uns Lebensmittelmarken. Schließlich nahm er in Wilhelmshaven eine Stelle als Beifahrer an, um am nächsten Tage wertvolle Waren »us dem Lieferwagen zu stehlen. Das Sondergericht in Frankfurt ließ keinen Zweifel darüber, daß die Gemeinheit, mit der er 'die Opferbereitschaft seiner Volksgenossen für Schwerverwundete zu seinem eigenen Dor- tell ausgebeutet hatte, die Todesstrafe verdient hätte, wenn er für seine Handlungsweise voll verantwortlich gemacht werden könnte. Da der Angeklagte aber von den ärztlichen Sachverständigen als vermindert zurechnungsfähiger Epileptiker mit organischer Hirnschädigung bezeichnet wurde, verurteilte ihn das Sondergericht zu fünf Jahren und ordnete die Unterbringung in eine Pflegeanstalt an.
Den Luftschutzwart beleidigt.
„Der Kerl hat überhaupt nichts zu sagen; du gehst nicht bin!" — so äußerte sich eine Ehefrau aus Saalfeld (Thür.), als der Luftschutzwart ihrer Tochter eine schriftliche Aufforderung zur Teilnahme an einem Luftschutzlehrgang überbrachte. Die Folge war ein Strafbefehl von 20 RM., gegen den die Frau jedoch glaubte Einspruch erheben zu müssen. Aber der Richter vertrat mit Recht die Auffassung, daß ein Amtsträger des Reichsluftschutzbundes vor Beleidigungen geschützt werden müsse. Statt 20 RM. muß die Frau nun 50 RM. zahlen.
Kunst und Wissenschaft.
Friedrich Aereboe f.
In Berlin-Frohnau, seinem Ruhesitz, ist der bekannte Agrarwissenschaftler Geh. Regierungsrat Professor Ur. phil. Friedrich Aereboe im 7ö. Lebensjahr gestorben. Bis zu seiner Emeritierung !>atte 'er an der Berliner Landwirtschaftlichen Hoch- chule über landwirtschaftliche Betriebslehre, Fragen »es Agrarabsatzes und Agrarpolitik gelesen. Von Geburt Hamburger, hatte Aereboe seine akademische Laufbahn an der Universität Breslau begonnen, wo er im Jahrq 1904 außerordentlicher Professor wurde. 1906 wurde er Ordinarius an der Landwirtschaftlichen Hochschule Bonn-Poppelsdorf, 1910 kam er an die Berliner Landwirt! chasüiche Hochschule, kehrte jedoch 1913 wieder nach Breslau zurück. Von 1919 bis 1921 war er dann in Hohenheim und kam 1922 erneut nach Berlin.
Emil Lauer zum 75. Geburtstag.
Zahlreiche Denkmäler, Brunnen, Porträts in öffentlichen Sammlungen und Prioatbefitz find das Ergebnis Les Schaffens Professor Emil Lauers, der am 6. August sein 75. Lebensjahr vollendet. Klarheit und Gemessenheit in der Formgebung zeich- nen alle seine Werke aus, und es ist ein deutlicher Beweis für feine ausgeprägte künstlerische Haltung, daß er seine Arbeiten stets unbeeinflußt ließ von Moderichtungen. Immer blieb er sich selbst und seinem Künstlertum treu. Er stammt aus einer alten Künstlerfamilie, auch der Vater und Großvater waren Bildhauer, und schon mit 14 Jahren begann im väterlichen Atelier in Kreuznach seine Lehrzeit. Nach einem einjährigen Aufenthalt in Rom kam er 1890 nach Berlin und arbeitete hier im Atelier von Professor Otta Lessing an den großen Bauten der neunziger Jahre. Als er dann aus einem künstlerischen Wettbewerb der Stadt Hagen als Sieger hervorging, machte er sich selbständig, bereits seine erste freie Arbeit, „Die Wasserschöpferin", — heute im Besitz der Berliner Nationalgalerie — war ein glücklicher Wurf. Die große Zahl seiner Plastiken, die er in den folgenden Jahrzehnten geschaffen hat, zeigen eindrucksvoll feine künstlerische Entwicklung. In Berlin befindet sich eine ganze Reihe seiner Schöpfungen. Hinzu kommen Denkmäler in Aachen, Iserlohn, Hagen, Köln, Ludwigslust, die alle Zeugnis für die künstlerische Gestaltungskraft Emil Caners ablegen.
Festtag dec Ludwig-Thoma-Bühne in Egern.
Der Leiter der Ludwig-Thoma-Bühne in Egern am Tegernsee, Bertl Schultes, die durch seine Tourneen in der ganzen Welt, in diesem Knege vor allem durch die Frontreisen bei unseren Soldaten bekannt wurde, konnte das Jubiläum seines 40jährigen Wirkens auf der Bühne mit großen Ehrungen feiern. In dem berühmten Bauerntheater des Gasthofes „Zur Ueberfahrt" in Egern hatten sich an seinem Ehrenabend zahlreiche Freunde seiner echten, im Volkstum verwurzelten Kunst ein- aefunden, u. a. Reichsleiter Oberbürgermeister Fiehler (München), Reichsminister Seldte, der Intendant des Bayerischen Staatsschauspiels Alexander Gotting, die Generalmusikdirektoren Franz '216am und Herman Abendroth. Man spielte ein Lieblings- ftiitf von Ludwig Thoma, den „Gwissenswurm" von Ludwig Anzengruber, wobei Bertl Schultes den toon ihm in dieser Rolle schon weit mehr als S00mal verkörperten Dusterer in meisterliche Weise gab.
Georg Denkl.
Aus -er Stadt Gießen.
Hilfe für Ursula.
In einem Abteil des Personenzuges saß unter lauter vernünftig dreinschauenden Männern eine junge Mutter mit ihrem Kind, einem etwa, dreijährigen Mädchen. Es war zwischen Frankfurt und Gießen; einige der Herren fuhren offenbar in Geschäften. Trotz des herrlichen Sommertages war in dem Abteil eine ziemt ick trockene (Stimmung. Aber das störte die kleine Ursula nicht im geringsten; sie schaute überaus vergnügt in die Welt, ein ausgelassener Strolch, dem die etwas beunruhigte Mutter zuweilen ein mahnendes Psst machen mußte.
Wie es dann geschah, blieb ungeklärt, jedoch I plötzlich ward die Kleine bleich und bleicher, ja, es wurde ihr mordselend; wahrscheinlich hatte sie sich den Magen verstaucht, die Rubbelei im Wagen kam hinzu, jedenfalls saß sie nun, ein Häufchen Elend, in der Ecke, und auch die Mama, auf solchen Zwischenfall nicht präpariert, schaute einigermaßen hilflos um sich.
Jetzt aber mußte man unser Abteil sehen! Jeder Mitreisende verwandelte sich in einen guten Onkel, jeder wußte nicht nur einen weisen Rat, sondern legte auch mit Hand an, um das Unglück zu bannen. Der Himmel weiß, was für Dinge sie aus Hosen-, Rock- und Westentaschen hervorzauberten: Medikamente teils, teils Sachen und Sächelchen, die, im Nu in Spielzeuge verwandelt, den.dummen Magen überlisten und vergessen machen sollten; kurz und gut: unsere Reisegemeinschaft erwies sich als ein strahlendes Musterbeispiel von so herzlicher wie unternehmender Hilfsbereitschaft.
Längst vor Gießen war der Schreck überwunden. Ursula stand mit allen Onkels auf Du und Du, und als sie ausstieg auf den wimmelnden Bahnhof, wo neue Freuden sie erwarteten, wollte das Hallo und Abschiedwinken kein Ende nehmen.
Es waren wirklich famose Kerle — weshalb also sollten wir nicht ihr Lob künden: das Lob des gefälligen Mannes auf Reifen, von dem so selten die Rede ist. A. E.
Küc Tapferkeit vor öem ftemöe.
Der Unterarzt Dr. Hans Textor aus Großen- Linden, der bei einem Infanterie-Regiment im Felde steht und vor einiger Zeit mit dem Eisernen Kreuz II. Klasse ausgezeichnet wurde, erhielt nunmehr für besondere Tapferkeit das Eiserne Kreuz I.-Klasse.
Freizeit wird zur Erntehilfe.
gfs. Wir befinden UNS jetzt mitten in der Ferienzeit, und jedes der großen Ferienkinder hat sich ein Plätzchen zur Erholung und Ruhe ausgesucht, wo es ihn am meisten hinzieht oder wo es sich z. Z. am besten aufgehoben weiß. Losgelöst von der täglichen Hast und oftmals auch Ueberbeanspruchung kommen Körper und Nerven so langsam wieder zur Ruhe. Und damit -haben wir auch wieder einmal Zeit, in uns zu gehen und über allerlei nachzudenken, das wir sonst nur zu oft beisetteschieben müssen.
Je nachdem, wo wir nun unser Ferienzelt aufgeschlagen haben, überall sehen wir fleißige HäiÄe am Werk, denn wir befinden uns ja mitten in der Erntezeit. Und da tritt doch der Gedanke an uns heran, ob wir nicht vielleicht ein klein wenig mit» helfen können, um all den Segen bergen zu helfen. Es ist nicht notwendig, daß gleich ganztägige schwere Arbeit geleistet wird. Aber wenn „Not am Mann" ist, hat es noch niemand geschadet, einmal zuzu- packen. 7
Auch für unsere Frauen gibt es gerade so vielseitige Möglichkeiten, in der Ferienzeit ein Stündchen rnttzuhelfen. Ganz gleich, an welchem Platz sie sich befinden; in einer Stadt sind sicher auch Reserve-Lazarette, und der Küchenchef wird dankbar jede fleißige Hand begrüßen, die beim Gemüsevorbereiten usw. einmal mithelfen will, wird doch dadurch sein oft reichlich beanspruchtes Küchenpersonal ein wenig entlastet. Oder gehen wir einmal in die Nähstuben, da ist immer Arbeit in Hülle und Fülle. Manche frohe Stunde können wir auch in den stets voll besetzten Kindergärten finden und der Kindertante ein wenig zur Hand gehen. Ahf dem Lande gibt es erst recht viel Arbeit in dieser Zeit zu bewältigen; wie dankbar wird manche Bauersfrau sein, wenn wir uns ab und zu für kleine Hilfeleistung im Garten bereit finden. Oder wir erbitten uns von der Bäuerin aus ihrem Flickbeutel etwas, das wir bei unserem Spaziergang ausbessern können.
Es sind nur einige wenige Beispiele hier aufgeführt, aber jede Ortsfrauenschaftsleiterin weiß eine Unmenge an täglich anfallenden Arbeiten und wird freudig und dankbar für jede freiwillige Hand fein, die sich zur Mithilfe bereitfindet. Wenden wir uns also an sie, ganz gleich, ob wir dem Deutschen
juchthaus )eil- und
Nun gehts in die Pilze...
Vorsicht beim Sammeln!
Die Pilzsteunde halten jetzt in den weiten Wäldern des Rhein-Main-Gebietes reiche Ernte, denn überall stehen die „Männlein im Walde", und man braucht nur zuzugreifen und zu fahuneln, dann hat man in gar nicht langer Zeit eine herrliche Mahlzeit beisammen.
Zwar findet man den edlen Champignon nur selten, und die Kenner verraten aus begreiflichen Gründen nicht, wo er zu finden ist; dafür gibt es aber gesunde Steinpilze oft mit mächtigen Hüten, schöne Maronenpilze, ein dem Steinpilz sehr ähnlicher und ebenso vorzüglich schmeckender Schwamm, auch Hallimasch und Parasol sind reichlich zu finden, dazu die kleinen Schwindlingarten, die als Suppenpilz bei den Hausfrauen besonderen Ruf haben, die eßbaren Täublinge und Reizker, also eine ziemlich große Auswahl, die man leicht noch um Dutzende guter, eßbarer Pilze vermehren könnte. Aber — des Lebens ungemischte Freude ward keinem Irdischen zuteil, auch nicht beim Pilzsammeln! Neben den eßbaren Schwämmen stehen ein paar ganz schlimme Gesellen! Die ersten Knollenblätterpilze sind dank der reichlichen Feuchtig- kit und der Wärme rasch herangewachsen, und der Satanspilz macht sich da und dort, wenn auch weit seltener als der Knollenblätterschwamm, dick und breit. Hände weg von beiden, fre sind giftig, die
zum Tode führen, wenn man sie ißt. Selbst die Sporen des Knollenblätterschwammes können andere, gute Pilze, mit denen er zusammen im Korb nach Hause getragen wird, giftig machen. Deshalb müssen alle gesammelten Pilze, unter denen sich ein Knollenblätterpilz befindet, weggeworfen werden.
Und die Nutzanwendung daraus? Pilze darf nur der sammeln, der sie wirklich kennt. Kinder sind zum Pilzsammeln meist ungeeignet bzw. das, was sie bringen, muß sorgsam durchgesehen werden. Man- lasse auch die ganz kleinen Pilze draußen stehen, denn mitunter ist es schwer, die Unterscheidungsmerkmale festzustellen, und ein kleiner Knollenblätterpilz kann einem jungen Champignon sehr ähnlich sehen, so daß es selbst für den Kenner nicht leicht ist, beide sicher festzustellen. Pilze soll man auch nicht nur nach Büchern kennenlernen, obwohl der Wert eines guten Pilzbuches oder einer Pilztafel keineswegs unterschätzt werden darf. Man gehe mit einem Pilzkenner in den Wald, lasse sich die verschiedenen Merkmale der einzelnen Pilze zeigen und versuche dann unter Anleitung einige Male sein Glück. Bald wird man die Pilze nach ihrem Wert einzuschätzen wissen. Wer allein in die Wälder geht, um Pilze zu sammeln, hat in Zweifelsfällen Gelegenheit, seine Funde auf den Pilzberatungsstellen überprüfen zu lassen.
Gastwirt und Beherbergungsvertrag.
Das Reichsgericht über die Haftung des Gastwirts.
Soeben von der Bahn gekommen, nahm ein Reisender ein Bad in seinem Hotel. Als er duschen wollte, klemmte der Hebel der Dusche. Der Hebel rückte und rührte sich nicht. Da versuchte es der Badende mit „außerordentlicher Gewalt". Doch dabei zerbrach der Porzellangriff des Hebels. Splitter drangen dem Mann in die Hand und verursachten so schwere Verletzungen, daß die volle Gebrauchsfähigkeit der Hand in Frage gestellt ist. f
Der Reisende hat den Hoteleigentümer aus Vertrag und unerlaubter Handlung auf Schadenersatz und Schmerzensgeld in Anspruch genommen. Die Haftung aus Vertrag hat das Oberlandesgreicht bejaht, aus unerlaubter Handlung jedoch verneint, womit der Schmerzensgeldanspruch wegfällt. Durch übermäßige und überflüssige Kraftanstrengung sowie durch unzweckmäßiges Verhalten trifft, so stellt das OLG. fest, den Kläger überwiegendes Verschulden. Demnach wurde nach § 254 BGB. das Maß seines Anteils am Schaden auf 2/s bestimmt.
Auf die Revision beider Parteien hat das Reichsgericht die Sache zur Prüfung der Frage, wieweit die eine oder andere Partei den Schaden vorwiegend verursacht hat, und zum Abwägen des beiderseitigen Verschuldens an das Oberlandesgericht zwecks neuer Entscheidung zurückoerwiesen. Das Reichsgericht geht davon aus, daß der Beherbergungsver- trag im wesentlichen ein Wohnungsmietvertrag im Sinne der §§ 535 ff. BGB. ist und der Gastwirt deshalb der fttengen Haftung des § 538 BGB. unterworfen ist, wonach er stillschweigend dem Gast gegenüber die Gewähr für die Eignung des Miets- gegenständes zum vertragsmäßigen Gebrauch übernimmt. Es bejaht auch den ursächlichen Zusammenhang im Rechtssinn zwischen dem fehlerhaften Zustand der Dusche und der Verletzung des Klägers. Schwere Beweglichkeit des Duschhebels ist nicht sel- •ten, weil die Reiber der Duschvorrichtung oft etwas fester als nötig in das Gehäuse eingespannt werden, um lästiges Nachtropfen »er Brause zu verhindern. Ist daher schwere Beweglichkeit des Duschhebels noch kein Fehler der Badeeinrichtung, so ist es nicht überaus unwahrscheinlich, daß ein Hotelgast unbedenklich gesteigerte Kraft zur Ueberwindung des Widerstandes aufwendet. Dagegen verneint das
Reichsgericht eine Haftung des Beklagten aus unerlaubter Handlung. Die allgemeine Rechtsp'licht, niemanden körperlich zu verletzen, schloß für den Beklagten, mochte er auch sein Grundstück dem Verkehr eröffnet haben, nicht die Pflicht in sich, die dem Kläger zum Gebrauch überlassenen Räume und Einrichtungen derart instandzuhalten, daß eine Gefahr für ihn unter gar keinen Umständen entstehen konnte. Der Beklagte genügte seiner Pflicht, wenn er auf die körperliche Unversehrtheit des andern die Rücksicht übte, die erfahrungsgemäß dazu ausreicht, den Erfolg zu gewährleisten.
Bezüglich des Mitverschuldens des Klägers neben dem als Schadensursache in erster Linie in Bettacht kommenden und vym Beklagten aus Vertrag zu vertretenden Mangel der Badeeinrichtung, vermißt das Reichsgericht zunächst eine Feststellung des Berufsgerichts, welche die beiden Ursachen nach Umständen und Lebenserfahrung vorzugsweise zum Schaden beigetragen hat, weil nur auf dieser Grundlage das Maß des von jedem Teile zu vertretenden subjektiven Verschuldens für einen angemessenen Ausgleich herangezogen werden konnte. Ferner rügt das Reichsgericht zur Abwägung des Verschuldens, daß, im Gegensatz zum Gesichtspunkt der unerlaubten Handlung, wo der Geschädigte regelmäßig das Verschulden des Täters nachweisen muß, das Oberlandesgericht nicht vorn Beklagten den Nachweis gefordert hat, daß und warum auch bei Erfüllung der im Verkehr erforderlichen Sorgfalt das Unbeweglichwerden «des Hebels nicht zu verhüten oder nicht rechtzeitig zu beseitigen war. Dabei hätte es sich dann darüber äußern können und müssen, welches Maß an Sorgfalt verkehrsüblicherweise von einer Hotelleitung hinsichtlich einer ordnungsmäßigen Ueberprüfung der Gasträume- und -einrichtun- gen zu fordern war, wenn die Forderung eines Ue- berprüfens vor dem jedesmaligen Ueberlaffen an den Hotelgast zu weit geht.
Erst nach Klärung all dieser Fragen läßt sich über die Anwendung von § 254 BGB. zuverlässig entscheiden, verkündet das Reichsgericht in fernem Urteil vom 30. 3. 42 V 120/41, veröffentlicht im „Deutschen Recht" vom 4. 7.42.
Frauenwerk angehören oder nicht, sie wird uns behilflich fein und uns ein Plätzchen zuweisen, wo wir am nötigsten sind. Denn wir wollen uns darüber klar fein, eine Hand allein vermag nicht viel zu schaffen, wenn wir aber alle, die mir in Ferien sind, ein klein wenig mithelfen,' so vermögen doch diese vielen Hände manches zu vollbringen, und an unserer so notwendigen Erholung geht auch nichts ab. Im Gegenteil, wenn wir nach Ablauf unserer Ferienzeit unsere Koffer packen, gehen wir mit dem stolzen Bewußtsein wieder nach Hause und an unsere Arbeitsplätze, auch in den Ferien für den Endsieg mitgebolfen zu haben.
Verduukelungszett:
6. August von 22.06 bis 5.20 Uhr.
d Gießener Wochenmarktpreiss»
* Gießen, 6. Aug. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Wirsing, % kg 10 bis 12 Rpf., Weißkraut 7, Rotkraut 19, gelbe Rüben 10 bis 12, Römischkohl 12, Bohnen, grün, 25, Tomaten 28, Zwiebeln 20, Frühäpfel 30, Birnen 25, Zwetschen 20, Mirabellen 35, Einmachgurken 30, Blumenkohl das Stück 20 bis 30, Salat 8 bis 10, Rettich 8 bis 10 Rpf.
*
* * Kein Verwiegen der Güterwagen. Jede Verwiegung eines Güterwagens erfordert Rangierarbeiten und damit Verzögerungen im Wagenumlauf der Reichsbahn. Leerwagen werden während des Krieges nicht gewogen. Beim Versand von Wagenladungen kann der Abfender sehr oft
(Nachdruck verboten.)
8. Fortsetzung.
kelnden Bastei aus sah man die Doralpen und
den
wechselnde Blattgewirr der Isarauen. „Wollen wir?" I
Hände. ,
„Den Zucker, müssen Sie sich selbst nehmen. Ich weiß nicht —."
„Zwei Stückchen, wenn ich bitten darf. Wie eine richtiggehende kleine Hausfrau machen Sie das" lobte er. .Hoffentlich bekommen Sie keine Ungelegenheiten?"
„Wieso?"
Er zögerte ein wenig. „Ich meine, wenn uns jemand sieht. Dielleicht haben Sie einen Verlobten
nerne Brücke kam. Harlaching. Bäume, 'Wiesen, blauer Himmel. Das Isartal. Großhesselohe. Heitere Menschen. Ausflügler. Aus einem kleinen Cafe wehte dünne Musik. Pullach. Brügger nahm Gas weg.
„Waren Sie schon einmal in Pullach, Fräulein
Dr. Brüggers Patientin
Roman von Walter Klöpffer
Anna kam wieder herein. In ihren braunen Augen schimmerte es fröhlich. Sie trug ihr hübschestes Kleid. Sie knöpfte die Handschuhe zu und sagte:
„Ich habe mich beeilt. Männer warten nicht gern." Brügger lächelte beglückt.
Dann schritten sie durch einen düsteren Flur und über knarrende Stiegen. Brügger öffnete den Wa- ^enfchlag und war sehr besorgt, daß Anna bequem
„Sie verwöhnen mich, Herr Doktor,"
„Gar nicht. Aber ich bin für Sie verantwortlich. Ich muß Sie heil abliefern." -
Heber Annas Gesicht huschte eine Wolke. Em anderer hatte sie auch einmal so verwöhnt, ganz an Anfang--weg damit! Solches Zeug wird heute
nicht gedacht. Davon wird es nicht anders. Schluß. Mit disziplinierter Miene erkundigte sie sich nach den vielen Knöpfchen auf dem Schaltbrett. Als ihre Wißbegierde befriedigt war, lehnte sie sich m ine Polster zurück. _
Sie fuhren durch die Widenmayer Straße. Drunten in seinem betonierten Bett tobte der «Mß und warf kleine Schaumkämme zornig in die Hohe. Vn den Bergen hatte es zuviel geregnet. Die Staftamen waren voll platzender Knospen und voll zartgrünem Laub. Es war ein Tag mit viel Sonne, mit Fernsicht und Vogelgezwitscher. Anna kroch noch tiefer in die weiche Polsterung und schloß die Augen zu schmalen Schlitzen. Sie träumte ein bißchen. Geld war nicht zu verachten, o nein. Wer sich einen wichen. Wagen leiften konnte, mußte ein reicher Man sein. Ein schräger Blick streifte zu ihrem Begleiter, der zwanalos hinter dem Lenkrad saß und den^Hut aus der Stirn geschoben hatte. — Famos 'letzt er aus, — dachte sie — braun und gesund, und Die Paar grauen Haare stören gar nicht. 5Jhir um Den Mund ist so ein melancholischer Zug. — r*1®
„Ach, ist es hier schön!" rief sie entzückt.
Er wählte einen Tisch, ein wenig abseits von anderen, und geleitete sie hin, wobei er ihren Ellenbogen mit einer schützenden Bewegung zärtlich umspannte. Dann bestellte er Kaffee und Kuchen.
Das Servierftäulein erschien mit der Platte und rief: „Diese Nußtorte kann ich der gnädigen Frau besonders empfehlen." , ' Beide wurden ein bißchen verletzen.
Als die Bedienung fort war, lächelte Brügger: ,Haben Sie gehört, wie man uns einschätzt? Sehr schmeichelhaft für mich."
„Darf ich Ihnen einschenken?"
Er betrachtete mit Vergnügen ihre sicheren, festen
Hudal?"
Anna erwachte. „Nein, nie."
„Dann habe ich etwas Besonderes für Sie. Sie werden staunen, daß es so etwgs Idyllisches noch gibt. Wir sind gleich da."
Brügger bremste vor einem blitzblanken alten Haus und führte sie ins Innere. Im Hauseingang roch es nach heißer Butter. Dann kam ein Gättlein mit Tischen und bunten Sonnenschirmen. Es duftete nach frischem Kaffee. Von einer niedrigen, zerbrök- kelnden Bastei aus sah man die Doralpen und das
oder einen Freund--ganz freie junge Mädchen
sind heutzutage selten."
„Diese Sorge kann ich Ihnen ab nehmen. Ich habe niemand", erwiderte sie fast schroff.
Brügger hatte plötzlich ein ganz wunderbares Gefühl.
„Verzeihen Sie, Fräulein Hudal."
„Meine Mutter ist tot. Mein Vater lebt irgendwo in Niederbayern. Und meinen Vetter Franz, den kennen Sie ja. Er ist der einzige, der sich manchmal meiner an nimmt. Aber ich habe ja meinen Beruf."
„Der Sie • freut?"
„Sehr! Ich habe wilde Buben in der Klasse, aber ich verstehe mich mit ihnen."
„Dann haben wir ja manches Gemeinsame. Außer meinen Kranken habe ich wenig Umgang. Oft bebaure ich das. Man wird zu einseitig."
„Haben Sie viel zu tun?"
„Und ob. Wenn die Heilstätte eröffnet wird, muß ich einen Assistenten einstellen."
„Wie kommen Sie denn überhaupt so zurecht? Ich meine — ohne Frau?"
„Soso, lala. Es muß halt gehen", sagte er resigniert. In dieser Minute kam chm quälend zum Bewußtsein, wie bitter einsam er war. „Manchmal rft es mir selber ein Rätsel, wie ich es schäfte. Aber als meine Frau noch lebte, war es auch nicht viel anders."
Der hat es auch nicht leicht, — dachte Anna mitleidig.
„Sie haben doch Personal?" wandte sie ein.
„Allerdings. Ich bin mit den Leuten auch zuftie- den. Aber es sind und bleiben halt Fremde. -Das Letzte muß man immer selber machen."
Sie schwiegen und rührten in ihren Tassen. Die Bedienung brachte einen Stoß illustrierter Zeitschriften. Da das Gespräch festgefahren mar, griffen sie nach den Blättern. Brügger spähte über die Seiten hinweg vorsichtig zu Anna Hudal, deren Antlitz in dieser Minute von einem herben Reiz war. Wie hübsch und jung sie aussah. Es war eine große Gnade, daß man neben ihr in der Sonne sitzen durfte. Bei dem Gedanken an den Unterschied der
Jahre gab es ihm einen leisen Stich. — Ich glaube, ich liebe sie, — dachte er betroffen. Er grübelte und verlor sich zehn Minuten lang an diese neue Erkenntnis. Wenn man nur mehr Schneid hätte! Man war ein bißchen eingerostet in all den Jahren. Man besaß nicht mehr das Draufgängertum eines Zwanzigjährigen, der — gefehlt ober getroffen — ganz einfach ben Mut hat. Ob sie seine Neigung erwi- bette? Ob sie ihn auslachen würbe? Nichts' wußte man, rein gar nichts. Ach, daß man nicht zu den Männern gehötte, diesen Ewigjungen, denen die Gabe sorgloser Rede verliehen mar! Die ganze Nia« garafälle von Redensarten über die Frauen ausschütteten und sie damit wehrlos und untertan mach« ten! Man mar eben anders, schwerfälliger, bedenklicher. Die Zeit verrann, die Sonne ging weg. Wenn er nicht redete, blieb alles beim alten. Und Anna Hudal war ihm verloren. Es war Sünde, diesen unwiderbringlichen Nachmittag verstreichen zu lassen.
Die Sonne verließ höhnisch den Tisch, an dem nichts geschah, an dem ein alternder Mann einem jungen Mädchen scheu und fturtim gegenübersaß. Zarte Schatten, Vorboten der Dämmerung, kündeten an, daß der Tag sich neigen wollte. Brügger legte bas Heft beiseite, räusperte sich und sagte:
„Wird Ihnen nicht zu kühl? Wollen wir auf- brechen?"
„Mir ist sehr wohl. Aber wie Sie wünschen."
Er lächelte kümmerlich und rief die Bedienung. Dann half er Anna in bas Mäntelchen, bas ein wenig dürftig aussah, weil es nicht viel hatte kosten dürfen. Dann gingen sie schweigsam zu feinem Auto, das lackfunkelnd und geduldig an der Bordschwelle wartete. Es gab nichts Geduldigeres Ms so einen Wagen. Die Rückfahrt verlief unter spärlichen, nichtssagenden Gesprächen. Brügger hätte sich am liebsten geohrfeigt. Am Lenoachplatz endlich kam sein großer Moment. Er schob alle Hemmungen beiseite und sagte flott:
„Darf ich etwas Vorschlägen?"
„Die dürfen."
(Fortsetzung folgt.
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