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Aeklag, September <9§2

Gießener Anzeiger

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General-Anzeiger für Oberhessen Sd*ri6i£$e*®Sd,wI|ra^tä7^k

<92. Jahrgang Nr. 208 Gricheim täglich, außer Sonntags und feiertags

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Publizität in -er Türkei

Von unserem W. E. B.-Berichterstatter.

Der britische Widerruf

Von unserer Berliner Schriftleitung.

England sucht Deckung hinter Kairo.

Von unserer Berliner Schriftleitung.

Fortschreitender Angriff auf Stalingrad

Kairo ist eine Millionen-Stadt. Diese Ziffer er­schöpft seine ausstrahlende Bedeutung bei weitem nicht. Es liegt 20 Kilometer oberhalb des Beginns der Verzweigung des Nils in das große Delta. Bei Kairo treten noch einmal die recht hohen Berge des ostägyptischen Odgebirges an den mächtigen Strom heran. Gegenüber liegen die berühmten Pyramiden. Auch jene gewaltige Sphinx, an deren Sinn so viel herumgerätselt wurde.

Kairo ist seinem Ursprung und seinem Wesen nach die Stadt der mohammedanischen Araber, die seit dem Siegeszug des Islam die Herren über das Niltal waren, dessen Boden von den koptisch­christlichen Fellachen bestellt wird. Die Araber sind die Grundbesitzer, die Offiziere und Beamten, die Gewerbetreibenden und die Händler. Ihr Herr­schaftsanspruch dokumentiert sich in der gewaltigen mittelalterlichen Zitadelle, die von Mehemed Ali, demNapoleon Aegyptens", vor 120 Jahren neu errichtet wurde, nachdem sie einer Pulverexplosion zum Opfer gefallen war. 523 Moscheen manche von ihnen sind verfallen stehen in der Stadt. Berühmt ist dieAzhar-Moschee, die Blühende", die seit 988 zugleich Universität ist und als solche auf den ganzen arabischen Islam einen tiefgehen­den Einfluß ausübt. An der ganzen Ostseite der Stadt dehnen sich die Kalifen- und Mamelucken­gräber. Da schwingen sich prachtvoll leicht die küh­nen Kuppeln der Grabmoschee des Sultans Barkuk, die von zwei schönen Minaretts flankiert ist. Da sind Moscheen mit schönen Mosaiken und durch­brochenen Fenstern. Die eleganteste von allen, aus­gezeichnet durch hohe Kuppeln mit reichen band­artigen Ornamenten und durch wirkungsvolle Be­leuchtung der 50 runden Fenster, ist die Moschee Katt Beis. Die Museen von Kairo sind eine Be-

B e r l i n 3. Sept. (DNB.) Deutsche und rumä­nische Truppen sind auf der Taman-Halb- i n f e l im weiteren Vorgehen. Ein beherrschendes Höhengelände südostwärts Anapa wurde nach Brechen zähen feindlichen Widerstandes genommen. Bolschewistische unter Einsatz' von Panzerkampf­wagen gegen die neu gewonnenen Stellungen ge« führte Gegenangriffe wurden überall abgeschlagen. Wolkenbruchartige Gewitterregen und aufgeweichte Straßen waren für die deutsch-rumänischen Ver­bände kein Hindernis. An der Straße nach No­worossijsk wurde ein Höhenzug nach hartem Kampf genommen.

Der stark befestigte Gürtel vor Stalingrad konnte auch am Mittwoch den deutschen Angriff nicht aufhalten. In schwungvollem Angriff nahmen deutsche Panzerverbände eine wichtige Höhe süd- l i ch vor Stalingrad. Nachstoßende Infanterie baute die Höhenstellungen zu einem befestigten Stützpunkt aus. Unter dem Feuer schwerer Infanteriewaffen brachen Anstürme des Feindes, der die wichtige

Am meisten wurde in diesen Wochen eine poli­tische Karikatur anläßlich der Amtsübernahme des neuen Ministerpräsidenten Saracoglu besprochen. Die Zeichnung stellte dar, wie der neue Regierungs­chef die Treppe zu seinem Ministerium emporsteigt, wo ihn oben der Friedensengel und der Kriegsgott Mars erwarten. Der Engel sagt stolz:Hier kommt mein neuer Herr", worauf Mars bemerkt: ,Db er nicht auch mich vielleicht in seine Dienste nehmen wird?" Der Zeichner wollte damit gewiß nicht die Friedensliebe des langjährigen türkischen Außen­ministers und nunmehrigen Ministerpräsidenten in Zweifel ziehen, sondern nur ausdrücken, daß nach wie vor der Friedensengel und der Kriegsgott in Ankara um den Vortritt kämpfen.

Höhe wieder zurückerobern wollte, unter blutigen Verlusten zusammen. Im Norden vor Stalin­grad wurde im Angriff über einen kleineren Fluß ein Höhengelände von deutscher Infanterie, durch Ranzerkampfwagen unterstützt, genommen. Ein (Gegenangriff starker bolschewistischer Kräfte, der durch schweres Artilleriefeuer vorbereitet worden war, brach unter hohen blutigen Verlustes für den Feind zusammen. Nur an einer Stelle konnten die Bolschewisten einen unbedeutenden Einbruch er­zielen, aber der von Panzerkampfwagen unterstützte Gegenstoß vertrieb den Feind aus dieser Einbruch­stelle. Die deutschen Spitzen konnten ihren Angriff geschlossen weiter gegen die Befestigungswerke von Stalingrad vortragen.

Kein Erfolg der sowjetischen Angriffe bei Rschew.

Genf, 4. <5ept, (DNB. Funkspruch.) In der LondonerDaily Mail" schreibt der englische Mist-

rühmtheit, seine Bibliothek mit den reichhaltigen Koransammlungen hat Bedeutung für die ganze mohammedanische Welt. Man kann von Kairo nicht sprechen, ohne auch von den Bazckxen der Gold- und Silberschmiede, der Seiden- und Wollweber, der Waffenhändler und Kaffeehäuser zu sprechen.

Alles das ist von den Engländern zur Deckung ihrermilitärischen Stellung in Aegypten herabgewürdigt. Nicht erst seit den letzten Juni­tagen, da Rommel seinen unerhörten Siegeszug von Bir Hacheim über Tobruk, Sollum, Marsa, Matruk bis zu der Stellung von El Alamein vollbrachte. Die ägyptische Regierung, die für sich in Anspruch nimmt, einen selbständigen, wenn auch mit Eng­land verbündeten Staat zu vertreten, hat kurz nach Kriegsausbruch an die englische Regierung das Er­suchen herangetragen, Kairo zu einer unver­teidigten Stadt zu erklären, also sie für mili­tärische Zwecke nicht in Anspruch zu nehmen. Mit dieser Bitte ist sie an die richtige Adresse gekom­men. Es ist noch in aller Erinnerung, daß die Eng­länder 1940 an die Franzosen das Ansinnen stell­ten, Paris nach bolschewistischer Art zu einem Kampfobjekt zu machen. Die Franzosen haben diese selbstmörderische Anregung abgelehnt. Aber die Re­gierung des angeblich selbständigen Aegyptens mußte es sich gefallen lassen, daß die englische Re­gierung die Unfähigkeit ihrer Generale gutzumachen versucht, indem sie Kairo als Mittel der Krieg­führung benutzt. Am 7. Juni 1940 mitten wäh­rend des Streits über die Rolle von Paris berichtet der französische Botschafter in London, die englische Regierung habe die ägypttsche Bitte ab­gewiesen, da eine solche Maßnahmeunerwünschte militärische Nachteile" mit sich brächte. Dr. Ho.

war es verboten gewesen, diese Uebelstände mit zeichnerischer Ironie zu übergießen. Aber die Ver­bote ließen sich nicht durchhalten und der Aerger und die Erbitterung dürfen nun in Form von Kari­katuren ihr Ventil finden. Die zeichnerischen Größen der türkischen Witzblätter machen von der chnen ge­währten Freiheit auch reichlichen Gebrauch und überbieten sich in gepfefferten Darstellungen der wirtschaftlichen Nöte und der administrativen Män­gel in einem Maße, wie es kein Leitartikler sich herauszunehmen wagen würde.

Die starke und wohlberechtigte Anprangerung der Methoden englischer Militärs, gegen deutsche Kriegsgefangene vörzugehen, hat überraschend schnell gewirkt. Am Mittwoch hatte das OKW. auf den bei Dieppe erbeuteten englischen Befehl hingewiesen, wonach deutschen Kriegsgefangenen die Hände zu. binden seien, damit sie ihre Papiere nicht vernichten" könnten. Das OKW. hatte unter Hinweis auf die vollkommen legale Behandlung britischer Kriegs­gefangener durch uns erklärt, es würde künftighin allen ähnlichen Wildckestmethoden, die eine Schän­dung und Mißachtung tapferer Soldaten darstellten, zu begegnen wissen und forderte für den vorliegen­den Fall eine amtliche engkksche Bekanntmachung, wonach der Befehl auf Fesselung widerrufen würde. Sonst würden alle bei Dieppe gefangenen britischen Offiziere und Soldaten ab 3. September, 14 Uhr, in Fesseln gelegt werden.

Nun war der Bericht, der diesen ungeheuerlichen Befehl enthielt, von Deutschland schon am 30. August veröffentlich worden. Im brittschen Kriegsministe­rium hatte man sich nicht dazu geäußert, aber der Londoner Nachrichtendienst behauptete kurzweg, alle diese deutschen Angaben über die Erbeutung englischer Befehle seien deutsche Erfindungen. Gegenüber einer derartigen Dickfelligkeit bedurfte es schärferer Mittel. Und die deutsche Drohung mit Repressalien wirkte! Noch am gleichen Tage, am Mittwochabend, gab das britische Kriegsministerium eine Meldung heraus, die in Abrede stellt, daß irgendeinem deutschen Gefangenen die Hände ge­bunden worden sind. Jeder derartige Befehl werde, falls er herausgegeben sein sollte, widerrufen wer­den. Das britische Oberkommando gibt vor, solche Befehle nicht zu kennen. Allerdings wird auch die Möglichkeit nicht verneint, daß solche Befehle er­

gangen seien. Nun ist es für jeden deutschen Sol­daten unverständlich, wenn untergeordnete britische Stellen solche Verstöße gegen die primitivsten Grundsätze des Völkerrechts und Rückfälle in die Barbareien der britischen Kolonialkriege erlassen können. Aber darüber herrschen eben in Deutschland und England zweierlei Meinungen. Wir erinnern übrigens daran, daß bereits am 5./6. Juni in NorÄ- afrika Befehle eines britischen Brigadekommandeurs in unsere Hände fielen, nach denen kriegsgefangene Deutsche so lange ohne Wasser und ohne Nahrung bleiben sollten, bis sie von höheren Stellen vernom­men worden seien. Wir haben auch damals sofort die zuständigen Stellen in London aufgefordert, die­sen unerhörten Befehl zurückzuziehen, und mit Re­pressalien gedroht. Darauf wurde vom Londoner Kriegsministerium dieser Befehl mit der Behaup­tung zurückgezogen, es handele sich um Eigenmäch­tigkeiten' einer untergeordneten Stelle. Die Entschul­digung, auch bei Dieppe werde es sich um eine solche handeln, spricht für eine merkwürdige Be­fehlsgewalt untergeordneter Instanzen, die solche Wildwestmanieren anordnen dürfen, ohne daß die übergeordneten Stellen davon wissen!

Auf jeden Fall aber ist die Ableugnung der Be­hauptung, deutschen Gefangenen seien wirklich die Hände gebunden worden, doch ein starkes Stück des brittschen Kriegsministeriums, denn es weiß ganz genau, daß in Dieppe die Möglichkeit gefehlt hat, deutsche Kriegsgefangene zu machen. Es wird hier etwas geleugnet, was gar nicht behauptet worden ist. Das Unsoldatische ist eben, daß ein solcher Schandbefehl überhaupt vorliegt und daß er aus­geführt worden wäre, wenn die Engländer Ge­fangene gemacht hätten. Daher ist das scharfe Vor­gehen des OKW. zu begrüßen. Es reinigt die Lust.

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) Ankara, im August 1942.

Die Auflagezahl der türkischen Tagespresse ist, gemessen an der Vielheit der Zeitungen und an der Größe des Landes, bescheiden. Man schätzt sie auf 200250 000 Exemplare täglich, denen eine Gesamtbevölkerung von 17,5 Millionen Menschen gegenübersteht, von der allerdings ein erheblicher Teil des Lesens gar nicht oder nur unvollkom­men mächtig ist, jedenfalls nicht so, daß ihm das gebildete Zeitungstürkisch etwas sagen könnte. Da- bei ist das Interesse der Menschen auch außerhalb der größeren Städte für die Geschehnisse in der Welt fahr groß und ständig im Wachsen. Der Bestiedi- gung dieses Interesses dient in den Ortschaften, wo elektrischer Strom vorhanden ist, der türkische R u n d f u n k der ück unter staatlicher Leitung be­findet und dessen Avyören an Ort und Stelle vor- «rgswetfe imDolkshaus" der Republikanischen Dolkspartei erfolgt. Heute haben fast alle Kaffee- HL-user und Gasthäuser in den kleineren Städten Rundfunkgeräte und sind verpflichtet, die Nachrich­tenzeiten und die staatlich ausgegebenen Kommen­tare wahrzunehmen.

Neben Rundfunk und Presse gibt es in der Tür­kei noch eine sehr stark entwickelte Art der polittsch informierenden und kommentierenden Wochen­zeitschriften, bebildert, karikiert, teils für die städtische, teils für die ländliche Bevölkerung berech­net. Besonders die letztere Gattung ist stark ver­breitet und erreicht allwöchentliche Auflageziffern, die größer sind als der Durchschnitt angesehener Tageszeitungen. Die für das Land zurechtgemachten Witzblätter haben grobe, dreifarbige Zeich­nungen, mit auffallender Beschriftung in Blockschrift, um den Bauern das mühselige Lesen zu erleichtern. Billig, primitiv sind diese Witzblätter kleinen For­mats, stark ist ihre Wirkung. Sie enthalten in kon­zentrierter Kürze auch die wichtigsten innen- und außenpolitischen Nachrichten der abgelaufgenen Woche und stellen wirklich die Hauptlektüre der Be­wohner der entfernten Provinz dar. Es macht dabei nicht viel aus, ob das Blättchen Tage braucht, bis es den Weg von Istanbul bis nach Trapezunt oder Erferum zurückgelegt hat. Die ausländischen Staa­ten werden auf der Titelseite stets durch symbolische Figuren dargestellt, ,Deutschland immer noch mit Pickelhaube und martialischem Schnurrbart, England als John Dull, genau wie vor 50 oder 80 Jahren, die UdSSR, als Kosak, Italien als Bersaalieri. Be­dauerlich ist, daß die Redaktionen dieser Witzblätter mit Hartnäckigkeit an politischen Konzeptionen fest­halten, die in der gegenwärtigen Periode der türki­schen Außenpolitik nicht mehr so beherrschend sind, wie sie es noch vor zwei Jahren waren. Diese Sorte türkischer Witzblätter bemüht sich noch nach Kräften, der breiten Masse des türkischen Volkes die Achsen­mächte in möglichst ungünstigem Licht darzustellen und die Macht des brtischen Weltreiches zu unter­streichen.

Feiner in der Ausführung und etwas wendiger in der Anpassung an die politische Situation sind die in den Städten viel gelesenen Karikaturenblätter und Wochenschriften, die man sich am besten als türkische Gegenstücke zumSimplicissimus" oder denLustigen Blättern" vorstellt. Zeitschriften wie Karikatür",21 fbaba" (Der Geier) oderSchaka" (Der Scherz) verfügen über Karikat^renzeichner, die, auch t\ad) internationalen Maßstäben gemessen, große Klasse sind und scharfen Witz mit flotter zeich­nerischer Darstellung vereinigen. Gewöhnlich bringt jede dieser Wochenschriften eine oder zwei ganz­seitige Karikaturen, die sich mit der Kriegslage be­fassen. Die Zeichner bemühen sich, neutral zu sein. Das gelingt ihnen nicht immer, so daß nicht selten Verbote verhängt werden. Im Durchschnitt ist die politische Auffassung dieser Witzblätter nicht ganz so unfreundlich für die Achse, wie es die der Bauern-Witzblätter" ist, aber solche Unfreundlich­keit ist ja schon feit Jahren ein Merkmal ges größ­ten Teils der türkischen Presse.

Die Ablehnung des Judentums durch den Türken findet häufig feinen zeichnerischen Ausdruck in den türkischen Karikaturen. Mit Schärfe und viel zeichnerischem Witz werden die Juden, die Neu­reichen, die Wucherer karikiert. Da sieht man eine mit Brillanten reich geschmückte fette Spieltisch- runde, mit einigen weiblichen und männlichen jü­dischen Typen darunter:Pokerspiel auf der Som- merinsel Prinkipo" (die Sommerfrischenpreife sind derart gestiegen, daß sich nur noch Schieber und Juden dort niederlassen können, zum Aerger der weniger reichen türkischen Bevölkerung). Dazu gibt der Zeichner die Beschriftung:Beim Pokerspielen ist das Gewinnen nicht so leicht, wie im Geschäft" ...Kein Wunder, wie spielen ja auch unter uns..." (gerissenen Schiebern und Juden!) Oder man sieht den Istanbuler Juden Salomon, wie er auf einem Ruderboot mit der ganzen Sippe einen Ausflug macht und infolge der Ueberlastung bald das Boot zum Kentern bringt. Den warnenden Zuruf des Bootsmannes beantwortet Salomon mit der Bemerkung:Keine Angst Du sollst wissen, wo Salomon sitzt, da gibt's kein Untergehen!" Bissig ist auch die Schilderung eines jüdischen Fa­milienrats, der darüber beschließt, an wen das dekadent gezeichnete Töchterchen Rebekka nun ver­heiratet, das heißt verkauft werden soll. Die Mutter fragt den jüngsten Sohn Moise, was er davon halte, und der antwortet, man solle noch ein wenig mit dem Verkaufen warten, dann würde Rebekka im Preise steigen, entsprechend der allgemeinen Preis­steigerung, die in der Türkei herrscht (gerade durch das jüdische Spekulaytentum).

Die innerwirtschaftlichen Schwierigkeiten, die Un­zulänglichkeit der Preiskontrolle, die Knappheit der Waren, die Unmöglichkeit, mit dem Gehalt auszu­kommen, das schamlose Treiben aller möglichen Leute, den Mitbürgern das Geld aus der Tasche zu ziehen, bilden in den letzten Wochen die Haupt­themata der ttirkischen Karikaturisten. Anfänglich

Das große Risiko.

Das Stadium der britischen Kriegslage im vierten Kriegsjahr läßt in jeder der Großbritannien noch verbliebenen Zonen seiner einst weltbeherrschenden ozeanischen Stützpunktträume jene strategische Schwäche erkennen, die angesichts der erfolgreichen Kriegführung der Dreierpaktmächte von Monat zu Monat deutlicher offenbar wird. Erst dieser Tage hat ein britischer Admiral ein umfassendes Einge­ständnis solcher Schwäche auf einem Posten abge­legt, der zu Englands empfindlichsten Gefahrenstellen dieses Krieges gehört.

Admiral Sir Henry Harwood, Cunninghams Nachfolger, sprach die für England fatale Tatsache

(Porträt: Dehnen-Dienst.)

aus, um deretwillen sein populärer Vorgänger den Platz des Mittelmeerkommandos Ende Mai dieses Jahres verlassen mußt?, daß nämlich die bri­tische Stellung im östlichen Mittels m e e r durch die überlegene Schlagkraft der Achse gelähmt sei und daß ihm der Mangel an ausreichen­dem Fliegerschutzkeine normalen Operationen", wie er es nennt, mit den ihm unterstellten Kriegs­schiffoerbänden ermögliche. Zwar, so betonte der Ad­miral, werde man bereit sein, in dringlichen Fällen ein großes Risiko auf sich zu nehmen. Das Kräfteverhältnis in der Luft das schon nach der Meinung des damaligen Flottenchefs Cunning­ham nach'der Ausschaltung Maltas in der deutsch- italienischen Ueberlegenheit bestand sei aber für den Seekrieg im Mittelmeer von allergrößter Be­deutung.

Sir Henry Harwood hat dasgroße Risiko" be­reits zweimal auf sich genommen, das irn Juni und August mit den britischen Geleitzugkata- strophe n im Mittelmeer endete. Man vergegen­wärtige sich, daß Harwood, der vorher stellvertreten- .der Chef des Marinestabes in Landon gewesen war, zu einer Zeit nach Alexandria kam, als kurz darauf der Offensivzug der Rommelschen Panzertruppen durch Libyen anbrach. Zum Entsätze Ritchies, der mit der achten britischen Armee nacheinander aus seinen Stellungen in Bir Hacheim, Acroma und Ga- zala geworfen war, versuchte er ein Geleit nach To­bruk zu schicken, während von Gibraltar her ein schwer gesicherter Geleitzug in Richtung Malta un­terwegs war. Harwood lernte damals zur See jene militärische Schlagkraft der Achse kennen, die die Generale Auchinleck und Ritchie zu Lande vergeblich abzuwehren versuchten. Tobruk fiel, die Panzer Rommels nahmen von einem guten Stück ägypti­schen Bodens Besitz. Zwei Monate später ließ Ad-

tärschriftsteller Liddell Hart: Bei Rschew sei bis jetzt der Fortschritt der sowjetischen Angriffe noch keineswegs derart, daß er irgendwelche nennens­werten Erwartungen rechtfertige. Die deutschen Verteidigungsstellungen hätten sich als für die Sowjets zu stark erwiesen, sie hätten sie weder eindrücken, noch auch nur die Deutschen zwingen können, Verstärkungen aus dem Kampfabschnitt um Stalingrad oder dem Kaukasus heranzuziehen. Es sei nur vernünftig, wenn man damit rechne, daß die fowjetischen Verluste bei diesen Operationen um Rschew unverhältnismäßig höher liegen als die des Gegners. Auch stünden sie in keinerlei Verhältnis zu dem, was erreicht wurde. Ständige Frontalangriffe auf befestigte feindliche Stellungen lohnten sich nur, wenn auch der Durchbruch erzielt werde. Von den fowjejttfchen Operationen um Rschew könne man das aber nicht sagen.

Lagebesprechung in der Wüste.

Generalfeldmarschall Rommel mit einigen sein« Offiziere bei einer Lagebesprechung in der Wüste. *5 GK.-Krlegsberichter Tannenberg. jSchH