Oer Wehrmachtbericht
Fahrzevgkolonnen südlich Ostaschkow an. Der Bahnhof Ostaschkow wurde bei Tag und Nacht bombardiert.
Südostwärts des Ilmensees wurden bei einem örtlichen Angriff gegen starken feindlichen Widerstand 37 Kampfstände gestürmt und neun Geschütze und 68 Maschinengewehre und Granatwerfer als Beute eingebracht. Auf dem Ladogasee versenkte die Luftwaffe einen Dampfschlepper und zwei Frachtkähne. Lin Kanonenboot, ein Flakfchiff und sechs Versorgungsfahrzeuge wurden beschädigt. Kampf- und Sturzkampfflieger setzten die Bombardierung von Murmansk und der Mur- manbahn mit guter Wirkung fort. 3n den Gewässern des Nordmeeres wurde ein Handelsschiff von 6000 VRT. durch Bombentreffer versenkt, ein zweites größeres Frachtschiff schwer beschädigt.
Deutsche und italienische Verbände haben gestern in heftigen Kämpfen die Panzerformationen des Feindes im Gebiet von F u k a und M a r f a M a - t r u k angegriffen. Gegen Abend war die Schlacht mit unverminderter Heftigkeit gegen den anhalten
DNV. Aus dem Führerhauptquartier, 6. Nov. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:
3m Frontabschnitt von Tuapse wurden in schweren, von der Luftwaffe wirksam unterstützten Angriffskämpfen' zahlreiche feindliche Kampfanlagen genommen und Gegenangriffe abgewiesen. J
3m Raum des oberen Terek sind deutsche und rumänische Truppen im Zusammenwirken mit Nah- kampffliegerkräfteu gegen verbissenen Widerstand des Feindes weiter im Angriff. Allein in diesem Abschnitt wurden gestern 35 Sowjetflugzeuge abgeschossen.
Die Kampftätigkeit in Stalingrad beschränkte sich am 5. November auf rege beiderseitige Stotz- trupptätigkeit und Abwehr einzelner Vorstöße des Feindes.
Die Bahnen ostwärts der Wolga wurden den ganzen Tag von Kampffliegern angegriffen. An der D o n f r o n t fetzten ungarische Stoßtrupps über den Fluß und vernichteten auf dem Ostufer mehrere feindliche Stützpunkte und 34 Erdbunker. Mehrere Geschütze sowie schwere und leichte 3nfanteriewaffen wurden erbeutet.
den Druck des Feindes im Gange.
I Kampfflugzeuge führten Tagesangriffe gegen Die Luftwaffe griff feindliche Stellungen und I verschiedene Orte in Südostengland durch.
kann und seine Diktatur keinen nennenswerten Widerstand findet.
Die westlichen Demokratien sind zwar angeblich in den Krieg gezogen, um „ihre Art, zu leben" gegen faschistische Bedrohung zu verteidigen, aber heute sagt Roosevelt, der in seinen berüchtigten Kaminplaudereien diese sozialethische Verbrämung eines kraß imperialistischen Krieges besonders liebte, daß die Demokratie nicht die geeignete Regierungsform fei, um einen solchen Krieg zu gewinnen. W-ie sehr er von dieser Maxime durchdrungen ist, zeigt sein unablässiges Bemühen, alle Macht in seiner Hand zu vereinigen und all die Institutionen, die ver- sassungsmäßig berufen sind, seine Macht zu beschränken und ihre Handhabung zu kontrollieren, auszuhöhlen oder rücksichtslos an die Wand zu drücken. Das erstere geschah dem Ober st en Gerichtshof, der unter seinem Vorsitzenden Hughes in der Aera des New Deal zum gefährlichsten Gegenspieler des wirtschaftsreformwütigen Präsidenten geworden war und deshalb erleben mußte, daß Roosevelt die durch eine Herabsetzung der Altersgrenze freiwerdenden Richterstühle mit demokratischen Gesinnungsfreunden besetzte und schließlich gar seinen intimsten Berater, den jübi» sehen Professor Frankfurter zum Vorsitzenden machte, womit alle Gefahr beseitigt war, daß der Oberste Gerichtshof eine seiner diktatorischen Maßnahmen als verfassungswidrig bezeichnen könnte. Das andere in der Verfassung vorgesehene Gegengewicht zu der ja ohnehin mit großer Machtfülle ausgestatteten Stellung des Präsidenten ist der .Kongreß, der eben erst durch die am 3. November stattgefundenen Ergänzungswahlen Gelegenheit bekommen hat, zu zeigen, ob er seiner regulierenden Aufgabe noch gewachsen ist. Die außerordentlichen Vollmachten, die die Verfasiung dem Präsidenten im Kriege als Oberbefehlshaber der Wehrmacht einräumt, hat Roosevelt rücksichtslos zu brauchen verstanden, um den Kongreß, sobald er ihm unbequem zu werden drohte, beiseite zu schieben. Es ist deshalb kein Wunder, wenn in diesen Tagen kritisch eingestellte amerikanische Blätter cbie die vielgelesene Zeitschrift „Fortune" warnend davon sprachen, daß das amerifanische Volt zuerst die Demokratie im eigenen Hause gegen die inneren Feinde verteidigen müsse.
Roosevelt hat sein Kabinett durch die Koordination der von ihm aufgezogenen zahlreichen Kriegsämter zu einer so gewaltigen Regierungsmaschinerie aus- gebaut, daß vor ihr die gesetzgebende Befugnis des Kongresses ganz in den Hintergrund getreten ist, denn mit den Kriegsnotwendigkeiten begründet der Präsident die Konzentration aller für die Kriegführung wesentlichen Maßnahmen auch auf wirtschaftlichem und finanziellem Gebiet in den Händen seines Kabinetts. Unter seinem Vertrauensmann James Francis Byrnes wurde ein Office of Economic Stabilisation (Amt für wirtschaftliche Festigung) geschaffen, dem der Preiskommissar, der Landwirtschaftsmimster und das Kriegswirtschaftsamt unterstellt wurden. Byrnes soll der starke Mann sein, der mit den ihm gegebenen außerordentlichen Vollmachten die Lebenskosten stabilisieren und damit das Gespenst der Inflation bannen soll, nachdem Roosevelt durch die Drohung, er werde sein Programm zur Stabilisierung der Löhne und Preise, auch ohne den Kongreß durchsetzen, erreicht hat, daß dieser dem Antiin'flations- gssetz zustimmte. Roosevelt hat dann einen Advi- sory Board, einen Staatsrat, gebildet, dem die Vorsitzenden aller für die Kriegführung wichtigen Ministerien und Kriegsämter angehören. In ihm hat sich der Präsident ein Organ geschaffen, das berufen ist, wesentliche Befugnisse des Kongresses an sich zu reißen, vor allem auch die wichtige Frage der Krieasfinanzierung, wenn dieser in seiner neuen Zusammensetzung mit dem durch die Wahley beträchtlich verstärkten republikanischen Flügel den Anforderungen Roosevelts Schwierigkeiten entgegensetzen sollte. Der Präsident hat es durch den von seinen Freunden beherrschten Agitationsapparat und ourch brutale, Diffamierung seiner politischen Gegner, vor allem der Isolationisten, die sich gegen seine kriegsprovozierende Außenpolitik gewandt batten, ausgezeichnet verstanden, die Unzufriedenheit, bie aus der Enttäuschung über die Kette der Niederlagen auf den Schlachtfeldern des Pazifik weite Kreise des amerikanischen Volkes erfaßt hat und sich nun in scharfer Kritik an der Art der Kriegführung Roosevelts geltend macht, auf den Kongreß abzulenken, obwohl dieser lediglich durch seine passive Resistenz, die er den Rooseveltschen Diktaturgelüsten entgegenstellt, vor der Öffentlichkeit als Hemmschuh wirkt, während die Schwunglosigkeit, das Fehlen von großen Ideen und Plänen von Hand unbz Fuß, der unbeschreibliche bürokratische Wirrwarr in dem Bereich zwischen Kriegsämtern \ und Rüstungsindustrie, die Interessentenwirtschaft
Und das Kriegsgewinnlertum, die in der amerikanischen Oeffentlichkeit so lebhaft beklagt werden, allem auf das Schuldkonto der Rooseveltschen Regierungspraxis kommen. Trotzdem ist es Roosevelt gelungen, den Kongreß als Sündenbock für alle Versager seiner Kriegspolitik hinzustellen und ini eine Vertrauenskrisis hineinzumanövrieren.
Wenn in dieser Stimmung voller Abneigung gegen den Kongreß das amerikanische Volk am 3. November das Repräsentantenhaus ganz und den Senat zu einem Drittel neu gewählt hat, dazu eine Anzahl von Gouverneuren und hohen Beamten der einzelnen Bundesstaaten und wenn nun bei der Wahl die Republikaner gegenüber den Demokraten nicht unbeträchtliche Gewinne haben davontragen können, so verdient festgehalten zu werden, daß die Grundhaltung beider Parteien in allen entscheidenden Fragen der Außenpolitik im wesentlichen übereinstimmt. Ja zahlreiche republikanische Senatoren und Abgeordnete unterstützen die diktatorische Kriegführuna Roosevelts, während viele ^Demokraten die selbstherrlichen Allüren ihres Präsidenten nur mit größtem Unbehagen sehens Für das künftige Verhältnis zwischen Präsident und Kongreß ist also das bloße Wahlergebnis noch keineswegs entscheidend, es wird vielmehr davon abhängen, wie sich Freunde und Gegner des Präsidenten im neuen Kongreß zusammen find en werden. Aber als Stimmungsbarometer deuten die Wahlen doch auf schlecht Wetter und können als Ausfluß der Enttäuschung über den bisherigen Verlauf des Krieges auch von Roosevelt nicht übersehen werden, vor allem, wenn es sich bewahrheiten sollte, daß Roosevelt, wie es in vielen Berichten aus den USA. bereits angedeutet wird, beabsichtigt, sich für die Präsidentschaftswahlen 1944 zum vierten Male nominieren zu lassen, wobei ihm dann in dem soeben zum Gouverneur von Neuyork gewählten Demokraten Dewey wahrscheinlich ein ernsthafterer Gegenkandidat erwachsen würde als es die Marionette Willkie 1940 gewesen war. Bis dahin sind es aber noch zwei Jahre, die Roosevelt Zeit hat, seine Diktatur auszubauen, wobei es fraglich ist, ob der jetzt gewählte 78. Kongreß der USA. nicht ebenso ein gefügiges Werkzeug in der Hand des Präsidenten sein wird, wie es trotz mancher Obstruktionsversuche sein Vorgänger im großen und ganzen gewesen ist. Um das recht savenscheinig gewordene demokratische Mäntelchen zu flicken, mit dem Roosevelt seine Diktatur drapiert, bedarf es jedenfalls Männer mit größerer Energie und Unabhängigkeit, wie sie im amerikanischen Kongreß auf die politische Bühne zu treten pflegen, zumal wenn jedem Kritiker des Rooseveltkurses die Verfemung als Mitglied der 5. Kolonne und Landesverräter droht. Mit solchen Mitteln wird Roosevelt auch den neuen Kongreß trotz seiner dem Präsidenten weniger günstigen Zusammensetzung in Schranken halten.
Dr. Fr. W. Lange.
Mexikanische Fremdenlegion unter bolschewistischer Führung.
Mexiko-Stadt, 6.Nov. (Europapreß.) Das mexikanische Verteidigungsministerium hat dem
ehemaligen rot-spanischen „General" Jose M i a j a die Ermächtigung erteilt, eine Fremdenlegion unter mexikanischer Flagge aufzustellen. Sie soll zunächst aus rund 200 in Mexiko lebenden ehemals rot-spanischen Offizieren und einigen tausend früheren rot-spam- schen Mannschaft bestehen. Für die Zukunft erwartet man, daß „Freiwillige" aus anderen Ländern sich der Legion anschliehen werden und hofft, daß sie allmählich die Stärke einer Division erlangt
Die Feindseligkeiten auf Madagaskar eingestellt.
Vichy, 6. Nov. (DNB.) Wie es in einer amtlichen Mitteilung heißt, sind nach zwei Monaten härtesten Widerstandes auf der Insel Madagaskar die Kämpfe eingestellt worden. Am Donnerstagmittag hatte der Generalgouverneur noch über die verzweifelte Lage der Verteidigung Bericht erstattet. Ambalavao hatte acht Tage Widerstand geleistet und mußte in der Nacht zum Mittwoch unter dem Druck von 2000 angreifenden Engländern kapitulieren. Der Befehlshaber der franzöfifchen Streitkräfte auf Madagaskar hatte nur noch 27 europäische Soldaten zur Verfügung. In Uebereinsttm- mung mit der Regierung und unter Würdigung der Zwecklosigkeit eines weiteren Widerstandes hat er deshalb mit dem Feind Verhandlungen ausgenommen, xnn die Feindseligkeiten einzustellen. Staatschef Marschall P ö t a i n hat an den Generalgouverneur A n n c t eine Botschaft gerichtet, in der er den Heldenmut der Truppen auf Madagaskar würdigt. Gleichzeitig hat der Ministerrat beschlossen, dem Generalgouoerneur Annet und dem General G u i l l e m e t, dem Kommandierenden der fran- zösiischen Truppen auf Madagaskar, das Kriegskreuz mit der Palme zu verleihen.
Oie Behandlung der Kriegsgefangenen.
Eine japanische Warnung an England.
Tokio, 6.Nov. (Eurovapreß.) Eine Erklärung des Auswärtigen Amtes besagt, Die japanische Regierung habe mit schwerer Besorgnis Kenntnis genommen von den Berichten der deutschen Regierung über die unmenschliche Behandlung deutscher Kriegsgefangener durch die britischen Behörden und über deren Absicht, diese Behandlung auch auf italienische Gefangene auszudehnen. Die japanische Regierung habe bisher aus menschlichen Rücksichten die Grundsätze des internationalen Rechts befolgt und den in ihrer Hand befindlichen zahlreichen britischen Kriegsgefangenen die bestmögliche Behandlung angedeihen lassen. Sie mache aber die britischen Behörden darauf aufmerksam, daß, falls diese ihre Haltung nicht ändere, sie sich gezwungen sehe, gemeinsam mit den Vergeltungsmaßnahmen der Deutschen Regierung die den britischen Kriegsgefangenen bisher zuteil gewordene Behandlung neu z u überprüfen, um die brt» tische Regierung auf diese Weise zu einer Aenderung
Ein Mann rechnet ab
Roman von Horst Biernath
44. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
„Sie haben Gonzales also um viertel zwölf aus dem Korso gesehen!" rief er, und es fehlte nicht viel, daß er vor Dankbarkeit ihre Hand ergriffen hätte. „Oh, Madame Perano, Sie ahnen nicht, welchen Disnst Sie mir mit dieser Mitteilung erwiesen haben! Die halbe Präfektur sitzt in Lokalen aller Art herum und bemüht sich, diesem Geheimnis auf die Spur zu kommen." Er griff nach seinem Panama und sprang aus. „Damit kann ich unter den Fall Brackmann den Federstrich setzen. Ich bin Ihnen außerordentlich dankbar. Leben Sie wohl, Madame Perano, und gute Reise! Ich verspreche Ihnen feierlich, mich von jetzt an häufiger bei Ihnen sehen zu lassen. Ich bin nämlich ein Kun st- enthufiast — und der Dienst läßt einem so wenig Zeit."
9. Kapitel.
Forester verbrachte in seinem Hotelzimmer ein iaar unangenehme Stunden. Abgesehen davon, daß hm nach dem plötzlichen Anlauf nicht einfallen oollte, wie man der Perano beikoMmen könnte, edrückte ihn am meisten der Gedanke, seine Ge- shle und seine Enttäuschung vor Karen verraten (haben. Die Siesta ging vorüber, aber Forester erte von Viertelstunde zu Viertelstunde, sich bei en zu melden. Er läutete Santacilla em paar- l an, erhielt aber immer den Bescheid, daß der
-ümiffar die Präfektur verlassen habe. Kurz vor r klopfte es an seiner Tür. Karen ...
orefter schlich zu seinem Bett, verwählte die qpe und fuhr mit allen Fingern durch die Haare. 3)j,en Augenblick, bitte", rief er, als würde er aus
äfften Schlaf gerissen. Es war die beste Art, an Id) peinliche Entschuldigungen zu ersparen. Kasteinetwegen brauchen Sie sich nicht schön zu
m!" ertönte es von draußen. Es war Santa- Stimme. Forester verzichtete darauf, die
ächzenden Geräusche eines sich eilig ankleidenden Mannes vorzutäuschen und öffnete die Tür.
„Nun Don Santacilla, was bringen Sie?" Santacilla trat wie der Weihnachtsengel über die Schwelle und drückte die Tür sorgfältig zu. „Eine Menge schwerster Indizien gegen Ciquita Perano. Wenn es uns noch gelingt, in ihrem Besitz die Pistole nachzuweisen, schließt sich die Kette lückenlos."
„Mir will leider nichts Gescheites einfallen, Don Santacilla."
„Wir werden uns beeilen müssen, denn morgen früh verläßt Madame Perano Verakruz mit der Morelos, um in Miami oder Palm Beach ihre Nerven aufzumöbeln."
„Donnerwetter ...!" rief Forester. „Merkt sie schon, daß der Boden zu heiß wird?"
„Sie glaubt sich wahrscheinlich schon ganz sicher. Aber beruhigen Sie sich, Doktor! Ich habe ihr zwar angenehme Reise und gute Erholung gewünscht, ich bin jedoch davon überzeugt, daß die Morelos Verakruz ohne Madame Perano verlassen wird. Notfalls verhafte ich sie morgen früh aus ihrer Kabine heraus. Gründe genug wären vorhanden, obwohl es mir verdammt angenehm wäre, die Indizien bekämen durch die Pistole, mit der Gonzales erschossen wurde, eine reale Grundlage.
Was ich entdeckt und sestgestellt habe, genügt mir, um die Perano äußerst verdächtig zu finden. Ob es dem Gerichtshof genügen wird, ein Urteil zu fällen, ist eine andere Frage, die ich nicht bestimmt beantworten kann. Und schließlich handelt es sich ja nicht nur darum, ihr zu beweisen, daß sie den Mord an Gonzales begangen hat ... Ihnen und Senorita Orgassa wird der Nachweis wichtig sein, daß Brackmann ihn unter keinen Umständen begangen hat. — Sie sehen, Doktor, ich bin bekehrt ..."
Forester errötete plötzlich heftig. Die Worte San- tacillas erinnerten ihn an ein eigenes Eingeständnis. Er schluckte, als würge er einen harten Bissen herunter.
„Schießen Sie los, Don Santacilla", bat er ungeduldig. Santacillas Erscheinen hatte alle trüben (Sekanten verbannt. Er stand wieder ganz im Bann
des Falles und fieberte danach, die Aufgabe zu läsen.
Santacilla hob den Daumen: „Erstens: Man kann den Weg von der Präfektur zu Gonzales und von Gonzales zur Perano in zehn Minuten zurück- legem
Zweitens: Ich fand Madame Perano bei Reife- Vorbereitungen. Sie scheint sich hier nicht sehr sicher zu fühlen.
Drittens: Die Perano spielte die trauernde und unttästtiche Witwe. Dabei habe ich mit Sicherheit sestgestellt, daß ihre Beziehungen zu Gonzales in den letzten Jahren ziemlich stark abgekühlt waren. Es ist zwischen den beiden häufig zu Auseinandersetzungen gekommen. Wenn man den Skandalchro- nisten Glauben schenken darf, hat Madame Perano Gonzales sehr oft Grund zu Eifersuchtsszenen ge- geben. Das Verhältnis scheint so gewesen zu sein, daß Gonzales von ihr nicht los kam, während sie seiner überdrüssig war."
Forester stieß einen leisen Pfiff aus: „Sehr interessant, Don Santacilla. Wie haben Sie das in so kurzer Zeit herausgebracht?"
Santacilla kratzte sich den Hals. „Ich bin ver- heiratet, Doktor", murmelte er, als gestände er eine schwere Verfehlung ein, „und meine Frau .. " (fr beendete den Satz nicht, sondern schloß mit einer merkwürdigen, ein wenig verzagten Handbewegung. Forester blickte zartfühlend zu Boden.
„Aber nun passen Sie auf", fuhr Santacilla etwas unvermittelt fort und hob zu den drei bereits festgehaltenen Fingern den vierten: ,^Ich bemerkte, daß mein unerwarteter Besuch die Perano einigermaßen beunruhigte. Wahrscheinlich befürch- tete sie, ihre Reisevorbereitungen konnten mich stutzig machen. Ich spielte den Harmlosen, und ich glaube, ich spielte meine Rolle gut."
„Weshalb haben Sie die Perano eigentlich aufgesucht, Don Santacilla?"
„Um sie sicher zu machen und um ihr eine Falle N stellen. Ich erzählte ihr, Brackmann leugne die Tat zwar, aber er sei restlos überführt. Auch sein merkwürdiger Einfall, die Patronenhülse wegzu- raumen, habe ihm nichts genutzt, denn es fei nicht scywer gewesen, ihm nachzuweisen, daß aus seiner
ihrer Haltung zu veranlasien. Gleichzeitig gab bas Außenministerium eine weitere Mitteilung aus, m welcher gegen die unmenschliche Behandlung protestiert wird, welche die amerikanischen und kanadischen Behörden den japanischen Zivilinternierten angedeihen ließen. Abstellung dieser Mißstände wird gefordert.
Feindliche Entstellungen.
Eine italienische Verlautbarung zu den Kämpfen in Aegypten.
Rom, 6. Nov. (DNB.) Amtlich wird als Ergänzung zum italienischen Wehrmachtbericht vom Donnerstag mitgeteilt: Unser Wehrmachtbericht ist in der gegenwärtigen Phase der Kämpfe an der Aegyptenfront wie immer durchaus authentisch und objektiv, dagegen sind in der vom Hauptquartier der alliierten Streitkräfte im Mittleren Osten aus- gegebenen Sondermeldung zahlreiche Heber« treibungen und Fälschungen enthalten. Nur die darin enthaltene Angabe über die Zahl der Gefangenen, die feit Beginn der Schlacht auf 9000 geschätzt wird, kann als ungefähr richtig betrachtet werden. Es handelt sich in der Tat bei einem Kampf, der, großenteils durch Panzer ausgefochten wird und durch das rasche Hin- und Herfluten der Operationen gekennzeichnet ist, um einen unvermeidlichen Anteil an Gefangenen, die Infanteriedivisionen angehören. Es kann hinzugefügt werden, daß ein nicht unbettächtlicher Teil der Gefangenen erst gemacht wurde, nachdem sie verwundet waren. Die übrigen Angaben über die Vernichtung von 266 Panzern, die Vernichtung ober Außerkampfsetzung von 600 Flugzeugen, die Versenkung von 100 000 Tonnen Schiffsraum sind dagegen völlig willkürlich und weit oon den Tatsachen entfernt, die unendlich viel bescheidener sind. Die Truppen der Achsenmächte kämpften und kämpfen prachtvoll, alles übrige, das heißt, das unvermeidliche Hin- und Herfluten der Operationen, gehört zum Charakter des Wüst e n t r i e g e s, der nunmehr dem italienischen Volk wohlbekannt ist. Das italienische Volk folgt mit tiefer Anteilnahme, aber mit gelassener Ruhs dem Gang der Ereignisse in Nordafrika und weiß inmitten Der grotesken Entstellungen und lieber* treibungen der Feindagitation die Wahrheit zu erkennen. \
Das Wahlergebnis in den LIGA.
Sieg der Republikaner größer als erwartet.
Lissabon, 6. Nov. (Europapreß.) Die soeben bekanntgegebenen endgültigen Resutate der amerikanischen Kongreßwahlen lassen, wie das Kriegs» informationsamt es formuliert, einen noch größeren Gewinn der Republikaner erkennen, als ursprünglich angenommen wurde. Er reicht jedoch nicht ganz zur absoluten Mehrheit aus. Im kommenden 78. Kongreß werden die Republikaner im Repräsentantenhaus 208 Sitze gegen bisher 1*61, das heißt 47 mehr haben. Schätzungen nahmen einen Gewinn von etwa 15 bis 25 Sitze an. Die Demokraten halten aber immer noch 220 Sitze, also die Mehrheit. Im Senat, wo nur ein Drittel der Mitglieder neu gewählr worden ist, konnten die Republikaner 10 Sitze gewinnen und damit 38 erreichen gegenüber einer demokratischen Mehrheit von 56 Sitzen.
Der Vizepräsident der USA., Henry Wallace, erklärte nach einem Besuch im Weißen Hause: „Der Wahlausgang mit einem Sieg der Republikaner hat uns nicht überrascht. Mit dem Präsidenten bin ich aber der Ansicht, daß das Ergebnis die demokratische Partei zufriedenstellen kann. Wenige junge Jahrgänge haben abstimmen können, da die meisten entweder in der Armee stehen oder vielfach in einer Rüstungsfabrik arbeiten, an Orten, wo sie noch nicht das Wahlrecht erwarben. Daher war es vielfach die wohlhabende Schicht, die Zeit fand, zur Wahlurne zu gehen. Diese Kreise sind fast ausschließlich Republikaner. Angesichts der geringen Wahlbeteiligung ist es ein Wunder, daß wir und nicht die republikanische Partei die Mehrheit er-
„Der Ausgang der Wahlen bedeutet offensichtlich, daß das Land mit dem Verlauf des Krieges unzufrieden ist", erklärte Senator Vandenberg (Michigan). „Das Land wünscht ein Höchstmaß an Wirksamkeit und ein Mindestmaß an Irrtümern bei der Kriegführung", fuhr er fort Es wünsche ferner, daß dem New Deal und allen anderen politischen Richtungen für die Kriegszeit die Hände gebunden werden.
Pistole ein Schuß abgefeuert worden sei. Nach heftigem Leugnen habe er dann endlich eingestanden, diesen Schuß nicht etwa auf Gonzales, sondern ein paar Stunden vorher sozusagen als Munitions* probe abgegeben zu haben ..."
„Kein schlechter Trick", gab Forester zu, „aber die Kugel?"
„Ich erzählte ihr, die Kugel habe den Schädel durchschlagen und sei leider unauffindbar verloren; aber auch dieser Umstand nutze Brackmann nichts ..
„Ausgezeichnet!" rief Forester.
„Sie hätten sehen sollen, wie die Perano aufatmete!"
Santacilla schloß für eine Sekunde die Augen, als rufe er sich diese Situation noch einmal ins Gedächtnis zurück. — „Sie ist übrigens ein ver» dämmt gut proportioniertes Frauenzimmer .. gestand er und schluckte bei den Worten, als beengt ihn sein Kragen ein wenig.
Forester runzelte die Brauen und sah Santacilla mit einem tadelnden Blick, der zu sagen schien, er fände diese Bemerkung aus dem Mund eines verheirateten Mannes als durchaus überflüssig und ungehörig. Santacilla hüstelte und kehrte mit einem kleinen Ruck vom Nebengleis auf die alte Strecke zurück.
„Unb jetzt setzte ich alles auf eine Karie. Ich berichtete ihr, der Kriminalarzt hätte seine ur? sprungliche Meinung, Gonzales sei bereits um elf Upr erschossen worden, nach gründlicher Untersuchung dahin geändert, der tödliche Schuß fei doch erff fine bolbe Stunde später abgegeben worden.. /
„Ach, ich verstehe, also in der Zeit, als die Perano bei Ihnen auf der Präfektur saß?"
„Ganz recht. Damit schob ich ihr das Alibi hin, und sie griff natürlich mit beiden Händen zu. Und dann spielte ich den Ratlosen wegen der sich daraus ergebenden Zeitdifferenz. Gonzales müsse sie, da sie zwanzig Minuten nach elf bei mir erschienen [et, doch etwa um elf oder doch kurz vor elf verlassen haben. Da er nun aber erst um 11.30 Uhr ermordet worden sei, ergebe sich für mich die bis Damn ungelöste Frage, wo er sich in dieser halben Stunde aufgehalten habe. (Fortsetzung folgtj


