Das Halstuch für den Frontsoldaten.
Lieber 113000 Stück brachten Hessen-Nassaus Frauen zum Versand.
Außenminister Aranha gab bekannt, daß die gesamte brasilanische Handelsmarine einem „Schifffahrtskontrollamt" unterstellt werden soll, das seine Tätigkeit in der USA.-Botschaft sehr bald crufnehmen werde.
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An der Küste der Normandie und der Bretagne besuchte der Reichsorganisationsleiter Ausstellungen in den Lagern der Organisation Todt, unterrichtete sich über die Betreuung der Wehrmacht und der Frontarbeiter durch die NSG. „Kraft durch Freude". Er nahm auch teil an einer "Veranstaltung des Frontarbeitertheaters.
Der Generalbevollmächtigte für den Arbeitseinsatz hat den Höchstbetrag oes Trennungszuschlags für Dienstverpflichtete unter Anrechnung aller betrieblichen Leistungen auf wöchentlich 22,40, kalendertäglich 3,20 heraufgesetzt. Für den Fall, daß sich Uebergangshärten ergeben sollten, sind die Arbeitsämter zu Ausgleichszahlungen ermächtigt. Für die außerhalb des Reiches einschließlich des Generalgouvernements eingesetzten Dienstverpflichteten bleibt die bisherige Regelung.
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In der inneren Mongolei besetzten die Japaner Wuchen, den Sitz des Hauptquartiers der 101. Tschungking-Division, 18 Kilometer nördlich von Wuyuan westlich von Paotung.
Japanische Streitkräfte besetzten in Südchina die Festung Kaotschiao-Hau, nachdem sie die feindlichen Stützpunkte am Pao-Fluß überwunden und niedergekämpft hatten.
Aus aller Wett.
Verbrecherischer Pole zum Tode verurteilt.
Die polnischen Landarbeiter Kwiecinski und Brandt waren freiwillig nach Deutschland gekommen, da sie hier mehr verdienen konnten als in ihrer Heimat. Sie waren bei einem Bauern im Kreise Waldeck beschäftigt, mißbrauchten aber das in sie gesetzte Vertrauen in schnödester Weise. Dem Kwiecinski mußte der Bauer einen erbetenen Heimaturlaub abschlagen, weil Urlaubssperre bestand. Der Pole wollte sich deshalb an dem Bauern rächen. Gemeinschaftlich mit Brandt stieß er einem jungen Zuchtbullen mit einem Besenstiel etwa 30 Zentimeter tief in den After. Das Tier ging nach tagelangen qualvollen Schmerzen ein. Für die schändliche Tat verurteilte das Sondergericht den Kwie- cinffi zum Tode. Brandt, der erst 17 Jahre alt und von K. verführt worden ist, wurde zu 10 Jahren verschärftem Straflager verurteilt.
Kinderwagen im Kriegsgewand.
Im Interesse der Rohstoffersparung und der Arbeitsvereinfachung während der Kriegszeit erfolgt «ine Einschränkung von Typen der Kinderwagen sowie eine Vereinfachung derAus- st a t t u n g. Vom 1. Juli ab dürfen sämtliche herzu- stellenden Kinderwagen nur in Elfenbein einfarbig ohne jede Abtönung und ohne jede Absetzung her- gestellt werden.
Kunst und Wissenschaft.
Germall Bestelmeyer gestorben.
In Tegernsee ist der bekannte Architekt, Professor an der Technischen Hochschule in München und Präsident der Münchener Akademie der Künste, Dr. German Bestelmeyer im Alter von 68 Jahren gestorben. Bestelmeyer, Reichskultursenator und Mitglied vieler Akademien, war einer der namhaften Vertreter der neueren Baukunst, der die Zusammengehörigkeit der bildenden Künste — Malerei und Bildhauerei — mit der Baukunst erkannte und seine Schöpfungen nach diesem Grundsatz ausbaute. Er begründete seinen Rus durch den Erweiterungsbau der Münchener Universität, der in seiner Haltung von Harmonie und Sachlichkeit eine neue Baugestnnung erkennen lieh. Zu seinen Werken gehören zahlreiche bedeutsame Bauten im In- und Ausland, darunter die Erweiterungsbauten des Germanischen Museums in Nürnberg, das Gebäude der Reichsschuldenoerwaltung in Berlins das Germanische Museum der Harvard-Universität in Boston (USA.), der Bibliotheksbau des Deutschen Museums in München, außerdem eine ganze Reihe von Krankenhäusern und evangelischen Kirchen, die sich auf eine vorbildliche Weise in ihre Umgebung einfügen. In allen diesen Architekturen kommt Bestelmeyers schöpferisches Grundprinzip zum Ausdruck, daß die Architektur nicht nur den Zusammenhang mit den anderen bildenden Künsten zu wahren habe, sondern daß sie auch stets und überall mit der Landschaft und mit dem Volkscharakter in Einklang stehen müsse.
Lin nachgelassener Brahms.
Im Rahmen der von Dr. K. F. Leucht geleiteten Aschaffenburger Schloßkonzerte wurde das Klaviertrio in A-dur von Johanes Brahms aufgeführt — ein nachgelassenes Werk, dos erst 1938 veröffentlicht worden ist. ______________
Aus der Giadi Gießen.
Go geht es!
Für den Ablauf des menschlichen Lebens gibt es viele viele gute Sprüche, die gereimt und ungereimt stets eine kleine Lebensweisheit gratis und franko von sich geben. Auch im Kriege sind, sozusagen für den Heimatgebrauch, eine Reihe solcher Sprüche aus den Untergründen dichterischer Schöpfung aufgetaucht und nehmen zu diesen oder jenen Fragen auf ihre besondere Weise Stellung. Straßenbahnen werden in Versen um die allgemeine und besondere Höflichkeit, Hauswirte erinnern in zarten Reimen an die Pflichten der Verdunkelung, viele Städte schützen ihre Anlagen, indem sie das lichte Grün mit Hilfe des wohgefchirrten Pegasus überwachen, und in manchem großen und kleinen Lokal befindet sich ein Spruch, der wohl wert erscheint, hier einmal mitgeteilt zu werden. Wohlan beim:
Genieße froh, was dir beschieden, entbehre gern, was du nicht hast! Du bist im Krieg und nicht im Frieden — bedenke das, verehrter Gast!
Ein also verehrter Gast kommt kürzlich in ein Lokal, nimmt Platz, liest erst den Spruch, sodann die Speisekarte und bestellt unter Berücksichtigung der oben geschilderten Umstände. Nun ist es ihm aber dabei passiert, daß der Ober ihn trotz ausgeprägten lyrischen Einschlags eben nicht ganz so behandelt, wie es der Gast wohl erwarten möchte. Und deshalb ist diesem Gast jüngst ein anderer Vers eingefallen, den er fortan stets bei sich tragen will. Dieser lautet:
Verteil' gerecht, was dir beschieden, und gebe gern, was du noch haft! Das dankt dir später noch im Frieden — der so bedachte treue Gast!
Damit wäre für alle Zukunft beiden Teilen geholfen, und jeder hat die Möglichkeit, selbst ungereimte Dinge dem lieben Nächsten in wohlgesetzten und artigen Worten mitzuteilen. Wie gesagt, es kommt nur auf den Standpunkt an. —as—
Kür Tapferkeit vor üem Kemüe.
Dem Gefreiten Willi H ö n i g aus Gießen, Sandfeld 17, wurde für Tapferkeit vor dem Feinde bei den Kämpfen im Osten das Eiserne Kreuz II. Klasse verliehen.
Heinrich Winn t-
Vor einigen Tagen ist der frühere Baumeister Heinrich Winn in Gießen im 88. Lebensjahre verstorben und, seinem Wunsche entsprechend, in aller Stille bestattet worden. Damit hat ein Leben seinen Abschluß gefunden, das reich an Arbeit und an Erfolgen gewesen ist. Heinrich Winn stammte aus Lich. Schon in jungen Jahren wurde er als Bauführer seines Vaters mit verantwortungsvollen Baufaufgaben betraut. Später übersiedelte er nach Gießen. Zahlreiche öffentliche und private Gebäude in unserer Stadt und darüber hinaus in allen Teilen Oberhessens sowie der benachbarten preußischen Kreise sind im Laufe der Jahrzehnte von ihm errichtet worden bzw. unter feiner Mitarbeit entstanden. Eine seiner letzten großen Arbeiten war die Mitwirkung bei dem Bau der Gießener Volkshalle im Frühjahr 1925, obwohl er sich damals schon von seinen Geschäften zurückgezogen hatte. Von 1908 bis 1929 gehörte er der früheren Gießener Stadtverordnetenversammlung, dem späteren Stadtrat, an, in dessen Kreis er rege mitarbeitete. Daneben bekleidete er noch eine große eReihe weiterer Ehrenämter in gemeinnützigen Organisationen und wirtschaftlichen Einrichtungen unserer Stadt. UeberaU erfüllte er seine Ausgaben mit großer Tatkraft, wodurch er zu einem wertvollen Mitarbeiter für die Belange der Gießener Bevölkerung wurde. Vor etwa "12 Jahren zog er sich wegen seines hohen Alters, nachdem er schon eine Reihe von Jahren vorher seine geschäftliche Tätigkeit aufgegeben hatte, auch von dem öffentlichen Wirken zurück. In der Lokalgeschichte unserer Stadt hat sich Heinrich Winn durch seine langjährige Mitarbeit eine bleibende Erinnerung gesichert.
Notvieh-Absahveranstattung in Gießen
Für die am 10. Juli in Gießen stattfindende Zuchtviehabsatzveranstaltung von Bullen, Kühen und tragenden Rindern des deutschen Notviehs sind insgesamt 80 Bullen und 18 weibliche Tiere aus den Landesbauernschaften Hessen-Nassau, Kurhessen und Westfalen gemeldet worden. Außerdem find für die Abnahme von Rotviehbullen in die Ukraine zahlreiche Anmeldungen eingegangen, so daß der Gesamtauftrieb weit über 150 Tiere beträgt. Der Auftrieb erfolgt am Tage vorher mit anschließender Sonderkörung durch das Köramt der Landesbauernschaft Hessen-Nassau.
NSG. Im Ostfeldzug des vergangenen Sommers hat mancher Soldat die Erfahrung gemacht, daß ein weiches, seidenes Halstuch in Hitze und Staub sehr angenehm ist, denn es verhindert, daß sich der Hals an der Uniform wund scheuert. Das genügte für Tausende von Frauen, um sich der Sache anzunehmen und dafür zu sorgen, daß unseren Soldaten hier eine Erleichterung verschafft wird. Wer nicht selbst ein Halstuch an seine Angehörigen schicken konnte, der erhielt in den letzten Wochen von spende- frohen Händen eines zur Verfügung gestellt. Soldaten, die von eigenen Angehörigen kein Halstuch erwarten konnten, erhalten es nun im Feldpostpäckchen.
Im Gau Hessen-Nassau hat die N«.-Frauenschaft — Deutsches Frauenwerk in ihren Nähstuben 65 270 Halstücher aus passenden Stoffen, die von der Bevölkerung gespendet worden waren, genäht. Insgesamt konnten 113 203 Halstücher gesammelt und verschickt werden.
Die ersten Feldpostbriefe, die den Empfang eines solchen Halstuches bestätigen, liefen nunmehr em. Mr lesen: „Was doch alles unsere Frauen be- denken! Kommt da unerwartet so ein Päckchen aus meinem Heimatort. Ich öffne es und halte ein seidenes Tuch in der Hand. Was soll ich damit anfangen? Bald weiß ich es: Dieses feine seidene Tuch soll ein Schutz für den Hals sein. Ich binde es sofort um und spüre seine weiche und gegen das Brennen der Haut lindernde Wirkung. Dankbar empfinde ich diese so feinsinnig ausgedachte Spende, die mich nunmehr gegen das Scheuern des schweißfeuchten Rockkragens schützt. So danke ich auch heute wieder für diese Gabe ebenso herzlich und erfreut wie für all die anderen Gaben, die stets ein Zeugnis von der Spendkefreudigkeit und der Verbundenheit unserer Frauen mit dem Soldaten der Front gaben. Immer ist es etwas Neues, was die Fürsorge der Frau für uns ersinnt."
Tobruk und Sewastopol in der Wochenschau.
Es gibt keine uneinnehmbaren Festungen mehr. Das ist der Schluß, den der Besucher der neuen Wochenschau ziehen wird. Tobruk und Sewa - st o p o l sind Schauplatz der Handlung.
Die Aufnahmen von der afrikanischen Front werden eingeleitet durch sehr gut orientierte graphische Zeichnungen. Es wird dabei besonders deullich, daß der einzelne Volksgenosse — anders als der Soldat an der Front — die Ereignisse des Kriegsgeschehens schon nach wenigen Tagen durch den Film immer vom Standpunkt des Strategen zu sehen bekommt. Es ist ein erfreulicher Augenblick, in deutlichen, vom niedrig fliegenden Flugzeug aus gemachten Ausnahmen die einzelnen Teile der Feste Tobruk vor sich zu sehen und zu wissen, daß sie jetzt in unserer Hand ist.
In noch gesteigertem Maße erleben wir das historische Schauspiel einer zerbrechenden Festung vor den Bildern von Sewastopol. Das für den Gegner so günstige Gelände ist deullich als natürliche Verteidigungsstellung zu erkennen. Schluchten, steile Hügel, tiefe Gräben kennzeichnen das Angriffsterrain. Das Feld vor und in dem Fort „Maxim Gorki" ist übersät mit Bruchstücken von sowje-
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andemng am Sonntag.
gewährt, nach ünferm Endziel Allendorf. Dauer der Wanderung 4V$ Stunden.
Unfallschutz bei Wochenendfahrten zur elterlichen Wohnung.
NSG. Die Gauwaltung Hessen-Nassau der Deutschen Arbeitsfront macht auf die Entscheidung la 1604/42 des Reichsversicherungsamtes aufmerksam, die sich mit der Frage von Wochenendfahrten zur elterlichen Wohnung befaßt. In dieser Entscheidung heißt es: Bei Wochenendfahrten von unverheirateten Gefolgschaftsmitgliedern kann als Familienwohnung auch die elterliche Wohnung angesehen werden, sofern noch eine starke Verbundenheit des Versicherten mit der elterlichen Wohnung besteht, der Versicherte gewissermaßen die elterliche Wohnung als Familienwohnung beibehalten hat. (Entscheidung des Reichs- Versicherungsamtes vom 14. 2. 1942, Aktenzeichen la 1604/41.)
Oie HL. stellt Spielzeug her.
Da die Spielzeugindustrie anderweitig beschäftigt ist und unsere Kleinen doch zu Weihnachten nicht auf ihr Spielzeug verzichten sollen, hat die Bann- Werkreserentin des Bannes 116 die einzelnen Werkscharen des Bannes beauftragt, in den Baftelstun- den des BDM. und der IM. Spielzeug herzustsllen. Jede Werkschar muß fünf Baukästen, fünf Autos, drei Dörfer und drei Eisenbahnen Herstellen. Auch die Laubacher Werkschar, die wir in ihrem Heim besuchten, ist eifrig bei be'r Arbeit. Mit Laubsägen, Feilen, Hämmern, Glaspapier, Nägeln, Leim und Buntstiften wird das von den Handwerkern zur Verfügung gestellte Holz bearbeitet. Niedliche kleine Häuschen, Wohnhäuser, Rathaus, Schule und Kirche, ein Dorfbrunnen und kleine Bäume werden sorgfältig ausgesägt, und der Fantasie sind in bezug auf die künstlerische Gestaltung keine Grenzen gesetzt, wobei natürlich großer Wert auf die Haltbarkeit der angefertigten Gegenstände gelegt wird, die
Gießen—Krofdorf—Fellingshausen—Dunsberg— Bieber.
Der von Besteigern des Dünsbergs am häufiasten begangene Anmarschweg zur höchsten Kuppe unserer Umgegend ist der folgende: Wir gehen aus der Landstraße nach Krofdorf, durchschreiten den Ort und folgen roten Strichen, die uns die Straße aufwärts bis zum Walde bringen. An dieser Stelle haben mir einen schönen Rückblick nach den Burgen, über Gießen bis zum Vogelsberg und Taunus. Nun gehen wir am Waldrand nach links weiter und gelangen nach Fellingshausen. Das Zeichen führt durch den Ort nach den Hängen des Dünsbergs und in langsamem Aufstieg zur Höhe, wobei wir die Ringwälle sorgsam umgehen. Die Plattform des Turmes bietet eine ungemein reizvolle Fernsicht. Zum Abstieg wählen wir entweder den roten Strich, der uns in das Biebertal durch die Reehmühle oder die schwarze Punktmarkierung, die uns direkt nach dem Endziel Bieber bringt. Marschzeit vier Stunden.
Gießen—Hangelstein—Climbach—Allendorf.
Zu dieser Wanderfahrt benutzen wir blaue Striche, die uns auf der ganzen Strecke das Geleite geben. Wir beginnen unseren Marsch an der Unterführung in der Cderstraße, gehen den Bahnkörper entlang zur Badenburg. Das Zeichen führt uns durch das Badenburger Wäldchen, die Marburger und Daub- ringer Straße überschreitend, zum Hangelstein. Heber die Felsenkanzel, die Schöne Aussicht und die Schutzhütte geht es über den Daubringer Paß mit reizenden Blicken auf das Busecker Tal und die Rabenau mit den anschließenden Höhen. Ein gutes Stück später kommen wir über freies Feld, wo wir auf das Zeichen achten müssen; es befindet sich an einem Grenzstein und weist uns zum Wald nach links. Auf stillen Waldpfaden kommen wir nach geraumer Zeit am Aspenkippel, dem wohlerhaltenen Krater eines basaltischen Vulkans, vorbei, nach dem hochgelegenen Climbach, wo wir rasten können. Von Climbach führt der Weg, der prächtige Aussicht in das Lumdatal, nach Nordeck und Wiynen
tischen Kanonenrohren großen Ausmaßes. Wie es möglich war, diese Geschütze und die schweren Betonbunker des Forts aus den Angeln zu heben, und wie es auch zur Zeit dieser Aufnahmen noch in.den Händen des Feindes beftndlichen Teilen der Befestigung gehen wird oder gegangen ist, zeigen die nächsten Streifen. Sie zeigen deutsche Artillerie im Einsatz in einer noch nie gesehenen Steigerung. Mächtige Mörser speien großkalibrige Granaten auf die Höhen der gegnerischen Stellungen. Wir sehen Schwere Artillerie in Stellung gehen und in Aktion treten von einem Ausmaß, wie es bisher nicht bekannt worden ist. Im Innern des Geschützrohres kann ein Mann aufrecht sitzen, die Geschosse können nur mit Hilfe von Schienenanlagen und Kränen befördert werden. Eine solche Waffe ist nur sinnvoll bei einem Einsatz gegen Befestigungen unwahrscheinlicher Stärke; ihre Wirkung wird, das sagt uns nicht nur unser Gefühl, sondern auch die Erfahrung, die das deutsche Volk mit den jeweiligen Neuheiten des deuffchen Kriegsmaschinenbaus bisher machen konnte, auf alle Fälle durchschlagend sein.
H. H. G.
Briefe in Bareiros Hand
Roman von Anna Elisabet Weirauch
Rechte durch Carl Duntfer Verlag, Berlin W 35.
23. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
Dieser Ausbruch verblüfft Albrecht einigermaßen: „Aber nein! Kein Mensch würde auf den Gedanken kommen, ein solches Ansinnen an Sie zu stellen! Was ich von Ihnen erbitte, ist nur, daß Sie ihn nicht bestärken in seinen ...ich möchte es .Wahnideen' nennen ..."
„Was hat er denn für Wahnideen? Davon habe ich noch nie etwas gemerkt."
„Nun, was ein Junge in diesem Alter für Wahnideen hat, eine sogenannte große Liebe wahrscheinlich, ich will mit diesem .sogenannte' fein Gefühl nicht herabsetzen und noch weniger den Gegenstand seines Gefühls. Dies Gefühl kann sehr echt, sehr groß, sehr tief fein, auf beiden Seiten, und — von feiner Seite zum mindesten — sehr begreiflich. Aber trotzdem kann es zu nichts führen. Ich weiß nicht, ob einer der Beteiligten sich das einbildet. Dann ist es leider meine Pflicht, ihm die Illusion zu nehmen, daß Gerd imstande ist, nach feinem Willen zu heiraten", fährt Albrecht mit etwas mehr Festigkeit fort. „Das heißt, er kann selbstverständlich heiraten, aber er kann eine Frau nicht ernähren. Oder höchstens, wenn sie gesonnen ist, mit ihm Sorgen und Elend zu teilen. Er bezieht in meiner Firma ein kleines Gehalt; in einer anderen würde es eher noch geringer fein. Er macht vielleicht den Eindruck wie ein Sohn aus reichem Hause. Aber er besitzt durchaus fein eigenes Vermögen. Bei uns im Haufe wird er ziemlich verwöhnt, aber das würde selbstverständlich wegfallen bei einer Eheschließung ohne unsere Zustimmung."
„Ja, will er denn heiraten?" Ihr Lachen fhngt ehrlich, verwundert und herzlich.
„Dieser dumme Junge!"
„Ich nehme es wenigstens an!" Albrechts Haltung wird wieder etwas steifer. „Sie sind Künstlerin, in erster Linie Künstlerin. Gewöhnt an Erfolge, an Huldigungen aller Art, vor allem aber gewöhnt, selbständig zu sein. Aber jede Frau, auch die stärkste, wenn sie sehr lange auf eigenen Füßen steht... dann kommt ein Augenblick in ihrem Leben, wo sie einmal nichts anderes ^fein möchte als das, was sie ihrer eigensten Natur nach ist: Frau. Einmal die Augen zumachen und bei einem Stärkeren Halt suchen, ihm sagen: sorg du für mich, ich bin müde, ich möchte einen festen Punkt in der Welt haben, ein Heim und einen Menschen, bei dem ich bleibe, zu dem ich gehöre, mein Leben lang."
„Sagen Sie mal!" In Kattas Stimme zittert Lachen und Entrüstung. „Sind Sie hierhergekommen, um sich als Hellseher zu produzieren? Sie haben alle möglichen Begabungen! Sie sind nicht nur ein ausgezeichneter Gedankenleser! Wünschen Sie vielleicht, daß ich Ihnen ein Engagement beim Variete verschaffe?!"
„Das war nun nicht gerade meine Absicht." Albrecht findet sein Lächeln wieder. „Ich bin auch nicht Gedankenleser, ich besitze nur ein wenig Menschenkenntnis. Und weil ich mir embilbe, Menschenkenntnis zu besitzen ..." Es wird ihm nicht schwer, etwas mehr Herzlichkeit in seinen Ton zu legen, „darum stelle ich mir und Ihnen die Frage: was wollen Sie mit diesem dummen Jungen? Lassen Sie ihn laufen!"
Plötzlich bricht Katta in ein helles, klingendes Lachen aus. „Ja, reden Sie sich etwa ein... haben, Sie geglaubt... daß ich den Wunsch haben könnte, Gerd Hoffftede zu heiraten?"
„Das habe ich allerdings geglaubt." Albrecht ist ein wenig beleidigt durch ihre unbändige Heiterkeit. „Es steht in Ihrem Belieben, mich für sehr dumm zu halten. Ich weiß nicht viel von Ihren Beziehungen zu meinem Schwager. Ich weiß nur, daß Sie eine Kette tragen, die meiner Frau gehört und die
meinem Schwager auf eine ... milde gesagt ...' merkwürdige Art in die Hände geraten fein muß."
„Ah ... die Kette...!" Katta steht auf und auch Albrecht erhebt sich sofort. Aber sie weist ihm nicht die Tür, wie er angenommen hat. „Nun habe ich wenigstens endlich die Verbindung." Sie zieht an dem Bronzegriff einer schön geschweiften Kommode, nimmt ein Kästchen heraus und legt es mit einer so nachlässigen Geste auf das Tischchen neben ihm, als ob sie es ihm zuwürfe. „Bitte!"
Zu feinem Aerger spürt Albrecht, daß ihm das Blut heiß in die Stirn steigt. Er ist zornig, verlegen, und zugleich stellt er wider Willen fest, daß jede ihrer knappen Bewegungen unerreicht ist in Anmut, in Ausdrucksfähigkei't. Er berührt den Kasten nicht, streift ihn nur eben mit einem verächtlichen Blick. „Ich bin nicht gekommen, um von Ihnen das Eigentum meiner Frau zurückzufordern. Ich will Sie nicht im geringsten mit der Verdächtigung beleidigen, daß Sie von der Herkunft des Schmuckes gewußt haben."
Sie steht ihm gegenüber, in einiger Enfernung — sehr steil und gerade —, sie ist nicht viel kleiner als er, und ihr Blick trifft stahlblau in den seinen, jedenfalls habe ich nicht angenommen, daß er gestohlen ist. Und ich nehme das auch jetzt nicht an. Im Gegensatz zu Ihnen kann ich mich zwar keiner großen Menschenkenntnis rühmen, aber soviel weiß ich denn doch, daß der kleine Hoffstede kein Dieb ist. Wenn Sie ihn erzogen haben und ihn dann einer solchen Tat verdächtigen, bann tut es mir wirklich leid — für Sie und noch mehr für ihn !"
„Sie werden mir .zugeben, daß es ein sonderbares Zusammentreffen ist." Albrecht hat das peinliche Gefühl, sich entschuldigen zu müssen, was seiner Natur durchaus zuwider ist. „Ich lasse für meine Frau ein Schmuckstück anfertigen, mit der ausdrücklichen Bedingung, daß ein gleiches nicht noch einmal her- gestellt werden darf, es verschwindet, geht verloren, kommt abhanden, ich sehe es, ober zum mindesten ein sehr ähnliches, an einer Dame, die mit meinem Schwager bekannt ist."
„Und daraus folgern Sie, daß diese Dame krampfhafte Versuche macht, einen unreifen Jungen in ihre Netze zu ziehen und. solange es ihr nicht gelingt, ihn zu einer Heirat zu zwingen, ihn wenigstens zu Raub und Diebstahl verleitet!"
„Aber es liegt mir fern..."
„Oh nein! Es liegt Ihnen gar nicht fern! Wollen Sie nun vielleicht endlich Ihr Eigentum an sich nehmen?"
,/Aber, mein gnä ..."
Sie läßt ihn nicht zu Wort kommen. „Wie Sie nun die sonderbaren Zusammenhänge innerhalb Ihres Familienkreises aufklären, das ist Ihre Sache! Ich will damit nichts zu tun haben! Ganz nebenbei möchte ich nur bemerken, daß ich diese Kette nicht von Ihrem Schwager bekommen habe. Ich hätte von diesem Jungen auch niemals Geschenke angenommen, ich habe sie von ..., ich bin doch wohl nicht verpflichtet, Ihnen darüber Auskunft zu geben, wer mir etwas schenkt, und aus welchen Gründen ich es annehme."
„In keiner Weife. Nur können Sie nicht von mir verlangen, daß ich mich an fremdem Eigentum vergreife."
„Sie sind doch gekommen, um diese Kette wiederzuholen — also bitte! Sie sicht zu Ihrer Verfügung!"
„Ich bin nicht gekommen, um die Kette wiederzuholen! Ich verbitte mir, daß Sie mir derartige Motive unterstellen!" Jetzt herrscht auch er sie an, in dem gleichen scharfen, heftigen Ton, ohne die Stimme zu erheben. „Ich bin gekommen, um eine verwickelte Sachlage aufzuklären, aber nicht um Ihnen Geschenke abzunehmen, ganz gleichgültig, von wem Sie sie nun erhalten haben. Ich hatte auf Ihre Unterstützung gehofft." Sein Ton wird wesentlich ruhiger und wieder fast verbindlich. „Auf die Unterstützung einer klugen und welterfahrenen Frau; es tut mir leid, wenn Sie mich mißverstanden haben."
—' (Fortsetzung folgt.)


