Einzelbild herunterladen

Mittwoch, 5. AugustMr

Annahme von Anzeigen für die Mittaasnummer biS 8*/, Uhr desVorrnittagS Anzeig en-Preife

für die Mülimeter-Zeüe von 22 Mllimeter Breite r 7Rvf. für Familienan- zeigen und private Gelegenheitsanzetgen

14Rvf.f. Werbeanzeigen und geschäftliche Gelegenheitsanzetgen

Platzvorschritt l vorherige Vereinbarung) 25% mehr

<92. Jahrgang Nr. 182 mva e x

Gietzener Anzeiger

einzelnen Nummern il MM

infolge höherer Gewalt ^ahmnsWWzeN ,e . ffif s*Wettm|9 aw6 «eschäftr stelle:

Posts check 11686 F-rantt /M. vrühlfcheUnlversttS1»dru<rerei8.Qmge V/Vllvl 111*4111 JVvl |Ul vVUl|v||vll Oietzen, Zchulstrahe 7-9

Der Kuban an mehreren Stellen erreicht.

Der Wehrmachtbenchi.

DNS. Ans dem Führerhauplquartier. 4. Mug. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:

Ostwärts des Asowschen Meeres bra­chen deutsche Divisionen den Widerstand der teilweise noch zäh kämpfenden bolschewistischen Nachhuten. Schnelle Verbände des Heeres und der Waffen-^ haben in kühnem Vorstoß an mehreren Stellen den kubanstuß erreicht. Die Industriestadt Doroschitowsk wurde nach heftigem Häuser­kampf genommen, verbände der Luftwaffe griffen zurückflutende feindliche Kolonnen mit ver­nichtender Wirkung an und bombardierten bei Tag und Rächt feindliche Flugplätze, Transportbewe- gungen und Lisenbahnanlagen bis zu den Vordaus- laufern des Kaukasus. Zwischen Sal und Don , bringen deutsche und rumänische Truppen weiter nach Osten vor. Bei einem nächtlichen Luftangriff auf die Dolgaschiffahrt wurde ein fowjetischer Tanker versenkt.

Im großen Donbogen setzten die Bolsche­wisten ihre vergeblichen Gegenangriffe fort

3m Raum von Rfchew wurden erneute feindliche Entlastungsangriffe in hartnäckigen Kämpfen abgeschlagen.

An der Wolchowfront und vor Lenin­grad halten eigene Angriffsunternehmungen ört­liche Erfolge. 3m Finnischen Meerbusen wurden zwei bolschewistische Minensucher durch Bombenwurf versenkt, ein weiterer beschädigt.

3n Aegypten belegten deutsche Kampfflug­zeuge in der Rächt zum Z. August und am geffü­gen Tage britische Flugplätze und Feldlager bei Alexandrien mit Bomben. 3n Rordafrika und über Malta wurden in Luftkämpfen neun britische Flugzeuge durch deutsche 3äger ohne eigene Verluste abgeschossen.

3m Kampf gegen Großbritannien griff die Luftwaffe am gestrigen Tage wieder kriegs­wichtige Anlagen und Flugplätze in den Midlands sowie an der Ost- und Südküste Englands zum Teil im Tiefflug an. 3m Seegebiet von To r q u a y wurden in der vergangenen Rächt durch Kampf­flugzeuge auf drei Handelsschiffen eines britischen Geleits Volltreffer erzielt.

3« unaufhaltsamem Vordringen.

Berlin, 5. August. (DNB.-Funkspruch.) Zu den Kämpfen vom 3. 8. an der Ostfront teilt das Ober­kommando der Wehrmacht folgendes mit: Auf der I Landbrücke zwischen dem Asowschen und dem Kaspischen Meer dringen die deutschen Truppen unaufhaltsam weiter vor. Die westlichste

SadoMofg

Kiberto

deutsche Kampfgruppe nahm die Stadt I e k a t a r i - nowska am Jeja-Fluß im Sturm. Um dieses un­weit der Bucht von Jaisk liegende Angriffsziel zu irreichen, drangen deutsche Infanteristen in kühnem Vorstoß schwimmend über den Jeja-Fluß vor.

Die nach Süden vorgehende deutsche Angriffs- Mppe legte trotz großer Hitze bettächtliche Versol- Mgsmärsche zurück. Di^ aus schnellen Verbänden

des Heeres und der Waffen-ff gebildete An­griffsspitze erreichte am 3. August an mehre­ren Stellen den Kuban-Fluß, den letzten grö­ßeren Flußlaus nördlich des Kaukasus. Gleichzeitig drangen die deutschen Truppen in die als Verkehrs­knotenpunkt und als Zentrum der Lebensmittel-, Metall- und Textilindustrie bedeutende Stadt Mo­ros ch i l o w s k ein. Hier kam es zu harten H ä u - serkämpsen, die auch die ganze Nacht über an­dauerten. Nach Brechen des letzten Widerstandes der Bolschewisten war die Stadt in den Morgenstunden des 3. August fest in deutscher Hand. Kampf- und Sturzkampfflugzeuge belegten die auf die Ausläu­fer des Kaukasus zurückflutenden feindlichen Kolon­nen mit Bomben aller Kaliber. Widerstandsver­suche überflügelter und eingeschlossener feindlicher Kräfte wurden in Tiefangriffen erstickt. Auf der Eisenbahnstrecke von Armawir nach Baku blieben mehrere Transportzüge liegen.

Die nach Überschreiten des unteren Don oft» märte vorstoßenden deutschen und rumänischen Truppen säuberten weitere Gebiete von verspreng­ten Bolschewisten und setzten ihren Dorrpgrsch nach Osten fort. Im großen Don-Bogen schlossen Truppen einer deutschen Panzerdivision bei der Säuberung eines Flußufers ein bolschewistisches Bataillon ein und vernichteten es. Der Feind unter­nahm erneut einige Gegenangriffe. Alle Vorstöße brachen zusammen. Bei Luftangriffen gegen die vom Feind in aller Eile wiederhergestellten Donbrücken wurden die Flußübergänge erneut zerstört. Auf den Strecken südwestlich von Stalingrad wurden fünf Bahnhöfe durch Bombentreffer schwer beschädigt.

Im nördlichen Abschnitt der Ostfront gewan­nen deutsche Angriffe an der Wolchow-Front und an der Einschließungsfront von Leningrad an Boden, während feindliche Gegenstöße im Sperr­feuer zusammenbrachen. Die Luftwaffe traf im Finnischen Meebbusen mehrere feindliche Minen­räumboote schwer.

Unvergleichlicher Angriffsschwung

Von unserer Berliner Schriftleitung.

Unsere schnellen Truppen erblicken jetzt, nach der rreichung des Kuban und dem Fall von Wo ro­ch i l o ws k, dem ehemaligen Stawropol, die schnee- »Heckten Höhen des Kaukasus. Mit der Einnahme ton Woroschilowsk sind unsere Truppen nicht weni- S-r als 290 Kilometer südlich von Rostow vorge- ungon. Das entspricht etwa der Entfernung von ranffurt bis Basel. Damit ist das Kubangebiet zum ößten Teil in deutsche Hände gefallen. Moskau hat mit diesem Gebiet eine Kornkammer verloren, d'ren Bedeutung um so größer war, als die Ukraine shon im Vorjahre unter deutsche Gewalt geriet. 8us dem Kubangebiet kam Weizen und Erdöl, Vieh lind anderes nach dem bolschewistischen Norden, kurch Tanker wurde das Erdöl den Kuban abwärts »ach dem Asowschen Meer gebracht, nachdem es m einer Oelleitung bis an den Kuban geführt worden War. Das Getteideaebiet des Kuban wurde von ben Sowjets unter Aufhebung der freien Kosaken- stanizen in den berüchtigten Sowchosen, das sind ttatlich-sowjetische Landwirtschaften, und in den Kolchosen, also Kollektivwirtschaften, ausgebeutet. $ur selten waren zwischen den Donkosaken russische Dörfer eingesprengt, die von Raskolnikis, orthodoxen Sektierern, die nach dem Kaukasus ausgewanoert waren, bewohnt wurden, d. h.Altgläubigen , dae 1)2 Reform des Patriarchen Nikon nicht Mitgemacht hatten und nunmehr zusammen mit den Reformern iiib den Kosaken von den Sowjets und ihren juoi- feen Emporkömmlingen grausam verfolgt wurden.

Nachdem unsere Truppen über die Bahnstrecke LalskTichorez weiter gegen den Oberlauf bts Kuban vorgedrungen waren, hatten wir am Ziuß I e g o r l y k , der in den Kuban mundet, die Evabt Baschanta genommen und stießen aus Woroschilowsk vor. Seit vor fünf Wochen un- Truppen zum Angriff angetreten waren, haben üt unzählige Widerstandslinien, Bunkerstellungen, verminte Strecken und breite Ströme ü-bermunoen. We-i Hitze und Gewittern sind sie durch fruchtbares ^nb und öde Steppen marschiert. Sie haben im ^mzerwagen und als Infanteristen jeden feindlichen -Widerstand gebrochen, unterstützt durch die Luft- Ivviffe, die pausenlos den Gegner dezimierte und I 'einen Nachschub zerstörte sowie die letzten Verbin­

dungslinien der Bolschewisten unterbrach. Der An­griffsschwung unserer und der uns verbündeten Truppen ist unvergleichlich. Daß er heute noch ge­nau so 'roie am ersten Tag ist, lehrt der schnelle Vor- marsch gegen den Kuban.

Selbst dieTimes" müssen jetzt zugeben, der deut- sche Vormarsch seirapide", und die Klagen der britischen Presse, die Sowjets hätten bis jetzt 60 o. H. ihres Kohlevorkommens, 65 v. H. ihrer Eisenlager, 70 v. H. ihres Frühjahrsgetreides verloren, kenn­zeichnen wohl am schärfsten die wirkliche Lage Sta­lins. DerManchester Guardian" berichtet jetzt, Eng­land sei Zeuge, wie schnell die bolschewistischen Hilfs­quellen dahinschwänden, auf denen sich die sow- jettfche Militärmacht auf gebaut habe. Schon jetzt seien die Schläge hart urtb die Auswirkungen ernst. Schwedische Blätter wissen zu berichten, die Sow­jets hätten alle ihnen zur Verfügung stehenden Re­serven in diesen Kampf um den Kaukasus geworfen.

Aber diese Hilfe dürfte erfolglos sein, denn der deutsche Vormarsch geht unaufhaltsam weiter, die Widerstände zersplittern, die blutigen Verluste des zusammenhanglos kämpfenden Feindes sind außer­ordentlich und, wie Moskau selbst meldet:Die deut­sche Kriegsmaschinerie rollt unaufhallsam weiter zum Kaukasus." Eine letzte Hoffnung bleibt den Trategen derTimes", nämlich die, daß die Sow­jets nicht gänzlich niedergeworfen werden, sondern nurverkrüppelt" aus dem Kampf hervorgehen möchten. Auch das ist nur ein kümmerlicher Trost, denn eine verkrüppelte Militärmacht der Sowjets wäre nie mehr in der Lage, Europa gefährlich zu werden.

Beiderseits des Kuban.

Der Kuban-Fluß entspringt im Kaukasus. Nörd­lich des Flusses ist fruchtbares Schwarzerdegebiet, auf dem sich meilenweeit goldgelber schwerer Wei­zen wiegt, südlich des Flusses beginnt das Vorland des Kaukasus, das durch zahlreiche Hügel und Täler zerschnitten wird. Am Meer wachsen Wein und Melonen. Tomaten- und Kohlkulturen zeigen die Spuren der deutschen und estnischen Ansiedler, die

vor 80 Jahren in das Gebiet gerufen wurden und dem Landstrich zu seiner Blüte verhalfen. Eine für sowjetische Verhältnisse hoch entwickelte Viehzucht, vor allem Schafzucht, vervollständigen das land­wirtschaftliche Bild des Gebietes.

Von den Rohstoffen des Kubangebietes find die bedeutendsten die Erdölvorkommen, Eisenerze und Zementmergel. Verwaltungsmäßia aliedert sich das Gebiet in den Verwaltungsbezirk Krasnodar, der mit 80000 Quadratkilometer etwa die Größe Bayerns hat. Er zählte drei Millionen Einwohner. Der östlichste Teil, der Bezirk Ordschonikidse mit der Hauptstadt Woroschilowsk, der bis an das Kaspische Meer reicht, umfaßt 102 000 Quadratkilo­meter und ist von rund zwei Millionen bewohnt. Die Hauptstadt Woroschilowsk hikß früher Stawro­pol und zählt 60 000 Einwohner. Hier laufen die Linien aus dem Kaukasus und dem Kaspischen Meer nach Rostow sowie eine wichtige Zweigbahn zusam­men, die das Flußgebiet des Kuma und des Ma- nytsch bedient.

In beiden Bezirken siedelt ein buntes Stammes- gemisch. In den Städten drängen sich die Groß- russen zusammen, die Landbevölkerung besteht aus Armeniern, Persern, Tataren und Kalmücken. Ba­sch a n t a ist der Mittelpunkt der nomadisierenden und in Zelten wohnenden Kalmücken im autono­men Kalmückengebiet. In Baschanta ist einer der westlichsten Buddhatempel der Welt. Im Vorland des Kaukasus existieren deutsche Dörfer, die von Schwaben sowie niederdeutschen Mennoniten be­wohnt werden. Ihr früherer Wohlstand ist unter der bolschewisttschen Herrschaft im Laufe der Kollek­tivierung sehr zurückgegangen.

Heldentod zweier Ritterkreuzträger.

Der Träger des Ritterkreuzes Generalmajor Ju­lius von Bernuth hat als Chef des Generalsta­bes einer Panzerarmee den Soldatentod gefunden. Er ist von einem Flug zu meinem weit in'den Rücken des Feindes vorgestoßenen Panzerkorps, dem er einen wichtigen Befehl selbst überbringen wollte, nicht zurückgekehrt. Tagelang blieben alle Nachfor­schungen vergeblich, bis dann deutsche Soldaten den toten Ehef mit feinem Piloten neben der zerstörten Maschine fanden. Er hatte zur Erfüllung seines Auf­trages über ein Gebiet fliegen müssen, in dem an jenem Tage noch gekämpft wurde.

*

Im Nachtjagdkampf, unmittelbar nach seinem drit­ten NachtjaAdsieg in derselben Nacht, fiel am 30. Juli der Oberleutnant Rudolf Eckardt, Staffelkapitän in einem Nachtjagdgeschwader. Er war ursprünglich Jagdflieger und gehörte bei Ausbruch des Krieges einem Zerstörer-Geschwader an. 1940 wurde er in ein Nachtjagdgeschwaber versetzt, in dem er als Gruppenadjutant "Verwendung fand. Der Führer verlieh ihm am 30. August 1941 das Ritterkreuz, nachdem er drei Lustsiege bei Tage errungen und neun Nachtabschüsse erzielt hatte. Einmal gelang ihm in einer Nacht in 46 Minuten der Abschuß von vier brittschen Bombern. Der Wehrmachtbericht vom 29. April 1942 meldete feinen 14. bis 16. NachtjaO- fieg.1

Schwarze Erde.

Deutsche Kampfverbände haben auf ihrem sieg­reichen Vormarsch zwischen Donez und Don kürzlich die Grenze zwischen dem sowjetischen Schwarzerde­gebiet und der Steppe überschritten. Sie haben da­mit einen Raum hinter sich gelassen, der zu den fruchtbarsten der Welt gehört.

Schwarzerdegebiete sind in allen Erdteilen, Australien ausgenommen, zu finden. Sie nehmen jedoch nur 6,1 v. H. der Erdoberfläche ein, können aber Erträge hervorbringen, die ausreichen würden, um eine Bevölkerungsvermehrung um mehrere hundert Millionen Köpfe zu erlauben. Die beste schwarze Erde erstreckt sich von Zentral­indien über Westhaidarabad nach dem Süden. Seit mehreren tausend Jahren wird hier der Boden durch die Bauern ohne jede Düngung bearbeitet, ohne das bis heute ein Nachlassen der Bodenkräfte zu verspüren ist. Allerdings besitzt hier die Schwarz- erdedecke auch die größte Mächtigkeit. Sie bewegt sich zwischen 1,8 Meter und 3 Meter. An zweiter Stelle erscheint der riesige von der Ukraine bis nach Ostsibirien reichende Streifen, der auf europäischer Seite 1,5 Millionen und auf der asiatischen Seite 1,6 Millionen Quadratkilometer bedeckt. In Europa beträgt seine Länge 2100 Kilo­meter, in Asien 4000 Kilometer. Dafür besitzt er auf unserem Kontinent eine Brette bis zu 1000 Kilo­meter, während der asiattsche (streifen verhältnis­mäßig schmal ausgefallen ist. Das Kernstück dieses eurasischen Gebietes umfaßt Charkow, das Don- gebiet, Tula, Woronesch, Kiew, Kursk, Poltawa, Samara. Daneben gibt es eine große Zahl anderer Räume, die mehr oder minder stark mit der frucht­baren schwarzen Erde gesegnet find. In Nord­amerika liegt ein breiter, zusammenhängender Schwarzerderaum in Kanada und in den Vereinig­ten Staaten. Auf der südlichen Hälfte des amerika­nischen Konttnents sind es Argentinien und Uruguay, die über den begehrten schwarzen Boden verfügen. In Afrika zieht sich nördlich des Kongo quer über den Erdteil bis zum Sudan eine Schwarzerdezone hin, die wesentliche Teile 2Ibeffiniens einschließt und sich bann durch den afri­kanischen Osten nach dem Süden fortsetzt.

Die Gebiete der Schwarzerde in der Ukraine sollen zu einem wesentlichen Faktor in der euro­päischen Ernährungswirtschaft werden. Was ihrs Entstehungsgeschichte betrifft, so war wäh- rend der Eiszeit Südrußland mit ungeheuren Mengen von feinem Lehmstaub bedeckt, den die Winde aus den umliegenden Steppen und den Wüsten Asiens heranwehten. Dieser Fluglehm wird Löß genannt. Er lagerte sich so ab, daß seine Dicke von Norden nach Süden zuncchm. Die Lößzone zer­fällt heute in zwei Gebiete: in das nördliche und größere Schwarzerden- und das südliche und kleinere Steppengebiet. Das Land der Schwarzerde (Tscher- nosjom genannt) beginnt gleich südlich der Wald­zone, d. h. südlich einer Linie von Schitomir über Drei nach Kasan an der Wolga. Im Westen reicht es von Schitomir bis Kischinew im Süden und hier von Kischinew über Dnjepropettowsk bis zu dem Winkel, in dem Don und Wolga einander sehr nahe

ttngebrochenes deulsches Kuliurschaffen im Kriege

Salzburg, 4. August. (DNB.) Im Rahmen einer öffentlichen Dorttagsreihe sprach vor dem polittscheu Führerkorps des Reichsgaues Salzburg Staatssekretär Gut ter er über das deutsche Kul­turschaffen im Kriege. Gerade weil der Krieg von Front und Heimat außerordentliche Anstrengungen fordere, fei der innere Ausgleich unerläßlich; so seien gerade in dieser Zett die Kunst und ihre Werke ständiger Quell neuer Kraft und Stärke, und alle Theater, alle Schauspieler mfro., die uns zur Verfügung ständen, reichten nicht aus, um die ganze kulturelle Sehnsucht unseres Volkes zu stillen. Gleich­wohl sei es eine wcchrhaft stolze. Bilanz unseres kul­turellen Lebens, die er der Oeffentlichkeit übergeben könne. Der .Staatssekretär gedachte der Festspiel- oeranjtaltungen in Salzburg und Bayreuth für An­gehörige der Wehrmacht und für Rüstungsarbeiter, der Mozart-Festwoche in Wien, der Grabbe-Woche in Detmold, der Weimarer Festspiele der deutschen Jugend und der Festwoche des Alten Theaters in Leipzig. Eine große Zahl neuer Theater konnten in den '©renjgauen des Reiches ihre Pforten öff­nen. Dazu gehören die The-ater in Straßburg, Mül- Haufen und Colmar, in Metz, Luxemburg urtb Lille, in Marburg an der Drau, Cilli und Ran, in Oslo, Thorn und Graudenz. Mit dem verbündeten Ita­lien werde ein lebhafter Austausch gepflegt; die deutschen Operngastspiele in Barcelona seien bereits zur Tradition geworden, in Stockholm habe die Staatsoper Hamburg, in Paris das Deustche Opern­haus gastiert. Regelmäßig gastierten deutsche Büh­nen auch in den besetzten Niederlasiden, wo im Herbst ein eigenes Deutsches Theater seine Tätig­keit werde aufnehmen formen; mit den flämischen Theatern in Antwerpen "und Gent bestehe eine enge Zusammenarbeit. Das deutsche Landestheater in Rumänien habe sich auch für die Wehrmachtbetteu- unq zur Verfügung gestellt.

Die Entwicklung des Films sei in dauerndem Aufstieg begriffen. Die Zahl der Fttmtheater habe sich von 5446 im Jahre 1938 auf 7043 erhöht; wäh­rend 1939 ,623 722 000 Volksgenossen die Lichtspiel­theater besuchten, waren es 1941 892 263 000. Der Rundfunk, der 1933 4 427 600 Rundfunkhörer zählte, könne heute zu fast 16 Millionen eingetrage­ner Rundfunkhörer sprechen. Staatssekretär Gutte- rer gedachte in diesem Zusammenhang der Ueber- tragungen der Berliner Philharmonischen Konzerte, der großen Mozart-Woche im November, des Rund­funk-ZyklusMusik großer Meister" und be$Deut­schen Dolkskonzerts". Zu einem großen Teil speise der Rundfunk auch die Wehrmachtsender von Athen bis Norwegen, von der Krim bis an die Grenzen Spaniens. Zahlreiche Kurzwellensender strahlten heute in 39 fremden Sprachen deutsches Kulturgut! in alle Welt hinaus.

Auf musikalischem Gebiet zeige die Ueberfüllung aller Konzertveranstaltungen bas im Kriege beson­ders starke Bedürfnis des deutschen Volkes nach innerer Erhebung. Durch die AktionBeschwingte Musik" fei man den Wünschen breiter Volkskreise entgegengekommen, auch in wertvoller Musik Ent- fpannung von hen harten Fordungen des Tages zu finden. Ferner gedachte der Staatssekretär des för­dernden Eingreifens des Reiches durch Staatsauf­träge für neue Werke der Oper und Operette oder durch den Ankauf von Meistergeigen, die an jüngere Professoren und Konzertmeister zur Benutzung ge­geben werden. Durch Kreditgewährung sei der Mit- tenroälber Geigenbau neu angekurbelt worden; man habe den Typ einerDolksgeige" ausgearbeitet, die Schüler an das Violinfpiel heranführe.

Das Schrifttum sei in immer stärkerem Maße in den Dienst des kämpfenden Volkes ge­treten. Im Jahre 1941 seien in Deutschland nahezu 100 Millionen Bücher und Schristen mehr her- gestellt worden als im Jahre 1940. Die Kriegszeit spiegele sich vor allem in der lyrischen Dichtung, die vom überall gesungenen neuen Soldatenlied bis zur feierlichen Hymne auf bas Reich bebeutende Schöpfungen aufweise und manchen unserer jun­gen, bei der Wehrmacht eingesetzten Dichter weit über sein früheres Werk hinausgeführt habe. Un­zählige Briefe von der Front zeugten davon, daß das deutsche Buch der Begleiter und Freund des deutschen Soldaten geworden fei. Dabei würden sehr häufig Dichter verlangt, die dem Bereich der Romanttk und Nachromantik angehörten und Werke von sttller Jnnerlichkett geschaffen hätten. Für die Zukunft sollten besondere Feldpostaus- gaben den Gewichtsbeschränkungen der Feldpost noch besonders Rechnung tragen.

Mit gesundem Empfinden bewundere bas deut­sche Volk heute wieder in Malerei und Plastik bas Starke und Schöne und Lebensfähige. Im Jahre 1941 hätten im Reich 1033 Kunstausstellun­gen stattgefunden; bas bedeute fast eine Ver­doppelung gegenüber bem letzten Friedens- jahr. 700 000 Besucher, darunter zahlreiche Urlau­ber und Verwundete, hätten allein die letzte Große Deutsche Kunstausstellung in München ausgesucht, 100 000 mehr als im Vorjahr. Auch auf dem Ge­biete der Truppenbetreuung könne ein stolzer Rechenschaftsbericht abgelegt werden. In manchen Monaten des abgelaufenen Jahres feien 14000 Künstler unterwegs gewesen; einige Künst­lergruppen hätten dabei wahre Expedittonen in die oben Gegenden des Auslandes gemacht. So habe der Krieg die kulturellen Kräfte unseres Volkes verstärkt, es habe sich gezeigt, daß das deutsche Volk die Kunst gerade auch im Kriege als Lebens­bedürfnis empfinde.