nicht die Rolle wie im Westen. Es kann Japan weniger darauf antommen, feindliche Tonnage zu vernichten, als vielmehr sie für sich selbst zu gewinnen, um den plötzlich enorm gestiegenen Anspruch an den Verkehr nach den neuen Versorgungsgebieten zu bewältigen.
Die Hauptversorgungslinien des Feindes liegen auf dem westlichen Seetriegsschauplatz. Hier sind sie für ihn L e b e n s l i n i e n. Von ihrer Äufrecht- erbaltung hängt seine Kampfkraft, die Möglichkeit' zur Fortführung des Krieges, angesichts seiner Abhängigkeit von der überseeischen Nahrunasmittel- zufuhr, sogar eine physische Existenzgrundlage ab. Deshalb richtet sich auch der operative Einsatz der militärischen Machtmittel der Achsenmächte in erster Linie und in der Hauptsache gegen die Versorgungsschiffahrt des Feindes, während umgekehrt der Feind seine aanze Aufmerksamkeit und seine ganze Kraft darauf ausrichten muß, sich den für die Versorgung nötigen Schiffsraum zu erhalten und dessen Einsatz in ununterbrochenem Verkehr zu sichern. Hierfür setzt der Feind den größten Teil seiner Seestreitkräfte ein. Die große Diskrepanz der Flottenstärken zwingt die Achsenmächte zu einem Verzicht auf eine entscheidende Seeschlacht, die übrigens der Feind nach allen Beobachtungen selbst nicht sucht. Er will seine See- streitkräfte nicht aufs Spiel setzen, weil er sie für die Sicherung seines Versorgungsverkehrs braucht und sie ihm die Aufrechterhaltuna der Blockade der europäischen Küste ermöglichen soll. Er hält seine Schlachtflotte auf dem wesllichen Kriegsschauplätze im Hintergründe. Sie soll allein durch ihr Vorhandensein die Blockade sichern und den Schiffsverkehr der Achsenmächte vom Weltmeere fernhalten.
Der Brennpunkt für die Seekriegsoperationen auf dem Atlantik liegt im Gegensatz zum Pazifik nicht so sehr auf der Weite des Ozeans als in Küstennähe und im Aktionsradius der Luftwaffe, die von Landstützpunkten aus zur Verstärkung von Angriff und Verteidigung jeder- zeit in den Kampf emgreifen kann. Flugzeugträger haben deshalb hier nicht die Bedeutung wie auf dem pazifischen Seekriegsschauplatz. Diese Voraussetzungen schufen für die Achsenmächte die Ausbildung besonderer Kampfmittel und einer besonderen Taktik im Seekrieg, die gekennzeichnet sind durch das U-Boot und seinen Masseneinsatz im Kampfe gegen die feindliche Versorgungsschiffahrt. Es ist ein Kleinkrieg von langer Dauer, der an die Phantasie des U-Boot-Kommandanten und an die Erfindungsgabe der Seekriegsleitung im taktischen Einsatz dieser Waffe immer neue Aufgaben stellt. Die Luftwaffe ist in diesen Kampf eingeschaltet, teils zu gemeinsamen, teils zu selbständigen Aktionen. Auch die Fernwirkung der schweren deutschen Einheiten ist in diesen Kampf einbezogen. Kommen die wertvollsten Geleizüge des Feindes in Reichweite der Schlachtschiffe, dann ist der Feind gezwungen, seinerseits Schlachtschiffe einzusetzen und abzunutzen, ohne daß es zu einem entscheidenden Gefecht zu kommen braucht. Die Geleitzugkatastrophe im Nordmeer war ein lehrreiches Beispiel dafür, daß die deutschen schweren Schiffe im Hintergründe auch ohne unmittelbaren Eingriff in den Kampf ihre Wirkung tun. Der Angriff auf die SeeoerbirLungen des Feindes als das letzte Objekt des Seekrieges muß auf die Dauer seine Wirkung tun, weil jedes Versorgungsschiff, sei es zur Versorgung der Heimat oder der überseeischen Fronten die Insel anlaufen muß, denn sie ist die letzte materielle und physische militärische Nachschubbasis für die gesamte Kriegführung.
So ergibt sich zwischen den Mächten des Dreierpaktes eine grundlegende Aufgabenteilung, wenn auch nicht in einer absolut scharfen Abgrenzung. Aus den geringeren japanischen Versenkungen an Handelsschiffsraum darf unter keinen Umständen auf eine weniger aktive japanische Seekriegführung geschlossen werden. Auf dem westlichen Seekriegs- schauplatz kommt es darauf an, daß dem Gegner die Seeverbindungen und die Versorgung unterbunden werden, während im Pazifik der Kampf vornehmlich gegen die feindlichen Seestreitkräfte aller Art gerichtet ist. V. A.
Eine Deutsch-finnische Gesellschaft.
In einem Zeitpunkt, da deutsche und finnische Soldaten im hohen Norden gemeinsam gegen den Bolschewismus kämpfen, wurde zur weiteren Vertiefung der kulturellen und wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Finnland eine Deutsch-Finnische Gesellschaft ins Leben gerufen. Zu der Gründungsfeier waren der finnische Kultusminister Kukkonen, Staatssekretär Pakaslahtt, Generalleutnant Talvela, als Vertreter der finnischen Wehrmacht, sowie der Rektor der Universität Helsinki, Professor Nevanlinna, nach Berlin gekommen.
Der Präsident der Vereinigung zwischenstaatlicher Verbände, ^-Obergruppenführer und General der Polizei Lorenz, verwies auf den ständigen Kampf, den Finnland als Bollwerk Europas gegen die Bedrohung aus dem Osten zu führen hatte.
Nach einer Ansprache von Professor Dr. Nevanlinna über die deutsch-finnischen Kulturbeziehun- gen im Laufe der letzten Jahrhunderte, sagte der Präsident der Gesellschaft, ^-Gruppenführer Staatsrat Hanns Johst, die Begegnung mit dem Land der tausend Seen sei für ihn das schönste Reise-
Berlin, 3. Nov. (DNB.) Präsident Roosevelt forderte in einer Botschaft an den Kongreß Vollmachten, die ihn ermächtigen, für die Dauer-bes Krieges alle Handelsschranken, Einfuhrabgaben, Zölle und andere Bestimmungen abzuschaffen, die irgendwie den freien Verkehr des Kriegsmaterials, der Lieferungen, der Personen, des Eigentums und der Informationen zwischen den Vereinigten Staaten und ihren Verbündeten hemmen könnten. In der Botschaft heißt es: „Der Präsident fordert, daß der Kongreß ihm für die Dauer des Krieges Vollmachten gewährt zur Außetkraft- setzung alller oder gewisser Gesetze, um neuen oder unvorhergesehenen Problemen, wenn sie auftauchen, gerecht zu werden, und damit der Präsident und die Regierung sich mit ähnlichen Maßnahmen in anderen Ländern befassen können." Roosevelt fügt hinzu, daß es noch zahlreiche gesetzliche Hindernisse für die Bewegungsfreiheit gebe, die die Kriegsproduktionsbemühungen behinderten und verzögerten. Um diese Hindernisse zu beseitigen, sei das neue Gesetz, das ihn mit außerordentlichen Vollmachten versehen soll, erforderlich.
Die von Roosevelt geforderten neuen diktatorischen Vollmachten zur Errichtung einer totalen Kriegsproduktion bilden das letzte'Glied in der Kette seiner Bemühungen, den Kongreß auszuschalten und ihm die letzten Einflußrnöglichkeiten zu nehmen. Seme Forderung, nunmehr auch in der Zollgesetzgebung und in den Ein- und Ausfuhrbestimmungen freie Hand zu erhalten, läßt mit aller Deutlichkeit die
Lissabon, 4. Nov. (Europapreß.) Bemerkenswerte Aufschlüsse über die Verhandlungen in Washington, London und Moskau über die Mög- Uchkeiten der Errichtung einer zweiten Front in Europa und eine Bestätigung dafür, daß es anläßlich des Aufenthaltes Churchills in Moskau zu ernsten Meinungsverschiedenheiten mit Stalin gekommen sei, gab der nordamerikanische Publizist Drew P e a r l s o n, ein Verwandter des Präsidenten Roosevelt, in der „Washington Post". Bei dem Besuch Molotows in Washington, habe Präsident Roosevelt prinzipiell die Notwendigkeit der Eröffnung einer zweiten Front eingesehen und dem Plan zuaestimmt Doch hätten der Generalstabschef General Marshall und der Flottenchef Admiral King auf das große Risiko hingewiesen, das mit einer derartigen Aktion verbunden sein würde. Aus diesem Grunde sei im Einzelnen tatsächlich nichts vereinbart worden außer der prinzipiellen Zustimmung, daß man zu einer zweiten Front schreiten solle, wenn die USA. dazu bereit seien. Ein fester Termin sei nicht genannt worden.
Etwa zu dieser Zeit habe General Marshall in West Point die baldige Eröffnung einer zweiten Front angekündigt, was dem Präsidenten einen empörten Telephonanruf Churchills eingetragen habe, der davor gewarnt habe, falsche Hoffnungen bei den Sowjets durch derartige Reden zu erwecken. Roosevelt Hube daraufhin eine Konferenz einberufen, nach der er Donald Nelson, dem Kriegsproduktionschef, in scharfen Worten gesagt habe: „Schaffen Sie mehr Stahl heran und erzählen Sie mir nicht, daß Sie es nicht können." Dies sei im Hochsommer gewesen^als die deutschen Kolonnen durch die südrussischen Ebenen marschierten. Inzwischen hätten auch die Bedürfnisse der nordamerikanischen Armee und der Flotte die Vorräte aufgeschluckt, die an und für sieb nach der Sowjetunion hätten verfrachtet werden sollen, ebenso wie die Geleitzüge nach Murmansk heftig gelitten hätten, so daß Stalin noch erboster über das Fehlen der alliierten Hilfe gewesen sei.
Churchill sei hauptsächlich nach Moskau geflogen, um die gesträubten Federn des sowjetischen Machthabers wieder zu glätten. Am ersten Tage in Mos-
erlebnis gewesen. An keiner Stelle der Welt habe er eine stärkere Verschwisterung von Blut und Boden gefunden als in Finnland. Der heftige Kampf, den Finnland und Deutschlarck» heute ge» meinsam gegen den bolschewistischen Ansturm führen müßten, bekomme seine letzte Sinngebung durch den Triumph des Geistes. Diese Erkenntnis stelle der Deutsch-Finnischen Gesellschaft eine große Ausgabe. Dann dankte der finnische Gesandte Professor K i v i m a e k i allen, die an der Gründung der Gesellschaft Anteil haben.
Roosevelt verlangt neue diktatorische Vollmachten
Oer Streit um die zweite Front.
Amerikanische Enthüllungen über Churchills Besuch in Moskau.
dahinter steckende wahre Absicht erkennen: sich und seinen jüdischen Hintermännern und Freunden die unumschränkte Machtbefugnis über den gesamten Wirtschaftsapparat der Vereinigten Staaten zu sichern. In seinem Machthunger entgeht Roosevell gänzlich die Tatsache, daß er, der sich so oft zum berufenen Verteidiger der sogenannten Demokratie aufwarf, nunmehr zu ihrem erklärten Gegner wurde. Denn feine Botschaft besagt nichts anderes, als daß das demokratische Regime für Kriegszeiten nichts taugt. Sein unter dem Vorwand, diktatorische Maßnahmen ergreifen zu müssen, um die Kriegs- wirtschaft der USA. schlagkräftig zu machen, gegen den Kongreß geführter Schlag ist somit nicht anderes als ein Schlag ins Gesicht der Demokratie.
Oewey Gouverneur von Neuyork.
Stockholms. Nov. (DNB. Funkspruch.) Reuter meldet, daß der republikanische Kandidat D e w e y zum Gouverneur des Staates Neuyork gegen den demokratischen Kandidaten Roosevelts gewählt worden sei. Nach einer Meldung des „Daily Mirror" sind sämtliche Staatsstellen in Neuyork mit republikanischen Kandidaten besetzt worden. Der Poften des Gouverneurs von Neuyork gilt von jeher als Sprungbrett für die Präsidentschaft. So waren Roosevelt selbst und mehrere seiner Vorgänger vorher Gouverneur des Staates Neuyork. Seit zwanzig Jahren ist mit Dewey nun zum erstenmal ein Republikaner Gouverneur von Neuyork geworden.
kau fei alles gut gegangen. Stalin, der Kommunist, und Churchill, der Konservative, hätten sich glänzend vertragen. Am zweiten Tage hätten sich die Fachleute zusammengesetzt, sie seien schon nicht mehr so gut ausgekommen. Am dritten Tage jedoch, an dem Zwischen Churchill und Stalin die von den Fachleuten ausgearbeiteten Pläne zur Erörterung standen, seien Churchill und Stalin zum ersten Male aufeinandergeprallt. Sie seien schließlich im guten Einvernehmen voneinander geschieden, jedoch wie zwei sich gegenüberstehende Feinde. Stalin habe Churchill versichert, Stalingrad mit allen Mitteln zu verteidigen, während Churchill versprochen habe, den Plan einer zweiten Front weiter zu beraten.
Pearlson weist dann darauf hin, daß die meisten miütänimen Berater Roosevelts, in erster Linie Admiral King, Gegner des Gedankens einer zweiten Front seien. Wenn sie auch nicht gegen die Errichtung einer zweiten Front in anderen Teilen der Welt seien, so stemmten sie sich doch gegen die von Stalin verlangte znzeite Front in Nordfrankreich ober Nordeuropa. Aber die Besetzung französischer Gebiete in West- a f r i k a wäre keiye Front, die Stalin irgendwie befriedigen könne. Die Sowjets hätten in der letzten Zeit in Washington klargemacht, daß es bei der Alliierten-Hilfe für die Sowjetunion darauf ankomme, daß das sowjetische Volk am Leben erhalten werde, da die Sowjetunion ihre wertvollen Getreidefelder verloren habe.
Vergeblicher Ausblick nach der LtGA.-Hilfe.
Lissabon, 3. Nov. (Europapreß.) Die nordamerikanische Wochenschrift „Time" schreibt, der Ausspruch Stalins: „vcut eines iji notwendig, daß die Alliierten ihren eingegangenen Verpflichtungen voll und ganz nachkommen und vor allem auch die Lieferzeit einhalten", habe in Washington geradezu einen Tumult ausgelöst. Der nordamerikanische Botschafter in Moskau, Stanley, der, wie das Blatt schreibt, „in einer wahren^ Derzweiflungs-
ven
geschickt worden.
fiimtmmg nach Washington gereift sei , habe tnrj vor seiner Abreise das erstaunliche Emgeftandm» gemacht, er wisse nicht, welche Verpflichtungen seine Regierung Sowjetrußland, gegenüber eingegangen und bis zu welchem Grad man chnen nach- gekommen sei. ~ .
Stanley erklärte: „Es sieht so aus, als ob dem Fluß amerikanischer Munition nach Rußland Schwierigkeiten in den Wea gestellt sind, so, als wenn man einen Schraubenschlüssel in die Maschinerie geworfen hat. Ich sage Ihnen offen, ich weiß nicht, wie es um die Belieferung der Sowjetunion steht." — „Time" fügt hinzu, es lägen viele Anzeichen dafür vor, daß die Sorgen und die Verzweiflung des Botschafters begründet waren, daß die amerikanische Hilfe an die Sowjetunion sehr elend gehandhabt werde. Zu einer Zeit, wo .Stalingrad schwer bedroht fei, seien die Verschiffungen nach Rußland kleiner gewesen, als im Frühling 1942. Die Versorgung der Sowjetunion mit Gummr z. B. sei äußerst kritisch. Die versprochene nordamerikanische Hilfe ließe auf sich warten. Rußland habe einen Hilferuf nach Lokomotiven ausgestoßen. Es sei aber nur ein sehr geringer Teil der ßotonwti-
Neutralität der presse.
Reichspressechef Dr. Dietrich
im Verein der ausländischen Presse.
Berlin, 3. Nov. (DNB.) Reichspressechef Dr. Dietrich sprach auf der Jahresoeranstallung des Vereins der ausländischen Presse zu Berlin über den Begriff der Neutralität der Presse. In einer Zeit, in der die geistige Kriegführung eine so ungeheure Rolle spiele, sei der Neutralität eines Landes nicht dadurch Genüge getan, daß es durch ferne Diplomaten platonische Neutralitäts-Versicherungen abgebe, während gleichzeitig ein großer Teil feiner Presse Partei ergreife und die Geschäfte des Feindes besorge. Mindestforderung einer neutralen Haltung der ausländischen Presse sei absolute Objektivität in der nachrichtlichen U Verrichtung der Öffentlichkeit. Sie setze freilich ebenso wie in Kommentar und Leitartikel den guten Willen zur Objektivität voraus. Dieser sei zwar meist bei den Korrespondenten der neutralen Presse in Berlin, leider aber nicht bei ihren Redaktionen im Ausland vorhanden. Es gebe heute auf diesem Kontinent ein europäisches Gewissen, dem alle europäischen Journalisten verpflichtet seien. Für die Verteidigung der abendländischen Kultur hätten fast alle kulturschöpferischen Nationen Europas gegen den Bolschewismus das Schwert gezogen. Wenige seien zurückgeblieben und hätten sich auf den starken Arm anderer verlassen. In t)tefem Kampf müßten die Kämpfer von den anderen, wenn sie sich schon nicht zur Solidarität bekennen, zum mindesten eine geistige Neutralität verlangen. Er sei überzeugt, so schloß Dr. Dietrich, daß über die Berechtigung dieser For» deruna in diesem Kreise auch bei den neutralen Korrespondenten kein Zweifel herrsche. Aber es sei unerläßlich, daß sie endlich auch ihre Anerkennung in den Redaktionen ihrer Länder finden müsse, wenn diese weiterhin den Anspruch erheben, in diesem Kriege neutral zu sein.
Der Präsident des Vereins der ausländischen Presse zu Berlin, Professor Senatra, hob hervor, daß die journalistische Tätigkeit in Berlin von keinerlei Zensurmaßnahmen beschwert werde, sondern trotz des Krieges für alle in Berlin tätigen Auslandsjournalisten eine freizügige Entfaltung ihrer Arbeit möglich fei. Professor Senatra gab feiner Ueberzeugung Ausdruck, daß auch die in Berlin tätigen Auslandsjournalisten ihren Beitrag zu den heutigen geschichtlichen Aufgaben leisten werden.
Kleine politische Nachrichten.
Reuter meldet aus Jerusalem, daß in Palästina und Syrien USA. - Truppen angekommen sind.
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Der Führer hat für den verstorbenen bayerischen Ministerpräsidenten, SA.-Obergruppenführer und Präsidenten der Deutschen Akademie Ludwig Siebert, ein Staatsbegräbnis angeordnet.
*
Am Grabe des auf eigenen Wunsch in aller Stills beigesetzten preußischen Staatsrats Freiherrn von Freytagh-Loringhoven legte Gauleiter Hanke den Kranz des Führers nieder. Wetters Kränze ließen niederlegen der Reichsmarschall, der Leiter der Parteikanzlei, Reichsleiter Bormann, Reichsführer ff Himmler, die nationalsozialistische Reichstagsfraktion und der Reichstag.
Ein Mann rechnet ah
Roman von Horst Biemath
41. Fortsetzung (Nachdruck verboten.)
„Und was ist einleuchtender", fuhr Forester fast begeistert fort und stand auf, „als daß Ciquita Perano in dem Augenblick, als sie von Gonzales hörte, daß Brackmann aufgetaucht sei, den Entschluß faßte, sich des längst unbequemen und heimlich gehaßten Verbündeten zu entledigen? Denn sie wurde damit nicht nur Gonzales los, sondern auch den viel unbequemeren Zeugen ihrer verbrecherischen Vergangenheit, Malte Brackmann!
Das mit der weggeräumten Patronenhülse war gut.überlegt. Der einzige Berechnungsfehler war die Durchschlagskraft ihrer 6,35er Pistole. Wenn die Kugel nicht gefunden worden märe, hätte fein Gott mehr Brackmann retetn können!"
Santacilla trippelte vor dem Napoleonbild hin und her. Es war nichts von der Gelassenheit seines großen Vorbildes an ihm.
.Läßt es sich genau feststellen, wann Gonzales erschossen wurde?^ fragte Forester.
„Ziemlich genau: fein Tod kann höchstens eine Stunde vor dem Eintreffen des Gerichtsarztes erfolgt fein, also etwa gegen elf Uhr."
„Und wann erschien Ciquita Perano bei Ihnen, um Ihren Schutz in Anspruch zu nehmen?"
.Zwanzig Minuten nach elf; ich wollte das Büro gerahe verlassen."
,4tam sie zu Fuß oder im Wagen?"
„Im Wagen."
„Dann hat sie in zwanzig Minuten reichlich Zeit gehabt, von der Calle Stella ins ,El Faro< zurück- zukehren und von dort zur Präfektur zu fahren."
Santacilla antwortete nicht. Er ließ sich in feinen Sessel fallen, zog sein Taschentuch vor und trocknete sich Hals und Stirn — dabei war es in seinem Büro durchaus nicht heiß.
„Alles Vermutungen —", behauptete er erschöpft.
„Was wollen Sie noch mehr?" fragte Forester
ärgerlich. „Genügen sie nicht, um den Dingen wenig- ftens gründlich nachzugehen?"
Santacilla wiegte zweifelnd den Kopf: „Wenn ich wenigstens einen Mann in der Präfektur hätte, der etwas mehr als eben ein Schutzmann wäre! Tadellose Kerle, die Ihnen ein As auf zwanzig Schritt aus der Karte schießen, aber für feinere Arbeiten völlig unbrauchbar."
„Engagieren Sie doch mich!" schlug Forester vor. „Ich merke gerade, daß ich gar nicht so untalentiert bin —"
Santacilla sah ihn mit einem düsteren Blick an.
„Wissen Sie denn, worauf es jetzt ankommt, Doktor?" fragte er wie ein Examinator.
„Natürlich , antwortete Forester etwas großspurig, „wir müssen die 6,35-Pistole ausfindig machen, aus der der Schuß auf Gonzales abgegeben wurde."
„Nicht schlecht, Doktor ...", murmelte Santacilla anerkennend und versank in neuerliches Brüten.
„Unsere Mutmaßungen, Ciquita Perano könne Gonzales Mörderin sein, bauen sich auf der verschwundenen Patronenhülse auf. Ich gebe zu, daß alle Schlüsse, die wir gezogen haben, fehlerfrei und folgerichtig zu sein scheinen. Für einen Haftbefehl gegen Ciquita Perano genügen sie nicht, denn wir sind von Voraussetzungen ausgegangen, die völlig unbewiesen sind!
Entweder gelingt es uns nun, Ciquita Perano AU überführen, daß sie und Gonzales Komplicen des Anschlags auf Buena Esperanza waren — sehr schwierig, Doktor —, oder es gelingt uns. ihr den Besitz der Mordwaffe nachzuweisen. Vielleicht befindet sich die Waffe noch in ihren Händen. Wir müssen schnell handeln und äußerst vorsichtig fein.
Wenn die Perano merkt, daß auch nur der Schatten eines Verdachtes auf ihr ruht, können wir jede Hoffnung aufgeben, die Waffe jemals zu finden. — Ich sehe vorläufig keinen Weg, der zum Ziel führt. — Ueberlege« Sie sich, wie wir der Perano beikommen können, und wenn Sie einen gescheiten Einfall haben, dann läuten Sie mich an. 2ch bin für Sie jederzeit zu sprechen. — Wo aber finde ich Sie?"
1 „3m »Pullman* *, Don Santacilla."
Tischgespräche geführt, als ob Sie mit der Gattin bes amerikanischen Konsuls an einem Diner teil» nehmen ..."
„Ich verstehe nicht, was Sie meinen", stammelt» er verlegen, „nein, ich verstehe Sie wttklich nicht.., Mir geht diese Geschichte mit der Perano im Kopf herum ... verzeihen Sie, wenn ich unaufmerksam war."
„Sie waren nicht unaufmerksam, Frank ... Sie waren eher zu höflich. Mir fällt wirklich kein besserer Vergleich als der mit dem Galadiner ein."
Er schüttelte den Kops. Sie verhiellen vor der Fahrstuhltür auf dem Treppenabsatz des ersten Stocks, wo Foresters Zimmer lag. Karen reichte rhm die Hand.
„Und ich bin Ihnen dankbar, Frank. Die Entscheidung ist ja noch nicht gefallen, und vielleicht erleben wir noch böse Enttäuschungen, aber mir ist doch schon viel, viel leichter ums Herz. Ick) habe das Gefühl, daß alles gut wird und daß Maltes ^Befreiung nur noch eine Frage von Tagen oder Stunden ist. Aber wo ich stünde, wenn Sie nicht gewesen wären, daran wage ich gar nicht zu denken ..."
„Verrufen Sie um Himmels willen nichts!" fiel er ein und vermied es geflissentlich, sie anzusehen. „Die Hauptschwierigkeiten liegen noch vor uns. Und im übrigen überschätzen Sie meinen Anteil an den bisherigen Erfolgen. Wenn es uns gelingen sollte, Brackmann wirklich zu befreien, dann hat er es nur Ihnen zu verdanken."
Er senkte den Kopf und bewegte die Lippen; es sah aus, als nähme er einen gewaltigen inneren Anlauf, ehe es ihm gelang weiterzufprechen.
„Sehen Sie, Karen, meine Erfahrungen mit Frauen stammen sozusagen aus dritter HaiÄ, von meinem Freund Hawkins nämlich, der sich rühmt, ein Frauenkenner zu fein. Er ist ein Pessimist, mein Freund - Hawkins, und leider begründet er feine düstere Weltanschauung eben mit feiner genauen Kenntnis der Frauen. — Mangels eigener Erfahrungen war ich bis dahin geneigt, ihm im allgemeinen recht zu geben. Das hat sich nun geändert, ich bin bekehrt ..."
(Fortsetzung folgt)
Santacilla erhob sich, um Karen und Forester zu verabschieden.
„Und Brackmann?" fragte Karen.
. „Wir wollen diese Frage zurückstellen, bis wir die andere gelöst haben, Senorita", antwortete Santacilla diplomatisch. ,Lm übrigen ersuche ich sie beide, in Brackmanns Interesse über alles, was wir miteinander gesprochen haben, strengstes Stillschweigen zu bewahren. — Und Sie, Doktor, warne ich dringend, etwa auf eigene Faust Detektiv .zu spielen."
„Sie dürfen unbesorgt sein, Don Santacilla!" antwortete Forester feierlich.
*
ForestSr versuchte, Karen dazu zu überreden, nach Vuena Esperanza zurückzukehren. Er entwickelte eine geradezu feurige Beredsamkeit, um sie zu bestimmen, Verakruz zu verlassen und die Lösung der -Dinge daheim abzuwarten.
„(fs kann lange dauern, Karen: mir fällt absolut nicht ein, wie dem Frauenzimmer beizukommen wäre, und ich fürchte, daß Santacilla keine gescheiteren Einfälle haben wird als ich."
,Lch bleibe hier, Frank", sagte sie hartnäckig, „ich lasse mich nicht wegschicken. Malte hat Sie darum gebeten ich horte es; aber ich würde zu Hause vor Ungeduld und Angst vergehen. Ich kann Ihnen lecher nicht viel helfen ... aber ich störe Sie doch wiederum auch nicht so, daß Sie mich unbedingt loswerden wollen ...?" b
tommeP Sie darauf?" fragte er entrüstet; es ®“r 6™ s- I-h-r Ion in seiner Heftigkeit. Die^ Mütagshitze lastete schwer über der Stadt.
i’rarnnt,e L den schattenlosen Straßen, ■ne Glut ihrer senkrecht mederbrennenden Strahlen bannte alles Lebendige. Es verbarg sich hinter dicken Steinmauern und verhängten Fenstern, als enthalte das Licht eine tödliche, giftige Kraft.
Karen und Forester verließen den Speifesaal, um l^re Ammer zurückzuziehen.
r %-ft £as mit Almen, Frank?" sagte Karen, als sie die Treppen emporstiegen, „Sie sind plötz- U verändert zu mir, so anders als sonst «u t!^ rl™r ausdrücken? — Erst wollten ^ie mich heimschlcken, und dann haben Sie mit mir


