Die Gerste- und Haferumlage
Die Jagd im September
gelaufenen mit neuen stattet.
Geschäftsjahr wurde der Kindergarten Möbeln und neuem Spielzeug ausge-
Schweinemarkl in Alsfeld.
* Alsfeld, 31. Slug. Infolge der Erntearbeiten hatte der heutige Schweinemarkt nur einen geringen Austrieb zu verzeichnen. Bei flottem Geschäft wurden für 7 bis 8 Wochen alte Ferkel 14 RM. pro Stück bezahlt. Der Markt wurde ge- räumt.
ergänzen zu können.
Das Verwiegen des Getreides an der Dreschmaschine ist nicht etwa deshalb angeordnet worden, um in unserer Landesbauernfchaft eine höhere Umlage an Hafer und Gerste als im übrigen Reich herauszuholen. Vielmehr ist die Umlage, die von den einzelnen Landesbauernschaften aufzubringen ist, wie erwähnt, nach einheitlichen Gesichtspunkten unter Berücksichtigung aller maßgebenden Umstände von der Hauptoereinigung der deutschen Getreide- und Futtermüttelwirtschaft festgesetzt worden. Wenn wir das Getreide an der Dreschmaschine verwiegen, so geschieht dies deshalb, um durch eine möglichst genaue und frühzeitige Feststellung der Ernteerträge eine gerechte Unterverteilung der Umlage aus die einzelnen Ortschaften und innerhalb der Ortschaften aus die einzelnen Betriebe durchführen zu können.
Die vom Reichsbauernsührer eingesetzten Hof- begehungskommissionen werden an Hand der Hofkarte Und, soweit notig, durch persönliche Unterrichtung und Rücksprache mit den Betriebsführern auf die Verhältnisse jedes Betriebes bei der endgültigen Festsetzung der Umlage Rücksicht nehmen und für eine gerechte Verteilung des Ausbringsolls sorgen.
Die Verwieger müssen das Gewicht gewissenhaft feststellen; für Verluste durch späteren Schwund
darf der Verwieger keinen Abzug machen. Der Verwieger hat das Getreide so zu wiegen, wie es einschließlich Hinterkorn aus der Dreschmaschine kommt. Dagegen hat er keine Umlage für den einzelnen Betrieb festzusetzen, vielmehr ist dies Aufgabe der Hofbegehungskommission im Benehmen mit dem Ortsbauernfuhrer. Cs ist also zu unterscheiden zwischen dem Verwiegep einerseits und der Veranlagung der Umlage anderseits. So müssen z. B. auch kleinste Mengen durch das Verwiegen ermittelt werden, während kleine Mengen bis zu 50 kg nicht zur Umlage herangezogen
ein einwandsteier Usberblick gegeben ist. Durch das Verwiegen ist es möglich, auf Speicherbegehungen und wiederholte Belästigungen der Betriebe zu verzichten, was von den Betriebsinhabern gewiß be- grüßt werden wird. Denn das Verwiegen des Getreides an der Maschine schafft Klärhoit^und beugt Meinungsverschiedenheiten vor, die bei Schätzungen fast unvermeidlich wären. Das Verwiegen ermöglicht eine gerechte Unterverteilung des Ablieferungssolls und dient damit in erster Linie den Betrieben selbst, die nach Erfüllung ihrer Umlagepslicht über das .rest- liche Futtergetreide frei verfügen können und dieses nicht nur an Schweine, sonderm auch nach Bedarf und Möglichkeit beispielsweise an Hühner verfüttern dürfen. Natürlich verursacht das Verwiegen eine gewisse Arbeit, aber die Vorteile sind so groß, daß sich die Mühe lohnt. • \
Es wäre an sich erfreulich, wenn auch alle anderen Landesbauernschaften schon in diesem Jahr die gleiche Regelung getroffen hätten, was leider nicht der Fall war, so daß in manchen Grenzgebieten Mißstimmung eingetreten ist. Wie unbegründet diese ist, haben vorstehende Ausführungen gezeigt.
schnepfe bald wieder den Zug gen Süden an, der sich bekanntlich viel langsamer vollzieht als der Frühjahrszug. Richt nur die Suche mit dem Hund, sondern auch der Strich zur oder von der Aesung im Dämmern kann den Vogel mit dem langen Gesicht an den „Galgen" bringen. Im Gegensatz zu. den Genannten ist der F a sa n noch bis zum Oktober mit der Jagd zu verschonen.
Vom Raub wild sollte sich jetzt vor allem der Dachs der Beachtung des Jägers „erfreuen". Wenn die Zwetfchen reifen, ist er fett, und sein Schmalz lohnt das Graben/ das sich bei aünftige» rem Wetter und längerem Licht ja viel besser vollzieht als später im Jahre. Und man hat den Eindruck, daß die Zahl der Dachse im Hinblick auf die Niederjagd ruhig etwas eingeschränkt werden darf. Sind die Füchse nun einmal groß geworden und besondere Schäden an dem Heranwachsenden Jungwild nicht mehr zu befürchten, so wird der Jäger auf den guten Winterbalg rechnen. Das schließt aber den Abschuß dort nicht aus, wo das Hausgeflügel unter dem Fuchs leidet, oder wo die Räude herrscht. Luderplätze und Fangplätze werden zweckmäßig jetzt schon allmählich mit Wildaufbruch u. ä. regelmäßig beschickt. Diese Mühe lohnt sich später im Winter. Hubertus.
Kür Tapferkeit vor dem Feinde.
Der Wachtmeister Kaspar Lenz aus R o d h e i m a d. B., Grabenstraße 23, der in einem Artillerie- Regiment im Osten kämpft, wurde für Tapferkeit vor dem Feinde mit dem Eisernen Kreuz I. Klasse ausgezeichnet. Im vorigen Jahre war ihm bereits das Eiserne Kreuz II. Klasse verliehen worden.
Giehen-KIem-Linden.
Am Sonntagnachmittag fand bei starker Beteiligung der Eltern und der örtlichen NSD.-Mitarbeiter das' Sommerfest des NSV.-Kindergartens statt. Rach einem Umzug der Kinder durch die Orts- straßen begrüßte die Leiterin des Kindergartens Frl. D.ietz die Gäste und sprach dann herzliche Worte zu den Kindern, die nunmehr in die Schule aufgenommen werden. Dann zeigten die Kleinen durch Lieder, Tänze und Spiele einen interessanten Querschnitt von der Jahresarbeit des Kindergartens. Die übliche Brezeloerteilung belohnte die Kinder. Der Ortsgruppenamtsleiter der RSV. Valentin Kehl dankte der Kindergartenleiterin und ihren Helferinnen für die gute Arbeit an den und für di? Kleinen und schloß dann die Feier mit dem Gruß an den Führer. — Der RSV.-Kindergarten wird gegenwärtig von 104 Kindern besucht; das ist die doppelte Zahl als vor einem Jahre. Im ab-
RSG. Durch Anordnung Rr. 2/42 betreffend Getreideerfassung im Wirtschaftsjahr 1942/43 des Ge- treidewirtfchaftsverbandes Hessen-Nassau ist u. a. bestimmt worden, daß die Feststellung der g e s a m - t e n Getreideernte einschließlich HÜlsen fr ü ch t e beim Ausdrusch durch die von den Ernährungsämtern, Abteilung A (Kreisbauern- schaft) bestellten und von dem zuständigen Landrat, in den kreisfreien Städten von dem Bürgermeister, vereidigten Wieger zu erfolgen hat. lieber die Ge- wichtsfeststellung wird von dem Wieger ein Wiege- schein ausgestellt, der von dem Erzeuger mit zu unterzeichnen ist. Der Erzeuger erhält die Durchschrift des Wiegescheines. Vor dem Eintreffen des Wiegers darf mit dem Ausdrusch nicht begonnen werden.
Zweck dieser Anordnung ist, die Getreideerfassung möglichst genau durchzuführen, um die der Landesbauernschaft Heffen-Nassau insgesamt aufgelegte Umlage an Gerste und Hafer gerecht verteilen zu können. Beim Brotgetreide besteht ohnedies die Bestimmung, daß mit Ausnahme der für den eigenen Verbrauch zur menschlichen Ernährung im Rahmen der zugekassenen Selbstversorgersätze und der zu Saatzwecken im Betrieb benötigten Mengen eine restlose Ablieferung zu erfolgen hat. Eine Abtrennung von sog. Hinterkorn ist bei Roggen und Weizen untersagt; eine Freigabe zu Futterzwecken kann nur in besonderen Ausnahmefällen für verdorbenes Getreide und für Menggetreide oder Mifchfrucht, sofern dieses Getreide zu anderen als Futterzwecken nicht mehr geeignet erscheint, durch die zuständige Kreisbauernschaft mit einer ausdrücklichen Freigabebescheinigung erfolgen. Das bereits feit längerer Zeit bestehende Verfütterungsverbot ist mit verstärkten Strafbestimmungen weiter gültig.
Infolge der Auswinterungsschäden beim Brotgetreide und bei der Wintergerste mußte ein erheblicher Teil der Anbaufläche, namentlich bei Wintergerste und Winterweizen, im vergangenen Frühjahr umgebrochen und mit Sommergetreide, Kartoffeln usw. neu bestellt werden. Wenn auch auf diese Weise ein Teil der aus gewinterten Getreidefläche durch vermehrten Anbau von Sommergerste, Hafer und Sommergetreide ersetzt worden ist, so ist doch die gesamte Getreideanbaufläche in der Landesbauernschaft Hessen-Nassau in diesem Jahr um 5 v. H. geringer als im Vorjahr. Glücklicherweise sind aber infolge der günstigen Entwicklung des Wetters im Sommer höhere Flächenerträge beim Sommergetreide zu erwarten, so daß die gesamte Getreideernte nicht nennenswert niedriger ausfallen dürfte als im Vorjahr. Jedoch muß in der Brotgetreideversorgung die infolge der Auswinterung fehlende Menge durch Verwendung von Gerste als Brotgetreide ausgeglichen werden. Zu diesem Zweck war es nötig, die Gerstenumlage ganz bedeutend zu erhöhen. Das von der Hauptvereinigung der deutschen Getreide- und Futtermittelwirtschaft festgesetzte Ablieferungskontingent an Gerste und Hafer ist nach einem im ganzen Reich einheitlichen Verfahren auf Grund der voraussichtlichen Ernte unter Berücksichtigung des Saatgutbedarfes und der Normalablieferung im Durchschnitt 1935 bis 1939 berechnet worden. Bei Hafer wird infolge der vergrößerten Anbaufläche und des höheren Hektarertrages die diesjährige Ernte die vorjährige etwa um die Menge über-' steigen, die als Umlage aufzubringen ist, so daß dies keine Schwierigkeiten bereiten wird. Bei der Gerste jedoch muß wesentlich mehr als in normalen Jahren abgeliefert werden, um das Brotgetreide
Das Verwiegen des Getreides erleichtert die ver- antwortliche Arbeit des Reichsnährstandes,^insbesondere der Hofbegehungskommissionen bei der un- dingt nötigen gerechten Erfassung des Getreides und läßt schon frühzeitig einen guten Ueberbtitf über die Gesamternte und die Vorratslage gewinnen, was sowohl für die Ernährungssicherung des deutschen Volkes, wie auch für unsere Schweinehaltung von größter Bedeutung ist.
Aus der Stad« Gieße«.
September.
Der September - ist der zweite ausgesprochene Erntemonat und gilt in seinem ersten und zweiten Drittel auf Grund langjähriger Erfahrungen auch noch als reiner Sommermonat. Zwar sind in dem Temperaturverlauf schon die ersten Tendenzen zum Absinken zu erkennen, die sich namentlich nachts bemerkbar machen können, doch hält sich die Reichs- durchschnittstemperatur des September (langjähriger amtlicher Durchschnitt) noch um 15 Grad herum. Erst im letzten Drittel des Monats, gewöhnlich in Verbindung mit der Tag- und Nachtgleiche, also dem astronomischen Herbstanfang, ist es angebracht, mit unfreundlichen Wettereinbrüchen zu rechnen. Doch hat man in Jahren, die sich durch relativ beständiges Hochsommerwetter auszeichnen, schon oft erlebt, daß der ganze September im wesentlichen angenehm verlief.
Nur in einem macht sich im September der Charakter des beginnenden Herbstes stärker bemerkbar: im Verfärben und ersten Fall der Blätter der Bäume und Sträucher, sowie in der schnell abnehmenden Tageshelle. Im Lause des September wird es rund % Stunde später hell und mehr als eine Stunde früher dunkel, so daß die Dauer des Tages ungefähr zwei Stunden verliert. Man muß damit rechnen, daß es unter Einkalkulierung der Sommerzeit in der ersten Hälfte des Monats bereits um 20 Uhr völlig dunkel wird und daß sich dieser Termin bis zum Schluß des Monats sogar auf 19 Uhr vorverlegt.
Im September werden sich die Erntearbeiten in erhöhtem Maße fortsetzen. Wie im August, ist auch in diesem Monat jeder trockene Tag auszunutzen, um die Früchte des Feldes einzubringen, da man bei dem Charakter der diesjährigen Wetterlage nicht außer Acht lassen darf, daß sich mit einem Wetter- umschlag leicht der Beginn einer längeren Regenperiode verbindet, wenn auch der September in unseren Breiten im Durchschnitt ein trockener Monat ist.
Insgesamt verbindet sich mit dem Monat September, wenn er auch xim meteorologischen Sinne als erster Herbstmonat läuft, die Vorstellung von angenehmem, meist beständigem und sommerlich warmem Wetter. Wir können nur wünschen, daß er in diesem Jahre seiner Tradition treu bleibe.
Gloria-Palast: „(So ein Früchtchen".
Ein Filmschwank der Produktion Lu'bitz im Siegel- Verleih. Die Hauptrolle hat Lucie Englisch, die sich als Tochter ihrer Schwester ausgibt und im Matrosenkleidchen als Wunderkind und enfant ter- rible auf der Revuebühne, im Hutladen, im Eispalast und anderswo allerhand Verwirrung stiftet und Unfug anstellt. Vortreffliche Schauspieler wie Paul Hörbiger, Fita Binkhoff, Maria A n d e r g a st, Will Dohm, Rudolf Platte und der in diesen Tagen verstorbene Walter Stein- b e ck, denen man eine ergiebigere Betätigung gewünscht hätte, sind für die unbeträchtliche Handlung aufgeboten, die immerhin einen gewissen Lacherfolg erzielte. — Im Beiprogramm sieht man die schon ausführlich besprochene neue Wochenschau, in der ein sehr instruktiver Bildbericht vom verunglückten Jnvasionsoersuch bei Dieppe das, Hauptinteresse be- ansprücht. — Außerdem gibt es einen lehrreichen Kulturfilm über Angorakaninchenzucht.
Hans Thyriot.
Oie Glücksmänner.
Vom heutigen 1. September ab werden die Glücksmänner der Reichslotterie der NSDAP, für nationale Arbeit wieder mit den bekannten Losen erscheinen. In zehn Reihen der Losbrief-Lotterie mit fofortigem Gerninnentscheid werden insgesamt 10 000 000 RM. Gewinne und Prämien ausgespielt. Für 50 Rpf. kann man sofort 1000 RM. gewinnen, abgesehen von den vielen Gewinnen zu 500 RM., 100 RM., 50 RM. und der großen Anzahl kleinerer Gewinne. An jedem Los befindet sich wieder ein Prämienschein. Am 30. November 1942 werden in jeder Reihe eine Sonderprämie zu 5000 RM. und Prämien zu 500 und 100 RM. verlost. Insgesamt fallen auf die Prämienlose Prämien im Werte von 160 000 RM. Prämienlose also gut aufbe- wahren! x
„Zu Aegide tritt der Hirsch in die Brunft", sagt eine alte Weidmannsregel. Sie will nicht behaupten, daß die eigentliche Brunft schon mit dem 1. September einsetze, aber daß manches im Rotwildrevier dem Kundigen das Heranziehen der hohen Zeit des edlen Wildes bereits ankünde. Einmal treten die Hirsche, die seither mit Ausnahme der „jüngsten Semester" das Kahlwild mieden und einzeln oder in Feisthirschrudeln standen, nunmehr zum Wild. Die Brunfttudel bilden sich. Zum anderen wechseln diese Brunfttudel allmählig den gewohnten Brunftplätzen zu. Denn nicht jedes Rotwildrevier ist ja auch ein Brunftrevier, sondern kann zum Leidwesen des Jagdherrn in der Brunft mitunter vollkommen leer fein. Dann ist der Tag nicht mehr fern, wo nach kalter Herbstnacht zum ersten- mal der Schrei des Königs der Wälder das Herz des Weidmannes höher schlagen läßt; denn einer der Höhepunkte des jagdlichen Jahres steht bevor. Im Brunftrevier tritt in dieser Zeit der Kahlwild- abschuß naturgemäß in den Hintergrund. In anderen Revieren dagegen wird man ab Monatsmitte sich dem geforderten Rotwildabschuß deswegen noch mehr widmen können, weil dann alles weibliche Rotwild ohne Einschränkung nebst Kälbern schuß- bar ist.
Der Schaufler dagegen steht noch in der Feiste und kann ebenso wie das weibliche Damwild mit seinen Kälbern besagt werden. Seine Brunst setzt erst im.Oktober ein.
Auch das Muffelwild hat in beiden^ Geschlechtern Schußzeit.
Die teer werdenden Felder erleichtern bje Jagd aus das Schwarzwild, das nun gern in den heranreif enden Kartoffeln zu Schaden geht.
Die BlattzLit des Rehwildes ist, vom Wetter nicht so begünstigt, nicht so verlausen, wie der Jäger sie sich wünscht. Daher ist noch mancher Bock zu schießen. Hinzu kommt, daß der Abschuß mit der richtigen Auswcchl in diesem Jahre bestimmt recht schwer ist, weil auch bekannte gute Böcke nach diesem Notwinter so schlecht aufhaben, daß ihr Abschuß keinerlei Freude auftommen lassen kann. Aber wo der Abschuß noch stark im Rückstand ist oder sich bestätigte Abschußböcke bisher in Sicherheit zu bringen wußten, bietet der September wieder bessere Möglichkeiten. Denn wenn die Böcke die Anstrengungen der Brunft in der zweiten Augusthälfte überwunden haben, wo sie nur wenig um sich zu gehen pflegten, halten sie im September wieder besser Zeit und Wechsel. Mit dem 16, September beginnt dann auch die Schußzeit für weibliches Rehwild und Kitze.
Allmählich tritt auch das Federwild wieder mehr in den Vordergrund des Jagens. Können wie bereits seit mehreren Wochen Enten und Ringeltauben weiterhin besagt werden, so kommt mit Monat-sbeginn die Jagd auf das Feldhuh n dazu, die im Niederwildrevier der Septemberjagd ihr besonderes Gepräge gibt. Wie es damit allerdings in der Praxis aussehen wird, bleibt abzuwarten. Ist der Abschuß nicht tragbar, dann gibt es nur eine Folgerung: Verzicht und vollkommene Schonung! Sumpfschnepfen waren bereits wieder freigegeben. Nun tritt auch die Wald -
werden.
Zur Schweinefütterung sind bekanntlich allgemein im Deutschen Reich zunächst 50 Kilogramm Gerste je Schwein freigegeben worben. In der Landesbauernschaft Hessen-Nassau war vorgesehen, weitere 100 Kilogramm Gerste je Schwein, im ganzen also 150 Kilogramm, den Betrieben zunächst zu belassen; über die Freigabe der zusätzlichen 100 Kilogramm Gerste je Schwein sollte der Getreidewirtschaftsver- banb später bestimmen. Nunmehr ist jedoch beabsichtigt, den Betrieben diejenige Menge an Gerste, Menggetreide und Hafer zur freien Verfügung zu überlassen, die nach der restlosen Ablieferuna der endgültig festgesetzten Umlagemenge übrigbleibt, lieber diese endgültig festgesetzte Umlagemenge er- ------- r.; , „ . , , fi
hält jeder Betrieb einen Umlagebescheid, jedoch erst Volkes, wie auch für unsere Schweinehaltung von dann, wenn auf Grund der Verwiegungsergebnisse größter Bedeutung ist.
und der Feststellung der Hofbegehungskommission I --------
Gießener Wochenmarktpreise. \
* Gießen, 1. Sept. Auf dem heutigen Whchen- markt kosteten: Kartoffeln, 5 kg 65 Rpf., Wirsing, ¥: kg 8 bis 10, Weißkraut 5 bis 8, Rotkraut 12, gelbe Rüben 10 bis 12, rote Rüben 12, Spinat 20, Römischkohl 1£, Bohnen, grün, 30, Tomaten 28 bis 30, Birnen 40, 'Zwetschen 35, Mirabellen 35, Ein- mochgurken 2 bis 6, Blumenkohl 20 bis 50, Salat 10, Endivien 10 bis 15, Oberkohlrabi 10 bis 15, Radieschen, das Bund 12 Rpf.
Dr. Brüggers Patientin
Roman von Walter Klöpffer
30. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
Fender kaufte bann noch Zigaretten am Büfett, liebäugelte ein wenig mit der Verkäuferin und verließ hochgestimnit das Lokal. An der Straßenecke überfiel ihn plötzlich der Gedanke: Hoffentlich hat Papa noch nichts gemerkt! — Aber er tröstete sich schnell. Anna würbe bas schon gebeichselt haben. Anna war ja so gewissenhaft unb zuverlässig. Außerdem hatte sie eine Heidenangst vor ihm, das gute Mädchen. Pfeifend kehrte er in fein Atelier zurück unb überlegte. Morgen muß ich fort von hier. Der Paß ist in Drbnung, die Devisen erhalte ich heute nachmittag. Herrgott, Italien! Einmal etwas anberes. Sopne, immer Sonne. Dunkle Frauen. Unb arbeiten werbe ich auch, benn die zwo Mille reichten nicht ewig.
Sein Gesicht war sorglos unb heiter, er befanb sich in einem Zustand hochgeschraubter Erwartung wie ein Kind, bas sich auf Weihnachten freut. Er packte voll Eifer feine Koffer. Um den Münchener Jahren einen netten Abschluß zu verleihen, hatte er vorhin seinen Kreis zu Steinicke bestellt Es wäre ihm stillos erschienen, wie ein Missetäter sang- unb klanglos aus bem Lanbe zu schleichen.
Am Abenb würbe er von den Seinen mit großem Hallo empfangen. Er mußte bie Hände von einem Dutzenb junger Leute fchüfteln, bie lachend, streitend unb debattieren!) in magisch-mystischem Halbdunkel um einen niebrigen runden Tisch bei Steinicke saßen. Auch Carlo Punz unb Lucia waren darunter. Carlo, der ewige Germanist, der Stegreifdichter mit bem schwarzen Haarschüppel und den feuchten Augen, unb Lucia, die wie ein frecher Bub aussah» und Schauspielerin mar. Fender war :» aufrichtig verliebt in sie. Man plauderte, man trank unb ließ den freigebigen Spender hochleben. Einige < «rollten ben Anlaß wissen.
„Später", sagte Fenber mit großartiger Geste.
Man redete sich mit der Zeit in einen dionysischen Taumel hinein, man stritt unb lobte hitzig, mpn sprach immer eifriger ben Getränken zu, unb bie Stunden verrannen. Als die Meinungsverschiedenheiten bas Gefüge des kleinen Kreises zu sprengen brüllten, schlug Fenber ben Aufbruch vor. Die anderen gehorchten, denn Fender besaß unter ihnen so etwas wie Autorität. Die Nachtluft kühlte bie Gemüter etwas ab. Ein Teil ging nach Hause, die Unverdrossenen aber liefen mit in Fenders Atelier. Es war weit nach Mitternacht. Wie eine geheimnisvolle Prozession wandelten sie geräuschlos bie fünf Treppen empor. Hierin war der Gastgeber streng, seit er Krach mit dem Hausbesitzer gehabt hatte. Dann hielten sie Einzug unb verzauberten bas Atelier in ein Zeltlager. Jeder verschaffte sich eine Sitzgelegenheit, oft der sonderbarsten Art.
Fender brachte Schnaps unb Zigaretten herbei. Es herrschte eine gedämpfte, leicht angetrunkene Fröhlichkeit. Eines der Mädchen begann zu tanzen. Nickt schlecht, aber ein bißchen gewagt. Beim Ballett hatte sie das nicht gelernt.
„Keinen Schnaps mehr, du!" sagte Lucia befehlend. „Wir sind so schon blau genug. Wart', ich koche euch Kaffee. Wo ist denn nur bie Büchse mit ben Bohnen? In biefem unorbentlidjen Laben finb ich mich ni? zurecht", murmelte sie unzufrieden. Sie sah in ihrem Hausfraueneifer entzückend aus.
„Ich glaube, es find keine Bohnen meh^ ba", entschuldigte sich Fender.
„Du bist mir ja ein Schöner. Lädt Leute ein, unb dann hat er nicht mal Bohnen!" rief bas Mäb- chen empört.
Fender beeilte sich, Lucia zu versöhnen. Es war unzweifelhaft, baß er unter ihrem Pantoffel stand. Man lachte, hielt sich an ben Likör, unb Earlo präludierte auf der Gitarre. Eines der Mädchen knabberte an einer Brotrinde, die es auf der Anrichte gefunden hatte. Müde Heiterkeit unb schläfrige Be- rebtfamfeit füllten ben Raum, durch das Oberlicht blickten die Sterne. Jfarlo fang mit seinem kleinen,
aber biegsamer Tenor „Santa Lucia". Manchmal warf 'er feurige Blicke nach der Ottomane, auf der die andere konkrete Lucia mit Kaspar Fender saß. Dieser erzählte bem Mäbchen, baß er für einige Zeit fort müßte. Nach Italien. Sein alter Herr wolle cs so. Dagegen sei nichts zu machen.
„Also, weg willst bu? Unb bas erfahre ich erst jetzt?" sagte sie streng.
„Gott, ich weiß es auch erst seit Montag. Fängst du schon wieder an?"
„Ich kann dich nicht halten", sagte Lucia achselzuckend.
„Lucia!"
„Ja?"
„Ich kann dich nicht mitnehmen, so leid es mir tut. Aber vielleicht läßt es sich machen, daß bu nachkommst."
„Vielleicht, vielleicht", äffte sie ihm nach.
„Du mußt nicht böse fein, Kindchen. Ich mag dich doch. Mehr als je eine Frau zuvor."
„Ist das wahr? Ihr Männer seid nämlich große Schufte."
„Ich werbe bir Gelb schicken, wenn es soweit ist. Ich verspreche es bir", beteuerte er unb glaubte selbst an bas, was er sagte.
„Dann ist es gut", murmelte sie träumerisch. „Ader netter wäre es gewesen, wenn mir ben letzten Abend für uns gehabt hätten."
„Sicher. Aber jetzt muß ich der Bande sagen, was los ist."
Er erhob sich zu einer kleinen Rede, in der bie Worte „Italien", „Alter Herr" unb „Wiedersehen" Dorfamen. Er war ein glänzender Lügner, der Wahres mit Erdichtetem zu mixen verstand. Allgemeines Bedauern, Gefrage usd stürmische Händedrücke.
Um drei Uhr wurde Lucia dringlich, ja, heftig. Sie flüsterte Fender zu: „Es wirb bald Tag. Schick' die Kerle weg! Höre nur, wie sie sich anöben vor lauter Stumpfsinn. Du, ich habe eine brillante Idee. Wir zwei machen eine Monbscheinfahrt. Carlo kann
steuern. Es ist eine wundervolle Nacht. Sieh nur bie Sterne. In Schongau weih ich ein kleines Kaffee — einfach süß. Pis wir kommen, haben sie geöffnet. Sag ja, bitte!"
„Eine richtige Kateribee, aber meinetwegen."
Lucia sprang auf unb tuschelte mit Punz, der sofort Feuer und Flamme war. Er fuhr leidenschaftlich gern Auto. Es gelang ihm mit einiger Mühe, diese Rotte Nachtlichter zum Gehen zu bewegen. Als die anderen sich entfernt hatten, fliegen sie zu britt bie Treppen hinab. Gigolo bekam Benzin in ben Bauch, und Earlo setzte sich ans Steuer. Er chauffierte für fein Leben gern, befonbers mit fremdem Betriebsstoff. Lucia unb Fender machten es sich hinter ihm bequem. „Also Schongau?" vergewisserte er sich über bie Schulter zurück.
„Horst bu schlecht? Oder habe ich Kottbus gesagt? Fahr schon los, alter Pedant!" befahl Lucia unb schmiegte sich an Fenber.
Es war eine wunderbare Nacht. Das Firmament mar mit vielen unruhigen Lichtern bestickt. Der Motor sang sein einförmiges Lieb, bet Luftzug strich angenehm über Stirn und Schläfen, lieber Fenber, der viel getrunken hatte, kam eine große Müdigkeit. Er mar dankbar, rpeil er an Lucias Schulter ruhen durfte unb nichts zu sagen brauchte. Aber bas Mäbchen, das aufgewühlt war und nach Küffe brannte, fand dieses Sich-bei-ben-Händen- Halten lächerlich und wollte mehr.
„Sei nicht fo faul, Kaspar!- Es ist eine Schanbe, wie wenig bu vertragen kannst", murmelte sie iin» zufrieben.
Aber Fender gab nur ein schläfriges Grunzen von sich. Er hatte plötzlich ein ungeheures Bedürfnis nach Ruhe, nach Alleinsein und einem anständigen Bett. — Diese blödsinnige Hochzeit mit allem Drum unb Dran steckt mir immer noch in den Knochen — dachte er verschwommen.
„Wart' nur, ich krieg dich schon hoch, mein Lieber!" sagte bas Mädchen zornig und schüttelte ihn.
(Fortsetzung folgt.


