3m Wolga-Don-Ge-iet neue feindliche Angriffe gescheitert.
anderen Seite die englische Lebensform immer mehr in der Konvention erstarrte, als sich brutalster Materialismus und jener typische Hochmat und die ebenso charakteristische Selbstgefälligkeit in jenen Schichten breitmachten, die durch die Raubzüge des Empires zu ungeheuren Vermögen gekommen waren, war eine neue Situation gegeben, die die Gegensätze stark verschärfte.
Das führte zwangsläufig dazu, daß alles Wirtschaftliche überbewertet, dagegen alles Menschliche der Mensch war Träger der Verantwortung und der Würde, nicht mehr die lebendige Gemeinschaft bestimmte das Tun, sondern einzig und allein der Profil, das Geltenwollen, der Hoheitsanspruch der Wirtt schäft, der in England durch das Judentum zudem noch jene typisch rationalen Züge annahm, den wir aus der Zeit des deutschen Niederganges nach dem ersten Weltkrieg zu gut kennen. Der Erfolg rechtfertigte schlechthin alles: Rücksichtslosigkeit, Brutalität, Zynismus, schrankenlose Eigensucht und ein widerliches Raffertum auf Kosten der Aermsten der Armen. Man braucht nur an die britischen Kohlenbarone zu denken, die Hunderttausende in furcht- barstem Elend verkommen ließen, um ihren Zins von den ,Flechten" einzustreichen, die ihnen angeb. lich der bloße Besitz des Bodens gewährte.
Der krasseste Materialismus hielt die britische Nation im Würgegriff und hält sie auch jetzt noch. Die britische Oberschicht sieht in diesem Kriege wie in dem vorhergegangenen einen „reizenden" Weg, noch reicher, noch mächtiger zu werden. Mag sich die Masse den Kopf zerbrechen, woher sie das Notwendigste nehmen soll, mag sie in Sorgen leben, nach dem Kriege wieder von einer furchtbaren Arbeitslosigkeit überfallen zu werden, die plutokratisch-materialistische Oberschicht ist nicht gewillt, an diesen unerhörten Zuständen, die die Grundlage ihres Reichtums bilden, auch nur im geringsten etwas zu ändern.
Einzig und allein die Frage, ob man durch em gewisses — und nach unseren Begriffen geradezu lächerliches — Entgegenkommen vielleicht einen größeren und willigeren Arbeitseinsatz während dieses Krieges erreichen konnte, bestimmt die Auseinandersetzungen über den Be- veridge-Plan in jenen Kreisen, deren Gememschafts- sinn längst vom krassesten Eigennutz erstickt wurde. Don der Frage, daß der Mensch innerhalb einer Volksgemeinschaft ein Recht au f Arbeit hat, daß er sich nicht afe ausgestoßene Masse, sondern als sinnvolles Glied eines lebendigen Organismus zu fühlen hat, ist heute in England ebensowenig die Rede wie von dem anderen Problem, daß die Wirtschaft die Pflicht hat, sich so einzurichten, daß nicht das private Gewinninteresse obenansteht, sondern die Selbstverständlichkeit, jeden Volksgenossen m Arbeit und Brot zu stellen. It’s a long way to Tipperary — aber der britische Arbeiter hat doch so etwas wie das Wehen einer neuen Zeit verspürt, das die überholte britische Wirtschaftsordnung eines Tages in den Ascheimer fegen konnte. Bkn.
Oie Ll-Boot-Gefahr.
Das ungelöste Problem der britischen Kriegführung.
Stockholm, 3. Dez. (Europapreß.) Wie sehr die U-Boot-Gefahr für England zum Alpdruck geworden ist, zeigen nicht zuletzt die immer wieder laut werdenden Warnungen führender Briten vor einer Unterschätzung der Wirksamkeit dieser Waffe. „Svenska Dagbladet" stellt in einem Bericht aus London fest, daß die U-Boot-Gefahr nach drei Kriegsjahren noch immer Englands größtes ungelöstes Kriegsproblern sei. Es gehe jetzt auf den Weltmeeren mehr Unterseeboote als je zuvor in diesem oder im ersten Weltkrieg. Der Korrespondent unterstreicht die aus dem Geleitschutzdienst erwachsenen gewaltigen Anforderungen an die englische und — bis zu einem gewissen Grade — auch an die amerikanische Flotte. Ein Durchschnittsgeleitzug von 25 Schiffen werde im besten Falle von vier großen und sechs kleineren Zerstörern geschützt. Geschützt werden aber müßten die 3000 Seemeilen lange Strecke England—Amerika, ferner der ungefähr 11000 Seemeilen lange Weg nach Suez um das Kap der Guten Hoffnung herum und außerdem die 2000 Seemeilen lange Straße Island—Murmansk. Da ungefähr 3000 alliierte Schiffe sich täglich auf diesen drei Routen befinden, würden von Beginn bis zum Ende der Reise 480 große und 720 kleinere Zer- Jtörer allein als Geleitschutz nötig sein. Da lies selbstverständlich unmöglich sei, könne das Geleitschutzsystem nur für Teile der Seewege und für bestimmte Arten von Schiffen zur Anwedung kom-
Oer Wehrmachtberichi.
DNV. Aus dem AührerhaupkquarNer, 3. Dez. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:
3m Kaukasus wurden die Kampfhandlungen durch Hochwasser und ungangbare Degeverhältnisse tack beeinträchtigt. Trotzdem wurden an einigen Stellen örtliche Gefechte mit dem hartnäckig angrei- enden Gegner geführt, in denen die Sowjets hohe Verluste erlitten. Starke feindliche Kräfte wurden nördlich des T e r e k im Gegenangriff geworfen, ein Kavallerieregiment zerschlagen, zahlreiche Gefangene und Beute eingebracht. Kampfflieger verfolgten den liehenden Gegner und zerstörten zahlreiche schwere Waffen und Fahrzeuge.
3n der Kalmücken st eppe sperrten deutsche motorisierte Truppen nach überraschender, weit aus- holender Umfassung die rückwärtigen Verbindungen der Sowjets und vernichteten mehrere Kolonnen.
Auch gestern scheiterten erneute Angriffe starker Infanterie- und Panzerverbände des Feindes im Wolga —Don-Gebiet an dem zähen Wider- tand der deutschen und rumänischen Truppen. Im Zusammenwirken mit starken deutschen und rumä- Nischen Luftskreitkräften wurden dem Feinde hohe blutige Verluste zugefügt und allein zwischen Wolga und Don 60 Panzerkampfwagen abgeschoffen.
Im Abschnitt Kalinin —Ilmensee wiesen Verbände des Heeres und der Luftwaffe in an- dauernden schweren Abwehrkämpfen sämtliche feindlichen Angriffe, zum Teil im Gegenangriff, blutig ab und vernichteten 106 Panzerkampf, wagen.
An der Eismeerfront wurden sowjetische
Tokio, 3. Dez. (DNB.) Das kaiserliche Hauptquartier gibt bekannt, daß japanische Zerstörer in der Nacht zum 30. November einen starken feindlichen Flottenverband in der Nähe des Hafens L u n g a auf Guadalcanar angegriffen haben. Versenkt wurden ein Schlachtschiff, ein Kreuzer vom Typ „Augusta" und zwei Zerstörer. In Brand gesetzt zwei Zerstörer. Ein japanischer Zerstörer ist gesunken.
Die japanische Zerstörerflottille sichtete kurz nach Sonnenuntergang in der Nähe von Lunga eine in Schlachtordnung fahrende feindliche Flotte, die aus einem Schlachtschiff, vier Kreuzern und zehn Zerstörern bestand. Trotz des starken Unterschiedes m der beiderseitigen Kampfkraft stürzte sich die japanische Flottille auf die feindliche Schlachtlinie und eröffnete den Angriff mit Geschützen und Torpedos. Zehn Torpedotreffer, wurden auf dem feindlichen Schlachtschiff erzielt, dessen Klasse wegen der Dunkelheit nicht festgestellt werden tonnie. Ein schwerer Kreuzer der Augusta-Klasse wurde eben- falls von mehr als zehn Torpedos getroffen und augenblicklich versenkt. Die japanischen Streitkräfte auf der Insel Guadalcanar beobachteten die Schlacht.
Das Nachtgefecht bei Lunga ist das zweite Gefecht, bei dem eine starke Flottille japanischer Zer«
men. Weiter heißt es in dem Bericht, daß die in, der anglo-amevikanischen Presse wiederholt verbreitete Behauptung über angebliche Ermüdungserscheinungen bei den deutschen U-Boot-'Besatzungen nicht der Wahrheit entsprächen. „Die aus dem U-Boot-Krieg entstehenden Ausgaben für ine englische Marine sind überwältigend", heißt es zum Schluß.
Kampf gegen Kommun-smn« und englische Agitation in Frankreich.
Vichy, 3. Dez. (Europapreß.) Im Kampf gegen den Kommunismus und englische Agitation hat französische Polizei im November im bisher unbesetzten Frankreich 160 Verhaftungen und 67 Jnternierun-
Truppenansammlungeu durch Luftangriffe zersprengt, Stadt und Hafen von Murmansk und Kola schwer getroffen.
In der Zeit vom 11. bis 30. November wurden 309 Sowjetflugzeuge vernichtet. 220 wurden in Luftkämpfen, 71 durch Flakartillerie der Luftwaffe und 15 durch Truppen des Heeres obge- fchoffen, die übrigen am Boden zerstört. In der gleichen Zeit gingen an der Ostfront 83 eigene Flugzeuge verlöten.
In der westlichen Cyrenaika fügte die Luftwaffe dem Feinde wiederum starke Verluste an Panzerspähwagen und Kolonnenfahtzeugen zu. Die Hafenanlagen in Tobruk waren in der vergangenen Nacht das Ziel schwerer Bombenangriffe.
Bei örtlichen Gefechten in Tunefi en wurden 200 Gefangene eingebracht, 34 Panzerkampfwagen und 6 Panzerspähwagen vernichtet. Die feindlichen Nachschubhäfen in Franzöfisch-Nordafrika wurden laufend aus der Luft angegriffen und größere Zerstörungen erzielt.
Lin deutsches Unterseeboot versenkte im westlichen Mittelmeer durch zwei Torpedo- treffer einen britischen Kreuzer der „Londons-Klasse.
Vor der Küste von Algerien wurde ein britischer Zerstörer durch Bomben getroffen und von der Besatzung verlassen. Lin Bewacher wurde versenkt.
Britische Bomber führten in der Vacht zum 3. Dezember Angriffe gegen Westdeutschland. In einigen Orten im Rhein-Main-Gebiet entstanden geringe Gebäudeschäden. Fünf feindliche Flugzeuge wurden abgeschossen.
An der Südostküsie Englands bekämpften deutsche Jäger bei Tage Eisenbahnziele und Trup- penunterkünfte.
ftörer zum Einsatz gebracht wurde. Zum ersten Male erfolgte solch ein Einsatz in der Nähe der Insel Bali am 20. Februar, wo die amerikanisch-holländische Flotte geschlagen wurde. Trotz der wiederholten Niederlagen in den Salomon-Gewässern senden die Vereinigten Staaten weiterhin Verstärkungen nach der Insel Guadalcanar, aber die japanische Marine lauert der neuen Beute auf.
Bei dem als versenkt gemeldeten nordamerikanischen Kreuzer vom Typ „Augusta" handelt es sich um einen schweren Kreuzer von rund 9000 Tonnen. Diese Schiffe der „Northhampton-Klasse" sind in den Jahren 1929 und 1930 vom Stapel gelaufen. Sie haben eine Bewaffnung von neun 20,3-cm- Geschützen, vier 12,7-cm-Flakgeschützen, zwei 4,7- und acht 4-cm-Flakgeschützen, verfügen über vier Flugzeuge und eine Besatzung von 611 Mann. Die Northhampton-Klasse bestand aus den Kreuzern: ,Augusta", „Houston", „Chicago", „Louisville", „Chester", und „Northhampton". Von diesen sind die Kreuzer Houston" und „Louisvitte" bereits früher versenkt worden.
Bei der „Nachtschlacht von Lunga" sind zum erstenmal japanische Zerstörerflottillen in größerem Ausmaß erfolgreich eingesetzt worden.
gen vorgenommen. In der Gegend von Toulouse konnten die Rädelsführer einer brittsch-kommunistt- schen Bewegung verhaftet werden. Bei dieser Gruppe wurden große Mengen Explosivstoffe gefunden. Ebenfalls in Touloufe hat die Polizei Mitglieder einer kommunistischen Jugendorganisation verhaftet, wobei eine beträchtliche Menge Flugblätter beschlagnahmt wurde. 68 Verhaftungen und 37 Internierungen von Gaullisten wurden vorgenommen. In der Gegend von Lyon und Toulouse wurden Geheimsender und Tausende von englischen Flugblättern beschlagnahmt. 70 Terroristen wurden unschädlich gemacht, in ihren Wohnungen wurden Waffen und Explosivstoffe gefunden.
Heuer japanischer Seesieg bei Guadalcanar.
3« Mutters Backstube.
Von Alfred Petto.
Die Scheiben der Schlafstube waren noch nachtgeschwärzt, als die Mutter den Knaben weckte, damit er ihr beim Zubereiten des Weihnachtsgebäcks ein wenig zur Hand gehe; er hatte es sich abends zuvor von ihr erbeten. Er wollte für die nötige Feueruna sorgen, wollte den Teig rühren helfen, was je nach der Art des Gebäcks eine halbe bis eine ganze Stunde beanspruchte, und die Formen ausstechen. Alles in allem ein verlockendes Tun für einen zehnjährigen, weihnachtsseligen Knaben. Als Lohn behielt er sich im geheimen vor, nebenher auch von all den süßen Zutaten nach Herzenslust zu naschen.
Er sprang in die Hosen und wusch sich. Die größere Schwester und der kleine Bruder lagen noch in tiefem Schlaf. In der nächtigen Küche, in der die Mutter die Gaslampe entfachte, empfing ihn die schale Verschlossenheit der frühen Morgenstunde; das Feuer glomm dünn in der zerfallenen Asche, der Ofen strömte Kälte und Fremdheit aus. Der Knabe eilte mit dem Kohleneimer und der Kerze in den Keller, lud Feuerholz und Kohlen ein und zündete das Herdfeuer an. Die Mutter trug indes die Kuchenbleche mit den zu Sternen, Vögeln und Herzen ausgestochenen Teigstückchen herein und stellte sie auf den Tisch und den Schrank. Bis sein Backfeuer die erforderliche Kraft habe, könne der Teig noch etwas stehen, meinte die Mutter. Nun hob sie die große Teigschüssel auf den Tisch, holte das leinene Säckchen mit Mehl, ein Dutzend und mehr Eier, Butter und Zucker herbei, dann zog sie das Gewürzschubfach in der Anrichte heraus mit feinen düftereichen Fläschchen und Tütchen.
„Du kannst nun schon das erste Blech einschießen", sagte sie mit einem Blick auf die Herdplatte, die sich langsam anrötete.
Er öffnete die Backofentür und schob das erste Blech ein. Am besten, er blieb gleich vor dem Backofen sitzen, um den richtigen Augenblick nicht zu versäumen. Nach der Mutter Weisung sollte er nach etwa fünf Minuten das eingeschobene Blech umgedreht einschieben, damit auch die zuvorderst liegenden Formen ausbüken. Na, fügte sie hinzu, er werde schon zusehen, daß sie schon knusprig, goldgelb würden und nicht anbrannten, er müsse nur für ein gleichbleibend starkes Feuer sorgen.
Das tat er auch, er drehte das Blech, schob es ein, und nach weiteren fünf Minuten lag ein gutes Dutzend goldgelben, warm duftenden Buttergebäcks auf dem geflochtenen Kuchensieb. So buk er .Blech um Blech, während die Mutter jedes sofort wieder von den Krumen säuberte und einschmalzte. Sie ließ dem Knaben nun überhaupt freie Hand. Es gab ihm ein Gefühl von Stolz. Die Mutter war jetzt auch so mit sich selbst beschäftigt, daß sie keine Zeit mehr hatte. Sie mischte allerlei feine Gewürze ins Mehl, eine Messerspitze Nelken und Hirschhornsalz, einen Teelöffel Zimt, goß Zitronat und Orangeat und schnitt Mandeln hinein, auch ein Quentchen Anis, Fenchel und Pottasche, zuletzt träufelte sie den mit Zucker aufgelösten Honig dazu und begann mit dem Holzlöffel zu rühren.
„Für Honigplähchen!" sagte sie. „Probier mal!"
Er nahm einen Löffel voll des bräunlichen, würzigen Teiges und schleckte ihn mit Behagen.
„Schmeckt's?" fragte sie, und er nickte. „Der Vater ißt sie so gern!" bemerkte sie.
Ihre Stimme hatte jetzt einen verschleierten Ton, sie zog die Luft mit einem kaum vernehmlichen Seufzen ein, ihre Stirne neigte sich um weniges tiefer über die Schüssel, während sie mit dem einae- ftemmten Holzlöffel durch den zäher werdenden Teia ihre pflügenden Spiralen warf. Sie dachte wohl daran, daß der Vater in biefem Jahr, zum ersten- mal, nicht mit ihr und den Kindern unterm Weib- n"chtsbaum stehen würde. Aber daß er das fromme Fest wenigstens auf der Zunge und somit auch im Herzen mit ihnen verspüre, draußen in Feindesland, darum buk sie dies sein Lieblingsaebäck. Ja. nicht nur die Honiavlätzchen, sondern auch die kräftig-groben Pfeffernüsse, das zarte, krosse Svritz- gehackene, die braunen Zimtnwfseln und auch jenes fast fteinharte Gebäck ihrer dörflichen Heimat, das man in Holzfarmen ousdrü-fte und daher Hölz- gebacken-s hieß Die K'nder liebten es nicht Das allermeiste Gebäck laa übrigens schon fertiggeb^cfen in der Schublade des Verttkos, dem gewohnten 9Tuf= bemabrungsverfteck. das sie mit Strenae zu hüten vslegte. Der größte Teil mürbe in den nächsten Tagen in drei Feldnostschachteln verpackt werden mit einem Bries ein iedes. und in das eine würd" noch ein F"mili»nbild htneinfnmm»n. daraus man die Mutten, die Schmetter und die Knaben sah.
^i-ser Monaen blieb b»m Knaben imn"ra-»Ks'^ mit seiner heimeligen Zurüstung eines feinschmecke
rischen Weihnachtsgrußes an den Vater draußen, ja nicht nur an ihn, sondern auch an den Vetter der Mutter, der im vergangenen Sommer auf Besuch gewesen war und nun in den Schneegefilden Rußlands lag. Er war ein breitschultriger, bäuerlicher Mann, und nun im grauen Rock des Kavalleristen mit den hohen Reitstiefeln und der lederbesetzten Hose der Inbegriff kriegerisch-unverwüstlicher Kraft, indes er in der Stube auf und ab= schritt, knirschend vor Leder. Er hatte den Knaben in der Handhabung des Karabiners, den er bei fick trug, unterwiesen und ihm ein blaues, langschir- miges Franzosenkäppi geschenkt. Auch er würde von bieierft G"bäck bekommen, die Schwester den guten Rest für ihr Liebespäckchen an einen unbekannten und gleichwohl aus vielen jungenhaft übermütigen Briefen liebenswert gewordenen Verwundeten. Es war gewiß, ein jeder würde alles aufs beste Herrichten und verschicken.
Als der Knabe danach den Teig des Spritzgebacke- nen durch die Sternenöffnunq der Spritze trieb, wurden es lauter lateinische Buchstaben, er lernte sie gerade in der Schule. Das G freilich schien ihm verdrückt und kümmerlich, er aß es dann lieber gleich auf, doch mutete es ihn wie eine Sünde an.
Sie rührten, kneteten, stachen aus und buken so Stunde um Stunde. Das große Haus lag still. Manchmal tauschten sie ein paar Worte in einer inarmen Gesprächigkeit und in der besänftigenden Entfernung von der düsteren Wirklichkeit. Der Tag wollte sich lange nicht erhellen. Der Regen jagte feine Tropfen gegen die Scheiben und plätscherte aus der Dachrinne auf die Fensterbank. Der ungestüme und bedrohlich jaulende Wind schnob über die Dächer, er verfing sich in der Ecke des nacht- dunklen .Häuserwinkels und riß an den klappernden Fensterläden. Er fraß das Backfeuer des Knaben auf, fo daß er noch zweimal in den Keller steigen und Kohlen heraufholen mußte.
Der garstige Wind! War er nicht wie ein finsterer Abgesandter jener feindlichen Geisterwelt? Aber der Knabe wußte sich geborgen und sicher, fühlte fi warm und behütet vor ihm, wie in einem festen Turm. Süße Backgerüche umschwebten ihn, und er häufte feine braunen und goldgelben Dankesgaben in die Körbchen, ohne auch nur eins von ihnen zu vernaschen.
Nebenan in der Stube, Wand an Wand mit ihm
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Förderung der Familie in Bulgarien.
Sofia, 3. Dez. (Europapreß.) Der bulgarische Innenminister hat dem Svbranje einen Gesetzeni- murf über die Forderung kinderreicher Familien zugeleitet. Er sieht Ehestandsdarlehen sowie steuer- liche Erleichterungen vor. Aus einem Sonderfonds aus einer Besteuerung kinderloser Familien in Höhe von 3 bis 25 v. H. des Jahreseinkommens und einer Junggesellensteuer im Umfang von 5 bis 20 v. H. des Tageseinkommens. Junggesellen im Alter von mehr als 27 Jahren dürfen kein Staats-, Kommunal- oder anderes Amt im öffentlichen Dienst bekleiden und können innerhalb von achtzehn Monaten entlasten werden, wenn sie keine Heirat eingehen.
Kunst und Wissenschaft.
Geheimrat korfchelt 50 Jahre Marburger Professor.
Der Senior der Universität Marburg, Geheimratz K o r s ch e l t, wurde vor einem halben Jahrhunden zum ordentlichen Professor der Zoologie an der Philipps-Universität ernannt. Er ist Marburg treu geblieben, obwohl er mehrere ehrenvolle Rufe an andere Universitäten erhielt. Zweimal bekleidete er das Amt des Rektors. Bahnbrechend waren feine Arbeiten über die Entwicklungsgeschichte der Tiere und über Regeneration. Jahrzehnetlang gab er den „Zoologischen Anzeiger" heraus; bei der ersten und zweiten Auslage.des „Handwörterbuchs der Natur« Wissenschaften" war er Mitherausgeber. Lange Jahre war er Schriftführer der „Deutschen Zoologischen Gesellschaft" und später ihr 1. Vorsitzender. Die Marburger Medizinische Fakultät ernannte ihn zum Ehrendoktor.
Paul Bonah 65 Jahre alt
Württembergs bekanntester Architekt und einet der führenden deutschen Baumeister überhaupt, der Stuttgarter Hochschullehrer Prof. Dr.-Jng. e. h. Paul Bonatz wurde 65 Jahre alt. Schon als junget Baukünstler machte er sich einen Namen, als er vor 31 Jahren aus dem Wettbewerb für den neuen
1928 vollenden. Schon vor 1914 hatte er die Tu- ...
binger Universitätsbibliothek, die aderheill Stadthalle in Hannover, das Düsseldorfer Stumm« kckzinall Haus und das Juwelierhaus am Kölner Dom ttDezemk schaffen, das Heilbronner Ehrenmal, die Sektkellerei Henkel in Biebrich, Brücken der Reichsautobahn und das Baseler Stadtmuseum geschaffen. Bonatz, der seit dem Jahre 1908 als Nachfolger von Theodor Fischer an der TH. Stuttgart wirkt, wurde in Solgne bei Metz geboren. Er studierte in München Architektur, wurde später Assistent bei Theodor Fischer in Stuttgart und ist feit Frühjahr 1935 Berater des Generalinspektors für das deutsche Straßenwesen, Ehrendoktor der Technischen Hochschule Aachen, Mitglied der Preußischen Akademie für Bauwesen und der Preußischen Akademie der Künste. Die Bauten von Paul Bonatz zeigen alle ein hockentwickteltes Gefühl für Maß und Harmonie. Keine Form ist bei ihm zufällig, jede ist aus dem Bedürfnis der Zeit, aus dem Zweck des Baues und aus dem unendlich feinen, unbeirrbaren Gefühl für ihren Zusammenklang mit der Umgebung entstanden.
Sabine Lepsius f.
Stuttgarter HauptbahHhof als Sieger jinanus hervorging. Dieses gewaltige Bauwerk konnte er M B allen Schwierigkeiten des ersten' Weltkrieges und iipM E der furchtbaren Nachkriegszeit zum Trotz im Jahre sandte
Im 79. Lebensjahr starb die Malerin und Dich- raef der terin Sabine Lepsius. Als Tochter des Porträt« Merjitä: und Historienmalers Gustav Graef und Gattin des M 65. ßi bedeutenden Porträtmalers Reinhold Lepsius lebte« fid) 19C sie von Kindheit an in einem künstlerischen Milieu. Mor nach Die hochbegabte Frau ist besonders als die lang« p Köln jährige Freundin Stefan Georges und durch fcnffurt. ihre persönlichen Erinnerungen an den Dichter her« p ferne vorgetreten. Sie war wohl die einzige, die aus wirk- Wischen 1 kicher Freundschaft mit dem Dichter ein lebendiges lilltschen" Bild von ihm der Nachwelt überliefert hat.
„Der Löwe von San Marco".
Etwas geziert nennt sich das drollige Spiel des heute fünfzigjährigen Luigi Bonelli „Intermezzo", es ist aber eine recht bunte und ganz und gar auf unsere Lachmuskeln angelegte Volks- komödie, die vom herben Stegreif bis zum gescheiten Bonmot alle Färbungen kennt und zu verwenden weiß. Bonelli hat bis jetzt rund 20 Schau« spiele und Operntexte geschrieben. Bekannt wurde feine Goldoni-Komodie „Das Komödia-ntenschifft. Bei der Uraufführung im Frankfurter Schauspielhaus hat Toni Impekoven als Spielleiter alle Pur«
und der Mutter, ruhten noch immer die Schwester und der kleine Bruder in schwerelosem Schlaf. Als sie erwachten, empfing sie der tröstliche Glanz des aufgehellten Tages und der Duft weihnachtlicher Erwartung.
Büchertisch.
Tode
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ihrigen fjen schv F Ange! ®d) Auß jjbols eii »Micher -J-trere 2 iher Der Wrtenstoe
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g/'l. fei'
im Nacherleben der seelischen Kämpfe des jungen Offiziers mitteilt: im Widerstreit zwischen der be- schwärenden Anrufung einer geliebten Frau, die stni den Weg zur Flucht und zur Reftung weist, und heffi Ehr- und Pflichtbegriff des deutschen Offiziers findet der Oberleutnant die Entscheidung, welche die merkwürdige Begebenheit dem blinden Spiel drS Zufalls entrückt und ihr eine her hichterischen Aus'
zeicknung würdige grunhsätzliche Beheutung in Beglaubigung gibt Hans Thyriot
— Adolf von Hatzfeld: Der Flug nach Moskau. 177 Seiten. Rütten & ßoening Verlag; Potsdam. — Hatzfeld, her sich früher bereits als feinsinniger Lyriker einen Namen gemacht hat, — auch an hie seinerzeit hier besprochene schöne Reise« schilderung „Positano" mag erinnert werden — gibt in feinem jüngsten Buche eine Erzählung, in welcher sich die schmucklose Gegenständlichkeit des dokumentarischen Berichtes mit her schicksalhaften Verkniip fung und hem tiefen Sinngehalt bes echten Novellen« ftoffes oerbinhet. Es wird hier berichtet, wie kurz nach dem ersten Weltkriege ein junger deutscher Ossi» zier es unternimmt, den ehemaligen Oberkomman- bierenben her türkischen Armee, Enver Pascha, und einen von besten Freunden mit bem Flugzeug nach Rußland zu bringen; wie bas Unternehmen mißlingt, her Flug schon weit vor bem Bestimmungsziel Moskau ein vorzeitiges Ende finhet, wie im ferneren Verlaufe her Ereignisse her heutsche Offizier — infolge bösartig gehäufter Mißverstänbnisse und Widrigkeiten — in falschen Veracht und in Gefangenschaft gerät, schließlich vor ein Kriegsgericht gestellt, erst im äußersten Augenblick rehabilitiert und vak der Vollstteckung eines ungerechten und schimpflichen Todesurteils bewahrt wirb. Diese flüchtigste Skizzierung eines in her Erzählung sorgfältig komponierten
unh stilistisch ausgefeilten Handlungsablaufes mag n g™ bereits erkennen lasten, eine wie fpannenhe Lektüre •-’>*••• ben Leser mit bem „Flug nach Moskau" erwartet, wesentlicher freilich als hie stofflich begrünbete äußere Spannung erscheint jene innere, hie sich bem Leser
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