lyr. Jahrgang Ur. 286
Eichener Anzeiger
§reltag.§. Dezember 1942
ses Systems. Auf diesen „Frieden" folgten drei Jahrhunderte europäischer Unsicherheit; die beiden größten und kulturell am höchsten stehenden Völker des europäischen Kontinents lebten in ständigem Urfrieüen anstatt zu fruchtbarer Zusammenarbeit zu kommen. Richelieu hat nicht nur dem deutschen Volke unermeßlichen Schaden zugefügt, er hat letzten Endes auch an die Wurzel seines eigenen Landes die Axt gelegt. Den unerträglichen Zustand immerwährender Unsicherheit beseitigte erst Adolf Hitler zum Segen nicht nur Deutschlands, sondern ganz Europas.
DAB.Aus dem Führerhauplquarller, 4. Dezember. Der Führer hat dem spanischen S t a a t s ch e f Generalissimus Franco zu seinem 5 0. Geburtstage am 4. Dezember In folgendem Telegramm seine herzlichen Glückwünsche übermittelt: „Au Ihrem 50. Geburtstage spreche ich Euerer Exzellenz in meinem und im Kamen des ganzen deutschen Volkes die herzlichsten Glückwünsche für Ihr persönliches Wohlergehen und für Ihre weitere geschichtliche Arbeit aus. Sie'haben, Caudillo, in tapferem und schwerem Ringen das spanische Volk aus den Fesseln des Bolschewismus befreit und aus der damit drohenden völligen Vernichtung auf den Weg des Wiederaufstiegs geleitet. Ich wünsche Ihnen aufrlchttgst, daß es Ihnen be- schieden sein möge, Ihr Volk und Land in eine glückliche und gesicherte Zukunft zu führen. In kameradschaftlicher Verbundenheit und mit herzlichen Grüßen Ihr Adolf Hitler.-
Oer SO.Geburtstag -es GeneralsJranco
Herzliche Glückwünsche des Führers für den spanischen Staatschef.
Der Caudillo entstammt einer alten Militärfamilie der atlantischen Hafenstadt Ferrol, Provinz Galicien. Nach Absolvierung des Gymnasiums und der Marineschule in Ferrol erhielt er seine militärische Ausbildung auf der Kriegsakademie in Paris. Im zweiten Leutnantsjahr meldete sich Franco nach Marokko, wo er in den Kämpfen gegen den Führer der Rifkabylen Abd el Krim bald Hauptmann wurde. Die , spanische Fremdenlegion, die später das Rückgrat der spanischen Erhebung geworden ist, ist im wesentlichen das Werk Francos gewesen. Nach 15 Jahren fast ununterbrochenen Kampfes in Marokko wurde Franco Kommandant der Militärakademie in Saragossa. Drei Jahre lang leitete er die Ausbildung der jungen Offiziere. Mit der Errichtung der Republik im April 1931 endete Francos Tätigkeit. Das demo
große italienische Renaissance-Humanist S c a l i g e r nannte, ein Wort, das nicht umsonst zum Sprichwort geworden ist. Selbst ein englischer Romancier wie Charles Dickens schrieb in seinem „Bleak- house: „3n England ist es nicht gebräuchlich, für verdienstvolle Taten im Frieden, wären sie auch noch so bedeutend, Titel zu verleihen, außer etwa, wenn das Verdienst in der Zusammenhäufung großer Summen Geldes bestände." Es ist dieselbe niederträchtige Gesinnung, die der berühmte Politiker Charles James Fox am 25. Mai 1802 aussprach: „Jeder Fortschritt Frankreichs (heute: Deutschlands) nach außen und selbst im Innern, in Handel und in der Industrie, wird eine Ursache zum Kriege, eine Beleidigung für uns sein."
Der Schotte Thomas Carlyle, einer der edelsten und reinsten Geister, die jemals gelebt haben, kennzeichnet mit unübertrefflicher Ironie in feinem „Graf Cagliostro" den englischen Fluch: „Das arme Land England muß in ein Handeltreiben, Kolonisieren, Ansiedeln in der Fremde hineingeraten, sich in einen allgemeinen Aufruhr von Maschinerien, Eldorados, beispiellosem Wohlstand stürzen, der eben heutzutage viel von sich reden macht. Ein Wohlstand, der offenbar nicht von besonders erhabener Act ist, der das einst so ehrbarlich-reine und verständige Gesicht Englands mit Schmutzflecken, Rußflecken und allerlei Unflat und Greueln bedeckt hat", und schreibt an einer anderen Stelle: „Bei uns, der Nation von Krämern, konzentrieren sich sozusagen alle Besttebungen in der einzigen: fülle deinen Beutel!"
In der schärfsten Weise hat auch, um nur einige zu nennen, Lord Byron, Englands größter Dichter nach Shakespeare, die britische Mentalität gekennzeichnet, er hat in seinem Fluch der Minerva den Briten prophezeit, daß einst die ganze City in Flammen aufgehen würde, und daß der Inder sich erheben würde, und in feinem „Don Juan", den der alte Goethe ein «grenzenlos genialisches Wert"
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Engländer gegen Churchill
Von unserer Berli ner Schristleitung.
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Frankreichs großer Kardinal — Deutschlands gefährlichster Feind
Dor 300 Jahren starb Richelieu.
In seiner großen Rede, die vor allem eine glänzende Abfertigung Churchills enthielt, hat der Duce mit feinen Formulierungen ins Schwarze getroffen. Wenn er z. B. sagte, man finde den alten primitiven Barbaren, wenn man den Engländern heute den Anzug auszöge, in dem er den 5-Uhr-Tee einnehme, und meinte, auf dieser primitiven Grundlage sei der Firnis der Scheinheiligkeit der Bibel, des Alten und des Neuen Testaments aufgekagen, dann hat Mussolini das eigentliche Wesen des Briten ebenso gekennzeichnet wie in der geschichtlichen Betrachtung, die an die Äußerungen hervorragender britischer Geister wie Byron, Shelley und Car- lyle, anknüpfte. Der Duce fand die treffenden Worte: „Tatsächlich genügt es, die Kapitel der britischen Geschichte der letzten drei Jahrhunderte durchzublättern, um eine übergroße Sendung von Hyänen in menschlicher Gestalt zu finden. Wenn es ein Land gibt, das eine solche Bezeichnung verdient, wenn es ein Land gibt, das an allen Enden der Erde Hyänen losließ, um alle Reichtümer und Rohstoffe an sich zu reißen, um alles Gold zu rauben, jo ist dieses Land England."
In feiner „Göttlichen Komödie", im „Paradies", 19. Gesang, Vers 121 bis 125, sagte schon der größte italienische Dichter des Mittelalters, Dante Alighieri:
„Dort kannst du sehn, wie übermütige Gier Den Schotten und den Briten närrisch macht, Daß niemand sicher hinter eigner Tür."
Im Gesang der »Hölle" läßt er die Habgierigen, die Briten, stöhnen und winseln. Es gab übrigens nichts Fürchterlicheres als die mittelalterliche Ge- jchichte der Königsmorde und Untaten, die in England gang und gäbe waren. Keine andere europäische Nation — denn die Moskowiter standen bis in die Neuzeit außerhalb der europäischen Gesittung — hat solche Scheußlichkeiten in ihrer inneren Geschichte aufzuweisen wie die der Punier der Nordsee des „perfiden Albions^ wie es als erster der
kratische System, das in dem hervorragend befähigten und national eingestellten Offizier eine Gefahr sah, stellte ihn kalt. Als aber im Oktober 1934 der kommunistische Ausstand in Asturien ausbrach, trat die Regierung hilfesuchend an Franco heran und beauftragte ihn mit der Niederwerfung der Revolte, deren er durch den Einsatz von marokkanischen Legionären und der Marine schnell Herr wurde. Als im Februar 1936 die Volksfront ans Ruder kam, wurde Franco von der Roten Regierung Azana auf die Kanarischen Inseln verbannt. Aber gegen den Bolschewismus schloffen sich die nationalen Elemente aus Wehrmacht und Bürgertum zusammen. Die Ermordung Stotelos am 13. 7.1936 bildete den Auftakt zur nationalen Erhebung. Der Krieg gegen die bolschewistische Regierung wurde sehr bald zu einem Kampf von Weltanschauungen und wirkte sich in diesem Sinne auf ganz Europa aus. Während Franco und seine Regierung Ende 1936 von den autoritären Staaten anerkannt und unterstützt wurde, stellten sich die demokratischen Länder — an ihrer Spitze England und die USA. — auf die Seite der Madrider kommunistischen Regierung und verlängerten durch die Zulassung von Waffenlieferungen den Freiheitskampf des spanischen Volkes. Ende März 1939 jedoch war Spanien vom bolschewistischen Terror befreit. Franco richtete nun als Staatschef feine ganze Kraft auf den wirtschaftlichen Wiederaufbau des Landes, das infolge der bolschewistischen Schreckensherrschaft vor dem Ruin stand. Am 9.4.1939 erklärte der Caudillo den Beitritt Spaniens zum Antikominternpakt und zeigte damit schon die Einstellung, die das spanische Volk wenige Monate später zum zweiten Weltkrieg finden sollte. Die jüngsten Ereignisse in Französisch-Nordafrika und die Maßnahmen, die Franco daraufhin zur Sicher- stellung der spanischen Integrität traf, haben in Spanien die Ueberzeugung verstärkt, daß die Geschicke des Landes bei dem Caudillo sich in festen Händen befinden.
pacht, und die 18 Jahre feiner Regierung erhoben Itidjt nur Frankreich zur beherrschenden Macht Euro- As, sondern drückten dem ganzen Kontinent für rei Jahrhunderte ihren Stempel auf. Große Der- Menfte erwarb der Kardinal sich durch die Grün- teng der französischen Akademie und der sranzösi- len Kriegsflotte, die vor allem gegen Spanien ge- htet war. Richelieu wollte Frankreich zu einer gemacht ersten Ranges machen. Richelieu war oiel
einen feindlichen leichten Kreuzer modernster Bauart, dessen Explosion beobachtet wurde. Am frühen Morgen des 2. Dezember griffen deutsche Flugzeuge denselben Verband, der sich auf dem Rückzug befand, an und versenkten eine leichte Einheit. Ein Zerstörer wurde schwer beschädigt.
England
erkennt Darlan nicht an.
Stockholm, 4. Dez. (Europapreß.) Der britische Außenminister Eden erklärte vor dem Unterhaus, Großbritannien sei hinsichtlich der Erklärung Darlans, daß er die Verantwortung als Regierungschef in Nordasrika übernehme, in keiner Weise um R a t gefragt worden. Die britische Regierung betrachte sich daher keineswegs an die Erklärung Darlans gebunden. Auf die Frage, ob die Verantwortung dabei Dorian persönlich träfe und ob diese keine der verbündeten Regierungen binde, antwortete Eden: „Soweit ich weiß, war es eine einseitige Inspiration von Admiral Darlan selbst." Wie die „Times" aus näch- ster Nähe des Außenministers noch mitzuteilen weiß, ergebe sich die eigenartige Situation, daß britische Truppen in Gebieten kämpfen, die Darlan als ihm unterstehend bezeichnete. Bis zur Aufklärung der Angelegenheit will man in London die Proklamation im Sinne der Erklärung Roosevelts vom 17. November betrachten, wonach es sich bei den Vollmachten für Darlan nur um eine „N o t- l ö s u n g" handele.
nannte, schreibt er: „Ach, könnte England nur voll, wahrhaftig wissen, wie sein großer Name durchaus verabscheut ist, wie begierig die ganze Erde auf den Schlag ist, der feine Brust für das Schwert bloßlegen soll, wie alle Völker es für ihren schlimmsten Feind halten, diesen schlimmer als schlimmsten Feind, den einst angebeteten falschen Freund, der den Menschen Freiheit anbot und nun sie in Ketten schlügt."
Selbst der Geschichtsschreiber der Zeit der Königin Victoria, Thomas Macaulay, schrieb von der Eroberung Indiens, die Briten.hätten sich dort der „tyrannischsten Form des barbarischsten Despotismus schuldig gemacht, ihre Herrschaft hätte „mehr der Herrschaft von bösen Geistern als der Herrschaft menschlicher Tyrannen geglichen". Dabei hat dieser Lieblingshistoriker des honetten Britentums alle Sünden feines Landes fckmeichlerifch zu entschuldigen und zu decken oerfudjt
So stehen Engländer selbst gegen den Verbrecher Churchill und seinen Anhang. Ihr Urteil ist das Urteil der gesitteten Welt. Es wird auch einstmals — das kann man heute sagen — das Schicksal Churchills besiegeln.
Das Echo der Duce-Rede.
Rom, 3. Dez. (Europapreß.) Die Rede Mussolinis hat in ganz Europa den größten Eindruck gemacht. Selbst in London mußte man, wie schwedische Korrespondenten melden, zugeben, daß man sich latsche Vorstellungen über die italienische Heimatfront gemacht habe, vor allem war man von dem Freimut des italienischen Staatschefs tief beeindruckt und überrascht. Von den Madrid er Zeitungen wird der entschlossene Wille Italiens, an der Seite Deutschlands zu kämpfen, unterstrichen. Das Blatt „ABC" ist der Meinung, daß die Achse, nachdem sie im Besitz der drei größten Marinebasen im Mittelmeer fei, der Entwicklung der Dinge ruhig entgegensetzen könne. Italien denke nur an den Sieg. Es forme den Kampf auch nicht aufgeben, vor allem, weil die Erweiterung seines Lebensraumes nur durch einen Sieg möglich werbe. „Arriba" unterstreicht die Bereitschaft Italiens, ruhig, entschlossen und diszipliniert den Kampf fortzu- setzen und stellt fest, daß die Rebe des Duce die Moral feines Volkes noch »etitr gestärkt hat.
BrtJfM)« UwtMrttäWnidttHB. taaye General-Anzeiger für Oberhessen
folge, und Poincarö und Clemenceau waren btiimper gegen Richelieu.
Bald nach seinem Regierungsantritt löste Riche- fti Frankreich vom spanisch-katholischen Kurs. In Rutsch!and unterstützte er die Protestanten gegen len Kaiser, denn die Zersplitterung Deutschlands itr ja das „köstlichste Kleinod Frankreichs" und Die ktschen Fürsten gingen ihm fast alle auf den Leim, Knn er ihre „fürstliche Libertät" unterstützte. Er tilte auch dem Schwedenkönig Gustav Adolf sahr- i» 400 000 Reichstaler Subsidien und stellte ihm in „Königtum im Osten" in Aussicht: er leitete die vizösische Rheinlandpolitik ein. Zu dem Stur» hftentag in Regensburg hatte Richelieu seinen ^trauten, den Kapuzinerpater Jose p h, entsandt, et die deutsche Uneinigkeit schürte und wefentlich in Sturze Wallensteins beitrug, dessen Feldherrn- etie nicht in das Konzept Richelieus paßte. Selbst ttt Frankreich vorerst nicht in den Kriegi em. foftao Adolf gab sich aber nicht zum willigen Werk- hg der französischen Politik her und sein früher ^od >°g Richelieu nicht ungelegen gekommen sein. Erst ch der Schlacht bei Nördlingen im Jahre 16-35, als e Sache der Schweden und des Protestantismus hi- schlecht stand, trat Frankreich offen in den rieg gegen Spanien ein, worauf auch der Kaiser ib an Frankreich den Krieg erklärte. Es war wohl »totsächlich das Verdienst Richelieus, daß der achtbare Krieg nicht schon zehn Jahre nach feinem tabrud) beendet wurde.
.tls Richelieu am 4. Dezember 1642 starb erst Jahre alt, waren Elsaß, Lothringen und ein koßer Teil des unteren Rheingebietes in franzo- ider Hand. Er selbst erlebte nicht mehr das Ende 's Krieges, den er so lange geschürt hatte, aber ir schreckliche Friede, der diesem Kriege folgte, war iv. Werk. Die wesentlichsten Elemente des West- Wichen Friedens waren die territoriale und pou- Urte Zersttickelung des Reiches, die Herrschaft der Achsstände und die Garantie der auslandtftgen | rechte für die Aufrechterhaltung und Achtung die
Oer Fall Beveridge.
In einem Lande, wo der Puritanismus die Erringung von materiellem Reichtum als Beweis für ein gottgefälliges Leben ansieht, und in dem die Armut so etwas wie eine Strafe Gottes ist, müssen soziale Errungenschaften und Oie Fürsorge für die durch die Industrialisierung Versklavten natürlich als höchst verdächtig, ja überflüssig erscheinen. Wir sprechen von England, wo zur Zeit die Erörterungen über den sogenannten „Beoeridge - Plan" in der Öffentlichkeit und im Unterhaus hohe Wellen schlagen, wobei ganz offensichtlich zu beobachten ist, daß maßgebende jüdisch-kapitalistische Kreise mit allen Mitteln versuchen, diesen Plan zu sabotieren, der — und das ist bezeichnend —, mit nationalsozialistischen Maßstäben gemessen, geradezu kümmerlich anmutet. Hier wird um Dinge gestritten, die jeder deutsche Arbeiter für selbstverständlich hält, wie beispielsweise die allgemeine Sozialversicherung, die Arbeitslosigkeit, Unfallschutz und Krankheiten umfassen soll. Weiter sind in dem Plan des bekannten englischen Nationalökonomen Sir William Beoeridge noch gewisse Maßnahmen enthalten, die die Fürsorge für Alte, Witwen und Waisen betreffen und auch die Lage der Kinderreichen erleichtern soll —: alles Sinne also, die wir uns in Deutschland an den Schuhsohlen ab gelaufen haben.
Aber Churchill hat in seiner letzten Rede sich persönlich dagegen ausgesprochen, daß Reformen dieser Art bereits während des Krieges durchgeführt werden sollen, obgleich die gesamte Opposition — also in erster Linie die Ardeiteraewerkschaften und mit ihr mehr ober weniger im Schlepptau die La- bvur-Partei — gegen die völlig ungenügende und geradezu archaisch anmutenden Zustände des britischen Sozialwesens Sturm lausen. Es ist heute bereits zu Übersehen, daß die gesamte konservative Partei, von verschwindend geringen Ausnahmen abgesehen, aus der Seite jener kapitalistischen Interessenten steht, die mit aller Deutlichkeit gesagt haben, daß sie alle derartige Pläne zu Hintertreiben gewillt find. Der Kreis dieser Neinsager ist sehr aufschlußreich. Da find zunächst einmal die Versicherungsgesellschaften, die durch den Beveridae- Plan um einen Teil ihrer Übermäßig hohen Gewinne kommen könnten, die sie auf Kosten der kleinen Versicherungsnehmer erzielen. Da tft vor allem die mit der konservativen Partei, mit allen alten Tories und Dieharbs zusammenhängende Schicht des britischen Unternehmertums, das natürlich befürchtet, durch derartige soziale Reformen ebenfalls in seinen Gewinnmöglichkeiten geschädigt zu werden. Und da Churchill sich selbst zum Wort, sührer dieser Gruppen gemacht hat und der Ansicht l-st, daß solche Dinge bis nach dem Kriege Zeit haben, dürfte es einigermaßen klar fein, welches Schicksal dem Bsveridge-Plan beschieden ist. —
Aber die Auseinandersetzungen um dieses Projekt haben noch einen tieferen Kern. Wir sprachen eingangs von der Einstellung des Puritaners, der in der Armut ein selbstverschuldetes liebel sieht und in dem Armen einen Mann, der sozusagen von Gott gezeichnet wurde. Solange der Liberalismus in England auf alle derartigen Fragen and Probleme eine in erster Linie gesellschaftliche Antwort wußte, solange also der Individualismus von der prakti- fchen Haltung bestimmt wurde, zu einer großen bevorzugten Familie zu gehören, lebte auch das Aibeitertum in England in der übernommenen UÜberlieferung der individuellen Freiheit, und es bestand keine Gefahr, daß wegen sachlicher Gegensätze die Sicherheit der sozialen Gemeinschaft gefährdet rouibe. Als jedoch aus der britischen Mittelklasse sich immer stärker jene „Enterbten" der britischen Slums ab sonderten, die für die lieber» inbuftrial'tfierung Englands typisch find, als auf der
Unter den vielen Feinden, die sich dem deutschen kolke im Laufe feiner jahrhundertelangen Geschichte tatgegenfteUten, ist ihm Richelieu, Frankreichs großer Kardinal-Kanzler in der ersten Hälfte des j?. Jahrhunderts, wohl der gefährlichste geworden, >nn er schuf ein gegen Deutschland gerichtetes wachtsystem, das drei Jahrhunderte in Geltung jlieb und erst durch Adolf Hitler zutrümmert rurbe.
Armand Du Plessis, Herzog von Richelieu, wurde 1585 als dritter Sohn eines kleinen französischen deligen geboren, als Frankreich von Reliaions- tiegen zerfleischt wurde. Richelieu widmete sich dem Glichen Stande, um feiner Familie eine Pfründe i sichern. Seelenkämpfe hat ihn dieser Schritt fenbar nicht gekostet. Heinrich IV. setzte bereits oße Hoffnungen in ihn. Schon mit 22 Jahren ar er Bischof, allerdings des recht armen Bistums ucon. Bald hatte er die Gunst der Maria Medici, r Mutter Ludwigs XIII., gewonnen. Als Maria iedici die Regierung an ihren Sohn übergeben llßte, fiel auch- Richelieu in Ungnade und mußte die Verbasinung gehen, wurde aber bald wieder den Hof gerufen, 1622 zum Kardinal und 1624 im leitenden Minister Ludwigs XIII. ernannt.
IJetzt begann Richelieu einen rücksichtslosen Kamps gen alle Feinde der Staatsräson, vor allem gegen n Hochadel, an dessen Spitze die Königinmutter id der Bruder des Königs standen. Kerker, Gerinnung und Tod drohten nicht nur den kleinen ebellen, sondern auch Ministern und Marschällen, der immer bewegte Richelieu sich in den Grenzen s Möglichen, für das er das feine Gefühl des ahrhaft großen Staatsmannes hatte. Der König !bte ihn nicht, aber er brauchte ihn, im Lande itie er viele Feinde, aber trotzdem blieb er an der
Oas Seegefecht vor der tunesischen Küste.
R o m, 3. Dez. (DNB.) Wie der italienische Wehr- machtbericht meldet, fand in der Nacht zum 2. Dezember vor den tunesischen Küsten ein kurzes heftiges Treffen statt zwischen einem leichten italienischen Verband aus drei Zerstörern und zwei Torpedobooten und einem feindlichen Verband aus zwei Kreuzern und vier Zerstörern. Ein italienischer Zer- ftörer ist untergegangen, ein anderer torpedierte
w )er erste moderne Staatsmann. Er erlebte n Staats als lebendiges Wesen, er selbst diente m Staate und nicht der Person des Herrschers.
war der Vorläufer Ludwigs XIV. und feiner oßen Minister und bereitete auch den Merkantilis- us vor. Das Eigenleben der Provinzen verwand, der Staat verdränate die Landschaft. Lud- ig XIV. verfolgte diese Richtung weiter die Fran- ßiische Revolution vollendet sie. Alle seine Maß- chmen traf Richelieu mit unendlicher Klugheit. i)bwohl er selbst alle Macht in Händen hatte, blieb h immer nur der Minister des Königs.
I Nicht weniger erfolgreich war Richelieus A u ß e n- po I i t i t Sie war für ihn immer nur die Kunst k Möglichen, aber nie verlor er dabei feine Fern- tle aus den Augen. Seine Gegenspieler, vor allem öte spanischen und die deutschen Habsburger spann st in ein kunstvolles Gewebe von Bündnissen ein, eine daß diese es bemerkten. Sogar der große spa- mche Minister Olivares war ihm in keiner Weise pwachsen. Vor dem Staatsrat am 13. Januar 629 erklärte Richelieu: „Wenn der König sich zum is:chtigsten Monarchen der Welt und zum ange» fünften Fürsten der Erde machen will, muß sich iankreich Pforten nach allen benachbarten Staub' öffnen; es muß feine Stellung in Metz stärken d, wenn möglich, bis Straßburg vordringen, um b-en Eintritt nach Deutschland zu haben. Nach der hweiz sollte Neuchatel, nach Savoyen Saluzzo ngang verschaffen. Das erfordert viel Zeit, große Überlegung und ein vorsichtiges, verdecktes Verhol- in." Als Ludwig XIV. und Napoleon I. von diesem verdeckten Verhalten" abwichen, erlitten sie Miß-


