Ausgabe 
7.9.1942
 
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oem Zarenreich jede Seemacht im Schwarzen Meer kategorisch vSrbot. Die 15 Linienschiffe, 7 Fregat­ten, 11 Dampffregatten und kleineren Fahrzeuge der Schwarzmeer-Flotte waren vernichtet. Erst 1871 konnte dieser Vertrag gekündigt und eine neue Seemacht aufgebaut werden.

Ein ähnliches Schicksal erlebte die flotte des Zaren 1904 im Fernen Osten b e i Port Arthur. Nach ihrem ersten Tropedobootsangriff landeten die Japaner unbehelligt in Nordkorea und schloffen die Festung Port Arthur von Land aus ein. Die geg­nerische Flotte versuchte einen Ausbruch, um Wla­diwostok zu erreichen, wurde aber von Admiral Togo zersprengt. Die zurückkehrenden Schisse sanden im Hafen von Port Arthur unter ^m Feuer der japanischen Heeresartillerie ein unrühmliches Ende. Wiederum wurdet Besatzungen und Geschutze^an derLandfront eingesetzt, also am falschen Platz geopfert. Die Niederlage der Ersatzflotte unter Ad­miral Roshdjestvensky in der großen Seeschlacht bei Tsushima am 27. Mai 1905 gegen Admrra Toga besiegelte das Ende der zaristischen Seemacht im Fernen Osten. Auch im Weltkrieg hat die Ostseeflotte des Zaren gegen die zeitweilig sehr schwachen deutscl)en Seestreitkräfte wenig Angrlsss- geist gezeigt. Sie erschöpfte sich im Minenkrieg und in bet Defensive. Die moralischen Auswirkungen dieser Zurückhaltung der Flotte äußerten sich in den schweren Meutereien 1917 wie damals 190a bei der Schwarzmeer-Flotte.

Die bolschewistische Revolution vernichtete das ausgebildete Offizierkorps vollkommen. Der Ausbau einer neuen S o w j e t s e e m a ch t war daher eine fast unmögliche Aufgabe. Es traten infolgedessen die traditionellen Mängel in verstärktem Maße aus. Schon im sowjetisch-finnischen Winterkneg 1939/40 zeigte die sowjetische Ostseeflotte keinerlei nennens­werte Initiative gegenüber dem an Zahl doch weit unterlegenen Gegner. Es gelang der bosiche- wistischen Flotte nicht einmal, den finnischen See­verkehr nach Schweden ernstlich zu stören.

In diesem Krieg hielt sich die sowjetische Flotte erwartungsgemäß vorsichtig zurück. Es kam des­halb nur zu wenigen Gefechten, die mit sowjetischen Verlusten endeten. Die gepriesene sowjetische U- Boot-Flotte von angeblich 110 Booten allein in der Ostsee trat nur wenig in Erscheinung. Auch im Schwarzen Meer zeigte sie, abgesehen von einigen verlustreichen Vorstößen gegen die rumänisch-bul­garisch Küste, keinen Offensiogeist. Nach den schwe­ren Verlusten in den Minenfeldern vor Reval ist das Rückgrat der sowjetischen Ostseeflotte gebro­chen. Ihre beiden noch aus der Zarenzeit stammen­den SchlachtschiffeMarat" undOktober­revolution" sind durch Fliegerbomben schwer beschädigt und gefechtsunfähig. Nach Gefangenen- aussagen sind zahlreiche U-Boote der Sowjets in Kronstadt aufgelegt und die Besatzungen beim Landheer eingesetzt worden. Damit hat sich ein, wie wir oben zeigten, bekannter Vorgang aus der russischen Marinegeschichte wiederholt.

Die baltischen Stützpunkte und Inseln sind ver­loren/ Leningrad als Hauptstützpunkt der bolsche­wistischen Flotte ist von deutsch-finnischen Truppen völlig emgeschlossen. So ist auch das Schicksal der feindlichen Seemacht in der Ostsee besiegelt. Die Schwarzmeerslotte wird ebenfalls der Auslieferung, Versenkung ober Internierung nicht entgehen kön­nen. Die sowjetische Eismerflotte steht auf verlore­nem Posten, bie Fernost-Flotte hätte bei Verwick­lungen mit Japan geringe Aussichten. Das Ende des bolschewistischen Systems ist daher nicht nur das Ende des bolschewistischen Weltherrschaftstraumes, sondern auch der sowjetischen Seemachtentwicklung, die an den Widerständen der geopolitischen Lage, an rassischen Bedingtheiten und an der Unfähigkeit der Sowjetmachthaber scheitert. RDS.

Der Wehrmachtbericht

vom Gamstag.

DNv. Aus dem Führerhauptquartier, 5. September. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:

Auf der Taman-Halbinsel wurde in raschem Zugriff Stadt und Hafen Tamanskaja genommen. Nordwestlich Noworissijsk schreitet der Angriff deutscher und rumänischer Truppen in erbitterten Kämpfen weiter fort 3m Hafen von Noworossijsk wurden zwei Transportschiffe durch Bombenwurf beschädigt.

3m Festungskampffeld von Statin- grad nahmen die deutschen Angriffstruppen zahl­reiche zäh verteidigte und neuzeitlich ausgebaute Kampfanlagen. Feindliche Gegenangriffe wurden

abgewiesen. Nördlich der Stabt führte der Feind mit starken 3nfan(erie- und Panzerkräften Ent­lastungsangriffe durch, die unter Vernichtung von über 40 panzern abgeschlagen wurden. 3n Tag- und Nachtangriffen fehle die deutsche Luftwaffe die Zerstörung von Verkehrs- und Ftugplahanlagen ostwärts der Wolga fort.

Südwestlich Kaluga dauern die schweren Ab­wehrkämpfe an. Nordwestlich Medyn und süd­ostwärts Rschew scheiterten wiederholte von pan­zern und starken Lustverbänden unterstützte An­griffe der Sowjets. Bei Nacht wurde ein feindlicher Flugstützpunkt mit guter Wirkung bombardiert. Auch südlich des 3lmensees und vor Le­ningrad scheiterten feindliche Angriffe. 3m Fin­nischen Meerbusen wurde ein sowjetisches Minen­suchboot durch Bombenwurf beschädigt.

An der Ostfront wurden am 3. und 4. September 182 feindliche Flugzeuge in Luftkämpfen und durch Flakartillerie zum Absturz gebracht, fünf weitere am Boden zerstört. 14 eigene Flugzeuge werden vermißt. 3n der vergangenen Nacht führten die Sowjets Stör flöge über dem Generalgouverne­ment und über Ostdeutschland durch, planlose Bombenabwürfe verursachten einige Verluste unter der Zivilbevölkerung. Es entstand geringer Sach- schaden. Der Feind verlor ein Flugzeug.

3m Südabschnitt der Front in A e g y p t e n schei­terten mehrere britische, mit Unterstützung von panzern geführte Angrifffe. Der Feind hatte starke Verluste und verlor mehrere hundert Gefangene, unter denen sich der Kommandeur der 6. neuseelän­dischen Brigade befindet. 3m offroärtigen Mittel­meer erzielte ein deutsches Unterseeboot auf einem britischen Zerstörer einen Torpedotreffer.

Stadt und Hafen von Dover wurden durch Fernkampfbatterien mit schwerem Feuer belegt. Die britische Luftwaffe führte in der Nacht zum 5. September einen lerrorangriff auf Wohnviertel der Stadt Bremen. Aus großer höhe geworfene Spreng- und Brandbomben trafen u. a. mehrere Kirchen und Krankenhäuser schwer. Nachtjäger und Flakartillerie schossen elf der angreifenden Bom­ber ab. 3m Kampf gegen Großbritannien griffen deutsche Flugzeuge, zum Teil im Tiefflug, 3n- dusirie- und Verkehrsanlagen an der englischen Süd- und Südostküste an.

3m nördlichen Abschnitt der Ostfront haben bei den harten und erfolgreichen Abwehrkämpfen der letzten Monate die 11. uttd 21. osipreußische 3n- fanleriedivision sich ganz besonders ausgezeichnet. Oberleutnant (5raf, Staffelkapitän in einem 3agdgeschwader, errang am 4. September an der Ostfront seinen 150. Luftsieg.

Vor Gründung eines europäischen Iugendverbandes.

Berlin, 5. Sept. (DNB.) Auf Einladung des Reichsleiters Baldur von Schirach treten vom 14. bis 18. September in Wien die Abordnungen der europäischen 3ugend zusammen, um die Grün­dung eines europäischen 3ugendverbandes zu voll­ziehen. Unter der Führung Deutschlands und 3ta- liens werden die 3ugendführer Europas ein B e- f e n n t n i 5 zu den revolutionären Er­ziehungsidealen ablegen, die eine an der Ostfront durch vergossenes Blut und gemeinsam errungene Siege zusammengeschiveiste 3ugend erfüllen.

Die rexistische Fugend antwortet Roosevelt.

Brüssel, 6. Sept. (DNB.) In einer Erklärung des Führers der rexistischen Jugendbewegung heißt es:Ein Plutokrat, der sogar den Einfluß des Marxismus bis zum perversen Bolschewismus auf das intensivste gefördert hat, will der Jugend als Vorbild erscheinen. Nein, Herr Roosevelt! Sie besitzen nicht mehr die Macht, unsere Ideale umzuformen ober zu beeinflussen. Ihre pharisäer­hafte Zuständigkeit hat ein Ende! Wir, di e "In­ge n b Walloniens, sind einig mit der Jugend Europas in unserem neuen völkischen Wollen. An uns erging der völkische Ruf. Wir die rexistische Ju- aend, haben diesen Ruf gehört, lieber die traurigen- Erinnerungen einer schmerzhaften Vergangenheit hinweg ist dieser Ruf zu uns gelangt und hat uns einen neuen Glauben an ein heiliges Ideal beschert. Gemeinsam mit den Kameraden Europas sind wir bereit, unser Wollen zu diesem Ideal unter Beweis zu stellen. An der Spitze der rexistischen Jugend beweist Ihnen das, Herr Roose­velt, der Opfertod unseres rexistischen Jugendführers im Kampf gerade gegen Ihre Welt. Und wir alle sind bereit, diesem, Beispiele zu folgen.

Zwei Fahre nationales Rumänien.

B u k a r e ft, 6. Sept. (DNB.) Rumänien beging den Tag, an dem vor zwei Jahren König Mi­chael I. den Thron bestieg und Marschall An- tonescu die Führung des Staates übernahm. In den Straßen sieht man neben den Fahnen Rumäniens die Fahnen Deutschlands und Italiens und neben den Bildern des Königs und des Staats­führers die Bilder Adolf Hitlers und Mussolinis. Marschall Au tonescu erließ einen Aufruf an das rumänische Volk, in dem er erklärt: Dieser Krieg ist unser eigener Krieg, weil vier Millionen Einwohner des Königreiches mit dem Boden un­serer alten Moldau uns von den Sowjets geraubt

worden waren. Wenn wir unser nationales Dasein nicht auf das Bündnis mit Deutschland und Italien gestützt hätten, und wenn die große deutsche Wehr­macht nicht die Gewähr für- die Freiheit unseres Bodens gewesen wäre, dann wären wir seit langem unter der Ueberflutung der bolschewistischen Horden zugrunde gegangen, die nur auf die Stunde unserer und Europas Zerstörung warteten. Der Kampf, den das rumänische Volk führe, läßt Rumänien voller Zuversicht die Schwelte dieses neuen Jahres der rumänischen Revolution und des Freiheitskamp­fes überschreiten.

Für Argentiniens Neutralität.

Buenos Aires, 6. Sept. (Europapreß.) In einer öffentlichen Kundgebung in der Hauptstadt Ar­gentiniens wurden Präsident C a st i 11 o die in 23 Bänden gesammelten Unterschriften von einer Mil­lion argentinischen Staatsbürgern überreicht, die sich für die Beibehaltung der Neutrali­tätspolitik Argentiniens aussprachen. Präsident Castillo betonte, daß die Neutralität niemals ein Land isoliere, sondern es im Gegenteil mit anderen Ländern zusammenführen könne. Wenn Argentinien auch dem Gedanken einer panamerikanischen Zusam­menarbeit grundsätzlich zustimme, so werde bie Re­gierung doch immer den Weg der Neutralität be­schreiten.

Castillo gab seiner Genugtuung Ausdruck, daß diese Haltung vom Vol^k gebilligt werde. Da­her sei bie Staatsführung auch in Der Lage, mit Würbe biefe Haltung zu wahren. Castillo befaßte sich auch mit den wirtschaftlichen Folgen der neutralen Haltung. Man müsse zugeben, daß Argentinien viele Dinge nicht erhalte, welche es benötige. Das Land müsse sich daher seine W i ri­sch aftsfreiheit erkämpfen, ebenso wie es früher bie politische Unabhängigkeit errungen habe. Dies sei die vornehmste Aufgabe der neuen Gene­ration. Diese wirtschaftliche Freiheit aber bedeute keineswegs die Abschließung von der Welt.

Die argentinische Volksbewegung für die Neutrali­tät war kurz nach der Rio-Konferenz an die Oesfent- lichkeit getreten und hatte Zustimmung in allen Volksschichten gefunden. Neben hohen Staatsbeam­ten setzten sich besonders Offiziere und die Geistlich­keit für die Bewegung ein. In Buenos Aires sowie in den Provinzstädten wurden Kioske aufgeschlagen, um der Bevölkerung Gelegenheit zur Unterschrift zu geben.

Füdische pollzeigewatt über Palästina-Araber.

Rom, 6. Sept. (Europapreß.) In Palästina haben die britischen Behörden tn jüngster Zeit die Anwerbung von Juden für den Polizeidienst ver­stärkt, damit aber zugleich eine erhöhte Mißstim-

Die Erneuerung der deutschen Rechtspflege.

Staatssekretär Rothenberger über die Führer-Bollmacht.

Der Führer hat dem neuen Reichsjustizminister die Vollmacht erteilt, eine nationalsozialistische Rechtspflege aufzubauen. Erste Gedanken darüber entwickelt Staatssekretär Dr. Rothenberger in derDeutschen Justiz". Er erinnert daran, daß Reiche vergangen sind, wenn an die Stelle von Recht und Ordnung Willkür und Korruption traten. Für das deutsche Empfinden bleibe das höchste Gut die Gerechtigkeit, nicht im Sinne eines Trugbildes desgleichen Rechts für alle", sondern im Sinne des alten preußischen SpruchsJedem das Seine". Die oberflächliche Betrachtung, em autoritärer Staat vertrage kein starke? Richtertum, weift der Staatssekretär als falsch zurück. Den Richter, der über Leben und Tod, Freiheit, Ehre und Familie entscheidet, erwartet das Volk als einen unerschütterlichen Repräsenta nhe n starken Rechts vor sich zu sehen. Andere Stel­len, auch der politische Leiter und sei es der beste und der Beamte, könnten nicht zugleich Richter sein. Sie hätten völlig andere Aufgaben. Sie alle bedürften eines Gegengewichts im Richter. Korruption, persönliche egoistische Interessen, Eitel­keit und Machthunger, die nun einmal im mensch­lichen Leben eine große Rolle spielten, könnten außer durch eine straffe politische Führung nicht besser verhindert werden als allein durch die Tat»

mung unter den Arabern hervorgerufen. Die Haupt­aufgabe dieser Polizeitruppe ist die Unterdrückung der arabischen Bewegung in Palästina. Neben einem bereits 20 000 Juden umfassenden Polizeikorps ist die Ausstellung eines weiteren im Gange, das vor­wiegend zum Einsatz auf dem Lande bestimmt ist.

Während sich die Juden für die Araberbekämp­fung zur Verfügung stellen, finden die britischen Versuche, sie auch zum Militärdienst zu rekru­tieren, nur sehr geringe Gegenliebe. Die Araber aber weigern sich grundsätzlich, in britische Dienste zu treten. So staben die Engländer für ein Palä­stina-Freiwilligenkorps von 2000 Mann bisher nur 500 Freiwillige finden können. Ebenso hat sich der Versuch zur Aufstellung eines Palästina-Regiments als ein Fehlschlag erwiesen, obwohl die Englände-r angekündigt hatten, daß sie getrennte Araber- und Judenbataillone aufstellen wollten.

Das Eichenlaub für Leutnant Hein.

DNB. Aus dem Führerhauptquartier. 6. Sept. (Funkfpruch.) Der Führer verlieh dem Leut­nant d. R. Gerhard Hein, Kompanieführer in einem 3nfankerieregiment, das Eichenlaub zum Rit­terkreuz des Eisernen Kreuzes und sandte an ihn nachstehendes Telegramm: ,.3n dankbarer Würdi­gung 3hres heldenhaften Einsatzes im Kampf für die Zukunft unseres Volkes verleihe ich Fhnen a l s 12 0. Soldaten der deutschen Wehrmacht das Eichenlaub zum Ritterkreuz des Eisernen Kreu­zes. Adolf Hitler."

Kleine politische Nachrichten.

Schweren Verletzungen, die er sich beim Einsatz im Osten zugezogen hatte, erlag in einem Lazarett der Ritterkreuzträger Hauptmann Bauhaus, Staffelkapitän in einem Sturzkampfgeschwader. Im Westfeldzug erwarb er sich als Führer der.Aus- Elärungsftaffel das E. K. I. Im Kampf gegen die Sowjetunion errang er bedeutende Erfolge, die im Mai 1942 zur Verleihung des Ritterkreuzes führten.

Der Führer hat angeordnet, daß das bisherige Reichsamt für Agrarpolitik der NSDAP, die Be­zeichnung Reichsamt für das Landvolk führt.' Die Anordnung gilt sinngemäß auch für die Nachgeordneten Aemter in den Gauen und Kreisen.

*

Der in Berlin weilende Generaldirektor der tür­kischen Staatsbahnen stattete dem Reichsverkehrs­minister Dr. Dorpmüller einen Besuch ab, bei dem die deutsch-türkischen Verkehrsfragen besprochen wurden.

Der Duce begab sich in Begleitung der General- stabschefs zu einem Flugplatz in Mittelitalien, wo er Erprobungen von Fliegerbomben beiwohnte.

Die baskische Leidenschaft.

Von unserem ständigen F.-Berichierstatter.

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.)

Madrid, Ende August 1942.

Die baskische Bevölkerung Nordspaniens hat trotz aller Stürme, die in den letzten zwei Jahrtausenden über die Iberische Halbinsel hinweggegangen sind, ihre Volkseiaenart bewahrt. Der Baske ist ein anderer Menschenschlag als der eigentliche Spanier. Groß, kräftig, breit in seiner Körpergestalt, er­innert er an unsere Westfalen, nur daß sein Haar dunkel ist. Aber auch in seiner geistigen Verfassung ist er dem Westfalen ähnlich. Zäh hält er am Ueber- lieferten fest und spricht heute, noch seine eigene Sprache, die den Gelehrten schon manches Kopfzer­brechen gemacht hat, trägt seine eigene Tracht, feiert feine eignen Feste und betreibt seinen eignen Sport.

Jeder Baske ist begeistert für das PeIota- Spiel, seine ureigenste Sportart. Pelota heißt zu deutsch Ball, und dieses baskische Ballspiel könnte man eine Abart des Tennis nennen. Das Spielfeld hat jedoch nür ein Feld, und an Stelle des Netzes ist eine hohe Wand errichtet, gegen die der Ball geschlagen wird. Die gegnerischen Parteien stehen also auf dem gleichen Feld und wechseln sich in ihren Schlägen ab. Diese Anlage trägt die Bezeich­nung Fronton und ist in jedem, auch in dem klein­sten baskischen Ort anzutreffen. Im ausgebauten Fronton haben die Spieler neben der Hauptwand vor der Front eine weitere an ihrer linken Seite, woran sich noch eine Rückwand in der Art der Frontwand anschließt, so daß sich der Kampf inner- stolb eines großen Rechtecks abspielt, dem eine lange Seite fehlt. Man könnte das Pelota-Spiel als Raum-Tennis bezeichnen, denn der Ball, der unse­rem Schlagball ähnlich ist, darf auf seinem Rückflug von der Anschlagwand auch die Seiten- und Rück­wand berühren, jedoch nur einmal den Boden

Das Spiel wird in mehreren Arten durchgeführt. Die älteste, die man als die klassisch-baskiscbe be­zeichnen könnte, weil sie in allen Dörfern des Bas­kenlandes leidenschaftlich betrieben wird, benutzt Zum Schlag lediglich bie mit einem Tuch umwickelte Hand. Bei den anderen werden Schläger aus Holz

und besonders geformte Schleuderkörbe verwandt. Diese Schleudertörbe haben die Form einer großen leicht gekrümmten Hand mit zurückgebogenen Fin­gerspitzen und werden am Unterarm und auf der Handfläche sestge schnallt, so daß sie die Bewegung des Handgelenkes mitmachen. Die größten haben eine Länge von 50 cm. Mit dieser künstlichen Hand wird der Ball geschickt aufgefangen und sofort durch einen Schwung des ganzen Armes gegen die An­schlagwand geschleudert. Er erhält auf diese Art oft eine Geschwindigkeit, daß er nach dem Aufschlag über den Raum hinweg gegen die 60 m entfernte Rückwand prallt. Don dort muß er entweder direkt oder nach dem Ausschlag auf den Boden von einem der Gegenspieler, die meist in Paaren spielen, ge­nommen und wieder gegen die Frontwand ge­schleudert werden. Berührt der Ball jedoch zweimal den Boden, so zählt dieses für die Gegenpartei als Pluspunkt. Das Spiel geht meist über 30 Punkte, kann aber bei großen Treffen auf 40 und mehr angesetzt werden.

Die spanische Wettleidenschaft hat mit dem Pelota- Spiel ein besonderes persönliches Weltsystem ver­bunden. Der Zuschauer, der auf den Sieg einer Partei einen bestimmten Satz setzen will, ruft dieses einem der für diesen Zweck angestellten Vermittler zu, der es vor dem Spiel ausruft. Der gewöhnliche Satz ist meist 100 Pesetas oder 20 Durvs, wie es in der Sprache der Pelota-Wetter heißt. Nimmt einer diese Wette an was fast immer geschieht, Dann notiert der Vermittler das auf einem Block unb wirft den beiden Wettlustigen in einem geöff­neten Tennisball die Kopien zu. Aber auch wäh­rend des Spieles geht bas Wetten weiter, nur daß entsprechend dem Spielstand die Sätze nicht mehr pari stehen. Wer zuerst mit 100 Peseten auf Rot abgeschossin hat, kann später auch noch eine Wette auf Blou abschließen, nur mit dem Unterschied, daß er für 100 Ptas. oft 200, 300 ober 400 Ptas. gegen» fegen muß. Gewinnt Blau, bann verliert er aus feiner ersten Wette 100 Ptas. unb gewinnt aus feiner zw.-iten Wette 100 Peseten, so daß er, ab­gesehen von ben Steuersätzen, keinen Verlust hat. Gewinnt aber Rot, so erhält er aus seiner ersten Wette 100 Pesetas, muß aber für die zweite 200, 300 ober 400 Ptas. entsprechend» seinem Abschluß zahlen. Nach Schluß des Spieles findet die Abrech­

nung mit dem Wettvermittler statt, und mancher Spanier hat feinen schwer erarbeiteten Wohlstand durch leichtsinnige hohe Wetten wieder eingebüßt.

Für einen Sportliebhaber aber ift das Zusehen bei einem Pelota-Spiel- ein Hochgenuß. Kraft, Ge­schicklichkeit, Schnelligkeit und Einsatz treten hier irr einer Form auf, bie kaum von einem anderen Ball­spiel übertroffen werden kann. Daneben aber weift bas Spiel mit Schleuderkörben eine Eleganz und eine Vollendung der Bewegungen auf, die selbst den Nichtsportier in stärkstem Maße fesseln.

Tante Malwine.

Von Olaf Hinz.

. Vom Fenster meines Hotels sah ich auf den großen Platz, in dessen Mitte eine weite Rasen­fläche mar, auf der Kinder liefen und spielten. Plötzlich geschah etwas, das mich fast unbeweglich am Fenster verharren ließ. Es war gar nichts Be­sonderes, etwas, das von den Fußgängern, die den Platz überschritten, kaum beachtet wurde, nur die spielenden Kinder ließ es ein Weilchen innehalten.

Eine sehr alte Dame schritt am Rasenrund vor­über. Sie war altmodisch gekleidet. Einen langen schwarzen Tuchrock trug sie, dessen' Schleppe über den Boden strich; auf dem weißen Haar saß ein winziges Kapotthütchen, unb vom Arm hing ein mit zarten dunklen Schleifchen verzierter Pompa­dour herunter.

Es war wie ein vergessenes, ehrwürdiges Bild aus einer lange vergangenen Zeit. Die Kinder sahen mit großen Augen verwundert auf die dunkle Gestalt, dann, mochte er der sonderbar kleine Hut oder der schleppende Rock der alten Frau fein, der fie dazu on regte, lachten sie hell und laut, so daß einige der Erwachsenen sich umwandten unb ein wenig lächelnd auf die still fortschreitende Frau bückten.

Wie festgehalten stand ich an meinem Platz und Ichaute auf das seltsame Bild, und ganz von selbst sagten meine Lippen:Tante Malwine!" Na­türlich war es nicht Tante Malwine, die war feit fahren tot, aber war es bie Aehnlichkeit in der Gestalt ober war es auch nur bie so ganz

für die Begriffe von heute unmoderne Kleidung einen Augenblick sah ich in jener Gestalt, der fo viele Augen nochblickten, meine Tante.

Tante Malwine war die Liebe meiner Jugend. Kam die Kunde zu uns Kindern, daß sie für ein paar Wochen zu Besuch ins Haus kommen würde, so mar Freude unb Glückseligkeit in uns. Es war nicht das Ausschlaggebende, daß die Tante immer etwas Gutes für uns in der Reisetasche hatte, nein, es mar ihre über alle Maßen gütige Persönlichkeit, die Ruhe unb Freundlichkeit ihres Wesens, die uns Kindern so lieb war. War Tante Malwine da, so konnte unsere geplagte Mutter beruhigt sein, bann gab es keinen Streit zu schlichten dann war eitel Friede und Freude im Haus. Ich kannte sie nicht anders als weißhaarig, immer im dunklen Kiew, mit einem schwarzen' Pompadour, der, saß sie im Sessel, auf ihrem Schoß lag.

Denke ich an Tante Malwine, bann spüre ich, noch ehe ich im Geiste ihr vertrautes Gesicht sehe, ganz deutlich den Duft, der um sie war. Es war ein zarter Geruch von Pfefferkuchen unb Anis. Und dieser leichte Duft war mir so lieb, daß ich oft mein Gesicht tief in die Falten ihres Rockes grub, um ihn mit geschloffenen Augen zu atmen.

Ich liebte die Tante von ganzem Herzen, und ihren Tob wollte ich langp nicht glauben.

Als ich einmalich war als Soldat im Kriege einen Brief von Tante Malwine bekam, eng mit kleinen Buchstaben beschrieben, kam mir wieder aus den Blättern jener Hauch von Pfefferkuchen und Anis entgegen. Und dieser Duft war es, der mir inniger unb rührender von Zuhause erzählte, als viele liebe, gute Briefe unb Botschaften. Ich trug den Brief bis zu meiner Verwundung in der Tajche. Er war schmutzig geworden, die Schrift kaum noch leserlich aber wenn ich einen Augen« blick stillestand unb die Blätter dicht vor das Ge­sicht hielt, spürte ich, wenn auch ganz leise nur, jenen Duft, der mich so sehr nach Hause rief.

Ich habe sie bann nicht mehr gesehen. Sie starb still eines Winters in ihrer kleinen Wohnung. Ich lag im Lazarett, ober all meine Gedanken waren bei ihr, die nun in die Ewigkeit ging.

Jetzt mar es in einer fremden Stadt, wo sie flüchtig, für einen Augenblick, on mir Dorübcrqinq, still unb gütig, wie ich sie kannte und liebte