in
Kunst und Wissenschaft
Die Mainzer Gukenberg-Feslwoche.
... an ihn und an die ganze Zeit. An die Zeit und an die Stadt, aus der sic nur mit schneidenden Schmerz die Wurzeln lösen kann. Denn an erster Stelle in ihren Gedanken steht Detlev Nehl.
Ob er wirklich nicht daran denkt, den Abend aus das Fest zu kommen? Sein ganzes Wesen und Tun spricht nur van Abschied. Er benimmt sich, als wäre er jetzt schon bemüht, Faden für Faden durchzuschneiden, was sie verbindet.
Eine kleine Rache für alles, was er ihr antut, ist nicht unbillig. Zweifellos wird er seinen Entwurf erkennen, und sie wird ihm die Herkunft verschweigen. Es schadet ihm gar nichts, wenn er ein wenig Aerger und Eifersucht empfindet. Entweder es bringt ihn endlich zur Besinnung, oder — wenn es ihn gleichgültig läßt — dann ist es der beste Beweis, daß sie richtig daran tut, sich von ihm zu trennen, und dann soll er zum mindesten sehen, daß sie ohne ihn nicht verraten und verlassen ist, daß es Männer gibt, die sie in ganz anderer Weise verwöhnen, daß es Verzicht und Opfer war, wenn sie es so lange bei ihm ausgehalten hat.
Und der Schluß all dieser Erwägungen war, daß sie die Kette umgelegt hat. Aber jetzt hat sic längst vergessen, daß sic an ihrem Halse leuchtet, und keinesfalls kann sie Albrechts sonderbaren Gesichtsausdruck damit in Zusammenhang bringen. Sie macht sich auch weiter keine Gedanken über diesen gutaussehenden Herrn, der besser schießt als sie.
Auch nicht, als sie ihm eine halbe Stunde später ein zweites Mal begegnet. Wahrscheinlich würde sie ihn gar nicht wiedererkennen, wenn er nicht ernst und fast starr den Blick auf sie gerichtet hätte.
„Ist sie das nicht wieder?" fragt Irmela heiter. „Deine Penthesilea vom Schießstand?"
Und in der gleichen Sekunde zuckt sie zusammen. Fast hätte sie ausgerufen: „Meine Kette!" Aber sie beißt sich erschrocken auf die zitternde Lippe. Rein —
Oer Verkehr mit Obst und Gemüse.
Verschärfte Bestimmungen. - Auch innerhalb der Gemeinde jeder Direkt, verkehr zwischen Erzeuger und Verbraucher verboten.
zeitig die Weinlese bedeutet.
Der Wunsch nach Sonne drückt sich vor allem auch darin aus, daß gewisse Tage als Regentage allgemein gefürchtet sind. So zum Beispiel gleich im Anfang des Monats der 2. Juli, der Tag von Mariä Heimsuchung, der daher am Niederrhein Maria Eintropfentag oder Marientrief heißt. „Reg- nets an Mariä Heimsuchung, so regnets noch vier Wochen", behauptet eine Bauernregel. Und der gleiche Volksglaube knüpft sich an den 10. Juli, den Siebenbrüdertag: „Regnets zu Sieben Brüder, so regnets sieben Wochen." Doch das böse Zeichen kann am 15. Juli schon wieder aufgehoben werden. „Nimmt Apostel Teilung einen schönen Verlauf/So hebt er die Sieben Prüder auf", heißt es im Harz.
Briefe in Bareiros Hand
Roman von Anna Elisabet Weirauch
Rechte durch Earl Duncker Verlag, Berlin W 35.
21. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
Die Bedienerin hängt die kleinen, schwarzbe- rinaten Pappscheiben aus. Albrecht schießt zuerst, der Bolzen sitzt auf dem äußersten Kreis. Em Gemurmel ist um ihn, Hohn, Enttäuschung, Schadenfreude, Bedauern — in fernem straffen Gesteh rührt sich nichts. Auch nicht, als das Gemurmel sich zu Beifall und Bewunderung verstärkt. Kattas Bolzen sitzt haarscharf in dem dicken, schwarzen Mittelpunkt.
Zwölf", ruft die Frau triumphierend, während sie'^die Scheibe abnimmt und herüberreicht. Mit einem fast mitleidigen Blick will sie Albrecht seine Scheibe geben.
„Hängenlassen, bitte", bedeutet er kurz.
Sein zweiter Schuß sitzt wieder auf dem äußersten Ring, fingerbreit von dem ersten. Und wieder trifft Katta ins Zentrum, und ihre Scheibe wird aus- gcwechselt. Albrecht bleibt auf ihrem Platz. Er schießt jetzt ziemlich schnell hintereinander. Das Gemurmel verstärkt sich, jetzt haben die ersten begriffen, was er beabsichtigt. Der Ring füllt sich, der äußerste, der zweite, der dritte. Die erstaunten Rufe werden lauter, einer macht den anderen aufmerksam. Das Geknalle neben ihm hat aufgehört, es nutzt Katta nichts, wenn sie zehnmal hintereinander eine zwölf schießt. Albrechts Scheibe ist mit Bolzen bespickt, es ist nur noch ein winziger Platz frei, und mit dem letzten Schuß setzt er den letzten Bolzen ms Zentrum, wie einen Schlußpunkt.
„Dagegen kann ich nicht an!" sagt eine klingende Stimme neben ihm — es ist ärgerlicher Verzicht lst dem Ton und lachende Bewunderung. Und wäh«
Nach dem Ende des ersten Weltkrieges wurde er in das 100 000-Mann'Heer übernommen, tat dort T-lenst in verschiedenen Stellungen als Abteilungsoder Regimentsveterinär und nahm als solcher auch on der Niederwerfung des kommunistischen Aufstandes im Ruhrgebiet teil. Bis zum Ausbruch dieses Krieges war it als Divisionsveterinär in Gießen tätig und wurde hier durch feine Tätigkeit weiten Kreisen bekannt.
Nach Kriegsausbruch im Jahre 1939 rückte er in leitender Stellung gleich am ersten Tage aus und machte den gesamten Westfeldzug in Holland, Belgien und Frankreich bis zum Waffenstillstand im Juni 1940 mit. Er erhielt in diesem Feldzuge die Spange zum EK. Im November 1940 wurde Generalveterinär Dr. Garn in die Stellung des Wehrkreisveterinärs IX berufen.
Die Darbietungen der Gutenberg-Festwoche Mainz standen auf einem beachtlichen Niveau. Ein Äammermusikabend des Strub-Quartetts, dessen Primgeiger gebürtiger Mainzer ist, machte zwischen dem von Leidenschaft und Innerlichkeit erfüllten Vortrag eines Schumann- und eines späten Beethoven-Werkes mit der letzten Quartett-Schöpfung Hans Pfitzners bekannt, deren gelöster sparsamer Alters'stil auch hier durch seine milde herbstliche Abgeklärtheit ansprach. Pfitzner war außerdem mit seiner Kantante „V o n deutscher Seele" vertreten, deren Eichendorff-Romantik durch Generalmusikdirektor Zwißler, selbst ein Pfitzner-Schüler, und ein erlesenes Solistenquartett erschlossen wurde. Bachs „Kunst der Fuge", in Wolfgang Gräsers orchestraler Fassung war ein zweiter Äonzertabend vorbehalten. In einer Neuinszenierung der „Jungfrau von Orleans" erreichte Heinz Hofer große künstlerische Geschlossenheit. Tony Reichel — Dan Eyck (Wien) war eine Johanna voll mädchenhaft verhaltenen Sendungsglaubens. In Hans Hombergs Komödie „Kirschen für Rom" hatte Paul Hoffmann vom Dresdener Staatstheater als Lukull einen rauschenden Erfolg. Die Ausstattung des von Intendant Tesmer inszenierten Stückes war von zwei Düsseldorfer Schülerinnen entworfen. Mit hervorragenden Gästen und Zwißler am Dirigentenpult gestaltete sich Wagntrs „Tristan und Isolde" zu einem starken Ausklang. Fritz Bouquet.
Professor D. Hans Liehmann f.
Professor D. Hans Lietzmann, der sehr namhafte Ordinarius der Kirchengeschichte an der Universität Berlin, verstarb nach längerem Leiden im Alter von 67 Jahren. Am 2. März 1875 in Düsseldorf geboren, habilitierte sich Lietzmann 1900 an der Universität Bonn, ging als ao. Professor 1905 nach Jena, wo er drei Jahre später Ordinarius wurde, und wirkte seit 1924 in Berlin. Lictzmaims gelehrte Arbeit, die als eine Fortführung der wissenschaftlichen Tradition Adolf von harnacks gelten darf, war in erster Linie der Geschichte der Alten Kirche gewidmet, worüber er em dreibändiges Werk vorlegte; andere Veröffent- lichungen beschäftigen sich mit Jesus, Petrus, Paulus und Luther. Auch das Problem Staat und Kirche hat er behandelt. Daneben erschienen von Lietzmann auch eine „Anleitung zur Himmelsbeobachtung mit kleinen Fernrohren" und eine Abhandlung „Schallanalyse und Textkritik". Lietzmann war Mitglied der Preußischen, der Göttinger, Münchener und Wiener 'Akademie und mehrerer gelehrten Gesellschaften des Auslandes.
Prof. Lrnft Lehgus tödlich verunglückt.
Bei der Besteigung des Nordgrates des Kleinkai- serls stürzte an einer schwierigen Stelle der Professor für Privat- und Wirtschaftsrecht an der Technischen Hochschule München Dr. Ernst Letzgus tödlich ab. Letzgus war erst im vergangenen Ja.hr nach München gekommen, um die Vertretung der durch das Ausscheiden des Professors van (£aHer sreigewordenen Professur für Privat- und Wirt- ' schaftsrecht wahrzunehmen. 1901 in Schorndorf (Wttba.) geboren, widmete er sich an den Umver- fitäten Tübingen, Leipzig und München dem «tu- tium der Rechtswissenschaft, promovierte 1925 in Tübingen und arbeitete dann als Assistent an Der Universität Berlin und am Institut für ausländisches und internationales Prioatrecht. 1930 wurde er Amtsrichter in Stuttgart, 1933 wurde er m Tübingen Landgerichtsrat, und erwirkte 1937. feine Zulassung als Dozent.
Hendrik Diels Lhrendirigenl der Kölner Oper.
Der Generaldirektor der flämischen Oper und des Philharmonischen Orchesters zu Antwerpen Hendrik Diels, "wurde vom Kölner Oberbürgermeister zum Ehrendirigent der Kölner Oper ernannt für die langjährige Förderung der engen Beziehungen zwischen den Opernhäusern Köln und Antmerpern^^
Der Nationalsozialistische Gaudienst Hessen-Nassau teilt mit:
Trotz wiederholter Hinweise und eingehender Aufklärung der Bevölkerung haben sich zahlreiche Volksgenossen um das Verbot des unmittelbaren Aufkaufs von Obst und Gemüse beim Erzeuger nicht gekümmert. Die Folge dieser Disziplinlosigkeit ist. daß die Versorgung mit Obst und Gemüse in den Städten denkbar ungünstig ist. Es ist aber erforderlich, den kriegsnotwendigen Bedarf der Zivilbevölkerung und der Wehrmacht unter allen Umständen sicherzustellen. Daher müssen jetft gegen Erzeuger und Verbraucher, die gegen das Verbot des Direktverkehrs bei Obst und Gemüse verstoßen, die schärfsten Maßnahmen ergriffen werden.
Da sich herausgestellt hat, daß durch die Zulassung des Direktverkehrs innerhalb der Gemeinde große Mengen von Obst und Gemüse durch übermäßige Eindeckung der Verbraucher der Allgemeinheit entzogen worden sind, ist durch eine neue Anordnung, die die früher erlassenen Bestimmungen aufhebt, nunmehr jetzt auch der Direktver- kehr mit Obst und Ge müse zwischen Erzeugern und Verbrauchern, die in der» selben Gemeinde wohnen, verboten. Eine Unterscheidung zwischen ortsansässigen und nichtortsansässigen Verbrauchern gibt es also nicht mehr.
Die Anordnung stellt außerdem klar, daß auch Hausgartenbesitzer sowie Besitzer von Schrebergärten usw. ebenfalls unter das Verbot des Direktverkehrs fallen. Es wird dafür Sorge getragen werden, daß die Besitzer von Hausgärten, Schrebergärten usw., die mehr ernten, als sie im eigenen Haushalt verbrauchen können, die überschüssigen Erzeugnisse an Händler oder Sammelstellen aosetzen können.
Die Polizei ist angewiesen, s ch ä r f st e Kontrollen vorzunehmen. Wer unzulässigerweise beim Schleichhandel mit Obst und Gemüse betroffen wird, muß nicht nur mit Beschlagnahme der Ware,
sie kann die Frau keiner Funpunterschlagung bezichtigen, und das hätte sie unwillkürlich beinahe getan, wenn sie Albrecht aufmerksam gemacht hätte. Sie hat die Kette nicht verloren, wie Albrecht an- nimmt. Schlimm genug, daß sie diese Annahme ohne Widerspruch geduldet hat. Sie hat sie in den Händen von Fernando Bareiro gelassen, und aus eben diesen Händen muß die Tänzerin sie empfangen haben.
„Ich habe Kopfweh!" sagt sie, und ihre Blässe macht diese Worte sehr glaubwürdig. „Hast du noch nicht bald genug von diesem sogenannten Vergnügen? Ich wäre heilfroh, wenn mir nach Hause führen ..."
Albrecht ist sofort bereit. Der Ballsaal ist nicht der geeignete Ort, um Aufklärung zu verlangen. Und Aufklärung muß er haben. Er kann diese Sache nicht auf sich beruhen lassen.
Den Rest der Nacht schlägt er sich mit seinen Gedanken herum. Also die Tänzerin Katta Serena trägt die Kette, die Irmela angeblich verloren hat, und Gerd kennt diese Tänzerin, und er hat in Irmelas Schrank nach der Kette gesucht, als Albrecht ihn überrascht bat; und dann hat Irmela die Kette an demselben Tag verlogen, an dem sie ihrem Bruder einen Scheck über einen hohen Betrag zugesteckt hat. Ein merkwürdiges, ein mehr als merkwürdiges Zusammentreffen.
Natürlich muß in dieser Sache etwas unternommen werden, und es steht fest, daß er etwas unternehmen wird — nur über den richtigen Weg ist er sich noch nicht ganz im klaren. Was ihn am tief» ften trifft, ist Irmelas Verhalten. Daß ihr Wesen ihm immer so klar und durchsichtig erschienen ist, war ein großes Bestandteil seiner Liebe. Wenn sie ihn jetzt belügt, um den verbrecherischen Leichtsinn ihres Bruders zu vertuschen, warum dann nicht auch in anderen Dingen?
(Fortsetzung folgt.)
rend hinter ihm Zuruf und Händeklatschen an- schwellen, dreht er sich zum erstenmal zur Seite. Und Katta wendet ihm voll das lächelnde Gesicht zu. Er will eine Bemerkung machen, eine Höflichkeit t Er lächelt und öffnet die Lippen ... und schließt sie wieder, während sein Gesicht sich erstarrt.
Denn in diesem Augenblick sieht er die Kette ...
25.
An diesem Abend hat Katta zum erstenmal den Schmuck angelegt. Sie hat ihn vorher sehr, sehr lange nachdenklich in der Hand gehalten, hochgehoben, wieder zurückgelegt und wieder aufgenommen. Der Besitz ist ihr keine reine Freude. Sie bereut manchmal den unüberlegten Augenblick, in dem sie ihn angenommen hat. Den Augenblick, in dem die Leidenschaft eines fremden Mannes wie eine Flamme auf sie übersprang. Sie wünscht nicht, diesen Mann wiederzusehen, im Gegenteil. Oder höchstens um ihm wiederzuzustellen, was eigentlich fein Eigentum ist.
Auch diese Möglichkeit haben ihre Gedanken gestreift. Wenn der Zufall will, daß er das Fest besucht, dann hat sie die Kette bei der Hand. Es ist eine Ehre für ihn, daß sie sie einmal umgclegt hat, aber sie wird ihn inständig ersuchen, sie zurückzunehmen.
... oder sie wird sie an Gerd zurückgeben. Denn im Grunde ist er der rechtmäßige Eigentümer, auch wenn er sie leichtsinnig genug verspielt hat. Gerd zu treffen, ist sie fast sicher. Es tut ihr ein wenig leid, ihn gekränkt zu haben, er läßt sich seitdem nicht mehr blicken. Er wird ein sehr erstauntes Gesicht machen, wenn er sieht, daß die Kette doch noch in die Hände gekommen ist, für die sie bestimmt war. Sie wird ihm sagen, daß sie ihm die Genugtuung geben wollte, sie einmal an diesem Feste zu tragen — und ihn bitten, sie wiederzunehmen, und wenn er das durchaus ablehnt, dann wird es eine liebe und etwas wehmütige Erinnerung an ihn fein.
sondern — auch wenn es sich um verhältnismäßig geringe Mengen handeln sollte — mit ft r e n g e r Destrasung rechnen. Auch Erzeuger, die Obst und Gemüse unmittelbar an Verbraucher abgeben oder sonstwie im Wege des Schwarzhandels absetzen, werden streng bestraft. Handelt es sich hierbei um erhebliche Mengen, die der Allgemeinheit durch den Schwarzhandel entzogen werden, und wird hierdurch die Bedarfsdeckung gefährdet, so kann im Einzelfall Anklage vor dem Sondergericht wegen Kriegsverbrechens erhoben werden.
Besitzer von landwirtschaftlichen Grundstücken, Schrebergärten usw., die ihren Wohnsitz nicht in der Gemeinde haben, in der sich das betreffende Grundstück befindet, müssen sich, wenn sie Obst und Gemüse von ihrem Grundstück zu ihrem Wohnsitz, befördern wollen, gegenüber den kontrollierenden Beamten durch eine Bescheinigung des Bürgermeisters der Gemeinde, in der sich das Grundstück befindet, ausweisen.
Von der Einsicht der Volksgenossen wird erwartet, daß sie den ergangenen Vorschriften nachkommen und nicht in pflichtvergessener Weise durch ihr Verhalten die Versorgung der Allgemeinheit gefährden.
Dabei wird nochmals darauf hingewiesen, daß die Bewirtschaftung von Obst und Gemüse vor allem dem Zweeck dient, eine gerechte Verteilung sicherzustellen. Sie ist vor allem im Interesse des wirtschaftlich schwächeren Bevölkerungsteiles veranlaßt worden, der sich sonst gegen eine Uebervorteilung durch egoistisch handelnde, materiell bessergestellte oder über „Beziehungen" verfügende Kreise nicht schützen könnte.
Es wird sich jedoch auch durch diese Regelung, die zwar dem Prinzip der Gerechtigkeit Geltung verschaffen, jedoch die durch Witterungsschäden und kriegsbedingte Transportschwierigkeiten entstandenen Probleme nicht lösen kann, nicht vermeiden lassen, daß die Obst- und Gemüsevertsilung weiterhin mit großen Schwierigkeiten verbunden sein wird. Die Heimat wird diese Situation als unumgänglichen Beitrag zur Kriegführung zu tragen wissen.
Professor Dr. Brüggemann 60 Jahre alt.
Am morgigen Donnerstag, 2. Juli, kann der Direktor der Ohren-, Nasen- und Halsklinik der Universität Gießen, Professor Dr. A l s r e d Brügge- mann, seinen 60. Geburtstag begehen. An diesem Tage gehört der Jubilar auch seit 40 Jahren als Sanitätsoffizier der Reserve der deutschen Wehrmacht an, und ebenfalls morgen vollenden sich 20 Jahre seit dem Tage, an dem er als Direktor mit der Leitung der Universitätsklinik für Ohren-, Nasen- und Halskranke in Gießen betraut wurde.
Professor Dr. B r ü g g e m a n n stammt aus Noithausen (Kreis Essen/Ruhr). Nach dem Besuch des Realgymnasiums in Schalke sowie des Städtischen Realgymnasiums und Gymnasiums in Düsseldorf machte er 1901 sein Matur und studierte dann an den Universitäten Freiburg, Würzburg, Straßburg und München Medizin. 1906 bestand er in München das Staatsexamen: dem praktischen Jahr in München und Düsseldorf folgte 1908 die Approbation. Dann war er von 1908 dis 1910 Assistent am Pathologischen Institut in Düsseldorf, hierauf von 1910 bis 1912 Assistent an der Chirurgischen Universitätsklinik in Kiel. Als Bolontärarzt war er 1912 an der Gießener Universitätsklinik für Ohren-, Nasen- und Halskranke tätig, wo er dann Assistenzarzt und Oberarzt wurde. 19'13 wurde er zum Privatdozenten ernannt. Von 1914 bis 1918 stand er als Oberarzt und Stabsarzt im Felde. 1918 erfolgte seine Ernennung zum a. o. Professor. Im Juli 1918 folgte feine Berufung als Leiter der Universitäts-Ohrenklinik in Dorpat, von wo er am 1. Januar 1919 nach Gießen zurückkehrte. 1922 wurde er Ordinarius und Direktor der Universitätsklinik für Ohren-, Nasen- und Halskranke, seit 1928 steht er als ärztlicher Leiter auch an der Spitze' der Heilstätte Seltersberg für Tuberkulose der oberen Luftwege. .
Seiner hohen Auffassung vom ärztlichen Berus, seiner unermüdlichen Tatkraft, verbunden mit rheinländischer Frische allein konnte die Vollendung eines Lebenswerks gelingen, das sich die Möglichkeiten erfolgreicher ärztlicher Dienste an den Schwerstkran'ken seines Fachgebietes zum Ziele gefetzt hat. Als er nach vierjährigem Frontdienst als Chirurg aus dem ersten Weltkrieg zurückkehrte, hatte sein Verfahren zur Behandlung narbiger Strikturen des Kehlkopfes und der Luftröhre in der Welt Berühmtheit erlangt, und viele Verwundete blicken auch heute wieder dankbar zu ihm auf. Der bis
Als Regentag ist der 22. Juli verschrien, der Maria- Magdalenentag. „Maria Magdalena weint um ihren Herrn / Drum regnets an diesem Tage so gern." Dagegen wird dem Regen am St. Annentag, em 26. Juli, der „Mitgift der heiligen Anna", besonderer Segen zugeschrieben,^und in Westfalen sagt man: „Bringt die heilige Anna Regen / Sv wird er zum Himmelssegen."
Besondere Aufmerksamkeit wendet der Volksglaube im Juli den Nüssen zu. Man fürchtet für sie besonders den Regen am Margarethentag. „An Margarethen Regen / Bringt den Nüssen keinen Segen." In Westfalen gilt auch der Magdalenentag den Nüssen für gefährlich. Vom Jakobitag, dem 25. Juli, glauben die Rheinländer: „St. Jakob bringt das Salz in die Birnen." Auch für die Ernte ist Jakobi wichtig: „Jsts schön auf St.-Jakobitag / Diel Frucht man sich versprechen mag."
Lprechstunde des KreisleKers.
Die Sprechstunde des Kreisleiters findet am Donnerstag, 2. Juli, nachmittags von 15 bis 17 Uhr, in Gießen, Lonyftraße 18, statt.
Amt für Agrarpolitik.
Die Sprechstunde des Amtes für Agrarpolitik findet am Donnerstag, 2. Juli, nachmittags von 15 bis 17 Uhr in Gießen, Lonyftraße 18, statt.
Tanzkunst mit Erwin Hoffmann.
Der NSG. „Kraft durch Freude" ist es gelungen, für Sonntag, 5. Juli, in unserem Theater den Charaktertänzer Erwin H o f, f m a n n mit seinem Ensemble zu einem Gastspiel zu verpflichten. Die Künstler werden eine Szenenfolge „Getanztes Leben" gestalten, die ein lange nachklingendes Erlebnis zu werden verspricht. Erwin Hoffmann wird unterstützt von einer Schar guter Tänzerinnen und Tänzet, die sich feiner Führungs- und Gestaltungskraft untergeordnet und angepaßt haben.
Aus der Eta di Gieße«.
Oer Juli im Volksmund.
„Im Juli großer Sonnebrand, ist gut für alle Leut und Land!" Dieser alte deutsche Bauernspruch gilt für alle Tage des Monats, denn nun reift auf Den Feldern das Korn der Ernte entgegen. Es ist die hohe stille Zeit des-Jahres, die bunten lachenden Frühlingsfarben, die noch dem Juni seinen Charakter gaben, sind verblaßt und haben einem gleichmäßig ernsten Grün, einem fahlen Gelb Platz gemacht. Täglich neigen sich die Aehren tiefer unter der Last ihrer Körner, täglich färben sie sich goldener. Bäume und Sträucher hängen voller Früchte, Kirschen, Himbeeren, Johannisbeeren, Stachelbeeren sind Gaden dieses Monats, während Aepfel, Birnen und Pflaumen noch Zeit zum -Reifen haben. Alle aber, auch die Erzeugnisse des Gemüsegartens, wollen Sonne und Wärme, um ihre letzte Vollendung zu erreichen. Da ist es denn kein Wurcher, daß Bauer und Gärtner besorgt nach dem Himmel schauen, und eine Fülle aller Wetterregeln erzählt von der Bedeutung, die er von jeher der Witterung gerade dieses Monats beimißt.
Vielfach stößt man in deutschen Bauernregeln auf die Meinung, daß die Witterung im Juli der im Januar entspräche, „wie Der Juli mar, wird der Januar". Besonders wird der 25. Juli, Der Jakobitag, mit Weihnachten in Verbindung gebracht. „So warm Jakobi, so kalt Weihnachten", heißt es vieler- orts in Deutschland. Oder auch: „Der Vormittag vom Jakobstag / Das Wetter bis Weihnacht Deuten mag." Auch die Hundstage, die am 26. Juli beginnen, sollen für das Wetter des ganzen Jahres bedeutsam sein, und zwar gilt es als ein günstiges Zeichen, wenn sie hell und klar sind: „Hundstage hell und klar / Zeigen an ein gutes Jahr." Wenn wir einer schwäbischen Bauernregel glauben wollen, so soll das Juliwetter auch über die nächste Ernte schon Auskunft geben: „Wechselt im Juli stets Regen und Sonnenschein / So wird im nächsten Jahr die Ernte reichlich sein." Der 20. Juli, der Margarethen- tag, gilt als wichtig für den Herbst. „Wenn Mar- garetljentag trocken ist, gibt Gott einen guten Herbst", so heißt es namentlich in Weingegenden, wobei zu beachten ist, daß das Wort „Herbst" gleich-
dahin aussichtslos scheinende Kampf gegen Die Schleimhauttuberkulose wurde nach entsprechenden Vorarbeiten von ihm im Jahre 1930 aufgenommen mit der Einweihung Der Heilstätte Seltersberg für Tuberkulose Der oberen Luftwege, deren Bau im Jahre 1928 begonnen wurde und deren Direktor er seitdem ist. Die Anerkennung für seine großen Er- olge in diesem Ringen gegen schwerste Krankheit erhielt er in Der Aufforderung zu einem Referat, das er im Frühjahr 1939 -in Wien vor einem großen internationalen Kreis von Fachärzten gehalten hat.
Bei Ausbruch des jetzigen Krieges wurde Professor Dr. Brüggemann Chefarzt eines Reservelazaretts in Gießen, das Abteilungen fast sämtlicher Universt- tätskliniken umfaßt. In dieser Stellung, die er, neben der Leitung Der Universitätsklinik für Ohren-, Nasen- und Halskranke sowie Der Heilstätte Selters berg, als Oberstabsarzt Der Reserve noch bekleidet, stellt er wiederum wie im ersten Weltkriege sein reiches Wissen und seine große ärztliche Kunst in' Den Dienst unserer verwundeten Solbaten.
Sr steht Professor Dr. Brüggemann, der sich nicht nur als Arzt und Hochschullehrer, sondern auch wegen seines vornehmen Charakters und seiner lie- bensmürDigen menschlichen Eigenschaften weithin in Stadt und Land größter Wertschätzung erfreut, als Leiter Dreier großer Krankenanstalten, als Dekan der Medizinischen Fakultät, als Forscher, Hochschullehrer und Arzt auf Der Spitze seines Schaffens. Am morgigen Tage gedenken alle, die mit Dem Jubilar als Arzt oder Wissenschaftler, als Freunde lind Bekannte, als Kranke oder Verwundete, als Schüler oder Mitarbeiter in.Beziehung treten konnten, feiner mit herzlichen Wünschen und freundlicher Gesinnung in Der Hoffnung, daß dem hochverdienten Arzt und Gelehrten noch viele Jahre segensreichen Schaffens im Dienste seiner hohen Aufgaben beschieden sein mögen.
Bankdirektor pirrung 60 Jahre alt.
Am heutigen Mittwoch, 1. Juli, kann der Direktor Der Deutschen Bank in Gießen Ed.Pirrung seinen (50. Geburtstag begehen. Direktor Pirrung, der am l.Juli 1882 in Edenkoben an Der Weinstraße geboren wurde, erhielt in Landau in Der Pfalz seine erste berufliche Ausbildung. Anfang Dezember 1902 trat er bei der Direktion der Disconto-Gesellschaft ein, die später mit der Deutschen Bank fusionierte. Zunächst mar Direktor Pirrung in Frankfurt a M. tätig und hatte dort in reichem Maße Gelegenheit,


