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Am gestrigen Dienstagabend vereinigten sich die i Diele Arbeiten Bürkers seien grundlegend und rich- Mitglieder der drei Abteilungen (Naturwissenschaft- tunggebend auch für die Veterinärmedizin geworden, liche, medizinische und veterinärmedizinische) der besonders für die Veterinärphysiologie, für die der

Die musikalische Entwicklung Julius W e i s - manns hat sich in mannigfachen Erscheinungs­formen gezeigt. Standen seine Werke in früheren Jahrzehnten unter dem Einfluß des Impressionis­mus und damit rhapsodischer Formanlage, so hat sich sein Subjektivismus in der späteren Zeit zu strenger Formung durchgerungen, zumal in der Kammermusik und in seinen Opern. Der nunmehr über 60jährige Freiburger Musiker betritt mit der Pfiffigen Magd" das Gebiet der komischen Oper. Der Text schließt sich eng an Ludwig ch o l b e r g s Komödie vomHerrn Dielgeschrey" an, die in der Zeichnung der einzelnen Personen wie auch in der vielfältigen Handlung eine reiche Fülle von Mög­lichkeiten aufweist, die einem Musiker starken Anreiz zu geben vermögen.

Dieses heitere Spiel mit seinen Verkleidungen und seinem Ränkeschmieden hätte in geeigneter Textbearbeitung zu einer opera buffa werden kön­nen. Julius Weismann fängt alle stilistischen Mittel seit dem Barockzeitalter ein und wertet sie in seiner Musik aus, vom sscco-Rezitativ, nur mit dem Klavier begleitet, bis zum vollen Orchesterklang. Er umgeht es, Ruhepunkte in der Handlung sich in ge­schlossenen musikalischen Formen (Arien usw.) aus­weiten zu lassen, vielmehr schließt er sich eng an den Text an, den er zur zeichnenden charakterisierenden Orchesteruntermalung im deklamierenden, rezitieren­den Sinne behandelt. Dem häufig sehr schnellen Umschlag der Stimmung im Geschehen folgt er sehr gewandt und treffend, dabei mehr Gewicht auf den Einzelsinn des Wortes legend als die Gesamtheit der Situation im höheren Sinne einfangend. Er stößt deshalb nur an wenigen Stellen zu längeren Sätzen von einheitlicher musikalischer Struktur vor.

Schon die Ouvertüre zeigt in der Vielfältigkeit der angeschlagenen Themen mehr ein potpourri- haftes Grpärge. Ebenso schließt er sich nicht darin den vielen meisterhaften Vorbildern an, daß er das Ensemble mehr an die Situation bindet und es nicht zum musikalischen Organismus sich auswachsen läßt. In einzelnen Fällen dagegen, wie am Schluß des zweiten Aufzuges, bindet sich die Stimmung der einzelnen Personen zum geschlossenen Ganzen. Weismanns melodische Themen sind zweifellos sehr

Jubilar Hervorragendes leistete. In diesem Zusam­menhänge wies der Redner namentlich auf Bürkers Arbeiten zur Erforschung des Blutes der Tiere, vornehmlich der Haustiere, hin und schilderte dann in großer Linie an einigen Beispielen die bedeu­tenden Auswirkungen dieser Gelehrtenarbeit. Er erinnerte daran, daß die Veterinärmedizinische Fa-

Festsitzung für Professor Dr. Bürker.

Ehrung des Gelehrten durch die Oberhessische Gesellschast für Natur- und Heilkunde Giehen.

Theater der Universitätsstadt Gießen

Julius Weismann:Sie pfiffige Magd".

ler hatte ein Bühnenbild geschaffen, das in seiner Geschlossenheit die Durchführung der drei Akte auf demselben Schauplatz anschaulich ermöglichte. Das interessante, ja reizvolle Geschehen fand bei den Hörern herzlichen Beifall.

Dr. Hermann Heringe

Lichtspielhaus: -Schüsse in der Wüste"

Dies ist eine italienische Produktion der Fono- Roma in deutscher Sprache und mit eingeblendeten Zwischentiteln. Das Drehbuch schrieb Gian Gaspare di Rapolitano nach der ErzählungMar- rabö" von Orano und ©anbei. Die deutsche Fassung wurde unter der Leitung von Dipl.-Jng. Bernhard K u l i ß hergestellt. Der Film ist im Pressematerial als Abenteuerfilm angekündigt, was durch manche Einzelheiten der Handlung gewiß gerechtfertigt erscheint; es ist aber anzunehmen, daß die Hersteller, schon um der propagandistischen Wir­kung willen, Wert darauf legen, ihre Produktion als einen Kolonialfilm zu bezeichnen. Die Hand­lung spielt in Jtalienisch-Ostafrika, vorwiegend m einem Wüstenfort, das mit einer schwarzen Einge« borenentruppe unter dem Befehl eines italienischen Hauptmanns besetzt ist. Den Inhalt des Films 6il- den im wesentlichen die Kämpfe der kleinen Kolo­nialtruppe gegen den zahlenmäßig stark überlegenen Stamm der räuberischen Amharas, die andere Stämme mit Krieg überziehen und sogar einen An­griff auf den unter Munitionsmangel leidenden italienischen Stützpunkt unternehmen; die Besatzung des Wüstenforts trägt aber dank der Tapferkeit der weißen Führer und der vorbildlichen Haltung der Eingeborenentruppe nach heftigen Kämpfen den Sieg davon. Der Wert des Films, in dessen Fabel übrigens auch eine kleine Liebeshandlung eilige- flochten ist, besteht darin, daß er einen Begriff von den Schwierigkeiten des Kleinkrieges in der afri­kanischen Steppe vermittels und daß er, in guten, weiträumigen Aufnahmen, eine Vorstellung von Land und Leuten in Ostafrika gibt. Die Spiel­leitung von Romolo Marcellini hatte dafür eine großartige natürliche Szenerie und ein be­deutendes Aufgebot von Eingeborenen zur Ver­fügung, von denen einige auch mit Geschick größere darstellerische Leistungen bewältigen. In der Rolle des Hauptmanns sieht man den aus derWeißen Schwadron" bekannten, beliebten und für Aufgaben solcher Art befähigten italienischen Darsteller Fosco G i a c ch e t t i neben feinen Landsleuten Gio­vanni Grasso und Doris Durand. Im Bei­programm laufen die neue Wochenschau und ein Kulturfilm von der Fischerei in der Ostsee.

Hans Thyriot.

Oie Entschädigung bei Lustschutzdienst.

Entsprechend den erhöhten Anforderungen an den Luftschutz yat der Reichsluftfahrtminister und Ober­befehlshaber der Luftwaffe neue Ausführungs­bestimmungen für die Entschädigungsregelung bei Luftschutzdienst erlassen, die die Erfahrungen berück­sichtigen.

Bei der Heranziehung zur Dienslleistung im Luft­schutz innerhalb der Gemeindegrenzen des Wohn-, Arbeits- oder Aufenchaltsortes werden als Entfcha- digung einmal wie bisher die notwendigen baren Aufwendungen für die Benutzung öffentlicher Be­förderungsmittel gewährt, wenn die Wegstrecke min­destens 2 km beträgt oder wenn öffenlliche Be­förderungsmittel nicht zur Verfügung stehen, 10 Rpf. Wegegeld je km. Ferner wird bei stärkerer Ab- nutzung der eigenen Kleidung eine Entschädigung von 50 Rpf. täglich gezahlt. Dazu kommt ein Zehr­geld. Es beträgt nach den neuen Bestimmungen 1,50 RM., wenn außerhalb der Arbeitsstätte die Dauer der Luftschutzdienstleistung mindestens fünf Stunden beträgt und eine mindestens dreistündige Abwesenheit von der Wohnstätte erfordert oder wenn bei Dienstleistungen im Luftschutz an der Ar­beitsstätte die gewöhnliche Arbeitszeit um minde­stens drei Stunden überschritten wird. Wenn die Tätigkeit an der Arbeitsstätte einschließlich des Luftschutzdienstes eine zwölf Stunden übersteigende ununterbrochene Abwesenheit von der Wohnung er­fordert, erhöht sich das Zehrgeld auf 2 RM., bei mehr als 24ftunbiger Abwesenheit auf 3 RM.

Bei Heranziehung zur Dienstleistung im Luftschutz außerhalb des Wohn-, Arbeits- oder Aufenthalts­ortes roerben für bie Entschädigung jetzt feste Sätze eingeführt. Reben ben Fahrkosten wirb ein Tage­gelb von 6,50 RM. unb ein Uebernachtungsgelb von 5,50 RM. gezahlt. Hinzu kommt bie Entschäbigung von 50 Rpf. bei stärkerer Abnutzung ber eigenen Kleibung.

Wenn ein Luftschutzbienstpflichtiger bei der Dienst­leistung erkrankt oder verunglückt, werden chm im Falle der Arbeitsunfähigkeit die Entschädigungen weitergewährt, bis die Zahlungen der Krankenkasse einfetzen.

Die neuen Ausführungsbestimmungen gelten ab 1. November. Die Betriebe des Werkluftfchutzes, des erweiterten Selbstschutzes unb des Selbstschutzes sind verpflichtet, die genannten Sätze zu zahlen.

Auf jeden kommt es an!

Bei einem ber letzten Terrorangriffe ber Briten auf Wohnviertel deutscher Städte wurden 94,5 v. H. der abgeworfenen Brandbomben von Selbstschutz­kräften gelöscht, ehe sie zu Entstehungsbränden führ­ten. Weitere 4,8 v. H. verursachten Heinere Brände, die ebenfalls von den Hausfeuerwehren der Luft­schutzgemeinschaften niedergekämpft wurden. Nur 0,7 v. H. riefen Brandschäden hervor, bie von stär­keren Kräften angegriffen werben mußten. Auch bie häufiger verwendeten Phosphor-Branbbomben ber britischen Branbstifter werben erfahrungsgemäß von einem wachen, entschlußkrästigen und gut ausgebil­deten Selbstschutz auf das wirksamste bekämpft. Ent­scheidend ist allerdings, die Angriffswaffen wie die Abwehrmittel zu kennen. Im neuesten Heft derSi­rene", der Zeitschrift des Reichsluftschutzbundes, wird diesem Kapitel ein ausführlicher Aufsatz ge­widmet. Jeder sollte ihn lesen; denn auf jeden kommt es an!

Gießener Gchlachtviebmarkt.

Auf dem gestrigen Gießener Schlachtviehmarkt Schlachtvieh-Verteilungsmarkt in der Viehver- steigerungshalle Rhein-Main kosteten: Ochsen 41 bis 45 Rpf., Bullen 23 bis 44, Kühe 11 bis 50, Färsen 27 bis 45, Kälber 35 bis 57, Hämmel 32 bis 53 Rpf. je kg Lebendgewicht. Marktverlauf: alles zu- geteilt.

** Ein Siebzigjähriger. Am heuttaen Mittwoch, 4. November, wird Der Schlossermeister i. R. Wilhelm Ziegler, Steinstraße 33 wohnhaft, 70 Jahre alt. Der Jubllar hat seinen Schlosserei- betrieb, den er selbst gegründet hat, 45 Jahre lang geführt und bann bie Leitung bes Betriebes seinem Sohn übergeben. Zu seinem heutigen Geburtstage unh für einen schönen Lebensabend unsere herzlichen Wünsche,.

Oberhessischen Gesellschaft für Natur- unb Heilkunde Gießen mit einer Reihe von Gästen im Hörsaal des Physiologischen Instituts zu einer Festsitzung, bie em langjährigen Inhaber bes Lehrstuhls für Phy- iologie unb Direktor bes Physiologischen Instituts Professor Dr. med. Karl Brn rker anläßlich seines kürzlichen 70. Geburtstages eine hefonbere Ehrung erweisen sollte. Zu bieser Feierstunbe hatten sich so viele Teilnehmer eingefunben, daß der Hörsaal bis zum letzten Platze besetzt war.

Professor Dr. B ü r k e r wurde bei feinem Erschei­nen im Hörsaal mit herzlichem Beifall begrüßt. Dann sprach, nach kurzen Grußworten des Leiters der Oberhessischen Gesellschaft für Natur- und Heil­kunde, Professor Dr. K l u t e , als erster Redner der Amtsnachfolger Bürkers, Professor Dr. med. Koch. Nach einem einleitenden kurzen Hinweis auf Liebigs Wirken an unserer Universität betome ber Rebner, baß unsere Alma mater jetzt roieberum bas beson- bere Glück habe, einen Forscher zu besitzen, der ohne jeden 2lbzug das darstelle, was unter einem Klassiker zu verstehen sei: Karl Bürker. Der Redner wür­digte dann mit herzlichen Worten das Wirken Bür­kers als Klassikers der physiologischen Wissenschaft, der sich einem großen Problem zugewandt habe, dem er für immer treu geblieben fei: er habe das Blut zu seinem ureigensten Forschungsgebiet ge­macht und sich in dieser Hauptrichtung seiner Arbeit über drei Jahrzehnte betätigt. Damit habe er nicht in die Breite, sondern weit in die Tiefe gearbeitet, und was ihm hier zu leisten oergönnt gewesen sei, werde in der Geschichte der Wlssenschast als ein ehernes Monument und Künder seines Namens für alle Zeiten bestehen. Der Redner schilderte anschlie­ßend in großen Zügen u. a. das von Bürker ver­kündete Hämoglobin-Derieilungsgesetz, mit dem er ein biologisches Gesetz erster Ordnung entdeckt habe, seine wegweisenden Arbeiten auf dem Gebiete der Höhenphysiologie sowie die Einzigartigkeit und sorg­fältige Systematik ber Vorlesungsarbeiten Bürkers, wobei er betonte, baß aus Bürkers Arbeit im Laufe der Jahre ein Vorlesungsmaterial von solcher Ein­maligkeit unb Vollständigkeit entstanden fei, wie es vielleicht keine anoere deutsche Universität besitze. Nach diesen Hinweisen auf einige wenige Punkte dieser reichen Gelehrtenarbeit betonte der Redner, ein abschließender Bericht über Bürkers Lebenswerk sei heute noch nicht möglich, denn der Jubilar sei noch immer unermüdlich als Forscher und Lehrer tätig unb stehe noch mitten in seiner Arbeit.

Ms ältester Vertreter ber Naturwissenschaften und Botanik feierte sodann Professor Dr. K ü st e r, der Inhaber des Lehrstuhls für Botanik und Direktor des Botanischen Instituts und Gartens, den Jubilar als einen Mann, der in feinem langen und reichen Leben als Physiologe niemals die Beziehungen zu den Naturwissenschaften verloren und ihnen immer seine besondere Sympathie bekundet habe. Der Red­ner umriß dann bie engen unb vielfältigen Be­ziehungen zwischen der Botanik und der Physiolo­gie, wobei er die Verwandtschaft dieser beiden Wis­senschaften überzeugend und eindrucksvoll darlegte. In diese interessante Betrachtung stellte er Bürker als Freund und Förderer der Naturwissenschaften hinein, der trotz seines Alters noch mit Eifer die Vorträge über die Forschungsarbeit an ber Pflan­zenwelt höre unb sich mit feiner Lebens- unb Natur­betrachtungsweise bie Goethesche Lebensbetrachtung zu eigen gemacht habe. Mit ber Bitte an ben Jubi­lar, ben Naturwissenschaften weiterhin seine hoch- geschätzte Anteilnahme zu schenken unb biefe Wis­senschaft auch in Zukunft zu förbern, schloß ber Rebner seine von herzlicher Verbunbenheit für ben Jubilar zeugende Ansprache.

Regierungs-Veterinärrat Dr. Gilbert (Gießen) als stellv. Vorsitzender ber veterinärmedizinischen Abteilung ber Oberhessischen Gesellschaft, würdigte unb rühmte Bürkers Wirken für die Veterinär­medizin. Er hob dabei u. a. hervor, daß seit Bürkers Berufung nach Gießen im Jahre 1917 eine ganze Generation non Tierärzten als Schüler zu seinen Füßen gesessen und von seinen Forschungen unb seiner Wissenschaft größte Förderung erhalten habe.

kultät im Jahre 1932 Bürker in dankbarer Würdi­gung seiner Verdienste zu ihrem Ehrendoktor er­nannt hat, und daß die Tierärztliche Vereinigung ihn als Ehrenmitalied in ihren Reihen zählt. Der gesamte Tierärztestand, ebenso wie alle Veterinär­mediziner, fühlten sich mit Dem Jubllar eng ver­bunden und brächten ihm auch in dieser Stunde ihre herzlichen Wünsche dar.

Für die Gesamtheit der Oberhessischen Gesellschaft für Natur- und Heilkunde sprach hierauf deren Lei­ter, Professor Dr. K l u t e, der daran erinnerte, daß Bürker es war, der als Mediziner und Natur­wissenschaftler in schwerer Zeit die Führung der naturwissenschaftlichen Abteilung übernommen habe und durch feine starke Persönlichkeit auch in diesem Zweig der Arbeit wieder frisches Leben weckte. Er wies sodann auf die Weite ber Forschungsarbeit Bürkers unb insbesonbere auf sein -Wirken für bie Medizin unb Naturwissenschaften hin. Der Jubilar habe von jeher bie natürliche Verbindung der Medi­zin mit den Naturwissenschaften betont unb gepflegt, so daß in dieser Feierstunde mit guter Begründung auf die fruchtbare Zusammenarbeit ber beiden Ab­teilungen für die Oberhessische Gesellschaft hinge­wiesen werden könne. Weiter erinnerte der Redner u. a. an das volksverbundene Wirken Bürkers durch seine populärwissenschaftlichen Vorlesungen, die in weiten Bevölkerungskreisen größten Anklang gefunden haben. In dankbarer Würdigung' seiner vielfältigen Verdienste hätten daher die drei Ab- teilunaen der Oberhessischen Gesellschaft beschlossen, Professor Dr. Bürker zu ihrem Ehrenmit­glied zp ernennen. Der Redner verlas nach dieser Mittellung die Ernennungsurkunde, die von ber Festversammlung mit lebhaftem Beifall aufgenom­men wurde.

Anschließend übermittelte der Vorsitzende der Medizinischen Gesellschaft, Professor Dr. Wagen­seil, Inhaber des Lehrstuhls für Anatomie unb Direktor des Anatomischen Instituts, die herzlichen Glückwünsche ber Mebizinischen Gesellschaft.

Der Prorektor, Professor Dr. Rauch, sprach bem Jubilar ben Dank der gesamten Universität bafür aus, baß er ihr sein Lebenswerk gemibmet und in so fruchtbarer Weise hier für die Wissen­schaften gearbeitet habe. Er verband mit diesem Dank den Wunsch und die Hoffnung, daß ber Jubi­lar sich auch künftighin immer mit unserer Ludo- viciana oerbunben fühlen möge.

Professor Dr. Bürker brachte in tiefempfun- benen Worten seinen herzlichsten Dank für bie zahl­reichen Ehrungen zum Ausdruck, bie ihm anläßlich seines 70. Geburtstages befonbers auch in dieser Feierstunde in so überaus herzlicher Weise bereitet worben seien, unb er betonte babei an Hand von kurzen Beispielen seine enge Verbundenheit mit ben drei Abteilungen ber Oberhessischen Gesellschaft, mit dieser Gemeinschaft insgesamt unb nicht zuletzt mit unserer Ludwigs-Universität überhaupt, bie ihm eine so schöne Wirkungsstätte gegeben habe. In diesem Zusammenhänge gedachte er auch der eifri­gen unb verständnisvollen Mitarbeit von Oberbau­rat K u h l m a n n" bei der Errichtung des neuen Physiologischen Instituts mit dankbaren Worten. Sodann gab ber Jubilar in ganz großer Linie einen Einblick in seine jahrzehntelange Arbeit als Phy­siologe, einen Querschnitt, der von den Hörern mit größtem Interesse unb mit lebhaftem Beifall aus­genommen würbe.

Am Schlüsse ber Sitzung würben bem Jubilar noch viele persönliche Glückwünsche ausgesprochen unb ihm als sinnige Gabe aus dem Botanischen Institut unb Botanischen Garten von drei Mit­arbeiterinnen Professors Küsters ein Strauß präch­tiger weißer Chrysanthemen überreicht.

In ber neuen Lebensmittel-Zuteilungsperiode, bie vom 16. November bis 13. Dezember 1942 läuft, gelten die gleichen Rationen wie in der gegenwärtig laufenden. Bei der Fettverteilung treten einige Um­lagerungen ein. Die Normalverbraucher und Selbst­versorger mit Butter aller Altersstufen erhalten, mtt Ausnahme der Kinder bis zum 14. Lebensjahr, je 100 g Butterschmalz an Stelle von je 125 g Mar­garine. Eine Aenderung der Gesamtfettration der einzelnen Verbraucher tritt jedoch hierdurch wegen des höheren Fettgehalts, des Butterschmalzes nicht ein. Die Butterration der Rinber von 6 bis 14 Jahren wird von 750 auf 812,5 g erhöht. Zum Aus­gleich dafür wird die Margarineratton von 312,5 auf 250 g herabgesetzt, so daß sich auch hier die Gesamtfettration nicht ändert. Es erhalten also alle Verbraucher die folgenden Erzeugnisse in der glei­chen Menge wie in der jetzt laufenden Zuteilungs­periode: Brot, Mehl, Fleischs Käse (abgesehen^von Ser in ber gegenwärtigen Periobe erfolgten Son- berzutellung an Käse), Quark, Getreidenährmittel, Teigwaren, Kartoffelstärkeerzeugnisse, Kaffeemittel, Vollmilch, Zucker, Marmelade, Kunsthonig und Kakaopulver. Die Reichskarte für Marmelade (wahl­weise Zucker), die Reichszuckerkarte und die Reichs- eierfane verlieren mit Ablauf des 15. November 1942 ihre Gültigkeit. Die Karten werden daher für die 43. bis 46. Zuteilungsperiode, vom 16. Novem­ber 1942 bis 7. März 1943, neu ausgegeben und berechtigen wie bisher mit der Maßgabe zum Warenbezug, baß die Möglichkeit, den wahlweise zu beziehenden Zucker vorweg zu beziehen, entfällt, weil während der Wintermonate hierfür ein Be­dürfnis nicht besteht. Die Verbraucher haben bie Bestellscheine in ber Woche vom 9. bis 14. Novem­ber abzugeben, sofern örtlich nichts anberes be­stimmt wirb.

Verdunkelungszell:

4. November von 17.48 bis 6.55 Uhr.

charakteristisch unb treffenb, geistreich unb witzig; sie bringen leicht ins Ohr, ohne jeboch haften zu bleiben; bas Orchester mit seinen Farbwerten kenn­zeichnet die Einzelheiten in manchmal sehr origi­neller Weise. Die einzelnen Personen erhalten durchweg eine Ausprägung, die ihrem typischen Grundcharakter konform ist, besonders der Leonore widmet er empfindliche, ins Ariose weisende, klang­schöne unb Melodisch organische Entwicklungen.

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Die Aufführung unter Max Schwarze sprühte vor Lebendigkeit unb zeugte in der originellen Durchgestaltung der Eingangs- wie auch ber Schluß­szene von feinsinnigem Erfassen. Sßas' nur aus der Over herauszuholen war, das geschah in vollem Maße bei plastischer Verdeuttichung des Wesens der einzelnen Gestalten. Allen voran stand Lise'l Schröter-Beckers als Pernille, quasi ein weiblicher Figaro, die Fäden der Handluna in ber Hand haltend, stets über ber Situation stehend als leitender Geist des Geschehens. In jedem Sinne eine bedeutsame, ja große Leistung, leicht und flüssig im Parlando, pointiert in der Deklamation, aussttah- lend an ben musikalischen Höhepunkten. Sehr fein bildete Barbara Boettcher die Mattone Magde- lone ab, die für ihre späte Liebessehnsucht Erfüllung findet; komisch in der Gebärde und dennoch nicht übertreibend, geschmackvoll sich dem Gesanglichen fügend. Gabriele P o s s i n f e ließ ihre Empfindung schön im Stimmlichen ausströmen. Ihr Geliebter, Leander, war im Verein mit seinem Freunde Old- sux Peter Paul Schade und Ludwig Dru - s ch e I schmiegsam im Gesanglichen und beweg­lich im Spiel, zumal in den Derkleidungsszenen. Ein Poltergeist, ber vor dem Vielerlei ber Geschäfte nicht zur 2ttbeit kommt, war Bernharb Schmitz, plastisch charakterisiert in allen Lagen seiner seeli­schen Erregung. Heinz Schommer gab einen pe­dantischen Buchhalter. Die Gruppe der Schreiber wie auch alle andern Mitwirkenden waren in sich gekennzeichnet und fügten sich gut dem Ganzen ein. Das Orchester unter Otto Söllner folgte schlagartig dem fließenden Wechsel der Bühnen- jituation mit Schwung unb nie versagender Elasti­zität in allen beteiligten Instrumenten. Karl Löfs-

Aus -er Stadt Gießen.

Höchstgewicht unbegrenzt.

Feldpostpäckchen dürfen aus guten Gründen ein Höchstgewicht nicht überschreiten. Gleichwohl sind an ben Schottern unserer Postämter solche Päckchen, biß schwerer wiegen, immer roieber anzutreffen. Man yiuß das verstehen; denn wer möchte einem Soldaten, ber ein Vater, Sohn, Bruder oder Liebster ist, nicht mit übervollen Händen schenken! Alles, auch das Geringste, soll dem Empfänger sagen: ich liebe dich! Ich will dir eine Freude machen; ich denke an dich! Was bedeuten schon Ferne und Weite, wenn das Herz darüberhin Brücken bauen will! Und so sind's ja eigentlich auch nicht die Hände, bie Feldpostpäckchen packen, sondern die Herzen. Was aber weiß ein Herz von einem Höchstgewicht, wenn es bie ganze Welt schenken möchte.

So mag's auch dem Mütterchen ergangen fein, bas dieser Tage an den Schalter trat, aus ihrer Tasche ein Päckchen nestelte unb es bem Beamten hinter bem Glasfenster zuschob. Der wog es fad)e verständig in ber Hand. Er bedurfte nicht der Waage, um zu wissen:Das, liebe Frau, ist zu schwer!" Das Mütterchen verstand nicht recht. Wie, zu schwer?Es ist aber nur wenig drin", sagte sie. Ja, für ein Mutterherz. Zu viel, viel zuviel, aber für bie Vorschrift.Nehmen Sie etwas heraus!" sagte freundlich ber Beamte. Das Mütterchen mußte tun, wie chm geheißen. Mit zitternden Händen öffnete es wieder die Knoten, die es mühsam ge­knüpft, nahm Stück für Stück aus bem Päckchen heraus, legte es auch mieber hinein, war ratlos und unschlüssig, für welches es sich entscheiden sollte, bas ben Weg zu bem fernen Jungen nahm. Der Beamte, buraj seine Abzeichen sich als alter Front­kämpfer ausweisend, vergaß einen Augenblick seinen Dienst am Schalter unb half bem Mütterchen das Rechte zu finden:Dies", sagte er,ist. sehr nützlich für einen Soldaten. Das kann er gut entbehren. Jenes wirb bie lange Reise nicht überstehen. Und biefes hier, Mutter, ist für Sie gewiß nötiger als für Ihren Jungen!"

Dann will ich chm aber noch einen besonderen Gruß hineintun", sagte bie Mutter, und brach ein paar Blüten aus einem Strauß roter Herbstastern, den sie bei sich trug.Sie sind aus unserem Garten", erklärte sie,und er liebt sie so sehr, ber Junge!"

Recht so, Mutter", antwortete ber Beamte,man kann nickt Liebe unb Freude genug an bie Front schicken. Für sie gibt es fein Höchstgewicht; denn sie wiegen leicht auf unseren Waagen, aber sehr schwer in ben Herzen!" '

Dankbar lächelte im Fortgehen bas Mütterchen. Schn.

Professor Or. med. H. W Kranz nach Frankfurt a. M. berufen.

Der orbentliche Professor in ber Gießener Medi­zinischen Fakultät und Rektor der Ludwigs-Univer­sität Dr. med. H. W. Kr anz ist mit Wirkung vorn 1. Dezember 1942 ab auf ben Lehrstuhl für Erb- und Rassenforschung der Universität Frankfurt a. M. be­rufen worden. ~ ....

Professor Dr. med. Kranz, der im August 1914 als 17jähriger Kriegsfreiwilliger zu den Fahnen eilte und den ganzen ersten Weltkrieg rnitmachte, in dessen Verlauf er zum Offizier befördert wurde, studierte nach dem Kriege in Marburg und in Freiburg. Als der Spartakus-Aufftand in Thüringen aus- brach, nahm er an dem Kampfe gegen die dortigen Spartakisten teil. 1926 habilitierte er sich für das Fach der Augenheilkunde, seit 1928 wirkte er als Augenarzt in Gießen. Schon lange vor ber Macht­übernahme durch den Führer trat er in bie national­sozialistische Bewegung ein, kämpfte als SA.-Mann mit und wurde noch während der Kampfzeit zum SA.'Sturmführer befördert. Nach der Machtüber­nahme begründete er in Gießen das Institut für Erb- und Rassenpflege, für das er als Gauamts­leiter des Rassenpolitischen Amtes der NSDAP. Gau Hessen-Nassau der berufene Mann war. Vom Winter­semester 1934/35 ab hatte er an der Universität Gie­ßen einen Lehrauftrag für Rassenhygiene und Be­völkerungspolitik. Mit Wirkung vom 1. Januar 1937 wurde Dr. med. habil. Kranz vom Führer zum beamteten außerordentlichen Professor in der Medizinischen Fakultät der Universität Gießen er­nannt mit der Verpflichtung, die Erb- unb Rassen­forschung an unserer Universität zu vertreten. Mit Wirkung vom 1. April 1940 ab wurde er zum ordentlichen Professor ernannt und nunmehr mit Wirkung ab 1. Dezember 1942 in gleicher Dienst­eigenschaft in bie Medizinische Fakultät der Uni­versität Frankfurt a. M. unter Übertragung des Lehrstuhls für Erb- unb Rassenforschung berufen. Seit 1. Oktober 1939 wirkte Professor Dr. med. Kranz als Rektor an der Spitze unserer Ludwigs- UniDerfität, deren glückliche Entwicklung m hohem Maße seinem Wirken zu verdanken ist.

Oie Lebensmittelzuteilung

vom 16. November bis 13. Dezember.