mit -er Herausgabe der großen Stuttgarter Hölderlin-Ausgabe betraut worden. Er ist auch Mitarbeiter der Wieland-Ausgabe und Geschäftsführer der Schil- ler-National-Ausgabe. — Der Dozent Dr.med. habil. Kurl Oberdiffe in Würzburg ist zum außerplanmäßigen Professor für innere Medizin an der Universität Würzburg ernannt worden. Oberdisse wurde 1903 geboren und wirkt seit 1936 an der Universität Würzburg.
Karl Roellger gestorben.
In Düsseldorf ist der Dichter Karl Roettger einem Herzschlag erlegen. Als Sohn eines Schuhmacher- meisters wurde Roettger 1877 in Luebbccke in Westfalen geboren. Er war Lehrer zunächst in einem Heidehof und kam über Berlin nach Düsseldorf. Dem Gedichtband „Wenn deine Seele einfach wird" folg- ten Erzählungen. Der Dichter pflegte im „Buch der Gestirne", dem Roman „Kaspar Hauser" und „Der Heilige und sein Jünger" Zwiesprache mit den Din- Hen zwischen Gott und Kreatur. Seine Erzählkunst sand ferner ihren Ausdruck in seinem Roman „Das HerZ in der Kelter" und jüngst in seinem Buche „Wolfgang Amadeus Mozart . „Das Buch der Siebe'* und die „Mysterien" kennzeichnen sein neueres lyrisches Schaffen. Der Dramatiker rang in manchem Werk um die Sinndeutung des Theaters.
TNeisierkurfe für Klavier.
Die berühmte Pianistin Frieda Krönst. Ho- dapp hat es sich zur Aufgabe gemacht, den reichen Schaß ihrer musikalischen Lebensarbeit den Begabten und der Jugend zugänglich zu machen. Die Kurse der gefeierten Reger-Interpretin finden unter der Schirmherrschaft der Oberbürgermeister der Städte Heidelberg und Freiburg von Oktober 1942 bis Mai 1943 statt. Sie sind Meister- schülern als Studierenden und Pianisten, Klavierlehrern, Musikliebhabern, Studenten und sonstigen Interessenten als Hörern zugänglich.
Aus alter Welt.
Eine Tollekensiadt ausgegraben.
Mexikanischen Archäologen gelang es, die Hauptstadt des ehemaligen Toltekenreiches Tulsa aufzudecken. Mehrere Quadratkilometer groß, liegt die Stadt unter der heutigen Ortschaft Tula, 80 Kilometer nördlich von Mexiko-Stadt. Bisher wurde eine Opferpyramide, ein Tempel, ein Ballhaus und cme Reihe großer Paläste festgestellt. Auch zahlreiche gewaltige steinerne Götterbilder wurden gesunden. Die Ausgrabungen haben für die Geschichte des ibero-amerikanischen Kulturkreises größte Bedeutung, da die Tolteken als Lehrmeister der Azteken gelten. Schon jetzt ist durch diesen Fund die These widerlegt, daß T e o t i h u a c a n die Hauptstadt der Tolteken gewesen sei.
Schicksale einer Germanicus-Vüste.
Seit der Heimkehr des steirischen Unterlandes wird dieses systematisch nach Kulturgütern durchforscht. Es handelt sich hauptsächlich um Gegenstände des Kunsthandwerks und um chronikalische Doku- ,mente dus der Besiedlungsgeschichte des Unterlandes. Eines der kostbarsten Stücke bildet die 1921 bei St. Georgen aufgefundene Bronzebüste, von der man annimmt, daß sie den Germaniens, den Adoptivsohn des Kaisers Tiberius, darstellt, der zur Niederwerfung des Aufstandes der pannonischen Legionen, wohl im Jahre 14 n. Ehr., in dieser Gegend weilte. Die Büste wurde vor Kriegsbeginn von einem früheren jugoslawischen Bezirkshauptmann n einen Zementblock ein gegossen und im Keller 'eines Hauses vergraben. Es gelang jedoch, sie aufzufinden und sicherzustellen.
Vagabundieren endcke in der Sicherungsverwahrung.
Ende vorigen Jahres verließ die 23jährige Sinne» iese Sell aus Jena ihr Elternhaus, um Aben- euer zu erleben. Nachdem sie der Mutter eines nngen Mannes, den sie durch eine Heiratsanzeige ennengelernt hatte, 225 RM. abgegaunert hatte, 'ereiste sie fast ganz Deutschland und suchte zunächst Bekannte und Verwandte heim. In Oberbayern und später in Kiel belohnte sie die Gastfreundschaften mit Diebstählen. Dann in der Folgezeit mietete se sich in Hotels in München, Augsburg, Würzburg, Frankfurt sowie in mehreren Orten Mitteldeutschlands, Württembergs und Badens ein. $n allen Fällen verschwand sie nach einiger Zeit, Ihne die Zechen zu bezahlen und verübte Diebe- eien. Die Zeit vertrieb sie sich mit Spaziergängen, Inobesuchen und der Anknüpfung von Männerbe-' anntschaften. Nachdem sie ein halbes Jahr herum- agabundiert mar, konnte sie schließlich verhaftet verden. Die Sell wurde nunmehr vom Sondergericht München als gefährliche Gewohnheitsoer- brecherin zu vier Jahren Zuchthaus verurteilt. Außerdem wurde die Sicherungsver- v a h r u n g angeordnet.
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Verdunkelungszeit
4. September von 21.05 bis 6.08 Uhr.
Aus der Stadt Gießen.
Oie Nachmittagüfliege.
Wollen Sie wissen, was eine Nachmittagsfliege ist, so brauchen Sie sich nur nach dem Mittagessen aufs Ohr zu legen; sagen mir mal aufs rechte Ohr, so rnird sich nach kurzer Zeit die Nachmittagsfliege Ihres linken Ohres bedienen. Wenn Sie sie vorher noch nicht gehört haben, so meröen Sie die Fliege bald spüren. Sie vertritt sich auf Ihrem Ohr ein wenig die Füße. Wenn sich jemand auf Ihrem linken Ohr die Füße vertritt, so kitzelt das. Wenn etwas am Ohr kitzelt, so schlägt man mit der Hand danach.
Das hat meiner Erfahrung nach die Fliege nicht ungern; es macht ihr Bewegung und fördert ihren Blutkreislauf. Vielleicht braucht sie es zu ihrer Verdauung. Die Fliege erhebt sich von ihrem sehr günstigen Startplatz, Ihrem Ohr oder Ihrer Nase, macht einige Kurven und Loopings und kommt im Sturzflug immer wieder zu ihrem Abflugplag zurück. Sie ist sehr ausdauernd in diesem Spiel.
Was von Ihrem linken Ohr gilt, gilt ebenso von Ihrer Nase, von Ihrem rechten Ohr, Ihrer Stirn, dem Kinn und den geschlossenen Augenlidern. Fliegen wissen genau, was ihnen wohltut. Ich glaube. Fliegen sind sehr für warme Füße, und die Temperatur zwischen 36 und 37 Grad Celsius, die Ihre Haut normalerweise hat, ist den Nachmittagsfliegen gerade recht. Fliegen haben es nicht gerne fußkalt, die Haut um die Nase herum ist ihnen so etwas roie uns ein weicher Perserteppich. Da sitzen sie dann und machen gymnastische Bewegungen mit den Beinchen und ertüchtigen sich. Auch das verursacht einen Kitzel.
Im großen Weltenplane haben die Nachmittagsfliegen vielleicht die Aufgabe, zu verhindern, daß die Menschen nach Tisch allzulange schlafen. So könnte einer glauben, der von aller Kreatur annimmt, sie müsse irgendwo nützlich sein. Ich glaube nicht recht daran, wie ich überhaupt der Meinung bin, daß es sehr viele Wesen gibt, die zu nichts nutze sind und denen es doch ganz vorzüglich geht.
In früheren Zeiten hat es gegen die Nachmittagsfliegen die Fliegenklappen gegeben, zum Beispiel solche mit Perlenstickerei. Fliegenklappen gehören jetzt nicht mehr zum Hausrat, obgleich die Fliegen sich erhalten haben. Ich glaube, die Klappen sind so in den siebziger Jahren abgekommen, wo sie den reichlichen Nippes unzuträglich werden konnten und der Hieb oft dem Goethe aus Bisquitporzellan oder dem Trauernden Mädchen oder dem neapolitanischen Lazzaroni gefährlicher wurde als der Nachmittagsfliege.
Verwechseln Sie bitte die Fliegen nicht mit den Schnaken. Die Schnaken kommen in der Nacht und machen dabei ein hübsches singendes Geräusch. Während der Nacht schlafen vernünftigerweise die soliden Fliegen. Auf den Nachmittagsschlaf sind sie noch nicht gekommen, und gerade während der ersten Nachmittagsstunden sind sie voller Lebenslust.
Darin liegt das Problem. Wenn die Fliegen auch den Nachmittagsschlaf pflegen würden, würden sie auf diesem Gebiet überhaupt nicht stören. Es käme also darauf an, den Fliegen ein Schlafmittel zu geben oder sie langsam auf Nachmittagsschlaf zu züchten. Auf züchterischem Gebiet ist man jetzt sehr weit, und da müßte doch Aussicht bestehen, besonders schläfrige Fliegen miteinander zu kreuzen. Aber auf dieses naheliegende Mittel ist man in Züchterkreisen noch nicht gekommen. N. F.
Aähkurse des Deutschen Frauenwerks.
Das Deutsche Frauenwerk hat zur Erhaltung der Kleidung Nähkurse eingerichtet, damit jede Frau, die Lust und Liebe zum Selbstnähen hat, Anleitung und Anregung findet. Jeder Nähkurs soll nur von 8 bis 10 Frauen besucht werden, damit die leitende Schneiderin auch wirklich den Anforderungen, die an sie gestellt werden, gerecht werden kann. Ein Kurs dauert 10 Abende oder Nachmittage. Jede Frau und jedes Mädchen, auch solche, die nicht dem Deutschen Frauenwerk angehören, können an diesen Kursen teilnehmen. In der Kaiserallee 6 nimmt die Leiterin der Kurse von Montag bis Donnerstag täglich von 9 bis 12 und von 15 bis 18 Uhr die Anmeldungen entgegen; hierbei bespricht sie mit jedey, in welcher Ortsgruppe und welcher Abend bzw. Nachmittag für sie am günstigsten ist. Der Preis beträgt 5 RM. für einen Kurs. Am 9. Sep - t e nrb e r beginnt der nächste Kurs. Am ^.September beginnt ein Wäschenähkurs und Flickunterricht, und am 15. (September ein Nähkurs, der nachmittags stattfindet für alle die, die abends nicht ausgehen wollen. Außerdem findet Ende September ein Pantoffelkurs statt. Ab nächster Woche werden am Lindenplah im Schaufenster der Beratungsstelle Arbeiten, die in der Nähstube hergestellt wurden, ausgestellt. Hier kann sich jeder überzeugen, wie unter einer richtigen Anleitung gearbeitet wird. Gfs.
Reichsinnenminister Or. Frick in Mainz.
Oberbürgermeister Ritter, Gießen, wird Oberbürgermeister in Mainz. Amtseinführung durch den Minister.
Lpd. Mainz, 3. Sept. Reichsinnenminister Dr. Frick stattete am heutigen Donnerstag der Stadt Mainz einen Besuch ab, um sich ein Bild von den britischen Terrorangriffen am 12., 13. und 25. August zu machen.
In einer internen Besprechung begrüßte Gau/eiter Reichsstatthalter Sprenger den Reichsminister, der sich ausführlich über die während und nach den Bombenangrifffen getroffenen Maßnahmen Bericht erstatten ließ. Bei einem Besuch der Verletzten der britischen Terrorangriffe im Städtischen Krankenhaus ließ der Minister diesen Opfern als sichtbares Zeichen feiner Teilnahme Geschenke überreichen. Eine Besichtigung der Schadensstellen schloß sich diesem Besuche an.
Anschließend führte Reichsinnenminister Dr. Frick nach Begrüßungsansprachen durch Gauleiter Reichsstatthalter Sprenger in Anwesenheit von Vertretern der Partei, des Staates, der Wehrmacht und der Ratsherren der Stadt Mainz den vom Gauleiter vorgeschlagenen neuen Oderbürge r ni e i st e r der Stadt Mainz, Heinrich Ritter, in sein Amt ein. Der Minister gedachte zu Beginn feiner Rede des auf dem Felde der Ehre gefallenen Oberbürgermeisters Dr. Barth und würdigte dessen Verdienste um das Gedeihen der Stadt. In dem neuen Oberbürgermeister Ritter sehe er eine Persönlichkeit, die sich seither auf kommunalpolitischem und verwaltungsmäßigem Gebiet hervorragend bewährt habe. Große Ausgaben seien in Zukunft in Mainz zu lösen, und er habe die feste Ueberzeugüng, daß diese Ausgaben von dem neuen Oberbürgermeister zufriedenstellend gelöst würden.
Der Minister dankte dann allen beteiligten Stellen für den tatkräftigen und umsichtigen Einsatz anläßlich der britischen Terrorangriffe. Seine und die Anerkennung der Reichsregierung galt ganz besonders der vorbildlichen Haltung der Mainzer Bevölkerung, die durch das großartige Ergebnis der letzten Sammlung für das Rote Kreuz bewiesen habe, daß sie die britischen Angriffe nicht etwa erschüttert, sondern noch härter gemacht haben.
Oberbürgermeister Ritter dankte dem Minister und dem Gauleiter für das ihm erwiesene Vertrauen und gab seiner Versicherung Ausdruck, daß er gerade jetzt, in einer Zeit, in der sich die Stadt Mainz in einer besonderen Notlage befinde, in seiner Ernennung eine neue Verpflichtung sehe, seine ganze Kraft zum Wohle der Mainzer Bevölkerung und zum Wohle des Volksganzen einzusetzen.
Die kurze Feierlichkeit fand an der Stätte des einstigen, nun zerstörten Stadthauses statt und betonte damit gleichsam den durch nichts zu brechenden Lebens- und Aufbauwilken der Stadt Mainz.
In anschließenden Besprechungen wurden So- fortmaßnahmen über die wirtschaftliche Zukunfts- gestalhmg und den Aufbau der Stadt Mainz eingehend erörtert. Alle Besprechungen standen unter dem Zeichen des festen Willens, der Mainzer Bevölkerung jede nur mögliche Unterstützung und tat- kräfttge Hilfe zuteil werden zu lassen.
Oberbürgermeister Riiier
war mit Wirkung vom 1. April 1934 als Nachfolger des Oberbürgermeisters Dr. Keller zum Oberbürgermeister der Stadt Gießen ernannt worden und hatte fein Amt am 17. Mai 1934 angetreten. Neben feinem Gießener Oberbürgermeisteramt ist er seit 1936 Abgeordneter des Deutschen Reichstags. Seit
Juni 1936 ist er ferner Leiter des Landesfremden- verkehrsverbandes Rhein-Main, Sitz Frankfurt am Main, weiterhin ab 1. Januar 1937 Vorsitzender des Verwaltungsrats der Bezirkssparkasse Gießen. Außerdem gehört er als Mitglied dem Verwaltungsrat der Landesoersicherungsanstalt Hessen in Darmstadt, als Mitglied dem Verwaltungsrat der Versicherungsanstalt für gemeindliche Beamte in Darmstadt und als Mitglied dem Verwaltungsrat der Hessischen Landesbank-Girozentrale in Darmstadt an. Seit Mai 1940 ist ,er auch Verbandsführer des Vogelsberger HöheMClubs.
Aus seinem Wirken vor seiner Gießener Amtszeit, das aber in einer Reihe von Ehrenämtern, bis in die Gegenwart hineinreicht, sei folgendes hier erwähnt: Nach dem Weltkriege, den Oberbürgermeister Ritter zunächst im Infanterie-Regiment 118, bann im Feldartillerie-Regiment 10 von 1914 bis 1918 im Westen mitmachte, stand er in feinem Heimatorte Gau-Odern he im (Rheinhessen) seit Beginn der fran* f zösischen Besatzungszeit in vorderster Linie des Kampfes aller aufrechten Deutschen gegen die französische Besatzung, ebenso im Kampfe gegen Marxismus und Judentum. Als einer der ersten in Hessen trat er 1923 der NSDAP, bei, die in ihm einen ihrer eifrigsten Vorkämpfer in Rheinhessen hatte. Schon 1924 machte er seinen Heimatort Gau-Odern- heim zu einer starken Position des Nationalsozialismus; zur gleichen Zeit widmete er seine Kraft auch mit Eifer der kommunalen Arbeit. 1930 wurde er zum Bürgermeister von Gau-Odernheim gewählt. Damit war er der erste nationalsozialistische Bürgermeister in Hessen. Bei jener Bürgermeisterwahl traten in Anerkennung seiner lauteren Gesinnung und seiner Fähigkeiten sogar feine politischen Gegner für ihn ein und wählten ihn mit in das Bürgermeisteramt. Als Abgeordneter der NSDAP, aehörte er damals schon dem früheren Hessischen Landtag an. In der Kampfzeit war er in seiner Heimat u. a. von 1929 bis 1932 Ortsgruppenleiter und Kreisleiter, ferner Provinzleiter und zugleich Gauinspekteur der NSDAP, in Rheinhessen. Nach der Machtübernahme durch den Führer wurde Heinrich Ritter auf Anordnung des (Bauleiters und Reichsstatthalters Sprenger am 1. Juli 1933 Bürgermeister in Bingen. Zur gleichen Zeit war er dort Kreisleiter der NSDAP., feit 1. Februar 1934 auch Kreisdirektor des Kreises Bingen. Aus den zahlreichen kommunalen Vereinigungen, die vor der Machtergreifung in Hessen bestanden, schuf er die Landesdienststelle Hessen des Deutschen Gemeinde- tages, deren Leiter er bis zu ihrer Zusammenlegung mit der Landesdienststelle Hessen-Nassau war. Seitdem arbeitet er in diesem Kreise als stellvertretender Vorsitzender der Landesdienststelle Hessen/Hessen- Nassau des Deutschen Gemeindetages mit. Im Mai 1933 wurde er zum Mitglied des Deutschen Gemeindetages in Berlin berufen, dem er seit ferner Gründung angehört und in besten Vorstand er heute noch tätig ist. Als er Ende März 1934 aus Bingen chied, um nach Gießen zu gehen, sprach chm der Gauleiter für fein Wirken Dank und volle Anerkennung aus, ernannte ihn zum Kreisleiter ehrenhalber und verlieh ihm zugleich das Recht zum Tragen der Uniform eines Kreisleiters z. b. V.
Auf 'bas Gießener Wirken des Oberbürgermeisters Ritter werden wir noch zurückkommen, jedoch sei heute schon hervorgehoben, daß unsere Stadt diesen verdienstvollen Leiter fhrer Verwaltung nur mit großem Bedauern von hier scheiden sieht.
Privattelegramme in Feld.
Dringlichkeiksprüfung durch Orksgruppenleiler.
Die Bestimmungen über Privattelegramme ins Feld sind jetzt, wie das Reichspostministerium mitteilt, im Benehmen mit dem OKW. wie folgt erweitert worden. Privattelegramme an Angehörige von Einheiten und Dienststellen mit Feldpostnummern müssen von sofort an vor ihrer Annahme auf Dringlichkeit und Notwendigkeit geprüft fein. Ist der Aufgeber ein Wehrmachtangehöriger, so ist für die Prüfung sein Disziplinarvorgesetzter zuständig., Für Telegramme von anderen Absendern als Wehrmachtangehörigen ist der für den Wohnsitz des Aufgebers zuständige Ortsgruppenleiter der NSDAP, mit beb Prüfung beauftragt. Entsprechet der Neuregelung werden die Privattelegramm dieser Art nur noch am Schalter angenommen. Die Prüfvermerke sind gebührenpflichtig.
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** Wer jetzt unnötig reift, hilft dem Feind! Nicht sagen, auf deinen Platz käme es nicht an! Viele einzelne geben schnell ein „Viel" —
auch jeder entbehrliche Reisezugwagen gehört der Front. Daran muß jeder denken, denn:' Räder müssen rollen für den Sieg!
** SilberneHochzeit. Am heuttgen Freitag, 4. September, können der kaufmännische Angestellte Georg M o h a u p t und Frau, Schottstraße 5 wohnhaft, das Fest der silbernen Hochzeit begehen. Der Jubilar steht zur Zeit im Dienste der Kriegsmarine. Dem Jubelpaar gelten unsere herzlichen Glückwünsche.
** Theater b er Universitätsstadt Gieß e n. Vom Dramaturgischen Büro wird mit» geteilt: Morgen Samstag, 5. September, eröffnet bas Theater die Spielzeit 1942/43 mit der Erstaufführung von Hanns Gobschs Schauspiel „Der Thron zwischen Erdteilen". Dieser erste Festabend dramati- scher Bühnenkunst findet unter der szenischen Leitung von Intendant Hans Walter Klein statt. Oswald Enterlein, der zur Wehrmacht einberufene junge Kapellmeister, dessen Musik zu Rehbergs „Der Tod und das Reich" ihn zuerst bekannt machte, komponierte zu diesem Schauspiel eine eigene Büh- nenmusik. In den Hauptrollen des Werkes wirken
Dr. Brüggers Patientin
Roman von Walter Klöpffer
33. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
14.
Doktor Brügger kam spät und in sich gekehrt von seinem Ausgang zurück. Es wurde ein schweig- I seines Abendessen. Anna versuchte von Zeit zu Zeit ’ ein Gespräch in Fluß zu bringen, aber es würde nichts Rechtes daraus. Die (Stimmung blieb eisig und ungemütlich, und Brügger gab nur kurze, abweisende Antworten. Man stocherte freudlos in den speisen, griff nach Zeitungen und Magazinen, und selbst das Licht schien irgendwie angesteckt, denn es brannte trüber als sonst, wahrscheinlich war das Netz überlastet. Die nahe Gemeinsamkeit im Schlafzimmer oben verschärfte diese (Stimmung bis an die Grenze des Peinlichen. Zwei Jungvermählte lagen nebeneinander, stumm, in Gedanken verrannt unb einander entfremdet.
'Brügger hatte das Nachttischlämpchen aufgedreht, dessen orangener Schein mild und diskret über die Dinge hinglitt. Er las nicht. Denn fein Blick ick,weifte wohl über die Zeilen, aber der Sinn des Oßlefenen ging nicht in fein Bewußtsein ein. Seine Gedanken liefen krumme, dornenvolle Pfade. Unehrlich, hinterhältig und verstockt erschien ihm Annas Gehaben. Was kettete sie an diesen Hudal, daß sie ihm eine solche Summe zuschanzte? Ver- vandtschaftliche Bande? Pah! Frauen waren oft j unbegreiflich. Oder hatte Hudak nur den Auftrag, 1 den Scheck einzulösen und das Geld einem anderen zu überbringen? „Diese Schulden müssen wir los- merben." Welche Schulden? Die Welt war voller Mer. Unsicherheit, wohin er vorstieß. Das Geld an sich wäre zu verschmerzen, aber diese Gespinste von Lüge, Undurchsichtigkeit und Arglist war unerträglich. Man konnte Anna nie wieder etwas glauben,
das war es. Ihre Unwissenheit in geschäftlichen Dingen war der Schlüssel zu ihrem ganzen Verhakten. Sie hatte sich vor Entdeckung sicher gefühlt, weil sie mit den Gepflogenheiten einer Bank nicht vertraut war, weil sie annahm, so ein Scheck ließe sich wie ein Zwanzigmarkschein am Schalter Umtauschen. Sie hatte damals noch keine Ahnung von Quittierenmüssen und Deränderungsanzeigen gehabt. Und nun, da die Geschichte an den Tag kam, verlegte sich Anna aufs Leugnen. So war es und nichts anders. Es wurde Brügger in dieser Minute schmerzvoll klar, daß er seine Frau trotz allem noch immer brennend liebte. Unbegreifliches Herz! Er grübelte und grübelte und galoppierte immer tiefer in einen unübersehbaren Wald von Trauer und Zorn und Ungerechtigkeit hinein, bis er sich nicht mehr zurechtfand. Seiner Natur und der Sachlage entsprechend schreckte er vor einer Aussprache, die alles geklärt hätte, zurück und faßte nur den einen Entschluß: sich diesen Franz Hudal so bald wie möglich zu kaufen. Uebermorgen, an feinem freien Nachmittag, wollte er nach München fahren und sich diesen Herrn einmal vornehmen. Dann würde er ihn herbeischleifen und Anna gegenüberstellen. Ob sie dann wohl auch noch die Keckheit besaß, zu leugnen? Was nachher kam, war schwer auszudenken.
In diesem denkbar ungeeigneten Moment geschah es, daß seine Frau in einer plötzlichen Gefühlsaufwallung die Hand ausstreckte und bittend über feine Finger strich. „Sei gut zu mir", sollte das heißen.
„3a? Willst du mir etwas fagen?" murmelte Brügger, ohne aufzublicken. Seine Worte klangen dürr und lieblos. Alles in ihm war zum Zerreißen angespannt. Vielleicht hatte sie sich doch entschlossen, zu berichten?
Aber er wartete vergeblich auf eine Antwort. Annas Hand zog sich zurück, und er versuchte nun ernstlich zu lesen, indem er seine Enttäuschung nied errang.
Anna, die kleine Frau an Brüggers Seite, preßte gekränkt die Knie zusammen unb getraute sich kaum zu atmen. Martin war so fremd, so sonderbar, so anders. Daß die fehlende Geldsumme ihn bedrückte, verstand sie. Der Gedanke, daß irgend jemand den Scheck mißbraucht hatte, mußte ihn ja irritieren. Sie zweifelte nicht, daß Fender bei der Abhebung des Geldes so vorgegangen war, daß auf ihn kein Verdacht fiel. Aber waren diese zweitausend Mark ein hinreichender Grund, daß ein Monn seine Frau derart behandelte? Daß er unfreundlich und wortkarg wurde? Warum schloß er sich zu, anstatt die Angelegenheit mit ihr offen zu besprechen? Wohl bangte ihr vor einer solchen Zwiesprache, aber schließlich wäre das Reden immer noch besser gewesen als soviel abweisende Kälte. Vorhin war sie nahe daran gewesen, alles zu sagen, wenigstens das mit dem Scheck, aber Martins Benehmen hatte diesen Anlauf abgewürgt. Sie dachte bitter: „Erst in der Ehe lernt mon seinen Mann richtig kennen. Was weiß ich denn von ihm? Nichts. Was weiß er von mir? Genau so wenig. — Auf den Einfall, daß Martin in ihr selbst die Täterin oder Anstifterin sehen konnte, kam sie gar nicht. Sie dachte noch ein bißchen hin und her und geriet bann langsam in Schlaf. Denn nur ölte Leute sind dazu verdammt, nächtelang wach zu liegen.
Aks sie am Morgen die Augen aufschlug, mar das Bett neben ihr leer. Auch Martins Kleider, die sonst ordentlich auf dem Stuhl lagen, waren fort. Was sollte nun das wieder bedeuten? Warum hatte er sich von ihrer Seite wie ein Dieb fortgeschlichen? Sie setzte sich mit einem Ruck hoch. Dann fuhr sie so hastig m den Strumpf, daß er riß. Als sie hin- unterfam, erfuhr sie, daß ihr Mann gleich nach dem Frühstück ins Krankenhaus gefahren mar. Sie erwog, ob sie ihn nicht onrufen sollte, verwarf aber den Gedanken und stürzte sich in die Arbeit. Mit der Hausdame, die sich zu nichts mehr verpflichtet fühlte, hatte sie einen neuerlichen Zusammenstoß, der auch nicht gerade erleichternd.wirkte. Die Purg- staller bekam einen hysterischen Anfall unb warf im
ganzen Haus die Türen. Dann packte sie ihre Koffer. .
Mittags kam Brügger auf einen Sprung nach Haufe, würgte bas Essen hinein und begab sich dann sofort in sein Sprechzimmer. Anna fanb kaum genügend Zeit, ihn über Berufliches, ein paar Patienten an rufe unb etliche neue Besuche, ins Bild zu setzen. Sie tat das knapp unb mit ungewohnter Zurückhaltung und machte ein steinernes Gesicht. ,'So? Hm. Muß warten", war Brüggers ganze Erwiderung. Dann kramte er nach einem Buch. Nach der Sprechstunde hetzte er auf Besuchs tour. Nie zuvor hatte es derart viele „dringende" Fälle gegeben, hinter denen sich ein Arzt verschanzen kann. Er wich Anna aus, er vermied das Alleinsein mit ihr, er versuchte, sich mit Arbeit zu betäuben, bas war klar. Zum Abendbrot kam er überhaupt nicht heim, sondern ließ bestellen, er esse auswärts, man möge nicht auf ihn warten.
Das wird ja immer schöner, — dachte Anna zornig, warf den Hörer hin unb griff nach einem Modenblatt. Sie blätterte zerstteut unb ohne rechte Freude, speiste allein zu Abend, sah wiederholt auf bie Uhr unb ging schließlich mit Cyrus vors Haus, um nach dem Himmel zu gucken. Der Abend mar schwül, die Natur lechzte nach Regen. Dann begab Anna sich zu Pett. Sie konnte nicht schlafen. Sie war nervös und durcheinandergebracht, der Mond störte, die Schwüle und ein paar betrunkene Stimmen auf der Straße. Anna suchte Martin aus ihren Vorstellungen zu verbannen, aber es ging nicht. Die Kirchenuhr schlug elf, und Martin war noch immer nicht daheim. Endlich vernahm sie das kratzende Geräusch des Hausschlüssels, gedämpften Lärm in der Diele unb Schritte, die auf der läufer- belegten Treppe nach oben kamen ... Aber bann schlichen diese Schritte an ihrer Tür vorbei unb verklangen. Brügger war in den zweiten Stock ge- gangen, in jenes Fremdenzimmer, in dem er schon einmal genächtigt hatte.
(Fortsetzung folgt.


