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miral Harwood einen neuen starken Geleitzug von Gibraltar aus Kurs nach Osten durch die Straße von Sizilien nehmen, um dasRisiko" mit der Ein­buße wertvoller Marineeinheiten und der Zer­schlagung des ganzen Geleitzuges zu bezahlen.

Inzwischen hat der Admiral, dessen Streitkräfte auf die Defensive im Raum von Aegypten und Zy­pern beschränkt sind und der nach seinen Worten nun alles von den Operationen der Bodentruppen erwartet, Ritchie und Auchinleck gehen, Montgo­mery und Alexander kommen sehen. Er träumt von Landstützpunkten im zentralen Mittelmeer", die mit Ritchies Rückzug aus der Cyrenaika verlorenge­gangen sind, und setzt mit dem Mut der Verzweif­lung auf Alexander und Montgomery. Der letzte Tagesbefehl Cunninghams vom Mai 1942, in dem der scheidende Admiral ihm das Erbe mit dem Ein­geständnis übergab, daß die britische Mittelmeer- slotte die Kontrolle über das ihr anvertraute Ge­wässer verloren habe, mag Henry Harwood als ein belastendes Omen für seine militärische Zukunft er­scheinen.

Das Eichenlaub zum Ritterkreuz.

Berlin, 3. Sept. (DNB) Der Führer hat dem Hauptmann S t e i n h o f f. Gruppenkommandeur in einem Jagdgeschwader, das Eichenlaub zum Ritter- kreuz des Eisernen Kreuzes verliehen und ihm fol­gendes Schreiben übermittelt:.In dankbarer Wür­digung Ihres heldenhaften Einsatzes im Kampf für die Zukunft unseres Volkes verleihe ich Ihnen als 115. Soldaten der deutschen Wehrmacht das Eichen­laub zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes. Adolf Hitler."

Der Führer hat dem Oberstleutnant Sigel, Kommodore eines Sturzkampfgeschwaders, das Eichenlaub zum Ritterkreuz verliehen und ihm fol- gendes Schreiben übermittelt:In dankbarer Wür­digung Ihres heldenhaften Einsatzes im Kampfe für die Zukunft unseres Volkes verleihe ich Ihnen als 116. Soldaten der deutschen Wehrmacht das Eichen­laub zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes. Adolf Hiller."

Hauptmann S t e i n h o f f ist 1913 als Sohn eines Mühlenbesitzers in Bottendorf am Harz geboren, studierte nach Ablegung der Reifeprüfung an der Universität Jena mehrere Semester Philologie, trat 1934 als Matrose in die Kriegsmarine ein und ging als Oberfähnrich 1935 zur Luftwaffe. Als Staffs kapitän in einem Jagdgeschwader erhielt er nach 26 Luftsiegen, davon 16 im Osten, im August 1941 das Ritterkreuz. Bis Mitte Mai 1942 konnte er seine Abschüsse auf 55 erhöhen, am 5.7. errang er den 70., am 22.8. den 80. und am 25.8. den 90. Lustsieg, eine Zahl, die nun auf über hundert ge­stiegen ist.

Oberstleutnant Sigel, als Sohn eines Oberpost­inspektors 1906 zu Ulm geboren, hat nach Erwerb des Reifezeugnisses auf dem humanistischen Gymna­sium die Prüfung als Diplomkaufmann an der Uni­versität Köln bestanden. Als Schütze wurde er 1934 Soldat ging aber als Oberfähnrich zur Luftwaffe. Als Kommandeur einer Sturzkampfgruppe erhielt er bereits im Juli 1940 das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes.

General Hirschauer Präsident des Keich-lustschuhbundeS.

Der Führer hat den General der Flakartillerie Hirschauer, Kommandierenden General und Befehlshaber im Luftgau XVII, unter Belassung in seinem militärischen Dienstverhältnis zum Präsiden­ten des Reichsluftschutzbundes ernannt. General Hirschauer wurde 1883 zu Landau in der Rhein­pfalz geboren. Im Weltkriege war er Batterie- und Abteilungssührer und dann in der Reichswehr bis zu seiner Beförderung zum Oberst im Jahre 1933 in verschiedenen Dienststellen verwendet. Seit der Ausstellung der Luftwaffe war er höherer Komman­deur der Flakartillerie in Königsberg und Dresden und seit 1938 Kommandierender General und Be­fehlshaber im Luftgau XVII. Der Aufbau dieses Luftgaues ist sein Werk.

Das ll-Boot-problem in keiner Weise gelöst".

Genf, 3. Sept. (DNB.) USA.-Marineminister Knox erklärte Pressevertretern:Das U-Boot- Problem ist noch in keiner Weise gelöst. Auch wird es immer schwieriger, die genügende Anzahl Leute für die Bemannung der Schiffe zu finden." Den de-

Stark befestigte Bunkerstellungen vor Stalingrad genommen.

Oer Wehrmachtbericht.

DRV. Aus dem F ü h rerh a u p l q uar t i e r, 3. September. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:

Südostwärts von Anapa wurden meh­rere zäh verteidigte Höhenstellungen im Sturm ge­nommen. Vor Noworossijsk wurden ein Mo­torboot und ein Räumboot durch Bombenwurf versenkt. Deutsche Schnellboote versenkten im Schwarzen Meer aus einem Geleitzug zwei Tanker, zwei Dampfer und sechs große Leichter mit zusammen 15400 BRT.

Vor Stalingrad warfen deutsche und rumä- nische Truppen in engem Zusammenwirken mit der Luftwaffe den Feind aus stark befestigten Bunker- stellungen. Gegenangriffe wurden abgewiesen, kriegswichtige Anlagen in und um Stalingrad sowie Schiffsziele auf der w o l g a waren das Ziel schwerer Luftangriffe.

Südwestlich Kaluga und nordwestlich Medyn wurden mehrere feindliche Angriffe abge­schlagen. Auch im Raum von Rschew scheiterten von starken Infanterie- und Panzerkräften geführte feindliche Angriffe, hierbei wurden von Verbänden des Heeres und durch zusammengefahten Einsatz von Kampf- und Skurzkampffliegerverbänden 10 9 Sowjetpanzer vernichtet.

Südlich des Ladoga-Sees und vor Leningrad brachen wiederholte Angriffe des Feindes zusammen.

An der Eismeer front bekämpfte die Luft­waffe sowjetische Bakteriestellungen auf der Fischerhalbinsel sowie einen Flugstützpunkt bei Murmansk.

Die Sowjetlufkwaffe verlor am 1. und 2. September in Luftkämpfen und durch Flak­artillerie 184 Flugzeuge, ein weiteres wurde am Boden zerstört. Acht eigene Flugzeuge kehrten vom Flug gegen den Feind nicht zurück.

An der ägyptischen Front lebhafte Auf­klärungstätigkeit. Die Zahl der gestern gemeldeten feindlichen Panzerverluste hat sich auf 51 erhöht. Deutsche und italienische Jagdflieger schossen gestern

primierenden Eindruck, den diese Worte auf die amerikanische und englische Oeffentlichkeit machen muß, versuchte Knox durch die schnell hinzugefügte Bemerkung, daß sichdie Lage aber verbessert habe, die U-Boot-Gefahr sei aber trotz Verstärkung der Abwehrmaßnahmen keineswegs gebannt. Zwar sei die Zahl der Schiffsversenkungen in den Küsten­gewässern der Vereinigten Staaten etwas geringer geworden, dafür hätten sich die feindlichen U-Boote jedoch neue An gr i ffs geb iete auf hoher See gesucht.

Fortdauernde Unruhen in Nordirland.

Sto ckholm, 3. Sept. (Europapreß.) Die durch die Hinrichtung des jungen Ira-Mitgliedes Thomas Williams in Belfast ausgelösten Unruhen lassen keinen Zweifel daran, daß ein großer Tell der Be­völkerung von Nordirland der britischen Regierung und den in Nordirland stationierten USA.-Truppen ausgesprochen feindlich gegenübersteht. So meldet Nya Dagligt Allehanda , daß in Belfast die Ha­fenarbeiter streiken, während in Londonderry die in den Fabriken beschäftigten Frauen und Mäd­chen ihre Arbeitsplätze verließen, um sich den de­monstrierenden Volksmassen anzuschließen. Diese Kundgebungen haben offenbar einen sehr erheblichen Umfang angenommen. Wiederholt kam es zu Zwi­schenfällen. Ärn stärksten waren die Kundgebungen vor dem Gefängnis, in dem Williams hingerichtet wurde. Zur Zeit der Hinrichtung fuhren britische Panzerwagen durch die Straßen von Belfast, um die überall demonstrierende Menge zu zerstreuen. 46 Iren wurden wegen Verdachts der Jra-Zuge-

21 britische Flugzeuge ab. Ein deutsches Flugzeug ging verloren. In der Nacht zum 2. September bombardierten deutsche Kampffliegerverbände meh­rere britische Flugplätze nordwestlich und nordostwärts Kairo.

Nach wirkungslosen Tagesstörflügen in großer hohe über Westdeutschland griffen Verbände der britischen Luftwaffe in der vergangenen Nacht die Stadt Karlsruhe an. Die Zivilbevölkerung halte Verluste. Besonders in der Innenstadt entstanden Sach- und Gebäudeschäden. Nach bisherigen Mel­dungen wurden sechs der angreifenden Bomber zum Absturz gebracht.

Bei Tiefangriffen erzielten gestern leichte deutsche Kampfflugzeuge Bombentreffer schweren Kalibers auf Industrie- und Verkehrsanlagen der Insel Wight und der englischen Südküste. In der Nacht zum 3. September wurden kriegswichtige Ziele in Mlttelengland bombardiert.

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Das Oberkommando der Wehrmacht gibt ferner bekannt:

Eine vom britischen Kriegsministerium heraus­gegebene und von der Reuteragentur verbreitete Erklärung vom 2. September, abends, besagt:

Der deutsche Wehrmachtbericht hat festgestellt, daß von den Engländers beim Unternehmen von Dieppe Befehle herausgegeben worden sind, daß den Gefangenen die Hände gebunden werden soll­ten, um zu verhindern, daß sie ihre Papiere ver­nichten. Es wurden Untersuchungen angestellt, ob in der Tat ein derartiger Befehl herausgegeben wurde.

Ls wird mit Rachdruck in Abrede gestellt, daß irgendeinem deutschen Gefangenen die Hände ge­bunden worden find.

Jeder derartige Befehl wird, falls er herausge- geben fein sollte, widerrufen werden."

Auf Grund dieser Erklärung hat das Oberkom­mando der Wehrmacht die am 2. September 1542, mittags, angekündigten Maßnahmen gegen die bri­tischen Kriegsgefangen^ aufgehoben.

Der Wortlaut dieser englischen Erklärung wird den britischen Kriegsgefangenen ebenfalls bekannt- gegeben werden.

Hörigkeit . verhaftet. In der Grafschaft Aramagh wollten mehrere mit Bewaffneten besetzte Kraft­wagen über die Grenze nach Nordirland, dabei kam es zu einem Feuergefecht mit der Gendarmerie.

Bedeutsame Veränderungen im spanischen Kabinett.

Madrid, 3. Sept. (DNB.) General Franco hat folgende Persönlichkeiten als neue Mini­ster in die Regierung berufen: Außen­minister: General Francisco Gomez I o r d a n a (an Stelle von Serrano Sun er), Heeresminister: Ge­neral A s e n s i o (an Stelle von General V a r e l a), Innenminister Blaz Perez (an Stelle von Oberst Valentin Galarza). Zum General-Vizesekretär der Falange wurde Mora F i g u e r o (an Stelle von Luna) ernannt. General Franco übernimmt selbst an Stelle von Serrano Sun er das Präsi­dium des Politischen Ausschusses der Falange. Ge­neral Asensio wird außerdem Mitglied des Politi­schen Ausschusses.

Italien« Arbeiterschaft und -er Krieg.

R o m, 3. Sept. (DNB.) In einem Telegramm an bie- italienische Arbeiterschaft hat der Duce die Be­deutung der Arbeiterschaft als entscheidenden und tragenden Faktor neben der Wehrmacht in dem großen Schicksalskampf der italienischen Nation um eine neue Zukunft hingestellt. Die Blätter unter­streichen die Anerkennung, die der Duce dem Einsatz, der Opferbereitschaft und der mustergültigen Diszi­plin der Arbeiterschaft zollt und heben zugleich die Warnung hervor, die der Duce an die Elemente richtete, die in Verletzung der nationalen Interessen ihre Pflichten gegenüber Volk und Staat nicht er­

füllen.Giornale d'Jtalia" erklärt, es liegt tn deck Botschaft die Ankündigung einer neuen Etappe der Politik sozialer Gerechtigkeit, die der Faschismus von seinen Anfängen an verfolgt hat.

Kleine politische Nachrichten.

Reichswirtschaftsminister Funk traf in der rumänischen Hauptstadt ein. In der Begleltung befinden sich Reichsbank-Vizepräsident Puhl, Unter« taatssekretär, General der Infanterie Hannecken, Ministerialdirektor Moritz und Gesandter Dr. Elo- dius vom Auswärtigen Amt.

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Der Führer hat dem ersten Direktor der Preußi- chen Staatsbibliothek, Geheimen Regierungsrat Dr. Ernst Kuhnert in Berlin'-Friedenau, aus An­laß der Vollendung seines 80. Lebensjahres in Wür­digung feiner Verdienste um das deutsche Bibliotheks­wesen die Goethe-Medaille für Kunst und Wissenschaft verliehen.

Der Führer hat dem Museumsdirektor a. D. Professor Dr. Karl Steinacker in Braunschweig aus Anlaß der Vollendung seines 70. Lebensjahres in Würdigung seiner Verdienste um die Erforschung der Kunst- und Kulturgeschichte, insbesondere des Landes Braunschweig, die Goethe-Medaille für Kunst und Wissenschaft verliehen.

Ein britisches Flugzeug wurde im Süden Ma­rokkos beim Ueberfliegen der marokkanischen Küste von der französischen Bodenabwehr abgeschossen.

Kunst und Wissenschast.

Ein vergessener hessischer Lyriker.

Vor hundert Jahren, im September 1842, starb in seinem Geburtsorte Georgenhausen bei Darm­stadt der Lyriker Adam Hechler im Alter von 31 Jahren. Er war der Sohn eines Bauern, besuchte die Realschule in Darmstadt und leitete später eine Privatschule in Umstadt. Als Dichter ein feines lyri­sches Talent, wurde er, bei sparsamem Schassen, nur einem kleinen Kreise bekannt. Es wirkte aber in ihm eine dichterische Persönlichkeit voll Gedanken­reichtum und Jdeenschwung, der die dunklen Klänge einer erhabenen Resignation bekannt waren.

Ein Schauspiel um Goethes Mutter.

In Magdeburg wurde Otto Ernst Hesses BühnenwerkFrau Aja" uraufgeführt. Der büh­nengewandte Autor hat die Ergebnisse der Goethe- Philologie emsig zusammengetragen und daraus ein Schauspiel gebaut, das den Belesenen einen Wieder­holungskurs in teils frankfurterisch, teils thüringisch dialogisierter Literaturgeschichte, den mit Goethe mc» niger Vertrauten eine volkstümliche, durch das reich­lich verwendete urwüchsige Vokabular der Frau Aja effektvoll gewürzte Führung durch das Haus am Hirschgraben und die Geheimnisse des Hauses am Weimarer Frauenplan bietet. Taktvollerweise unter­ließ Hesse es, Goethe selber auftreten zu lassen. Ober­spielleiter Steig inszenierte das Werk auf Kam­merton hin; Ilse Laux als Frau Aja erfüllte mit Geschick und Geschmack die Ausgaben chrer echten Paraderolle. Das Publikum, oft amüsiert durch die teils würzigen, teils schon gepfefferten Reden Frau Ajas, klatschte bereitwillig Beifall. E. K. Wiechmann.

Bon der Universität Straßburg.

Der Dozent Dr. phil et Dr. med. Hans Bender erhält an der Universität Straßburg den neuerrichte- ten ordentlichen Lehrstuhl für Psychologie als Extraordinarius. Bender, der im vergangenen Jahre von Bonn nach Straßburg berufen wurde, hatte bisher den Lehrstuhl vertretungsweise wahrgenom­men. Professor Karl Stru'becker von der T. H. Wien wurde an der Universität Straßburg die freie Professur für Mathematik, insbesondere Geometrie, angewandte Mathematik und die Grund- lagen der mathematischen Mechanik übertragen. Strubecker wirkte seit 1927 in Wien.

hochschulnachrichlen.

Der außerplanmäßige Professor für klassische Archäologie der Universität Marburg Dr. med. Hans Möbius wurde als o. Professor an die Universität Würzburg berufen. Möbius wurde 1895 in Frank­furt geboren. Er promovierte 1921 in Marburg und habilitierte sich ebenda 1929. 1928 wurde er als Kustos an das Hessische Landesmuseum in Kas el be­rufen. Der Dozent der deutschen Philologie an der Universität Jena Dr. Friedrich B e i n e r wurde in gleicher Eigenschaft in die Universität Tü­bingen eingegliedert. Beißner ist 1905 in Hameln geboren, hat 1933 in Göttingen promoviert, 1940 wurde er Dozent an der Universität Jena. Er ist

Rudolf Virchow.

Au seinem 40. Todestage am 5. September.

Am 5. September jährt sich zum 40. Male der Todestag des großen deutschen Arztes Rudolf Virchow. Bezeichnend für die Persönlichkeit Vir­chows, der ein Alter von 81 Jahren erreichte, ist, daß er schon mit 26 Jahren seine eigene Zeitschrift gründete, dasArchiv für pathologische Anatomie und für klinische Medizin", das auf die ganze Ent­wicklung der Medizin im 19. Jahrhundert einen tiefbehenden Einfluß ausüben sollte. Es ist nicht zuviel gesagt, wenn man seststellt, daß Virchow ein halbes Jahrhundert lang die deutsche Medizin ge­führt und gelenkt hat Aber darüber hinaus reichte sein Hinfluß über die ganze Welt.

Virchows Leben gliedert sich in drei Perioden von sehr ungleicher Dauer. Die erste reicht bis 3um Jahre 1849. Es ist die Zeit wissenschaftlicher Anfänge, in welcher Virchow seinen Weg sucht, findet und verteidigt. Es ist vor allem die Zeit sozialpolitischer Betätigung. Dann kommt als zweite Periode die Würzburger Zeit von 1849 bis 1856, die ganz der Wissenschaft gewidmet war und die zur Zellular Pathologie führte. Endlich die letzte Periode, die fast ein halbes Jahr­hundert währt, von 1856 bis zum Tode 1902. Virchow ist in Berlin als Professor der patho­logischen Anatomie und Direktor des Pathologischen Institutes, des ersten selbständigen Institutes auf diesem Gebiet. Er macht Schule, thront als un­bestrittener, wenn auch nicht unbekämpfter - Papst über der deutschen Medizin. Seine Forschungen gelten in dieser Zeit vor allem der Anthro­pologie. -

In Schieoeldein in Pommern als Sohn eines Stadtkämmerers geboren, kam Virchow 1839 nach Berlin, wo er Schüler der Pepiniöre wurde Er promovierte 1843, wurde Assistent des Prosektors Froriep an der Charitö, drei Jahre später sein Nachfolger.

Die erste größere Arbeit, an die sich Virchow heranmachte, war das Studium der Venenent­zündung, auf die ihn fein Chef Froriep hinge- lenkt hatte. Die Arbeit wuchs und wuchs und brachte zwei wertvolle Ergebnisse. Sie brachte Klarheit

in der noch dunkeln Frage der Thrombose und Embolie und führte zur Aufstellung eines neuen Krankheitsbildes, der Leukämie.

Mitten aus diesen Studien wurde Virchow durch die politischen Ereignisse herausgerissen, die ihn machtvoll ergriffen und in denen er leidenschaftlich Partei nahm. Im Sommer 1847 war in Ober- chlesien eine Epidemie ausgebrochen, die man a(s Hungertyphus bezeichnete. Die lokale Regierung tat nichts zur Bekämpfung der Seuche. Erst als die Presse die Stimme erhob, wurde man in Berlin zum Handeln veranlaßt. Eine Kommission, der Virchow angehörte, wurde im Februar 1848 hingeschickt. Virchow erkannte bald, daß die Ursachen der Epi­demie weit weniger medizinischer als vielmehr so­zialer Art waren. Sein Bericht wurde eine heftige Anklage gegen das herrschende Regime.

Die Märzereignisse riefen Virchow nach der Hauptstadt zurück. Er nahm regen Anteil an der Bewegung des Jahres 1848, und zwar war es vor allem die Reform des Medizinalwesens, die ihm als großes Ziel vorschwebte. Eine tiefe Bewegung ging durch die deutsche Aerzteschaft. Das Sprachrohr der ganzen Bewegung wurde eine Zeit­schrift, die Virchow mit einem Freund unter dem TitelDie medizinische Reform" 1848/1849 her­ausgab. Er fordert darin die Errichtung eines be­sonderen Gesundheitsministeriums, und eine Neu­ordnung des medizinischen Unterrichts. Er verlangt ferner, daß für die einzelnen Kategorien der Ar­beiter die Höchstzahl der täglichen Arbeitsstunden festgesetzt werde. Er bezeichnet es als ein natür­liches Recht des unbemittelten Arbeiters, daß er in Krankheitstagen von Staats wegen verpflegt werde.

Die Reaktion kam, und Virchow mußte an zahl­reichen kleinen Nadelstichen die Folgen feiner poli­tischen Tätigkeit spüren. Da kam 1849 die erlösende Berufung nach Würzburg. Die Reform der Gesell- schäft und des Medizinalwesens war fehlgeschlagen. So ging er mit erneuter Energie an die Reform der medizinischen Wissenschaft. Die Würzburger Jahre waren eine Zeit rastloser Tätigkeit im Dienste der Wissenschaft. Eine Menge Detailarbeiten entstanden, und als Virchow 1856 nach Berlin zurückgerufen wurde, konnte er bereits zwei Jahre später vor praktischen Aerzten einen Zyklus von Vorträgen halten, die noch im gleichen Jahre als Buch er­

schienen unter dem Titel: .Die cellulare Patho­logie in ihrer Begründung auf physiologischer und pathologischer Gewebelehre".

Die Zellularpathologie ist der Höhepunkt einer Entwicklung, die in der Renaissance beginnt. Vir­chow hat den Pathologen das Mikroskop in die Hand gedrückt und hatte nicht nur die spezielle, son­dern auch die allgemeine Krankheitslehre auf eine naturwissenschaftliche Grundlage gestellt. Auf seinen Schultern steht das ganze Gebäude der heutigen Pathologie. Manche Anschauung Virchows ist im einzelnen überholt worden, aber sie wurde überholt in Befolgung seiner Prinzipien.

Auch in der letzten Periode seines Lebens hat Virchow außerordentlich viel geschrieben, ein mehr­bändiges Werk über die krankhaften Geschwülste, zahllose Abhandlungen über alle möglichen Fragen der Medizin in seinem Archiv, und in immer stei­gender Zahl auch anthropologische Arbeiten. Als Abgeordneter im Preußischen Landtag und als Stadtverordneter erwarb er sich große Verdienste, namentlich um die Verbesserung des Schul­wesens. Auf zahlreichen Kongressen, namentlich auf den deutschen Naturforscherversammlungen hielt Virchow wiederholt von. hoher Warte Vorträge über allgemeine Fragen der Naturwissenschaften, der Medizin und des Lebens überhaupt, die zu lesen noch heute interessant sind. Er war sich seiner histo­rischen Stellung durchaus bewußt und hatte einen Sinn für Geschichte, wie ihn im allgemeinen nur diejenigen haben, deren Leben und Werk Geschichte wird. Vor seinem Tode erlebte er an seinem 80. Ge­burtstag eine internationale Huldigung, wie sie nur wenigen zuteil geworden ist. H. E. S.

Zeitschriften.

Im Doppelheft August-September der bebil­derten MonatsschriftFreude am Leben" (Hugo Bermühler Verlag, Berlin-Lichterfelde) schil­dert Dipl.-Forstwirt Edgar Teidoff in einem mit reichern Anschauungsmaterial ausgestatteten Aufsatz die eigenartige, urtümliche Tier- und Pflanzen­welt in den baltischen Ländern. Regierungsrat Dr. Morton vermittelt dem Leser mit fernem Bericht Ich erlebe die Mangrove" ein eindrucksvolles Na­turerlebnis in den Tropen. Kurt Knaak, dessen Tier­

bücher früher an dieser Stelle eingehend gewürdigt wurden, führt mit seinen Beobachtungen über junge Schwarzspechte in die heimischen ^Wälder; inter­essante Aufnahmen sind auch dieser Arbeit beige­geben. Die AbhandlungPflanzenleben in der Neu­zeit der Erdgeschichte" von Unioersitätsdozentin Dr. Elise Hofmann, Wien, bringt aufschlußreiche Mikroaufnahmen über die Entwicklung und Ent­faltung der Pflanzenwelt von der Oberkreide über die Braunkohlenformation bis zur Eis- und Nach- eiszeit. B. Zeiske gibt eine interessante Ueberficht über die Pfeilgifte aus allen Ländern der Erde. Dr. Fr. Bäßler gibt in einem BeitrageHonig außerhalb der Blüte" eine Anregung zur Natur - beobächtung. Neues von der Wollhandkrabbe, im besondern über die Frage, ob sie sich als Fisch- und Laichräuber betätigt, berichtet G. Harttig. Dr. Rein gibt einen Rechenschaftsbericht über die Züchtung der Haustierpsyche. Diele kleine Beiträge aus allen Gebieten der Biologie, kurz gefaßte Forschungs- eraebnisse, Buchbesprechungen, die Liste der Neu­erscheinungen und die Preisfrage beschließen das vielseitige, reich bebilderte und sehr sorgfältig ge­druckte Doppelheft.

Im Juli-Heft der MonatsschriftK u n ft dem Volk" (Verlag Hemrick) Hoffmann, Wien) finden wir zu Beginn einen überschauenden und zusam- menfassenden Aussatz150 Jahre Nürnberger Kunst" von Dr. Wilhelm Schwemmer mit zahlreichen Re­produktionen, u. a. nach Sperl, Rudolf Schiestl und der FeuerbachschenNana". Ein weiterer, schön be­bilderter Beitrag ist dem Werke des 1935 verstor­benen Wiener Malers Julius Schmid gewidmet; sein GemäldeSchubertabend in einem Wiener Bürger­haus" ist verhältnismäßig verbreitet, doch lohnt es sich, etwas mehr von feinem Schäften kennenzu­lernen. Für einen andern, bisher kaum nach Ge­bühr gemürbiaten Wiener Künstler, Anton Romako, setzt sich Dr. Ankwicz von Kleehofen ein; fein hier farbig wiedergegebenes Familienbild weift Quali­täten auf, die an die reizvollsten Leistungen des französischen Impressionismus erinnern. Heimo Kuchling behandelt das interessante und dankbare ThemaReiterstandbilder"; der Beitrag ist mit vor- vorzüglichen Wiedergaben eine Reihe der berühmte­sten Beispiele Bamberger Reiter, Donatello Der- roccbio. Schlüter und Rauch illustriert.