Leder findet noch etwas!
Spendet zur Altkleider- und Epinnsioffsammlung.
Es sage niemand, die Schränke und Truhen wären bis zum letzten ausgeplündert, nun hätte er nichts mehr für die Altkleider- und Spinnstoffsamm- lung. Es sage dies niemand, weil solche Behauptungen einer gewissenhaften Ueberprufung doch nicht standhalten können! Haben wir nicht alle das eine oder andere Stück, das wir von Jahr zu Jahr als „noch verwendungsfähig" durchschleppen, jedes Jahr mit dem gleichen Eifer (und oft genug auch dem gleichen stillen Aerger) klopfen, sonnen und wieder einmotten, um zuletzt, wenn es um die Anschaffung eines neuen Kleidungsstückes geht, es als nicht brauchbar für diesen Zweck doch wieder beiseitezulegen?
Mit diesen ewigen „Außenseitern" endlich einmal aufzuräumen, ist das Gebot der Stunde. Ein anderes, ebenso dringendes Gebot aber ist der Entschluß, sich von einem oder anderem guten, noch durchaus brauchbaren Stück zu trennen. Wenn die Besitzerinnen solcher Schätze sich einmal ernstlich klarmachen, wie besonders groß der Verbrauch an Kleidung in einzelnen kriegswichtigen Berufszweigen ist, wie zum Beispiel die Landarbeiterin oder die Frau an der Maschine in der Rüstungsindustrie weit mehr Arbeitskleidung als andere verbraucht, ohne immer gleich genügenden Ersatz finden zu können, dann wird ihr eine nochmalige gründliche Durchsicht ihrer Bestände nicht schwer fallen, zumal diese fleißigen
werktätigen Frauen ja auch für sie und ihre Kinder schaffen und werken.
Auch bei der Durchsicht der Kleiderschränke von Mann und Sohn müssen ähnliche Erwägungen maßgebend fein. Die Männer, oft seit Jahr und Tag im feldgrauen Rock, haben heute kaum Gelegenheit, einen Teil, geschweige denn die ganze Gmderobe während der paar kurzen Urlaubstage zu nutzen. Run wird kein Mensch fordern, daß, während der Mann als Soldat vor dem Feinde steht, die Frau inzwischen seine Zivilkleidung verschenkt. Aber ein ober das andere Stück findet sich bestimmt, und es findet sich auch bei den Daheimgebliebenen, sofern sie nur über einige Vorräte bei Kriegsausbruch ver. fügten. Mancher Anzug ist schon seit Jahren nicht mehr getragen worden.
Alles nur einigermaßen überflüssige und erst recht jedes entbehrliche Kleidungsstück der Altkleider- und Spinnstoffsammlung zuzuleiten, sollte für jeden selbstverständliche Verpflichtung sein, um so mehr, da mir wissen, daß ein siegreiches Ende dieses Kampfes sehr bald jedem von uns Gelegenheit zum beliebigen Auffüllen aller Bestände geben wird. Im Augenblick aber steht als klares, hartes Muß die Forderung nach Ergänzung der notwendigen Arbeitskleidung für Front-, Rüstungsarbeiter und Landarbeiter. I. A.
Landesjugendführer der HI. in China und Führer der Schanghaier SA., unter starker Anteilnahme der Schanghaier deutschen Kolonie statt.
j Aus hex Stadt Gießen
Weit am Bahndamm.
Kunst und Wissenschaft.
Der Raimund-Preis der Sladk Dien für Hans Klöpfer.
Reichsstatthalter Reichsleiter Baldur von Schi- rich hat am Geburtstage Ferdinand Raimunds dem -Dichter Hans Klöpfer den „Raimund-Preis der Stocht Wien für 1942" verliehen. Der „Raimund- Preis" in Höhe von 5000 RM. wird ebenso wie der „Grillparzer-Preis" nur für Leistungen verliehen, die eine wertvolle Bereicherung des deutschen Schrifttums darstellen. Dr. Klöpfer wurde 1867 in Eibiswald geboren. Lauterkeit der Gesinnung und vollendete Klarheit im Gedanklichen geben seiner Kunst, die unter dem Gesetze einer tiefen Menschlichkeit steht, das Gepräge einer männlich kraftvollen Persönlichkeit, seine hochdeutsche ßprif liegt in den „Gesammelten Gedichten" vor. Seine Mundartdichtungen sind in dem Band „Joahrlaus" gesammelt erschienen. Seine Prosabücher „Sulmtal", „Kainachboden" und „Steirische Geschichten" schildern Landschaft und Menschen der Steiermark. Klöpfer ist Ehrendoktor der Grazer Universität und übt trotz seiner 75 Jahre noch feinen Beruf als Landarzt aus. Der Gießener Anzeiger hat schon eine Reihe kleinerer Arbeiten des Dichters veröffentlicht.
Frieda kwast-hodapp spielt Reger-varialionen.
Die Pianistin Frieda Kwast-Hodapp hat nach längerer Pause zum erstenmal wieder einen Klavierabend gegeben. Sie spielte in Heidelberg zwei Variationen-Werke von Max Reger, die beide von ihr seinerzeit aus der Taufe gehoben worden sind: die Bach-Variationen und die Teleman-Va- riationen.
Gastspielreise der Berliner Philharmoniker.
Die Berliner Philharmoniker unternehmen unter Leitung von Wilhelm Furtwängler eine Gastspielreise nach der Schweiz, wo sie Konzerte geben werden in Basel, Bern, Genf, Lausanne und Zürich. Auf dem Spielplan stehen Beethoven- Symphonien und feine III. Leonoren-Ouoertüre, Schuberts Oclur-Symphonie, Brahms' Vierte und Wagners Vorspiel zu den „Meisterfingern".
Aus aller Well.
Unkersee-Tunnel in Japan.
Der Untersee-Tunnel zwischen Modschi und Schi- monoseki, der Japans Hauptinsel H o n s ch i u (Hondo) mit der südlicher gelegenen Insel Kiu- schiu verbindet, ist soweit fertiggestellL, daß bereits am 1. Juli der Eisenbahn-Fracht- verkehr ausgenommen werden kann. Im Herbst wird der Tunnel auch für den Personenverkehr freigegeben werden. Die Frachtzüge ersparen künftig fünf bis sechs Stunden an Zeit. Außerdem wird die Zahl der Züge vermehrt werden können. Rach dem 1. Juli erfolgt die Einstellung des Frachtfährverkehrs zwischen Schimonoseki und Komorie.
Zuchthaus für Abhören ausländischer Sender.
Lpd. Worms, 2. Juni. Die immer wieder bekanntgegebenen Hinweise auf das Verbot und die Strafbarkeit des Abhörens und der Verbreitung ausländischer Rundfunksendungen hinderten den 64jährigen Karl Seeh in Herrnsheim nicht, sich seit Kriegsbeginn bis zum Januar 1942 laufend in den Nachrichtendienst eines feindlichen Senders emzufchalten, seine Tochter, die Ehefrau Maria Feistel zur fortgesetzten Teilnahme an diesem Verbrechen zu verleiten und auch dem in derselben Hausgemeinschaft wohnenden Fabrikarbeiter Philipp Schmitt in wiederholten Fällen den erlogenen und irreführenden Inhalt dieses feindlichen Nachrichtendienstes durch Mitteilung einzelner Meldungen ober durch gemeinsames Äbhören bekannt- zugeben. Der Hauptangeklagte Seeh, der erst bei Aufdeckung seiner Straftaten von seiner weiteren verbrecherischen Betätigung abließ und auch in der Hauptverhandlung nur wenig Verständnis und Einsicht für die Verwerflichkeit seines Verhaltens ausbringen vermochte, wurde zu 4 Jahren Zuchthaus, die Ehefrau Feistel zu 2 Jahren Zuchthaus und der Mitangeklagte Schmitt zu 1 I a h r u n d9 Monaten Zuchthaus verurteilt. Im Hinblick auf die besondere Schwere und Verwerflichkeit dieser Pslichtwidrigkeiten gegenüber ber Volksgemeinschaft im Kriege würbe' in allen Pallen auch für angemessene Zeit ber Verlust ber bürgerlichen Ehrenrechte ausgesprochen. Die zur 'Straftat benutzten Rundfunkgeräte verfielen der Einziehung.
Mit seinem breiten, hohen Rücken überragt der Eisenbahndamm die flache Landschaft ber Gärten, Felder und Wiesen und stößt wie ein riesiger Steg, weit ins Meer gebaut, in den blauen Horizont vor. Immer sind die funkelnden Schienen, die Nervenstränge dieses wuchtigen Schotterkörpers, in bebender, wenn auch unsichtbarer Erregung. Immer tragen sie den wilden Rhythmus der rasenden Röder, so leise beginnend, daß du das Ohr auf ihren Stahl legen mußt, um sie zu hören, dann anschwellend zu metallischem Tosen, lärmendem Rattern, dröhnendem Donnern und wieder verhallend an Stärke und Ungestüm bis zum allmählichen Ersterben in der Ferne, wo doch nur Stille vorgetäuscht wird.
Gelassen ziehen indes rechts und links der Böschung gewundene Feldwege, und holpernde Fuhren knarren, aller Hast abhold, ihren ruhigen Drott. Und unbekümmert um die sausenden Ungetüme der Eisenbahnzüge haben sich allerlei Pflanzen und Tiere den Damm zum Stand- und Wohnort erwählt und erfreuen sich sogar mitunter zwischen Gleisen und Schwellen eines zufriedenen Daseins.
Eine Eidechse, die wie eine smaragdne Agraffe auf einem flachen Stein zwischen Gräsern in der Sonne träumte, flüchtet aufgeschreckt von meinen Schritten. Wie ein leichter Windstoß bewegt ihr Davonhuschen Blüten und Halme und zeichnet sekundenlang ihre Zickzackspur ab, die in einem Erdloch endet. Eine Haubenlerche trippelt pickend zwischen den Schwellen. Vor dem heranbrausenden Zug rennt sie der Böschung zu, fliegt kurz auf und kehrt im Bogen rasch wieder auf die freien Gleise zurück. Ein rotrückiger Würger, ber an seinem aschgrauen Kopf und dem schwarzen Strich durch das Auge kenntliche Neuntöter, knarzt von einer Telephonleitung herab, wie eine Türangel. Er spät nach Beute. In dem wilden Gedörn einer Schlehhecke, die sich mit ihren Ruten bis in die Wege spreizt, wird wohl das Nest versteckt fein. An den langen Dornen werden die erbeuteten Kleintiere auf Vorrat für die Familie aufgespießt. Ein Hase überquert in kleinen Sprüngen furchtlos die eisernen Stränge und hoppelt seelenruhig in ein jenseitiges Kleefeld hinab.
Heber dem Blütenbunt üppiger Sommerkräuter, der Schafgarben, Ampfer, Mohn und Steinnelken, die noch zwischen den Schwellen wachsen, surren und schwirren Bienen und Käfer, Hummeln und Wespen, Fliegen und Kleinschmetterlinge. Diese Bläulinge, Blutflecken und Widderchen glitzern wie Funken in der Sonne und stieben wie verwehende Blütenblättchen davon. In einem Brennesselbusch häufen Scharen von schwarzdornigen Raupen des Tagpfauenauges, in ihrer Harmlosigkeit doppelt gesichert durch ihr Aussehen und die tückische Abwehr ber Futterpflanze.
Wieder donnert ein Zug vorbei fernen Zielen zu. Wie ein flüchtiger Schatten streift die große Welt die kleine.
Professor Or. Albert Peppler f.
Der Professor für Meteorologie an der Technischen Hochschule Karlsruhe und Direktor der Badischen Landessternwarte Dr. Albert Peppler ist im Alter von 60 Jahren gestorben. Professor Dr. Peppler, ber in Grünberg (Kreis Gießen) geboren war, konnte erst vor kurzem seinen 60. Geburtstag begehen. Wir hatten aus diesem Anlaß das Lebenswerk des verdienten Gelehrten gewürdigt. Peppler arbeitete als erster Beobachter auf dem damals neuge gründeten Observatorium auf ber Zugspitze. Im Jahre 1903 richtete er an ber Universität Gießen die Wetterdienststelle ein und schuf damit eine der ersten Einrichtungen dieser Art des praktischen Wetterdienstes an deutschen Hochschulen. Schon nach drei Jahren, im Jahre 1906, folgte er einem Ruf an das Kaiser-Wikhelm-Jnstitut für Landwirtschaft in Bromberg, wo er ebenfalls den praktischen Wetterdienst einrichtete. Er habilitierte sich an ber Universität Gießen und widmete sich dann insbesondere der Erforschung der Sonnenstrahlen. Während des ersten Weltkrieges wirkte er bei dem Marine-Observatorium in Ostende in hervorragender Weise mit. Nach dem Kriege gründete er im staatlichen Auftrag die Badische Lanbes- fternmarte in Karlsruhe. Im Jahre 1935 wurde ihm die Leitung des Meteorologischen Jnstttuts der Technischen Hochschule Karlsruhe übertragen. Der Reichswetterdienst, der für die Luftfahrt von großer Bedeutung ist, hatte in Professor Peppler einen seiner hervorragendsten Wegbereiter und Mitarbeiter. Zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten sind als Ergebnis des umfangreichen Lebenswerkes des Verstorbenen für die Nachwelt von großer Bedeutung.
Kür Tapferkeit vor öem Keinöe.
Der Seekadett Richard Kliffmüller aus Gießen, Wilhelmstraße 60, wurde für seinen tapferen Einsatz bei den Kämpfen zur See mit dem Eisernen Kreuz II. Klasse ausgezeichnet.
meldet:
SfäJ'B Vier Gewinne zu je 500 VM. im Monat Mai.
Zu den bereits gemeldeten Gewinnen wurden nochmals zwei Gewinne zu je 500 RM. gezogen. Einmal am Pfingstfarnstag von einem jungen Mann aus Münchholzhausen am Bahnhof Gießen, zum andern am Sonntag in einer Gaststätte der Wetzsteingasse von einer jungen Frau, deren Mann im Felde ist. Durch die Opferfreubigteit eines großen Teiles der Gießener und ber hier weilenden Soldaten wurde ein recht guter Umsatz erzielt. Dadurch war es möglich, allein im Monat Mai über 13 000 RM. an Gewinnen zur Auszahlung zu bringen. Die braunen Glücksmänner sind aber weiterhin unentwegt tätig, um für das Kriegshilfswerk die nötigen Mittel beijubringen, und so manchem Käufer eines Losbriefes winkt dabei das Glück, einen großen Gewinn zu erhalten.
Oie Kamillen beginnen zu blühen.
Ein uraltes Heilkraut, das bei Arzt und Volk sich gleicher und berechtigter Beliebtheit erfreut, ist die Kamille, die in wärmeren Gegenden unseres Gaues eben zu blühen beginnt. Abgesehen von denen, die es beruflich angeht, sollte jeder dieses wichtige Heilkraut kennen. Es fei daher darauf hingewiesen, baß die echte Kamille an folgenben Merkmalen erkennbar ist: Erstens an ihrem eigenartigen Geruch und zweitens daran, daß ber Blütenboden der echten Kamille hohl ist, was man leicht feststellen kann, wenn man mit dem Taschenmesser,das Blüten-köpf- chen senkrecht durchschneidet. Alle anderen Kamillenarten haben markige Blütenböden. Nur die strahlenlose Kamille duftet ebenso und hat einen hohlen Blütenboden, es fehlen ihr aber die weißen Rand- blüten.
Die jungen Blütenkörbchen werden am besten mit der Hand gezupft, indem man sie durch Zufassen mit den gespreizten Fingern abftreift. Die Blütenstiele sollen höchstens 1 Zentimeter lang sein. Halb- oerblühte Blüten zerfallen beim Trocknen sehr leicht, daher nicht sammeln! Hm dieses wertvolle Heilmittel stets zur Hand zu haben, muß man auf sorgfältiges Trocknen achten. Dies geschieht am besten durch Ausbreiten in sehr dünner Schicht auf einem schattigen Dachboden, d. h. so, daß praktisch Blüten- köpschen neben Blütenköpfchen liegt, und nicht etwa, daß diese übereinander liegen. So werden die Blüten gänzlich unberührt bis zur völligen Trocknung liegen gelassen. Diese ist erst dann erfolgt, wenn auch das Innere der Blütenköpfchen völlig trocken ist. Daher erst durchschneiden und überzeugen! Be
folgt man diese Sorgfalt nicht, tritt leicht Gärung Verfärbung und rascher Zerfall der Blüten ein. Die Aufbewahrung und der Versand erfolgen in sauberen, mit geruchlosem Papier ausgeschlagenen Kisten, Pappkasten ober Blechdosen.
Es sei nicht auf die z. T. allbekannten Verwen- bungsgebiete 'ber Kamille gegen innere und äußere Entzündungen eingegangen, wichtig istt gegenwärtig nur, daß diese Blüte, die so ungern als Äckerunkraut gesehen wird und so nützlich als Heilmittel ist, in größten Mengen gesammelt wird.
Allen Liebhabern ausländischer Kamillen sei hierbei gesagt, daß die ausländische Kamille zwar wegen der Größe ihrer Blütenköpfchen vielfach beliebter ist, daß aber die deutsche, meist etwas kleinköpsigere Kamille in ihrem Gehalt an Heilstoffen der ausländischen überlegen ist.
Rat und Auskunft erteilen in allen Fällen die Kreissachbearbeiter R.f.H., deren Anschriften bei den Kreisleitungen der NSDAP, zu erfragen sind.
Lustschutzaufwendungen beiNeubauten.
Aufwendungen für Zwecke des Luftschutzes, die in wirtschaftlichem Zusammenhang mit einem Gebäude stehen, das nicht zu einem Betriebsvermögen gehört, sind Werbungskosten bei den Einkünften aus Vermietung und Verpachtung. Sie können in dem Kalenderjahr der Ausgabe voll abgefetzt werden. Das gilt nicht, soweit diese Aufwendungen vom Reich oder von anderer Seite erstattet werden. In einem Fall, der dem Reichsfinanzhof Vorgelegen hat, war ftreitig, ob auch die Aufwendungen für den Einbau von Luftschutzkellern in Neubauten steuerlich begünstigt seien. Der Steuerpflichtige Hatte im Jahre 1939 ein Mietwohnhaus errichtet und durch den Einbau von Luftschutzkellern Mehrkosten von 7500 RM. gehabt. Im Gegensatz zu den Vorinstanzen hat der Reichsfinanzhof,(VI 206/41) die Absetzung dieser Aufwendungen vom Einkommen zugelassen. Die Herstellung von Luftschutzräumen liege im Interesse ber Landesverteidigung und im Interesse ber gesamten Bevölkerung. Es komme für die Anerkennung ber Abzugsfähigkeit nicht darauf an, ob bie Luftschutzräume freiwillig ober auf behördlichen Zwang eingerichtet werden. Es sei auch einerlei, ob sie in bereit? vorhandene Gebäude ober in neu errichtete Gebäube eingebaut werden.
Verschärft« Bestimmungen des paß-Etrafverfahrens.
Amttich wird bekanntgegeben: Durch die in diesen Tagen vom Ministerrat für die Reichsverteidigung erlassene Paß-Strafverordnung ist eine Reihe von Strafbestimmungen für Zuwiderhandlungen gegen die Paßvorschriften wesentlich verschärft worden. Es liegt daher in jedermanns eigenstem Interesse, beim Grenzübertritt und bei Beschaffung wie Benutzung der zum'Grenzübertvitt erforderlichen ober bestimmten Urfunben die äußerste Sorgfalt zu üben. Neu ist in der Paßstrafverordnung u. a. bie Bestimmung, daß nunmehr auch ber Verlust einer
Warnung aus Stendal
Roman von A. Lothar Philipp
<5. Fortsetzung. (Nachbruck verboten.)
Er setzte sich wieder. Jren-e warf ihm einen wut- erfuüten Blick zu, und Sumor blickte ihn heim- tuckifch von der Seite an. Lanos aber sah nur zu Elrsaüech hinüber. 0
Der Staatsanwalt erhob sich.
„Die Angaben des Angeklagten Lanos find durchaus einleuchtend, und sie werden durch bie bereits feststehenden Ergebnisse der Beweiserhebung gestützt. Vor allem sagte der Zeuge Dr. König Ö—' em Zigeuner tarn, als Barthold kaum
einige Minuten bei ihm war, und ihn erregt ab- bolte Offenbar hat es Barthold verstanden, sich der Beobachtung zu entziehen, sie fanden aber Sann doch wieder feine Spur bei dem Anwalt und beimchten sich, ihn wieder zurückzubringen. Lanos mackst einen glaubwürdigen Eindruck, und wenn wir ihm Glauben schenken wollen — er steht offen- bar noch unter einem Zwang und verschweigt das Wichtigste, wahrscheinlich aus Furcht vor der Racke dieses Stammes —, ich sage, wenn wir Lanos Glauben schenken wollen, dann kann nur die Angeklagte Norodna die Täterin sein. De»n sie war in der Wohnung, das steht fest, und wenn Lanos sagt, er habe Barthold nicht gesprochen und ihn nicht getötet, bann kann es nur die Norodna gewesen fein. Unb das erklärt auch den Mordversuch im Eispalast — Sie sah Lanos neben dem Kri- minalrat stehen, Lanos, der als einziger ihre Tat kannte, und dessen Tod ihr daher allein Sicherheit geben konnte, und deshalb schoß sie auf ihn, um diesen einzigen Zeugen ihrer Tat zu totem Ich erhebe deshalb gegen bie Angeklagte Norodna Anklage wegen Mordes."
Kriminalrat Wenig saß auf der Zeugenbank unb war mit ber Entwicklung recht zufrieben, die Konflikte häuften sich, unb es konnte nicht mehr lange dauern, daß die drei Angeklagten aufeinander- pvallen mußten. Unb bann waren Enthüllungen zu harten, welche durch die sorgfältige Arbeit der
den
ver-
„Jawohl", sagte der Verteidiger, „ich halte es für richtig, Frau Hauckwitz jetzt zu vernehmen, um
Der Verteidiger erhob sich jetzt und stellte Antrag,.Frau Hauckwitz zu vernehmen.
„Frau Hauckwitz?" fragte der Staatsanwalt
Polizei genügend vorbereitet waren, um hier sich entfalten zu können.
Er brauchte nicht lange zu warten, denn kaum hatte sich der Staatsanwalt gefetzt, als Sumor mit verzerrtem Gesicht aufftanb, sich an die Rampe der Angeklagtenbank drängte und rief:
„Lüge! Lüge! Alles Schwindel! Irene ist unschuldig wie bas klare Wasser. Lanos hat Barthold getötet, denn ich — ich habe es selber gesehen mit diesen meinen beiden Augen. Ich war in ber Wohnung und konnte alles mit an seh en: ich schwäre es, Lanos hat den Barthold getötet."
Der Vorsitzende warf einen Blick zu Wenig hinüber. Wenig lächelte und kniff das linke Auge zusammen.
„Ihre Eröffnungen sind uns sehr wertvoll, Angeklagter Sumor", nahm der Vorsitzende bas Wort, „bitte, erzählen Sie uns genau, was Sie gesehen haben."
„Ja, Herr Präsibent, bas will ich, unb jedes Wort, bas ich sage, ist bie reine Wahrheit, das schwöre ich. Ich war mit Irene in dem Zimmer gewesen, lange bevor Lanos kam. Dann kam Lanos. hinter ihm Barthold. Ich hörte aus dem Schlafzimmer, wo ich mich versteckt hielt, wie Barthold dem Lanos heftige Vorwürfe wegen Elisabeth machte, und bann fiel ein Schuß, und Lanos packte feine Sachen zusammen. Er war sehr bleich unb erregt. Dann eilte er davon. Er hat weder mich noch Zirri ge^phen, denn wir waren im Schlafzimmer unb versteckten uns hinter dem Fenstervorhang, als er hereintrat."
„Angeklagter Lanos, was haben Sie bazu zu sagen?" fragte ihn ber Vorsitzende.
ßanos schien weniger erregt als verwundert zu sein. Er sagte in schlichtem Tone.
„Ich glaube nicht, baß das wahr ist. Ich glaube nicht, baß Sumor anmefenb war, weil ich ihn nicht gesehen habe. Ich habe Barthold nicht erschossen. Irene habe ich gesehen, nicht aber Sumor. llebru
Wenig rieb sich bie Hänbe. Besser hätte er dazu gar nicht ausfagen können, dachte er. Lanos' Worte über diesen Kerl, den Sumor, waren so verächttich, baß Sumor wahrscheinlich vor Wut aus ber Haut fahren wird. Immer weiter so, immer weiter so!
Herr Sumor schien auch tatsächlich aus ber Haut zu fahren. Denn kaum hatte Lanos geendigt, als er roieber an bie Rampe sprang unb laut lachte:
„Hahahahahaha! Sehr eingebildet, dieser Herr Lanos, wenn er glaubt, er könne Zirri allein besitzen. Sie ist meine Geliebte. Ich will es beweisen, i"ch will es auch beweisen, baß ich in seiner Wohnung war, nicht nur einmal, zehnmal, hun- bertmal! In der rechten Schublade des Waschtisches lagen immer die Toilettefachen für Zirri — das ist Irene —, der Lippenstift, die Puderdose unb einige Kämme. Stimmt es?"
Lanos nickte unb warf Irene einen vorwurfsvollen Blick zu.
„Was hat Lanos eigentlich mit der Uhr gemacht?" warf jetzt ber Staatsanwalt ein.
„Oh", lachte Sumor, „bas weiß ich ganz genau Ich weiß nicht mehr, welche Zeit es war, als Lanos ben Barthold erschoß. Aber bann drehte er die Hhr auf sieben Hhr, schoß auf ben kleinen Zeiger und drehte die Hhr bann auf zehn Minuten vor neun Hhr. Denn sein Gedanke war: ich will bie Polizei verwirren. Die Polizei wird bie Hhr untersuchen. Sie wirb zunächst sagen: ber Barthold wurde zehn Minuten vor neun Hhr ermordet. Dann wird sie die Verletzung des Zeigers sehen unb denken, aha, er hat die Hhr verstellt, bie Tat würbe um sieben Hhr begangen. So waren Lanos' Gedanken — ist es so?" wandte er sich nach Irene um.
„Ja", rief Irene, „genau so war es!" Lanos flüsterte mit feinem Anwalt.
gens glaube ich auch nicht, daß sich Irene mit „Frau Hauckwitz?" fragte der Staatsanwalt Der einem folchen Burfcyen, wie es Sumor ist, ein- wundert, „ist das nicht bie Wirtin be* Angeklagten gela)|en hat. Ich will gern zugeben, baß Sie ein- Lanos?" mal meine Geliebte war, aber daß sie jemals Sumors Geliebte war, glaube ich nicht."
festzustellen, ob Sumor unb bie Angeklagte No- robna tatsächlich in ber Wohnung waren."
Der Anwalt Irenes drehte sich' nach ihr um, sie nickte ihm zu, unb ber Anwalt glaubte, baß diese Vernehmung seine Manbantin nur entlasten könne. Er stimmte deshalb bem Anträge bei.
„Also Frau — Iba Hauckwitz!" entschied der Vorsitzende.
Frau Hauckwitz ärgerte sich schon seit einigen Minuten, baß Hanke ihr offenbar do r gezogen würbe. Er war schon eine ganze Zeit im Saale unb bürste sich alles mitanhören, während man sie nicht hereinholte unb sie infolgebessen kein Wort hörte. Sie war fest entschlossen, mit bem Vorsitzenden ein paar Worte zu sprechen unb auf diese Benachteiligung unb sichtliche Vernachlässigung hin- züweisen.
„Guten Morgen", sagte sie beshalb, als sie den Saal betrat, „warum muß ich denn so lange draußen sitzen? Ich kann doch schließlich auch eine ganze Menge aussagen, denn ich —"
„Frau Hauckwitz", unterbrach sie der Vorsitzende, „ich habe Sie nicht hereingerufen, damit Sie sich hier beschweren, sondern weil ich Ihnen einige Fragen stellen möchte. Bitte, antworten Sie nur das, was Sie gefragt werden, nichts weiter. Sie heißen?"
„Iba Hauckwitz, geborene Wegener."
„Wie alt?"
„Nu — so in ben vierziger Jahren", sagte sie verschämt.
„Wir müssen das genau wissen. Wie alt sind Sie?"
„Ich war — sechsundoierzig — gewesen —"
"Ich mache Sie darauf aufmerksam, daß sich Ihre Aussagepflicht auch auf Ihre Personalien bezieht. Wenn Sie Ihre Personalien, falsch angeben, werden Sie ebenso wegen Meineides mit Zuchthaus bestraft, wie wenn Sie etwas anderes falsch aussagen. Wie alt sind Sie?"
„ — — Einundfünfzig —"
„Einunbfünfzig Jahre all", diktierte der Vor- sitzende, „mit den Angeklagten sind Sie nicht Der« wandt unb nicht verschwägert, nicht wahr?"
Fortsetzung folgt.)


