Ausgabe 
1.3.1942
 
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Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhesien)

Nr. 5V Zweites Blatt

(Nachdruck verboten.)

27. Fortsetzung.

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Koch und Frau sowie der allerneuste und aller­nächste Nachbar, Direktor Abbeg aus derSo­phienau", der eine kleine Woche nach der Rückkehr des Ehepaars hochförmlich seine Karten im Schloß abgegeben hatte ... Der Gedanke, auch ihn einzu­laden stammte von Christian Fehr selber; nun er sich Marions und seines Glückes sicher fühlte, wäre er sich vor sich selber ein wenig lächerlich vorgekommen, hätte er Abbeg zu wichtig genommen. Mochte der Mann ihr jetzt immerhin den Hof machen! Er wußte, daß jede schöne Frau eine Art von Me­nagerie braucht....

Alle waren gekommen, die man gebeten, nur einer nicht: Dr. Wulflam. der hatte, als ihn die Einladungskarte erreichte, sich hingesetzt und an Fehr einen Brief geschrieben, in dem er freimütig sagte, er möchte für diesmal auf das Vergnügen verzichten, um Ulla in keiner Weise vorzugreifen.

Dieser Brief bereitete den Bewohnern von Schloß Lappersdorf eine Stunde des Rätselratens. Fehr schüttelte immer wieder den Kopf. Was sollte das heißen:Ulla nicht vorzugreifen?" ...Ulla" der Name stand buchstäblich so in Wulflams Brief. Was bedeutete diese Intimität ... Man riet und redete hin und her; schließlich wurde Fehr so un­ruhig, daß er den Wagen kommen ließ, ins Dorf fuhr und an der ärmlichen Arztwohnung hielt.

Nicht ohne Verlegenheit empfing ihn Wulflam. Seit vielen Wochen hatten die beiden Männer sich nicht mehr gesehen: und was hatte sich in diesen Wochen ereignet!

Fehr bot seine ganze Liebenswürdigkeit aus, als er ihn um Aufklärung über den rätselhaften Brief bat(£s täte meiner Frau und mir riesig leid, wenn Sie fehlen sollten, lieber Doktor! Es wird ein Abend, wie das stille Schloß ihn seit vielen Jahren nicht gesehen. Sie wissen ja wohl, dort ist alles renoviert und umgebaut. Es wird so etwas wie eine kleine Einweihungsfeier ... Mit einem Wort: ich verstehe Ihren Brief nicht recht "

,Aber ich glaube mich doch ganz klar ausgedruckt : zu haben, Herr Baron", sagte Wulflam:Bei den Unstimmigkeiten, die leider" _ ,, _

Die Unstimmigkeiten mit meiner Tochter? ; Sie haben natürlich davon gehört. Aber was m s aller Welt hat das mit Ihnen zu tun?"

WulflaMs weiße Stint rötete sich.

Görings Schwert.

Seit dem 1. März 1935, als der Führer den Be­fehl gab, eine Luftwaffe aufzubauen, ist nach dem Wort des Reichsmarschalls Göring das deutsche Volk ein Volk von Fliegern geworden. Bildlich ge­sprochen, hat es sich über die Gebundenheiten sei­nes Daseins hinausgehoben und betrachtet alles Weltgeschehen und alle Dinge von einer höheren Warte als der heimatlichen Erdgebundenheit. Denn fliegen können, das bedeutet, sehen können, seinen Horizont erweitern und alle Dinge in einem Maße in sich aufnehmen, wie sie sonst dem am Durchschnitt Klebenden verschlossen bleiben.

Mit fassungslosem Staunen hatte das Ausland erlebt, wie plötzlich in Deutschland eine neue Waffe entstanden war, deren Träger mit fester Entschlos­senheit dahi nsteuerten, Deutschland das größtmög­lichste Maß von Sicherheit zu geben. Die deutsche Luftwaffe hatte im Weltkrieg 1914/18 gezeigt, daß

zeit nicht mehr gewesen. Das Leben war für ihn abermals aufgeblüht, hatte einen neuen Sinn be­kommen. Manchmal fühlte er mit einem geheimen Beben des Herzens, wie nahe die lange Witwer­schaft ihn in Gefahr gebracht hatte, zu verdorren und in seinem menschlichen Teil zu verkümmern; lächelnd ertappte er sich auch darauf, daß er allerlei saloppe Angewohnheiten angenommen hatte, wie ein Junggeselle, Flecken auf seinem Bilde, Durch das Zusammenleben mit einer jungen schönen, heiteren und allem Musischen verschwisterten Frau verblaßten sie. Er lernte wieder auf sich achten und halten, weil er sich ständig im Spiegel ihrer samten schimmern­den Augen sah. ,Hhne euch Frauen verbauern wir leicht", sagte er einmal zu Marion. Er fühlte und besonders seit sie wieder zu Hause waren seinen inneren Menschen neu werden so neu, wie die ganze Umgebung geworden war, neu und leicht. Er genoß sein Haus, das er jahrelang als Ruine empfunden, und dessen dauerndem Verfall zu steuern ihm doch immer der seelische Aufschwung gefehlt hatte. Gern wanderte er, Arm in Arm mit Marion, durch die erneuerten Räume, die das Licht der strahlenden Wintertage füllte.

Er hatte zwei Reitpferde angeschafft, einen Rappen namensRaoul" und eine zierliche Fuchs­stute, dieFatme" hieß: und nachdem er Marion ein paar Tage lang in der Reitkunst unterwiesen was viel leichter gelang als die Unterweisung in den Künsten des Schneeschuhlaufens auf der Peter- baube!, ritten sie beide täglich durch den märchen­haften Winterwald und plauderten im Sattel, und Marion schrie ^erschrocken auf, wenn plötzlich ein Reh dicht vor ihnen aus dem Unterholz brach und mit großen Sprüngen über den Weg setzte.

Auch sie war glücklich wie bisher nie im Leben. Selbst die großen Glücksmomente ihres Daseins die Abende theatralischer Triumphe mit Blu­men und vielen Vorhängen wurden ihr über­strahlt von dem milden, warmen Licht, das diese ersten Tage und Wochen an Christian Fehrs Seite erfüllte. Einmal dachte sie, daß ihr Leben bisher wie eine Magnesiumfackel niedergebrannt war, blen­dend, sprühend und daß nun die stille, immer gleiche Wärme eines heiteren Sommertages sich darüber gebreitet habe.

(Fortsetzung folgt)

Sluka im Angriff.

Gerade ist die Bombe von der Stukamaschine ausgelöst worden.

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Der feurige Ofen

Roman von Hans von Hülsen

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Wenn die Gegner von ihrer Luftüberlegenheit faseln und nur hin und wieder in der englischen Presse Geständnisse auftauchen, daß man noch nicht die Luftparität mit Deütschland habe, dann läßt uns das kalt. Wir wissen: die deutsche Industrie arbeitet nicht nur an der Herstellung der Flugzeuge im Serienbau, sondern auch an ihrer Vervollkomm­nung. Unsere Flak wehrt den Gegner, unser Nach­richtenwesen ist so vollkommen, daß in kürzester Frist alle erforderlichen Stellen durch die Nach­richten informiert werden, unsere Jäger, unsere Stukas, unsere Bombengeschwader sind überall, wo sich ihnen der Gegner stellt, überlegen. Da wir nicht schlafen, sondern den Vorsprung weiter auf­rechterhalten, ist das Ende ganz klar. Es ist der Sieg des deutschen Gedankens und der deutschen Tat in der Welt.

Die Luftwaffe hat an den bisherigen Erfolgen Deutschlands maßgebenden Antest. Wir sind stolz darauf, daß dieses Schwert Hermann Görings volkstümlich ist wie selten ein anderes, und daß es sich voll bewährt hat. Es hilft mit erringen unsere innere und äußere Freiheit.

sie, ebenbürtig allen anderen Waffeck des deutschen Volkes, den Kampf um die Sicherung Deutschlands aufzunehmen vermochte. Dann war der Zusammen­bruch gekommen. Feindesgewalt hatte uns jeder Rüstung, auch in der Luft, beraubt. Aber unentwegt planten die Männer der Luftwaffe, die ihre stolzen Siege im Weltkriege nicht vergessen konnten, weiter. Sie hatten nichts Materielles.für sich, aber der Geist war in ihnen lebendig, und als die große Stunde schlug, als der Führer Reichsmarschall Göring den Befehl gab, eine neue Luftwaffe zu schaffen, da zeigte sich überall regstes Leben, das schnell Gestalt wurde. Bald hatten wir Hunderte von Fliegern und gleichzeitig.wurde mit deutscher Gründlichkeit und nationalsozialistischer Energie das gesamte Problem der Fliegerei, also nicht nur der Flugzeugtypen, sondern der Flak, des Nachrichten­wesens usw. vorbildlich gelöst. Als Reichsmarschall Göring die Flugwaffe verselbständigte und von Männern, wie Übet, Bodenschatz und anderen in seinem Werk unterstützt wurde, wußte Deutsch­land: Hier ist der rechte Mann am Werk.

Seitdem hat unsere Luftwaffe in reichstem Maße Gelegenheit gehabt, ihren Ruf als starke Waffe des deutschen Verteidigungswillens auf das glänzendste zu bewähren. Der Krieg entscheidet über Wert oder Unnyrt der Vorarbeit der Friedenszeit, der Waffen und der Menschen. In diesem Kriege hat sich nun gezeigt, daß neben anderen Waffen gerade -unsere Luftwaffe berufen war, nicht nur die Sicherheit Deutschlands zu gewährleisten, sondern darüber hin-

insgesamt 18 Flugabwehrkanonen, die nur zu einem Drittel motorisiert, zu zwei Dritteln pferdebespannt waren. Erst 1916 wurden die ersten Horchgeräte eingeführt, und im Jahre 1917 mit dem 8,8-cm- Flugabwehraeschütz eigentlich das erste als solches anzusprechende Flakgeschütz eingesetzt. Trotzdem wur­den insgesamt 1588 feindliche Flugzeuge und zwei feindliche Luftschiffe durch Flakartillerie bis zum 9. November 1918 vernichtet. Das Versailler Diktat zerschlug auch die deutsche Flugabwehr und gestat­tete dem Deutschen- Reich lediglich eine Batterie bet jedem der sieben Artillerie-Regimenter, die aber noch dazu mit für den Beschuß von Luftzielen nicht geeigneten Kanonen ausgerüstet sein mußte. Erst nach Verkündung der Wehrfreiheit durch den Führer erlebte die deutsche Flakartillerie als Teil der von Hermann Göring geschaffenen neuen deutschen Luft­waffe ihre Wiederauferstehung, ja, man ist versucht zu sagen': ihre eigentliche Geburt. Dieser Tag aber jährt sich am 1. April 1942 erst zum siebenten Male.

Diese Tatsache muß man sich vor Augen halten, wenn man der Flakwaffe gerecht werden will. Eben­so muß man sich vergegenwärtigen, daß das Ope­rationsgebiet der Flakartillerie im Gegensatz zu dem des Heeres, das allein an den Fronten kämpft, nicht nur überall dort ist, wo der deutsche Soldat steht, sondern den ganzen deutschen und den von unserer Wehrmacht besetzten Raum umfaßt, also zu­gleich auch alle Gebiete, in denen deutsche Menschen leben. Daraus ergibt sich eine Aufgabe geradezu gigantischen Umfanges. Und wenn ich vorhin schon einmal von dem aus Unkenntnis herrührenden Un­verständnis sprach, das über die Aufgaben der Flak­artillerie herrscht, so muß ich ah dieser Stelle noch einmal daraus zurückkommen, um einen Irrtum klarzustellen, der immer noch in weiten Kreisen un­seres Volkes zu finden ist. Der neuzeitliche Krieg, der nicht nur an den Fronten ausgefochten, sondern durch die Luftwaffe weit in das Hinterland des Gegners hineingetragen wird, ist um ein Schlag­wort zu benutzen ein totaler Krieg. Beim Schutz des Heimatgebietes gegen Angriffe aus der Luft hat die Flakartillerie die schwere und undankbare Aufgabe, vor allem alle diejenigen Einrichtungen zu schützen, die für den Abwehrkampf, den wir führen, lebenswichtig sind, also die Produktions- stätten der Rüstungsindustrie, die Verkehrsanlagen und Versorgungsbetriebe. Diese will der Gegner treffen, denn ihre Vernichtung ist gleichbedeutend, manchmal foaar noch wichtiger als ein Sieg an den eigentlichen Fronten des Kampfes. Blöcken wir auf die hinter uns liegenden zweieinhalb Jahre des un­serem Volk aufgezwungenen Verteidigungskrieaes zurück, so können wir ohne jede Uebertreibung fest­stellen, daß es unserer Flakartillerie und den ver­bundenen Nachtjägern gelungen ist, dieses Mark un­serer Wehrkraft in vorbildlicher Weise gegen alle, auch noch so hartnäckig geführten Angriffe unserer Gegner erfolgreich zu verteidigen.

Auch dort, wo es nicht gelang, den Gegner zum Absturz zu bringen, sondern das gut liegende Flak« feuer den Gegner nur von seinen Zielen vertrieb, wurde die der Flakartillerie gestellte Ausgabe erfüllt. Daß die feindlichen Flugzeuge, die ihre Bomben in den ihnen zugewiesenen Zielräumen nicht werfen konnten, diese dann über den Wohnvierteln deutscher Städte abluden oder mit ihnen Dörfer und einzeln liegende Gehöfte angriffen, ist zwar außerordentlich bedauerlich, kann aber nicht der Flakwaffe zum Vorwurf gemacht werden, denn jeder muß einsehen, daß der wirkungsvolle Schutz jeder deutschen Stadt und jedes Dorfes einfach eine Unmöglichkeit ist. Selbst die Wirkung der Abwehrgürtel an unfern Grenzen und an den deutschen Küsten kann es nicht immer verhindern, daß einige Flugzeuge durch­brechen und sich dann im Hinterland Zietr suchen, die sie, ungefährdet durch Flakbeschuß, angreifen können. Der Schicksalskampf, den unser Volk um sein Lebensrecht und seine Zukunft führt, wird das hat der Führer immer wieder betont nicht allein an den Fronten, sondern auch in der Heimat geführt. Ein solcher Kampf kostet immer Opfer. Danken mir unserer Flakartillerie dafür, daß ihre Zahl so gering geblieben ist!

Sieben Jahre Flakartillerie

Von Sonderführer K. Jentkiewiez.

dem Scherze eine Schärfe gaben, die ihm ursprüng­lich nicht innegewohnt hatte. So entstand eine Platt­heit, die gedankenlos weiterkolportiert wurde, auch als der Gegner.dann mit seinen Einflügen in das Reichsgebiet begann, als er in dunklen Nächten und im Schutze der Wolkendecke in großen Höhen ein- floa und die Wohnviertel deutscher Städte angriff, weil die Flakartillerie ihn von seinen eigentlichen Zielen vertrieb.

Diesen Satz von der Flakartillerie, die da keine Waffe, sondern eine Weltanschauung sein soll, muß man sich heute erst wieder ins Gedächtnis zurück- rufen, denn dieser Satz, mit dem manch einer von uns den pflichttreuen Soldaten, die eine harte und schwere Aufgabe, ohne einen. Dank oder eine An­erkennung zu erwarten, still und gewissenhaft er­füllten, oftmals weh, in allen Fällen aber unrecht tat, ist im deutschen Volke über den bewunderungs­würdigen Leistungen, die die deutsche Flakartillerie sowohl bei der Verteidigung des Heimatgebietes gegen Angriffe aus der Luft, als auch bei den Sie­geszügen im Westen, im Süden und im Osten voll­brachte, in Vergessenheit geraten, nicht aber bei un­seren Flakartilleristen. Im Gegenteil, die Männer mit dem roten Spiegel am Kragen haben sich da­mals, als ihnen Gedankenlosigkeit einen Rock an­maß, der ein Spottgewand werden sollte, diesen Rock angezogen und sich gesagt: jetzt wollen*wir ihm auch einen Inhalt geben. Und wenn es damals hieß: Die -Flakartillerie ist keine Waffe, sondern eine Weltanschauung!" dann wollen wir diese Welt­anschauung "zu der unjrigen machen, ihr leben und mit ihr kämpfen! Und das haben sie getan!

Zahlen sind nüchtern, aber Zahlen sind auch un­bestechlich, darum seien hier einige wenigs genannt die nicht nur zeigen, was die deutsche Flakartillerie bisher im Schicksalskampf unseres Volkes geleistet hat, sondern die darüber hinaus Zeugnis davon ab­legen, daß diese junge und neuartige Waffe über die ihr ursprünglich im Rahmen unserer Wehrmacht gestellten Aufgaben hinauswuchs, daß sie sich nicht allein auf den Beschuß von Luftzielen beschränkte, sondern sich mutig in die Angriffsfront einreihte und hier Erfolge errang, die nicht zuletzt zu den ge­waltigen Siegen beitrugen, die in die Geschichte ein- gegangen sind. Bis zum Ende des Jahres 1941 hat unsere Flakartillerie insgesamt 5180 Flugzeuge ab- geschossen, 2097 Panzer, 1327 Bunker, 34 Panzer­forts, 6143 MG.-Nester, 3184 Geschütze, Pak und Granatwerfer, 336 Batteriestellungen, 5107 Last­kraftwagen, 55 Transportzüge, 122 Kolonnen, 4 Zerstörer, 19 Kriegsschiffe, 16 Transportschiffe und 32 Munitionslager vernichtet.

Diese verhältnismäßig kleine Auswahl mag ge­nügen. Schon sie zeigt überaus deutlich, welche emp­findlichen Wunden die erst seit noch nicht einmal sieben Jahren bestehende Waffe unseren Gegnern schon bis heute schlug und wie vielseitig sie in ihren Zielen geworden ist.

Rufen wir uns kurz noch einmal ins Gedächtnis zurück: als der Weltkrieg 1914 ausbrach, gab, es

Christian Fehr, weniger enthusiastisch als feine Frau, fragte sich im stillen, woher man wohl die Menschen für diese geplante Geselligkeit nehmen sollte. Doch sagte er nichts davon, um sie nicht zu enttäuschen; er glaubte, zu fühlen, daß sie sich vor der ihm so wohloertrauten, zuzeiten gehaßten, aber auch wieder leidenschaftlich geliebten Einsamkeit von Lappersdorf ein wenig fürchtete.

Insonderheit träumte Marion davon, viel Musik zu machen ... undenkbar für sie, seit Kindertagen, ohne Musik zu leben! Fehr verstand auch das gut; er empfand ihre leichte, zierliche Gestalt, ja ihr ganzes Wesen selbst wie Musik, er freute sich dar­auf, ihren warmen Mezzosopran zu Horen und gab noch von Rapallo aus denn es war in dem ganzen Durcheinander vergessen worden Auftrag, den Flügel zu stimmen.

Und da Musik gemacht werden sollte, war es selbstverständlich, daß eine Einladung an Arnold Fontana ins Jagdhaus hinauf ging. Fontana sagte umgehend durch den Fernsprecher zu:Mit dem allergrößten Vergnügen!"

Wer entstieg sonst den mehr ober minder ele­ganten Wagen, die an diesem Abend um acht Uhr am Lappersdorfer Portal vorfuhren? Es waren jiyie Leute, bei denen Christian Fehr und feine junge Frau sehr bald nach der Heimkehr ihrerseits vorgefahren waren, um Besuch zu machen: Demblin natürlich, der Nachbar, Rittmeister a. D. Demblin auf Nieder-Lappersdorf mit seiner nicht unbeträcht­lich älteren Frau, deren Geld ihm ermöglicht hatte, nach. Krieg und Freikorpszeit im Baltikum zur Landwirtschaft herüberzuwechseln; Landrat Dr. Ollendahl aus der Kreisstadt, ein schwerer, mäch­tiger Mann, der aussah wie ein Prälat, und neben dem seine etwas säuerliche Gattin geradezu mager wirkte, obwohl sie es keineswegs war etliche Guts­besitzer aus dem Gebirgsvorlanh, Graf auf Körners- ryalde, Manzel auf Schulzendorf, von Pfunds auf Seidelwitz, alle mit ihren Damen, dazu Forstmeister

aus aggressiv den Gegner zu treffen. Gerade die Aggressivität, der frisch-freudige Angriffsgeist, bas Duell Mann gegen Mann sind bie Charakteristiken ber Kämpfer in ber Luft. Mit ungeheurem Elan setzte, als bie Stunde des Angriffs kam, die deutsche Luftwaffe zur Vernichtung des Feindes an. In mühevollen Aufklärungsflügen hatte sie vorher alles beim Gegner ausgespäht; Jagdstaffeln hatten feind­liche Einflüge abgewehrt. Nun griffen die Kampf­flieger ein und zerschmetterten mit ihren Bomben den Feind, in Sturzkampfflügen wurden die Be­festigungen der Maginotlinie zerschlagen, ungeheure feindliche Werte kriegswichtiger Art vernichtet. Die Luftwaffe unterstützt heute nicht nur jede Aktion einer anderen Waffe, auch der Marine, sondern sie dient selbst als Angriffswaffe, als Schwert, das die Verbände der Gegner zerschlägt oder ihnen so ge­waltige Verluste beibringt, daß dem Gegner ber. Atem ausgeht. Wir erinnern nur an die Nonstop- Flüge, die Churchill zur Unterstützung Stalins im Vorjahre befohlen hatte, und die infolge unserer Luftabwehr mit einem so kläglichen Fiasko endeten, daß diese sogenannte Luftoffensive Englands schnell abgestoppt werden mußte.

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Ich habe gefürchtet, Herr Baron- daß Ulla diesen Fehler machen würde. Es ist wirklich in meinen Augen ein Fehler, ich möchte das ganz offen sagen. Aber natürlich konnte' ich sie in . ihrem Verhältnis zu Ihnen nicht beeinflussen. Und da wir überhaupt keine Verlobungsanzeigen verschickt haben ..."

Verlobungsanzeigen?" Fehr war einigermaßen vor den Kops geschlagen:Das ist mir in der Tat neu. Ulla und Sie? Da muß ich wohl meinen Glückwunsch aussprechen. So sehr es mich über­rascht. Gehört offenbar zu Ullas neuer Selbständig­keit bitte sehr, ich habe da nichts zu billigen ober zu mißbilligen, ich befinbe mich nur in der beschei­denen Stellung des Papas ..."

Wulflam überhörte, was an Spott und Bitter­keit in diesen Worten war.

Ja, Herr Baron, wir sind verlobt. Und unter anderen Umständen wäre ich selbstverständlich zu Ihnen gekommen, um Sie um Ullas Hand zu bitten. Aber Ulla ist ja, wie Sie selber andeuten, nicht der Mensch, zu dem man auf dem Weg über den Papa gelangt. Lassen Sie mich hoffen, daß die Zeit alle Gegensätze zwischen Ihnen ausgleichen wird. Und seien Sie jedenfalls überzeugt, Herr Baron, daß ich immer für einen solchen Ausgleich wirken werde. Ich habe meinen Vater so früh ver­loren ich finde es schrecklich, solche Zwistigkeiten in der Familie. Und besonders, da wir fortan ge­wissermaßen Wand an Wand leben werden ..

Sehr verbunden, Herr Doktor."

Fehr verabschiedete sich ein wenig zeremoniell. Was er mit Worten nicht sagen mochte, deutete sein Benehmen an: daß ihm die ganze Sache wenig sympathisch war.

Er fuhr ins Schloß zurück und sprach mit Marion darüber; bei dieser Gelegenheit erzählte sie ihm auch von dem Telephongespräch in Dresden, und daß Ulla jede Aussprache mit ihr abgelehnt hatte.

Sie ist ja erwachsen", sagte Fehr abschließend. Sie muß ihre Dummheiten allein verantworten. Aber daß sie nun diesen Wulflam heiraten und sich nach Lappersdorf setzen und uns gewissermaßen schneiden will, das finde ich doch ein bißchen stark. Das muß ja zu einem öffentlichen Skandal führen." Er war sehr verärgert.

Dies war der erste Tropfen Wermut, der in den Becher von Christian Fehrs jungem Glück fiel. Denn sonst war er glücklich, wie er es seit seiner Jugend-

Im ersten Jahre des grohdeutschen Freiheits­kampfes Polen, der freche Herausforderer, war in achtzehntätigem Siegeszuge durch unsere Wehr­macht niedergeworfen worben, frischer Lorbeer schmückte die Fahnen des Heeres, der Kriegsmarine und der Luftwaffe ... unsere Gegner im Westen Frankreich und Großbritannien blickten ge­spannt auf das ihnen unheimliche Wunderwerk des Westwalles und warteten ... in dieser Zeit, da des Krieges schwere Waffen rings um das Reich mehr oder weniger schwiegen und Wehrmacht wie Heimat äu das warteten, was eines Tages kommen mußte, an den Beginn der großen entscheidenden Ausein- anoersetzung, in jener Zeit desNervenkrieges" entstand ein Wort, das man sich noch einmal ins Gedächtnis zurückrufen sollte.

Es kam aus der Truppe, es war eine gutmütige, ja, eine fröhliche Hänselei, wie sie unter Soldaten üblich ist. Da lagen sie in ber Eifel, am Oberrhein und an der belgischen Grenze in den Bunkern des Westwalles, in den Baracken der Bereitstellungs­lager und warteten. Und überall dort, wo die Sol­daten des Heeres der Stunde der großen Bewährung harrten, wo die Männer der Fliegertruppe mit ihren Flugzeugen horsteten, da standen auch die Kanonen ber deutschen Flakartillerie und an ihnen die Soldaten im fliegerblauen Rock mit dem roten Spiegel am Kragen und warteten nicht, sondern waren im Einsatz zu jeder Minute bereit, ein­fliegende Flugzeuge unter Feuer zu nehmen und jeden Angriff aus der Luft abzuwehren. Aber nur selten näherte sich ein französischer ober britischer Aufklärer, selten nur durften bie stählernen Mäuler der schnellen Kanonen sprechen, und noch seltener war die Zahl der Abschüsse, denn der Gegner drehte regelmäßig ab, wenn er bie schwarzen Sprengwol­ken am Himmel sah. Und so wie an des Reiches Grenzen und an der Küste, so standen überall im deutschen Land, wo Jndustriewerke und Brücken, lebenswichtige Einrichtungen und Verkehrsbetriebe zu schützen waren, die Männer der Flakartillerie und suchten tagaus, tagetn und Nacht für Nacht den Himmel nach dem Gegner ab, der selten, ja, fast nie einen Einflug wagte.

Damals wurde von Kameraden anderer Waffen teils aus gutmütigem Spott, teils aus Bewunde­rung der Hingabe, mit der bei Sonnenschein und Regen, bei Sturm, Schnee und Kälte die Flakartille­risten ihren niemals endenden und doch so undank­baren Dienst versahen, der Satz geprägt:Die Flak­artillerie ist keine Waffe, sondern eine Weltanschau­ung!" Und eines Tages brachte ein Urlauber wohl diesen Satz mit nach Hause und erzählte ihn am Biertisch. Von da ab machte er seinen Weg, wan­derte er von Mund zu Mund, wurde er weiterge­geben von einem zum anderen und verlor dabei seinen ursprünglichen Sinn, weil die Fröhlichkeit der gutmütigen Neckerei, die ber Solbat dem Kame­raden zuwarf, in ber Heimat verloren ging, weil Unkenntnis und Unverständnis ber Aufgaben, die ber jungen und neuartigen Waffe gestellt waren,

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