6./7.ZUMM2
Gießener Anzeiger lGenerai-Anzeiger für Gderheffen)
Nr. 150 Zweites Blatt
Aus Alt wird Neu: vom Lumpen zum Stoff
Oer Lumpensack als gute Waffe der wirtschaftlichen Kriegführung
unter der nationalsozialistischen Staats- und Volks- von dem Sport der Jungen und Mädel erfahren.
Irmela nachge- Nacken.
Diese Erinnerung läßt einen Ausschnitt avs der Zeit der kleindeutschen Gedankenwelt vor unserem geistigen Auge erstehen. Daß durch jene Auswanderung viele wertvolle deutsche Menschen unserem Volk und Vaterland für immer verloren gingen, haben wir inzwischen zum Nachteil unseres Volkstums erfahren. Diese Entwicklung haben jene Männer natürlich nicht gewollt, aber sie ist stärker gewesen als ihr guter Wille. So konnte es denn auch dahin' kommen, daß im ersten Weltkriege in der amerikanischen Armee die Söhne jener Auswanderer, also Deutsche, im Dienste der Feinde unseres Volkstums gegen uns kämpften. Das wird für alle Zeiten ein trübes Kapitel in der Geschichte des deutschen Volkstums sein. Daraus haben wir aber auch gelernt. Und daß es nicht wieder zu einer solchen Entwicklung kommen wird, können wir
sich hinter Fräulein Engel schließt. „Das ganze Haus ruft vön morgens bis abends Engelchen! Albrecht und mich emgefchloffen, .und dann muß man diese alte verschrumpelte Backbirne sehen!"
„Ach, sei nicht so albern!" verweist Irmela mit gemachter Strenge und unterdrücktem Lachen. „Sag lieber deinen Vers auf, hat .Engelchen' dir keinen gedichtet? Nebenbei haft du angefangen, sie so zu nennen, und sooo lange ist das noch gar nicht her!"
„Na immerhin", Gerd reckt sich zu seiner ganzen Länge auf, wahrhaftig, Irmela muß zu ihm aufsehen, so ist er ihr über den Kopf gewachsen. „Die Zeit der Berschen ist vorbei, Schwesterherzchen! In schlichter Prosa: ich wünsche dir, daß es dir niemals schlechter gehen möge als augenblicklich, denn, unberufen, ich finde es geht dir verteufelt gut!"
„Wenn du mit den Kindern' fertig bist ..." Albrecht Sierinck tritt lächelnd zwei Schritte näher, bann kommen wohl die Erwachsenen an die
fRcibe ..."
,Das Beste kommt zuletzt!" Irmela wirft sich an feine Brust und läßt sich in seine Arme schließen. „Ich freue mich sehr, daß ich heute vor achtundzwanzig Jahren geboren bin, und ich bin dir schrecklich dankbar, daß ich mich darüber so freuen kann!" ,
„Ich auch", sagt Albrecht, während er sie auf beide Wangen küßt. „Das heißt, ich freue mich, nicht, daß ich dir dankbar bin, jetzt hast du mich aus dem Konzept gebracht, es wird nichts mit der schönen Rede, aber du weißt ja alles, komm! Jetzt mußt du dir erst mein Geschenk ansehen!"
Er greift nach einem schmalen Lederetui: „Das ist nämlich mein Hauptgeschenk, kannst du raten, was es ift?"
„O Gott, es sieht nach Juwelier aus/ Irmela zieht die Brauen hoch in einem zweifelnden und beunruhigten Ausdruck. „Etwas von Schmuck ..."
„Du brauchst keine Angst zu haben, du komischer kleiner Vogel!" lacht Albrecht. „Es sind weder Perlen noch Brillanten, ich kenne ja deine Aversion!
Der Bann Gießen (116) teilt mit: Am Samstag, 20., und Sonntag, 21. Juni, wird Gießen im Zeichen des Bannsportfestes stehen. Aus über 14 000 Jungen und Mädel des Bannes Gießen (116) werden die 600 Besten um den Preis der Bannmeisterschaft in allen Disziplinen kämpfen. Bereits am Samstag, 20. Juni, finden die Vorentscheidungen und Mannschaftskämpfe statt. Schon oft haben die Eltern und Freunde mit Interesse
Die nächste Station in dem Derwandlungsprozeß des Lumpens zum Stoff ist die Spinnmaschine. Sie ist ein ca. 1,50 m hoher und 21—30 m langer Apparat, auf dem die von der Spinnkrempel kommenden Wollfäden zu Webgarn versponnen werden. Das geschieht in ewigem Hin- und Herfahren des Wagens der Maschine (der Fachmann nennt es „Ausfahrt" und „Einfahrt"), wobei die Hauptaufgabe der Spinner darin besteht, darauf zu achten, daß die im Spinnen begriffenen Fäden in ordnungsmäßiger Weife laufen, vor allem nicht abreißen, und wenn wirklich ein Faden reißt, er sofort wieder geknüpft wird, damit das von der Maschine auf die Spulen aufgewickelte Garn keine Unterbrechung erfährt. Lange Reihen von Spulen werden dabei mit dem fein und doch fest gedrehten Webgarn, dessen (tröffe Drehung die Finger beim leichten Darüberhinstreichen sogleich feststellen können, pausenlos gefüllt; ab und an greift der Spin- | ner mit schnellem und fingerfertigem Griff in das breite Netz der Fäden ein, um einen Knoten zu knüpfen und dadurch eine Schadenstelle zu beseitigen; aber viel häufiger wechselt er die Spulen aus, um die vollgewickelten in einen großen Transportkorb zu legen und an ihrer Stelle leere auf die Spinnmaschine aufzustecken. So geht der Arbeitsgang vom Morgen bis zum Abend, und viele Hun- derte von Spulen erhalten dabei die genau nach Umfang bemessene Menge Webgarn aufgewickelt, das gewissermaßen die Vorstufe zum Stoff dar-
stellt.
Auf der Kettscheermaschine wird das Kettgarn zu Bändern gefahren, um die Web kette herzustellen.
*
Von der Lagerhalle wandern die Lumpenballen zur Lumpenreißerei. Hier erhalten die Lumpen zunächst den „Schmelz", d. h. sie werden mit einer dünnen Oeltränke versehen, damit sich das Wollgewebe unter möglichster Schonung der Faser leichter öffnen läßt. Das „geschmelzte" Lumpenmaterial wird dann von einem Manne in einzelne Stücke | auf eine rotierende Flache aufgelegt, auf der es in den Lumpenreißer hin eingleitet, um auf der anderen Seite der Maschine in unzählige Wollfäden zerrissen, d. h. geöffnet wieder herauszukommen. Diese Reißwolle "in ihrer ersten groben Form wird dann manipuliert, d. h. durch Beimischung von anderen langfaserigen Spinnstoffen, wie z. B. Wolle, Baumwolle, Zellwolle usw., spinnfähiger gemacht. Nun geht es auf eine andere Maschine, den Krempel- oder Melier-Wolf. Hier wird das Material erneut „geschmelzt", d. h. geölt, damit die Stoffasem die schonendste Behandlung für den weiteren Arbeitsprozeß erfahren. Mittels einer pneumatischen Sauganlage werden die Wollmengen von dem
nach Arkansas und wurde dann, als die Nachrichten von dort wenig günstig lauteten, nach Missouri gelenkt. (Eine Liste der Ansiedler, die der „Gießener Gesellschaft" angehörten, findet sich im „Deutschen Pionier, B. 2, S. 230—35). Münch und Follenius selbst siedelten sich im Jahre 1834 am nördlichen Ufer des Missouri an, im späteren Kreis Warren. Diese Gegend wurde dann zum Mittelpunkt der größten deutschem Siedlung westlich des Mississippi; der Missouri wurde von seiner Mün- dung bei St Louis an auf beiden Ufern etwa 125 Meilen weit rein deutsches Gebiet, doch kam es nicht zur Gründung eines eigenen deutschen Staates; diesen Traum mußte Follenius begraben. Doch gelang es den hier an gesiedelten Deutschen, nicht nur für ihre Nachkommen eine Heimat zu gründen, sondern auch für Tausende von späteren deutschen Auswanderern, die es fast alle verstanden, die völkische Eigenart zu wahren. Uebrigens finden wir hier eine Art Vorläufer des „Erbhofs", denn die deutschen Ansiedler setzten ihren besonderen Ehrgeiz bar ein, ihre Güter innerhalb der Familie als Stammsitze weiterzuvererben.
Follenius wurde schon 1844 aus der Fülle der Kraft von einem Neroenfieber dahingerafft (eine Witwe mit einer Schar unmündiger Kinder zurücklassend), während Münch ein gesegnetes Alter erreichte. Nachdem er, dabei stets seinen politischen Freiheitsidealen treubleibend) als „lateinischer Bauer" (so nannte man seinerzeit die Farmer mit deutscher Gymnasialbildung) mit eigener Hand gerodet und das Land urbar gemacht hatte, stieg er schließlich in führende Staatsstellungen empor. Dort vertrat er aufs wärmste die Sache seiner deutschen Landsleute, deren Führer er stets geblieben war. Seine Nachkommen sind noch heute in den Vereinigten Staaten anzutteffen. Zum Sammelbecken für die von Münch und Follenius in die Wege geleitete Auswanderung wurde St. Louis, wo bereits 1845 zwei deutsche Tageszeitungen erschienen.
Und heute? Da mag manch einer in einem ame-
Der Bann 116 tritt nun mit einer Bitte an die Eltern und Freunde der Hitler-Jugend heran. 400 bis 500 Jungen und Mädel müssen in der Nacht oom 20. zum 21. Juni in Gießen übernachten, damit die Reichsbahn durch dauerndes Befahren keine Ueberlaftung erfährt und unnötige Kosten unterbleiben. Wer über ein leerstehendes Bett verfügt, stelle dieses den Jungen und Mädels zur Verfügung. Verpflegung braucht nicht gestellt zu werden. Jeder, der diese Bitte erfüllt, trägt mit zu dem Gelingen unserer größten Jugendveranstaltung dieses Jahres bei. Schriftliche Meldungen nimmt jederzeit die Banndienststelle, Seltersweg 52, entgegen. Telephon 3171. ' H.
ersten Seiten um.
Diel Zeit, um sich zu vertiefen, bleibt ihr nicht. Die Kinder nehmen sie in Anspruch, das Telephon klingelt, Blumen werden gebracht, und dann kommen die Vorbereitungen zu der abendlichen Geburtstagsfeier im kleinen Kreis der Family
(Fortsetzung folgt)
Heute beginnt unser neuer Roman
„Briefe in Bareiros Hand"
Die Schlußfolgerung aus dieser Beobachtung des Weges vorn Lumpen zum Stoff ist folgende: Niemand achte auch nur den kleinsten Stoffrest oder Lumpen gering, niemand sehe ihn als wertlos und uftoermertbar an, niemand werfe ihn in den Mülleimer und lasse ihn dadurch dem Verkommen anheimfallen! Jedermann sammle auch die unscheinbarsten Stoffetzchen und andere Altspinnstoffe in sorgsamer Weise! Und bei der Altkleider- unh Spinnstoffsammlung bringe man auch den Inhalt der Lumvensäcke,' der Abfallkisten und -kästen, kurzum sämtliche Altspinnstoffe restlos zu den Sammelstellen in der Gewißheit, daß sie von hier aus wieder in guter Weise verwertet werden, wie wir es beobachtet und hier in großen Zügen beschrieben haben. Unsere Hausfrauen brauchen die Abfallstoffe nicht selbst zu sortieren, sie liefern alles so kunterbunt ab, wie es im „Lumpensack" liegt; das Sortieren wird in den großen Sammelstellen durchgeführt, zu denen das Rohmaterial von hier aus geleitet wird. Aus den an sich unscheinbaren Lumpen und Stoffrestchen aller Art entstehen dann neue Stoffballen, die den Beklei- dungserfordernissen unseres Volkes genügen. Damit können wir auch auf diesem kriegswirtschaftlichen Gebiet zum deutschen Siege beitragen und für die Freiheit, die Größe und den machtvollen Aufstieg unseres Volkes und Vaterlandes wirken. B.
„Wunderschön!" nickt Irmela anerkennend, und ucht inr Spiegel Albrechts Augen mit einem dankbaren Bilck. „Eine herrliche Arbeit! Wo hast du das nur aufgetrieben. Es sieht so antik aus."
„Ich hab' es anfertigen lassen, denke dir nur, es ist nach einer Zeichnung von Detlev Nehl, ich habe die Zeichnung gekauft, damit es nicht noch einmal gemacht werden kann; du brauchst also keine Angst zu haben, daß es dir überall entgegenkommt."
„Macht Detlev Nehl so etwas auch?" mischt Gerd sich ein. „Na weißt du, da kannst du aber mächtig stolz fein. Jrmi! Er sieht gar nicht aus, als ob er sich mit so spielerischen Dingen abgäbe."
„Kennst du ihn denn?"
„Ach nur so ... ein bißchen." Gerd lenkt mit einiger Verlegenheit ab.
„Jetzt wird gefrühstückt." Albrecht faßt sie beide an den Schultern und schiebt sie nach dem Eßzimmer, wo der gedeckte Tisch wartet und Fräulein Engel den Kindern schon sorgfältig die Lätzchen über die frischen Kleider bindet. „Und dann wird ein büschen gearbeitet, mein Junge.
2.
Briefe in Bareiros Hand
Roman von Anna Elisabet Weirauch
Rechte durch Carl Duncker Verlag, Berlin W 35.
1.
„.. .Erhalte auch im nächsten Jahr uns unsere Mutti immerdar!" '„Wunderbar!" fügte Irmela dem dritten Reim hinzu. Es ist ein nachsichtiger Spott in ihrem zärtlichen Lächeln, aber ein feuchter Glanz in ihren strahlenden Augen. „Haben Sie das gedichtet, Engelchen?"
Fräulein Engel nickt stolz und verschämt: „Ach, das Dichten, das war gar nichts, Frau Sierinck, das geht mir noch leicht von der Hand, aber es ihnen beizubringen, das war gar nicht so einfach."
„Sehr schön habt ihr das aufgesagt!" Irmela kniet vor den Kindern nieder, schlingt den rechten Arm um Hansjürgen und den linken um Ursula, und küßt die runden rosigen Gesichter, die seidigen hellen Härchen, sie spürt auf ihren Wangen die halboffenen blumenweichen Mäulchen, und ihr Herz wird groß und heiß. „Und die schönen Rosen, soll ich die auch haben?"
Sie muß die Sträuße den warmen Kinderfäustchen entwinden, die sich fest darum pressen. „Hmm, die riechen aber fein! Wir wollen ihnen gleich Wasser geben, ach bitte, Engelchen, holen Sie doch eine Vase!"
Zum zweitenmal hort sie ein unterdrücktes Prusten hinter sich, und steht auf, um sich Gerd zuzu- wenden, mit einem vorwurfsvollen Blick: „Du darfst sie nicht auslachen, Gerd! Sie haben ihre Sache doch sehr gut gemacht?"
„Ich denke gar nicht daran!" verteidigt sich Gerd und lacht über das ganze frische bräunliche Iungengesicht. „Es ist nur so irrsinnig komisch." Er wirft einen flüchtigen Blick nach der Tür, die
Junge Mädchen sind mit dieser Arbeit beschäftigt, und ein leise gesummtes Lied der frischen Stimmen verschont das Schaffen der flinken Hande unter den aufmerksam beobachtenden Augen in angenehmer Weise. Nebenan aber in dem großen Arbeitssaal sausen die Webstühle, auf denen nun aus Kette und Schußgarn der neue Stoff hergestellt wird. In rasendem Tempo sausen die Webschützen von der einen Seite des Webstuhls zur anderen und zuruck, und in den Schützen liegen die Spulen mit dem Schußgarn, das sich mit der Webkette zu inniger Gemeinschaft verbindet. Der Weber legt in kurzen Abständen immer neue Spulen mit Garn an Stelle der leergewordenen in die Schützen und verfolgt außerdem Mit gespanntester Aufmerksamkeit und mit scharfem Blick den Gang des Webprozesses um jederzeit bei einem kleinen Web schaden sofort den Mangel abzustellen. Ununterbrochen liegt ihm das harte, krachende Geräusch der arbeitenden Maschinen in den Ohren, und für den Besucher, der - dieses alltägliche Geräusch nicht gewohnt ist, stellt es schon nach kurzer Anwesenheit einen „Ohrenschmaus" dar, bei dem ihm Hören und Sehen vergeht. Fein säuberlich reiht sich in dem exakt arbeitenden Webstuhl Faden an Faden im ununter« brochenen Fluß der abrollenden Webkette. Auf dem Warenbaum rollt sich allmählich das gewebte Stück Tuch auf, das schließlich, wenn der Webvorgang ganz beendet ist, einer sorgsamen Nachprüfung unterzogen wird, um etwa noch vorhandene kleine Webfehler zu beseitigen. Dann tritt das Tuch den Weg zur Appretur an, wo es die letzte Behandlung erfahrt. Die Rohware auf dem Webstuhl liegt etwa 140 bis 160 cm breit, aus der Appretur kommt sie dupliert, also doppelt gelegt, mithin etwa 70 cm breit heraus. Und nun ist aus den Lumpen von einst das neue Stück Tuch fertiggestellt, das wiederum den Menschen dient. *
führung als eine erfreuliche Gewißheit onfehen. Daher ist die Erinnerung an die „Gießener Gesellschaft" für uns eine erneute Mahnung, allezeit darauf bedacht zu sein, daß solche Absplitterungen vom deutschen Volkstum wie in der Zeit des klein- deutschen Gedankens sich auch, im engbe grenzten heimatlichen Raume nie mehr wiederholen dürfen.
Sannfporffefl in Gießen.
Eine Ditte um Bereitstellung von Betten zur llebernachtung.
Die erste unwillkürliche Bewegung, die macht, nachdem sie den beiden Männern winkt hat, ist nach dem Schloß in ihrem Sie löst es und legt die Kette sorgsam auf den Samt des Kästchens zurück, sehr hübsch, wirklich, wie die feine Zeichnung ifn matten Gold sich von dem dunklen Untergrund abhebt. Noch ein bewundernder Blick, und mit viel mehr innerer Anteilnahme greift sie nach einem Buch und schlägt die
Krempel-Wolf aus in Speicherkammern befördert, wobei sich aus der Gebläseöffnung eine Art „Schneefturm" an Wolleflocken auf den in der „Kammer" (die in Wirklichkeit ein Lagerraum von stattlichem Ausmaß ist) stehenden Besucher des Betriebes ergießt. Bei diesem Hineinblasen der Wollflocken in die „Kammer" findet mittels feiner Zer- stäuberoorrichtungen ein nochmaliges „schmelzen" des Materials statt. Zwei- bis dreimal wird dieser Rohstoff gründlich gemischt, bis er nunmehr in völlig zerkleinertem Zustand der nächsten Arbeits- etappe zugeleitet wird. *
Nun beginnt der Krempelprozeß. Drei Krempel dienen der weiteren Aufbereitung des wertvollen Rohmaterials, und zwar die Rohkrempel, dann die Pelzkrempel, zum Schluß die Spinnkrempel. Es ist ein außerordentlich komplizierter Arbeitsgang durch Strecken und Doublieren des Materials. Am Schlüsse der ersten Behandlung in der Rohkrempel zeigt sich schon das tünftige Garnmaterial in feinen ersten Anfängen ab insofern, als hier die Rohwolle in breiten und dicken, walzenförmigen Rollen aufgewickelt wird und diese Maschine verläßt, um in der Pelzkrempel den gleichen Arbeitsprozeß noch einmal zu erleben, hier nur mit dem Unterschied, daß am Schlüsse der Pelzkrempelarbeit der Rohstoff noch in viel verfeinertem Art vorhanden sein muß, weil er nun auf die Spinnkrempel kommt, wo er von der Maschine durch den Florteiler zu feinen Florbändchen zerschnitten und aufgerollt wird, um dann zum Spinnprozeß auf den Selfaktor (Spinnmaschine oder Spinnstuhl) zu kommen.
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rikanischen Konzentrationslager schmachten, dessen Vorfahr einst ausgewandert ist unter der Leitung der „Gießener Gesellschaft". L. B.
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Es ist etwas sehr Hübsches, und mehr ein Kunstwerk als ein .Geschmeide', sieh es dir an, ehe du ein so entsetztes Gesicht machst!"
„Ich mach' doch kein entsetztes Gesicht." Irmela zwingt sich zu einem Lächeln. „Was es auch ist, ich freue mich natürlich furchtbar darüber."
Sie hat eine unbegreifliche, eine fast abergläubische Abneigung gegen das Geglitzer kostbarer Steine, den sanften Schmelz schimmernder Perlen. Unbegreiflich für eine junge und schöne Frau, die sich mit Vergnügen gut anzieht und pflegt. Es ist nicht Mangel an Eitelkeit, nicht Angst vor Verschwendung, es ist ein tiefgewurzelter Haß, für den sie selbst keinen vernünftigen Grund angeben kann. Es geht so weit, daß es fast ein Opfer ist, den schmalen goldenen Reif an ihrem Finger zu dulden.
Und trotzdem ist ihre Bewunderung ungeheuchelt, als Albrecht das Kästchen in seiner Hand aufspringen läßt, es ist eine wundervolle Arbeit von mattem Gold, die ihr da von dem dunklen Samt entgegenblinkt.
„Darf ich sie dir umlegen?" fragt Albrecht behutsam. „Ich möchte so gern sehen, wie sie dir steht ... wirklich hübsch."
„Na, zauberhaft einfach!" stellt Gerd nähertretend fest. „Du bist wirklich leicht angetickt, daß du niemals Schmuck tragen willst!"
„Natürlich werde ich die Kette tragen", versichert Irmela mit einem mühsamen Lächeln. „Findet ihr wirklich, daß sie mir gut steht?"
Sie tastet mit den Fingerspitzen nach ihrem Hals, sie sieht die Schönheit der Arbeit nicht und das matte Leuchten auf ihrer zarten bräunlichen Haut, sie fühtt nur das kalte Metall und einen Druck auf dem Nackenwirbel, ein lästiges, mehr als das, ein abscheuliches Gefühl.
„Du mußt dich in dem Spiegel sehen!" Albrecht nimmt sie bei den Schultern und schiebt' sie vor sich her. „Es ist wirklich kleidsam, und außerdem hast du doch immer gern etwas, was nicht alle Leute haben, nun, dies ift bejtimD etwas. Einmaliges,"^
Aus der Stadt Gießen.
Die „Gießener Gesellschaft".
Der Präsident der Reichsmusikkammer, Professor P. Raabe, hat neulich darauf hingewiesen, von welcher Wichtigkeit die Gründung des Gießener Konzertvereins war, und zwar nicht nur für unsere Stadt. Es wäre aber durchaus abwegig, wollte man annehmen, Gießen habe nur auf dem Gebiete der Musik und der Wissenschaften sich hervorgetan. Auf ganz anderen Wegen noch hat es bahnbrechend gewirkt!
So wurde z. B. um das Jahr 1830 die „Gießener Gesellschaft" gegründet, die sich das Ziel gesetzt hatte, die gesamte deutsche Auswanderung nach einer bestimmten Gegend des Mississippi zu lenken. Da das betreffende Gebiet von den Vereinigten Staaten (damals hieß es wohl üblichermaßen „Nordamerika"), noch nicht als Staat anerkannt war, hoffte man, dort ein unabhängiges und glückliches „Klein-Deutschland" gründen zu können.
Die Gründer der „Gießener Gesellschaft" waren zwei junge Menschen mit Namen Paul Follenius und Friedrich Münch. Sie hatten, für die politische Freiheit gekämpft, ihre Pläne waren gescheitert (die Geburtsstunde des Verfassungsstaates hatte noch nicht geschlagen), und nun sahen sie sich um ihrer politischen Pläne willen den heftigsten Verfolgungen ausgesetzt.
Da flieg in Münch der Gedanke auf, nach Amerika auszuwandern, und es gelang ihm, auch Follenius für seinen Plan zu gewinnen. Dem war zunächst die Auswanderung wie Fahnenflucht erschienen, doch schließlich gab er seine Einwilligung, die er also begründete: „Wir dürfen nicht von hier gehen, ohne zugleich einen nationalen Gedanken zur Ausführung zu bringen. Der Grund zu einem neuen und freien Deutschland in der großen nord- amerikanischen Republik mag durch uns gelegt werden; möglichst viele unserer besten Landsleute müssen mit uns hinausziehen, und wir müssen Vorsorge treffen, daß jährlich ein Nachzug folgt. So können wir drüben einen feinem Grundwesen nach deutschen Staat gründen, den mir schließlich zu einem Musterstaat in dem großen Gemeinwesen Nordamerikas zu machen imstande sind."
Münch, der nüchterner dachte als der Freund, gab den Rat, nur mit einem Dutzend befreundeter Familien auszuwandern, und es den anderen zu überlassen, ob sie ihrem Beispiel folgen wollten. Follenius jedoch, der Mann von scharfem Verstand und hartem Willen, die geborene Führernatur, beharrte unbeugsam auf seinen weitgespannten Plänen, und so kam es zur Gründung der „Gießener Gesellschaft", deren Mitglieder fast alle Hessen waren.
Der Strom der Auswanderer ergoß sich zunächst
Bei der Altkleider- und Spinnstoffsammlung, die vom 1. bis 15. Juni 1942 durchgeführt wird, werden neben Kleidungsstücken, die zur sofortigen Verwendung geeignet sind, auch Altspinnstoffe zur Gewinnung von neuem Rohmaterial erwartet. Unsere Hausfrauen haben dabei Gelegenheit, erneut ihre „Lumpensäcke", Truhen und Kästen von Lumpen und anderen Abfallspinn- ftoffen gründlich zu räumen. lieber die Nutzbarmachung dieses Abfallmaterials haben wir uns bei einem Besuch in einer Spinnerei und Weberei in unserer engeren Heimat unterrichtet, wo wir die verschiedenen Etappen des Weges vom Lumpenrest zum fertigen neuen Stoff anschaulich verfolgen konnten.
Wir stehen in einer Lagerhalle. Rund um uns türmen sich große Ballen von Altmaterial, Wolle und in der Hauptsache alte Lumpen und gebrauchs- fertige Zellwolle. Uns interessieren besonders die vielen großen Lumpenballen. All dieses Rohmate- rial an Stoffabfällen kommt von den Sortieranstalten, wo es unter dem Gesichtspunkt der Qualität und der Art bereits vorsortiert wird, an die Stätte der fabrikationsmäßigen Wiederverwendung. Diese Ballen, deren Inhalt "von unseren Hausfrauen meist als völlig wertlos angesehen wird, sind in Wirklichkeit ein außerordentlich wertvoller Rohstoff. Das gilt nicht allein für die Tuchreste, sondern auch für andere Spinnstoffarten, wie z. B. Strickwaren (alte Strümpfe, Pullover) usw. Es ist denn auch ein buntes und vielfältiges Sammelsurium von Altspinnstoffen, das man in diesen Lumpenhallen vereinigt findet; vom winzigen Stoffrest und Schnipselchen aus feinem Herren- oder Damenkleiderstoff über die Futterstoffreste, alte Stricksachen und schließlich bis zum zerfetzten Putzlumpen ist hier alles vertreten. Unser Begleiter auf dem Rund- gang durch den Betrieb macht uns die große Bedeutung dieses Rohstoffes für die Wiedergewinnung von Stoffen überzeugend klar, so daß wir allen Hausfrauen nur dringend anraten können, die Lumpe nab fälle in ihren Haushaltungen künftighin nicht mehr als „Dreck" anzusehen.


