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-Kr. 30'1

Dienstag den 30. Tecember

18^'1

ießener Anzeiger

Amts- und Anzcigeblatt für den Kreis Gießen.

«itreMlt: Schulstraße 7.

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Erscheint täglich mit Ausnahme des MontngS.

Prei» vierteljährlich 2 Mart 20 Pf. mit Bnngerlohn.

Durch die Poft bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

Das alte Jahr.

Die abermalige Vollendung des jährlichen Zeitabschnittes gemahnt uns, da- verflossene Jahr vor unserem geistigen Auge Revue passtren zu lassen. So weit die Ereignisse der Vergangenheit das private Leben berühren, bleiben sie auch Gegenstände des Nachdenkens sür jeden Einzelnen, in der Oeffentlichkeit und Allgemeinheit können nur die öffentlichen und allgemeinen Jntereffen be­handelt werden und hier sind es die Angelegenheiten des Vaterlandes, die uns am Herzen liegen. , t , _ , _n .

E- wird wohl Niemand behaupten können, daß das alte Jahr sur unser Vaterland ein ungünstiges gewesen ist. Es blieb demselben nicht nur der Fri^ den gewahrt, sondern die Friedens-Garantien vermehrten stch auch noch durch den engeren Anschluß der Kaisermächte, welcher in der Monarchen-Begegnung ui Skierniewice besiegelt wurde. Fern blieben auch dem Vaterlande andere Heimsuchungen. Schwere Epidemien, welche in Nachbarländern zum Theu furchtbare Opfer forderten, traten in Deutschland nicht aus, ebenso wenig wur- den schreckliche Naturereigniffe zur Landplage. Es gab auch weder Mißwachs, noch Theuerung im Lande, denn der Erntesegen war im verflossenen Jahre so ziemlich ein allgemeiner. ,, t _ - , .

Und trotz dieser günstigen Eigenschaften, welche das verflossene Jahr m unserem Vaterlande zeigte, fühlt doch jeder Patriot, daß die inneren Verhält­nisse des Reiches an einer bedenklichen Unzufriedenheit und Zerrissenheit kranken. Wo fragen wir aber alle deutschen Männer aus's Gewissen, wo ist die fach- licke Begründung sür diese Un-usriedenheit und Uneinigkeit im Reiche vorhanden . ES liegt an der Regierungsweise, betonen die unzufriedenen Parteien, dieses Gesetz soll nichts taugen und jenes nicht ausreichen, wird geklagt und raiionmrt. Nach der Meinung anderer Unzufriedenen sind es wieder die verkehrten socialen Einrichtungen, die an allen liebeln die Schuld tragen. Doch was liegt in solchen Anklagen für jeden Einsichtigen nicht für eine Verkennung oder Uever- treibuna der Sachlage! Hat man jemals ein Staatswesen oder eme sociale Gemeinschaft ohne Schattenseiten, ohne Gebrechen gesehen? .Siegt.beren nicht weit über aller menschlichen Machtvollkommenheit? Wir müssen uns stets bemühen, Fortschritte zu machen, Fortschritte aus allen Gebieten. Hat sich die Regierung des Reiches oder der Einzelstaaten aber jemals dieser Nothwendig eit verschlossen? Ist sie nicht jedes Jahr mit den Volksvertretungen bemüht für das allgemeine Wohl zu arbeiten und sind mcht auch im verflossenen Jahre wichtige Gesetze zur Förderung des socialen Wohles gerade sür die untren Stassen zu Stande gekommen? Oder hat im Uebrigen das deutsche Reich an Macht, Ansehen und Wohlstand im letzten Jahre etwas euigebützt? Es sind wohl nur Beweise für das Gegentheil da, wobeii allerdingsruch zu verkennen .r daß ein so großes Staatswesen rote das deutsche Reich auch Opfer für seine Erhaltung und Machtentwickelung erfordert. Diese Op,er sanden aber hre gute Verwendung auch im alten Jahr-, das z-A die Vermehrung non D-utschl-nds Macht und Grbß-, die selbst der Nerd nicht bestreiten kann.

Deutschland.

Darmstadt, 27. December. Se. König!. Hoheit der Großherzog em. vstuaen heut- den Rtttmeister v. WWch vom 1. Gard-.Dragoner'Regiment, den Premierlieutenant Goldmann vom 2. Großh. Infant-ri-'Regim-nt (Grobherzog) Nr 116, den Premierlieutenant Bücking vom Garde« Fuß'Artillerie'Regiment, die Secondlieutenants Schimpff vom 3. Großh. Jnfarüerle^Reglment (L-ib-Regi. ment) Nr. 117, Schimpfs vom Badischen Pionier-Bataillon Nr. 14, Herden vom Jnfant-ri-'R-gim-nt Nr. 98, Steinmetz vom Brandenburgischen Artill-ri-'R-giment Nr. 3, Hahn vom Ostpreußischen Dragoner-RegiM-nt, Nr.10 den Unterlieutenant zur See, Zimmermann, ben sind, lorest. Dieffenbach aus ®iefen' rum Vortrag den Generalmajor ä la suite Mootz, den Oberstallmeister Frhrn v. Nordeck zur Rabenau, den Hosjägermeister v. Werner.

8 9 _©ic aus Anlaß des Reichstags-Dotumr vom 15. d. Mts. von hier aus an den Reichskanzler Fürsten v. Bismarck gerichtete ZustimmungS-Adreffe

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sarst-"für?* pfang des Netwsranz^rv in - ehrlichen Gegner und andererseits die

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Laac kommen werde, da« mir zur Verfügung aefttüte Geld »u verwenden, so hat mich doch die opferwillige Gefinnung, womit mir dasselbe geboten ist, herzlich erfreut. Ich sehe darin ein Zeichen deS Vertrauen« in die Bestrebungen der Regierung, da« Loo« der arbeitenden Brölkerung zu verbessern und fühle mich ermutbtgt, wenn ich im vtnne der Intentionen deS Kaiser« ferner thätig bin. Daß die Arbeiter stch bei ihrer Kund, gebung Ihrer Leitung anoertrout haben, zeigt ein Verhältniß fischen Arbeitgeber und Arbeitnehmern, wovon ich im Interesse der Reform unserer socialpol'tischen G-setzgelung ivünsche, daß r« überall stattfiuden oder sich bilden mSge.*

Brevten, 27. December. Die Rettungsstation Bremerhaven der deut- schen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger telegraphirt: Am 26. December wurden von der englischen BriggGlenavon", Kapitän Prttschard, welche, von Geestemünde nach Liverpool, auf der Mellumplate gestrandet war, 7 Personen durch das Rettungsboot der Station Bremerhaven gerettet.

England.

London, 27. December. Zufolge Nachrichten au« Korti vom 26. December werden daselbst Borkeh, ungen für einen Vorstoß nach Merawt getroffen; die Infanterie werde in Booten oorrücken, die Kavallerie zu Lande folgen.

__ Nach einer Mtttheilung derDmeS" au« Durban vom 26. December wurde die britische Flagge nicht in Portunford, sondern in der Santa-Lucia,Bay aufgehisst. Der Gouverneur von Natal suchte die Genehmigung der britischen Regierung zu diesem Schritte nach. (Dagegen meldet dieAllg. Zig." in einer Privat-Depesche au» Bremen: Der Afrtkaretsrnde A- Einwald schreibt unte.'aii Io. November an« Emuvati (Zululand), daß er die St. Lucia-Bucht nebst 100,000 Acre Lande« vom Äönffle Dtnizulu für die Firma Lüderitz erworben hat. Wettere Erwerbungen in Ama- 10900 folgen)

Spanien.

Madrid, 27. December. Nach eingegangenen Meldungen hat in An- dalusieü neuerdings ein Erdbeben stattgefunden, bei welchem gegen 150 Personen um'L Leben ober zu Schaden gekommen sind.

Das bereits gemeldete Erdbeben hat in Jaen, Benagarza, Alsarnatejo, Nerja nnb in der Provinz Malaga großen Schaden angerichtet und sehr viele HLuft» ^rstört, die Zahl der um's Leben gekommenen Personen wird aus 200 angegeben. Die Alhambra in Granada hat keinen Schaden gelitten.

Die Provinz Castilien ist von einem großen Schneesturm heimgesucht worden.

Madrid, 28. December. Durch das jüngste Erdbeben in den Pro- vinzen Granada und Malaga sind nach der amtlichen Zeitung insgesammt 266 Personen umgekommen.

Flurnamen.

Bnkareft, 27. December. Die Kammer verwarf einen anläßlich der Inter­pellation über mc ungarische Grenzsperre gegen das rumän sche Vieh etngebrachten Antrag Cogalniceanu's, dahin gehend, eine Enquete zu veranstalten behufs Erwägung der Mittel, welche geeignet siad, die Beobachtung der HandelSconventton fetten« Oester- reich-Ungarn« zu bewirken. Die Kammer nahm die einfache Tagesordnung an, nach« dem Brattano erklärt hatte, er werde sich bemühen, die osterretchisch-ungartsche Regte, rung zu überzeugen, daß die Maßregeln übertrieben seien und dm beiderseitigen Verkehr schädigen. $$ verlautet, der französische Gesandte in Marokko, Ordega, sei anstatt Rinz'« zum Gesandten in Bukarest ernannt.

Lokales.

Gießen, 29. December. Unsere Feiertage haben durch die WeihnachtS-Aufführung am Samstag Abend einen würdigen Abschluß gefunden. Der hiesige Ktrchenge ang- veretn hat tm Großen und Ganzen Ausgezeichnetes geleistet und wiederum bewiesen, wie er unter Leitung seines eifrigen Dirigenten immer mehr g-deiht; i« w «aachen Nummern hat er sich selbst übertroff m (Nr. 1, 6, 14, 17). Was den Organisten an- belangt, so werden wir hoffentlich noch öfters das Glück haben, ihn hier zu Horen. Das Präludium von Bach, das wie ein Strom dahtnfluthet, war meisterhaft gespielt und gefreut hat es uns, daß auch die tntereffanten Ocgrlsätze eines Zeitgenostrn Merkel'« au« Dresden in das Programm ausgenommen waren.

Gießen, 29. December. Die gestrige Generalversammlung der deutschfreisinnigen Partei zu Gießen tm großen Saale oe« Caf« Leib war derart besucht, boß Hundnte von Personen keinen Platz erhielten, sondern umkehren mußten. Wtr werden in nächster Nummer ein ausführliche« Referat über dieselbe bringen.

Vermischtes.

Tausende längst, sogar zum Theil mit Haupttreffern von 100,000, 80,000, 70,000, 60,000, 50,000 rr. gezogener Loose siad noch unerhoben und fallen derVenaoiung anheim. Jedem Loosbesitzec ift daher dringend zu rathen, als lobnevdste Gttdausgabe die soeben tm 19. Jahrgang erschienene Verloosungsliste über alle b « Decrmber ge­zogenen Sertenloose nebst Verloosungskalmder fürs neue Jahr gegen 50 ^Briefmarken franco zu beziehen von A. Dann in Stuttgart.

sKamof zwischen englischen und deutschen Matrosen.j Einer Meldung aus Adelaide zufolge hat dort am 3 d. em von ernsten Folgen beglettcter Zusammenstctz zwischen englischen und deutschen Mattosen ftattgefunden Die Engländer gebor.en zu den BrigantinenMinnie" und .Bebivgton" und die Deutschen zu dem Dampfer »Catania". Einer der englischen Seeleute blieb tobt auf dem Platze und zwei andere wurden lebensgefährlich verletzt.

Dom Elbstrande, 24. December. Gestern Vormittag ist in der Nähe d 8 Marktfleckens Minzvegk ein Raubmord veiübt worden. Der Thotbestand ist folgender^ Der Viehhändl-r Roderich Helbing vkrlteß Vormittag 6 Uhr seine Wohnung in d tn etwa 4 Kilometer davon entfernten Dorfe Bonzhausen, um ^uf dem tn Minzwetr ftattfindenden Markte seine Einkäufe an Schweinen zu besorgen. Zwei Stunden spa.er fand man seine verstümmelte Leiche in der Nähe dieses Ortes m tun im W ge liegen. Dem Helbing war der Hiuterkopf eingeschlagen, der Hals fast ganz burchsLE», an der rechten Hüfte befanden sich drei Messerstiche, von denen zwei Absolut todtlich waren. Don dem noch blutenden Körper war die Geldkatze mit 7o0 und aus d^m neben