Ursachen der Niederlage, vor allem das Fehlen jedes Kriegsgrundes und das Wissen um die absolute Sinnlosigkeit dieses Krieges. Aber wenn der Ankläger beweisen wollte, daß nur diese fünf Männer an dem Zusammenbruch Schuld tragen, muß es ben Kampf mit anberen unb schärferen Waffen führen als es diejenigen sind, die ihm Dala­dier mit ein paar Sätzen aus der Hand schlug.

Je deutlicher ber Anteil ber Armee an ber Nie­derlage zum Ausdruck kommt, desto unbegreiflicher wird das Schweigen G a m e l i n s. Es wird in Riom schon nicht mehr durch die Blume gesprochen, wenn von bem Versagen der Militärs in technischer oder operativer Hinsicht bie Rede ist. Wiederholt gelangte bie Auseinandersetzung zu einem Punkt, wo der ehemalige Generalissimus, ber sich doch um die Ehre ber Armee willen nicht verteidigen will, seine Taktik ändern unb eben für diese angegriffene Armee in die Bresche springen mußte vergebliche Hoffnung. Gamelin schweigt weiter. Er scheint völlig unbeteiligt, bis endlich einmal ein kurzer Aufschrei der Empörung verrät, daß er in Wirklichkeit auf­merksam zugehört hat, ein Rätsel, das noch der Auflösung bedarf. Sieht man ihn nicht immer wie­der in lebhaftem Gedankenaustausch mit dem neben ihm sitzenden Daladier, so daß man versucht ist, zu glauben, der General, ber nicht reden will, steuert den Politiker und verführt ihn zu peinlichen Fragen an die Generäle im Zeugenstuhl? Wenn immer diese Unbegreiflichkeiten sich noch klären, der Eindruck, den sie zurücklassen, bleibt fatal. Fatal vor allem für die Franzosen selbst. Die Inkonsequenz und Halbheit, mit denen man bei der Vorbereitung voy Riom zu Werk gegangen ist, hat sich nun m ihretz ganzen Schädlichkeit enthüllt