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Mittwoch, 4. November 1942

Gietzener Anzeiger

vrühlfche UntverMktznlckerei 8. Lange General-Anzeiger für Oberhessen 7-9

192. Jahrgang Nr. 260

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Das sind wahrlich schwarze Tage für die Alliierten, die von einem Monat zum andern auf ein Nach­assen der U-Boot-Tätigkeit der Achsenmächte hoffen. Ver schwere Atlantiksturm, der im Oktober über dem Meere brauste, sollte ihre Hoffnung erfüllen. Statt dessen ist, wie soeben aus der Oktoberzusam- menstellung des deutschen Oberkommandos der Wehrmacht über die Tätigkeit der deutschen U-Boote hervorgeht, die versenkte Tonnage der Alliierten im »lahmen des Monatsdurchschnitts geblieben und hat damit die Vorjahrsziffern wesentlich übertroffen. 3n drei Tagen meldete der deutsche Wehrmacht- dericht drei neue U-Boot-Erfolge. Und heute liegt die vierte Sondermeldung über wie­derum rund 100 000 BRT. vor. Waren es gestern Erfolge im Südatlantik und in den Randgewässern des Indischen Ozeans, so haben diesmal deutsche U-Boote in den kanadischen Gewässsern einen für England bestimmten amerikanischen Ge° !eitzug erwischt und ihn erheblich zerzaust. Trotz des übelsten Herbstwetters fielen nicht weniger als L6 Schiffe mit 94 000 BRT. unseren Meer- mölfen zum Opfer, zwei Munitionsdampfer flogen »ei dem Kampf sofort in die Luft, zwei weitere und »U5 den begleitenden Kriegsschiffen ein Zerstörer inb eine Korvette wurden schwer beschädigt. Nur wenige Dampfer konnten entkommen, bis sie vielleicht anderen deutschen U-Booten in die Fänge geraten. _ ...

Was wir bereits vor wenigen Tagen andeuteten, wird heute durch neue Tatsachen weiterhin be­tätigt. Die Zahl der deutschen U-Boote hat sich o gesteigert, daß sie mit sichtbarem Erfolg Zwischen der kanadischen Küste und dem Indischen Ozean ihre Jagd auf die feindliche Handelstonnage ausüben

und Transportschiffe verschiedener Große, darunter eine hohe Zahl von Tankern, außerdem einen Bewacher. Ferner wurden 32 Frachtschiffe aller Art und vier Kriegsschiffeinhelten durch An­griffe aus der Luft beschädigt.

3m Kanal wurde in der Rächt vom 1. zum 2. November ein Angriff englischer Schnellboote auf ein deutsches Geleit durch das zusammengefahte Ab­wehrfeuer der eigenen Sicherungsftreitkräfte ver­eitelt und ein feindliches Schnellboot in Brand ge­schossen.

3n der vergangenen Nacht kam dasselbe Geleit erneut in Gefechtsberührung mit englischen Schnell­booten, wobei ein feindliches Boot so schwer beschä­digt wurde, daß mit seinem Verlust zu rechnen ist.

Die Schlacht in Aegypten geht mit gesteigerter Heftigkeit weiter. Der Einbruch starker Panzerver­bände des Feindes im Nordabschnitt der Front wurde durch rücksichtslosen Einsatz im Gegenangriff erneut aufgefangen. Deutsche und italienische Cuff- slreitkräfte führten an den Brennpunkten der Schlacht unermüdliche Angriffe gegen motorisierte britische Kräfte, Artilleriestellungen und rückwärtige Verbin­dungen. Deutsche und italienische Jagdflieger schossen bei einem deutschen Verlust fünfzehn Flugzeuge des Feindes ab. Außerdem wurden über dem INittelmeer fünf britische Flugzeuge zum Absturz gebracht, da­von eins durch ein deutsches Unterseeboot.

An der K a n a l k ü st e verlor der Feind gestern vier Flugzeuge.

Wie durch Sondermeldung bekanntgegeben, ge­wann eine Gruppe deutscherllnterseeboote ostwärts der kanadischen Küste trotz schlechten unsichtigen Wetters Fühlung mit einem von Amerika nach England fahrenden, mit Kriegs- material und Lebensmitteln vollbeladenen Geleitzug. 3n zähen Angriffen, die sich über mehrere Tage und Rächte hinzogen, wurden aus dem stark gesicherten feindlichen Transporlverband 1 6 Schiffe mit zu­sammen 94 000 BRT. versenkt, darunter drei Wunitionsschiffe, die nach den ersten Treffern In die Luft flogen. Zwei weitere Dampfer mit zusammen 11 000 BRT. sowie ein Zerstörer und eine Korvette wurden torpediert. Rur versprengte Reste des Ge­leitzuges konnten im dichten Rebel entkommen.

Schwere Schläge gegen die sowjetische Handels- und Kriegsflotte.

Der deutsche Wehrmachtbericht vom 3. November meldet die Zurückweisung feindlicher Kavallerie- mgriffe in der Kalmückensteppe durch einen eigenen Gegenangriff. Die Kalmückensteppe dehnt sich zwischen her unteren Wolga, dem Kuma und den Iergeni-Ber- gen aus Es handelt sich um ein ebenes, niederschlag- armes Steppengebiet, das besonders im östlichen | £eil fast ausschließlich sandigen, salzigen Boden dufroeift. Die heißen, mit wenig Bodenerhebungen Gedeckten Trockensteppen sind weithin mit Wäldern und halbverbranntem Steppengras bedeckt. Land­wirtschaft ist in diesen Gebieten nur mit. künst­licher Bewässerung möglich, und es wird daher nur ssanz wenig Senf, Weizen und Hirse für den Eigen­bedarf angebaut.

Die autonome Kalmückenrepublik, die 75 000 Quadratkilometer umfaßt also fast die Größe Bayerns einnimmt ist mit einer Bevölkerung

Seekrieg

in Atlantik und Pazifik.

Der Operationsraum des Seekrieges ist das Welt­meer. Brennpunkte der Seekriegsoperationen find der Atlantische Ozean mit seinen Nebenmeeren und der Pazifische Ozean. Der Stampf im Pazifik wird gekennzeichnet durch die traditionelle See­schlacht, durch das Sichmessen der feindlichen Kampfgeschwader und Seestreitkräfte, natürlich unter Anwendung der modernsten Kampfmittel und der neuesten taktischen Erkenntnisse. Solche Seeschlachten haben stattgefunden bei Pearl Harbour, in der Java- See, vor den Midways, im Korallenmeer, bei den Salomoninseln. Bei diesen Seeschlachten ging es darum, das Meer für den eignen Einsatz frei zu. machen und dabei neue Räume dem eigenen poli­tischen Einfluß und Wirtschaftsverkehr zu offnen und den Feind aus diesen Räumen zu vertreiben. Die riesigen Entfernungen über das Meer, in denen sich die Gegner, Japan und die plutokratischen Mächte, gegenüberstehen, verschieben die militärischen Auseinandersetzungen zur See von den Festlands- küsten auf die Weite des Ozeans. Auf ihr können sich die Gegner nur über vorgeschobene Stützpunkte einander nähern.

Deshalb war es die erste militärisch-taktische Maßnahme Japans nach Ausbruch des Krieges, diese Stützpunkte für den Feind auszuschalten bzw. durch Vernichtung seiner Kampfgeschwader gegen­standslos zu machen. Das gelang schon durch Die Schlacht von Pearl Harbour. Mit diesem Siege ist die Initiative im Pazifikraum sofort in vollem Um­fange auf die Japaner übergegangen. Die ameri­kanischen Gegenmaßnahmen konnten seitdem nur noch in Versuchen zur Störung der mliitärischen Operationen Japans mit allen verfügbaren See­streitkräften bestehen, wogegen die Japaner wieder­um die notwendigen Sicherungen treffen mußten. So sind auf dem pazifischen Seekriegsschauplatz alle Vorbedingungen und alle Elemente einer traditio­nellen Seekriegführung gegeben Als neues Kampf­mittel von höchster Bedeutung erschien dabei der Flugzeugträger, der schwimmende Stütz­punkt ,der Luftwaffe, der den Einsatz des Flug- zeuges in der Seekriegführung auch auf der Weite des Ozeans möglich macht. Nach Erschließung neuer Versorgungsquellen durch Ausdehnung des be­herrschten Raumes und der Sicherung der Ver­kehrsverbindungen zu den Gebieten ist Japan autark geworden. Es stehen sich daher im Pazifik autarke Gegner gegenüber. Angesichts dieser Tat­sache spielt der V er s o r g u n g s v e r k e h r hier

3n der Kalmückensteppe

Von unserer Berliner Schriftleitung.

können. Herr Roosevelt wird zwar die Erfolge der deutschen U-Boote der Oeffentlichkeit zu verheim­lichen suchen. Aber in Amerika selbst weiß man längst, daß der Präsident die Katastrophenziffern nur deshalb nicht bekannt gibt, weil er unbequeme Auswirkungen auf die Parlamentswahlen fürchtet. Das Blatt Churchills, derDaily Telegraph", hat gesagt, Roosevelts Kriegsanstrengungen seien durch Wirrwarr und durch übertriebene Schätzungen der amerikanischen Produktionskraft gekennzeichnet, seine Phantasieziffern würden bei weitem nicht er­reicht, die amerikanische Oeffentlichkeit hat mit Er­staunen zur Kenntnis genommen, daß sogar Roose­velt sagte, die Massenerzerugung müsse zugunsten einer Qualitätserzeugung von Kriegsmaterial ge­drosselt werden, womit er offen zugab, daß sein phantastisches Produktionsprogramm auf dem Pa­pier stand. Churchill hatte sich zu den Bergarbeitern geflüchtet und sie aufgefordert, die Produktion von Steinkohle zu steigern, er hat, wie die britischen Blätter durchsickem lassen, auf den furchtbaren Ernst der Kriegslage hingewiesen. Die riesigen Schiffs­verluste der letzten Zeit bilden einen passenden Rah­men für diese verzweifelte Werbung. Das Mittel­meer ist für größere feindliche Aktionen gesperrt, der Atlantische Ozean sieht in allen Teilen die U- Boote Deutschlands und seiner Verbündeten sieg­reich, der Indische Ozean, der Weg nach Aegypten, nach Iran und Indien ist auch bedroht, die Mit­teilung aus Bombay, daß in ihm der britische TruppentransporterCity of Paris" mit Truppen der 7. britisch-indischen Armee versenkt wurde, zeigt das deutlich. Schwarze Herbsttage sind das für die Churchill und Roosevelt.

Oer Wehrmachiberichi.

DRV. Aus dem Führerhauplquarkier, 3. Rov. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:

3m Deftkaukasus führten Angriffe und Ge­genangriffe zu erbitterten Kämpfen, in denen unsere Truppen ihre Stellungen behaupteten und im Ge­genstoß Gelände gewannen. Slowakische Truppen svernichleten eingeschlossene Kräfte des Feindes.

Ostwärts Alagir durchstießen deutsche Truppen in fortschreitendem Angriff stark ausgebaute und verminte Stellungen des Feindes. Luftangriffe mit Bomben und Bordwaffen brachten dem Feinde hohe Verluste bei. Lin Panzerzug wurde vernichtet. 3n der Kalmücken steppe warf ein eigener Gegen­angriff feindliche Kavallerie unter erheblichen Ver­lusten zurück.

3n Stalingrad geht der schwere Angriffs­kampf um Häuserblocks und Straßen weiter. Sturz­kampfflugzeuge setzten ihre Angriffs gegen die hart umkämpsten Widerstandsnester im nördlichen Stadt­gebiet fort Trotz zäher Abwehr verlor der Feind weiteren Boden. Seine immer wiederholten Gegen­angriffe scheiterten.

Kampffliegerverbände unterbrachen nachhaltig die Bahnverbindungen ostwärts der Wolga und den Fährbetrieb über den Strom.

An der D o n f r o n t führte der Feind Aeberseh- versuche, die jedesmal von Rumänen, 3talienern und Ungarn blutig abgewiesen wurden. 3talienische 3äger bekämpften im Tiefflug Feldstellungen der Sowjets. Ungarische Truppen vernichteten bei einem größeren Stoßtruppunternehmen zahlreiche Bunker und Kampfstände auf dem Ostufer des Flusses und brach­ten Gefangene ein.

Südostwärts des 3lmenfees dauern hart­näckige örtliche Kämpfe in völlig verfumpflem (Be­laube an.

3m Kampf gegen diesowjetischehandels- unb Kriegsflotte vernichtete bie Luft­waffe im THonaf Oktober an der Schwarzmeerküste, auf bem Kaspischen Meer, bem Unterlauf der Wolga und auf dem Ladogasee insgesamt 33 Fracht-

Deutsche U-Boote siegen von Kanada -iS Kapstadt

Von unserer Berliner Schriftleitung.

Lissabon, Oktober 1942.

Das Schicksal künftiger britisch-amerikanischer Ak­tionen an der indisch-burmanischen Grenze wird nach Ansicht tropenmedizinischer Fachleute zum guten Teil davon abhängen, ob es gelingt, die unter den Truppen unvermeidlich aus- brechende Malaria in Grenzen zu halten. Denn der Angriff würde aus einem Land heraus geführt werden, das schon gegenwärtig von einer schweren Malariaepidemie heimge­sucht wird, und er würde sich gegen ein Gebiet richten, das dieser Krankheit die günstigsten klimatischen Voraussetzungen bietet.

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Die schlimmste Malariaepidemie seit 1933 wütet in diesen Monaten in Indien und wird obendrein begleitet von einer katastrophalen Knappheit an Chinin, da die Japaner mst der Eroberung Javas 95 v. H. der Weltproduktion dieses in den Tropen unentbehrlichen Heilstoffes in ihren Besitz gebracht haben. Die Malariawelle ist am schlimm­sten im Pundschab und in den Vereinigten Provin­zen Indiens; zum Teil ist sie eine Folge des un­gewöhnlich heftigen Monsuns und det mit ihm einhergehenden Riesenüberschwemmungen, die groß­zügige Vorbeugungsmaßnahmen gegen die Malaria verhindern, so daß die Moskitos sich millionen­weise vermehren können.

In normalen Jahren zählt man in Indien jähr­lich 100 Millionen Malariafälle, von denen eine Million tödlich verlaufen. In diesem besonders ver­seuchten Jahr aber befürchten die Aerzte, daß an­gesichts der Chininknappheit und der infolgedessen ungeheuer gestiegenen Chininpreise über l1/« Mil­lionen Menschen in Indien durch die Malaria hin­weggerafft werden. Auch in anderen Teilen der Welt, z. B. dem Mittelosten, Afrika und Süd­amerika, die selber kein Chinin hervorbringen, dürfte die Todeskurve höher sein, als in anderen Jahren. Aus Delhi berichtet ein Augenzeuge, daß dort tagaus tagein lange Prozessionen von an Ma­laria Verstorbenen in Sacktuch eingenäht zu hohen Scheiterhaufen gebracht und auf diesen verbrannt werden. Die Ausbreitung der Epidemie wird noch dadurch gefordert, daß indische Dorfbewohner, die selber verseucht sind, aber nicht zugrunde gehen, weil ihre Sippen die Keime seit Generationen in sich tragen und dadurch immun sind, heute in die Städte kommen, angelockt durch die Kriegsindustrie und die guten Lohn verheißenden Militärbauten usw. Diese Leute schleppen die virulenten Malariakeime mit sich in die Städte ein.

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Indien verbraucht jährlich 210 000 englische Ge­wichtspfund Chinin, von denen aber nur 80 000 im Lande erzeugt werden. Um die Lücke auszufüllen, bat die Regierung aus eigenen Vorräten 195 000 Pfund freigegeben, dieses. Chinin soll durch be­stimmte Apotheken im ganzen Land an dringend Bedürftige abgegeben werden. Da die Verteiler aber bas Chinin aus Profitgier zurückhalten und es unter der Hand zu Wucherpreisen abgeben, ist diese Aktion bisher ein Fehlschlag gewesen. Der Preis

von 220 000 Einwohnern sehr dünn besiedelt. Gebietszentrum und gleichzeitig einzige Stadt des Gebietes ist Elista, das bereits am 13. August von deutschen Truppen besetzt wurde. Die Be­völkerung setzt sich neben einigen Tataren und Russen zum größten Teil aus Kalmücken zusam­men, die im 17. Jahrhundert aus Zentralasien hier­her wanderten. Sie gehören rassenmäßig zum Stamm ber Mongolen und leben teilweise noch als nomadisierende Viehzüchter. Ihre Hauptbeschäfti- gung ist bie Zucht von Pferden, Hornvieh, Schafen, Ziegen und Schweinen, mit denen sie von Weide­platz zu Weideplatz ziehen und die Nachte in Filz­zelten verbringen.

Im Gegensatz zu den Kalmücken, bie wie ge­sagt Mongolen sind und sich zum Lamaismus, ber tibetanischen Spielart bes Buddhismus beken­nen, sind die Kirgisen ein turko-tatarisches

für 100 Tabletten stieg in kürzester Zeit von 5% auf 32% Schilling. Die Behörden glauben, baß ber Handel in ber Hoffnung auf weitere Preiserhöhun­gen noch große Vorräte zurückhält, obwohl schon jetzt Hunderttausende infolge Chininmangels hilflos Mnfterben. Auch das ist em Beispiel dermuster­haften britischen Verwaltung" in Indien! Die Kor­ruption ist selbst unter den Behörden so weit ver­breitet, daß nicht einmal Hospitäler und andere Dienststellen das Chinin erhalten, das ihnen zusteht. Und wenn ein Patient Schmiergelder zahlt, um überhaupt etwas Chinin zu bekommen, gibt man es ihm nur in verschlechterter Form, weil der Apothekenverwalter einiae Gramm für sich behalten hat, um damit Privatgeschäfte zu machen.

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Nun liefern England und Amerika gegenwärtig nach Indien jährlich rund 28 Millionen Tabletten Mepacrin und 15 Millionen Tabletten Pamiquin, zwei Ersatzstoffe für die in Deutschland hergestellten Malariamittel Atebrin und Plasnochin, bie zur Zeit nicht nach Indien unb anderen vom Feind be­herrschten Gebieten gehen. Diese Ersatzmittel können aber niemals an die Stelle des Chinin treten, da sie nur unter ärztlicher Aufsicht genommen werden dürfen, was in einem Lande mit 100 Millionen Malariafällen pro Jahr unmöglich ist. Eigene An­bauversuche mit dem Chinarindenbaum in den Provinzen Madras und Bengalen, wobei man nach sowjetrussischer Methode die Pflanzungen schon nach 3% statt, wie sonst üblich, 7 bis 12 Jahren ab­erntete, haben bisher nur sehr geringen Umfang erreicht, der zu dem Chininbedarf Indiens in gar keinem Verhältnis steht.

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Die britischen und amerikanischen Truppen in Indien sollen nun allerdings, wie die Behörden zur Beruhiguna der Heimat versichern, ausreichend mit Chinin versorgt sein; man hat sie also offenbar auf Kosten der indischen Zivilbevölkerung mit grö­ßeren Chininmengen beliefert. Ob bie vorhandenen Chininmengen aber dazu ausreichen, größere Trup­penmassen für einen länger dauernden Feldzug an ber inbisch-burmanischen Grenze auszurüsten, muß sich erst noch zeigen. Denn dabei würde der Chinin- verbrauch ungeheuer sein, da die Kämpfe in Sümp­fen und Malaria-Dschungel stattfinden würden.

Krieg uni) Malaria in Lndien

Von unserem Dr. H.-Korrespondenten.

Zyklon über Bengalen.

Bangkok, 3. Nov. (Europapreh.) Ein Zyklon in der Provinz Bengalen soll 11 000 Menschen das Leuten gekostet haben. Es war die schwerste Natur­katastrophe in Indien seit bem Erdbeben des Jahres 1935, bei bem 40 000 Menschen getötet wurden. Das Unwetter begann am frühen Morgen des 16. Oktober unb dauerte bis in die ersten Stunden des folgenden Tages. Eine riesige Sturzwelle, die ber Zyklon aufgewirbelt hatte, brach über bas Küstengebiet ber Bucht von Bengalen herein. Hef« tige Regengüsse begleiteten dos Unwetter. Die leicht- gebauten Häuser wurden fast sämtlich vernichtet. Dreiviertel des Viehbestandes ber betroffenen Ge­biete vernichtete ber Zyklon.

Volk, bas sogar einen reinen türkischen Dialekt prichl. Die Kirgisen bekennen sich zum Islam unb haben von den Arabern eine ausgesprochene Feu- balverfassung übernommen. Sie selbst nennen sich gern Kasaken. Man unterscheidet im staatlichen Auf­bau bes Rätestaates die eigentliche Kirgisen- republik mit etwa einer Million Einwohnern und der Hauptstadt F r u n s e und dann die auch industriell wichtige Kasaken-RepublikK a s a k - ft a n" östlich des Kaspisees, die ebenfalls zu mehr als zur Hälfte von Kirgisen bewohnet ist, aber über sieben Millionen Einwohner hat und reiche Erdschätze besonders Erdöl in ber Emba-Niede- rung unb verkokbare Steinkohle bei Kandagatsch birgt. Die Baschkiren endlich wohnen nördlicher bis zum Ural, sind ein türkisches Volk mit oftstnni- schem Einschlag, bekennen sich zum Islam, haben aber Reste bes altmongolischen Heidentums (Scha­manenglaube). Ihr Name bedeutet so viel wieBie­nenzüchter", weil das Sammeln des Honigs der Wildbienen früher eine ihrer Beschäftigungen war. Sie zählen etwa zwei Millionen und bilden die Baschkirenrepublik mit ber Hauptstadt Ufa.

Das Kalmückengebiet hat Kontinentalklima. Die Hitze erreicht im Sommer eine Temperatur von 40 Grad, tm Winter werden Frosttemperaturen bis zu minus 20 Grad gemessen. Der aus Turkestan kommende scharfe Südostwind ist besonders unange­nehm, da er im Sommer trockene Wolken kleinster Staub- und Sandkörner, im Winter Schnee und haarscharfe Eiskristalle mit sich führt. Das aus Brunnen gewonnene Wasser ist häufig ungenieß­bar, da es aus salzgetränkten Erdschichten kommt, auch wenn die Brunnen in größere Tiefen reichen. Um den Wasservorrat zu strecken, wird das Wasser der Schneeschmelze und der Regenzeit in Stau­weihern gesammelt.

Verkehrsmäßig ist das Gebiet nur wenig er­schlossen. Eine einzige feste Autostraße führt von Diwnoje ostwärts über Elista und Utta nach Astrachan. Der übrige Verkehr spielt sich auf Poststraßen unb Wegen ab, deren Benutzbarkeit bet Regen unb im Winter in Frage gestellt ist. Eine Eisenbahnstrecke führt von Kisljar nordwärts nach Astrachan, sie unterliegt bereits feit langer Zeit ständigen Angriffen der deutschen Luftwaffe. Unter­bringungsmöglichkeiten für die Truppe find bei den wenigen vorhandenen Ansiedlungen nur schwer zu beschaffen, Brennmaterial ist bei dem Fehlen von Geholzen kaum vorhanden, es wird von der ein­geborenen Bevölkerung durch getrockneten Mist der Weidetiere ersetzt. Seit August, als die Vegetation zu verdorren begann, ist auch bie Versorgung' mit Pferdefutter schwierig, weil bie Kalmücken keine Heuvorräte aufspeichern.