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Backwunder

Reese-Gesellschaft Hameln

Man verlange beim Einkauf

7./R. Hebruar W42

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Vderhesien)

Rr.52 Zweiter Blatt

Bei seiner jüngsten Zusammenkunft mit Roose- selt hat Churchill den Ausverkauf des britischen

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vchönheit der Schwärmer Landschaft; tnurrer wieder

Aus der Stadt Gießen.

Die Gewohnheit.

Das ist gegen meine Gewohnheit", sagt Frau Müller, als die Briefträgerin darum bittet, unten im Hauseingang einen Briefkasten anzubringen. Gegen die Bitte ist nichts einzuwenden, aber Frau Müller hat ihre eigene Meinung.' Die Treppen hinunterlaufen und den Briefkasten aufschließen macht Umstände. Ist es nötig, diese Umstände auf ich zu nehmen und von der Gewohnheit abzu­weichen? Der Nachbar der Frau Müller gibt als vernünftiger Mann eine Erläuterung zu dieser Frage. Jawohl, es ist zweckdienlich, der Bitte zu entsprechen. Für die stark in Anspruch genommene Briefträgerin bedeutet der Briefkasten eine wesent­liche Entlastung, und für die Hausbewohner wird die .kleine Mühe durch das Bewußtsein ausge­wogen, daß man auch zu seinem Teile dazu beiträgt, dem Ganzen zu dienen. Frau Müller hat sich über­zeugen lassen. Der Brieftasten hängt, und die alte Gewohnheit ist ohne Erschütterungen einer neuen Gepflogenheit gewichen.

Es geht nämlich ganz gut, auch mal anders zu handeln, als es die Gewohnheit diktiert. Die Ge­wohnheit erweist sich leider im täglichen Leben oft als ein Faktor von beklagenswerter Halsstarrigkeit. Gewiß, es gibt auch gute Gewohnheiten, gegen die kaum etwas einzuwenden ist, aber die weniger guten befinden sich meist in der Mehrzahl und ge­rade sie besitzen die zäheste Lebensdauer. Der eine ist nicht davon abzubringen, jeden Morgen genau fünf Minuten später aufzustehen, als es sein Weg zur Arbeitsstätte zuläßt, der andere sieht es als notwendig für sein Lebensqlück an, noch vor dem ersten Frühstück eine Pfeife zu rauchen. Dieser kann auf dem Nachhausewege unter keinen Um­ständen an einem Lokal vorbeigehen, jener muß auf alle Fälle erst einen Schwatz van einer halben Stunde mit der Nachbarin auf der Treppe ab- halten, ehe sie in höchster Eile daran geht, das Mittagessen vorzubereiten. Auf Schritt und Tritt enthüllen sich jedenfalls Gewohnheiten, die keines­wegs immer erfreulich sind.

Es hat zu allen Zeiten kluge Menschen gegeben, die der Meinung waren, daß man sein Leben wert­voller gestalten und mit neuen Impulsen erfüllen könne', wenn man von Zeit zu Zeit immer wieder den Kampf mit den Gewohnheiten aufnehme. Es steckt viel Wahres in dieser Auffassung, denn nichts macht das Leben eintöniger und reizloser als ein Trott, den man sich selber anerzieht. Abwechslung dagegen bringt neue Gesichtspunkte, ruft das In­teresse wach und erhält geschmeidig. Deshalb ist es durchaus verdienstlich, wenn ab und zu der Ge­wohnheit ein Halt geboten wird. Sei es durch eigene Einsicht oder durch zwangsläufige Erscheinungen. Das Leben ist zu blutvoll, als daß es in gipsfesten Formen erstarren möchte. H.W. Sch.

Wiedereröffnung des Theaters.

Am Sonntag, 8. Februar, wird das Theater der Universitätsstadt Gießen mit der Erstaufführung der Johann-Strauß-OperetteDas Spitzentuch der Königin" wieder eröffnet. Das melodienfrohe Werk wird musikalisch betreut von dem musikalischen Ober­leiter Otto Söllner und^insreniert von ftranj Payer. Die Partie der Rosette singt Gabriele P o s s i n k e, die des Tomba Franz Josef S a t t - l e r. Es wirken mit: Annemarie Schwind als Lorie, Eberhard Kratz als Baron Enzian unb Hans Bergmann als Hofrat. Die Tänze studierte Andreas B o l p e r t ein. Das Bühnenbild stammt von Karl Löffler.

Die Amerikanisierung Kanadas.

llnter Washingtons Wirtfchastskontrolle. - Churchills DerzweiflungSgeschäst

Von Dr. Peter Aldag.

Es kracht an der Bucht von Tanganrog.

Pioniere kämpfen um eine Eise ibahnbrücke. Gowjet-Panzerzüge entgleisen.

Imperiums fortgesetzt. Zu den wesentlichen Ergeb- I' ässen dieser im Schatten schwerer Niederlagen ab- I gehaltenen Konferenz gehören die hinsichtlich Kana­ls getroffenen Abmachungen. In erster Linie han- M es sich dabei um die Zollunion zwischen diesem tanbe und den USA., sowie weiter um die Tat-

> lion Pankees nach Kanada' ausgewandert sind.

. Bon dem etwa 30 Milliarden betragenden kanadi­schen Vermögen befindet sich über ein Zehntel in Händen der U S A., und die kanadischen Ge- ' vinne stehen in engem Verhältnis zu den Summen, die den USA. aus diesem Lande zufließen. Der An­teil Großbritanniens beträgt demgegenüber nur 7,4 v. H. oder roh umgercchnet 2 Milliarden Dollar gegenüber amerikanischen Investitionen von drei Marti en. Diese Ziffern basieren auf Schätzungen Don Dr. K. W. Taylor von der MacMaster-Universi- tät. Inzwischen hat amerikanisches Kapital in »oesentlich stärkerem Maße in Kanada zum Nachteil

Großbritanniens Fuß gefaßt. ,

In der Zeit von 1920 bis 1930 ist der Anteil Nroßbritanniens an dem in Kanada angelegten aus- "landischen Kapital von 77 auf 39 v. H. gefallen, Cvährend Amerikas Anteil in der gleichen Zeit von 17 auf 57 v. H. anstieg. Nach im englischen Parla-

ment gemachten Ausführungen hat amerikanisches Wirtschaftskapital es verstanden, die Kontrolle über mehr als 1 4 0 0 wirtschaftliche Unternehmungen in Kanada mehr oder * minder großen Umfanges an sich zu reißen.

Kanada stellt den besten Markt für die Ausfuhr- guter der Vereinigten Staaten dar, wie es ander-

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als Sonnen, wie eine Henne Eier legt, einen ganzen Himmel voll, und wozu? Der Lehrer wird sich wundern, wenn er am Jüngsten Tage merkt, daß der Himmel doch nicht nach dem Einmaleins gemacht ist. Er behauptet ja auch, der Mond sei eine Kugel. Das möchte noch hingehen, solange er voll ist, aber er hat ja mehrlei Gestalt, einmal sieht er wie ein Butterhörnchen aus, das andere Mal wie ein miß­ratener Käse.

Nein, so einfach ist das alles nicht, niemals kommt Seppel mit diesen Rätseln zurecht. Da kauert er in der weiträumigen Nacht, ein Würmchen, an der Erde festgekrallt, ein winziges Lebewesen mit seinen mühseligen Gedanken, jeden Augenblick kann es der schwarze Abgrund über ihn verschlingen.

Seppel hat einen guten Verstand und geschickte Hände. Wenn er einen Nagel einschlagen will, so trifft er ihn auch kunstgerecht. Aber zugleich ist etwas Besonders daran, es ist kein gewöhnlicher Stift aus Eisen, sondern ein lebendiges Wesen, das unter dem Hammer zittert und schreit, wie es alle Nägel tun, seit ihrer vier die Gliedmaßen des Herrn durchbohrt haben. Auch in der Schule verkehrt sich dem kleinen Seppel alles auf eine rätselhafte^ Weise. Er schrieb z. B. die Geschichte von dem mächtigen Feldherrn Wallenstein in sein Heft.Das ist ja sehr schön, Seppel!" sagt der Lehrer,wie also Wallenstein in seinem Prunkgemach schlief, furchtlos bei offenen Türen, und die Mörder schlichen zitternd an sein Bett. Aber wer in aller Welt hat dir er­zählt, daß er plötzlich aufsprang und ihrer sieben zu Tode warf, zwei an die Wand, zwei durch das Fenster und den Rest über die Treppe hinunter, ehe er sein Schwert ergriff und die Feinde in der­selben Nacht schrecklich aufs Haupt schlug? Es wäre vielleicht gut, wenn du recht hättest", meint der Lehrer,aber es ist nicht wahr, sie haben ihn schändlich umgebracht."

So? Woher weiß der Lehrer das so genau? Hat er den Wallenstein gekannt?

Seppel begreift nicht, daß die Dinge ihren vor- gezeichneten Lauf nehmen müssen, er mochte sie auf seine Art ordnen und ein bißchen zurechtrucken, damit sie schöner unb trostvoller wären. Vielleicht gehört Seppel zur Gattung jener Menschen, denen Gott aus Versehen eine Engelsseele eingebtesen hat. die nun zwar voll von einer seligen Ahnung des Unendlichen unb der göttlichen Geheimnisse ist, aber gleichermaßen blind und doppelt qualvoll, gefangen in der finsteren Enge des Leibes, so daß diese Men­schen sich nie zurechtfinden und nichts Ordentliches werden können, nur Spielleute oder Kalendermacheü,

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nental-Amerikas. Er kommt zu der Feststellung, daß Großbritannien diesen Krieg keineswegs ohne die Hilfe Kanadas unb der USA. überstehen könne. Un­ter diesem Gesichtswinkel betrachtet er die Vereinig­ten ©taten als den natürlichen Beschützer Kanadas.

Harvey ist überzeugt, daß die Vorherrschaft Groß­britanniens in allen Gebieten der Welt für immer vorbei ist. Der einzige und logische Ausweg liegt nach seiner Auffassung darin, daß das englische Volk begreifen lernt, daß sich der Mittelpunkt der Welt von London nach Nordamerika verschoben hat. Er schlägt keineswegs vor, das englische Mutterland in den 200 Millionen umfassenden Nordamerikani- schen Staatenbund aufzunehmen, zieht vielmehr die Schlußfolgerung, daß England friedlich als unab­hängiges Inselvolk leben kann, sofern es die Führer­schaft der angelsächsischen Welt zugunsten der neuen kontinentalamerikanischen Nation opfert. In dem Falle, so führt Harvey aus, würde sich niemand mehr um England kümmern, da es nur noch eine zweitrangige Macht darstellt.

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eite hinsichtlich ihrer Einfuhren zu den Hauptliefe­ranten zählt. Auch in dieser Hinsicht wurde Groß­britannien in steigendem Maße von den USA. aus dem Felde geschlagen.

Im November 1940 brachte die in Montreal in ranzösischer Sprache erscheinende TageszeitungLe Jour" einen Artikel, der für die Vereinigung Kanadas mit den USA. in einem großen Nordamerikanischen Staatenbund" eintrat. Er hatte eine so ungeheure Wirkung, daß er sofort ins Eng­lische übersetzt wurde. Die von dem kanadischen Journalisten Jean Harvey gemachten Ausführungen entwickeln zunächst einen Plan für die künftige Sicherheit und den wirtschaftlichen Aufstieg Konti-

Nosen umwachsen das Atelier. Es sind zwanzig Jahre her, daß wir mit scheuer Ehrfurcht zum erftenmale dort eintraten. Wir waren dazu einge- lüden. Der Meister tritt uns entgegen. Groß, schlank und elastisch mit dem feinen Charakterkopf steht er in dem einfachen Raum, der mit altem, schwerem Hausrat aus der Schwalm ausgestattet ist. Be­herrscht wird er heute von der Staffelei mit dem großen farbenbunten Gemälde der Schwälmer Mäd­chen in ihrer Sonntagstracht auf einem sonnigen Hügel Wir stehen bewundernd und schweigend da­vor. Carl Bantzer wirst ein paar Bemerkungen in den Raum. Wir sehen nicht nur, wir lauschen auch. Denn was er sagt, ist ebenso denkwürdig wie das, was er tut. Er spricht über die einzelnen Stosse unb ihre Farbwirkung auf dem Bild, über seine Modelle, das Charakteristische in ihren Gesichtern lg; er zeigt uns die Studien zu Hügel, er spricht beglückt von der

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3 m Osten, Anfang Februar.

Dicker grauer Nebel liegt über der Bucht von Taganrog. Seit drei Tagen schneit es wieder un­unterbrochen. Und dazwischen fegt der Sturm, läßt die Wassermassen wie kleine Fontänen hochspritzen und treibt uns den Schnee ins Gesicht. Unsere Feld­stellungen liegen nur wenige Kilometer von der feindlichen Linie entfernt. Bei dem fortwährenben Artilleriefeuer der Sowjets bieten sie uns gute Deckung.

Der Abwehrkampf, in den wir Pioniere hier an der südlichen Front eingefugt sind, wird immer wieder durch das vom Feinde zu einer starken Fe­stung ausgebauten Dorf A. behindert. Um den Be­sitz dieser Ortschaft geht es! Sobald es den Pio­nieren in engstem Zusammenwirken mit der In­fanterie gelingt, das Dorf zu nehmen, kann unsere Hauptkampflinie wesentlich günstiger gezogen werden.

Ein kalter Morgen graut heran, als wir Pioniere uns durch dichten Schnee und über vereiste Tümpel auf den Weg machen. Es gilt wieder mal, wie schon so oft in den vergangenen Tagen, möglichst viele der rings um das Dorf eingegrabenen feind­lichen Minen auszunehmen. Solcher Einsatz bedeutet an sich schon ein .^Himmelfahrtskommando" be­sonders aber bei einem derartig hartgefrorenen Boden, wie wir ihn auf Schritt unb Tritt vor­finden. Doch wir haben großes Glück. Secks Minen­gürtel hintereinander sind hier keine Seltenheit. Da müssen für unsere Panzer unb Infanteriewaffen regelrechte Gassen durchgelegt werden.

Als sich der Abend hemiedersenkt, können wir ein erfreuliches Ergebnis buchen: Heber fünfhundert Minen sind ausgenommen worden. Was es be­deutet, mit vor Kälte klammen Fingern die gefähr­lichen Zünder zu entfernen, das kann nur der be­urteilen, der selbst mitten unter einem solchen Mi- nensuchkommando gewesen ist. Nicht ein einziges Mal ist es schief gegangen. Die Sowjets haben in der Eile nicht mehr alle Minen verlegen können: An vielen Stellen liegen die uns so vertrauten Kästen aus Blech und Holz zu Haufen herum.

Am nächsten Tag sind die Panzer schon in Be­reitstellung, als unser Pionierzug sich -in Marsch setzt. Es soll zum Sturm gegen das Dorf gehen. Zunächst aber hat unsere Artillerie das Wort. Ihre Einschläge liegen heute verdammt gut. In dem Augenblick, da wir Pioniere aus der Deckung her­vorbrechen, sehen wir, wie die Sowjets sich mit ihren schweren motorisierten Geschützen über eine kleine Brücke zurückziehen wollen. Ein Leutnant springt blitzschnell vor, und weil der bolschewistische Fahrer nicht gleich freiwillig halten will, wird er erledigt. Das gibt einen dumpfen Krach, unb schon faust das herrenlose Geschütz in einen zugefrorenen Wassertümpel.

Die ersten Häuser der Ortschaft sind erreicht. Un­sere Hauptaufgabe lautet, die nahe gelegene Eisen-

zieht es ihn hierher zurück, wie oft er auch versucht hat, anderswo zu schaffen.

Das ganze Leben unb Wesen der Schwalm, nicht nur ihre bezaubernde Natur hat er mit seiner Künstlerseele erfaßt, in sich aufgenommen unb sie in seinen Kunstwerken dem Wechsel und Wandel der Zeiten entrissen. Die Ernteleute in drückender Som­merhitze bei tier Arbeit, die Bauern beim Abend- mahlsgang in der Dorfkirche, die Mädchen und Burschen bei frohem Fest im Wald, bei Tanz und Sang hat er sie begleitet, aber auch an Trauer und Grabgeleit hat er Anteil genommen und sie in seinen großen Gemälden dargestellt. Ja, auch die früher unvermeidlichen Zigeuner in ihrer fremd­artigen Naturgebundenheit hat er in wunderbarer Weise ersaht unb das Beste und Schönste an ihnen festgehalten. .

Ein warmes freundschaftliches Verhältnis, das von des Künstlers Seite her auf einer tiefen Kennt­nis unb echtem Verständnis für die Seele des Schwälmer Bauern gegründet war, unb das auf tier andern Seite der Dankbarkeit und Verehrung für den Meister entsproß, verband Carl Bantzer mit feinen Willingshäusern. Er kannte jeden einzelnen von ihnen, seine Verhältnisse, seine Lebensgeschichte, seine Freuden, seinen Kummer unb seine kleinen unb großen Schwächen. Und wenn wir abends im Malerstübchen zusammen saßen, bann konnte es ge­schehen, daß er humorvolle Geschichten, köstliche Un- terhaltunaen und lustige Erlebnisse mit ihnen zum besten gab. In echt Willingshäuser Mundart er­zählte er von der Alten, die auf seine Frage:Na, Mari-Kath, wie gehts denn Ihrem Mann?" ant­wortete:Eich glab, »eich muß den Säuigel den Winter über noch emal behale." Oder von der an­dern, die sich über ihren Mann beklagte und auf Bantzers Einwurf, er sei doch nicht so schlimm, entgegnete: . Wissen Se, des is en Straßeengel und en Hausteufel." .

Zuweilen versammelte sich auch em kleiner Kreis von Malern unb Freunden in dem schönen Atelier bei Frau Thielmann zu abendlicher Plauder- ftunbe. Wenn bann Carl B a n tz e r von seinen Mo­dellen unb Gemälden sprach, dann lernte man seine Schöpfungen mit dem inneren Auge erfassen. Viele Wochen, ja Monate und Jahre trug er einen philosophischen Gedanken mit sich herum, bis er die Art unb Weise gefunden hatte, ihm in einem Ge­mälde Ausdruck zu verleihen. Nur aus so einer tief­sten Lebensschau werden wir eine seiner letzten großen Schöpfungen, das Wandgemälde im Rat- Haus zu Marburg, ober das Bild3Utt in den Wald" verstehen können. Zu letzterem schrieb er

nadischen Wälder umfassen 1280 Millionen Morgen gegenüber 800 Millionen der USA.

: Kanada besitzt ein Sechstel der gesamten .Hohlenreserven der W e l t,'während sich in Neufundland allein Eisenerzlager von 3635 Millionen Tonnen befinden. In seinem Buck Eisenerze" weist E. C. Eckel darauf hin, daß sich jolche Lager über ganz Kanada hinweg von Neu- Lraunschweig bis Brittsch-Kolumbien erstrecken, die . nod) keineswegs hinreichend erforscht sind. .

Nach Ansicht USA.-Sachverständiger dürste die Eigenerzeugung der Vereinigten Staaten an Weizen und Fleisch in' absehbarer Zeit nicht mehr zur Er­nährung der einheimischen Bevölkerung ausreichen. Kanadischer Weizen wird bann unentbehrlich sein. Die Holzversorgung der USA. ist bereits ernstlich beeinträchtigt, so daß man für Bau- und Papier- -holz schon auf die riesigen Vorräte Kanadas zurück­gegriffen hat.

Die unsichtbare Front, die beide Länder vonein- t ander trennt, hat sich keineswegs als Barriere gegen rdie Amerikanisierung Kanadas erwiesen. -Rehr als eine Million Kanadier, das entspricht | i'tma einem Zehntel der gesamten Bevölkerung die- öilBDBö ilDilti e5 Dominions, leben in den Vereinigten Staaten, Zunge» un tu ß während auf der andern Seite etwa eine halbe Mil- t» öt6tn ilm ; |irm snnnfooc nnrh Kanada« misoewandert lind.

CarlBantzer zum Gedächtnis.

Von Tona Baur.

8 Wenn die Erde in ihrem lieblichsten Schmucke ^jteht, wenn der Flieder duftet, Akelei und Vergiß- tinemicht, Margeriten und Glockenblumen blühen, öenn der Wald in seinem frischesten Grün prangt, dann zieht es uns alljährlich in die lieblicken *0rüntie der Schwalm, in das traute Malerdörfchen Willingshausen. Am Eingang des Dorfes steht das Hückerhäuschen; hier finden wir für die kurzen LFerientage ein Heim. Bufchi umbellt uns halb- .tend, halb bekannt, und unsere liebe'Wirtin, Fräu­lein Hücker, kommt zum Empfang herbeigeeilt. Wie Dohl oertraut blicken uns das Häuschen, der Gar­ten, die Wiesen, die Felder und die Berge mit den Waldern in der Ferne'an! Alles dies finden wir wieder; aber ein dunkler Schatten zieht vorüber unb legt sich uns schwer aufs Gemüt. Einen finden wir hitr nicht wieder: Carl Bantzer, den Größ­ten von denen, die hier, feit Jahrzehnten in dieser io merkwürdig unberührten Natur ihre Kunstwerke geschaffen Haden. Viele haben wir schon vor ihm hier sche-iden sehen; menschlich gesprochen viel zu früh: Wilhelm Thiel mann, Heinrich Otto, Hans von Volkmann, Lily von Asten und andere. Ein langer, von beglückender, schöpferi- . scher Arbeit erfüllter Lebenstaa ist zu Ende. Die Sonne ist untergegangen. Die Arbeit ruht. Sie ist vollendet.

Dort unten im Garten des Rentamts steht von

I. jache, daß die ganze kanadische Industrie der Ver- | iiiaungsgewalt Roosevelts unterstellt worden ist.

Waren es das erstemal wichtige Stützpunkte in Neufundland und auf den Westindischen Inseln, j Sie Roosevelt gegen 50 alte Zerstörer von den Briten i einhanbelte, so hat der Liquidator Churchill diesmal uoch tiefer in den Beutel greifen und Kanada dem Imperialismus seines Bundesgenossen ausliefern müssen. Allerdings liegt die Einräumung so bedeu- lenber Konzessionen in dem großen unb reichen Dominion Kanada nur im Rahmen dessen, was sich oereite seit längerer Zeit Schritt für Schritt vor­bereitete.

Kanadas riesige Ackerbauflächen, seine ausgedehn­ten Waldungen,^ Kohlenlager und Eisenerzreserven geizten die USA. schon lange zu einer amerikani- - chen Expansion. Der Flächeninhalt Kanadas ist um ;tu>a 800 000 Quadratkilometer größer als das Ge­riet der Vereinigten Staaten. Seine Gesamtanbau- släche beläuft sich auf 858 Millionen Morgen gegen­über nur 470 Millionen Morgen der USA. Die ka-

selbst an einen Freund als Gruß zur Jahreswende 1940: Wenn wir jetzt auch in undurchdringliches Dunkel hineinreiten, so soll uns doch die Hoffnung nicht verlassen, daß wir noch einen freudigen Früh­ling erleben, daß wir aus dem Dunkel des wilden Waldes auf eine sonnige, blumengeschmückte Wiese hinaustreten, über der ein heiterer Himmel sich wölbt, unb über die wieder jubelnde Kinder hüpfen können. Die letzten Zeilen hatte der Meister auf die Rückseite seinerFrühlingswiese" geschrieben.

Wenn der Meister nun auch selbst zum letzten Mal durch seinen geliebten, herrlichen Willings­häuser Wald gewandert ist, der ja auch diesem Sinnbild als Vorbild gedient hat, unb für dessen Schönheit er uns auf so vielen gemeinsamen Wald- gängen die Augen und Sinne zu öffnen verstand, wenn wir den Meister nun nicht mehr auf diesen Gängen begleiten dürfen, so wirb doch jede schöne Walbecke, die Buchen am Osterburg, die große alte Eiche am Weg, ja der Duft über den Feldern, jedes Fest unb jebes Grabgeleit, sie alle werden lebendiges Denkmal für diesen großen Künstler, diesen schlichten Menschen und guten Freund sein.

(Sterne.

Von Karl Heinrich Waggerl.

Der kleine Seppel sitzt allein im Dunkel vor dem Feuer, es ist eine kühle, mondlose Nacht. Die Stille steht hinter ihm und rührt ihn im Rücken an, darum muß er ein wenig pfeifen unb einen frischen Ast ins Feuer stoßen. Ein Hund heult in der Ferne, manchmal trägt der Wind das Rauschen des Baches heran, als habe sich plötzlich eine Tür im Dunkeln geöffnet.

Funken steigen auf, schweben zwischen dem Geäst und vermischen sich mit den Sternen, die aus der grundlosen Schwärze des Himmels strahlen. Wie weit ist 'es wohl bis zu ihnen, denkt Seppel, was sind sie überhaupt nur goldener Staub auf den Wegen der Engel? Oder sind es die Seelen der Abgesckiedenen. leuchtend verklärt und aller Schuld und Mühsal für ewig enthoben? Der Lehrer sagt, die Sterne seien Sonnen, und vielleicht schienen einige von ihnen wiederum auf eine grüne Welt, ähnlich der unseren.

Das glaubt Seppel nicht. Gott macht kein einziges Grashälmchen so wie das andere, wenn man es genau betrachtet. Jedes Ding in tier Welt ist nur einmal da unb von allem übrigen verschieden, das hat Seppel längst herausgefunden. So kindisch ist Gott nicht, daß er nur Sonnen machte, unb nichts

bahnbWcke möglichst heil in die Hand zu kriegen. Kaum sind wir ins Dorf eingerückt, da beginnt eine wilde Schießerei. Aus zahllosen Fenstern knallt es, fliegen die . Handgranaten, hinter fast jeder Mauer stehen sie unb feuern wie toll. Mit diesem Gesindel können wir uns nun nicht weiter befassen. Die Ab­rechnung kommt später. Jetzt haben wir erst Wich­tigeres zu tun.

Die Bahn, auf die wir es abgesehen haben, über­quert mit vielen Gleisen die Straße. Hier haben wir den Fluchtweg der sowjetischen Züge vor uns, und wenn uns das Glück heute hold ist, schnappen wir sogar einen ihrer schweren Panzerzüge. Spren­gen dazu reicht die Zeit nicht aus. Apch können wir unsere Munition dafür nicht verwenden, die brauchen wir anberswo notwendiger.

Da überholen wir die sowjetischen Artillerie­kolonnen und schneiden ihnen in letzter Minute den Rückzug ab. Die Fahrer werden im Nahkampf durch MG. unb Handgranaten überwältigt. Ihre Fahrzeuge, nun ohne lenkende Hand, rasen die steile Straße hinunter, mitten auf di^Eisenbahnschienen, wo sie hart aufeinanberpraHen. Kanonen und Fahr­zeuge bilden ein wüstes Durcheinanber unb ver­sperren die Gleisanlage vollstänbig.

Schon von ferne hören wir das Fluchen eines Zuges. Der ist geliefert! Mit Volldampf braust der vollbeladene Güterzug auf die Hindernisse, entgleist unb verstärkt so noch mehr die schon vorhandene Sperre. Kurz danach kommt ein Panzerzug um die Biegung. Zu spät, mein Lieber, tier Lok-Führer übersieht das Hindernis, und auch sein Zug ent­gleist unter lautem Getöse. Nur wenige Sekunden vergehen, da rast ein zweiter Panzerzug heran, den das gleiche Schicksal ereilt.

Tiefe Dunkelheit breitet sich über die weite Schneefläche, als wir Pioniere endlich die Brücke erreichen. Nun können die Ladungen, die die Sow­jets überall eingebaut haben, nicht mehr entfernt werden. Wohl ober übel begnügen wir uns damit, die Sprengkabel durchzuschneiden. Ein Brückenkop' wird gebildet, gegen den die Sowjets die ganze Nacht hindurch anzurennen versuchen. Doch immer wieder holen sie sich blutige Köpfe.

Beim Morgengrauen nähert sich ein Sowjet­panzer. Er soll ruhig über die Brücke kommen. .Unser warmer Empfang ist ihm sicher. Merkwürdig, er schieß ja gar nicht. Was er wohl vor hat? Plötz­lich, mitten auf der Brücke, bleibt der Panzer stehen. Vier Mann Besatzung svringen heraus und wollen fliehen. Im gleichen Augenblick geht mit ohrenbetäubendem Knall die Brücke hoch. Jene Labungen, die wir gestern abend nicht mehr be­seitigen konnten, haben ihre Wirkung getan. Zum Glück sind wir Pioniere hübsch weit davon entfernt in Deckung, so daß uns nur noch ein paar dicke Spritzer von Lehm- und Schneeklumpen um die Nase fliegen. Walter Weiskirchner.