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nicht zufällig ein Gletschersee in der Nahe ist Der Wald hört viele hundert Meter weiter unten aus, und auf den Paßhöhen wächst nicht einmal mehr Krüp- ^Der^ andere Nachteil ist der lange Nach­schubweg. Er gibt dem Soldaten mitunter das Gefühl der Verlassenheit und Einsamkeit. Zum Glück machen sich die Gebirgsjäger darüber wemger Gedanken, als man annehmen möchte. Nur die Ver­wundeten spüren den weiten Nachschubweg sehr bitter, da sie erst auf Tragbahren getragen, dann auf Ochsenkarren verladen und erst nach langem Marsch in ordentliche Lazarette ausgenommen wer­den tonnen. Zur Erleichterung wurdenStutz­punkte" eingerichtet, die immer mehr ausgebaut werden und die vielen eigenartigen Erscheinungen des Gebirgskrieges wesentlich bKeichern. Denn da entstehen plötzlich in den tiefen Tälern, die bisher wohl selten eines Europäers Fuß gesehen haben, Blockhütten im alpenländischen Stil, manchmal ganze Siedlungen, die ein Stück anmutiger und an­heimelnder Alpenheimat in die kaukasische Wildnis versetzen.

Der Krieg auf den Pässen nimmt zuweilen er­bitterte Formen an. Die Bolschewiken holen sich auch hier immer wieder blutige Köpfe. Der Kern und das Rückgrat der Front ist hier wie überall der Infanterist, der Jäger. Diese grauen Männer, die tausende Kilometer in Gluthitze, in Eis und Schnee, m Sommer und Winter, im Westen, am Balkan und durch die Steppen Rußlands marschiert sind und die jetzt hier in der Steinwüste hinter dünnen Wällen aus aufgeschichteten Felsbrocken neben dem stets schußbereiten Maschinengewehr lie­gen, sie sind auch hier wieder das, was sie immer waren: die Front, die HKL., die Hauptkampflinie.

Ausgebaute Stellungen, Grabensysteme und Lauf­gräben gibt es hier nicht. Der Grat des Hauptkammes, gegen Westen langsam sich senkend, immer aber wildgezackt und auf- und ab­steigend in schroffen Gestaltungen, geographisch die Grenze zwischen, Europa und Asien, ist zugleich die vorderste Linie. Dahinter fallen die Hänge steil zu den bolschewistischen Stellungen. Von Freund und Feind in gleicher Weise eingesehen ist hier ein Stück Niemandsland, das oft widerhallt vom Rollen des Kampfgetöses, denn jeder Gewehr­schuß poltert und grollt mit seltsamem Donnern und vielfachem Echo die Wände entlang. MG.- Salven pfeifen hin und wider, Granaten ziehen ihre heulenden Bahnen und ihre Splitter fliegen in hohem Bogen mit Steinbrocken vermischt über die Aogründe.

Die Angriffe der Bolschewiken vollziehen sich meist so, daß sie unvermutet mit heftigen Feuerüberfällen aus Granatwerfern und Artillerie beginnen, sich einen Tag lang oder auch länger auf einer be­stimmten Stelle einschießen, um bort alles zu zer- trommeln. Bei günstiger Gelegenheit, das ist ent­weder bei Nacht, insbesondere gegen den Morgen zu oder bei Nebel kommen sie dann oft in Batail­lons- und selbst in Regimentsstärke angeschlichen und versuchen dann, da sie immer noch vorher be­merkt werden, im Nahkampf mit MG.-Feuer und Handgranaten die deutschen Posten zu vernichten und über den Kamm einzubrechen. Ihre Verluste sind dabei im Gegensatz zu den eigenen außer­ordentlich groß. Das gibt wieder den Jägern ein stolzes Gefühl sicherer Ueberlegenheit, um so mehr, als die laufenden Siegesnachrichten von den an­deren Fronten ihnen die Gewißheit geben, daß sie nicht auf einem vergessenen Posten stehen, son­dern früher oder später wieder in die rollende und marschierende Front eingegliedert werden, was einem echten Gebirgsjäger wie überhaupt jedem deutschen Soldaten ja immer noch das Liebste ist.

Oie Schwierigkeiten in Südafrika.

Lissabon, 4. Noo. (Europapreß.) Mit den Schwierigkeiten, in denen sich die Südafrikanische Union befindet, die auch wohl der Anlaß zu der Reise opn Smuts nach England waren, beschäftigt sich die USA.-ZeitschriftColliers Magazine" in einem Artikel ihres Berichterstatters in Südafrika. Es heißt darin:Die Vereinigten Staaten müssen sich jetzt entscheiden, ob sie bereit sind, Geld und Material in Südafrika unter dem Leih- und Pacht- abtommen zu investieren, selbst dann, wenn die Goldminenindustrie daraus bestehen sollte, ihre derzeitige Produktion weiter aufrecht zu erhalten, und sich weigert, die Arbeitskräfte für bie Herstellung kriegswichtiger Materialien sreizu-

geben. Smuts muß im nächsten Jahre Wahlen abhalten. Er muß die politische und wirtschaftliche Struktur des Landes ausbalancieren, wenn er die Wahl überleben will. Denn wenn die nationa­listische Opposition in Südafrika an die Macht kommt, dann werden wir eine tragische Pa­rallele zu Indien erleben, und Smuts wird nicht mehr in der Lage sein, den asrikanischen Ochsen­karren in das Lager der Alliierten schieben zu kön­nen. Die vereinigten Nationen haben bereits viele Karren verloren, es bleiben nur noch wenige übrig, die sie gegen den Feind werfen können. Wenn Smuts die Wahlen überleben soll, dann müssen die Vereinigten Nationen möglicherweise sogar mit Er­pressungsgeldern an die Goldminenindustrie in Süd­afrika herantreten. Die Frage der Militär- d i e n st p f l i ch t, verbunden mit der Frage der Bewaffnung der Eingeborenen, stellt noch immer das Hauptproblem der Innenpolitik Südafrikas dar und erschwert die Gegensätze -wi­chen Engländern und Buren.

Kleine politische Nachrichten.

Der Generalgouverneur für die französischen Ko- lonien gibt bekannt, daß 15 km südöstlich von Fia- narantsoa auf Madagaskar Kämpfe zwischen tarken britischen Kampfgruppen und französischen Truppen stattfinden. Die Engländer machten nur sehr langsame Fortschritte^

Der Reichsminister für Volksaufklärung und Pro­paganda hat die Stelle eines Beauftragten für die politische Gestaltung des großdeutschen Rundfunks )em Ministerialdirektor Hans Fritzsche über­tragen. Ministerialdirektor Fritzsche übernimmt gleich-

zeitia an Stelle des in das Ministeramt berufenen Ministerialrats Diewerae die Leitung der Abteilung Rundfunk. Die Leitung der Abtellung Deutsche Presse übernimmt Ministerialrat Fischer. Die Leitung der Abteilung Auslandspreise als Nachfolger des aus dem Felde der Ehre gefallenen Ministerialdirigenten Professor Dr. Boemer Ministerialdirigent Dr. Brau­weiler.

Der stellvertretende Präsident der Akademie für Deutsches Recht, Professor Dr. Dr. C. A Emge, Berlin, hat die Bitte ausgesprochen, von fernem Amt entbunden zu werden. Relchsiustizmmister Dr. Thierack hat Staatssekretär Dr. Rothenberger zum stellvertretenden Präsidenten berufen.

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Im Rathaussaal der Stadt Würzbura überreichte Gauleiter Dr. Hellmuth dem Maler Professor Ferdi­nand Spiegel (Berlin) den Malnftankischen Kunstpreis (Tillmann-Riemenschnelder-Preis).

Der Präsident der Reichskulturkammer ernannte auf Vorschlag von Gauleiter und Reichsstatthalter Sprenger den Schauspieler Arthur Siipon zum Landesleiter der Reichstheaterkammer beim Landes- kulturwalter Hessen-Nassau.

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Am 3. November trat die Gefolgschaft des Reichs­erziehungsministeriums zu einer Gedenksttmde an­läßlich der 125jährigen Wiederkehr der ©runfcung des Ministeriums zusammen. Reichsmimster Rust gedachte der Zeit der Wiedererhebung Preußens, die auch die Gründung des Berliner Kultusministe­riums brachte.

Stirb und werde."

Alfred Rosenberg sprach in einer weltanschaulichen Feierstunde der NSDAP.

'Weimar, 4. Nov. (DNB.) In zahlreichen Städten des Reiches fanden weltanschauliche Feier­stunden über das ThemaStirb und werde" in Erinnerung an den 8./9. November^und die Op­fer an der Feldherrnhalle statt. Auf der Roichsfeier im Deutschen Nationaltheater zu Weimar sprach Reichsleiter Alfred Rosenberg. Er sagte, Goethe habe mit dem Wort sagen wollen, daß Tod und Leben nicht Gegensätze der Natur seien, son­dern beide das Dasein ausmachten. Den Schmerz des einzelnen inmitten eines harten Schicksals könne man nicht überwinden, wohl aber könnten wir als helfende Gemeinschaft ihm Kraft zu neuem Wir­ken geben; aus dem Beispiel eines Opfertodes er­wachse neue verpflichtende Forderung für einen erneuten tapferen Einsatz. Den Sinn des Schicksals in seiner ganzen Tiefe vermöge keiner zu erfassen; für uns Nationalsozialisten aber handele es sich um die Herausbildung einer mutigen Haltung zu diesem Schicksal, in das wir gestellt worden sind. Gerade jene Menschen erschienen uns als die ver- ehrungswürdigften, die sich durch eine tapfere Tat für ein Ideal einsetzten, uiÄ) nicht die, die eine Ver­neinung einer tätigen Bewährung zur Grundlage einer Weltanschauung machen.

Reichsleiter Rosenberg sagte weiter, in letzter Zeit sei der Kampf gegen den Nationalsozialis­mus von unseren Gegnern besonders darauf ab­gestellt, der nationalsozialistischen Bewegung und damit dem Deutschen Reich den Willen zuzuschrei­

ben, alle Religionen auszurotten. Zu diesen auf die Verächllichmachung des Nationalsozialis­mus abgestellten Methoden unserer Gegner stellte Reichsleiter Rosenberg fest, daß der National­sozialismus gegenüber allen religiösen Vereini­gungen, deren Wirken sich nicht gegen das ger­manische Sittlichkeitsgefühl oder gegen den Be­stand des Reiches richtet, unbedingte Duld- amf eit lehre. Diese Toleranz gelte selbstver­ständlich auch für die Unsterblichkeitsvorstellungen, die ebenfalls im Bereich der Gewissensfreiheit des Nationalsozialisten, eines jeden Deutschen lägen.

Wenn wir in diesen Tagen wieder der Toten an der Feldherrnhalle gedenken, so sind diese uns Symbol für die Fortsetzung des gleichen «rs, der in den Augusttagen 1914 begann, sich das deutsche Volk damals über den tieferen Sinn der ganzen historisch-weltanschaulichen Ailseinandersetzung im klaren war. Jetzt, wo es siegreich am Atlantik steht und in großen Kämp­fen den bolschewistischen Gegner schwer getroffen hat, da im Osten eine Raumerweiterung für deutsche Schöpferkräfte wie noch nie gegeben er­scheint, do sehen wir darin die Fortsetzung dieses großen entscheidenden geschichtlichen Ringens und bemühen uns, die großen Opfer einzufügen in das Werden der deutschen Nation, zu verstehen, wie neues Leben für die deutsche Zukunft wächst und gesichert wird.

Aus -em Reich.

Ritterkreuzträger bei der Hitler-Jugend

30 Ritterkreuzträger der Infanterie trafen von der Front im Osten in der Reichshauptstadt ein, um in Wehrertüchtigungslagern der H I. von ihren Kampferlebnissen und Kampferfah­rungen zu berichten. Vorher waren sie Gäste des Reichsjugendführers, der auf die man­nigfachen Beweise der aufrichtigen Verbundenheit zwischen Front und Jugend hinwies. Durch den Kriegseinsatz in der Heimat bemühe sich die Jugend, sich des Heldentums der Front würdig zu erweisen. Dem Empfang wohnten General H e r r I e i n sowie der Chef des 'Stabes beim Inspekteur für das Bil- dungs- und Erziehungswesen des Heeres, General v. Volckammer, bei. Dann besuchten die Rit­terkreuzträger das Wehrertüchtigungslager Wir­ch e n s e e. Dort umriß der Chef des Hauptamtes II der Reichsjugendführung, Obergebietsführer Dr. Schlünder den Aufgabenbereich der körperlichen

und vormilitärischen Ertüchtigung der Hitler-Ju­gend. Weiter hatten die Ritterkreuzträger Gelegen­heit, Einblick in die Arbeit der HI. zu nehmen. Dabei gab ihnen Stabsführer Möckel einen Ueber- blick über den Einsatz der Jugend im Kriege, im besonderen über Osteinsatz und ßanbbieiyt, Kultur- und Schulungsarbeit.

Wehrmachtskurse zur Berufsförderung

Im Rahmen der geistigen Betreuung des deut­schen Soldaten wurden in Paris dieWehrmachts­kurse zur Berufsförderung" eröffnet. Sie werden in allen besetzten Gebieten im Westen, in den besetzten Ostgebieten, in Griechenland und in Norwegen ein­gerichtet werden und sollen dem Manne das Gefühl geben, daß die Zeit unter den Föhnen auch in be­ruflicher Hinsicht für ihn nicht verloren ist. Die Kurse werden etwa in der Art der Volkshochschulen viel­fältige geistige Anregungen bringen und die be­

rufsfördernde Arbeit in den Arbeitsgemeinschaften der Einheiten befruchten. Hervorragende Wissen- schafller werden in Tageskursen für besondere Fach- gebiete einen Ueberblid über bestimmte Wissens­gebiete geben.

Oie Küstenbefestigungen am Kanal.

General der Pioniere und Festungen J a c o b, der im Auftrag des Führers die Küstenbefestigungen im Westen inspiziert, traf in Begleitung des In­spekteurs der Westbefestigungen, General Schmet« zer, bei der Stützpunktgruppe am Kanal ein, um sich über den Ausbau dieses Verteidigungs- abschnittes zu unterrichten. Besonders eingehend be­sichtigte General Jacob einen ausgedehnten Panzer- stützpunkt, der vor der Vollendung steht. Weit fort­geschritten sind auch die neuen Anlagen von Mann- schaftsunterständen, Munitionsbunkern, Geschützstel­lungen und Feuerleitstellungen schwerster Bauart, die dem Gelände angepaßt sind.

Höchste Anforderungen an die Arbeitseinsahverwaitung.

Der Generalbevollmächtigte für den Arbeitseinsatz, Gauleiter S a u ck e l, hat an die Arbeitseinsatz- und Treuhänderbehörden einen Aufruf gerichtet. Der Ar­beitseinsatz, unlösbar mit unseren wichtigsten Kriegs­und Rüstungsaufgaben verbunden, mache auch wei­terhin letzte Hingabe zur selbstverständlichen natio­nalen Pflicht. Die wachsenden Schwierigkeiten seien nur zu bewältigen, wenn jeder seine Anstrengungen weiter erhöhe, gelte es doch, den Bedarf an Arbeits­kräften in Deutschland und in den besetzten Gebieten unter allen Umständen zu decken. Ein Unmöglich 'dürfe es darum im Arbeitseinsatz niemals geben. Der Generalbevollmächtigte erwartet von seinen Be­amten und Angestellten vorbildliches Ver­halten, kameradschaflliche Zusammenarbeit bet unerschütterlicher Befolgung der Weisungen. Der Arbeitseinsatzverwaltung fei das Schicksal von Mil­lionen schaffender Menschen überantwortet.

Finnische Frontkämpfer auf dem Kyffhäuser.

Eine Abordnung des finnischen Kriegerbundes Waffenbrüder", die sich auf Einladung des Reichskriegerführers auf einer Deutschlandreise be­findet, besuchte das Bundeshaus des NS.-Reichs­kriegerbundes in Berlin, wo sie in Aufgaben und Organisation des NS.-Reichskriegerbundes einge­führt wurde. Die Finnen reiften dann mit ihrem Präsidenten, Generalleutnant T a l v e l a, dem militärischen Führer aus dem Winterkrieg, nach dem Kyffhäuser, wo die Besprechungen mit General Reinhard und seinen Mitarbeitern fortgesetzt und die Einrichtungen des Kyffhäusers besichtigt wurden.

Kunst und Wissenschaft.

Der große Helfer" von Walter Gilbrlchk.

Walter Gilbrichs neues SchauspielDer große Helfer" zeigt den ewigen Zusammenstoß des Genies mit der Welt am Beispiel Franz Anton Meßmers, des Entdeckers des tierischen Magnetismus, der zu Ausgang des 18. Jahrhunderts als erster Arzt für eine seelische Therapie eintrat Die Heilung einer Blinden veranlassen konkurrierende Aerzte zu einer Anklage wegen Betrugs und Verführung. Der rohe Eingriff in die vom Wunder beleidigte Welt stürzt die Geheilte in neue Nacht und Tod. Die Dummheit siegt über das Genie. Der Verfasser gibt ein Szena­rium aus dem Leben eines genialen Menschen, es gelingt ihm aber nicht, das Genie und sein Gesetz glaubhaft zu machen, es gelingt ihm nur die neue Beweisführung für feine These: die Welt wehrt sich gegen das Wunder, weil sie das Außerordent­liche haßt. Der Dialog des Stückes ist nicht ohne Reiz und zeigt einige Male poetischen Glanz. Die Danziger Inszenierung von Clemens Schubert sorgte für dramatische Beweglichkeit. Das Schauspiel­ensemble des Danziger Staatstheaters setzte sich in schöner Bemühung für seine Aufgabe ein.

t. K.Wiechmann.

Uraufführung der 8. Sinfonie von Leonhardt.

Die 8. Sinfonie in B-dur von Otto Leonhardt, dem Robert-Schumann-Preisträger der Stadt Düsseldorf, wurde im Schlußkonzert der Düssel­dorfer Kunstwoche uraufgeführt. Leonhardt versucht in diesem stimmungshaften und handwerklich meisterhaft beherrschten Wert zu einem heroisch- zeitnahen Musikausdruck allgemeingültiger Prägung M gelangen. Die dichterische Grundlage lieferte das GedichtDer Tod fürs Vaterland" von Hölderlin,

Oie Antwort

Von Bruno Brehm.

Der lange, hagere Ingenieur stieg vom Dach des Gutshofes, das er mit Umsicht gestrichen hatte, steckte den Pinsel in den Topf mit roter Farbe und setzte sich zu mir auf den Steg, unter dem die Alz vorbeirauschte. Die Dämmerung sank nieder, es war die Zeit, Geschichten zu erzählen, und mit den Füßen schlenkernd und seine kurze, ewig aus­gehende Pfeife schmauchend, begann er:Dieses Pinseln des Blechdaches macht mir Freude. Schon als Junge ging es mir so. Ich kann mich nicht ent­sinnen, jemals Gefallen an einem gekauften Spiel­zeug gehabt zu haben. Wohl habe ich mir auch als kleiner Junge die Nase. an den Schaufenstern der Spielwarenhandlungen plattgedrückt; bekam ich bann aber solch ein Spielzeug geschenkt, dann war es doch zu sehr aus einer Welt der Kinder, wie diese sich die Großen denken, aus einer Kinderwelt, in der man brav um den Tisch herumsitzt, Domino undGlocke und Hammer" spielt, Spiele, die wirk­lich nur in den Auslagen verlockend sind.

Mit zwölf Jahren kam ich unversehens in das Pulveralter. Meine Freunde, der dicke Fritz und der lange Karl, hatten eines Tages Puloerfröfche er­standen, und diese krachend herumsausenden Pulver­frösche hatten mich begeistert. Von diesem Tage an gab ich das Zündeln auf, die dürren Gräser und Stauden auf den Bahndämmen hatten ihren Reiz verloren. Auch der an den Kleidern hastende Rauch der Kartoffelkräuter, der mir ehedem als höchster Wohlgeruch gegolten hatte, büßte im Ver­gleiche mit dem wunderbaren Duft des Pulvers jeden Reiz ein.

Wir verschafften uns einen Kirchtagsböller und ließen ihn loskrachen. Die Freude war laut, aber kurz. Wir sannen auf eine Steigerung. Da fiel mir der alte Vorderlader ein, der daheim unter dem Dach verstaubte.

Ausgezeichnet", sagte der lange Karl, als er das Schießeisen sah,da geht wenigstens etwas hin­ein! Wir werden den dicken Lauf bis zum Rande füllen!" Das Pulver wollte er den Jagdpatronen seines Vaters entnehmen, und auch der dicke Fritz hatte sich von seinem Kirchtagsböller etwas ab­gespart.

Aber wo diese Flinte abschießen? Karl schlug den I nahen Wald vor. Fritz meinte, dort sei es zu ge­fährlich, man würde uns für Wilderer halten. Außerdem krache es in einem kleinen, abgeschlosse­nen Raum viel besser und lauter. Großmütig stellte ich meinen Freunden unser Waschhaus zur Ver­fügung.

Wir hatten, .erklärte mir der Ingenieur, eine Mühle, zu der dm Sonntag die Ausflügler aus der nahen Stadt kamen. Meine Mutter kochte Kaffee und bereitete Kuchen vor, mein Vater tischte auf.

Die alte Flinte lehnte ich in eine Ecke des Wasch­hauses. Sie hatte einen seltsam geschweiften, silber- beschlagenen Kolben und ihr Abzug war so groß, als hätten vorzeiten die Menschen Riesenfinger ge­habt. Das war gut so, denn wir konnten unter dem verschnörkelten Bügel unsere ganze Bubenhand hin­einzwängen, denn niemals hätte unser Zeigefinger allein den alterssteifen angerosteten Drücker be­wegen können. Ich verhüllte also den klobigen Fremdling mit Fetzen und ließ ihn allein bei dem rauschenden Wasser.

Am Sonntag war schönes Wetter, die Bänke vor der Mühle waren besetzt, mein Vater hatte vollauf zu tun. Wir trafen heimlich im Waschhaufe zusammen. Ich war dafür, das ganze Pulver auf einmal in die Flinte zu füllen. Fritz lehnte ab. Wenn «s fürchterlich knallen soll, dann müssen wir viele, Meine, untereinander in Verbindung stehende Ladungen machen, zwischen diese aber möglichst kräftige Papierpftopfen setzen."

Das taten mir denn auch. Du ahnst gar nicht, was in solch einen Lauf hineingestopft werden kann. Kaum zur Hälfte war er erst voll, als uns schon das Papier ausging. Karl blickte sich um, sah einen Topf mit Schmierseife und Werg und verfertigte aus beiden einen gewaltigen Pftopfen. Noch ein Endchen blieb frei. Darauf schüttete Fritz den Rest seines Böllerpuloers und ich stopfte mein Taschen­tuch darüber.

Fertig! Es blieb nur noch das Zündhütchen zu setzen und auszulosen, wer die Ehre haben sollte, abzudrücken. Der dicke Fritz zog das Los. Er ver­suchte, die alte Flinte zu heben und anzulegen, aber sie war ihm zu schwer. Also ließ er sich auf dem Rande des steinernen Waschtroges nieder und legte die Flinte über ein umgestülvtes Waschschaff.

1 2ch riet Fritz, das linke Auge zuzudrücken und.

den Mund ein wenig zu öffnen, weil das gut fei beim Schießen. Fritz sperrte den Mund wie ein Karpfen auf und schob seine dicke Hand in den Bügel.

Halt! Nicht feuern!" rief Karl.Es wird blitzen und rauchen! Wir müssen die Fensterläden schlie­ßen. Die Tür muß versperrt werden, sonst wird man draußen etwas merken."

Ich verschloß die Fenster und versperrte-die Tür. Es mar ganz dunkel. Nur durch ein paar Ritzen blickte her Tag auf unser nächtliches Treiben. Karl stellte sich links, ich rechts neben Fritz. Karl ver­schränkte die Arme und fragte mit dumpfer Stimme: Bereit?" Es mar so still, daß wir nicht wußten, ob das Blut in unseren Ohren oder das Wasser in dem steinernen Trog, an dessen Rand Fritz saß, so laut rauschte.

Bereit!" kam es gepreßt von Fritz zurück.

Ich werde zählen", sagte Karl,bei drei drückst du ab!"

Eiins!" brummte Karl dumpf,zweii! ..." Drei hörten mir nicht mehr. Wir hörten und sahen nämllch überhaupt nichts, mehr, mir mußten nichts, wir dachten nichts, mir lagen im Nassen, um uns war Rauch, Gestank, Qualm und Stöhnen. Schon glaubten mir in der Hölle und mausetot zu sein, als em scharfer Luftzug uns traf und es auf ein­mal taghell wurde. Der dicke Fritz lag, den Kolben bcs Gewehrs allein in der Hand, drinnen im über« schwappenden Waschtrog, oben in der Decke sah man durch den abziehenden Rauch das Rohr der Flmte eingespießt. Wo aber kam das viele Licht auf einmal her?

Es gab nämlich weder Fensterläden noch Tür mehr im Waschhaus! Die Läden waren herausge­rissen. die Scheiben eingedrückt, der Türstock samt h^usgesetzt und das Waschhaus voll Wasier. Karl lag unter dem umgestürzten Wasch- trog, und ich war so gegen die Wand geflogen, daß ich glaubte, mit jedem Pulsschlag werde mein Kopf größer.

Karl zog Fritz aus dem steinernen Trog, beide waren naß rote gebadete Mäuse. Da schrie Karl plötzlich:Kurt! Um Himmels willen, dein Vater'" Ich raffte mich auf und sah durch die aufgesprengte Tur quer über den Hof meinen Vater heranlaufen. I" der einen Hand hielt er ein Servierbrett mit Kaffee, in der anderen einen Teller mit Kuchen.

Was ist denn geschehen!" schrie mein Vater, was ist denn los?" Ich mar noch zu benommen, um zu antmorten.

Habt ihr denn nichts gehört?" schrie mein Vater, der durch das Sonntagsgefchäft so in Anspruch ge­nommen mar, daß er meder den ausgefprengten Türstock noch die zerschlagenen Fenster sah.Es hat doch so laut gekracht, daß ich geglaubt habe, die ganze Mühle sei in die Luft geflogen!"

Nichts ist los"; antmortete ich, da ich über diese Blindheit meines Vaters sehr verwundert mar,ich habe nichts gehört. Viesteicht ist es ein Gewitter?'

Merkwürdig, sehr merkwürdig, höchst sonderbar", antwortete mein Vater und lief mit KqM und Kuchen wieder zu den Gästen vor das Haus.

Später kam ja doch alles auf. Wir bezogen un­seren Teil nach Gebühr. Aber nach Jahren noch war mein Vater über meine Antwort damals ebenso verblüfft ryie über seine eigene Blindheit. Nichts gehört", sagte er oft noch,nichts gehört, vielleicht ein Gewitter! Und dabei ist das halbe Waschhaus in die Luft geflogen! Und ich selbst stehe vor dieser Bescherung und sehe nichts, aber rein gar nichts!" Mein Vater konnte sich das niemals er­klären, nur manchmal fügte er kopfschüttelnd hinzu: Es war damals nach einer langen Regenzeit der erste schöne Tag, und es müssen wohl recht viele Gäste draußen gewesen fein."

Traurige Geschichte.

Der überaus fruchtbare deutsche Romanschrift­steller August Heinrich Julius La Fontaine, der zu Anfang des vorigen Jahrhunderts viel Erfolg mit seinen empfindsamen Familienromanen hatte, saß einst weinend am Schreibtisch, als feine Frau zu ihm kam. Milleidig fragte sie ihn nach b'er Ursache feiner Trauer, und j?r schilderte ihr genau die ver­zweifelte Lage, in die der liebende Held seines Ro­mans gerade gekommen war, da er die Erwählte feines Herzens nicht heimführen durfte. Seine Schilderung erweicht auch das Herz feiner Frau, auch sie bricht in Tränen aus und bittet ihn flehend: Gib sie ihm doch!"Ach!" schluchzt La Fon­taine,bas geht doch nicht, ich bin ja noch beim ersten Teil!" Q K,