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1 zeigt, wie ausgeprägt der Wille des Richters ist, ns Interesse des deutschen Volkes gegen die Ge- Erdung durch einen Dolksschädling in Schutz zu nehmen. .
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..Dobl unter einem: neuen Pächter . tjerrn Bergenroth?"
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. Aus aller Welt.
Todesstrafe für fahrlässige Brandstiftung.
„Unter der Leitung von Herrn Bergenroth, ganz recht", erwidert Marswin. „Aber Bergenroth ist nicht der Pächter sondern der Mann der Besitzerin."
Helene hat also geheiratet ... Diese Nachricht trifft Rautenberg wie ein Schlag. Er hat Mühe, das Gespräch mit Marswin we'terzuführen. Mars- win sagt noch einiges über diesen Herrn Bergenroth, über seine Änbauversuche. Rautenberg hört nicht recht zu. Die Worte gehen vorbei.
Ob Rautenberg auch wegen dieser Versuche jetzt mit V-rgenroth in Verbindung gekommen ist?" fragt Marswin.
„Ja ... es handelt sich um die Raffinatnonstechnik. Herr Bergenroth schrieb an mich. Haben Sie jeden- falls vielen Dank für Ihre Auskunft. Herr Doktor!"
Frau Helene Bergenroth also? Sie lebt jetzt auf dem Uhlenhof, um den sie sich bisher doch nie kümmerte. Rautenberg kann sich das nicht recht vorstellen ...
Und da liegt nun dieser Brief ... „Geehrter Herr Rettenberg ..."
Verdammt noch mal! Es paßt mir aber nicht. Ihnen eine Auskunft zu geben, geehrter Herr Ber- genroth!
Und Rautenberg zerreißt den Brief vorn Uhlen« hof wütend in kleine Stücke, die im Papierkorb zer- flattern. *
Es ist ein Sonntagnachmittag Anfang März. Den Birkenweg. der vom Uhlenhof zu den Wiesen und weiter zum W"si) hin führt, durchweht der Vorfrühling. In den Wipfeln der Erlenbüsche am See lärmen die Stare und schwirren auf, als Helene näher kommt. Sie geht sehr vorsichtig, denn der Fußweg ist nur schmal, und an manchen Stellen gluckst unter ihren Tritten die dunkle moorige Feuchte.
Ein leises Geräusch in den Büschen ... die grauweiße Katze huscht vorüber ...
„Müsch', du R-benmutter!" schilt Helene. „Laufe gleich zu d-inen Hungen!"
Dom nahen Wald herüber kommt ein tiefes
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chenden Abschnitte nicht verfallen, sondern daß auf die halbe Menge Sauermllchkäse bezogen den kann.
Verdunkelrmgszell:
4. Dezember von 17.10 bis 7.45 Uhr.
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Der große Irrtum
Roman von Mela Brie.
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)i» ianf |nb Köln und kam 1921 als llvoinarms nacy td buri ranffurt. 1932 erhielt er die Goethe-Medaille. Wer her ton seinen Werken nennen wir: „Goethe und die ms wir! Rutschen Universitäten": .Klassik und Romanttk der
^Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
w Sein Blick fliegt über den sachlichen Inhalt des dokvB» schreibens. Er liest den Namen des Absenders: Derknilf iergenroth. Dieser Name besagt ihm nichts: der
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, giooe011 Uhlenhof aber, das weiß er, gehört Helene. lvieM^ ' ' ' f‘ ro-!'£ —
NSG. Das Sondergericht in Breslau hat ^jährigen Rudolf H. aus G. als Volksschädllng legen schwerer Brandstiftung zum Tode verurteilt. !er Angeklagte hatte in einem Industriebetrieb frjTch Außerachtlassung des ihm bekannten Rauch- Verbots einen Brand verursacht, wodurch nicht nur erheblicher Materialschaden entstand, sondern auch mehrere Arbeiter ums Leben kamen und andere shwer verletzt wurden. Das Urteil ist insofern be- vierkenswert, als es die Todesstrafe nicht nur für Kswillige also vorsätzliche Brandstiftung, sondern
mit Rautenberg wirft den Brief mit einer heftigen tscher OT rervegung beiseite. Zum Teufel noch mal ... da »rkoni^ hvfft man, endlich mit der Sache fertig zu sein, iascha, & wtb dann kommt so ein Wisch von einem Herrn — kergenroth, und alles Vergangene lebt wieder aus.
Wenn man ruhig überlegt, muß man sich aller- Kings sagen, daß der Schreiber des Briefes vielleicht tr nichts mit Helene zu tun hat. Der Uhlenhos War immer verpachtet. Und vielleicht hat Helene Bt den Besitz überhaupt verkauft.
, Er nimmt den Bries ■ wieder zur Sond. Oel- luchtanbau betreibt man also jetzt auf dem Uhlen- 16 f und hat nun Fragen nach Rafftnattons- Methoden. k
,9hm fällt ein, daß dieses Gut in der Gegend frier großen Saatzuchtwirtschaft liegen mutz, oie >nn Doktor Marswin unterstellt ist. Und Marswin >s! augenblicklich in Berlin und telephonisch zu er- kirnen. . „ , .
Marswin ist über den Anruf erfreut Er hat vwieso die Absicht, in diesen Tagen mit R^uten- lie»Ä ...f-______... e —«„ et- »<> lonnt ho*i >10160-
Schwest« ilr grobfahrlässiges Handeln, für bie 0 Nichtbeachtung eines Rauchverbots, verhängt hat.
Ucmz ••*■**** •»•»****««* Mill- h?« Richters ist.
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Aus her Stadt Gießen.
Wohl bekomm'«?
Manchmal, unverhofft und meistens bei den unpassendsten Gelegenheiten, muß man einen furchtbaren Kampf mit sich selbst kämvfen: das Gesicht verzerrt sich, man druckt und schluckt — doch im Innern fitzt ein Teufelchen, das sich durch ein Kribbeln in der Nase anmeldet und unbedingt heraus will: der Niesteufel. Man reißt also das Taschentuch heraus und prüftet los, dis einem wahrhaftig die Augen übssrgehen. „Wohl bekomm's!" sagen die anderen, oder sie rufen auch: „Gesundheit!" oder ganz einfach: „Prost!" Aber wenn der Unglückliche bann — er sagt es in den kurzen Pausen voraus — zehn- oder zwanzig- ober noch mehrmal niesen muß, dann heben die anderen abwehrend die Hände, so etwa, wie wenn sich Südländer und Orientalen gegen den bösen Blick schützen. Falls diese anderen es nicht vorziehen, mehr oder minder geistreiche Bemerkungen zum besten zu geben oder allerlei vielfach erprobte Hausmittel dringend anzuempfehlen. „Er niest sich die Seele aus dem Leide", sagt wohl einer, ohne daran zu denken, daß noch heute primitive Völker glauben, die Seele verlasse während des Niesens für einen Moment den Körper.
Das Niesen aalt und gilt zumeist als Glücks- und Gesundheitszeichen, und wenn ein Schnupfenkranker alle (Stationen des vorgeschriebenen Leidensweges, als da sind Bäder, Tee, Bettruhe, Schwitzkuren, Umschläge, Tabletten und Pillen und Pulver sowie die als tröslliche Einlagen begrüßten Grogs und Glühweine gut passiert hat und zum erstenmal wieder herzhaft ,Hcttschie!" macht, dann heißt es beispielsweise, daß nun, nachdem der Krank? geniest habe, der erste Schritt zur Besserung getan sei, und der gute Onkel Doktor nicht mehr zu kommen brauche.
Denn der Aberglaube — oft merkt man gar nicht einmal, daß es einer ist — stirbt nie aus. Oestlich j ber Elbe legt man noch heute dem Niesen vor dem Frühstück besondere Bedeutung unter: das Niesen bedeute an den einzelnen Tagen: Montag: geschenkt' Dienstag: gekränkt; Mittwoch: beliebt; Donnerstag: betrübt; Freitag: geehrt; Samstag: verkehrt; Sonntag: Gesellschaft.
Aber einerlei, ob man abergläubisch ist oder nicht — wenn einem einer etwas niest (was in diesem Falle wörtlich zu nehmen ift). Jage man getrost seinen guten Wunsch: nmn wünsche dem Niesenden herzlich: „Gesundheit!" Denn das ist ein Wunsch, der überall gern gehört wird. Fr. H.
Gedanken
zum kommenden Opfersonntag.
NSG. Die Straßenbahn ist voller Menschen, die zur Arbeit fahren. Der Schaffnerin sind viele Gesichter vertraut, und über die dienstlichen Obliegenheiten hinaus bleibt manchmal Zeit für ein Wort frohen Gedankenaustausches. „Wie geht es den Kindern?" Mag diese Frage auch zu wiederholten Malen an oie junge Schaffnerin gestellt worden fein, sie zaubert immer wieder ein glückliches Lächeln auf das Gesicht der jungen Mutter, die jetzt wie ungezählte andere ihr Wirken über den häuslich begrenzten Pflichtenkreis hinaus erweitert hat und im'Kriegseinsatz in helfender Bereitschaft an den leeren Arbeitsplatz eines Mannes getreten ist.
Die Kinder —! Die Gedanken dürfen sich ihnen länger wdmen, während die Antwort ein kurzes Zugeständnis ihres Wohlergehens umschließt. Was sie wohl jetzt gerade spielen mögen in der quicklebendigen Gesellschaft kleiner Altersgefährten, die die NSV. in ihrem Kindergarten in schützende Obhut genommen hat? Oh, sie werden es heute abend wieder in munterer Aufgeschlossenheit berichten. Ein zuftiedenes Lächeln geht über das Antlitz der Mutter. Ein Lächeln, das die Fahrgäste unmerklich hinausbegleitet in ihren pflichterfüllten Alltag, es wird zum stillen Spender neuer Kräfte.
Denke daran, wenn du wieder am nächsten Opfer- fonntaa Vtr Svende für das Winterh'lfs^erk aufgerufen wirst. Unsere Spende für das WHW. birgt einen Segen hellender Tat, die durch die NS.- Volkswohlfo^rt vielfältig Verwirklichung findet im Dienste an Mutter und Kind.
Oie balbe Menae Sauermilchkäse.
NSG. Infolge der jahreszeitlich bedingten rückläufigen Bewegung in der Milcherzeugung werden die Kleinvertefter nicht immer in der Lage fein, die Verbraucher restlos mit Speisequark zu beliefern. Es ist daher Vorsorge getroffen, daß die entfpre»
idbaume eines burlesken Humors fröhlich schießen laffen, von seinen Schauspielern weÄlich unterstützt. Zeter Steinbachs Mhnenbilder boten köstliches italisches Milieu. Das amüsierte Publikum holte rtii seinem Beifall Spielleiter und seine Helfer noch uiter dem „Eisernen" hervor. Ludwig Beil.
(Eine neue Oper von vollerthun.
Georg Vollerthun und Oswald Schrenk, die zu- tonnten schon „Das königliche Opfer" ge- jchrieden haben, arbeiten gegenwärtig an einer reuen Oper „Des Königs Pag e", deren Vor- purf frei nach der Novelle „Gustaf Adolfs Page" von tonrad Ferdinand Meyer gestaltet wird.
Ein Kulturfilm um kopernikus.
Die Prag-Film-Aktiengesellschaft beginnt mit den Aufnahmen zu einem Kulturfilm, der das Leben •>nb Wirken des Astronomen Nikolaus Kopernikus gestalten wird. Die Spielleitung liegt in den Händen jdh Kurt Rupli, der auch das Drehbuch schrieb. Als pisienfchaftlicher Mitarbeiter steht ihm Bruno H. Bürgel zur Seite. Der Film, der auch die einmanb- trete deutsche Dolktumszugehörigkeit des großen Forschers barlegen wird, will die grundlegende Be- jeutung seiner Entdeckung — die Drehung der Erde mb ihre Bewegung um bie Sonne — in anschau- lcher Weise darstellen.
Hochschulnachrichten.
Der a. o. Professor für englische Sprache und Literatur an der Universität Erlangen Dr. Heinrich ssa11hes ist zum o. Professor ernannt worden.
in Köln und kam 1926 nach Hamburg. Von seinen Berten nennen wir: „Staat und Kirche vor . der Deformation": „Martin Luther"; „Das Rheinland in Wandel der Zeiten". — In diesen Tagen voll- d)et der Ordinarius für deutsche Philologie an der PortÄ Universität Frankfurt, Prof. Dr. Franz Schultz, rttin bc yin 65. Lebensjahr. In Culm geboren, habilitierte ;tj| r sich 1903 in Bonn und kam 1910 als a. o. Pro- Milier ssor nach Straßburg. Er wirkte dann in Freiburg Köln und kam 1921 als Ordinarius nach
ch an der T. H. Dresden, wurde dort 1936 Extra- .... rbinarius und folgte 1937 einem Ruf an die Uni- Mtfe s jerfität Breslau. 1939 kam er an die Universität ~ ' s eipzig. Er ist Herausgeber ber „Zeitschrift für an- emanote Psychologie und Charakterkunde".
Der emer. Ordinarius für innere Medizin und b H Kinderheilkunde an ber Universität Erlangen, Geh. tedizinalrat Dr. Friebrich Jam in, vollendet am >om gb Dezember fein 70. Lebensjahr. Samin, der in fugsburg geboren wurde, studierte in Freiburg, eibelberg, Würzburg und Erlangen, habilitierte ch dort 1904, 1907 wurde er Ordinarius und Direk- Itt cm hr des Pharmakologisch-poliklinischen Instituts und “v er Kinderklinik. Nach Errichtung eines pharmakolo- schen Lehrstuhls 1910 wurde das Pharmakologische Institut an dessen Inhaber gegeben. 1939 legte er iin Amt als Leiter ber Kinderklinik in die Hände
>ines Nachfolgers Professor Dr. Albert Diethen. n hoch! In diesen Tagen vollendet der emer. Ordinarius Üabemiil|»r Geschichte an der Hansischen Un-iversität Ham- farg, Professor Dr. Justus Hashagen, fein t5. Lebensjahr. In Bremerhaven geboren, studierte r in Kiel, Tübingen, Rostock und Leipzig und probierte 1900 in Leipzig. 1906 habilitierte er sich h Bonn. 1920 bis 1926 wirkte er als Ordinarius
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jun6* zusamm-nzukomm-n. Ja. er kennt b»jj Uhlen her* M. Und auch den Besitzer. Er antwortet klipp und sjeifO Ihr; er hat keine Veranlassung, Herrn Rautenberg ltl*f Auskunft zu geben. , . k.
gffiji'? "Rein, verkauft wurde der Besitz nicht. Und die "Jfdie3 icnze Wirtschaft dort, die wohl sehr vernachlafstgt ' pr, fch-int jetzt einen großen Auftrieb zu be-
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1903 in Nieder-Beerbach (Kreis Darmstadt) geboren, fubierte er in Tübingen, Heidelberg und Gießen mb promovierte 1926 in Gießen. 1932 habilitierte r sich in Breslau und kam als a. o. Professor nach klangen. — Am 1. Oktober kam als Nachfolger von Professor Krohmen, der einem Ruf nach Berlin ge« pjgt ist, Professor Dr. Philipp Cerfd) als Ordi- e. h jdrius für Psychologie an die Universität München.
r ist ein gebürtiger Münchner, hat in seiner Vater- abt studiert und promoviert. 1929 habilitierte er
„Die Entlassung" - „Film der Nation".
Festaufführung im Gloria-Palast.
Die nach Heimkehr", „Ohm Krüger" und „Der große König" mit dem höchsten staatlichen Prädikat „Film der Nation" ausgezeichnete neue Schöpfung der Tobis wurde gestern nachmittag in einer Festvorstellung zum ersten Male auch in Gießen gezeigt. Vertreter aus Partei, Staat, Wehrmacht und Behörden, Vertreter der Betriebsobmänner und der Rüstungsarbeiter sowie zahlreiche Verwundete wohnten als Ehrengäste der Aufführung bei, die, nach der Wochenschau, vom Streichquartett des Städtischen Orchesters mit dem Dortrage des Kaiser-
Foto i Tobis-Klagemam
Emil Jannings als Bismarck
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quartetts von Haydn stimmungsvoll intoniert wurde. Herr Köchling vom Theater verlas einige markante und wegweisende Sätze aus der Rede des Führers vom 30. Januar 1939 und aus seinem Buche „Mein Kampf", mit welchen der Blick aus der heroischen Gegenwart in die tausendjährige Vergangenheit des deutschen Volkes gelenkt wurde. ,^)yperions Schicksalslied" von Hölderlin leitete dann zur Aufführung über.
♦
Während ber vor einiger Zeit hier gespielte erste Bismarck-Film mit Paul Hartmann in der Titelrolle die entscheidungsschweren, von Kriegsstürmen bewegten Jahre des preußischen Ministerpräsidenten schilderte, handelt „Die Entlassung", innerlich anschließend und weiterführend, von den beiden letzten, äußerlich noch friedlichen, aber nicht minder ent- sche'dungsschweren Jahren des Reichskanzlers. Das Drehbuch schrieben Curt I. Braun und F. von Eckardt, und es witt) in einer Vorbemerkung Wert baräuf gelegt, daß der Film sich allenthalben auf historisches Quellenmaterial stütze, daß beispielsweise der Text ber großen Reichstagsrede des Kanzlers dem genauen Wortlaut folge: die Berufung auf Bismarcks „Gedanken und Erinnerungen" endlich läßt erkennen, worauf es den Verfassern des Buches wie dem Spielleiter Wolfgang Liebeneiner ankam, und die hohe offizielle Bewertung ihrer Leistung beruht gewiß nicht zuletzt auf der Einsicht in deren dokumentarische Haltung und Wirkung. Der Film schlldcrt mit einer sinnfälligen Überzeugungskraft, der sich niemand wird entziehen können, die Voraussetzungen wie die Folgen von Bismarcks Entlassung durch Wilhelm II.; er schildert diesen Abschluß eines jahrzehntelangen, genialen Wirkens im Staatsdienste als eine persönliche Katastrophe, die nachzuerleben jedermann erschüttern muß; die Erkenntnis der verhängnisvollen überperfönlichen Folgen, ihrer Wirkungen nämlich auf die Geschicke des gesamten deutschen Volkes und Staates in den auf 1890 folgenden Jahrzehnten ist für den Zuschauer von heute nicht weniger erschütternd und erregend. Man wird hier an einem außerordentlichen Beispiel gewahr, welche Möglichkeiten politisch-geschichtlichen Anschauungs- Unterrichtes dem überlegen gelenkten, künstlerisch gestalteten Fllm gegeben sind: sie sind in ihrer Sug- aeftiüfraft und Dreitenrmrkung von keiner anderen Ausdrucksform zu übertreffen.
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Das Schauspiel des Kampfes zwischen Kanzler und Kaiser, dem man hier beiwohnt, ist von einer
so erregenden Spannung, weil sich jedermann als Deutscher am tragischen Ausgange persönlich be« teiligt fühlt; weil man einsehen muß, daß die 2lus- einandersetzungen, welche hier geführt wurden, über viele Jahre und Jahrzehnte weiterwirkten, daß ber schließlich zum Bruch führende Streit um die Arbeitergesetzgebung und vor allem um bie Verlängerung des Rückversicherungsoertrages mit Rußland an Schicksalsfragen unseres Volkes rührte: an das damals zuerst sich unabweisbar drohend erhebende soziale Problem, das erst in unseren Tagen einer endgültigen Lösung entgegengeführt werden konnte, und an die Ordnung der staatlichen Machtverhäll- nisse auf dem europäischen Kontinent, die wiederum eben heute unter welterschüttemden Begleiterscheinungen sich entscheidend zu klären beginnen.
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Die postume Frage, wie alles gekommen märe, wenn der Rückversicherungsoertrag, der uns vor einem Zweifrontenkrieg bewahren sollte, im Sinne Bismarcks gegen den Willen des Kaisers erneuert worden märe, ist natürlich müfjia. Aber es ist von höchstem Reiz, sich die einzelnen Phasen des Kampfes zu oergegenrnärtigen: dem Spielletter Liebe n e i n e r gelingt es, in einer suggestiven Verschmelzung von Bild und Wort nicht allein die Kraftprobe zwischen zwei im tiefsten Wesensgrunde verschieden gearteten, einander widerstreb enden Persönlichkeiten zu rekonstruieren, sondern auch die vielfältig verzweigten und sich überschneidenden Verbindungslinien aufzuweisen, die Episoden und die Hintergründe, bas Spiel der Zwischenträger, ber Opportunisten und der Kamarilla. Die Regie formt mit einem erstaunlichen Instinkt für 'das Typische bas Bild einer Zeit, einer Generation, einer Kultur und eines Regimes: es spiegelt sich in den Szenen einer Hofjagd ober eines intimen Diners bei Borchardt mit der gleichen Schärfe wie in einer Trau er parade oder einer musikalischen Abendunterhaltung; bie jungen Damen, bie da des Kaisers Intimus Eulenburg beim Dortrage feiner Rosenlieder an schmachten, wirken wie aus einem Gemälde von Makart. —
*
Sanni ngs ist der Kanzler: ein volkstümliches Porträt, massig und schwer in ber Kürassieruniftrrm, aber schwerer als das Bild von mehr oder minder vollkommener Porträtähnlichkeit wiegt die Zeichnung des Charakters, der großen, zwingenden und überragenden Persönlichkeit, des staatsmännischen Genies, wie es sich im Thronrat und im Reichslage durchsetzt und in jedem seiner Worte gleichsam von der wissenden Nachwelt bestätigt und aerechtsertigt wird; überaus sympathisch wirkt das Fehlen jeder starren Denkmalspose: Jannings gibt einen ganz menschlichen Bismarck, in dem sich Weisheit und Würde des Alters mit trocknem Humor und voll* endeten Formen verbinden. — Werner Hinz in einer schlechterdings verblüffenden Maske fpi:It den Kaiser Wilhelm II.: in seiner Impulsivität, seinem Geltungsbedürfnis, feiner Unreife und Sprunghaftigkeit messerscharf charakterisiert. Werner Krauß ist der berühmte Geheimrat von Holstein, auch er faszinierend in Maske und Spiel, gerade weil beides nicht von vornherein auf düstere Dämonie gestimmt ist, sondern weil dieser Mann anfänglich eher wie ein kühler, korrekter, übrigens feinschmeckerischer Staatsbeamter anmuiet, dessen leidenschaftslose, etwas pedantische Belehrungen ihn zunächst mehr amüsant als gefährlich erscheinen laften. — Noch einige, besonders markante Figuren aus dem großen Aufgebot darstellerischer Kräfte: Paul Bildt als Herr von Bötticher, geschmeidig und „glatt wie ein Aal"; Carl Ludwig Diehl mit den stummen Leidenszügen Kaffer Friedrichs; Theodor Loos, still und nobel, der sterbende alte Kaiser; Christian Kayßler, der rücksichtslos-temperamentvolle Herbert Bismarck; Otto Graf, ein weicher und schwacher Eulenburg; Kämpers, derb und mit bajuwarischem Humor der unbezahlbare Dr. Schweninqer; Schafheitlin, starr und kalt, als ber russische Gesandte Schuwalow. —
Hans Thyriot.
Öie VeihnacktsbLume kommen.
Das Schlagen der Weihnachtsbäume ist beendet. Durch den vorbildlichen Einsatz aller beteiligten ist es gelungen, sowohl in den Wäldern als auch in den Weihnachtsbaumzüchtereien wiederum so viele Wechnachtsbäume zu schlagen wie im vorigen Jahre. Bei der starken Belastung unserer Forstbetriebe für kriegswirtschaftliche Zwecke muß man diese zusätzliche Arbeitsleistung, bie manche verdiente Ruhestunde gekostet hat, besonders anerkennen. Die mei-
Lachen. Bergenroth steht dort, in feiner grünen Lodenjoppe, breit und kräftig anzusehen. Er kommt auf Helene zu. Er hat einen Frühlingsstrauß, einen großen Buschen leuchtend gelber Primeln, den er Helene in den Arm legt.
„Wie schön? Vielen Dank, Richard! Aber weshalb hast du eben so hohnvoll gelacht?"
,^Hohnvoll ... Gott bewahre! Ueber deine Moralpredigt habe ich gelacht, die du der Muschi hieltest. Und du haft noch nicht einmal ihre ganze Liederlichkeit erfaßt. Das Geschöpf hat schon wieder einen Liebhaber?"
„Oh je!" lacht nun auch Helene.
Zusammen gehen sie zum Uhlenhof zurück. Es fönat an zu regnen. Bergenroth bleibt stehen und sieht zum Himmel auf. Sein Gesicht sieht zufrieden aus. „Zwei Tage solchen gleichmäßigen Regen", meint er, „und ro;r haben aerobe das richtige Wetter für die Aussaat der Oeldistel. In den Vorjahren habe ich beobachtet, daß die Samen bei Trockenheit drei bis vier Wochen untätig im Roden lagen. Dann aber regnete es vlötzl'ch sehr stark ... und siehe da. innerhalb zweier Tage waren schon die ersten Keimblätter sichtbar."
Helene geht ietzt rascher.
„Gut und schön", sagt sie. „Aber ohne meinen Regenmantel macht mir das beste Regenwetter keinen Svaß."
Ihr Mann betrachtet sie ohne Mitleid Er sieht sie sogar mit Rehagen an und meint: „Nett sieht das aus. wie dein Haar bet der Feuchtigkeit in lauter widorsvenstige Locken springt!"
„Schrecklich!" Helene versucht, das Haar zurück- zi'ltreich''n.
Es ist ein leichtes Gesvräch — ein Geplänkel, wie sie es nicht oft führen. Aber Bergenroth scheint die Stimmuna gerade geeignet zu finden, eine Frage an feine Kameradin zu stellen, die sich ihm schon öfter ausdränate, ohne daß er sie aussprach.
„Ich wundere mich. Hel-ne. d^ß d" die Wintermonate hier dr""ß»n durchgehalten hast. Es war doch ein stilles Leben."
„Oh ... wie kommst du darauf? Es war doch gut fo ..."
Helene erwidert das sehr lebhaft. Zu rasch, zu lebhaft, denkt Bergenroth. Er ist nicht recht überzeugt. Er meint, es läge doch nahe, daß Helene gesellschaftliche Beziehungen, Theater, Konzerte vermißt. Doch es steht ja in ihrem Belieben, nach Berlin ober sonstwohin zu fahren.
„Natürlich ..." Nichts weiter erwvdert Helene.
Sie sind jetzt auch am Hause, gehen hinein und sprechen nicht weiter darüber.
Am Abend sagt Bergenroth, daß er am Montag ober Dienstag zu Doktor Marswin fahren will. „Er hat mich schon wiederholt eingeladen."
„Eigentlich ist jetzt nicht die rechte Zeit", gibt Helene zu bedenken, „denn es sind jetzt keine Kulturen zu besichtigen."
„Das nicht. Aber m'ch interessiert immerhin die ganze Anlage dort. Außerdem will ich mir die Saat aus den Schweizer Dersvchskulturen mitbringen, die Marswin auch für mich besorgt hot. Ja, und nun mache ich einen Vorschlag. Helene: Komm mit! Der Betrieb der Saatzuchtwirtschaft int-ressiert dich doch mich. Und von dort fahren w'r dann weiter nach Weimar und bfe'ben einen ober zwei Tage ... gehen vielleicht ins Theater ... Nun, was meinst da dazu?"
„3a, dein Vorschlag ist sehr annehmbar. Sehr. Aber ..."
„Was hast du einzuwenden?"
„Einzuwenden gar nichts. Nur zu fragen, wie du gerade heute daraus kommst?"
„Weil du vorhin nicht unbedingt ehrl'ch gewesen bist, Helene. Da hast ja Berlin doch mitunter vermißt!"
„Schrecklich bist du, Richard! Dir kann man nichts vorflimkern!"
„Tu das auch bester nicht, Helene!" Cs klingt ernst.
(Fortsetzung folgt.)


