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5.5.1942
 
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|92. Jahrgang Nr. W3

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Gietzeim Anzeiger

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Dienstag, 5. Mai 19^2

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Die britische Niederlage in Burma

Alexander muß seine ermüdeten Männer

von

Gondertagung des neuen Reichstages.

Tokio, 4. Mai. (Europapreß.) Auf Beschluß des Kabinetts wird der neugewählte japanische Reichstag mit Zustimmung des Tenno am 25. Mai

Stockholm, 4. Mai. (Europapreß.) Als den größten Mißerfolg der Alliierten feit dem Verlust Singapurs empfindet man in London den Zusam­menbruch des Widerstandes in Burma. Man ist sich in militärischen Kreisen Londons durchaus darüber im klaren, daß die Japaner nunmehr gute A u s- gangsstellungen für eine Operation gegen Indien gewonnen hätten. Weiter be­trachtet man mit Sorge das Schicksal Chinas, das nun nahezu völlig von Materiallieferungen a b g e f ch n i t t e n ist. Man hält es in London auch für wenig wahrscheinlich, daß die Nordamerikaner in der nächsten Zeit imstande sein würden, den Chinesen größere Mengen von Kriegsmaterial zu liefern.

Manchester Guardian" schreibt:Die Japaner haben ihren Feldzug in Burma jetzt fast gewonnen, obwohl unsere Truppen gute Verzögerungsaktionen geliefert haben, durch die Indien wertvolle vier Monate gewonnen hat, um seine Vorbereitungen zu treffen. Bevor neue Straßen gebaut sind, was einige Zeit in Anspruch nehmen wird, besteht zwi­schen Tschungking und den Briten und den Nord­amerikanern nureineVerbindungaufdem Luftwege. Die Burmastraße, auf der viele Trup­pen zur Verteidigung Burmas gesandt wurden, ist abgeschnitten. Die Aufgabe unserer Truppen ist noch nicht beendet. Der härteste Teil wird noch der Rück­zug über Berge und durch Wälder auf f a st un­passierbaren Pfaden sein. Wir müssen diesen schwierigen Rückzug genau verfolgen, denn Indien hat diese müden Soldaten noch nötig, wenn sie wieder ausgeruht sind, um seine eigene Verteidigung zu organisieren. General

Das Votum des japanischen Volkes

Von unserem Dr. Abs.-Korrespondenten.

die Kriegserklärung strikt gehorcht, denn ohne diesen Geist der Treue des Volkes hätte keine noch so um­fangreiche Propaganda der Regierung oder des Kandidaten-Empfehlungsausfchusses ein so befriedi­gendes Resultat erbracht, wie es der kleine Prozent­satz der Stimmenthaltungen von 17 o. H. erkennen läßt."

zu einer auf zwei Tage berechneten außerordent- lachen Tagung zusammentreten. Die Sondertagung soll zu einer Kundgebung für den festen Entschluß der Regierung werden, in Zusammenarbeit mit dem Volk den Sieg zu erringen. Daneben steht das Schiffsbauprogramm' der Regierung zur Beratung.

Innenminister Yuzawa dankte dem japanischen Volk für seine freudige Unterstützung bei der Durch­führung der ersten Kriegswahlen und erklärte, daß die Abnahme der Stimmenthaltung deutlich die Ent­schlossenheit des japanischen Volkes bekunde, mit der Regierung bei der Schaffung einer Zentralverwal­tung für eine Weiterführung des Krieges zusam­menzuarbeiten. Er erklärte, daß die Wahl zahl­reicher vollständig neuer Männer in den Reichstag, den Wunsch der Regierung vollkom­men erfüllt hat, daß Japans Kriegsreichstag sich aus den fähigsten Köpfen.der Nation zusammensetzt und ein wirklicher Querschnitt durch die Bevölkerungsschichten des Landes darstellt.

T o k i o , Mai 1942.

Das ErgebnisderjapanischenReichs- tags wählen hat in allen wesentlichen Punkten den Hoffnungen und Erwartungen, die von den ver­antwortlichen Stellen daran geknüpft waren, ent­sprochen. Die Wahlbeteiligung von rund o3 v. H. der Wahlberechtigten stellt für japanische Verhältnisse einen Rekord dar und ist der beste Ausdruck für die Entschlossenheit der breiten Massen des japanischen Volkes, die auf eine siegreiche Be­endigung des Krieges gerichtete Politik der Re­gierung auf Gedeih und Verderb zu unterstützen. Auch insofern kann die Regierung mit dem E r - g e b n i s dieser Wahlen zufrieden sein, als rund 81 v. H. der gewählten Kandidaten sind, welche von dem im Einvernehmen mit der Regierung be­stellten Ausschuß der Thronstützungsbewegung emp­fohlen waren, während nur knapp 20 v. H. der neuen Abgeordneten auf Grund unabhängiger Kan­didaturen in den Reichstag einziehen.

Die gegenwärtige Wahl muß unter einem doppel­ten Gesichtspunkt verstanden werden. Sie war in erster Linie dazu bestimmt, den einmütigen Willen der Nation zur entschlossenen Fortsetzung und sieg­reichen Beendigung des Krieges zu bekunden. Dies ist eindeutig geschehen, da alle Gewählten, auch diejenigen, welche ohne Empfehlung der Thron- ftützungsbewegung die notwendige Stimmenzahl erhielten, ohne Vorbehalt hinter der Kriegspolitik der Regierung stehen.

Daneben hat die Wahl aber auch die Bedeutung einer neuen Etappe im innerpolitischen Neuaufbau des japanischen Staates, der unter Fürst Konoye durch die Auflösung der alten par­lamentarischen Parteien oinqeleitet wurde. Dieser zweite Gesichtspunkt tritt naturgemäß während der Dauer des Krieges etwas in den Hintergrund, aber er verdient im Hinblick auf die Zukunft doch Be­achtung. Es ist dabei zu berücksichtigen, daß die Ab­lösung des liberalistisch-parlamentarischen Systems durch neue Formen der politischen Willensbildung sich in Japan nicht durch eine nationale Revolution, sondern in stufenweiser Entwicklung vollzieht, da Japan bisher soziale und innerpolitische Span­nungen von solcher Schärfe, wie sie beispielsweise in Deutschland und Italien als Folge des ersten Weltkrieges bestanden, nicht aufzuweisen hat, viel­mehr liegt in der geheiligten Tradition und von keiner Seite angetasteten Autorität des Thrones zugleich auch die Erklärung, weswegen der inner- politische Umbildungsprozeß in Japan nicht durch eine einheitliche Partei nach nationalsozialistischem oder faschistischem Muster getragen werden kann, sondern unter ft a a 11 i d) ct Anregung und

den frischen und draufgängerischen japanischen Ver­stärkungen loslösen. Wenn ihm dies gelingt, so hat er sich unseren Dank verdient."

Oer schlimmste Feind war die Malaria.

Tokio, 4. Mai. (Europapreß.) Die ärgsten Feinde, die die japanischen Truppen auf ihrem Vormarsch durch Burma zu überwinden hatten, waren nicht Engländer oder Amerikaner oder Tschungkingchinesen, sondern Hitze, Mangel an Nahrungsmitteln und vor allem die in den burmanischen Flußtälern wütenden Tropen­seuchen. In den Talkesseln Oberburmas mußten die Japaner häufig bei Temperaturen zwi­schen 50 und 55 Grad Celsius kämpfen und marschieren. In dieser Zeit bestand die Truppen- verpflegung wochenlang lediglich aus Reis und Sojabohnenpaste. Die Malaria tritt in Burma besonders bösartig auf, schlägt sich entweder auf das Herz oder das Gehirn und fijhrt in einem hohen Prozentsatz der Fälle binnen wenigen Stun­den den Tod herbei. Wenn es den japanischen Sani­tätsformationen trotzdem gelang, die Ausbreitung der Seuche in erträglichen Grenzen zu halten, so ist dies.ihrer ausgezeichneten Organisation zu danken sowie dem Umstand, daß trotz der schwierigen Nach­schubverhältnisse die Belieferung der Truppe mit Vorbeugungs- und Heilmitteln gegen Pest und Ma­laria in ausreichendem Maße sichergestellt war.

Kontrolle durchgeführt werden muß, also nicht von einzelnen führenden politischen Persönlichkeiten bestimmt wird.

Insofern ist das in dem abgelaufenen Wahlgang erstmalig angewendete Empfehlungssystem für die Kandidaten durch einen von der Regierung maßgeblich beeinflußten Ausschuß der nicht Partei­charakter tragenden und selber außerhalb des Wahl- kampfes gebliebenen Thronstützungsbewegung und der ihr angeschlossenen Verbände ein interessantes verfassungspolitisches Experiment, welches allem Anschein nach durchaus erfolgreich war. Wenn in diesem Wahlgang die Einflüsse der offiziell aufge­lösten politischen Parteien in manchem Wahlkreis noch nicht völlia ausgeschaltet waren, so ist es doch andererseiits sehr bezeichnend, daß soweit sich bisher übersehen ließ wohl über zwei Fünftel der Gewählten bisher dem Reichstag nicht angehört haben, also völlig frei von jeder liberalistisch-parla- mentarischen Tradition sind. Da auch von den wie­dergewählten Abgeordneten auf jeden Fall nur der kleinere Teil die alten parteipolitischen Anschauungen noch nicht völlig überwunden-hat, sind die an. den ehemaligen politischen Formen hängenden alten Elemente im neuen Reichstag mit Sicherheit in eine hoffnungslose Minderheit gedrängt. Man kann da- nüt rechnen, daß sie in Zukunft auch den letzten Halt in der Wählerschaft verlieren wexden.

Ein interessanter Zug des Wahlergebnisses ist die große Zahl der entschiedenen Nationalisten, die in den neuen Reichstag einziehen, wie z. B. der bekannte Führer der Tohokai-Partei, Seigo Na- k a n o , und der frühere Botschafter in Rom Toshio Shiratori, sowie die ebenfalls beträchtliche An­zahl ehemaliger Militärs aller Dienstgrade aus Heer und Marine unter den neuen Abgeordneten. Zu diesen gehört Generalleutnant Nobutaka Shi - öden, der entschlossenste Bekämpfer jüdischer und freimaurerischer Einflüsse in Japan, und es ist wohl bemerkenswert, daß er von allen gewählten Kandi­daten im ganzen Lande mit 76 000 die höchste SkimmeiMhl auf sich vereinigen konnte, eine Zahl, welche in der japanischen Parlamentsgeschichte über­haupt einen Rekord darstellt.

Im Sinne des Vorhergesagten sind die Kommen­tare der japanischen Presse zu den Wahlergebnissen zu verstehen. So sagt beispielsweiseAsahi", daß das Wahlergebnis nicht so sehr der Ausdruck für die Billigung einer konkreten Politik fei, vielmehr habe das Volk damit zu erkennen gegeben, daß es die politische Entwicklung im allgemein abstrakten Sinne der Einsetzung eines auf die Stützungsbewegung des Thrones verpflichteten Reichstages billige. Das Volk habe nicht gewählt, um dieses oder jenes Ka­binett zu stützen, sondern aus dem patriotischen Mo­tiv der aus vollem Herzen kommenden Unter­stützung der Kriegspolitik.Asahi" fährt dann fort:Man kann nicht erwarten, daß die Beurteilung der Führung, soweit sie sich auf die Durchführung des Großostasienkrieges bezieht, und die Beurteilung der politischen Führung mit Bezug auf die Schaffung eines wirklich im Geiste der Thronstützungsidee wirkenden Reichstages stets über« einstimmen. In dieser Beziehung sollte man wohl bedenken, daß die gegenwärtigen erfolgreichen Wahl­ergebnisse ausschließlich der Tatsache zuzuschreiben sind, daß das Volk dem kaiserlichen Reskript über

Englands afrikanische Besitzungen auf sich selbst gestellt.

Vigo, 5. Mai. (DNB. Funkspruch.) Ein Aufruf, den der britische Versorgurlgsminister Oliver Lyt- t e 11 o n über den Rundfunk an die afrikanischen Kolonien zur Steigerung ihrer eigenen Produktion richtete, hat die Aufmerksamkeit der englischen Öffentlichkeit auf die großen Schwie­rigkeiten gelenkt, vor die die afrikanischen Besitzun­gen durch die wachsende Schiffsver­knappung gestellt werden. Lyttelton wies darauf hin, daß die Kolonien Nahrungsmittel und F e r ti g f a b r i f a t e, die sie früher aus anderen Empireteilen bezogen, in Zukunft selbst h er­st e l l en müßten, da Schiffe für derartige Trans­porte nicht zur Verfügung gestellt werden könnten. So z. B. fei es nicht möglich, wie bisher Reis aus Indien oder Burma zu verfrachten. Völlig abgefchnitten fei die Zufuhr von Kaut­schuk. Aufgabe der Kolonien sei es, auf diesem Gebiete wenigstens einiaermaßen Ersatz zu schaffen und die große Lücke auf dem Gebiete der Rohstoff­versorgung des Empire, die durch den Verlust Ma- layas entstanden sei, schließen zu helfen.

Die Dersorgungslage Südafrikas ist durch den Mangel an Schiffsraum von Monat zu Monat schwieriger geworden. Abgesehen von den Auswir­kungen, die der Verlust der ©ummiqueüen Malayas und Niederländisch-Jndiens auf den Autoverkehr ge­habt hat, steigen die Preise wichtiger Be­darfsmittel infolge der zunehmenden Verknappung immer mehr an. Diele Bedarfsartikel sind nur noch unter großen Schwierigkeiten zu erhalten. Das gleiche gilt für viele Lebensmittel. Der Kapstadter Korrespondent derTimes" weist darauf hin, daß infolge des weit verbreiteten Analphabetentums die Ausgabe von Rattonierungskarten bisher nicht mög­lich war. Infolgedessen mache das Derteilungssystem die größten Schwierigkeiten. Die Nahrungsmittel­lage würde weiter verschärft durch die anhal­tende Dürre der letzten Monate sowie durch Ankäufe der britischen Heeresverwal­tung für die Empire-Truppen in Indien und im mittleren Orient

Dersorgungsnöie auch im Rahen Osten.

Genf, 4. Mai. (DNB.) Die LondonerDaily Mail" bringt einen Bericht ihres Korrespondenten in Kairo über die Lebensverhältnisse im Nahen 6 ft e n. UeberaU schnalle man den Bauchriemen enger. Die Rationierungsmaßnahmen würden stän­dig verschärft. So gebe es immer kleinere Portionen Zucker und Mehl. Weißbrot sei aus den Läden Aegyptens völlig verschwunden. Man habe auch dazu übergehen müssen, wöchentlich drei aufein­anderfolgende fleischlose Tage einzurichten. Von amerikanischen und australischen Erzeugnissen, die früher in allen Kaufhäusern in reichhaltigem Maße zu sehen gewesen seien, bemerke man fast gar nichts

mehr.Ueberall stoße man auf den Schwarzhandel. Die Preise schnellten in die Höhe, so daß selbst die Offiziere alle Mühe hätten, mit ihrem Geld auszu­kommen. Die Mietpreise für Wohnungen hätten astronomische Ziffern erreicht. Diebstähle seien an der Tagesordnung. Jeder, der noch über einen Kraftwagen verfüge, müsse ständig acht geben, daß ihm die Reifen nicht vom Wagen abmontiert und gestohlen würden. Das Diebesgut werde durch die Kanäle des Schwarzhandels abgesetzt.

Oie Gptt. in Iran.

Ankara, 5. Mai. (Europapreß.) Nach einem Bericht aus Teheran hat die GPU. in den von sowjetrussischen Truppen besetzten iranischen Gebiets­teilen, aber auch darüber hinaus in den britischen Einflußzonen längs der Grenze von Belutschistan und im südiranischen Oeldistrikt eine umfassende Spitzel -und Terror-Organisation auf­gebaut, die gegen iranische Persönlichkeiten und Or­ganisationen angesetzt ist, aber auch mit britischen Vertrauensleuten" schon heftige Zusammenstöße hatte. In Teheran hat das Zentralkomitee der GPU. seinen Sitz. Präsident ist der ehemalige sow­jetrussische Generalkonsul in Mesched, A p r e s s o w. Während der letzten drei Monate kommen auf das Konto der GPU. 27 Fälle von Verschleppungen be­kannter iranischer Politiker sowie dreizehn Morde. Folgen der Ll-Boot-Blockade.

Neger zum Schiffsdienst gepreßt.

Lissabon, 4. Mai. (Europapreß.) Die Frage der Bemannung der nordamerikanischen Handelsschiffe ist immer mehr zu einem Pro­blem geworden. Infolge der wachsenden Gefahren für die USA.-Schisfahrt durch den U-Bootkrieg weigern sich die wenigen noch zur Verfügung stehen­den Besatzungen oft, auf den gefährdeten Schiff­fahrtsrouten zu fahren. Deshalb haben nun die Kriegsmarinebehörden die Lösung des Bemannungs­problems in die Hand genommen und versuchen Neger als Besatzungen anzuheuern. Da die Behörden aber auch hier auf Schwierigkeiten stoßen, gehen sie mit allen möglichen Druckmitteln vor und schrecken sogar nicht vor Prügeln und Fesselung der Schwarzen zurück, um sie dadurch zum Dienst auf den Handelsschiffen, vor allem auf den Tankern zu pressen.

Der britische Hafen St. Johns auf Neufund­land ist geradezu verstopft mit britischen und nord­amerikanischen Schiffen, die entweder aus Furcht vor möglichen U-Boot-Angriffen hierher geflüchtet sind oder nach Angriffen in beschädigtem Zustand hier Zuflucht gesucht haben. Darunter befinden sich mehr als 60 beschädigte britische und USA.-Handels- schiffe, die wegen der Uebersüllung der nordameri- kanischen Wersten an der Ostküste des Atlantik in

Was der Sauer jetzt leistet.

Von Bauer Gustav Behrens, Reichsobmann des Reichsnährstandes.

NSK. In den vergangenen Wochen sind verschie­dentlich besondere Aufrufe an die Landbevölkerung über Rundfunk und Presse erlassen worden. Diese Aufrufe, die zunächst der Verbesserung der Kartoffelversorgung, der Großverbraucher­gebiete dienten, führten später über zu Anweisun­gen, um die entstandenen Auswinterungs­schäden auszugleichen und zu überwinden. An die­sen hat auch die städtische Bevölkerung erkannt, daß die Landwirtschaft vor wichtigen Aufgaben stand, die in zeitlich kürzester Zeit bewältigt werden mußten.

Tatsächlich hat nicht nur der vergangene überaus starke Winter, sondern die Folge der letzten drei Winter Witterungsbedingungen gebracht, wie sie in dieser Art seit vielen Jahren unbekannt waren. Die Frostperioden waren im Winter 1941/42 sogar noch schärfer und länger als in dem Winter 1939/40. Der Frost trang tiefer in den Boden ein und erschwerte so in diesem Frühjahr die rechtzeitige Inangriffnahme der Frühjahrsarbeiten, zumal die Kälte bis in den April hinein anhielt. So konnten auch in diesem Jahre die Frühjahrsbestellungs­arbeiten erst mit etwa vierwöchiger Der- s p ä t u n g ausgenommen werden, weil das Wetter es nicht anders gestattete. Diese Verspätung bedeutet für die Landwirtschaft eine zusätzlich ungeheure Ar­beitsbelastung. Aecker und Felder müssen und wer­den in jedem Fall bestellt. Die verlorene Zeit muß durch zusätzliche Arbeitsstunden, wenn es fein muß auch durch Nachtarbeit und Sonntagsarbeit, wie­der ausgeholt werden.

Es ist im nationalsozialistischen Deutschland im­mer schon so gewesen, daß die Erkennung eines Not­standes auch die entsprechenden Maßnahmen zur Ab­wehr ausgelöst hat. Das gilt in diesem Falle genau so für die Ernährungswirtschast. Die gestellten Aus­gaben werden gelöst und die Stabilität unserer Nahrungsversorgung unter allen Umständen auf­rechterhalten.

Von besonders schädlicher Wirkung war vor allem die Auswinterung während der vergangenen Monate. Nun wissen sehr viele Volksgenossen mit der Auswinterung nicht viel anzufangen, sie kön­nen sich unter diesem Begriff wenig vorstellen. Es handelt sich dabei um die Vernichtung der im Herbst in den Boden gebrachten Saaten und der Keim­linge durch den Frost. Dieses Absterben der Pflan­zen in den Spätherbst-, Winter- und Frühjahrs- Monaten 1941/42 ist aus folgende Ursachen zurück- zuführen: Auf die scharfen Ostwinde, verbun« den mit sehr erheblichen Kältegraden im November vergangenen Jahres. Hierdurch haben vor allem die Roggenbestände auf den leichten Böden gelitten; auf die Kahlfröste im Januar dieses Jahres, die bis zu minus 25 Grad Celsius heruntergingen, ohne daß die Saat durch die geringfte Schneedecke geschützt mar; auf den starken Wechsel zwischen der durch die Sonnenbestrahlung am Tage hervorgerusenen Wärme und den sehr erheblichen Nachtfrösten während der Zeit von März bis Ende April. Durch diese Nachtfröste wird das Getteide hochgesroren und abgerissen. Die Wirkung wurde verschärft durch austrocknende Ost winde und Mangel

St. Johns auf die Gelegenheit warten, wieder in- standgesetzt zu werden.

15 britische Läger abgeschvffen

Neue britische Niederlage am Kanal.

Berlin, 4.Blai. (DNB.) Als am Montag kurz nach 10 Uhr britische Bombenflugzeuge in Beglei­tung von über 50 Spitfires über der franzö­sischen Küste einzustiegen versuchten, wurden sie am wolkenlosen Himmel bei klarer Sicht von d e u t- chen Jagern gestellt. Innerhalb von fünf Minuten fielen dem Angriff unserer Jagdflieger ieben Spitfires-zum Opfer.. Die meisten stürzten vor Le Havre in den Kanal. Flakgeschütze der Küstenbatterien brachten eine weitere Spitfire nörd­lich Cherbourg zum Absturz. Am Nachmittag unter­nahmen britische Jäger einen Vorstoß, den über 50 Spitfires ausführten. Ueber dem Kanal stellten unsere Jäger die Spitfires. In einer erbitterten Luftschlacht wurden abermals innerhalb von fünf Minuten sieben Spitfires abgefchoffen. Dann dreh­ten die britischen Jäger wieder zur englischen Küste ab. Nur zwei deutsche Jäger kehrten aus diesem Kampf nicht zurück.

Das Bitterkreuz für vorbildliche Tapferkeit.

Berlin, 1. Mai. (DNB.) Der Führer verlieh das Ritterkreuz an: ^-Obersturmführer Wilfried Richter, der als Führer einer Sturmgeschütz- Batterie einer ^-Division seit Mitte März mit einer Kompanie eine stützpunktartig ausgebaute Ortschaft gegen starke bolschewistische Angriffe, die mit Artil­lerie-, Flieger- und Panzerunterstützung geführt wurden, verteidigte. Als 10 Panzer in den Ort ein- gedrungen waren, trat er sofort zum Gegenstoß an. Nach Vernichtung von 5 Sowjet-Panzern wurde der Feind zurückgedrängt. Der Stützpunkt, ein wichtiger Eckpfeiler in unserer Abwehrfront, blieb fest in eige­ner Hand.

*

Der Führer verlieh ferner auf Vorschlag des Ober­befehlshabers der Luftwaffe das Ritterkreuz an Stabsfeldwebel Weigel, der als Flugzeugführer in einem Sturzkampfgeschwader in bisher 169 Ein­sätzen gegen die Sowjetunion über zchn Flak bat« terien und 20 Artilleriestellungen vernichtete, Tref­fer auf Brücken, Brückenköpfen, mehrere Trans­port- und Munitionszüge sowie Panzerbereitstellun­gen er.sielte und dadurch der kämpfenden Truppe große Entlastung verschaffte.