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3« 13 Tagen verloren die Briten 318 Flugzeuge.

Oer Wehrmachtbericht.

DRV. Aus dem Führerhauptquartier, 4. Juni. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt: e

An der Ostfront keine größeren Kampfhand­lungen.

In Aordafrika verlor der Gegner bei ört­lichen Gefechten 2 2 Panzer, 7 Geschütze so­wie eine Anzahl von Gefangenen. Verbände der deutschen und italienischen Luftwaffe bombardierten Bahnanlagen und Truppenlager im Raum von Lapuzzo.

Ein mit schwachen Kräften an der Kanalküste durchgeführker britischer Landungsversuch wurde durch die deutsche Küstenverteidigung abgewiesen. Einige Gefangene und Waffen blieben in unserer Hand.

Bei Luftkämpfen im Kanalgebiet verlor der Gegner gestern 24 Flugzeuge.

Stärkere Kampffliegerkräfte bombardierten in der Rächt zum 4.6. den britischen Seestühpunkt Poole an der englischen Südküste.

Britische Flugzeuge belegten in der letzten Rächt das Gebiet um Bremen und die Stadt selbst vor­wiegend mit Brandbomben. Rachtjäger und Flak­artillerie schossen zehn der angreifenden Bom­ber ab.

In der Zeit vom 21.5. bis 2.6. verlor die bri­tische Luftwaffe 318 Flugzeuge, von denen 41 durch Einheiten der Kriegsmarine ab­geschossen wurden. Während der gleichen Zeit gingen im Kampf gegen Großbritannien 51 eigene Flugzeuge verloren.

Das Jagdgeschwader 52 meldete am 1. Juni seinen 2000, Luftsieg.

Hauptmann Müncheberg errang am 2. Juni seinen 80., Oberleutnant Marseille am 3. Juni in Rordafrika seinen 70. bis 75. Luftsieg.

Oie deutsche Atlantikfront.

Rom, 4. Juni. (Europapreß.)Die deutsche 2lt- lantikfront ist in ihrer Leistungsfähigkeit absolut unbeeinflußt von den Ereignissen an der Ostfront geblieben, sowohl im Sinne der zahlenmäßigen Stärke der Besatzungstruppen als auch der dort aus­gestellten Waffenoerbände", schreibt der Korrespon­dent desPopolo di Roma".In fast allen Schlüs­selstellungen befinden sich heute die gleichen Offi­ziere wie Soldaten, die gleich nach der Besetzung Frankreichs dahin geschickt worden waren. Dank ihrer besonderen Kenntnis der einzelnen Küstenab­schnitte sind dieseVeteranen der Atlantikfront" na­türlich imstande, sofort zu reagieren, selbst wenn für die meisten unter ihnen die Stunde des direkten Einsatzes schon, seit zwei Jahren auf sich warten läßt."

Der Korrespondent schildert dann, wie zu den alten Besatzungen des Küstenschutzes neue Kräfte hinzugekommen sind, um einen mächtigen Ver­teidigungswall längs der gesamten Atlantik­küste aufzurichten, der in den letzten Monaten in Form eines imposanten Systems von Verleidiaungs- werken entstanden ist.Der Anblick dieses Schutz­walles", so schreibt der Korrespondent,genügt, um zu überzeugen, daß die Engländer nicht einmal eine entfernte Möglichkeit haben, ihre Kräfte auf den Kontinent zu setzen. Die französische Küste ist selbst gegen die Uederraschung kleinerer Landungen durch ein engmaschiges System von Hilfswerken, Ab­sperrungen, Stacheldrahtverhauen, Kasematten und Stellungen jeder Art gesichert, die der französischen Küste ein völlig neues Gesicht geben."

dieser Aufgabe seine ganze Energie und politische Geschicklichkeit gewidmet. Als einstigen deutschen Seeoffizier zeichneten ihn Schneidigkeit und Ent­schlossenheit aus. Seine Bestellung z Stellver­tretenden Reichsprotektor für Böhmen und Mäh­ren für den erkrankten Reichsminister Frhrn. von Neurath fiel zeitlich mit der Aufdeckung der Ver­schwörung gegen die Protektoratsverhältnisse in Prag zusammen. Seine feste Hand stellte bald Ruhe und Ordnung wieder her. Er arbeitete mit bestem Erfolge mit den Kreisen des Tschechentums zu­sammen, die aus der Wahnsinnspolitik des alten Kurses die Folgerungen gezogen haben und sich für einen Ausgleich der Verhältnisse auf der Grund­lage der Vernunft und der Wohlfahrt einsetzen. Hier hatte Heydrich Gelegenheit, sein zielbewußtes, in der Form aber konziliantes Wesen auch politisch zu entfalten. Hier zeigte sich, was er in der Schule Adolf Hitlers gelernt hatte. Für Heydrich war das Primäre, daß er, wie er selbst in einem Aufsatz Politisches Soldatentum in der Polizei" vom 16. Februar 1941 ausführte, über eine Schar welt­anschaulich klarer Nationalsozialisten gebot, die alles daran setzten, das Werk des Führers zu sichern. Von dieser Plattform aus konnte sich auch der Politiker und Staatsmann Heydrich entwickeln, als den wir ihn in seiner Tätigkeit als Stellvertreten­den Reichsprotektor von Böhmen und Mähren kennengelernt haben. Mit geschickter Hand hat er die Folgen der großangelegten Verschwörung be­seitigt und den Zustand der Ruhe wieder hergestellt. Seine Maßnahmen waren streng und zielbewußt. Sie trafen aber nur die Schuldigen. Denen die ^uten Willens waren, schenkte er Vertrauen und Fürsorge. So hat er sich auch im Protektorat in allen Kreisen, mit denen er zu tun hatte, Freunde gemacht. Sein politisches Fingerspitzengefühl ließ ihn in jeder Situation die richtigen Methoden tref­fen. Das lag nicht in den Plänen der Londoner Terroristen. Sie wollten ihn beseitigen. Sie haben ihr Ziel erreicht, aber das von ihm begonnene Werk der endlichen Befriedung des Landes wird vollendet werden.

Mit Heydrich sank ein Mann in der Blüte seiner Jahre ins Grab, der, mit hohen Fähigkeiten aus­gestattet, energieooll und selbstlos sich hinter den Führer gestellt hatte und ihm aus vollem Herzen seine Talente und Kräfte für die Durchführung des gewaltigen Werkes lieh. Er war 1904 in Halle ge­boren und hatte sich schon während seiner Gymna­sialzeit in der völkischen Jugendbewegung aktiv be­teiligt. Nach der Reifeprüfung trat er 1922 in die Reichsmarine ein und kam 1928 als Oberleutnant zur See in bie Ad mir a l-Stabsleitung der Marine ­station der Ostsee. Nach seinem Ausscheiden aus dem aktiven Marinedienst trat Heydrich 1931 in Ham­burg der NSDAP, bei, im Herbst des gleichen Jah­res wurde er als Sturmführer in den Stab des Reichsführers ff berufen. 1934 wurde er Leiter des Geheimen Staatspolizeiamtes, 1936 Chef der Si­cherheitspolizei, 1941 ^-Obergruppenführer und Ge­neral der Polizei. Dann übernahm er die Leitung des Sicherheitshauptamtes des Reichsführers ff. Nach Ausbruch des Krieges erwarb sich Heydrich als Jagdflieger in Norwegen, Holland und in Sow- jetrußland das Eiserne Kreuz I. und II. Klasse. Am 27. September 1941 erfolgte seine Berufung zum stellvertretenden Reichsprotektor Böhmen und Mäh­ren, da der bisherige Reichsprotektor, Reichsmini, fter von Neurath, zur Herstellung seiner angegriffe­nen Gesundheit einen längeren Urlaub erhalten hatte.

Der BeichSgesundheitSführer in Frankfurt.

NSG. Auf Einladung des Gauleiters und Reichsstatthalters Sprenger ist Reichsgesundheits­führer Dr. Conti zu einem zweitägigen Besuch in Frankfurt eingetroffen, um den neuen Leiter des Amtes für Volksgesundheit im Gau Hessen- Nassau, Dr. Märchen, in sein Amt einzuführen. Am Donnerstag besichtigte der Reichsgesundheits­führer das Universitätsinstitut für Nahrungsmittel­chemie und Städtisches Nahrungsmittelunter­suchungsamt und das Institut für experimentelle Therapie in Frankfurt und die Hebammenlehr- anstalt in Mainz. Auf einer Arbeitstagung des Amtes für Volksgesundheit im Aerztehaus sprach er in Anwesenheit von Gauleiter und Reichsstatt­halter Sprenger zu den Kreisamtsleitern für Volksgesundheit sowie allen führenden Persönlich­keiten des Gesundheitswesens-. In seiner Begleitung befinden sich der Leiter des Amtes Gesundheits­politik, Dr. Röhrs, und Dozent Dr. S ch ü tz.

Britischer Zerstörer vor Tobruk versenkt.

Rom, 5. Ium. (DRB. Funkspruch.) Schnelle Einheiten der Achsenmächte versenkten vor Tobruk einen britischen Zerstörer. Die feindliche Abwehr verursachte den angreifenden Einheiten keinerlei Verluste.

Der Lustangriff auf Poole.

Berlin, 4.Juni. (DNB.) Bei dem Angriff gegen die Stadt Poole drangen trotz heftigen Ab­wehrfeuers der von zahlreichen Scheinwerfern un­terstützten britischen Flakbatterien die deutschen Kampfflugzeuge bis über das Stadt- und Hafen­gebiet von Poole vor. Bomben schweren Kalibers riefen besonders im Südteil der Stadt heftige Ex­plosionen hervor. Im Laufe des Angriffes, der in mehreren Wellen erfolgte, entwickelten sich größere Brände im Inneren der Stadt und am Bahnhof von Poole. Poole ist eine Stadt von 57 000 Ein­wohnern und besitzt einen gut äusgbauteki Hafen, der infolge seiner günstigen Lage an der englischen Südküste unter Benutzung von Leichtern zur Lö­schung größerer Handelsschiffe als Entlastungs- und Ausweichelandeplatz für Southampton dient. Die Stadt besitzt zahlreiche Werftanlagen zum Bau kleinerer Schisse. Poole wurde während des Krie­ges zu einem Stützpunkt für leichte Kriegsfahr­zeuge ausgebaut und ist jetzt Operationsbasis von leichten Sicherungsstreitkräften.

Unruhen auf den Dahama-Znseln.

Lissabon, 4. Juni. (DNB.) In Nassau, der Hauptstadt der britischen Bahama-Jnseln vor der Küste von Florida, kam es dort am Dienstag zu Streiks. Es ereigneten sich Plünderungen in der Hauptgeschäftsstraße, Automobile wurden von De­monstranten umgestürzt. Als die Polizei einschritt, wurden zwei Streikende getötet. Die Unruhen waren von den Arbeitern auf dem den Ameri­kanern überlassenen Flugplatz bei Nassau ausge­gangen. Hinter bfn Lohnforderungen der Arbeiter steht die antiamerikanische Stimmung auf den Ba­hamas. Der Herzog von Windsor, der als

Gouverneur der Bahamas gerade in Washingto zu einem Staatsbesuch war, brach seinen Aufenthalt ab, um noch Nassau zurückzukehren.

LlSA.-KnegSerklärung an Rumänien, Bulgarien und Ungarn.

Genf, 5.Juni. (DNB. Funkspruch.) Das Re­präsentantenhaus hat auf Antrag Roosevelts ohne Aussprache beschlossen, Bulgarien, Ungarn und Rumänien den Krieg zu erklären. Der USA.-Senat hat daraus die Kriegserklärung an diese drei Staa­ten ebenfalls angenommen. In der rumänischen Presse wird sestgestellt, daß sich Rumänien s ch o n seit dem 12. Dezember 1941 als mit den USA. im Kriege befindlich betrachtet. Es sei leicht, sich vorzustellen, so schreibtUniversul", welches Schicksal Südosteuropa ereilt hätte, wenn nicht Ru­mänien auf die sowjetischen Aggessionen geantwor­tet und sich die rumänische Armee nicht so helden­haft geschlagen hätte.

Die Zitadelle von Iutschou (Kiangsi) von den Japanern beseht.

Tokio, 5. Juni. (DNB.-Funkspruch.) Japanische Streitkräfte, die längs des Fu-Flusses oor- stoßen, drangen in einen Teil von Futschou (Ki- angsi) ein und besetzten die Zi^pdelle. Futschou liegt etwa 100 Kilometer südostwärts von Nantschang, der Hauptstadt der Provinz Kiangsi.

Attentat auf britischen propanda-Chef im Nahen Osten.

Saloniki,^. Juni. (DNB.) Nach einer Mel­dung des arabischen Nachrichtendienstes in Beirut wurde Sir Walter Monckton, der Chef der briti­schen Propaganda im Nahen Osten, bei einem auf ihn inAegypten ausgeführten Attentat verletzt. Er wurde in der Deltastadt Tanta von ägyptischen Nationalisten, die sein Auto an der Stadtgrenze ab- fingen, überfallen. Monckton soll vor in Tanta sta­tionierten Soldaten der britischen Armee Aegypten als eineeigentlich britisch e K o l o n i e" bezeich-

Abend über dem Kluß.

Bon Peter Bauer.

Der Heimweg ist voll köstlicher Düfte. Das klee­süße Aroma gemähter Wiesen würzt weithin jeden Atemzug.

Vom Waldrand her drängt sich der berauschende Wohlgeruch des Geißblatts auf. Jede Blüte ver­strömt sich wie eineübefließende Brunnenschale verschwenderisch nach allen Seiten. Ein Fest schwel­gender Nachfalter tobt sich dort lautlos aus.

Den Weidenbüschen links und rechts des Weges entschweben die grünlichen Funken der Glühwürm­chen. Sie leuchten wie winzige Sternschnuppen, die nach kurzem flimmernden Husch in das große Dunkel fallen. Wie kleine flüchtige Erlebnisse des Tages, die mit ein wenig Glanz oorüberglitten. 'JBie die duftige Helle eines blumigen Sommer­kleides, wie ein schmeichelnder Sonnenstrahl auf blondem Haarschopf oder wie das lockende Ge- funkel eines träumerischen Augenpaares.

Mit einer kühlen Woge feuchter Luft kündet sich der Fluß an. Sie riecht nach Schilf, Muscheln, schlick und Teer.

Am Mast eines Fischerbootes, das gespensterhaft dunkel am jenseitigen Ufer ankert, wird nebelgrau das Maschenwerk eines großen Netzes sichtbar.'

Der Rücken des Flusses schimmert wie ein silbrig geschuppter Fisch. Ein wenig Gold und ein wenig Rosenrot glitzern mit. Es ist das Lächeln einer Abendwolke, die sich spiegelt.

Friedlich gleiten die Wasser ihren Weg. Das jähe Emporschnellen am Ufergestein, das wilde und ge­reizte Bäumen und Umsichschlagen wie mit mäch­tigen Flossen haben aufgelstjrt. Kein Schiff, kein Nachen tut ihm mehr Gewalt an mit wühlenden Schaufeln oder ungestümer Ruderkraft. Er atmet auf, frei und endlich mit sich selber allein. Was mag sein unruhiges Wanderherz bewegen? Ver­haltene Freude scheint in seinem Wellenspiel zu summen. Ein Tag voll Arbeit und Abwehr liegt hinter ihm. Er hat ihm nichts von seiner Kraft genommen.

Ich gehe neben ihm her und fühle, daß in meinen Schritten das gleiche Selbstbewußtsein vor- märtsbrängt. Was auch der Tag brachte, ein heim­

liches Leuchten blieb in der Seele zurück. Ist es himmlisches Wohlgefallen, was sich in ihr spiegelt?

Es macht ein müdes Gesicht zu einem strahlen­den Antlitz wie das des alten Gärtners, der hinter einer Wegbiegung zu mir stößt. Den Blick, den er über seine Kulturen zurück«irft, muß er mir er­klären. Sein Herz ist voll Glück, daß ihm alles so gelungen, und der Himmel seinen Segen gab. Er atmet stolz und frei. Die Pfeife, die er sich an- zündet, darf er sich leisten. Er kann dicke Wolken blasen. Er hat's geschafft.

Ein paar junge Mädchen, die 'mit ihrem Bade- bündel uns radelnd einholen, wehen mir noch ein­mal den Duft der Wasser zu. Es ist wie ein Gruß des Flusses an uns beide.

Johannes Brahms persönlich.

Erinnerungen und Anekdoten.

Die Werke von Johannes Brahms gehören heute zu den klassischen Schöpfungen der deutschen Tonkunst, sein ausgedehnter Briefwechsel, die zahl­reichen Erinnerungen und Biographien, die über ihn veröffentlicht wurden, vermitteln uns einen Eindruck von dem reichen Gemütsleben und dem umfassenden Geist des großen Menschen. Ader etwas, woraus sein Wesen besonders rein strahlte, konnte uns nicht überliefert werden, fein Klavier­spiel. Von diesem Zauber feiner Kunst erzählen alle, die ihn am Klavier gehört haben.

Als ich ihn zum erstenmal spielen hörte ich mußte damals gar nicht, daß es Brahms war", schrieb Mathilde von Leinburg,da war ich tief berührt von dem ganz unerklärlichen Eindruck, den die so einfachen Anfangstakte der Klavierbe- gleitung von SchubertsO du Entriss'ne mir" auf mich machten. So mitsinaend habe ich nie wieder tm Leben jemanden ein Lied begleiten hören. Mit treffendem Kindermund hat sein Spiel einmal das Töchterchen einer Wiener Sängerin aus den sech­ziger Jahren gekennzeichnet. Ihre Mutter hatte einen neuen Flügel gekauft; da sagte die Kleine: Da soll Herr Brahms darauf spielen; der tut dem klonen Flügel nichts zuleide, er streichelt ihn nur." Dabei beherrschte Brahms das Instrument aber auch mit einer Wucht, als fei es ein ganzes Or­chester. Als er einmal allein bei Robert Schu­

mann spielte, kam dessen Gattin Klara rasch ins Zimmer und fragte:Wer spielt denn hier vier­händig?" Ein ganz besonderer Hochgenuß war es, denkühlen Norddeutschen" gerade Wiener Walzer spielen zu hören. Nach einer großen musikalischen Gesellschaft, nachdem alles bereits den Saal ver­lassen hatte, machte sich Brahms den Spaß und sagte zu seinem Freunde:Soll ich sie mal alle zu­rückrufen", setzte sich ans Klavier und spielte Strauß-Walzer. Wie vom Lichte angelockte Schmet­terlinge kehrte da einer nach dem anderen zurück, bis wieder alle vollzählig beisammen waren; und ein endloser Jubel vollzog sich über solchen noch nie erlebten Genuß.

Die Heiterkeit, zu der sich der Meister aufschwin­gen konnte, blieb aber stets an der Oberfläche. Im Innern war er eine melancholische Natur und be­kannte einmal:Man meint zuweilen, ich sei luftig, wenn ich in Gesellschaft einmal mitladje und fröh­lich bin. Innerlich lache ich nie." Die Zeit zum Heiraten hatte er versäumt, denn in seinen Jugend­tagen hatte er zu kämpfen und widmete sich ganz der Kunst. Als er dann auf der Höhe seines Ruh­mes stand, war es zu spät.Ich habe das Heiraten versäumt", seufzte er einmal,als ich wohl Lust dqzu gehabt hätte, konnte ich es einer Frau nicht so bieten, wie es recht gewesen wäre."

Wie viele große Künstler verbarg er den weichen Kem einer überempfindsamen Seele hinter der rauhen Schale einer Sonderlingsnatur. In Gesell­schaft konnte leicht derböse Geist" über ihn kom­men, der auch die besten Freunde bespottete, wes­halb ihn einer seiner Vertrauten gern dengrößten ednmpfonifer" nannte. Man erzählt auch, daß er sich einmal, nachdem er seiner üblen Laune freien ßauf gelaffen hatte, von der Dame des Hauses mit ben Worten verabschiedete:Wenn ich jemanden aus der Gesellschaft zu beleidigen vergessen haben sollte, so bitte ich um Entschuldigung."

Meist aber war er die Güte und Freundlichkeit selbst, besonders zu Kindern, und man konnte den alten Herrn im abgetragenen Rock auf der Straße oft bei den Kleinen stehen sehen, mit denen er plauderte, und denen er Zuckerzeug schenkte. Als Junggeselle wohnte er ein Dierteljahrhundert in drei dürftig möblierten Zimmern in einer stillen Straße der Wiener Vorstadt Wieden, drei Trep­pen hoch, und seine Wirtschafterin hatte es mit

Kampf dem Papierkrieg!

Von Diplomkaufmann Erich Lungwrtz.

Die Lenkung der Wirtschaft durch den Staat, die durch die Rohstoffknappheit, den Mangel art Arbeitskräften, den Umfang des Rüstungsbedarfes notwendig wurde, birgt in sich die Gefahr, daß der Verwaltungsapparat unnötig groß wird, daß Arbeitskräfte, die besser in der werte­schaffenden Erzeugung tätig fein könnten, mit der Bearbeitung von Anträgen, Formularen, Statisti­ken belastet werden. Heute können wir uns das weniger denn je leisten, und auch für die Zeit nach dem Kriege, in der billige Masfenerzeugung das Gebot des Tages fein wird, müssen wir zu einer Vereinfachung der Verwaltung kommen. Es handelt sich vor allem darum, Doppelarbeit zu beseitigen. Vielmehr muß dafür gesorgt werden, daß ein langwierig ermitteltes wirtschaftliches Er­gebnis für möglichst viele Maßnahmen als einheit­liche Grundlage gewählt werden kann.

Die Möglichkeit eines Vergleichs von Betrieben nach ihrer wirtschaftlichen Seite setzte gleidjes Rechnungswesen voraus daher wurden die Kontenpläne für große Gebiete der gewerb­lichen Wirtschaft eingeführt. Das Nebeneinander der Bilanzen, die nach den Vorschriften des Han­delsgesetzbuches und denen, die nach den Steuer- gesetzen aufgefteüt werden, bedeutet eine Doppel« arbeit. Notwendig ist daher die Erreichung des Zieles, daß sich Handelsbilanz und Steuerbilanh decken.

Ein Fortschritt ist es, daß wir schon lange für gewerbliche Betriebe und Grundbesitz die Ein­heitswerte besitzen, die als Grundlage für mannigfaltige Steuern und Beiträge verwendbar sind. Der Staat als gegenwärtig größter Auftrag­geber hat aus den reichen Erfahrungen der Kriegs­zeit die Folgerung gezogen, einen wesentlichen Teil seiner Rüstungsaufträge zu Gruppenpreisen zu ver­geben, die nicht nur eine Vereinfachung und Ver­billigung der Deckung des Heeresbedarfs bedeuten, sondern aud) auf der Wirtschaft einen starken An­reiz zu kostensparenden Arbeiten geben.

Genau so ist die schwierige Zuteilung der notwendigen Rohstoffe jetzt vereinfacht und wesentlich der Selbstoerantwortung der Wirt­schaft übertragen worden. Ziel ist auch hier, 'daß jeder Betrieb mit möglichst wenig Reichsstellen zu tun hat.

Eine starke verwaltungsmäßige Belastung bedeu­tete für die Betriebe bisher das Lohnbüro, weil hier eine große Zahl von Abzügen, gestaffelt nach Verdienschöhe und Familienstand beredjnet werden mußte. Das Ziel, die wöchentliche Lohn­rechnung durch die monatliche zu ersetzen und wö­chentlich nur Abschlagszahlungen zu geben, ist zu verwirklichen. Ein großer Fortschritt ist getan, in­dem der Einheitsabzug für die Sozial­versicherung geschaffen wurde und die Bär­ger steuer als Zuschlag in die Einkommensteuer

net haben. Daher gebärden fid) auch die englischen Besatzungstruppen in Aegypten als Herren ini Hause. Die Rechte des ägyptischen Volkes werden mißachtet.

Reserven der europäischen AahrungS- mitteiversorgung.

Das besonders durch den Kampf im Osten leben­dig gewordene Gemeinschaftsgefühl der kontinental- europäischen Volker hat auch auf agrarwirtschaft­lichem Gebiet zu einer immer engeren Zusammen­arbeit geführt. Als erstes wird eine Steigerung der l a n d wirtschaftlichen Erzeugung erstrebt, wie sie durch Nutzbarmachung mancherorts noch brach liegender Flächen und Beseitigung der unterdurchschnittlichen Hektarerträge zu erreichen ist. Ferner müssen B o d en v e r b es s e r u n g e n vor­genommen und eine Rationalisierung des Arbeiteinsatzes und stärkere Mechanisierung der landwirtschaftlichen Arbeit durchgeftihrt werden. Das Vorbild der deutschen Erzeugungsschlacht muß überall in Europa Nachahmung finden. Der Land­wirtschaft muß dabei aber auch durch Kredite die Möglichkeit gegeben werden, die Ergebnisse der modernen Forschung auf dem Gebiet der Züchtung, Saatgutverbesserung, des Pflanzenschut­zes und der neuzeitlichen Wirtschaftsmethoden prak­tisch anzuwenden. Darüber «hinaus gilt es, eine bes­sere Verwertung der Mehrerträge an. zustreben. Die Ernährungsweise muß sich den natürlichen Gegebenheften der curopäifd)en Nahrungsmittelerzeugung anpassen.

ihm nicht leicht. Er warf Zündhölzer und Zigar­renstummel unter die Möbel, mm zu sehen, ob auch ordentlich aufgeräumt würde, und um sich über die Ehrlichkeit des dienstbaren Geistes klar zu werden, ließ er Geld auf dem Fußboden Herumliegen. Be­sonders schwer hatte es seine Hausdame mit seiner Toilette. Er wollte sich nie einen neuen Anzug an« schaffen und erschien in den feinsten ©efeüfdjaften in den abgetragensten Kleidern. So hatte er es schon in feiner Jugend gehalten, und als er einmal in Hamburg in eine vornehme Gesellschaft einge- laben war, fragte er beim Nachhausekommen feine Mutter:Was ist denn eigentlich mit mir las? Die Leute haben mich so sonderbar angesehen", worauf diese erschrocken ausrief:D, Johannes, du hast ja den alten Rock angezogen, von dem ich alle Knopfe abgetrennt habe!"

Der schlagfertige Witz des Meisters war allge­mein gefürchtet, und sehr viele Beispiele davon werden erzählt. ImRoten Igel", wo fid) Brahms am Biertisch am gemütlichsten fühlte, denn er war durchaus fein Verächter eines guten Tropfens, verbreitete sich einmal das Gerücht, er schaffe, wie Fritz Reuter, meistens in halbbetrunkenem Zustand, und Eduard Behm gestand einmal dem Meister, logar Karl Reinecke, der Leiter der Gewand- Hauskonzerte in Leipzig, habe davon gesprochen und gqagt, es sei eigentlich leine große Kunst, dann etwas Gutes zu schaffen. Da verklärte sich das Gesicht von Brahms, der zuerst finster ausgesehen hätte zu leuchtender Fröhlichkeit; schwer sank seine Faust auf den Tisch, und er lachte:Schade, daß der^ Reinecke nicht öfter betrunken war!"

So schroff Brahms werden konnte, und so uner- bitthd) er in seinem Kunsturteil war, so schonend konnte er fein. Er war jahrzehntelang befreundet mit Bernhard Scholz, und als ihm dieser eine Komposition vorlegte und um seine Kritik bat, auf die er viel Gewicht legte, las Brahms nur wenige Zeilen und wußte schon, daß es kein Mer- sterwerk war. Um den Freund jedoch nicht zu krän­ken las er die Partitur aufmerksam durch, nickte mehrmals mit dem Kopf und klopfte mit den ö-mgern Takte auf den Tisch. Als er fertig war, nahm er das letzte Blatt zwischen Daumen und Zeige finger, rieb es prüfend, hielt es gegen das LM und sagte, während fein Gesicht todernst bliebt Wo hast du eigentlich dieses ganz ausgezeichnete Notetixapiex her^ Bernhard?"