Gießener Anzeiger (General-Anzeiger fSr GberWen)
Nr. 154 Zweites Blatt
Von der petroleumlateme zur elektrischen Straßenlampe
Ein geistiger Spaziergang im Scheine der Gießener Straßenbeleuchtung
Korvettenkapitän Birnbaum.
| ich vermute, daß Sie diese Last trotzdem nicht loswerden. Vorläufig danke ich Ihnen für die Freund-
(Nachdruck verboten.)
Ü 4 Fortsetzung.
doch ein Bild vom Marktplatz aus dem Jahre 1840, das die Petroleumlampe an einem Draht über der Straßenmitte zwischen dem Faberschen und den» Rühlschen Hause hängend zeigt. Herr Carl Faber als alter Gießener und seine Frau, die aus dem Hankelschen Hause in der Neuen Bäue stammt, erzählten uns, daß die an dem Draht quer über die Straße hängende Lampe allabendlich mit einer Winde herabgelassen, mit Petroleum gefüllt und an* gebrannt, dann wieder hochgekurbelt wurde, um nun als spärlicher und doch gern begrüßter Richtpunkt in der Finsternis zu leuchten. Wo keine Möglichkeit gegeben war, die Petroleumlampen in gleicher Weise wie am Marktplatz zwischen zwei Häusern hängend anzubringen, namentlich in den Straßen am 'Stadtrand, waren sie auf Laternenpfosten als Stehlampen befestigt. So lebte man in Gießen bis zum Winter 18-56, in den Außenstraßen sogar noch etliche Jahre länger, bei der Petroleumbeleuchtung der Straßen.
Den für die damalige Zeit außerordentlich bedeutsamen Schritt vom Petroleum zum Gas erlebte die Stadt Gießen im Winter 1856. Am 17. September 1855 war zwischen drei Unternehmern, an deren Spitze ein Engländer, der Zivilingenieur John T e b a y aus London, stand, der die Gebrüder B e n k i s s e r , Hüttenwerkbesitzer in Pforzheim, und Ludwig August Ried ing er, Fabrikbesitzer m Bayreuth, als Mitunteryehmer vertrat, einerseits,
Die meisten Volksgenossen von heute können sich das nächtliche Bild unserer Straßen — allerdings nicht jetzt in der Kriegszeit mit ihrer absoluten Verdunkelung, sondern in Friedensjahren beim Scheine des Laternenlichts — im kargen Lichtschimmer von Petroleumlaternen, die immer nur in Abständen von etwa 100 bis 150 Metern standen, gar nicht vorstellen. Die strahlende Helle der elektrischen Glühbirnen mit je 300 bzw. 500 Watt in Abständen von etwa 50 Meter ist für sie eine Selbstverständlichkeit auf dem nächtlichen Heimwege. Die „älteren Semester" sehen allerdings vor ihrem geistigen Auge noch den Laternenanzünder^mit seinem Leiterchen unter dem Arm durch die Straßen wandern, an jedem Laternenpfahl auf der Leiter emporklimmen, das Fensterchen des kleinen Glashauses der Petroleumlampe öffnen, das Schwefelhölzchen am Hosenbein anstreichen und den petroleumgetränkten Docht anzünden, worauf er das Glastürchen des Laternenhauses sorgfältig wieder verschloß und von dem Leiterchen herabkletterte, um an der nächsten Laterne seine zeitgemäße Tätigkeit erneut zu beginnen. So ging die Tätigkeit der nächtlichen Straßenbeleuchtung jahrzehntelang in vielen deutschen Städten vor sich. An diese Zeit der Großväter bzw. Urgroßväter wurden wir dieser Tage erinnert, als uns ein altes Dokument aus Gießen vor Augen kam. Es stammt aus dem Jahre 1805 und hat folgenden Wortlaut:
Bekanntmachung.
„Ja, allerdings! Aber wie kommt das Ding in deine Wohnung?"
Ja, siehst du, ich habe eben aufmerksame Freunde? Ich habe den Wunsch geäußert, deinen Entwurf zu sehen, und sofort habe ich diese Kette dreimal geschenkt bekommen?"
„Was soll das heißen? Drei solche Ketten .. ?" „Nein, eine — immer dieselbe — aber von drei verschiedenen Leuten."
„Wieso? Was heißt das? Wer hat das Recht, dir solche Geschenke zu machen??." Er vergreift sich im Ton — mit einem solchen Ton darf er keine Erklärung von ihr verlangen, die sie ihm noch eben, in bester Laune geben wollte.
„Jeder!" sagt sie kühl und fest. „Jeder, dem ich das Recht zugestehe! Bist du etwa anderer Ansicht? Du spielst dich auf wie ein eifersüchtiger Ehemann!
„Ich spiele mich nicht auf!" schreit Detlev wütens „Und ich habe kein Recht, eifersüchtig zu sein, ich weiß es. Ich bin nicht dein Ehemann, und ich werde es auch niemals werden, ich weiß es! Ich habe überhaupt keine Rechte, denn ich bin ja — im Augenblick wenigstens — nicht imstande, dir solche Geschenke zu Füßen zu legen! Noch dazu dreimal! Was heißt das überhaupt, du hast sie dreimal bekommen? Willst du mir nicht erklären ...? Nein, du willst nicht, ich weiß, ich weiß! Du hast ja auch gar keine Veranlassung dazu? Daß mir uns einmal ganz gern gehabt haben, das spielt ja weiter keine Rolle'"
„Bitte schrei nicht so!" sagt Katta blaß bis in die
Händen erdrosseln!"
„Ich verbitte mir das!"
„Das glaub' ich! Aber das wird mich durchaus nicht hindern! — Weshalb 'bin ich überhaupt gekommen? Ein Wahnsinn ist es, ein Wahnsinn." Er greift nach Hut und Mantel, die wie üblich aus einen Sessel geworfen sind. „Also viel Vergnügen mit all deinen Verehrern! Mit Gerd Hosfstede, mit Herrn Sierinck, und mit dem dritten, dem ich daL Genick umdrehen werde! Auch ohne deine gütige Einwilligung! Denn die beiden andern — die nehme ich nicht ernst, aber ich werde„ auch den dritten herausbekommen. Also, ich gehe!"
Wenn ein Mensch in drohendem Ton die Worte „Ich gehe" hervorstößt, so bedeutet das, daß er darauf wartet, zurückgehalten zu werden. Das weiß Katta auch. Aber sie ist müde, sie hat keine Lust mehr zu weiteren Auseinandersetzungen.
„Gleichfalls viel Vergnügen!" sag^ sie kühl.
(Fortsetzung folgt.)
lichkeit, mit der Sie mich empfangen, unb, für die Geduld, mit der Sie mich angehört haben!"
,Oh, bitte!" Ein Zucken geht um ihre Nasenflügel, um ihre Mundwinkel, indem sie ihm die Tür öffnet.
28.
Die Obst- und Gemüseversorgung.
Durchführungsbestimmungen des Landesernährungsamtes Hessen.—Sonderregelung für Haus- und Schrebergärtner, Erntehelfer und Bahnsendungen.
Im Bericht dos Oberkommandos-der Wehrmacht -om 2. Juli wurde mitgeteilt, daß sich im Seege- : iet von Sewastopol auch die Verbände des deut- chen Korvettenkapitäns B i r n b a u m besonders iusgezeichnet haben.
Korvettenkapitän Friedrich Karl Birnbaum ist geborener Oberhesse, der als Sohn des früheren kammerdirektors der Gräflich Solms-Laubachschen Hüterverwaltung am 19. April 1907 in Laubach ge- i oren wurde und seine Jugendzeit in Laubach und in Gießen verlebt Hal. Er besuchte zunächst das Hymnasium in Laubach, später das Landgras-Lud- loigs-Gymnasium in Gießen, wo er im Februar ! 925 das Matupum bestand. Dann trat er als Kadett bei der Kriegsmarine ein, war zu seiner Ausbildung u. a. auch auf dem später untergegangenen Segelschiff „Niobe" und machte die von unserer iiriegsmarine erstmalig nach dem Weltkriege durch- efüijrte große Weltreise auf einem Kreuzer mit. leb er diese Fahrt hatte er seinerzeit in Reisebrie- Ien an den „Gießener Anzeiger" berichtet, die durch hre anschauliche und fesselnde Schilderung allge- neines Interesse fanden. Nach seiner Rückkehr von »er großen Fahrt hatte er hier einen stark beachteten Vortrag gehalten. Er hat dann im Laufe der 3ahre in den verschiedensten Dienststellen der Ma- rine Verwendung gefunden.
Die Tur ist noch keine Minute geschlossen, als sie wieder aufgeht. „ , f .
.Hast du Besuch gehabt?" fragt Detlev Nehl im Eintreten. „Ist dieser Herr bei dir gewesen?/
„Ja." Das ist eine äußerst kurze und nicht sehr befriedigende Antwort. Detlev preßt die Lippen aufeinander Bor vier Wochen wäre es eine Selbstverständlichkeit gewesen, daß er weiter gefragt hatte: wer war das? Und was wollte er bei dir? Aber dieses Recht scheint man ihm nicht mehr einräumen ^„Wie^war's gestern auf dem Fest?" fragt er ohne be andere Anteilnahme.
„Danke ... ganz nett ...du hattest wohl etwas Wichtigeres vor, daß du nicht kommen konntest?
„Ich hab' dich auf dem Fest gesucht wie eine Stecknadel." Er preßt das Eingeständnis wütend heraus. „Aber die Gnädige war nirgends zu finden' Was ist denn das?" Er hat das Kästchen auf dem Tisch ein paarmal hin und hergedreht ehe er es öffnet, es ist keine Neugier, daß er schließlich den Deckel aufspringen läßt, er weiß überhaupt nicht, was er tut, er ist sehr mit seinen Gedanken beschäftigt, er ist im Zuge, Katta alles zu lagen:' wie er sie gesucht hat, wie er sie vermißt hat, daß er sich ein Leben nicht vorstellen kann, in dem er fie dauernd vermissen soll, und dauernd suchen, vielleicht wäre das alles aus ihm hervorgebrochen, wenn nicht sein-Blick plötzlich auf die Kette gefallen wäre. „Das ist doch ...! Wie kommst du denn
Dein Entwurf, nicht wahr? Das wolltest du doch sagen?!"
Ne W» M WfsW
Am Dienstag, dem 7. Juli 1942, um 18.30 Uhr, spricht im großen Hörsaal der Ludwigs-Universität Vrof. Dr. hische von der Technischen Hochschule in Hannover im Auftrage des Berufserziehungs- verkes der DAF., Gießen, über: „Technische Anlagen und ihr Einsatz in den technischen Berufen .
Verdunkelungszeit:
4. Juli von 22.47 bis 4.36 Uhr.
5. Juli von 22.46 bis 4.37 Uhr.
Aus der Stadt Gießen.
Das freundliche Gesicht.
Man trifft es nicht immer an, das freundliche Besicht. Mancher erwidert einen verbindlichen Gruß ur knurrend. Hat er sich gar geärgert, so ist es rin Vergnügen, ihm in die Quere zu kommen. Er mn seine Umgebung tyrannisieren und gießt seine ble Laune selbst über die Friedfertigsten aus. >eine ständigen Anklagen richten sich gegen die Er- armlichkeiten und. Ungerechtigkeiten dieser Welt, in ?r er sich als einziges Exemplar tugendhafter /ohlanständigkeck wähnt. Gottlob gibt es aber nicht el seinesgleichen. Mehr sind schon vorhanden von ner Gattung, die den bekannten guten Kern in auher Schale bergen. Auch bei ihnen ist zunächst ichts von einem freundlichen Gesicht zu merken, sie ehen häufig mit gefurchter Stirn einher, aber der enner sieht aus vielen Fältchen und Runzeln doch en Schalk und die Gutmütigkeit.
Zwischen jenen beiden Erscheinungen dehnt sich »ie zwischen zwei Polen das weite Feld all derer, Ire heute ein freundliches, morgen ein böses, jetzt n wehleidiges und dann wieder ein beleidigtes Besicht macken. Die Schwankungen ihrer Gemütserfassung spiegeln sich auf dem Gesicht getreulich Tiber, und wenn ihnen in der Morgenfrühe eine aus über die Leber gelaufen ist, so kann man och am Mittag die Aergerfalten um Mund- und Augenwinkel registrieren.'Derjenige, der sich dann i Freundlichkeit naht, bekommt oft eisige Ableh- ung wie eine kalte Dusche zu spüren. Für den Be- hauer ist es aufschlußreich, solche Gesichter zu stu- ileren, und wenn er seinen Studienobjekten immer leid) einen Spiegel vorhalten könnte, so würde v vielleicht mehr Erfolg erzielen als mit einem tortrag über den Nutzen der Fröhlichkeit. Denn cwöhnlich sind es nur geringfügige Dinge, näm- ch die kleinen Disteln des Alltags, die den Aerger ervorrufen und das bis dahin freundliche Gesicht in Mn Gegenteil verwandeln.
Wir leben in einer Zeit, in der das freundliche Besicht unendlich viel aus dem Wege zu räumen crmag. Jeder weiß, wie wohltuend es ist, wenn er on einem Verkäufer froh begrüßt wird, jeder Keller empfindet dankbar die Annehmlichkeit, Gäste lit freundlichen Gesichtern in seinem Revier zu oben. Wer gut gelaunt ist, hat mehr vom Leben, :ud) wenn es mitunter Unbequemlichkeiten mit sich iringt. Dazu gehört allerdings guter Wille, aber ist er erst vorhanden, so kommt das freundliche Ge- cht von selber, und dieses wirkt wundertätig au: ie anderen. Darum sollte man danach streben, jetzt rft recht den Aerger nicht wuchern zu lassen, son- ern ihm kurzerhand den Garaus zu machen. Es chnt sich wirklich. * H. w. Sch.
„Ich glaube nicht, daß ich Sie mißverstanden habe. So klug bin ich allerdings." Auch sie spricht wieder ganz ruhig, aber in ihrem Lächeln liegt ein bitterer Spott. „Ich will Ihnen gern die beruhigende Versicherung geben, daß ich Ihren kleinen Schwager ton mir fernhalten werde — noch ferner als bisher. Ich werde es in Zukunft auch vermeiden, mit . ihm an einem Tisch zu sitzen oder ihm ein freundliches Wort zu geben. Schon im eigensten Jntereye. -3d) habe Aerger genug gehabt."
„Das bebaute ich aufrichtig. Und ich bin weit da- ;>on entfernt, ein solches Versprechen von Ihnen zu orbern." .. _ ., .
, Wenn Sie es forbern würben, würbe 'ck es auch laicht geben. So. Unb nun stecken Sie endlich dieses
Als vor nunmehro fünf Jahren Endesunterzeichnete Behörde einen Plan zur nächtlichen Beleuchtung der Stadt Giessen Entworfen, hat dieselbe, veranlaßt durch das Freywillige Anerbieten mehrerer hiesigen Einwohner, zur Bewürkung des zur An- chaffung der nöthigen Laternen nebst Zubehör er« ord erliche Fonds, eine Sudscription zu ein für allemal zu entridjtenben freywilligen Beyträgen eröfnet, und es hat auch diese Sudscription, der Erwartung welche man sich von dem patriotischen Eifer des hiesigen Publikums für alle und jede gemeinnützige Anstalten machen können, vollkommen entsprochen; dergestalt, daß dieses so nöthig als nützliche Jnstl- tui, längstens würde zu Stande gebracht worden seyn, fals nicht die Ausmittlung des zur Bestreitung der jährlichen Beleuchtung^- unb Unterhaltungs-Kosten erforberlichen Fonbs, den bisherigen Aufenthalt verursachet hätte.
Da aber nunmehro ein solcher, das hiesige Publikum auf keine Weise druckender Fond ausgemittelt worden, unb die höchste Genehmigung Sr. Land- gräsl. Durchlaucht bes regierenden Herrn Landgrafen zu Hessen erhalten hat, mithin der baldigsten Ausführung des entworfenen Plans nichts mehr ifn Wege stehef, gleichwohl, seit der vor fünf Jahren zur' Anschciffung der Laternen beschehenen Subscription, in dem Personal der hiesigen Einwohnerschaft beträchtliche Veränderungen sich ereignet haben, indem nicht nur mehrere der Subskribenten theils verstorben, theils von hier weggezogen sind, sondern auch die hiesige Stadt seitdem eine beträchtliche Anzahl neuer Einwohner, zu deren patriotischem Eifer für ein so sehr gemeinnütziges Institut, man billig gleiches Zutrauen heget, gewonnen hat; als hat man sich bewogen gefunden, eine neue Subscription zu Anschaffung der Laternen samt Zubehör, zu eröfnen.
So wie nun Endesunterzeichnete Behörde von dem rühmlichst bekannten Eifer der hiesigen Einwohner für alle Unb jede zum gemeinen Besten ad- zweckende Anstalten erwartet, daß ein jeder dieses, für die Sicherheit gegen Diebereyen unb sonstige llnorbnungen, für die Erleichterung der Arbeiten bei) Feuersgefahr, für die Bequemlichkeit und städtische Wohlänständigkeit überhaupt, in gleichen Grad zuträgliche Institut, durch einen freywilligen feinen Dermogensumständen angemessenen, ohnehin nur ein für allemal zu thuenden Beytrag, unterstützen werbe; so verspricht dagegen dieselbe ihrer Seits, nicht nur alles was in ihren Kräften stehet anzu- roenben, damit durch die zweckmäsigste Einrichtung dieser Anstalt, die Erwartung des Publikums bal- dialt befriedigt werde, sondern auch für die pflicht- mäfigfte und' nützlichste Verwendung der^Subscnp- tions-Gelder alle nur mögliche Sorge zu tragen.
Giessen den 4ien December 1805.
Landgräfl, Hessische Polizeydeputation dahier.
Dieser Appell hatte den erhofften Erfolg. Die nächtliche Beleuchtung der Straßen durch Petroleumlampen wurde geschaffen. Leider konnten wir bisher nicht feststellen', von welchem Jahre ab diese Verbesserung zu verzeichnen war. Vor uns liegt fe-
Ltui ein ..
„Ich denke gar nicht daran/
„Soll ich es Ihnen vielleicht ins Haus schien'. Dann verursache ich wieder neue Komplikatio-
Die ich gern vermeiden möchte. Ich habe keinen ii.ndern Wunsch, als daß Sie die Kette behalten — soweit ich überhaupt das geringste Recht habe, dar- iber zu verfügen."
Wenn Sie nicht möchten, daß ich sie Ihnen zu- iteüe, bann werbe ich barauf Rücksicht nehmen und sie so lange verwahren, bis die Situation geklart rt. Hoffentlich benachrichtigen Sie mich dann, an raen ich bieses höchst lästige Ding loswerben kaum
„Ich werde nicht verfehlen, Sie zu benachrichtigen!" Albrecht verneigt sich sehr förmlich. „Ader
unb der Provinzialhauptstadt Gießen, vertreten durch den Bürgermeister D. Ebel unb den meinberat andererseits, ein „Gasbeleuchtungsvertrag der Stadt Gießen" abgeschlossen worden, der am 19. Februar 1856 die Genehmigung des Kreisamtes Gießen als Aufsichtsbehörde erhalten hatte. Nach diesem Vertrag „über die Beleuchtung der öffentlichen Straßen unb Plötze ber Stabt Gießen mittelst Leuchtgas nebst Herstellung unb Unterhaltung einer Gasbeleuchtungsanstalt", der zunächst auf die Dauer von 30 Jahren, vom 1. Oktober 1856 ob gerechnet, festgesetzt wurde, verpflichteten sich die drei Unternehmer mit dem Engländer an der Spitze „die zur öffentlichen Beleuchtung nöthige Gasfabnk und Röhrenleitung auf ihre eigenen Kosten und Gefahr herzustellen und zu unterhalten und die Beleuchtung der im § 4 näher bezeichneten Straßen und P atze zu übernehmen". Nach dem § 4 war „die öffentliche Gasbeleuchtung vorläufig nur auf denjenigen Straßen und Plätzen herzustellen, die in dem angehefteten Plane durch Fardeanlegung bezeichnet, jebod) nur insoweit, als dieselben gegenwärtig schon mit Del beleuchtet sind. Die Anzahl der öffentlichen Laternen wird auf 200 festgestellt, wovon nicht mehr als 30 Stück auf Eandelaber und die übrigen auf Wanbärmen aufzustellen sind. Sollte sich bei der Placirung der Laternen ergeben, daß weniger als 200 ausreichen, so ist die Stadtgemeinde berechtigt, die Zahl derselben bis auf 175 zu rebuciren . Nach
Helfer mit sich führen, um sich bei polizeilichen Kontrollen über die Herkunft des Obstes ober Gemüses ausweisen zu können.
4. Inhaber von lanbwirtschaftlichen Grundstücken, Hausgärten, Schrebergärten usw., die ihren Wahnitz nicht in der Gemeinde haben, in der sich das Grundstück befindet, müssen sich, um Unannehmlichkeiten bei polizeilichen Kontrollen zu entgehen, von dem Bürgermeister der Gemeipde, in der das Grundstück gelegen ist, in Städten mit emgemein- beten Vororten von bem für das Grundstück zuständigen Polizeirevier, ober, falls fein Polizeirevier am Platze ist, von dem Ortsbauemsührer eine Bescheinigung ausstellen lassen. Bei der Beförderung des auf dem Grundstück geernteten Obstes oder Gemüses ist die Bescheinigung mitzuführen. Es wird besonders darauf hingewiesen, daß hierbei auch die Inhaber von Grundstücken nur so viel Obst und Gemüse befördern dürfen, als zur Deckung ihres eigenen Haushaltsbedarfes erforderlich ist. Juristischen Personen (Gesellschaften usw.) ist es nicht gestattet, Obst ober Gemüse an ihre Mitglieder zu befördern oder zu versenden.
5. Die Reichsbahn nimmt nur Obst- ober Gemuse- senbungen an, bie durch eine Bescheinigung einer Dienststelle des Reichsnährstandes ausdrücklich zur Beförderung zugelassen sind. Zur Beförderung zugelassen werden nur Bahnsendungen, die durch Ver- sandverteiler in Ausübung ihres Gewerbebetriebes ober burch Bezirksabgabestellen, Sammelstellen usw. in Ausübung der ihnen übertragenen Aufgaben erfolgen, sowie Bahnsendungen von eigenem Obst ober Gemüse an Inhaber von lanbwirtschaftlichen Grunbstücken, bie ihren Wohnsitz nicht m der Gemeinde haben, in der sich das Grundstück befindet. Ferner sind Bahnsendungen von Obst ober Gemüse, die als Geschenksendungen an Angehörige erfolgen, bis zur Gesamtmenge von 5 kg Reingewicht pro Monat zugelassen. Die Bescheinigungen werden bei Bahnsendungen durch Versandverteiler, Sammelstellen usw. vom Gartenbauwirtschaftsver- band Hessen-Nassau, Frankfurt a, M., Taunus-An- läge 6, ausgestellt. " Bei Bahnsendungen von eigenem Obst ober Gemüse an die Inhaber von landwirtschaftlichen Grundstücken, bie ihren Wohnsitz nicht m ber Gemeinbe haben, in der sich das ©runbftüd be= findet, sowie bei Bahnsendungen von Obst oder Gemüse als Geschenksendungen an Angehörige erfolgt die Ausstellung der Bescheinigung durch den Ortsbauernführer der Gemeinde des Versandbahnhofs, in Städten durch die zuständige Kreis- oder Be- zirksbauernschaft. Die Bescheinigungen der Orts- bauernführer bzw. Kreis- ober Bezirksbauernschaften haben nur für den Tag der Ausstellung Gültigkeit.
Der Nationalsozialistische Gaudienst Hessen-Naf- au teilt mit:
Das Landesernährungsamt hat nunmehr in Aus- ührung der Anordnung vom 29. Juni 1942 Durchführungsbestimmungen erlassen, die etwa bisher noch bei den Erzeugern und Verbrauchern bestehende Zweifelsfragen klarstellen. Aus dem Inhalt der Durchführungsbestimmungen sind folgende Vor- chriften von besonderem Interesse:
1. Selbstgepflückte Waldbeerenfrüchte, wie Brombeeren, Heidelbeeren, Walderdbeeren unb Waldhiw- beeren sind sel-bstverstänblich frei; fie unterliegen nicht ben einschränkenden Bestimmungen der Anordnung.
2. Auch Hausgartenbesitzer, Schrebergärtner usw. können überschüssige Erzeugnisse,deren Erfassung durch Sammelstellen oder durch vom Gartenbauwirt- ckaftsverband zugewiefene Verteiler nicht möglich ist, ausnahmsweise unmittelbar an Verbraucher absetzen, falls der Verderb der Ware zu befürchten ist. In diesen Ausnahmefällen muß der Hausgartenbesitzer bzw. Schrebergärtner dem Empfänger eine Bescheinigung aus stellen, aus der Name und Anschrift des Gartenbesitzers (Schrebergärtners ufm.), Name unb Anschrift bes Empfängers, Menge unb Art der gelieferten Erzeugnisse sowie Ort und Datum der Lieferung hervorgehen müssen. Diese Bescheinigung, die nur für den Tag der Ausstellung gültig ist, dient dem Empfänger bei der Beförderung der Erzeugnisse als Bescheinigung bei etwaigen polizeilichen Kontrollen. Selbstverständlich werden falsche Angaben schwer bestraft. _
3. Personen, die als Aushilfskräfte in der Ob stund Gemüseernte tätig sind (Erntehelfer), können bis zu einem bestimmten Höchstsatz Obst und Gemüse unmittelbar vom Erzeuger erhalten. Der Höchstsatz beträgt von jeder Obst- ober Gemuseart, für die Erntehilfe geleistet ist, für bie gesamte Erntetätigkeit 1 Kilogramm je Kopf der zum Haushalt des Erntehelfers gehörenden Personen. Der Arbeitgeber hat dem Erntehelfer für die geleistete Erntearbeit unb die Menge und Art der als Naturallohn gewährten Erzeugnisse eine Bescheinigung auszustellen. Der Erntehelfer hat die Bescheinigung bem Bürgermeister der Gemeinde, in der bie Erntehilfe geleistet würbe, in Städten mit eingemeinbeten Vororten dem für das betreffende Grundstück zuständigen Polizeirevier oder, wenn kein Polizeirevier am Platze ist, dem Ortsbauernführer, zur amtlichen Betätiqpnq vorzulegen. Der Bürgermeister (Polizeirevier, Ortsbauernführer usw.) wird sich durch Vorlage bes Lebensmittelstammausweises davon überzeugen, ob die dem Erntehelfer mitgegebene Menge dem oben erwähnten Höchstsatz der Zahl der Haushaltsangehvrigen des Erntehelfers entspricht. Auch diese Bescheinigung muß der Ernte-
fopieren lassen, oder ob er sie seiner Schwester abgeschnackt hat, ich finde es durchaus ungehörig, daß du solche Dinge von diesem grünen Jungen an- nimmst! Milde gesagt ungehörig. Und der da eben von dir weggegangen ist, das war Herr 2n= brecht Sierinck! Das fällt mir jetzt ein — natürlich war er das! Oder willst du das etwa leugnen?
„Ich habe weder Ursache, es zu leugnen noch es zu bestätigen."
„Und gekommen ist er, um von dir die Kette seiner Frau zurückzuverlangen .... und nachdem er bas Vergnügen deiner persönlichen Bekanntschaft gemacht hat, hat er dich angefleht, fie zu behalten? Wirklich reizend! Das wäre also das zwecke Mal .. und bas dritte Mal? Ich werbe auch das herausbekommen ... und wenn es anders liegt als in diesen beiben Fällen, wo zwei Narren dir ihre unerwünschten Huldigungen aufdrängen — dann — dann — dann werde ich diesen Kerl kaltblütig mit eigenen
Briefe in Bareiros Hand
Roman von Anna Elisabet Weirauch
Rechte durch Carl Duncker Verlag, Berlin W 35.
p.Bergiß nicht, daß du in einer fremden Wohnung bist, wolltest du das nicht sagen? Ich werde mich bemühen, es nicht zu vergessen!" Er dämpft mühsam bie Stimme. „Ich brauche keine Erklärungen, ich kann mir das schon selber zusammenrelmen. Natürlich hast du die Kette von Gerd! Aber wie das nun auch zusammenhängt — ob er ste für dich ycckl


