Einzelbild herunterladen

Nr. M Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderheffen)

l./2.11ia$1942

Aus der Stadt Gießen.

Mai.

Der Mai besitzt alle Eigenschaften, die ihm in jedem Jahre immer wieder neu die Herzen gewin­nen. Er kommt ins Land wie ein liebenswürdiger und lebensfroher Bursche, dem der Frühling den Stock mit bunten Bändern schmückt und ihm, ins Haar den Kranz voller Blüten drückt. Und kaum ist er da, so beeilt sich die Natur, seiner Herrschaft wür­dig zu werden. Die Knospen an Baum und Strauch öffnen sich, Blumenkelche tun sich auf und überall gedeihen schwellende Graspolster. Eine Sinfonie leuchtenden Farben hebt an, die mit ihrem Hym­nus, an die Quellkraft des Lebens alle graue Gries- arämigkeit des Winters vergessen läßt. Wieviel Anmut verkörpert eine Birke im jungen Maien­grün, wieviel stille Schönheit zeigt die bräutlich geschmückte Buche, und weiß nicht die Kastanie im lenzlichen Gewände das Preislied der Schöpfung zu fingen? Wohin man schaut, lockt der Mai die Wunder des Frühlings hervor, es ist ein Wett­eifern an Duft und Farbe rings umher, daß man immer wieder davon berührt wird wie von den tausendfältigen Ueberraschungen einer bunten Mär­chenwelt.

Aber es ist keine Märchenwelt, es ist unsere gute Erde, die ihr hochzeitliches Kleid anlegt. Kein Wun­der, daß deshalb der Mai auch den Namen Wonne­mond trägt. Die Wonne über das Naturgeschehen vermögen jene sonnigen Tage zu wecken, an denen das Prangen in Flur und Feld einem hellen Jubel­ton vergleichbar ist, sie wird aber auch spürbar, wenn es in milden Nächten düfteschwer aus den Büsck)en der Anlagen aufsteigt. In keinem anderen Monat könnte deshalb auch würdiger der allgemeine Festtag der Arbeit begangen werden, der symbolhaft das Geschehen des neuen Werdens einleitet. Mai­feste hat es in deutschen Landen schon in alten Zeiten gegeben, sie waren der Ausdruck innigen Derbundensems mit dem Naturgescheben.

. Freilich, so verheißungsvoll der Mai auch ge­wöhnlich beginnt, ganz gebannt sind die winter­lichen Tücken zunächst noch nicht. Im Hintergrund harren noch die Eisheiligen, die in der Zeit vom 11. bis 13. Mai regieren und die die Namen Ma­mertus, Pankratius und Servatius tragen. Sie bringen mitunter mit Kälte und Hagel noch einen winterlichen Rückfall, aber nach ihrer Zeit ist es auch mit solchen Unannehmlichkeiten restlos vorbei, weshalb ein alter Bauernspruch sagt:Der dritte Mai ist ein Wolf, der siebente eine Schlange, doch nach Servazitag macht kein Frost mehr bange." Haben wir erst Mllte Mai, dann kann kein Mißton mehr das Blütenfest des Frühlings stören, das uns bis in den Juni hinein die köstlichsten Tage beschert.

FbW. Sch.

Die Glücksmänner

zum 3. Kriegshilfswerk angeireten.

Nachdem die grauen Glücksmänner im 3. Kriegs­winterhilfswerk 1941/42 mit ihrer Arbeit einen Er­folg erzielt haben, der alles bisherige übertroffen hat, erscheinen sie jetzt nach kurzer Unterbrechung wieder in ihrer braunen Sommeruniform. Freudig leistet jeder ein'^ne von ihnen dem Aufruf des Führers Folge, beim 3. Kriegshilfswerk mitzuhelfen und mit gesteigerter Arbeit einen bescheidenen Aus­druck des Dankes an die Front abzustatten.

Die Reichslotterie für das Kriegshilfswerk wird wieder als Losbrief-Lotterie mit sofortigem Gewinn­entscheid durchgeführt. In zehn Reihen werden ins­gesamt 10 000 000 Gewinne und Prämien ausge­spielt. Für 50 Rpf. kann man sofort 1000 RM. gewinnen, abgesehen von den vielen Gewinnen zu 500, 100, 50 und der großen Anzahl kleinerer Ge­winne. An jedem Los befindet sich wieder ein Prä­mienschein. Am 31. August 1942 werden in jeder ; Reihe eine Sonderprämie zu 5000 RM. und Prä­mien zu 500 und 100 RM. verlost. Insgesamt fallen 5 auf die Prämienlose Prämien im Werte von 160 000 ;RM. Prämienlose also gut aufbewahren, denn man­cher hat sich schon durch leichtfertige Behandlung seines Prämienloses um sein Glück gebracht. Der Prämienschein hat auch in diesem Jahr wieder einen Kontrollstempel, der den Gewinn oder dasNicht" des Loses nrieberholt, so daß die Gewinnauszahlung unter doppelter Kontrolle erfolgt.

Das Gebet

der schaffenden Hände.

Erzählung von Karl Heinz Jansen.

Meister Klaas werkte am Feuer. Es war noch früh; um halb, acht begann der Werktag, und bis dahin brannte das Schmiedefeuer; so war's die Regel.

Meister, wißt'r, wer im Büro ist?"

Ein wenig aufgeregt stand der Lehrjunge Martin hinterm Meister, den sie den Feuerteufel nennen. Der wandte sich gelassen herum und schüttelte nach- denkcnd den Kopf. Das rote Flammenspiel des Feuers floß über feinen mächtigen, vorgebeugten Oberkörper.

Ein Unteroffizier, Meister, mit'm Sturmab­zeichen und dem E. K. Den rechten Arm trägt er in ner Binde wegen einer Verwundung ,.."

Jessas, der Mathes ...?"

Martin nickte lebhaft und freute sich übers ganze Gesicht.

Ihr habt's erraten, Meister. Er kommt nach­her in die Schmiede, hat'r gesagt."

$o, der Mathes", murmelte Meister Klaas, wäh­rend er mit der Handschaufel die Kohlen, die rings um die Glut her lagen, aufhäufte und das Feuer zudeckte.So, so, der Mathes ..."

Indes er die Brote aus der Tasche packte und den Kaffeetopf herausstellte, kam ihm ein Bild vor Augen, das weit in die Jahre zurückführte. Er sah den Mathes vor sich, als er vor fünf Jahren als Lehrjunge in der Werkgemeinschaft begann. Damals trug er eine abgeschabte Lederhose und ein buntes Hemd. Die braunen, sehnigen Arme hatten kräftig zugevackt, als die anderen Lehrburschen ihn foppen wollten. Ja, ja, der Mathes war schon immer ein ganzer Kerl. s

Als er sich aufrichtete und die Hemdärmel hoch­krempelte, sah er draußen am Fenster Gestalten vorbeigehen.Sie kommen!" rief er den Kerlen zu, die auf den Treibstöcken beisammen saßen und vom Mathes sprachen.

Der Leiter der Werkgemeinschaft und Mathes traten durch die offene Tür. Sie grüßten. Mathes legte die Tür iys Schloß und überflog dabei die Kundmachungen, die links am Schwarzen Brett an- gezweckt waren. Wie fri&efc dachte er, pnd ex lachte

Schaffende Heimat im Kriegseinsatz.

Bauern und Arbeiter der Stirn und der Faust kämpfen mit für unseren Sieg.

In allen Berufen und Betrieben arbeiten Männer und Frauen unter Einsatz ihrer ganzen Kraft Tag für Tag an der Erfüllung der kriegswirtschaftlichen Aufgaben der Hei­mat. Alle Volksgenossen in Stadt und Land wissen, daß ihre äußerste Kraftanspannung bei der Arbeit mit beiträgt zur Erringung des Sieges unserer Waffen. In dieser Ueber- zeugung wird auf dem Acker des Land­mannes sowohl als auch in den Fabriken, Handwerksbetrieben, in den Büros und im Schaffen der geistigen Berufe nach höchsten Leistungen gestrebt. Wir haben uns um an Hand einiger Beispiele das einsatzfreudige Schaffen der Heimat im Kriege zur Stär­kung der Kampfkraft unseres Volkes zu kenn­zeichnen mit Bauern, Arbeitern und Ar­beiterinnen der Stirn und der Faust, Gelehrten , usw. unterhalten und dabei überall den gleichen Eindruck gewonnen: alle setzen mit äußerster Bereitschaft ihre ganze Kraft ein, um der Verpflichtung der Heimat gegenüber der mit der Waffe kämpfenden Front gerecht zu werden.

Der Bauer sieht sich nach der durch höhere Ge­walt erzwungenen wochenlangen Hemmung seiner Arbeit auf dem Acker jetzt inmitten einer Fülle drängender Aufgaben. Der langanhaltende Winter hatte die Frühjahrsbestellarbeiten verzögert und außerdem Auswinterungsschäden herbeigeführt, die den Landmann nach dem Eintritt günstiger Witte­rungsverhältnisse zu einem verschärften Tempo sei­ner gesamten Außenarbeit nötigen. Dabei gilt es nicht nur die eigene Arbeitskraft, sondern auch die Kräfte aller Helfer, insbesondere von Frau und Kind, alt und jung, mit einzusetzen, um das tägliche Brot für unser Volk in ausreichender Menge auf dem deutschen Boden zu gewinnen. Dank dieser tat­freudigen Anspannung aller Kräfte unseres Bauern­tums Tag für Tag, vom frühen Morgen bis zum träten Abend, ist es gelungen, unsere Aecker als Nabrungsguell des Volkes wieder in vollem Aus­maß mit der Aussaat zu versehen, die Bestellung nach Auswinterungsschäden überall und vollkom­men durchzuführen und mancherlei andere zeit- und witterungsbedingte Schwierigkeiten in einer Weise zu überwinden, die unseren Bauern zu besonderer Ehre gereicht und uns alle zu guten Hoffnungen für die diesjährige Ernte berechtigt. Die Frühjahrs­saaten sind erfreulich aufgelaufen und zeigen allent­halben einen guten Stand. Die für unsere Vieh­bestände sehr wichtigen alten Luzernefelder hoben den langen und strengen Winter zum größten Teil gut überstanden. Daneben hat man versucht, die Rotkleeschläge, die unter Auswinterung stark ge­litten hatten, durch Untersaat oder Umbruch so weit es möglich war zu ersetzen. Die gute Vorbereitung und Pflege der Wiesen und Weiden haben das Er­gebnis gezeitigt, daß der Stand der Wiesen und Weiden zufriedenstellend ist und damit unter gün­stigen Witterungsbedingungen für die Heugewin­nung wie guch für den Meidegang der Tiere gute Aussichten bestehen. Die Rübensaat ist zum größten Teil ausgefät und ein großer Teil der Kartoffeln bereits gepflanzt. Damit ist eine weitere gute Grundlage für die Versorgung von Mensch und Tier gelegt worden. Die Staatsführung, die Wehr­macht und selbstverständlich auch der Reichsnähr­stand hoben durch we-itgehende Förderungsmaß­nahmen, durch Bereitstellung von Hilfskräften, Ge- fnannen, Saatgut usw. die Aussaatarbeiten unserer Bauern und Landwirte in größtem Ausmaß unter­stützt und dadurch an ihrem Teil sehr wesentlich beigetragen zur Ausgleichung der Rückschläge, die durch den langen und harten Winter für die Arbeit auf unseren Aeckern entstanden waren.

Neben der vielseitigen Arbeit auf Feldern und Wiesen und den Aufgaben der Hofwirtschast lassen unsere Bauern auch der Erhaltung und weiteren Aufzucht der Viehbestände die größte Sorgfalt an- oedeihen. Das bedeutet für den Bauer und die Bäuerin, wie auch für ihre Helfer weitere ver­

mehrte Arbeit, die von ihnen gerne geleistet wird in dem Bewußtsein, daß sie auch auf diesem Gebiete unserer Volksgemeinschaft wertvolle Dienste leisten. Von dieser Tätigkeit hängt die Versorgung unseres Volkes mit vielen Lebensnotwendigkeiten man denke z. B. nur an die Milchlieferung und die Be­reitstellung von Fleisch und Fett in kriegsent­scheidender Weise mit ab. lieber die Erfordernisse des Alltags hinaus denkt der Bauer bei feiner täg­lichen Arbeit aber auch an die großen Zukunftsauf­gaben, die er für unser Volk und Reich zu erfüllen hat. Deshalb setzt er sich mit allen Kräften auch für die tierzüchterische Arbeit ein, und besonders auch auf diesem Gebiete kann unsere oberhessische Tier­zucht selbst jetzt im Kriege bedeutende Erfolge auf­weisen, die ihren Ausdruck darin finden, daß über die Zuchtvieh-Absatzveranstaltungen der Züchterver­bände in Gießen bisher schon ansehnliche Liefe­rungen von Zuchtvieh (Bullen, (Eber, Pferde und Ziegen) den Aufbaugebieten im Osten und im Westen zur Verfügung gestellt wurden.

*

Wie auf dem Acker, so ist auch in den Arbeits­sälen und Werkstätten der Betriebe der Pulsschlag der Arbeit außerordentlich stark und völlig auf die Erfordernisse der Kriegszeit eingestellt. Hier sind Männer und Frauen aus Stadt und Land in Ka­meradschaft vereint, durch Fleiß und unermüdliche Einsatzbereitschaft dem Volksganzen und insbeson­dere unseren Soldaten zu dienen. Wir haben uns mit Arbeitern und Arbeiterinnen, Abteilungsleitern und führenden Männern von Betrieben unterhalten und überall die gleiche tatfrohe Hingabe an die großen Aufgaben unserer Zeit erkennen können. Da war das ftische Mädel aus Großen-Linden, das einer Familie mit zehn Kindern entstammt, von denen die Brüder allesamt im Felde stehen, wäh­rend die Mädels in der Heimat ihre Arbeitskraft nutzbar machen; da war eine (Ehefrau aus Krofdorf, deren Kind ebenfalls schon im Beruf steht, während der Mann im Heimatsort als Handwerker schafft; weiter svrachen wir mit einer, Reihe junger Frauen und Mädchen, aber auch mit älteren Frauen, die zu Hause ihre Familie haben und Söhne im Ehren­kleid unserer Soldaten besitzen; wir saßen ferner zusammen mit Abteilungsleitern, die tagsüber große Verantwortung für die ihnen anvertraute Arbeits­gemeinschaft des Betriebs tragen und sich in ihrer knappen Freizeit noch für ehrenamtliche Pflichten in der Partei und ihren Gliederungen, im Reichs- luftschutzbund usw. einsvannen; wir unterhielten uns mit Arbeitern und Arbeiterinnen, die an jedem Morgen und jeden Abend mit dem Fahrrad ober avd) zu Fuß längere und zum »Teil sogar weite Wege aus bzw. nach den verschiedensten Orten der

Umgegend zu und von ihrer Arbeitsstätte zurück- legen, um durch ihren Einsatz in der kriegswirt­schaftlichen Arbeit dem Führer und der Volksge­meinschaft zu dienen; wir tauschten unsere Gedan­ken aus mit Männern, die schon manches Jahrzehnt treuer Arbeitserfüllung auf dem Buckel tragen; und wir besprachen uns auch mit führenden Män­nern der Betriebe, auf denen ein großes Maß von Verantwortung ruht; sie alle gaben uns in schlich­ten und darum außerordentlich eindrucksvollen Worten einen Einblick in ihren täglichen Pflichten­kreis der Arbeit. Dabei trat zutage, daß jeder Mann und jede Frau den zugewiesenen Arbeitsplatz mit ganzer Kraft und mit größter Gewissenhaftigkeit auszufüllen bestrebt ist, daß sie alle tief durchdrun­gen sind von der großen'Bedeutung, die auch ihrem Schaffen im Rahmen des Ganzen zu eigen ist. Sie erzählten uns aber auch, daß sie mit der Erfüllung ihres täglichen Arbeitspensums ihren Alltag noch nicht als beendet'ansehen. Nach der Heimkehr von der Arbeit schaffen sie noch in ihrem Garten ober in der Landwirtschaft der eigenen Familie ober bei Verwcmbten mit. Ein Mann aus Steinbach bei­spielsweise geht babei sowohl seinem alten Vater, als auch seinem Schwiegervater im Garten ober auf den Aeckern noch zur Hand; andere sind unter die Kleintierzüchter gegangen und geben sich mit allem Eifer dieser Tätigkeit hin, um auch hierdurch ihrer Familie und darüber hinaus der Gemeinschaft zu dienen; m zahlreichen Fällen helfen sie, vor allem junge Frauen und Mädchen, noch bei den Aufgaben der NS.-Frauenschaft ober der NSV. mit: die ver­heirateten Arbeiterinnen, aber auch viele Mädchen, benutzen jede freie Stunde und vor allem auch die Sonntage zu Arbeiten in ihren Haushaltungen und zur Betreuung der Familie; alle miteinander kennen eben nur das Gesetz der Pflicht und des Einsatzes der ganzen Kraft für die besonderen Auf­gaben des Krieges, im großen gesehen sowohl, als auch in den Ausstrahlungen auf das Familienleben. Daß gelegentlich auch einmal eine Freistunde zur Entspannung benutzt wird, sei es in der Singstunde des Gesangvereins, bei einer Veranstaltung von Kraft durch Freude" ober bei einem kurzen Er­holungsausflug, ist nur recht und billig, denn da­durch erfährt die Arbeitsfreude neuen Auftrieb. Und immer wieder sind sie allesamt zufrieden und froh, daß sie ihre Kraft an ihrem Arbeitsplatz ober im ehrenamtlichen Dienst als einen Beitrag zum Sieg in dem großen Schicksalskampf unseres Volkes einsetzen können. Sie wissen babei, daß von der Staatsführung und besonders von der Deutschen Arbeitsfront als Vertreterin der Partei für sie als schaffende Menschen alles getan wird, um ihnen das Leben auch im Kriege lebenswert zu machen.

Die

iffenschast als eifrige Helferin.

Der Kriegseinsatz unserer Wissenschaft erfolgt ebenfalls unter Anspannung aller Kräfte. In un­serer engeren Heimat ist es die Ludwigs-Universität Gießen, die im geistigen Schaffen unserer Volksge­meinschaft an besonders bedeutsamer Stelle mar­schiert. Durch Vertretungen. Uebernahme der Ar­beit von Dozenten und Assistenten, kurz gesagt der Aufgaben all der jüngeren Kräfte, die für den Lehrbetrieb der Universität notwendig sind, jetzt aber im Felde stehen, durch die in der Heimat wei­lenden Lehrkräfte konnte es ermöglicht werden, daß der Unterrichtsbetrieb in allen Fächern in vollem Umfange weitergeht. Durch diese Mehrleistung an Arbeit denn die geringere Zahl von Studieren­den gegenüber der Friedenszeit bringt keine wesent­liche Verminderung der Unterrichtspflichten konnte die Universität bisher in allen Fakultäten ihre Aufgaben in vollem Umfänge erfüllen. Dieses Ergebnis ist in hervorragendem Maße auch dem alle­zeit tatkräftigen Wirken des Rektors, Professor Dr. med. H. W. Kranz, zu verdanken, der sich nicht nur im Alltagsschasfen, sondern ganz beson­ders bei der Ueberroinbung von schwierigen Situa­

tionen mit starkem Impuls und gutem Erfolg für die Interessen und Aufgaben der Universität ein­gesetzt hat.

Schon die Ausbildung des Nachwuchses der Medi­ziner, Chemiker, Physiker, Veterinäre. Landwirte usw. stellt im Unterrichtsbetrieb ein offensichtliches kriegswichtiges Bedürfnis dar. Aber für sehr viele andere Fächer, bei denen es nicht so ohne weiteres offensichtlich ist, besteht auch bei der Universität, wie bei allen staatlichen Aemtern und privaten Be­trieben, die Notwendigkeit zur Mehrarbeit. Einer­seits ist zu beachten, daß jedes Examen, welches das

ADOX

Der Welf älteste

den Jungen zu, als er sich wieder dem Raum zu- wandte.

Liebe Arbeitskameraden", begann der Betriebs­leiter und blickte jeden freundlich an,unser Mathes Jalter ist wieder bei uns, und wir freuen uns alle, daß er noch so wohlbehalten in die Heimat zurück- gekehrt ist, wenn auch der Krieg nicht spurlos an ihm vorbeigegangen ist. Er wurde nach dem glück­lich überstandenen Vormarsch im Sommer diesen Minter vor Moskau am rechten Arm verwundet. Im Lazarett kam ihm die Nachtricht zu, daß er aus der Wehrmacht entlassen werde. Drei feiner Brüder stehen draußen, Mathes als Jüngster ist nun wieder daheim und wird wie in alten Tagen mit uns Zu­sammenarbeiten!"

Heiner saate den Morgenspruch her und machte hinter den Namen im Tagebuch des Werkes ein Zeichen. Dann gingen sie alle frisch an ihre Arbeit. Das Lied der Arbeit klang durch den Raum. Die Hämmer hallten auf dem Amboß. Der Blasebalg furrte seine einförmige Melodie. Die Schmiede er­wachte.

Heute früh stand Mathes im blauen Arbeitsanzug in der Eifenschmiede. Die Jungen umringten ihn und waren neugierig, was er nun beginnen werde. Fast einen Monat hatte er im Büro Aufträge sortiert und ausgeschrieben: so wollte es der Leiter der Ge­meinde. Der Arm müsse erst ganz ausheilen, sagte er. und Matthes soll sich derweil noch schonen, er könne es gebrauchen! In der Pause bockte er meist bei den Jungen in der Schmiede und ließ sich von all dem berichten, was derweil geschehen war. Die Jun­gen wollten von ihm willen, was er draußen erlebt habe. Erst wollte er nicht recht und sagte, daß er von dem nichts erzählen könne, denn es fei nicht in Worte zu fassen, und außerdem: es fei fo stüm- uerhaft. wenn er berichte, daß sie sich keine rechte Vorstellung machen können, wie das draußen ge­wesen sei.

Das hatten die Jungen nicht hingenommen und waren in ihn gedrungen. Sie hatten nicht mehr locker gelassen, und er mußte immer erzählen. Die Jungen wußten um jeden Ort, den Mathes kämpfend mit den Kameraden genommen hatte, erfuhren von der russischen Soldateska, die, ausgehungerten Be­stien gleich, wider die deutschen Linien rannte, unsinnig im Kämpfen, unsinnig im Sterben.

Wie er sich freue, hatte der Mathes gesagt, daß er nuq wieder arbeiten dürfen jo oit tzabe ex M

draußen in stillen Stunden danach gesehnt und im Lazarett erst! Oftmals habe er an daheim denken müssen, wenn sie durch die russischen Dörfer und Städte marschiert seien beim Vormarsch und nur Schmutziges, Primitives und Verloddertes gesehen hätten. Wie unsagbar schöner das alles hier fei, was sie täglich sähen und für das sie werkten! Ja, sagte er dann und blickte lange durch das große Fenster in den lachenden Frühlingstag hinaus, das könne man erst ermessen, wenn man draußen gewesen fei. Die Arbeit hier in der Heimat sei wahrhaftig ein Beitrag zum großen Ringen, jeder Hammerschlag ein Schwerthieb für den Bestand der Kultur.

So hatte der Mathes gesprochen, und die Jungen saßen unterdes still um ihn herum. Die alten Meister horchten auf und nickten stumm dazu. Sie verstanden den Mathes recht wohl. Er sprach mit einer so klaren Eindringlichkeit, daß ihnen feine Worte ein Befehl aller Soldaten draußen schien. Sie versprachen dem Mathes im stillen, ihre volle Pflicht zu tun und mehr noch: was nur in ihren Kräften stehe. Die Alten und Jungen werkten mit Zähigkeit und Härte, und sie freuten sich geheim über sich selbst, wenn sie abends ihr Tagewerk überdachten ...

Heute stand Mathes im blauen Anzug in der Schmiede, bevor das Gewerk begann. Froh rief er dem Meister feinen Morgengruß zu, und als der sich fragend vom Feuer umblickte, bedeutete er ihm, daß er es heute versuchen wolle, und er hob den Arm wie beim Hammerschlag. Der Meiller schüttelte ver­wundert den Kopf und freute sich über den Mut.

Werden wir gleich 'n ordentliches Feuer schüren, Mathes", sagte er und entfachte eine ordentliche Glut.

Mathes nahm in einem jähen Kraftgefühl das Vierkanteisen in die Faust und steckte es in die zün­gelnde. weiße Glut. Der Blasebalg surrte und schnob das flammende Gezüngel steil empor. Der Wider­schein ergoß sich durch den Raum und glänzte rot im Angesicht des heimgekehrten Soldaten.

Er fühlte sich stark wie ein junger Gott. Wie ein Rausch war das Glück des Schaffens über ihn ge­kommen und erfüllte die Sehnsucht nach feuer- sprühender Werkmannsarbeit. Da hatte er zwei Arme, mit denen er in der Jugend Bäume umriß, und zwei Hände wie Pranken, so derb unb, stark, die fest zupacken konnten mit eisernem Griff. Und die sollten nun träge und schwach geworden sein? Nur, weil er so unglücklich beim Vormarsch auf ein Dorf in die beiden feindlichen Maschinengewehr- tugeln rannte, ins Lazarett kam und mtt dem Arm

in der Binde heim ... All die Monate hatte er von der Arbeit am Feuer geträumt, und heute stand er hier am Feuer, fiebernd wie vor einer großen Ent­scheidung.

Mathes lachte still vor sich hin. Nein nein, er war kein Krüppel! Er gehörte in die Reihe der Werk­leute. Das wollte er ihnen zeigen! Das Eisen glühte im zuckenden Feuer. Er nahm es hervor, hielt das Maßstück daran und gab dem Martin ein Zeichen. Der Feuerteufel schwang den Hammer empor und ließ ihn mit sprühender Wucht auf den Amboß sausen. Hei, wie gut das klang! Und wieder und wieder ...

Es spaltete sich der Eisenstab jäh entzwei. Der Hammer zischte im Wasser und flog wieder in die frische Kerbe zurück. Stahl fang auf Stahl eine mächtige Melodie.

Eine Weile hielt er inne und schob das Eisen mit sehnigem Arm in die Glut zurück. Die Jungen ge­wahrten die beiden Narben am rechten Arm, dau­mendick und weiß. Mathes dachte nicht daran und lachte ihnen stolz entgegen, als sie zu ihm auf­blickten in das glutüberstrahlte Gesicht. Das Leuchten in den Augen war Freude und Glück. Tief und herr­lich strömte es aus feiner Brust.

Er griff den Vierkantstab aus dem Feuer auf den Amboß zurück und setzte die Schneide des Hammers wieder an? Ha, wie fest der Junge zuschlua? Ein Zittern lief jedesmal durch den Arm. Gut, Martin! Der Feuerteufel holte weit zum Schlage aus. Sein Haar hing strähnig und wirr um seine Stirn. Die Augen blitzten hinter den Gläsern. Mathes spürte die Freude des Jungen im Hammerschlag. Er hatte auch den Glanz in dessen Augen gesehen. Als er das (Eifen wieder ins Feuer schob, trat Meister Klaas vor ihn hin und streckte ihm die Rechte entgegen.

Schon recht, Meister!" '

Er blickte in seine breiten, schweren Hände. (Eine Gottesgabe sind sie; aber das muß man recht ge­spürt haben beim Werken und Schaffen, Ringen und Kämpfen, um es zu wissen. So dachte der Mathes und spuckte hinein, wie es der Werkleute Brauch ist. Der Hammer klang durch die Schmiede. Es sprühte feurig umher. Mathes legte den Hammer beiseite und spürte das pulsende Blut in den Adern. Er strich die Haare aus der Stirn und lachte sie alle art.

Nun gehöre ich wieder ganz zu euch und kann mich morgen zum Tag der Arbeit zu euch stellen?"

Sie nickten ihm freudig zu unk gingen an ihr TagwerL.